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Das Karlsruher
Pflegeurteil:
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Die
Polarisierer und die Folgen für die "Singles"
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Die
Akteure:
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-
- Alfred MÜLLER
im Portät:
- DROBINSKI,
Matthias (2001): Zehn Kinder und
ein Cembalo.
Familie
Müller hat geklagt,
in: Süddeutsche
Zeitung v.
05.04.
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-
- Zur Person von
Udo STEINER:
- Richter
des Ersten Senats
- Udo STEINER im
Portät:
- KIRSTENFEGER,
Hartmut (2001): Der
Mannschaftssprecher.
Diese Woche
urteilt Karlsruhe über die
Pflegeversicherung.
Verfassungsrichter Udo Steiner
stellt dafür die Weichen,
in: Focus
Nr.14 v. 02.04.
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-
- BEISE, Marc
(2001): "Dieses Urteil geht nicht
weit genug".
Der Wirtschaftsweise
Bert Rürup kritisiert Karlsruhe und
fordert Änderungen im Steuerrecht,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 05.04.
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-
- Zur
Person von Winfried SCHMÄHL
- Direktor
der Wirtschaftswissenschaftlichen
Abteilung des Zentrum für
Sozialpolitik in Bremen
- Mitglied
der Enquete-Kommission
"Demographischer
Wandel" des Deutschen
Bundestages
- Auftritt
als Sachverständiger vor dem
Bundesverfassungsgericht
- Lebenslauf
von Winfried SCHMÄHL
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Die
Themen:
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-
- Die
vollständige Urteilsbegründung:
BVerfG,
1 BvR 1629/94 vom 3.4.2001, Absatz-Nr. (1
- 75),
- PRESSESTELLE
BUNDESVERFASSUNGSGERICHT (2001): Zur
Pflegeversicherung,
in:
Pressemitteilungen
des Bundesverfassungsgerichts
Nr.35/2001 v. 03.04.
- Dpa
(2001): Das Urteil im Wortlaut.
Das
Bundesverfassungsgericht hat entschieden,
dass Eltern bei den Beiträgen zur
Pflegeversicherung spürbar entlastet
werden müssen. Die wesentlichen Passagen
des Urteils,
in: Financial
Times Deutschland Online
v. 03.04.
- Kommentar:
In
der Begründung heisst es unter
anderem, dass in Deutschland die
Zahl der Lebendgeborenen seit
Mitte der sechziger Jahre
"in rascher Folge"
gesunken sei.
Dieser
rapide Geburtenrückgang lässt
sich jedoch anhand der
Geburtenstatistik nicht
nachweisen. Vielmehr liegen die Geburtenzahlen im
Jahr 1999 über den Zahlen der
Lebendgeborenen von 1973 bis
1987. Von einem kontinuierlichen
Rückgang kann also nicht
gesprochen werden.
Mit
der sogenannten
Prognosefähigkeit der
Wissenschaften ist es nicht weit
her, wenn sie eine simple
Fortschreibung der jeweiligen
gegenwärtigen Trends darstellen.
So gingen die Schätzungen der
Bevölkerungsentwicklung jeweils
zeitgeisttypisch daneben.
Anfang
der 60er Jahre wurden die
anormalen 50er Jahre als Massstab
der Berechnungen genommen,
folglich wurde die zukünftige
Geburtenzahl überschätzt (z.B. SCHWARZ
1963).
Seit
Mitte der 70er Jahre dagegen wird
die Geburtenentwicklung
unterschätzt, so z.B. bei den
Prognosen der renommierten
Bevölkerungswissenschaftler Karl
SCHWARZ & Charlotte HÖHN
(1985),
die deutlich unter den
tatsächlichen Geburtenzahlen
lagen.
Die
Fehleinschätzungen beruhen vor
allem auf einer mangelhaften
Datenlage. Lange Zeit wurden
wichtige Daten überhaupt nicht
erhoben, d.h. die
Vergleichbarkeit der Zahlen ist
nicht gegeben. Die Zahl der
Singles bzw. Kinderlosen wird in
den gängigen Haushaltstatistiken
überschätzt. Diese verzerrte
Optik verhindert den Blick auf
die Tatsache, dass Deutschland
eine Familiengesellschaft ist.
Es geht also nicht primär um
eine Umverteilung zwischen
Kinderlosen und Familien, sondern
um eine Umverteilung
zwischen verschiedenen
Familienformen und -phasen.
Kinderlose werden damit zu
Sündenböcken im familialen
Verteilungskampf...
- FRANKFURTER
RUNDSCHAU (2001): Wer Kinder erzieht,
soll weniger zahlen.
Der dramatische
Geburtenrückgang und die wachsende Zahl
der Pflegebedürftigen / Aus dem Urteil
des Bundesverfassungsgerichts zur
Pflegeversicherung
in: Frankfurter
Rundschau v. 04.04.
- Kommentar:
Das Urteil
steht und fällt mit der
Beurteilung dieses Sachverhaltes:
"Die Benachteiligung der
beitragspflichtigen Versicherten
mit Kindern gegenüber
kinderlosen Mitgliedern der
sozialen Pflegeversicherung, die
jeweils der Generation der
Beitragszahler angehören, kann
der Gesetzgeber so lange
vernachlässigen, wie eine
deutliche Mehrheit der
Versicherten Erziehungsleistungen
erbracht hat."
Das
Urteil stützt sich dabei auf die
sogenannte demografische
Entwicklung und damit letzlich
auf Prognosen, die
wissenschaftlich strittig sind.
Zum
einen geht es nicht um Kinderlose
versus Familien, sondern nur um
jene Deutschen, die zur
gesetzlichen Versicherung
"gezwungen" werden, zum
anderen ergeben sich gravierende
Probleme bei der Bestimmung, wann
denn nun keine deutliche Mehrheit
der Versicherten
Erziehungsleistungen erbracht
hat. Diese schwammige
Formulierung dürfte bei der
Umsetzung Probleme ergeben.
Ist
dieser Richterspruch nicht
permanenter Anfechtbarkeit
unterworfen? Das Verhältnis
zwischen Erziehungsleistenden und
Nicht-Erziehungsleistenden ist
ständigen Veränderungen
unterworfen. Jeder Jahrgang weist
ein anderes Verhältnis auf. Muss
also jeder Geburtsjahrgang vor
das Bundesverfassungsgericht
ziehen, um sich seine
Sozialstaatsfähigkeit erkämpfen
bzw. seine
Sozialstaatsunfähigkeit
attestieren zu lassen? Die Folgen
dieser Art von Lebensstilpolitik
sind unabsehbar.
Ein
anderer Punkt der Begründung hat
dann auch rein gar nichts mit dem
Konflikt zwischen Kinderlosen und
Eltern zu tun: die
"Vergreisung der
Gesellschaft". Wollen die
Richter Kinderlose für die
erhöhte Lebenserwartung der
Deutschen haftbar machen?
Die
demografische Entwicklung
spiegelt einen Problemkomplex
wider, der weit über das von den
Richtern verhandelte Problem
hinausweist...
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-
- KERSCHER,
Helmut (2001): Der Wert der Kinder.
Familienverände
betrachten ihren Sieg in Karlsruhe als
Dammbruch in der Sozialversicherung,
in:
Süddeutsche Zeitung
v. 04.04.
- Kommentar:
KERSCHER
geht auf die Rolle des
Bevölkerungswissenschaftlers
Herwig BIRG im Rahmen des
Gerichtsverfahrens ein und meint:
"Möglicherweise ist eine
gewisse Vorentscheidung schon
durch die Auswahl eines
Sachverständigen gefallen".
- NOTZ, Anton
und Cordula TUTT (2001): Geburtshilfe aus
Karlsruhe.
Mit ihrem
spektakulären Urteil zur
Pflegeversicherung haben die
Verfassungsrichter gleich das gesamte
Sozialversicherungssystem ins Wanken
gebracht. Ökonomen halten die
Entscheidung jedoch für praxisfern,
in: Financial
Times Deutschland
v. 04.04.
- Inhalt:
Ökonomen
kritisieren dass die ungleiche
Belastung für Familien mit
Kindern nur innerhalb der
Sozialkassen gelöst werde. Nach
Einschätzung von Bernd Hof von
der International School of
Management (ISM) in Dortmund ist
die Begründung der Karlsruher
rückwärtsgewandt: Wenn man für
Familien etwas tun will, muss man
das aus Steuermitteln tun.
"Wird es für Familien - wie
von den Richtern gefordert -
einen Ausgleich tatsächlich nur
im Rahmen der Sozialversicherung
geben, käme eine Gruppe
Gutverdienender ungeschoren
davon: Beamte, Selbstständige,
Minister und Abgeordnete -
diejenigen, die keine
Sozialversicherungsbeiträge
zahlen.
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- Leitartikel,
Kommentare und Analysen:
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-
- BEISE, Marc
(2001): Karlsruhe setzt einen
Meilenstein,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 04.04.
- FTD (2001):
Paradigmenwechsel im Sozialsystem,
in: Financial Times
Deutschland v.
04.04.
- KUNZ, Harry
(2001): Kinder sind kein reines
Privatvergnügen.
Pro: Die
Pflegeversicherung muss für Eltern
billiger werden,
in:
TAZ v. 04.04.
- Kommentar:
"Nicht
zufällig richten sich Werbung
und Konsumindustrie längst an
die lebensfrohen Singles und
nicht mehr an die 'Rama'-Familie
der 70er-Jahre", das ist
für KUNZ das Indiz, dass Singles
zu Lasten der Familien leben.
Nur
KUNZ übersieht, dass die
"Rama-Familie der 70er
Jahre" ein Auslaufmodell
war. In den 70er Jahren war
nämlich die Geburtenrate auf
einen Tiefststand, von dem wir
heute weit weg sind. Im Jahr
1978
wurden in den alten
Bundesländern 100.000 Kinder
weniger geboren als 20 Jahre
später.
Das
gegenwärtige Modell
der multilokalen
Mehrgenerationen-Familie
wird dagegen von
rückwärtsgewandten
Sozialromantikern als "individualisierte
Single-Gesellschaft"
fehlinterpretiert, weil es die
empirische Sozialforschung
versäumt hat den gewandelten
Familienformen Rechnung zu tragen
und an einem veralteten
Familienbegriff festhält.
- SIEMS,
Dorothea (2001):
Die deutsche
Sozialversicherung steht vor einer
Revolution,
in: Welt
v. 04.04.
- ZASTROW,
Volker (2001): Dynamisierte
Sozialstaatsverfassung,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 04.04.
- ZILLER,
Peter (2001): Pflege-Notstand.
Das Bundesverfassungsgericht
gab mit seinem Urteil zur
Pflegeversicherung den Gesetzesmachern in
Berlin wieder einmal schriftlich, dass
sie schlecht gearbeitet haben,
in: Frankfurter
Rundschau v. 04.04.
- HAUCH-FLECK,
Marie-Luise (2001): In der Zwickmühle.
Das familienfreundliche
Karlsruher Urteil zur Pflegeversicherung
setzt die Regierung unter massiven Druck,
in: Die ZEIT
Nr.15 v. 05.04.
- HERZ,
Wilfried (2001): Richter als Abgeordnete.
Karlsruhe korrigiert die
Pflegeversicherung zu Recht,
in: Die ZEIT Nr.15
v. 05.04.
- BIRNBAUM,
Robert (2001): Kein Neid, nur Mathematik.
Das Pflege-Urteil taugt
nicht für einen Kulturkampf
"Kinderlose gegen Eltern",
in: Tagesspiegel
v. 05.04.
- Kommentar:
BIRNBAUM geht der
Frage nach, ob jetzt jemand den
Aufstand der Kinderlosen
organisiert.
Den
derzeitigen Parteien in den
Parlamenten traut er dies nicht
zu, aber es könnte ja zur
Gründung einer
"Klientelpartei"
kommen. Da es nicht einmal eine
Interessenorganisation der
"Kinderlosen" gibt, ist
dies ziemlich weit hergeholt.
BIRNBAUM
meint, dass das Gericht wertfrei
geurteilt hat. Gerade dies muss
jedoch angezweifelt werden. Das
Urteil gründet sich nach Aussage
des Autors auf eine ominöse
Störung des generativen
Gleichgewichtszustandes.
Dazu
bedarf es jedoch eines
Bezugspunktes. Die Wahl des
Bezugspunktes ist eine
Wertentscheidung. Die Anwälte
der Familie haben den
Geburtenrückgang seit einem
Jahrzent dramatisiert, indem ein
kontinuierlicher
Geburtenrückgang suggeriert
wird. Besonders deutlich wird
dies bei Astrid
WIRTZ im Kölner Stadtanzeiger v.
04.04. Nimmt
man aber das Jahr 1978 als
Bezugspunkt, dann kann man sogar
einen Anstieg der Geburten für
die alten Bundesländer
feststellen: Von 1978
mit 576.468 Geburten stieg die
Zahl auf 664.018 im Jahr 1999 an. Von
nüchterner Mathematik kann also
gar keine Rede sein...
- MERTES,
Michael, Mütter und Väter wollen
Gerechtigkeit,
in: Rheinischer
Merkur Nr.14 v. 06.04.
- Kommentar:
"Jede
Randgruppe in unserer
Gesellschaft hat Anwälte in der
Politik. Nur nicht die
Familie". Es sind solche
Sätze, die Menschen aufregen
müssten, die in unserer
Gesellschaft als
"Singles" oder
"Kinderlose"
diskriminiert werden sollen. Aber
viele
Singles ahnen gar nicht, dass sie
gemeint sind, weil sie sich als
Eltern verstehen. Wie ist das
möglich?
Es
gibt keine gesellschaftliche
Gruppe, die in unserer
Gesellschaft besser politisch
organisiert ist, als die Familie.
Von einer Minderheit kann keine
Rede sein. Eine Minderheit wäre
gar nicht in der Lage ein solch
verzerrtes Bild von sich selbst
in allen gängigen Medien zu
verbreiten. Der zentrale Punkt
ist, dass Anwälte der Familie es
schaffen, dass Familie mit
Familienhaushalt gleichgesetzt
wird. Eltern
werden dann zu Kinderlosen
und das ist schon ein
Kunststück, das nur eine
machtvolle Gruppe schafft. Die
Wissenschaft, die solche
Begrifflichkeiten etabliert hat,
ist eine Wissenschaft der
Familienväter und -mütter.
Singles
sind so unbedeutend, dass es sich
nicht lohnt, überhaupt
empirische Studien über sie zu
erstellen. Stattdessen verkaufen
Wissenschaftler Familienstudien
unter dem schicken Label
"Single".
Der
Mainzer
Soziologe Stefan HRADIL
durfte für das Bundeskanzleramt
eine "Single-Studie"
erstellen - ein grandioses
Beispiel für die desolate Lage
der Singleforschung. HRADIL hat
einfach ein paar vorhandene
Studien nach verwertbarem
Material durchgesehen. Um die
unterschiedlichen
Begrifflichkeiten hat er sich
erst gar nicht gross geschert,
Hauptsache es passte irgendwie
zum Thema. Seitdem darf er sich
von den Medien als Single-Experte
feiern lassen. Single-Forschung
ist ein Abfallprodukt der
Familienforschung und wie Müll
werden Singles in der
Gesellschaft behandelt. Man darf
z.B. die Frage stellen, ob
Singles Nützlinge oder
Schädlinge sind. Eine Gruppe,
die angeblich die Macht in der
Gesellschaft übernommen hat.
Würde die sich so etwas
ernsthaft gefallen lassen?
Der
Bamberger
Familienforscher VASCOVCIS
hat sich in seiner Studie
"Älterwerden als
Single" mit einer Gruppe der
Kinderlosen beschäftigt, die
gerade einmal 3 % der
Bevölkerung ausmacht, aber nach
Anwälten der Familie auf dem Weg
ist die Familie zu verdrängen.
Die Begründung solcher Forschung
liegt nicht darin, dass man sich
für Singles interessiert. Kann
man sich für Schädlinge
interessieren? Die werden
höchstens zertreten! Nein. Man
möchte Aufschlüsse über das
zukünftige Leben von alten
Eltern gewinnen, denn ihre
Situation gleicht den wirklich
Kinderlosen immer mehr.
Es
gibt viele Forschungen, die das
Label "Single" verpasst
bekommen. Wo "Single"
draufsteht, ist aber selten
"Single" drin, aber sie
sind eben die Lieblinge der
Medien. Warum? Weil es so viele
Singles gibt? Nein, sondern weil
Familien sich gerne über Singles
mokieren. Dies hilft über den
harten Verteilungskampf zwischen
Familien hinweg...
- LEICHT,
Robert (2001): Freiheit - ohne
Trittbrett.
Nach dem Urteil: Die
Kosten des Individualismus soll das
Individuum tragen,
in: Tagesspiegel
v. 06.04.
- Inhalt:
Für alle, die
die Anekdote zur Einführung des
Rentensystems 1957 noch immer
nicht kennen. Die Duellanten sind
Konrad ADENAUER und Oswald von
NELL-BREUNING. Das Ergebnis
bewertet Robert LEICHT - der
Sachwalter von NELL-BREUNING.
- Kommentar:
Robert
LEICHT macht es sich
leicht und setzt zwischen
Kinderlose und
Trittbrettfahrer ein
Gleichheitszeichen - das
reicht und wie das
reicht, Herr Leicht...
- HÖHER,
Sabine (2001): Das Stiefkind heißt
Familie.
Kinder sind in
unserer Gesellschaft das Armutsrisiko
Nummer eins,
in: Welt am
Sonntag v. 08.04.
- LANGENDÖRFER,
Hans P. (2001): Schluss mit den
Minimallösungen!
Das Urteil von Karlsruhe - ein
Meilenstein im Kampf für Eltern und
Kinder,
in: Rheinischer Merkur
Nr.15 v. 13.04.
- SIEMS,
Dorothea (2001): Eltern sind die Dummen,
in: Welt
v. 14.04.
- BUL
(2001): Sind die nicht süß?
in: Tagesspiegel
v. 17.04.
- Inhalt:
Der Autor lehnt
als Anwalt der wohlhabenden
Familien der Neuen Mitte sowohl
die Steuerfinanzierung als auch
die Umverteilung von
Besserverdienenden zu
Sozialschwachen ab, wenn damit
ein erhöhtes Kindergeld
finanziert werden soll.
- KASTNER,
Ruth (2001): Dreifache Last.
Die Familie mit Kindern,
in: Hamburger
Abendblatt v. 28.04.
- Kommentar:
KASTNER
schreibt: "die neuen
Mehrheiten sind lange schon
jenseits der Familien mit Kindern
zu holen". Wie die
Machtverhältnisse tatsächlich
liegen, darüber sagen die
Haushaltszahlen wenig aus, auch
wenn gerne darauf verwiesen wird.
Die Anwälte der Familien bleiben
letztlich den Beleg für ihre
These schuldig.
Ich habe mir die Mühe gemacht
und die Zahlen
vom Mikrozensus 2000
umgerechnet. Leider liefert das
Statistische Bundesamt in seinem
Bericht unzureichende Zahlen. Die
Angaben zu den Familienhaushalten
lassen keine exakte Berechnung
zu. Da aber die Zahl der
Mehrpersonenhaushalte nur
geringfügig niedriger liegt als
die Zahl der Familienhaushalte,
lassen sich gewisse
Rückschlüsse ziehen. Die Zahl
der Menschen in
Familienhaushalten liegt auf alle
Fälle wesentlich höher als dies
die Haushaltszahlen vorgaukeln.
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- ROGALLA,
Annette (2001): Ein neues Stigma.
Contra:
Singles ohne Kinder zahlen schon genug
für Eltern,
in: TAZ
v. 04.04.
- Kommentar:
ROGALLA
schneidet ein wichtiges Thema an,
bleibt jedoch dem Scheinkonflikt
"Singles versus
Familien" argumentativ
verhaftet.
- BARBIER,
Hans D. (2001): Das Pflegeurteil. Ein
Muster ohne Wert,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 05.04.
- Inhalt:
BARBIER
bezweifelt die These von der
kinderfeindlichen Gesellschaft
und kritisiert die beschränkte
Reichweite des
"Generationenvertrags":
Partner dieses
fiktiven Vertrages müßten dann
doch wohl alle Steuerzahler sein
und nicht die eher zufällig
abgegrenzten Gruppen der
Arbeitnehmer oder der Mitglieder
der gesetzlichen
Krankenversicherung."
- BRÜTT,
Christian (2001): Verfassungsschutz für
die Familie.
Ein Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zur
Pflegeversicherung will die
Erziehungsleistung anerkannt wissen,
in: Jungle
World Nr.16 v.
11.04.
- Inhalt:
Der Autor
relativiert die Bedeutung der
"generativen Leistung":
"Der gemeinhin ins Spiel
gebrachte Wohlstand einer Nation
ist nicht bevölkerungspolitisch
zu bestimmen. Er hängt vielmehr
von der Entwicklung der
ökonomischen Kennzahlen, also
vom technischen Fortschritt, von
der Produktivität, vom
Produktionsniveau und nicht
zuletzt vom Lohnniveau ab. Wer
hier bevölkerungspolitisch
argumentiert, verkennt zudem,
dass Volkswirtschaften im Sinne
von geschlossenen
Nationalökonomien nicht erst
seit der Globalisierung
aufgehört haben zu existieren.
"
- KÖPF,
Peter (2001): Geld her oder zeugen.
Immer mehr
Politiker wollen die Deutschen vom
Kinderkriegen überzeugen. Die Singles
werden zu Hassfiguren. Dabei finanzieren
die schon jetzt den Nachwuchs anderer
Leute,
in: TAZ
v.19.04.
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-
- WIRTZ, Astrid
(2001): Kinderlos ist kein Ideal.
Trotzdem
geht die Geburtenrate zurück,
in: Kölner
Stadt-Anzeiger v.
04.04.
- Kommentar:
Der Artikel
von WIRTZ ist ein Paradebeispiel
für die Art von Demogagie wie
sie von Anwälten der Familie
derzeit betrieben wird. Dort
heisst es:
"Die
Geburtenrate in Deutschland sinkt
seit 1967. Seit 1972 liegt sie
unter jener der Kriegsjahre
1917/18 und 1944/45, errechnete
das Heidelberger Büro für
Familienfragen. 1965 wurden in
Gesamtdeutschland noch 1,3
Millionen Kinder geboren. 1999
waren es gerade mal 771 000 und
damit rund 42 Prozent weniger.
Sollte diese Entwicklung
anhalten, werden im Jahr 2030 nur
noch 470 000 Kinder
geboren."
Hier
wird ein kontinuierlicher
Geburtenrückgang suggeriert, der
sich genauso in die Zukunft
fortsetzen soll. Bereits der
erste Teil stimmt in dieser
Vereinfachung nicht, denn 1978
wurde der Tiefststand bei den
Geburten erreicht. Danach
konsolidierte sich die
Entwicklung auf niedrigem Niveau.
Die Geburtenzahlen liegen heute
also höher als 1978.
1977
erschien im Deutschen
Institutsverlag das Buch
"Bevölkerung und
Arbeitsmarkt bis zum Jahr
2000" von Günter BUTTLER
& Bernd HOF. Dort wird diese
Entwicklung relativ exakt
beurteilt: "Die größte
Plausibilität hat aus heutiger
Sicht die Annahme, daß die
Geburtenziffern zunächst noch
leicht zurückgehen, um sich ab
1978 auf dem dann erreichten
niedrigen Niveau zu
stabilisieren" (S.31).
Im
Frühjahr 1978 berief die
"Gesellschaft für sozialen
Fortschritt" einen
Arbeitskreis, zu dem u.a.
Elisabeth BECK-GERNSHEIM und
Günter BUTTLER gehörten. Dieser
Arbeitskreis hat seine Ergebnisse
in einem Buch mit dem Titel
"Bevölkerungsentwicklung
und nachwachsende
Generationen"
veröffentlicht, in dem es
hellsichtig heisst:
"Wer
über die Folgen eines
Bevölkerungsrückgangs
nachdenkt, sollte sich zunächst
erinnern, daß
Bevölkerungszahlen, wie sie
Modellrechnungen bei Beibehaltung
der derzeitigen
Fruchtbarkeitswerte für 2030 und
2070 denkbar erscheinen lassen
(39 bzw. 22 Millionen Deutsche),
jenen im Gebiet der
Bundesrepublik Deutschland von
1925 und 1880 entsprechen. Dies
könnte denen ein Trost sein, die
durch eine Abnahme der
Bevölkerung bereits in
absehbarer Zeit die Erhaltung
deutschen oder westeuropäischen
Kulturguts oder nationaler
Eigenart gefährdet wähnen"
(S.16).
Was
ist daran so erwähnenswert? Es
wird nicht mit Kriegsjahren
argumentiert, sondern mit
Friedensjahren! Kriegsjahre
suggerieren reisserisch, dass man
es mit Ausnahmezuständen zu tun
hat. Friedensjahre suggerieren
dagegen Normalität. Die Wahl der
Vergleichsjahre ist Teil von
Familienrhetorik...
- KIELER
NACHRICHTEN (2001): Düstere Szenarien
zur Bevölkerungsentwicklung,
in: Kieler Nachrichten v. 06.04.
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-
- SCHMIDT,
Michael (2001): "Das wird schwierig
zu regeln",
in: Kölnische
Rundschau v. 04.04.
- Inhalt:
Interview
mit dem Direktor des
Max-Planck-Instituts für
Arbeits- und Sozialrecht in
München Prof. Bernd Baron von
Maydell.
Die zentrale Frage
lautet:
"Frage:
Eine Beitragsdifferenzierung ist
immer mal wieder diskutiert
worden. . .
von Maydell: Und verworfen
worden, weil sie sehr schwierig
zu regeln ist: Wenn etwa Eltern
getrennt leben, geschieden sind,
Kinder bei Pflegeeltern leben
oder adoptiert wurden - wer soll
dann in den Genuss der
Beitragsminderung kommen?"
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- WIRTGEN, Klaus
(2001): "Sozialpolitik eignet sich
nicht für Schnellschüsse".
BZ-Interview mit dem
früheren Arbeitsminister Blüm über die
Konsequenzen aus dem Karlsruher Urteil
zur Pflegeversicherung,
in: Badische
Zeitung v. 04.04.
- SINN,
Hans-Werner (2001): Rentenhöhe nach
Kinderzahl.
Das
Verfassungsgerichtsurteil zur
Pflegeversicherung muss bei der
Altersversorgung berücksichtigt werden,
in: Welt
am Sonntag v.
08.04.
- NIEJAHR,
Elisabeth (2001): Singles als Verlierer?
Das Pflegeurteil
könnte die Rentenpolitik verändern,
in: Die
ZEIT v. 11.04.
- Kommentar:
NIEJAHR
widmet sich dem Grundsatzstreit:
"Soll die Erziehung von
Kindern innerhalb des
Rentensystems gefördert werden
(...). Oder sollte lieber die
Gemeinschaft der Steuerzahler die
Kindererziehung fördern?"
- SCHÄUBLE,
Wolfgang (2001): Warum Familienpolitik
und Alterssicherung nicht getrennt
gesehen werden dürfen,
in: Tagesspiegel v.
12.04.
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- RIMSCHA,
Robert von/BIRNBAUM, Robert/MONATH, Hans
(2001): Kein Kinderspiel.
Im Grundsatz sind
sich alle einig: Für Familien muss mehr
getan werden. Das aber kostet Geld. Die
großen Parteien streiten, wie eine
angemessene Förderung auszusehen hat.
Und vor allem, auf wessen Kosten sie
ginge,
in: Tagesspiegel v. 12.04.
- KEILANI,
Fatina (2001): Was das Ehegattensplitting
bringt: Vier Rechenbeispiele,
in: Tagesspiegel v. 12.04.
- LIPICKI,
Christian & WOLFF, Sebastian (2001):
Wirtschaftsweise fordern deutliche
Steuerentlastung für Familien.
Ehegattensplitting
soll um eine Kinderkomponente erweitert
werden,
in: Berliner
Zeitung v. 17.04.
- Inhalt:
Bert RÜRUP
und Jürgen KROMPARDT plädieren
für ein Familiensplitting,
während Karl Heinz DÄKE und
Wolfgang WIERGARD eine Erhöhung
der Kinderfreibeträge bzw. eine
Kindergelderhöhung präferieren
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- TAZ
(2001): Singles versus Familien.
An
den Ursachen der drohenden Pflegemisere
wird vorbeidiskutiert.
betr..:"Pflege: Wer keine Kinder
hat, zahlt künftig drauf" u.a.,
in: TAZ v. 07.04.
Wortlaut:
"Nicht
zufällig richten sich Werbung und
Konsumindustrie längst an die
lebensfrohen Singles und nicht mehr an
die "Rama-Familie der
70er-Jahre" heißt es im Artikel von
Harry Kunz. Der Autor übersieht jedoch,
dass die "Rama-Familie der
70er-Jahre" ein Auslaufmodell war.
In den 70er-Jahren war nämlich die
Geburtenrate auf einem Tiefststand, von
dem wir heute weit entfernt sind. Im Jahr
1978 wurden in den alten Bundesländern
100.000 Kinder weniger geboren als 20
Jahre später. Das gegenwärtige Modell
der multilokalen Mehrgenerationen-Familie
wird dagegen von rückwärtsgewandten
Sozialromantikern als
"individualisierte
Single-Gesellschaft"
fehlinterpretiert, weil es die empirische
Sozialforschung versäumt hat, den
gewandelten Familienformen Rechnung zu
tragen und an einem veralteten
Familienbegriff festhält.
Rogalla schneidet ein wichtiges Thema an:
die zunehmende Stigmatisierung von
Singles! Sie bleibt jedoch dem
Scheinkonflikt "Singles versus
Familien" zu sehr argumentativ
verhaftet.
Von Sozialpolitikern wird zwar viel vom
"Generationenvertrag" geredet,
aber die Zeitdimension
"Lebenslauf" wird
vernachlässigt. Kinderlose sind dann
nämlich nicht mehr nur lebenslang
Kinderlose (die kleinste Gruppe), sondern
Eltern in der Vorkinderphase und Eltern
ohne Kinder im Haushalt, oder Eltern,
deren Kinder gestorben sind. Wenn es um
die letztgenannten Gruppen geht, dann
wird aus dem medial inszenierten Konflikt
"Singles versus Familien" der
Kernkonflikt um die Umverteilung von
Geldern zwischen verschiedenen Phasen in
der Familienbildung.
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
Bernds@single-dasein.de |
Erstellt:
06. April 2001
Update: 20. Januar 2002 |
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Zugriffe
seit
dem 04.Juni 2000 |
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