5. Tag

Von Penzance über Land's End und Sennen Cove nach St. Just

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"Land's End enttäuschte ihn; ein von einem pub gekrönter Parkplatz mit einer Steilküste dahinter, von Abfall übersät; die Besucher saßen mit kleinen Snacks, Coladosen und Fotoapparaten auf den Klippen und sahen aufs Meer. Er kletterte auf eine Steilklippe möglichst weit weg von den anderen, aber der Wind trug immer noch ihre Stimmen zu ihm herüber."
aus: Jochen Schimmang "Das Ende der Berührbarkeit", S.109

 

Es ist herrliches Wetter. Nach einem Frühstück fahre ich mit dem Bus nach Land's End. Dort wollen die Engländer für die Besichtigung der Klippen glatt 50 Pence kassieren, was mir zu viel ist. Ich habe mir dann einfach meinen eigenen Weg zum Meer gesucht. Dadurch bin ich zum einen dem Touristenrummel und zum anderen der abfallübersäten Natur entgangen.

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Land's End
An der Küste wandere ich bis Sennen Cove. Dort erwartet mich ein wunderschöner und langgestreckter Sandstrand, der jedoch stark frequentiert ist. Take off your hat, kick off your shoes. I know you ain't goin' anywhere. Run round the town, singin' your blues. I know you ain't goin' anywhere. And the only time that you're satisfied. Is with your feet in the wishin' well. Ich ziehe meine Sandalen und Socken aus und geniesse den sonnenwarmen Sand.

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Füsse im Sand
Bis zu meinem Reiseziel St. Just sind es noch 3 Kilometer. Dieser Teil des Coast Paths ist nicht sehr beschwerlich, aber durch meinen Rucksack, der heute seine erste Bewährungsprobe hat, ist mein T-Shirt völlig durchnäßt. Am Ende des Strandes geht es wieder an der Steilküste weiter. Irgendwann führt ein Tal ins Landesinnere nach St. Just. Ich folge einem rauschenden Bach, der die ansonsten karge Vegetation zum Sprießen und Blühen bringt. Und dann stehe ich überrascht vor einem Tea-Garden.
Tea-Garden bei St. Just St. Just liegt noch einen Kilometer weiter, aber ich nutze die Gelegenheit und werde mit einem vorzüglichen Tee mit reichlich "clotted cream" und "strawberry jam" belohnt.
      Ich kann mich wie zuhause fühlen, als ob ich im Vorgarten eines Einfamilienhauses sitze. Vor dem Haus sieht man ein Planschbecken für die Kinder und die vier Tische, an denen Leute sitzen können, sind weitläufig über das Gelände verteilt. Dazwischen ist viel Platz für blühende Sträucher und Blumen.
      Die Frau, die mich bedient, ist sehr freundlich und beschreibt mir mit einfachen Worten den kürzesten Weg zur Jugendherberge.

St. Just in Cornwall

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Das Land's End Hostel liegt nur 2 Minuten vom Tea-Garden entfernt, also ebenfalls mitten im Grünen. Ich habe Glück, daß ich noch ein Bett frei ist. Dafür muß ich mit dem großen Nebenhaus vorlieb nehmen.

 

"In St. Just, dem nächsten größeren Ort, entdeckte er an einer Seite des fast quadratischen Dorfplatzes ein sehr schönes, im ersten Stockwerk gelegenes Café, das er nun regelmäßig aufsuchte.
aus: Jochen Schimmang "Das Ende der Berührbarkeit", S.107

"Noch einmal fuhr er nach St. Just ins Café. Er war der einzige Gast und sah auf den völlig leeren großen Dorfplatz, auf dem nur an einer Seite ein paar Autos sorgfältig nebeneinander aufgereiht waren."
aus: Jochen Schimmang "Das Ende der Berührbarkeit", S.113

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In St. Just finde ich zwei Cafés, auf die SCHIMMANGs Beschreibungen passen könnten. Das eine nennt sich LITTLE RESTAURANT und das andere heißt GALLERY RESTAURANT. Beide Lokale befinden sich im ersten Stock. Ich entscheide mich für lezteres.
      Von meinem Platz aus sehe ich auf ein Denkmal für die Gefallenen des II. World War, das gleichzeitig die Funktion einer Dorfuhr hat. In Deutschland ist mir solch ein Pragmatismus noch nicht begegnet. Neben dem Denkmal sind beidseitig Bänke aufgestellt. Auf der einen Seite halten die Alten ihr Schwätzchen, auf der anderen Seite versammelt sich die Dorfjugend.
      Im Lokal hängen die Gemälde bunt durcheinander an der Wand: große und kleine, gemalte und gezeichnete Bilder. Es ist kein "fully licensed restaurant", dazu fehlt der Alkohol auf der Getränkekarte. Es ist ein besseres Hamburger Restaurant. Die einzelnen Tische sind durch die hochgezogenen hölzernen Lehnen der Sitzbänke gegen Sichtkontakt abgeschirmt. Die holzfarbenen Brauntöne bilden dazu keinen Kontrast. Die Speisekarte ist als Malerpalette gestaltet. Sie besteht aus Holz, auf dem einzelne Farbkleckse angeordnet sind. Mit schwarzer Schrift sind die Speisen aufgeführt.
      Das Restaurant ist gleichzeitig ein Café, so steht es über dem anderen Eingang. SCHIMMANGs Angaben lassen keine eindeutige Identifikation zu. Außerdem gibt es auch noch die schriftstellerische Freiheit: was ist Realität und was Fiktion? Der Roman spielt im Jahre 1980 und möglicherweise existiert das Café gar nicht mehr.

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© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt:
04. Juni 2000
Update:
29. Januar 2002
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dem 04.Juni.2000