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Martin Hecht: Heimat für die Neue Mitte oder das Single-Dasein als Heimatlosigkeit

 
       
     
       
     
       
   

Martin Hecht in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • HECHT, Martin (2000): Vom Traum und vom Trauma.
    Florida, als Ballermann II betrachtet: Was Amerikaner für den Ort der Entscheidung halten, ist in Wahrheit ein deutscher Mythos,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.11.
  • HECHT, Martin (2001): Linksdrehend im Laufrad.
    Und zwar immer an der Wand entlang: Der ewige Rechtfertigungsdrang der deutschen Linken,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.02.
  • HECHT, Martin (2001): Das Fremdenzimmer,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 08.08.
    • Kommentar:
      Der Heimatromantiker HECHT über die vor-globale Zeit der 60er Jahre - als Gästezimmer noch Fremdenzimmer hießen - und über den Verlust der Fremdheitserfahrung in der globalisierten Welt:
      "Das freudvolle Versprechen des Projekts der Globalität liegt in der Freiheit einer bindungslos-unabhängigen Existenzweise, in der Coolness, ihr selbst eine eigene Identifikationsweise abzuringen, Wurzeln und Halt im Stadium des ewigen Aufbruchs zu finden. Es bedeutet aber auch die Verlusterfahrung, sich auf dieser Suche nicht einmal mehr fremd fühlen zu können und Fremdheit nicht mehr zu erleben, wo sie ihre schönsten Seiten hatte: im Unbekannten, Unerforschten, Ungezähmten."
  • HECHT, Martin (2001): Verblasster Mythos: Die Stille
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 21.12.
    • Kommentar:
      Der "Heimatdichter" HECHT findet seine neue Heimat - die Stille - im Mittelalter, denn dort war die Welt noch in Ordnung: sprich - es gab noch keine Autoritätskrise:
            
      "Das Getöse verrät eine Autoritätskrise. Mit der neuzeitlichen Legitimationskrise des mittelalterlichen Glaubenssystems zerbricht die Autorität Stück für Stück, mit ihr das Schweigegebot vor Gott."
            
      Das Mittelalter hat Hochkonjunktur! Auch Gaby SCHWEIZER widmet sich in der SonntagsZeitung vom 23.12.2001 dieser Zeit, die der englische Historiker Nicholas ORME rehabilitieren möchte. Das Leben der Knaben und Mädchen soll nicht wesentlich anders gewesen sein als heutzutage.
            
      Nur: "Überlieferte Elternliebe und Kinderreime ändern nichts daran, dass rund die Hälfte der Kinder das zehnte Altersjahr nicht erreichte und bloss eine Minderheit der Knaben zur Schule ging."
            
      Die Mehrzahl der Menschen im mittelalterlichen Europa war mit dem Überleben beschäftigt und hatte deshalb kaum die Muse zur Stille...
 
       
   

Martin Hecht im Gespräch

 
   
  • fehlt noch
 
       
   

Das Verschwinden der Heimat (2000)
Leipzig: Reclam

 
   
 
 

Klappentext zu "Das Verschwinden von Heimat"

"Gigantische Einschaltquoten für den »Musikantenstadl«. Tiroler Folklore in Westfalen. Klappernde Mühlen am rauschenden Bach. Die Sehnsucht nach »Heimat« war noch nie so groß wie heute. Aber der Heimatkitsch ist nur eine Fassade. Denn gegenwärtig vollzieht sich der schleichende, unaufhaltsame Verlust einer »verorteten« Kultur.

Martin Hechts Expedition in die globale Provinz zeigt, dass Heimatlosigkeit kein individuelles Schicksal mehr ist, sondern die Konsequenz der Globalisierung. Sie ist nicht nur eine ökonomische Realität, sondern auch das Ideal unserer Zeit: Wer ihr nicht folgt, bleibt auf der Strecke."

Zitate aus "Das Verschwinden von Heimat"

"Heute ist die Familie dabei, als vorherrschende Beziehungsform zweier Generationen unter einem Dach zu verschwinden - und büßt damit immer mehr ihre Funktion ein, Urform aller Heimat zu sein"

"das Single-Dasein entpuppt sich nicht so sehr als eine Veranstaltung der hemmungslosen Hedonisten, sondern als eine defensive Lebenstechnik verunsicherter Individualisten, die ihre Isolation bewältigen, so gut es geht. Es ist ein Abbild einer Gesellschaft der Beziehungsunfähigen, nicht der willentlich Beziehungen Verweigernden, dabei weder ein stummes Glück innerweltlicher Askesen, noch, was genauso gern kolportiert wird, sprühende Lebenslust, die aus einer übermütig gewordenen Wahlfreiheit entstammt."

"Die »Raschheit und Gegensätzlichkeit großstädtischer Eindrücke« rissen die Nerven des Großstädters brutal hin und her. Um der völligen Kraftlosigkeit zu entgehen, stumpften sie soweit ab, daß sie auf neue Reize nicht mehr mit der ihnen angemessenen Energie reagierten. Aus diesem Reflex entstehe die typisch moderne, großstädtische Reserviertheit, auch das, was man heute »Coolness« nennt und sich längst als Beziehungsmerkmal von nachbarschaftlichen, ja familiären Verhältnissen eingebürgert hat."

"Individualismus ist die anspruchsvollere Lebensweise als sie noch die alte, gemeinschaftliche Heimatlichkeit verlangte. Denn die individualistische Lebensweise in der Gesellschaft will in vollem Bewußtsein gemeistert sein, die der Gemeinschaft dagegen ist so weit verinnerlicht, daß das eigene Leben weitgehend wie von einem Autopilot gesteuert wird"

"Erst der liberale Geist verkündete dem Menschen die idee einer eigengestalteten Lebensidee und erweckte ihn (...). Die soziale Bedeutsamkeit des einzelnen, die für jede Identifikation entscheidend ist, verwandelte sich aus einer überindividuellen Lebensgarantie in eine Leistungsprämie, die es bis heute im harten Konkurrenzkampf zu erzielen gilt. Wer sie sich heute nicht erkämpfen kann, muß sie sich selber vermitteln und braucht dafür ein Selbstwertgefühl, das jeden Zweifel an der eigenen Bedeutung zurückhält. Wem dieser Schritt einer erfolgreichen Autosuggestion mißlingt, dem droht bis heute eine unsichere Einsamkeit, die die Freiheit als einzige Qual erscheinen und sich in manchen Fällen nur noch in einem letzten Amoklauf zusammen mit dem eigenen Leben beschließen läßt."

 
 
 
       
     
   
  • Heimat und Heimatlosigkeit in der Debatte:

    • FR-SERIE "Heimatkunde"
      • NUTT, Harry (2001): Das Bedürfnis nach Fremdheit.
        Zur allmählichen Wiederaneignung eines Begriffs: Heimatkunde - eine FR-Serie,
        in: Frankfurter Rundschau v. 03.01.
      • SCHEEL, Kurt (2001): Bilder einer schönen Regression.
        Heimatkunde (2): Anmerkungen zum Himmel über Altenwerder, zum Recht auf Kitsch und zur Arbeit als Zuhause,
        in: Frankfurter Rundschau v. 06.01.
      • SZYMANSKI, Silvia (2001): Das Dorffest.
        Heimatkunde (3): Vor dem Kriegerdenkmal steht eine Bierbude, und im Wald wachsen deutsche und amerikanische Eichen,
        in: Frankfurter Rundschau v. 09.01.
      • AGUIGAH, René (2001): Lachen auf Französisch.
        Heimatkunde (4): Assoziationen eines Wohnsitzenden,
        in: Frankfurter Rundschau v. 13.01.
      • HENNIG, Falko (2001): Der anspringende Troll.
        Heimatkunde (5): Rekonstruktion einer automobilen Zeit,
        in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.
      • ROSELT, Jens (2001): Authentisches Gefühl.
        Heimatkunde (6): Meine Heimat ist meine Homepage,
        in: Frankfurter Rundschau v. 20.01.
      • MICHALZIK, Peter (2001): In der Höll' bei mir daheim.
        Heimatkunde (7): Auch das Wiener Burgtheater sucht nach dem Land der Herkunft,
        in: Frankfurter Rundschau v. 22.01.
      • TREICHEL, Hans-Ulrich (2001): Der Lastenausgleich.
        Heimatkunde (8): Vom Hoffen und Warten in Ostwestfalen,
        in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
      • TERKESSIDIS, Mark (2001): Rheinischer Grieche.
        Heimatkunde (9): Jenseits statischer Miniparadiese,
        in: Frankfurter Rundschau v. 03.02.
      • IDEN, Peter (2001): Wesselburen.
        Heimatkunde (10): Die Qual der frühen Jahre des Dramatikers Friedrich Hebbel in Dithmarschen, jenseits der Welt, weit entfernt von Wien,
        in: Frankfurter Rundschau v. 06.02.
      • MEDICUS, Thomas (2001): Ich bin drin.
        Heimatkunde (11) in den Zeiten der Glokalität: Heimat ist für jeden Herrn und jede Frau Nachbar täglich individuelle machbar,
        in: Frankfurter Rundschau v. 09.02.
      • THOMAS, Christian (2001): Der Pueblo. Ein Nachruf.
        Heimatkunde (12): Über die Zeit rund zehn Jahre nach '68, in der die Gemeinschaft der gegenseitigen Beschau etwas Anheimelndes bot,
        in: Frankfurter Rundschau v. 14.02.
      • OBERENDER, Thomas (2001): Die innere Wohnlage und andere Adressen.
        Heimatkunde (13): Der Reinz einer Landschaft liegt in ihrer Kraft zur Inspiration,
        in:
        Frankfurter Rundschau v. 01.03.
      • ZIEGLER, Ulf Erdmann (2001): Our amerikanische Zunge.
        Heimatkunde (14): Wir sind keine Mittelatlantiker,
        in:
        Frankfurter Rundschau v. 14.03.
      • MEISTER, Martina (2001): Im Schlupfloch der Sprache.
        Heimatkunde (15): Dort, wo wir morgens im Spiegel doch wieder derselben Person gegenüber treten,
        in: Frankfurter Rundschau v. 24.03.
      • MACKE, Carl Wilhelm (2001): Wer kennt schon Cloppenburg?
        Heimatkunde (16): Kalte Bauern, Kleinstadtkatholizismus und Kinokunsttage im Südoldenburgischen,
        in: Frankfurter Rundschau v. 09.04.
      • WALTER, Klaus (2001): Begraben in Heimaterde.
        Heimatkunde (17): Der Soldatensender als Fluchthelfer,
        in: Frankfurter Rundschau v. 23.04.
      • MATVEJEVIC, Predrag (2001): Der Teegenuss des Kosaken.
        Heimatkunde (18): Das Unglück der Emigration und die Hoffnung auf ein poetisches Bürgerrecht,
        in: Frankfurter Rundschau v. 02.05.
      • KLEIN, Georg (2001): Das englische Exil.
        Heimatkunde (19): Heimatlos sind wir, wo wir radebrechend ins Leere tasten. Im Raum der deutschen Sprache,
        in:
        Frankfurter Rundschau v. 16.05.
    • WOLFF, Thomas (2001): Lassen Sie uns über Heimat reden.
      Wie sich Wiglaf Droste dem Masochismus der Provinz entzieht, und warum er Deutschland am liebsten vom Speisewagen aus betrachtet,
      in: Frankfurter Rundschau v. 14.07.
    • REITZ, Edgar (2001): Als Dialekt zur Folklore wurde.
      Heimat, eine Verlustanzeige: Wie die globale Konsumkultur unsere Erinnerungen und Sehnsüchte verwandelt
      in: Tagesspiegel v. 08.08.
    • Neu:
      GERBERT, Frank (2001): Keine Lust auf nirgendwo.
      Die Deutschen werden zu Job-Nomaden mit wechselnden Wohnsitzen - und pfeifen auf Heimat. Die These klingt einleuchtend, ist aber falsch
      in: Focus Nr.52 v. 21.12.
      • Kommentar:
        GERBERT stellt einen falschen Gegensatz zwischen Heimat und Ortswechseln her, um zu beweisen, dass Heimat Konjunktur hat in Deutschland.
              
        Während der empirische Begriff "Ortswechsel" eine objektive Kategorie ist, wird mit Heimat ein subjektives Gefühl angesprochen. Wäre GERBERT konsequent, dann müsste er zwischen erzwungenen und gewünschten Ortswechseln sowie erzwungener und erwünschter Immobilität unterscheiden. Stattdessen unterliegt dem Text der undifferenzierte Mobilitätsbegriff der Individualisierungsthese von Ulrich BECK.
              
        Unberücksichtigt bleiben desweiteren die Rahmenbedingungen von hoher Arbeitslosigkeit versus Vollbeschäftigung, die Einfluss auf die Wahrnehmung von Mobilität haben.
              
        Unerwähnt bleibt auch die Tatsache, dass moderne Verkehrsmittel in zunehmendem Masse Multilokalität ermöglichen und somit die Entscheidung Umzug oder Zweitwohnsitz eine historische Veränderung erfahren haben.
              
        Erwähnt wird stattdessen der "Heimatdichter" Martin HECHT, während der Bezugstext des Artikels nicht genannt wird: das vor kurzem erschienene Buch "Jobnomaden" von Gundula ENGLISCH.
        Wenn zwei Stereotypen aufeinanderprallen, dann entsteht kein Bild von der Wirklichkeit, sondern eine Scheindebatte.
 
   

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Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 06. Januar 2001
Update: 09. Juli 2002
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