11. Tag

Bath in Somerset

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"Climbing up on Solsbury Hill
I could see the city lights
Wind was blowing, time stood still
Eagle flew out of the night"
aus: Solsbury Hill von Peter Gabriel , 1977

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Morgens, kurz vor sieben, muß ich in der Jugendherberge aus dem Fenster steigen, da die Tür noch abgeschlossen ist. Duties gibt es in Exeter nur für die Jüngeren. Es ist meine kürzeste Bahnreise.
      Im Tourist Office von Bath bekomme ich problemlos ein Bed and Breakfast für zwei Nächte vermittelt. Der Vermieter besitzt ein Piano-Geschäft und überläßt es dem Au-Pair-Mädchen mir das Domizil zu zeigen.
      Es ist das luxuriöseste Zimmer auf meiner Reise und paßt zu dieser traditionsreichen Stadt. Das Mobiliar besteht aus Antiquitäten und an den Wänden hängen stilvolle Gemälde. Es ist sogar ein altes Grammophon vorhanden, aber die Schellackplatten fehlen. Zwei Wände sind dunkelgrün und weiß gestreift, die anderen Wände sind himmelblau gestreift. Das Zimmer wirkt sehr vornehm, was gar nicht so richtig zu meinem Rucksack passen will.
      Vom Fenster aus habe ich einen schönen Überblick über die Stadt mit ihren alten Gemäuern. Die hellen Steine sind im Laufe der Jahrhunderte schwarz geworden. In dieser Klassik-Stadt kann man sich Popmusik gar nicht so recht vorstellen. Das Monumentale der Bauwerke scheint allen Veränderungen zu widerstehen.
      In den Geschäftsstraßen herrscht trotzdem eine erstaunliche Hektik. Es ist eigentlich schon ein großstädtischer Betrieb, den ich gar nicht mehr gewohnt bin. Ich fühle mich in diesen Straßen beengt und mir wird erst wohler als ich den River Avon erreiche, der träge vor sich hin fließend die Hektik vergessen läßt. Der ferne Verkehrslärm vermischt sich mit den Geräuschen der Natur und macht ihn erträglich. Am Himmel haben Regenwolken die Sonne verdeckt und ich bekomme die ersten, feinen Regentropfen ab.
Also mache ich mich auf den Rückweg, der über die Pultney Brücke führt. Das Vorbild in Florenz habe ich ein Jahr zuvor überquert. Die Brücke mag der Ponte Vecchio ähneln, aber das Wetter ist grundverschieden.
      Den Abend verbringe ich mit Briefe schreiben. Vom Fenster aus, kann ich die Lichter der Stadt sehen. Ein paar Meilen weiter könnte Peter Gabriel seinen Lieblingsberg besteigen...

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© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt:
04. Juni 2000
Update:
29. Januar 2002
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dem 04.Juni.2000