3. Tag

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Mein Frühstück nehme ich im exklusiven Café BUTTERY ein. Hier kann man noch die englische Teetradition erleben. Gleich nebenan befindet sich ein dazugehöriger Spezialitätenladen.
      Am Nebentisch wird deutsch gesprochen. Drei Deutsche unterhalten sich mit einer Inderin, die sowohl englisch als auch ein grammatikalisch korrektes Deutsch mit starkem Dialekt spricht. Die Deutschen sind sich einig, daß die Engländer viel netter miteinander umgehen als Deutsche. Es ist immer das gleiche: die Deutschen beschweren sich über ihre Landsmänner, aber selbst verhalten sie sich auch nicht anders. Dann wechseln sie das Thema und unterhalten sie über die Unterschiede der beiden Sprachen Englisch und Deutsch.

Die Umgebung von Penzance: Mousehole - Paul - Newlyn

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"Schon um zehn Uhr war es heiß. Er fuhr an der Küste entlang nach Mousehole. Es war schwierig, den Wagen auf der engen Ortsstraße irgendwo abzustellen, ohne die Straße zu blockieren; schließlich gelang es ihm. Er ging zum Hafen hinunter und stieg weiter an dem steinigen Strand nah ans Meer heran, fand schließlich eine Ecke wo er sitzen und sich an die Klippen lehnen konnte und begann zu lesen. Nichts war zu hören außer dem ruhigen Meer und den Möwen, nicht einmal eine Stimme, ein einzelnes Wort aus dem Dorf über ihm. Die Sonne machte ihn schläfrig; er legte das Buch beiseite, schloß die Augen und verfiel bald in einen Halbschlaf voll von Bildern."
aus: Jochen Schimmang "Das Ende der Berührbarkeit", S.109f

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Ich nehme den 10 Uhr-Bus nach Mousehole, aber dort gefällt es mir nicht. Ich kaufe mir aber eine Karte, auf der Wanderwege eingezeichnet sind.
      Danach laufe ich ins Landesinnere nach Paul. Dort läuten die Glocken schön melodisch. Bei uns wird man dagegen unsanft aus dem Alltag gerissen, wenn es läutet.
      Über heckenumrandete, kaum 3 Meter breite Autostraßen und Wege laufe ich nach Newlyn zurück. Es ist keine lange Strecke, aber ich wandere doch lieber an einer Küste entlang.
      Viele Häuser haben hier im Garten eine Hauspalme stehen, was der Gegend einen exotischen Touch verleiht. Überhaupt legt man hier auf die Gärten viel Wert und jedes Cottage hat seinen Eigennamen.
      Zurück in Penzance, suche ich ein Café, dabei entdecke ich einen "Coffeeshop", der mir gefällt.Cafés wie man sie bei uns kennt, gibt es hier nicht. Außer Kaffee und Kuchen werden immer auch Snacks angeboten. Schnell-Restaurants sind dagegen weit verbreitet. Cafés sind meist Geschäften angeschlossen und heißen dann "Coffeeshop". Sie sind dann gleichzeitig Antiquariat, Töpferei oder Workshop. Die Engländer lieben das "Take-away". In den Gaststätten werden immer zwei verschiedene Preisen angegeben.

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"Die fast leeren Straßen bedrückten ihn, und schon bereute er es beinahe, nach Cornwall gefahren zu sein. In London hatte es jetzt immer die Gelegenheit gegeben, sich in einem belebteren Viertel zwischen den anderen treiben zu lassen. Er ging einen großen Teil der Hauptstraße entlang und blieb zuweilen bei den Restaurants stehen, wandte sich schließlich nach links, wo die Straßen ans Meer hinuterführten, und fand auf halbem Wege den Eingang zu einem Park. Please keep your dog under control, hieß es auf einem Schild.
Im Park ließ seine Niedergeschlagenheit etwas nach. Er sah eine Reihe von Pflanzen, die er zwar nicht benennen konnte, deren Herkunft aber offenkundig tropisch war. Daraus machte er sich eine Vorstellung, wie das Klima hier sein mochte, wenn nicht Nebel und Feuchtigkeit die Stadt verhüllten."
aus: Jochen Schimmang "Das Ende der Berührbarkeit", S.104

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Den öffentlichen "Garden" finde ich nach Gehör. Vom Musikpavillion dringen die letzten Töne eines Platzkonzertes zu mir herüber. Der Park ist ein Palmengarten, auch der Rasen hat nichts typisch Englisches.
Park in Penzance
Bei meinem Spaziergang auf der Promenade entdecke ich in der Nähe des Schwimmbades einen "Wishing Well". Vom ursprünglichen Brunnen ist nicht mehr viel zu sehen: nur eine gemauerte Umfassung. Das Brunneninnere wird als "Spendenkasse für Wohlfahrtszwecke" genützt und von einem Metalldeckel mit zwei Schlitzen für Münzen verdeckt. Ein Vorhängeschloß verhindert, daß sich Unbefugte bereichern. Es fällt mir schwer, das Gesehene mit dem populären Song von FREE in Verbindung zu bringen.
      Take off your hat, kick off your shoes. I know you ain't goin' anywhere. Run round the town, singin' your blues. I know you ain't goin' anywhere. And the only time that you're satisfied. Is with your feet in the wishin' well.
      Ein aufkeimendes, schlechtes Gewissen mag sich vielleicht durch ein paar Münzen entsorgen lassen. Barfuß über den Strand zu laufen und den sonnenwarmen Sand zwischen den Zehen und unter der Fußsohle zu spüren, wäre jetzt aber allemal befriedigender.
      In der Nähe von Porthcurno soll es jedoch idyllisch gelegene "Wishing Wells" geben, mein nächstes Reiseziel liegt damit fest.

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© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt:
04. Juni 2000
Update:
29. Januar 2002
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dem 04.Juni.2000