| Nach dem Frühstück
wandere ich zur Küste, wo ich diesmal zum Cape Cornwall
laufe. Dabei habe ich schöne Ausblicke auf Sennen Cove
und die umliegende Steilküste. Mein Ziel sind aber die cornischen Zinn- und Kupferminen in der Nähe von Botallack. Auf meiner Suche gerate ich unversehens in eine "Ghosttown". Zwischen den verfallenen Gebäuden leben noch ein paar Tiere. Ein Esel grast friedlich neben einem ausrangierten Betonmischer und schreckt auf, als ich so plötzlich bei ihm auftauche. Als er sich mir anschließen möchte, wird er durch eine Leine daran gehindert. |
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Bald darauf entdecke ich auch verfallene Maschinenhäuser. Ich stelle mir vor, wie diese Gegend bei Nebel auf mich wirken würde. EDGAR ALLAN POE fällt mir ein, aber bildhaft vertrauter sind mir die Szenen aus den EDGAR WALLACE Krimis. Man weiß nie, welcher Bösewicht gleich vor einem steht. Mir verstellen plötzlich zwei Ziegen den Weg. Sie sind zwar angebunden, aber das einzige weiterführende Gatter liegt genau in ihrer Reichweite. Mit Schnelligkeit rette ich mich vor den gefräsigen Ziegen. |
| In der Verlassenheit und
Stille dieser cornischen Landschaft entstehen schnell
Gefühle der Einsamkeit, besonders wenn die Sonne nicht
scheint oder Nebel die Düsterheit betont. Wie lange
könnte ich einer solchen Stimmung widerstehen? Die Häuser in den englischen Küstenstädten sehen anders aus als bei uns. Sie sind meist aus grauen Granitsteinblöcken erbaut, die den Wetterverhältnissen trotzen können. Die Türen, Fenster, Rohre und Dachkandeln setzen dagegen verschiedenfarbige Akzente. Bei aneinandergereihten Häuserblocks ergibt sich dadurch ein überraschend buntes Bild. |
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| In St. Just kommen die Farben jedoch nicht zur Geltung. Wenn bei diesem verschlafenen Nest die Sonne einmal weg ist, dann wirkt alles grau und düster. In Penzance kam mir das nie so vor. Allein die vielen Menschen lassen zumindest im Sommer düstere Stimmungen kaum zu. Wie es wohl wäre, den Winter in Cornwall zu verbringen? |
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ExkursHätte ich
St. Just damals als Übernachtungsort gewählt, wenn ich
Wolfgang HILDESHEIMERs "Zeiten
in Cornwall" gekannt hätte
und dessen Buch statt SCHIMMANGs "Das Ende der
Berührbarkeit" auf der Reise dabei gehabt hätte?
HILDESHEIMER hat St. Just aufgesucht, weil es ein Ort ist, der mit persönlichen Erinnerungen verbunden ist. Beim Anblick der Stadt wird die Vergangenheit lebendig und er hört erneut die an ihn gestellte Frage, ob er hier wohnen möchte.
Im Bahnhof
habe ich neulich einen Werbeslogan für Reiseliteratur
gesehen, der sinngemäß hieß: Man sieht nur das,
worüber man gelesen hat.
HILDESHEIMER
hatte es einfacher mit dem Auffinden von Orten als ich.
Er kann das Vorhandene mit seinen im Gedächtnis
gespeicherten Erinnerungen vergleichen, während ich auf
den Vergleich mit Geschriebenem angewiesen war. Dies ist
bei einem Reiseführer einfacher, der zum Zwecke des
Auffindes geschrieben wurde, als bei einem Roman, der
eine Handlung erzählt und dessen Handlungsorte mehr oder
weniger austauschbar sind. Beschreibungen sind
hochselektiv, gemessen an der wahrnehmbaren Umgebung.
Wenn man nur das sieht, was man gelesen hat, dann
übersieht man vieles. Andererseits hat jede Umgebung
eine Geschichte und hier stößt das gegenwartsverhaftete
Sehen an seine Grenzen. |
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| Den letzten Abend in St. Just verbringe ich in einem Pub. Die Dämmerung hat inzwischen die letzten Farben zum Verschwinden gebracht. Ich sitze diesmal in der Lounge und nicht in der Bar. Wenn ich so die Leute beim Schlemmen betrachte, dann sammelt das Pub gegenüber den hiesigen Restaurants Pluspunkte. Das Essen sieht gut aus und man bekommt sogar ein Lager oder Bitter dazu. Es verkehren hier vorwiegend Familien und nur selten Einzelpersonen oder Gruppen wie an der Bar. |
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| © 2000-2002 Bernd Kittlaus |
Bernds@single-dasein.de | Erstellt: 04. Juni 2000 Update: 29. Januar 2002 |
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