"In seinem beinahe
sprichwörtlich gewordenen Roman Schöne
Tage (1974) kam etwas in Österreich bis
dato Unerhörtes zur Sprache: Ein uneheliches
Landarbeiterkind arbeitete sich nicht nur
unter unsäglichen Mühen an den
Verhältnissen in der Salzburger Einschicht
ab. Es gewann mit seiner eben nicht
'naturwüchsig' ihm zukommenden, sondern
gegen übermächtige Kräfte erworbenen
Sprachkompetenz die (leidliche)
Verfügungsgewalt über seine (traurige)
Existenz zurück.
Innerhofers Werk ragt somit aus einer Zeit
herauf, als man 'Herrschaftsverhältnisse' in
Österreich, gewiss unter dem begünstigenden
Einfluss der Ära Kreisky, auch als solche
endlich zu benennen begann.
(...)
Es folgten bis 1977 die Romane Schattseite
und Die großen Wörter, und
Innerhofers 'Holl' erlebte seinen Bildungs-
und Entwicklungsroman, genoss die Privilegien
einer sich aufschließenden Gesellschaft und
verschwand: im Sand der Verhältnisse.
(...)
In der postmodernen Wissensgesellschaft
schien er verloren - und von jenem Boden
abgeschnitten, von dessen glücklicher
Bearbeitung seine Bücher zeugen."
(Ronald Pohl im Standard vom
23.01.2002)
"»Schöne Tage«
, 1981 von Fritz Lehner verfilmt, ist
Teil einer Triologie ( »Schattenseite«,
»Die großen Wörter« ) ,
die dieser Literatur durch Hans Weigel
die Ettikettierung »Anti-Heimatroman«
eintrug. Über diese Bezeichnung war
Innerhofer nie wirklich glücklich,
treffender schien da ein Wort, das die Kritik
zu »Schöne Tage« prägte;
sie feierte Innerhofer als
»österreichischen Elendsrealist«."
(Christian Pichler in den
Oberösterreichischen Nachrichten vom
23.01.2002)
"Als Lichtgestalt des
kritischen Heimatromans hatte er dereinst die
literarische Bühne betreten - und sich von
den Verheissungen dieser ihm so fremden Welt
blenden lassen. Die Mechanismen des
Literaturbetriebs durchschaute er nie."
(M.B. in der Basler Zeitung
vom 24.01.2002)
"Zugrundegangen ist Franz
Innerhofer, der jetzt nach Jahren bitterer
Armut und Vereinsamung Selbstmord verübte,
nicht allein an den Wunden, die ihm in seiner
Kindheit auf dem rohen Land geschlagen
wurden, sondern auch an jener kalten
Gleichgültigkeit, auf die er in der urbanen
Welt der »Großen Wörter« gestoßen
war."
(Karl-Markus Gauss in der SZ
vom 24.01.2002)
"Die am eigenen Leib
erfahrene, verlogene Bergbauernwelt war der
Motor für Innerhofers Munch-haften
»Schrei«, den er seiner Romanfigur Holl in
den Mund legte."
(Stephan Hilpold in der FR
vom 24.01.2002)
"Sein alter ego nannte er
Franz Holl; dieser wurde als Knecht-Bub in
der Alpenhölle nur Holl genannt, als
Lehrling gegängelt und als
»Milieuwechsler« war er überangepasst und
überempfindlich zugleich. Das Problem der
Autobiographien Innerhofers war: Je mehr die
Figur Franz Holls seinen Lesern ähnlich
wurde, umso langweiliger empfanden sie ihn.
Je mehr seine Bücher das exotische Milieu
der alpinen Knechtschaft hinter sich ließen,
umso mehr verblasste sein Ruf. Die Leser
wollten etwas vom stummen Elend im Bergidyll
wissen, nichts vom beredten
Intellektuellen."
(jae. in der Berliner
Zeitung vom 24.01.2002)
"Franz Innerhofers Romane
und Erzählungen waren Bildungsromane über
den zweiten Bildungsweg, sein Leben verlief
vom Salzburger Knecht zum Schriftsteller, von
wahrhaft misslichen Karriereprognosen zu
hohen Erwartungen. An beiden ist Franz
Innerhofer, der der österreichischen
Nachkriegsliteratur einige ihrer wichtigsten
Bücher hinterlässt, wohl letztlich
gescheitert."
(Paul Jandl in der Neuen
Zürcher Zeitung vom 24.01.2002)
"Innerhofer (...) hat die
Leibeigenschaft beschrieben, die er auf dem
Bauernhof seines Vaters erdulden musste. Die
Umgangsformen dort - wohlgemerkt in der Zeit
zwischen 1950 und 1961 - erinnern entweder an
finsterstes Mittelalter oder an die Taliban
von heute. Da, im landschaftlich schönsten
Tauerngebiet, ist der Mensch zum Tier
verkommen."
(P.K. in der Stuttgarter
Zeitung vom 24.01.2002)
"Als «österreichischer
Elendsrealist» wurde Franz Innerhofer nach
dem Erscheinen seines Romanerstlings
«Schöne Tage» (1974) gerühmt.
(...)
Als dieses weitgehend autobiografische
Erzählwerk 1981 von Fritz Lehner verfilmt
wurde, hatte der Literaturstern Innerhofer
schon längst den Zenit überschritten. Nach
seinem zweiten Roman «Schattseite» schlug
die anfängliche Begeisterung des
Literaturbetriebs über den zornigen jungen
Mann, der so schonungslos mit seiner
bäuerlichen Herkunft abrechnete, in das
genaue Gegenteil um. Der literarische
Zeitgeist hatte gegen ihn gearbeitet, die Uhr
für die sozial engagierte realistische
Literatur war abgelaufen."
(Peter Mohr in der Aargauer
Zeitung vom 24.01.2002)
"Franz Innerhofer (...) war
weder Herr seines Lebens noch seines
Schreibens, und doch war er ein
Schriftsteller von besonderem Rang."
(Ulrich Greiner in der Zeit
vom 31.01.2002)