"»Ich bin auf alles
eingerichtet, ich bin gegen alles gewappnet,
mich wird nichts mehr verletzen. Ich bin
unverletzlich geworden. Ich habe in
Drachenblut gebadet, und kein Lindenblatt
ließ mich irgendwo schutzlos. Aus dieser
Haut komme ich nicht mehr heraus. In meiner
unverletzbaren Hülle werde ich
krepieren...«, konstatiert die
Ich-Erzählerin, Ärztin an einem
Ost-Berliner Krankenhaus, kinderlos,
geschieden, am Ende dieser Novelle. Ein
scheinbar ganz normales Frauenleben wird in
Rückblicken beschrieben. Doch niemand wird
dieses Buch ohne Betroffenheit aus der Hand
legen. Es hat einen Sog, der einen nicht
freiläßt. Wer es gelesen hat, muß fragen
und wird wissen, in welchem Drachenblut uns
allen etwas von jenem dicken Fell der
Ängste, des Mißtrauens und der
Frustrationen wächst, das die
Ich-Erzählerin gnadenlos von der Welt, von
sich selbst, von ihrem Freund, von ihrer
Kindheit trennt."
Stimmen zu
"Drachenblut oder Der fremde
Freund"
"»Drachenblut«
thematisiert ganz unmittelbar eine
Distanzbeziehung, schildert ein solches Leben
aus der Perspektive einer Frau - in der
Absicht, vor der Kälte und der Abkapselung
der Individuen zu warnen."
(aus: Dorothee
Schmitz-Köster: Liebe auf Distanz. Getrennt
zusammen leben, 1990)