Pressestimmen zu
"Ausweitung der Kampfzone"
"«Extension»,
die Geschichte eines kleinen Informatikers,
wurde von der Presse seinerzeit kaum zur
Kenntnis genommen und entwickelte sich erst
durch jahrelange Mundpropaganda zur Referenz
einer neuen Generation von Literaten. Das
Buch suchte als erstes einen neuen Zugriff
auf die soziale Realität"
(Thierry Cherval in der
Basler Zeitung vom 06.10.1998)
"Der
Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte
Kampfzone (...).
Wie diese »erweiterten
Kampfzonen« heute aussehen, in Paris und in
der französischen Provinz, führt der Roman
in scharf geschnittenen, knappen Kapiteln
vor. Der Ich-Erzähler und sein Kollege
Tisserand stehen dabei im Mittelpunkt. In
beruflicher Hinsicht zählen sie zu den
Gewinnern: sie arbeiten in der
Computer-Branche, stellen gewissermaßen die
Speerspitze der Informations-Gesellschaft dar
(...).
Im Hinblick auf ihr Intimleben sind die
beiden Männer allerdings Verlierer. Der
Ich-Erzähler, weil er ein depressiver Typ
ist, antriebsschwach, bindungsunwillig,
zynisch (...).
Bei Tisserand liegen die Dinge anders. Er
trägt den Makel, der in unserer
sexualliberalen Gesellschaft das größte
Handicap ist: Häßlichkeit."
(Tilman Krause in der Welt
vom 13.02.1999)
"Dass
dem Buch (...), noch bevor es zum
«Ereignis» wurde, eine durchaus gebildete,
grossstädtische Fangemeinde zugewachsen ist,
verrät einiges von seiner raffinierten
Machart, ohne die der «Schrei» dieser
ausgegrenzten Generation keinerlei Brisanz
hätte."
(Martin R. Dean in der
Basler Zeitung vom 15.02.1999)
"»Ausweitung der
Kampfzone« ist ein moralisches, im Kern
wertkonservatives Buch über die Absurdität
der liberalen Gesellschaft"
(Niklas Maak in der
Süddeutschen Zeitung vom 20.02.1999)
"Der Ich-Erzähler des
Romans von Michel Houellebecq ist Anfang
Dreißig, ein Angestellter, der, von seiner
Freundin verlassen, außer zwei, drei
Arbeitskollegen niemanden hat, mit dem er
spricht. Also schreibt er. Er versucht, der
ihm entgleitenden Wirklichkeit Herr zu
werden, indem er über sie räsonniert."
(Arno Widmann in der
Berliner Zeitung vom 20.02.1999)
"Die Ausweitung
der Kampfzone ist ein kurzer Roman von
150 Seiten, der sich in drei Teile und
darüber hinaus in zahlreiche
durchschnittlich vier bis fünf Seiten lange
Kapitel gliedert. Beschrieben wird die
zeitlich vielleicht ein halbes Jahr
umfassende Geschichte eines Pariser
Informatikers, dessen tristes Leben wohl
Ausdruck des typischen anonym und isoliert
lebenden Großstadtmenschen sein soll, dem
das Leben gleichgültig ist, und der letzten
Endes den Tod nur deshalb nicht dem Leben
vorzieht, weil zwei oder drei austauschbare
Gründe dagegen sprechen. Dieser namenlose
Ich-Erzähler, der nach der Trennung von
seiner Freundin Veronique vor zwei Jahren mit
keiner Frau mehr geschlafen hat (...), wird mit
einem ebenso kaputten Kollegen in die Provinz
geschickt"
(Christian Mühlfeld in
wortlaut.de 2/1999)
"Mit dem
kapitalismuskritischen Pamphlet »Der Terror
der Ökonomie« (deutsche Ausgabe
1997) produzierte die Französin Viviane
Forrester einen internationalen
Überraschungsbestseller. Parallel dazu
könnte der Roman ihres Landsmanns
Houellebecq auch »Der Terror der Sexualität«
heißen."
(Rainer Traub im Spiegel vom
01.03.1999)
"Berichtet wird in »Ausweitung der
Kampfzone«, wie ein 30jähriger Informatiker
und Angestellter einer SoftwareFirma
unaufhaltsam in eine klinische Depression
schlittert. Dabei verliert er keineswegs die
Fähigkeit sein Umfeld mit lakonischer
Genauigkeit und kalter Ironie zu beobachten -
was wiederum gegen die psychopathologische
Diagnose spricht (...). Woran der Mann
krankt, wenn er im Sinne des Autors
überhaupt als krank zu bezeichnen ist,
darüber hüllt sich der Text weitgehend in
Schweigen. Am ehesten kann eine nachhaltige
Sinnkrise (...) für die Zerrüttung des
Helden verantwortlich gemacht werden - wie
auch die Ambitionen des Autors auf
philosophischen Feld liegen. In jedem Fall
verweigert der Text eine
individualpsychologische Erklärung."
(Bettina Schulte in der
Badischen Zeitung vom 16.03.1999)
"Französische Kritiker
vergleichen den ästhetischen Minimalismus
Houellebecqs mit dem knappen Stil Emmanuel
Boves, eines hierzulande noch relativ
unbekannten Autors, dessen Gesamtwerk derzeit
in Frankreich gerade wiederentdeckt und
neuaufgelegt wird und dessen erster Roman Meine
Freunde 1924 erschien. Houellebeqc
gelingt es mit ähnlichen sprachlichen
Mitteln - und das ist das wirklich Spannende
an seinem Text - die gefühlsmäßige
Verrohung der Welt, ihre verflachten
Kommunikations- und Wahrnehmungsgewohnheiten
sprachlich einzufangen. Dies erreicht er,
indem er die beiläufige Kommunikation, die
zynische Vulgarität entlarvt, mit der über
Gefühle hinweggeredet wird."
(Mechtild Gilzmer in der
Freitag vom 26.03.1999)
"Ist die Weltsicht des »Kampfplatzes«
die Folge der Depression seines Erzählers
oder eine soziologische Beschreibung? Im
ersten Fall ließe sich alles individuell
(weg)erklären, im zweiten Fall führte der
Autor eine harte Attacke gegen die bestehende
Welt."
(Meike Fessmann im
Tagesspiegel vom 28.03.1999)
"Was ist das Faszinierende
an den Romanen Houellebecqs? Vor allem wohl
ihre fundamentale Unhöflichkeit, die
Verachtung der Konsenskultur, die das
Individuum in einem ausweglosen Elend
erstickt; die unnachgiebige Art, wie sie
alles herausfordern, was »politisch
korrekt« ist; der Angriff auf den uniformen
Schleier, der sich über alles gelegt hat.
(...)
Zu Beginn des neunten Kapitels der zweiten
Hälfte von »Ausweitung der
Kampfzone« zitiert Houellebecq als Motto den
folgenden Satz von Roland Barthes (in dem ein
berühmter Satz Arthur Rimbauds anklingt): »Plötzlich war
es mir gleichgültig, ob ich modern war oder
nicht.« Gerade weil er eine vergleichbare
Haltung einnimmt, ist Houellebecq zur Zeit
einer der wenigen französischen Autoren, die
sich als radikal modern erweisen."
(Manuel Chemineau in der
Wiener Zeitung vom 02.04.1999)
"Trotz
aller Entfremdungsschäden bewahrt sich
Houellebecqs namenloser Anti-Held seine
Wortgewalt und einen schwarzen Humor. Die
einzige grenzenlose Freiheit, die er sich
noch leistet, ist die, eine Zigarette nach
der anderen zu rauchen."
(Joachim Johannsen in der
Basler Zeitung vom 08.04.1999)
"Würde
es nicht kitschig klingen, müßte man diese
Chronik einer fortschreitenden Depression als
einen Schrei nach Liebe bezeichnen, der zum
reinen Haßgesang wird."
(Katrin Hillgruber im
DeutschlandRadio vom 03.05.1999)
"Während bei Sartre, Camus
und Co. Ekel und Absurdes zur Condition
humaine gehörten, zur gleichsam ewigen
Ausstattung des Menschen schlechthin, holt
Houellebecq den Ekel aus der Ewigkeit auf den
Boden der Geschichte zurück. Er stellt ihn
als Folge des Kapitalismus und der
individualistischen Kultur der Neunzigerjahre
dar. Wo früher Liebe, Familie und Religion
die Individuen wie ein Kokon umhüllten, gibt
es heute nichts mehr zwischen den Einzelnen
und der kalten Konkurrenz um die letzten zwei
verbliebenen Werte - Geld und Sex; die
Intelligenten und Schönen gewinnen, die
anderen haben genetisches Pech und fallen in
Vereinsamung und Sinnverlust."
(Andreas Isenschmid im
Tages-Anzeiger vom 22.05.1999)
"Erzählt wird die
Geschichte eines jungen Pariser
Informatikers, den man zu kennen glaubt. Er
tut seine Arbeit, geht in die Kneipe, hat
Pech in der Liebe. Doch hinter dieser
Alltagsfassade stecken Leerlauf, Einsamkeit
und Ratlosigkeit. Der Fachmann für
Kommunikation ist beziehungsunfähig."
(Stefan Lutz in der Berliner
Morgenpost vom 20.06.1999)