7. Tag

Von St. Just über Zennor nach St. Ives

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"Bis zuletzt wartete er auf einen neuen plötzlichen Wetterwechsel, auf den Durchbruch der Sonne an der Küste. Das Wetter änderte sich nicht mehr, im Nebel und auf engen Wegen fuhr er nach St. Ives, parkte den Wagen ganz oben über der Stadt und hätte über sie hinwegsehen können, wenn es das Wetter zugelassen hätte. So aber sah er die Häuser der Straße kaum, die Haus für Haus bed and breakfast anboten, mit Fernsehraum und anderen Extras."
aus: Jochen Schimmang "Das Ende der Berührbarkeit", S.103

"An jedem der Tage machte er kleine Ausflüge, einzelne mit festem Ziel, bei anderen ließ er sich nur einfach treiben, bis er das Gefühl hatte, irgendwo ankommen zu können. St. Ives enttäuschte ihn auch beim zweiten Besuch, denn es versteckte sich noch immer im Nebel, der schon drei Meilen hinter dem sonnigen Penzance begann und ihn zwang, Licht einzuschalten. Eine halbe Stunde versuchte er, sich mit dem Ort bekanntzumachen, sah viele Töpfereien und Keramikläden und noch mehr Touristen und fuhr weiter, durch enge Wege, beidseitig durch Felssteine begrenzt, dahinter eine struppige, mürrische Heide und ab und zu ein Haus, ein kleiner Ort. Was hier zu Ende geht, dachte er, das ist dann wirklich zu Ende, und der Gedanke gefiel ihm."
aus: Jochen Schimmang "Das Ende der Berührbarkeit", S.106f

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Um acht Uhr wandere ich mit meinem Rucksack von der Jugendherberge los. Mein Ziel ist das 15 Kilometer entfernte Zennor, von wo aus ich mit dem Bus nach St. Ives weiterfahre.
      Die Sonne scheint und ich habe nur ein T-Shirt und kurze Hose an. Ich werde diesmal den kürzeren Weg durchs Landesinnere - vorbei an steinernen Zeugnissen der Vorgeschichte - nehmen. Schon bald verschwindet die Sonne hinter dichten Nebelschwaden. Nach ein paar Kilometern wird es so kalt, daß ich meine warmen Sachen aus dem Rucksack heraushole und anziehe.
      Der Weg führt durch Acker- oder Viehland, vorbei an einsam gelegenen Farmen. Dann wieder nur karge Heidelandschaft. Man muß viel Zeit einplanen, wenn man alle Dolmen, Menhire oder Steinkreise besichtigen will, die hier entlang des Weges liegen. Sie haben keltische Namen wie
Chûn Quoit, Lanyon Quoit, Mên-an-Tol oder Boskednan. Die erste Sehenswürdigkeit auf meinem Weg heißt dagegen schlicht Tregeseal group. Mir fehlt eine genaue Karte, um sie auch im Nebel finden zu können, weswegen ich auf meinem Weg bleibe.
Maschinenhausruine im Nebel   Vom Meer her bläst mir nun eine frische Brise entgegen.
      Vor Zennor tauchen dann ab und zu Maschinenhausruinen gespenstisch im Nebel auf.
      Zennor ist eine kleine Häuseransammlung und besitzt ein Wayside Folk Museum. Bis zur Abfahrt des Busses reicht es gerade noch für ein erfrischendes Pint of Lager.
 
Der Bus ist eine Überraschung: ein rot-weißer Doppeldecker. Im Oberdeck sitzt man jedoch wie im Cabriolet. Das Unterdeck ist überfüllt, also gehe ich nach oben und lasse mir den kalten Wind um die Ohren blasen.
      Kurz vor St. Ives geschieht dann ein kleines Wunder: die Sonne kommt heraus und ich erlebe das Städtchen im sommerlichen Flair.
  Bus  

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© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt:
04. Juni 2000
Update:
29. Januar 2002
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