[ Literaten-Index ] [ News ] [ Suche ] [ Homepage ]

 
       
   

Günter Grass: Die vaterlose Gesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Günter Grass in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • fehlt noch
 
       
   

Günter Grass im Gespräch

 
   
  • GRASS, Günter & Pierre BOURDIEU (1999): Alles seitenverkehrt.
    Zivilisiert endlich den Kapitalismus! - Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass und der Soziologe Pierre Bourdieu im Gespräch,
    in: Die ZEIT Nr.49
  • SCHWEIZERHOF, Barbara & Jörn KABISCH (2001): Wer hat sich denn.
    Günter Grass über die 68er, das Kippen von links nach rechts und eine Rhetorik, die Menschen keine Veränderungen zugesteht,
    in: Freitag Nr.6 v. 02.02.
 
       
   

Im Krebsgang (2002)
Göttingen: Steidl Verlag

 
       
   
  • Rezensionen:

    • HAGE, Volker (2002): "Das tausendmalige Sterben".
      In seiner neuen Novelle "Im Krebsgang" erzählt Günter Grass von der Tragödie der Versenkung des Flüchtlingsschiffs "Wilhlm Gustloff" 1945 - und schildert packend einen von der deutschen Literatur lange gemiedenen Stoff: die blutige Geschichte der Flucht aus dem Osten,
      in: Spiegel Nr.6 v. 04.02.
      • Kommentar:
        Der Literaturnobelpreisträger Günter GRASS - wie Martin WALSER ein Angehöriger der Flakhelfer-Generation - übt angeblich Selbstkritik.
              
        In Wirklichkeit rechnet er mit der 68er-Generation und der Generation @ ab. Das Buch ist der letzte verzweifelte Versuch, die Deutungshoheit über gesellschaftliche Themen zurückzugewinnen.
              
        Die Protagonisten des Romans sind Tulla Prokriefke, deren Sohn Paul - ein 68er - das Flüchtlingsschicksal der Muttergeneration aufschreiben soll, aber lieber sein eigenes Leben lebt. Pauls vaterloser Sohn wiederum - ein Angehöriger der Netzgeneration - gerät in Neonazikreise. Am Anfang steht also die Verdrängung und am Ende die Misere der vaterlosen Gesellschaft (Alexander MITSCHERLICH) mit der dazugehörigen Erziehungskatastrophe (Susanne GASCHKE). Was an dieser Sicht neu sein soll, das weiss nur das GRASS-freundliche Feuilleton!
              
        Ursula MÄRZ hat deswegen GRASS bereits vorsorglich in der Frankfurter Rundschau vom 02.02.2002 ("Abschied vom Phantom") gegen die Kritiker aus den Nachfolgegenerationen in Schutz genommen. Ihre Befürchtung, dass dieser "Anti-Grass-Verein" das neue Werk ablehnen könnte, sind nur zu berechtigt.
    • HALTER, Martin (2002): Rückwärts krebsen, um voran zu kommen.
      Günter Grass hebt in seiner heute erscheinenden Novelle "Im Krebsgang" ein Stück versunkener deutscher Geschichte,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 05.02.
    • JÄHNER, Harald (2002): Tulla, unerlöst und heimatvertrieben.
      Im neuen Buch von Günter Grass kämpft seine Heldin von einst um Gehör und findet es bei Neonazis,
      in: Berliner Zeitung v. 05.02.
    • KARASEK, Hellmuth (2002): Der Taucher.
      Günter Grass hat sein bestes Buch seit langem geschrieben: "Im Krebsgang" erinnert an den Untergang der "Wilhelm Gustloff" im Jahr 1945,
      in: Tagesspiegel v. 05.02.
    • RAULFF, Ulrich (2002): Untergang mit Maus und Muse.
      Günter Grass will den Leidschatz der Vertreibung aus der Ostsee heben: Heute erscheint seine Novelle "Im Krebsgang",
      in: Süddeutsche Zeitung v. 05.02.
    • SCHNEIDER, Rolf (2002): Der beste Grass seit Jahren.
      Die Novelle "Im Krebsgang": Eine notwendige Erinnerung an das Schicksal der Vertriebenen,
      in: Welt v. 05.02.
    • FRANZEN, Günter (2002): Der alte Mann und sein Meer.
      Günter Grass verarbeitet ein Kapitel deutscher Vertreibung: den Untergang der "Wilhelm Gustloff",
      in: Die ZEIT Nr.7 v. 07.02.
    • AREND, Ingo (2002): Kraft durch Wahrheit.
      Das Böse, das Raus muss,
      in: Freitag Nr.7 v. 08.02.
    • BUCHELI, Roman (2002): Die verspätete Erinnerung.
      Günter Grass' Novelle "Im Krebsgang",
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 09.02.
    • FRANZEN, Günter (2002): Der alte Mann und sein Meer.
      Das Ende der intellektuellen Einfalt: Günter Grass und die Vertriebenen,
      in: Welt v. 09.02.
      • Kommentar:
        Der FAZ ist erst zur Donnerstagausgabe vom 14.02. aufgefallen, dass FRANZEN seine Rezension in zwei überregionalen Zeitungen platzieren konnte und fand das sogar einen Kommentar wert.
    • MELLER, Marius (2002): "Das musste aufschraibn, biste ons schuldig".
      Über die Aktualität moralischer Literatur, Günter Grass und seine neue Novelle "Im Krebsgang",
      in: Frankfurter Rundschau v. 09.02.
    • SPIEGEL, Hubert (2002): Das mußte aufschraiben!
      Die verspätete Erinnerung: Günter Grass beschreibt in seiner Novelle "Im Krebsgang" den Untergang der "Wilhelm Gustloff" und das Leid deutscher Kriegsflüchtlinge,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.02.
    • Neu:
      KNIPPHALS, Dirk (2002): Schiffskatastrophen und andere Untergänge.
      Ziemlich viel von dem, was Sie immer schon von der Versenkung der "Wilhelm Gustloff" wissen wollten: märchenhafte Verkaufszahlen, Jubel und Trubel rund um den neuen Günter Grass. Literarische Einwände scheinen bei der Novelle "Im Krebsgang" nicht zu zählen - dabei sind sie gewichtig,
      in: TAZ v. 20.02.
    • SUNDERMEIER, Jörg (2002): Es hört nicht auf.
      Großes Leid, deutsches Leid. Ein Passionsweg in zehn Stationen durch Günter Grass' neues Buch "Im Krebsgang",
      in: Jungle World Nr.9 v. 20.02.
      • Kommentar:
        SUNDERMEIER kritisiert u.a. GRASS' medienkritische Atomisierungsthese:
              
        "Eine tragende Rolle im »Krebsgang« spielt das Internet, es ist das Kommunikationsmittel der ganz Jungen.
        Die Generation der Großeltern, verkörpert in der Mutter des Ich-Erzählers, pflegt vor allem den persönlichen Kontakt. Sie redet - für Grass immer ein Zeichen von Zuhause - gern im Dialekt. Der Erzähler ist Journalist. Er und Seinesgleichen verständigen sich mittels Büchern und Zeitungen, direkter Kontakt liegt ihnen fern. Die Vertreter dieser Generation sind geschieden, sie arbeiten zu lange und sie wissen wenig voneinander. Ihre Kinder schließlich haben kaum noch persönlichen Kontakt. Der kleine Pokriefke, seine Freundin, der vermeintliche »Judenjunge« - sie alle sind Einzelgänger, trinken nicht, haben nicht einmal Sex. Sie sind Gefangene ihrer Bildschirme. Das Internet ist ihnen ein Kommunikations- und Liebesersatz. Im Internet findet der Nazi wie sein Gegenspieler den einzigen Freund."

              
        Die medienkritische Atomisierungsthese hatte bereits in den 50er Jahren Hochkonjunktur. Damals wurde der Fernseher für den Zerfall der Familie verantwortlich gemacht und heutzutage ist es das Internet.
 
   
  • Das Buch in der Debatte:

    • MÄRZ, Ursula (2002): Abschied vom Phantom.
      Vor der Novelle: Grass und der Anti-Grass-Verein,
      in: Frankfurter Rundschau v. 02.02.
    • SACK, Adriano (2002): "Nie hört das auf".
      Günter Grass jagt Täter und Opfer durchs Internet,
      in: Welt am Sonntag v. 03.02.
    • WEIDERMANN, Volker (2002): Aus dem Tagebuch eines Schreckens.
      "Daß ich über die deutsche Vertreibung geschwiegen habe, das ist meine große Schuld": Günter Grass blickt in seiner neuen Novelle zurück,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.02.
    • SPIEGEL-Coverstory "Die deutsche Titanic".
      Der neue Grass: Die verdrängte Tragödie des Flüchtlingschiffes "Wilhlem Gustloff",
      in: Spiegel Nr.6 v. 04.02.
      • AUGSTEIN, Rudolf (2002): Rückwärts krebsen, um voranzukommen,
        in:
        Spiegel Nr.6 v. 04.02.
    • SEIDL, Claudius (2002): Die Härte der späten Geburt.
      Widerspruch zu Günter Grass: Die Kinder und Enkel der Vertriebenen sind ganz anders,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.02.
      • Inhalt:
        Claudius SEIDEL, ein Angehöriger der "Single-Generation", verteidigt die nicht-organisierten Vertriebenenkinder gegen GRASS: "als Vertriebenenkind möchte man ihm nur noch zurufen: Nein, alter Mann, das ist nicht wahr! Man soll nicht auf die Enkel projizieren, womit man selber nicht fertig wird."
    • BARTETZKO, Dieter (2002): Nacht fiel auch über die Debatte.
      Vor vierzig Jahren wurde das Thema Vertreibung zum ersten Mal populär - und wieder vergessen,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.02.
      • Inhalt:
        Dieter BARTETZKO stimmt mit GRASS' Tabu-These überein und klagt die 68er-Generation an:
              
        "Zum ersten Mal nach dem alle Erinnerung verwischenden Wirtschaftswunder und dem Tabu, mit dem Schuldkomplexe die Greuel der Vertreibung und des gnadenlosen Endkampfs belegt hatten, schaute die Republik zurück. (...). Weil man die ganze Wahrheit wollte, wurde 1959 Günter Grass' »Blechtrommel« sofort zum populären Roman: (...) Gelesen wurde Realismus, Danziger Wahrheit, und so wuchs dem allgemeinen Bewußtsein eine Stadt wieder auf, die ihm eben noch ein von den Deutschen verspieltes Vineta gewesen war.
        Zu mehr (...) war die Majorität aber nicht in der Lage. Als 1961 mit dem Prozeß gegen Eichmann und 1963 in Frankfurt am Main mit dem Auschwitz-Prozeß das Leben statt der Kunst täglich mit den Naziverbrechen konfrontierte, wurde aus der Mehrheit wieder die sprichwörtlich schweigende. Die »Schwabinger Krawalle« von 1962, Vorbeben der Jugendrevolte, verhärteten Seelen und Gehirne. Die Jungen der Elterngeneration stopften jene ersten zagen Worte der Reue wieder in den Mund zurück. Für die wahrheitsfanatischen Rebellen gehörte es, wie Antje Vollmer kürzlich sagte, zum guten Ton, keinen Ton über die deutschen Opfer der letzten Kriegsmonate zu verlieren."
    • SCHMIDT, Thomas E. (2002): Ostpreußischer Totentanz.
      In seinem neuen Buch erzählt Günter Grass vom Untergang der "Wilhelm Gustloff" im Januar 1945 - Tausende Flüchtlinge ertranken. Wem dient heute die Erinnerung an das Kriegsleid der deutschen Zivilbevölkerung? Grass führt ein Lehrstück zur Politik der Geschichte auf,
      in: Die ZEIT Nr.8 v. 14.02.
      • Inhalt:
        Thomas E. SCHMIDT, ein Angehöriger der "Single-Generation", sieht in GRASS' Selbstbezichtigung und Anklage, die 68er-Generation hätte vor der Geschichte versagt, eine Selbstüberschätzung des Linksintellektuellen:
              
        "Wie mächtig muss er sich gefühlt haben, wenn er meint, das rechte Denken verhindert haben zu können, wie mächtig fühlt er sich noch immer, wenn er hofft, durch Umerzählen potenzieller rechter Mythen das öffentliche Klima noch einmal abzukühlen."
 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 03. Febuar 2001
Stand: 08. Juli 2002
Counter Zugriffe seit
dem 04.Juni 2000