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Die Zukunft der
Grünen:
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Imagewandel:
Von der Single- zur Familienpartei oder die neueste
Revolte aus deutschen Pfarrhäusern
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"Kinder,
sagt man, treten in die Fußstapfen ihrer
Eltern, oder sie machen alles anders. Ich
liege irgendwo dazwischen.
Sicher, gemessen an den Idealen meiner
Erzeuger bin ich ein reichlich missratener
Spross, aber im praktischen Leben sind wir
gar nicht so verschieden. Ich lebe zum
Beispiel in einer Wohngemeinschaft. Das
finden die Renate und der Eberhard ziemlich
cool, ihr Sohn wohnt in 'ner WG! Zugegeben,
es handelt sich um eine Doppelhaushälfte -
doch wir leben da zu viert. Zwei Paare.
Marion und A gehören zusammen und meine
Angetraute und ich natürlich.
Ohne denen, die in sentimentalen Erinnerungen
an ihre Kommunenzeit schwelgen, allzu nahe
treten zu wollen, aber unser Zusammenleben
klappt bestens."
(Jess
Jochimsen "Das Dosenmilchtrauma.
Bekenntnisse eines 68er-Kindes", 2000,
S.41)
Die
Grünen - Auf dem Weg zur Partei von Ulrich Beck
und VW Golf?
Das
Pfarrhaus im Thüringschen Ingersleben ist nach
BUCHSTEINER (ZEIT v. 10.05.2001) der Ort gewesen,
an dem die Grünen der Generation Golf einen
"Aufstand mit ungewissen Folgen
geprobt" haben. Es war der Versuch einer
Antwort auf den Düsseldorfer Parteitag der FDP,
die mit Guido WESTERWELLE auf Freiheit und
Bildung setzte. Die Grünen scheinen sich die
FDP-Parole vom "Kampf gegen den
Abstieg" zu eigen machen zu wollen. Von
einer Partei, die sich am Abgrund sieht, kann man
jedoch keine vernünftige Politik, sondern nur
hektische Imagepflege erwarten. Revolten, die im
Pfarrhaus beginnen, haben in Deutschland zudem
einen zweifelhaften Ruf. Ob hier gar Benjamin
STUCKRAD-BARRE Pate gestanden hat? Schließlich
ist Familie derzeit Pop!
Von Katrin GÖRING-ECKARDT ist jedenfalls der
Satz überliefert: "Wir Jüngeren müssen
zeigen, dass wir keine 68er-Partei mehr
sind".
Es sieht
aber nicht danach aus, als ob diese Grünen
wüssten, wovon sie reden. Sie sind jedoch
offensichtlich gelehrige Schüler des Soziologen
Ulrich BECK aus der 68er-Kohorte. Die 68er
wollten ursprünglich zurück zur
Großfamilie und lebten deshalb in
Kommunen, die im Laufe der Zeit zu Wohngemeinschaften
und Hausgemeinschaften mutierten. Die
68er wollten also die Kleinfamilie zugunsten
einer älteren Familienform überwinden. Es muss
als eine Ironie der Geschichte angesehen werden,
dass diese neuen Wohnformen der 68er wesentlich
zum rapiden Anstieg der Single-Haushalte
geführt haben, weil das Statistische Bundesamt
weder Wohn- noch Hausgemeinschaften kennt.
Ulrich BECK
hat diesen Wandel der Haushaltsformen als Beleg
dafür genommen, dass Deutschland auf dem Weg in
die "Single-Gesellschaft"
ist. Auch jene 68er, die zurück zur Großfamilie
wollten, kritisierten die Vereinzelung und
Individualisierung. BECK hat diese Kritik
lediglich aufgegriffen und weitergeführt. Seit
BECK will man jedoch nicht mehr zurück zur
Großfamilie, sondern zurück zur
Kleinfamilie. Und da wären wir genau
bei diesen Grünen um GÖRING-ECKARDT.
Das
Gemeinsame der 68er und der Grünen aus der
Generation Golf ist die Orientierung
an Familienmythen. Die Großfamilie war
kein historisch weitverbreitetes Familienmodell,
sondern ein bürgerliches Familienideal. Aufgrund
der gestiegenen Lebenserwartung wäre die
Großfamilie heutzutage erstmals wirklich lebbar,
aber das gegenwärtig gelebte Modell ist die Multilokale
Mehrgenerationen-Familie. Die
postmodernen Grünen wollen hinter dieses Modell
zurück. Dem stehen jedoch sowohl die Zwänge der
zukünftigen Wissensgesellschaft, als auch das
veränderte Lebenslaufregime und die veränderten
Wohnbedingungen entgegen.
Der
Lebenslauf der Menschen wird bildungs- und damit
arbeitsmarktabhängiger als je zuvor. Die Rede
vom "lebenslangen Lernen" ist Ausdruck
dieser Veränderung. Die gestiegene
Lebenserwartung führt dazu, dass mehr
Generationen als jemals zuvor miteinander
auskommen müssen und dass die
Familienphase an Bedeutung verliert.
Eine 80jährige Frau ist nur ein halbes
Erwachsenenleben gebärfähig. Elternschaft ist
jedoch nicht nur in diesem biologischen Sinne,
sondern auch im sozialen Sinne zu verstehen.
Ältere Frauen können soziale Eltern
sein und sind dies oftmals auch.
Der Hinweis
darauf, dass Haushalte mit Kindern
in der Minderzahl sind, verführt zu falschen
Schlussfolgerungen. Haushaltsübergreifende
Generationenzusammenhänge und
Erziehungszusammenhänge werden statistisch nicht
sichtbar. Kürzlich hat der Soziologe Bruno
HILDENBRAND (siehe Ostthüringsche Zeitung v.
25.05.2001) darauf hingewiesen, dass gerade in
den Städten die Entfernung zwischen
Familienangehörigen wesentlich niedriger ist als
auf dem Land. Hausgemeinschaften
von Eltern und Kindern in Einliegerwohnungen
werden genausowenig erfasst wie jene von Singles,
Paaren und Familien. Wer - wie die Grünen - die
gemeinsame Wohnung zum Zentrum des
Familienbegriffs macht, der blendet viele
Familienformen und soziale Wohnformen aus.
Wenn Fritz KUHN
(siehe Welt v. 16.05.2001) fordert, "dass in
der Partei auch diejenigen für Kinder einstehen,
die selbst keine haben" und dies als Beitrag
zur Überwindung einer "Spaltung der
Gesellschaft in Eltern und Kinderlose"
bewertet, so unterstellt er den Kinderlosen, dass
sie bisher nicht für Kinder eingestanden sind.
Eine solche Sichtweise ist ungerechtfertigt. Es
deutet aber vor allem darauf hin, dass
innerparteiliche Willensbildungsprozesse, in
denen Kinderlose ihre spezifische Perspektive
einbringen möchten, unerwünscht sind. Wenn eine
kinderfreundliche Gesellschaft aber zur Kinderlosenfeindlichkeit
führt, dann ist dies bedenklich, weil Familien
und Singles in Zukunft in verstärktem Masse
miteinander auskommen müssen. Nicht weil - wie
allgemein unterstellt wird - die Zahl
freiwilliger Kinderloser zunehmen wird, sondern
aufgrund struktureller Kinderlosigkeit.
Die
strukturelle Kinderlosigkeit ist wie bereits
erwähnt die Folge der steigenden
Lebenserwartung, desweiteren gibt es seit
längerem einen Männerüberschuss
bei den jüngeren Jahrgängen. Kinderlosigkeit
wird also zunehmend das Schicksal von Männern
werden. Hinzu kommt, dass Männer sich immer noch
als Alleinernährer von Familien
verstehen. In der Dienstleistungsgesellschaft
nehmen jedoch die McJobs zu, die eine
"standesgemässe" Familiengründung
unmöglich machen. Nicht
vergessen werden darf die Zunahme von Unfruchtbarkeit.
Grüne
Familienpolitik kann deshalb nicht allein
heissen, Politik für Familienhaushalte zu
machen, sondern Familienpolitik muss ihre Aufgabe
auch darin sehen, die sozialen Potenziale der
beiden Lebensformen "Single" und
"Familie" zu fördern. Wer die Spaltung
der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose
verhindern will, der muss Integrationsangebote
machen. Ein Beispiel wäre z.B. die Förderung
von Hausgemeinschaften, bei denen Singles, Paare
und Familien jeweils ihren besonderen Beitrag zum
Gemeinwohl leisten können.
Das
Beispiel des Bremer Beginenhofs zeigt,
dass einerseits ein gesellschaftlicher Bedarf
dafür besteht, andererseits aber eine
geschlechtsspezifische Spaltung bei den
Wohnformen droht. Eine solche Spaltung ist jedoch
genauso wenig wünschenwert wie eine
generationenspezifische Spaltung, die dann droht,
wenn die Zeitdimension "Lebenslauf" bei
der familienpolitischen Debatte vernachlässigt
wird und die multilokale
Mehrgenerationen-Familie nicht als
Familienform wahrgenommen wird.
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- BUCHSTEINER, Jochen
(2001): Lasset die Kinder zu uns kommen.
Der grüne
Führungsnachwuchs rüstet zum Kampf. Noch vor
der Wahl soll ein neues Image her: "Wir, die
Familienpartei",
in: Die
ZEIT Nr.20 v. 10.05.
- BRUNS,
Tissy & Stephan HASELBERGER (2001): Ab in die
Mitte,
in:
Welt
v. 16.05.
- KÖNIG,
Jens (2001): "Kein Krieg gegen
Singles",
in:
TAZ v.
29.05.
- FRIED,
Nico & Andreas HOFFMANN (2001):
"Glückliche Eltern produzieren glückliche
Kinder".
Die
grüne Agrarministerin fordert eine
Neuausrichtung der Politik am Wohl der Familie /
600 Mark Kindergeld, bessere Spielplätze, mehr
Wohnraum,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 05.06.
- Inhalt:
Interview mit Renate
KÜNAST über grüne Familienpolitik
"Der traditionelle Familienbegriff
gilt nicht mehr. Familie ist heute, wo
Kinder sind.
SZ:
Die potenzielle Wählerschaft der Grünen
verbindet man nicht unbedingt mit
Kinderreichtum. Das sind vor allem junge
Leute, Studenten, Singles...
Künast: ...auch
Singles können Kinder haben, wenn ich
mir diesen Hinweis erlauben darf."
- MARTENSTEIN,
Harald (2001): Ein Herz für Kinder.
Über
das neue Lieblingsthema der Grünen,
in: Tagesspiegel
v. 06.06.
- Kommentar:
MARTENSTEIN nimmt
das Interview
der SZ vom 05.06.2001 mit Renate KÜNAST und den
Imagewandel der Grünen zum Anlass, um
den Wandel von der "individualisierten
Single-Gesellschaft" zur
Gesellschaft der Neuen-Mitte-Familie
nachzuzeichnen: "Es ist wirklich
erst ein paar Jahre her - damals hießen
die Modewörter 'Yuppie',
'Selbstverwirklichung' und 'Erlebnisgesellschaft'. Das
waren die Achtziger, das Ego-Jahrzehnt,
in dem auch die Grünen groß wurden.
Später kam die Leitfigur
des jungen, selbstverständlich
ungebundenen und kinderlosen
Internet-Unternehmers dazu, der
sein Leben ganz der Firma opfert. Mit
vierzig ist er Millionär oder tot.
Inzwischen hat der Wind sich gedreht. Die
Gesellschaft hat nicht nur die Kinder als
Thema wiederentdeckt (man braucht sie
schließlich, aus demographischen
Gründen). Es
tauchen wieder Begriffe wie 'Familie',
'Verantwortung' oder 'Gemeinschaft' auf,
bei Personen, von denen man es nicht
erwartet hätte. Egoismus ist nicht mehr
modern."
- WEILAND,
Severin (2001): Grüne kennen nur noch Kinder.
Eine
Gruppe von Bundes- und Landespolitikern der
Grünen legt ein Papier zur Kinder- und
Familienpolitik vor. Flügelübergreifend wird
jede Sparte der Politik von Umwelt bis Soziales
mit kinderfreundlichem Blick betrachtet. Fazit:
Was den Kleinen nutzt, ist sowieso grün,
in: TAZ
v. 07.06.
- WEILAND,
Severin (2001): Grüne entdecken die Familie.
Für
einen Augenblick haben die Grünen ihre
Flügelkämpfe beiseite gelegt: In einem Papier
fordern Bundes- und Landespolitiker eine
kindgerechte Politik - mit Familien als
"Verantwortungsgemeinschaften" sowie
kostenlosen Kitas und Ganztagsschulen,
in:
TAZ v. 07.06.
- PÖTTER,
Bernhard (2001): Harte Politik, kein Kinderspiel.
Die
Grünen sind auf dem Weg zu einer gerechteren
Familienpolitik,
in: TAZ
v. 07.06.
- Kommentar:
Die Grünen
betreiben eine Romantisierung der
Familienpolitik.
Der
Begriffswandel von der
"Familienpolitik" zur
"Kinderpolitik" soll einen
Politikwechsel andeuten. Nicht mehr
Frauen- oder Eheförderung, sondern
Kinderförderung und damit die
Lebensqualität von Kindern soll nach
WEILAND im Zentrum der neuen grünen
Politik stehen.
Fragt sich
nur, wie dies durchgesetzt werden soll.
Wer kann verhindern, dass das Kindergeld
nicht den Eltern, sondern den Kindern
zugute kommt? Ein Kasten Bier mehr für
den Familienvater, eine Flasche
Champagner für die Mutter. Schließlich
sind die Eltern die neuen
Leistungsträger der Gesellschaft und das
Kindergeld quasi Ersatzlohn!
Wie soll
verhindert werden, dass die Kluft
zwischen den benachteiligten Kindern -
also den familienlosen Kindern sowie den
ungewollten Kindern - und den
bessergestellten Kindern fördernder
Eltern nicht noch grösser wird?
Durch einen
Kinderschutzbeauftragten wie PÖTTER
fordert? Dagegen spricht die bürgerliche
Privatreligion "Kind". Der
Staat soll zwar die Familie fördern,
aber gefälligst die Privatsphäre
Familie unangetastet lassen, denn die
Familie ist in romantischer Sicht das
letzte Bollwerk gegen den globalen,
digitalen Kapitalismus wie es Peter GLOTZ oder Michel
HOUELLEBECQ
formulieren.
Auch die
demographische Entwicklung erfordert
gemäß deutschem Mainstream mehr Kinder,
um den Wohlstand der heutigen Erwachsenen
zu sichern. Es erstaunt jedoch, dass
selbst ostdeutsche Politiker fehlende
Kinderbetreuungseinrichtungen für den
Kindermangel verantwortlich machen. Gerade die
neuen Bundesländer zeigen jedoch, dass
sich Geburtenausfall und Vorhandensein
von Kinderbetreuungseinrichtungen
keineswegs ausschliessen.
In Ostdeutschland
mit seiner kinderfreundlichen
Infrastruktur liegt die Geburtenrate
gegenwärtig bei 1,1, während sie in
Westdeutschland mit seiner
kinderfeindlichen Infrastruktur bei 1,5
liegt.
Die
Babyflaute muss also auch andere Ursachen
haben, die sich nicht mit einer
Familienpolitik für wohlhabende
Großstadtyuppies mit Kinderwunsch (Die
Stadtsoziologin Monika ALISCH hat
hierfür den Begriff "Family-Gentrification"
geprägt) aus der Welt schaffen lassen.
Die Schaffung sicherer, zukunftsfähiger
Arbeitsplätze, mit denen sich Familien
ernähren lassen, ist möglicherweise die
bessere Familienpolitik. Eine
Kindergrundsicherung ist dagegen das
Eingeständnis, dass die Wirtschafts- und
Arbeitsmarktpolitik versagt hat.
- LOHSE, Eckart
(2001): Noch hat das schöne Papier vom
Kinderparadies keine Flecken.
Über die Finanzierung ihrer
Vorschläge beraten die jungen Grünen ein
andermal,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v.
07.06.
- Kommentar:
LOHSE vergleicht das
Thesenpapier der Familiengrünen mit den
"romantisierenden Zeilen" des
Popstars Herbert GRÖNEMEYER
("Kinder an die Macht"). LOHSE
spricht von einem
"Formelkompromiss", der sowohl
den Realos als auch dem linken Flügel
gerecht wird. Der Preis dafür ist jedoch
die Ausklammerung der Finanzierungsfrage.
- MONATH,
Hans (2001): Alternativ - und konservativ.
Die
Grünen entdecken die Kinder - und versöhnen
sich nebenbei mit sich selbst,
in: Tagesspiegel
v. 08.06
- KÖNIG,
Jens (2001): Zwei gute Gründe Angst zu haben,
in:
TAZ v.
10.07.
- Kommentar:
"Fischer hat
seine Partei aufgefordert, mit fünf
einfachen, plakativen Losungen in den
Bundestagswahlkampf zu gehen: die Grünen
als Partei der Energiewende, des
Verbraucherschutzes, der Zuwanderung, der
kinderfreundlichen Gesellschaft und als
Europapartei."
Wer möchte nicht
eine kinderfreundliche Gesellschaft? Aber
wenn das heisst, dass dazu Familien und
Generationen gegeneinander ausgespielt
werden müssen, dann sollte dies
misstrauisch machen. Die
familienpolitische Wende der Grünen
setzt auf die Polarisierung
"Familien versus Singles" und
nicht auf einen Familienbegriff, der
allen Altersgruppen gerecht wird. Die
Grünen bleiben damit familienpolitisch
eine Ein-Generationenpartei.
- HASELBERGER,
Stephan (2001): Grüne wollen im Wahlkampf nicht
die Partei der Familie sein.
Kerstin
Müller: Kinder keine Klammer für Politik,
in: Welt
v. 11.07.
- Kommentar:
Nach dem
Imageverlust der Partei regt sich erster
Widerstand gegen den geplanten
Imagewandel der Grünen zur
Familienpartei.
Eine rein ablehnende
Haltung wie jene von Kerstin Müller ist
jedoch keine Lösung. Leerformeln wie
"Grüne als Partei des sozialen
Interessenausgleichs" helfen da kaum
weiter.
Gefordert ist eine
Programmatik, die nicht auf eine
polarisierende Begrifflichkeit setzt
(Familien- versus Single-Haushalte),
sondern soziale Beziehungstypen,
generationentypische Lebensläufe und
alterstypische Lebensphasen
berücksichtigt. Solange diese
gesellschaftliche Debatte nicht geführt
wird, werden die politischen Parteien
ihre veralteten Familienbegriffe nicht
aufgeben.
- GASEROW, Vera (2001):
Kopf oder Sonne.
Bei den Grünen knirscht es
an vielen Ecken, und in der bundesweiten
Rangskala ist nicht mal mehr Platz vier sicher,
in: Frankfurter
Rundschau v. 12.07.
- FRIED, Nico
(2001): Ach, Kinder!
Führende Grüne wollen die
Partei in der Familienpolitik profilieren -
bislang ist das die einzige Gemeinsamkeit in
dieser Frage,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 12.07.
- HASELBERGER,
Stephan (2001): Kuhn: Wir sind die Kinderpartei.
Der
Grünen-Vorsitzende ruft zur Mäßigung bei der
Debatte über das neue Grundsatzprogramm,
in: Welt v. 14.07.
- MEISNER, Matthias
& Hans MONATH (2001): Kinder, Kinder.
Die
Grünen wollen mit neuem Programm erwachsener
wirken. Und diskutieren über den Wert der
Familie,
in: Tagesspiegel v. 16.07.
- Kommentar:
Die Autoren sehen in
dem Enwurf keine Vorentscheidung über
den Stellenwert einer "Politik für
Kinder". Grüne Kinderpolitiker der
"Generation Golf" möchten die
Kontroverse "Familien versus
Singles" ins Zentrum grüner Politik
rücken. Damit konnten sie sich jedoch
nicht durchsetzen. Der Tagesspiegel nennt
neben Fritz Kuhn auch Joschka Fischer als
Fürsprecher von Kinderpolitik.
- SCHLÜTER,
Christian (2001): Verraten und verkauft.
Und das ist auch gut so:
Bündnis 90/Die Grünen,
in: Frankfurter
Rundschau v. 18.07.
- Inhalt:
SCHLÜTER zeichnet
den Weg von den "jugendbewegten
Protestler aus den 70-ern" als
kurzen Weg von der Selbstverwirklichung
bis zum hedonistischen Materialismus, von
"Histomat" zum
"Hedomat". Das Grünen-Milieu
beschreibt er als Milieu des Verdachts -
das Gegen- oder Anti- nach innen wie nach
außen - den Grünen "eher
affektiven als programmatischen
Zusammenhalt" verschaffte. Vor
diesem Hintergrund analysiert SCHLÜTER
das neue Grundsatzprogramm, das den
Übergang von der
"Anti-Parteien-Partei" zur
"Reformpartei" markieren soll.
Er liest das Programm als Anleitung,
"wie zukünftig mit dem Verrat
umzugehen sei, oder als offene Frage, ob
und wie die Grünen ohne ihren affektiven
Glutkern leben können." SCHLÜTER
zufolge haben die Grünen ihr Dilemma,
dessen sichtbarer Ausdruck ihr rasanter
Imageverlust ist, durch eine Programmatik
der Inhaltslosigkeit gelöst: "Ihr
neues Grundsatzprogramm ist inhaltlich so
dünn, dass an ihm Verrat zu begehen
fortan nicht mehr möglich ist."
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Die
Grünen der Generation Golf:
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-
- Biografie
- WILLE,
Joachim (2001): "Wir halten eisern
an weiteren Ökosteuer-Schritten
fest".
Der
schleswig-holsteinische Umweltminister
Klaus Müller über die Grünen als
Partei, die nicht kuscht, sondern die
Zukunft der Kinder plant,
in: Frankfurter
Rundschau v. 28.05.
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Der
Fürsprecher:
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-
- Biografie
- BRUNS,
Tissy & Stephan HASELBERGER (2001):
Ab in die Mitte,
in:
Welt v. 16.05.
- Kommentar:
"DIE
WELT: In der
Grünen-Spitze sind Sie der
Einzige, der Kinder hat.
Kuhn: Es gibt eine ganze Reihe
profilierter Grüner mit Kindern.
Ich will aber, dass in der Partei
auch diejenigen für Kinder
einstehen, die selbst keine
haben. Wir müssen die Spaltung
der Gesellschaft in Eltern und
Kinderlose überwinden, wenn
Deutschland kinderfreundlicher
werden soll."
Herr KUHN geht von einem
Kinderlosen-Begriff aus, der an
der Realität dieser Gesellschaft
vorbeigeht. Wer nur Haushalte mit
Kindern als Familien ansieht, der
schafft erst die Spaltung der
Gesellschaft in Eltern und
Kinderlose, die in dieser Weise
gar nicht vorhanden ist.
Familie wird heutzutage
mehrheitlich als multilokale
Mehrgenerationen-Familie
gelebt. Wer dies ignoriert, der
möchte "böse" Eltern,
deren Kinder aus dem Haus
ausgezogen sind oder vorzeitig
gestorben sind (Haushalte ohne
Kinder) gegen "gute"
Eltern, die mit ihren Kindern
zusammenleben (Haushalte mit
Kindern) ausspielen. KUHN
möchte keine Pluralität der
Familienformen, sondern Familien
im Sinne der
"50er-Jahre-Filmidylle".
KUHN möchte den Begriff der
"Nachhaltigkeit" in die
Familienpolitik einführen. Dies
ist aber nur ein weiterer Schritt
zur Verdinglichung von Kindern.
Haben die traditionellen Parteien
die Kinder schon zum
gesellschaftlichen
Leistungsträger stilisiert, was
den ökonomisch denkenden
"Homo Oeconomicus"
voraussetzt und das Kind analog
zum "Arbeitnehmer"
auffasst, so wollen die Grünen
Kinder nun als eine neue Art von
"nachwachsenden
Rohstoffen" ansehen. Dies
setzt den "Homo
oecologicus" voraus, der
Kinder als Produkt auffasst, das
dem Ressourcenmanagement zu
unterwerfen ist. Weit und breit
ist keine Partei sichtbar, die
sich für Kinder "um der
Kinder willen" einsetzt. Sie
sind Mittel zum Zweck: Entweder
zur Wohlstandssicherung der
Rentner oder als potentielle
Arbeitsmarktteilnehmer.
- HASELBERGER,
Stephan (2001): Kuhn: Wir sind die
Kinderpartei.
Der
Grünen-Vorsitzende ruft zur Mäßigung
bei der Debatte über das neue
Grundsatzprogramm,
in: Welt v. 14.07.
- Interviewauszug:
"DIE
WELT: Kinder
und Familie spielen in dem
Programmentwurf eine
herausgehobene Rolle, aber keine
Hauptrolle, wie von einer Reihe
junger Grüner gefordert. Warum
nicht?
Kuhn: Wir sind die Kinderpartei,
daran gibt es keinen Zweifel.
"Wir haben die Erde nur von
unseren Kindern geborgt" -
dieser Spruch war für uns vor 20
Jahren von zentraler Bedeutung
und ist es heute noch. Das findet
sich in dem Programm auch an
vielen Stellen wieder. Wir machen
Kinderpolitik, aber nicht als
Lobbypolitik für
Lebensgemeinschaften mit Kindern
gegen Menschen, die keine Kinder
haben. Alle haben etwas davon,
wenn es den Kindern gut
geht."
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©
2000-2001
Bernd Kittlaus |
Bernds@single-dasein.de |
Erstellt:
28. Mai 2001
Update: 18. Juli 2001 |
|
Zugriffe
seit
dem 04.Juni 2000 |
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