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Debatte

 
   

Wie wollen Singles leben?

 
   

Die "Singles" haben viele falsche Freunde in der öffentlichen Debatte und keine Argumente, die anerkannt sind

 
   
 
 

Wie sollte ein neues Denken jenseits der veralteten Feindbilder "Singles versus Familien" aussehen?

Die Suche nach einem "dritten Weg" jenseits der üblichen Feindbilder, das ist das Anliegen dieser Website. Hier werden die Meldungen in den Medien aus einer Perspektive kommentiert, die man in dieser Form sonstwo vergeblich sucht.

Wie "Singles" ihre Interessen in der Öffentlichkeit darstellen sollten, das scheint eine zentrale Frage der Zukunft zu sein. Ihre Konstruktive Mitarbeit bei der Suche ist erwünscht, denn das Neue Denken ist kein Fertigprodukt, sondern ein Entwicklungsprozess.

 
 
 
       
    Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Thema: Bernds@single-dasein.de  
       
       
       
   

Eine Dokumentaton der Stellungnahmen in der familienpolitischen Debatte

 
   
  • ROGALLA, Annette (2001): Ein neues Stigma.
    Contra: Singles ohne Kinder zahlen schon genug für Eltern,
    in: TAZ v. 04.04.
    • Kommentar:
      Rogalla schneidet ein wichtiges Thema an: die zunehmende Stigmatisierung von Singles! Sie bleibt jedoch dem Scheinkonflikt "Singles versus Familien" zu sehr argumentativ verhaftet.
      Von Sozialpolitikern wird zwar viel vom "Generationenvertrag" geredet, aber die Zeitdimension "Lebenslauf" wird vernachlässigt. Kinderlose sind dann nämlich nicht mehr nur lebenslang Kinderlose (die kleinste Gruppe), sondern Eltern in der Vorkinderphase und Eltern ohne Kinder im Haushalt, oder Eltern, deren Kinder gestorben sind. Wenn es um die letztgenannten Gruppen geht, dann wird aus dem medial inszenierten Konflikt "Singles versus Familien" der Kernkonflikt um die Umverteilung von Geldern zwischen verschiedenen Phasen in der Familienbildung.
  • BARBIER, Hans D. (2001): Das Pflegeurteil. Ein Muster ohne Wert,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.04.
    • Inhalt:
      BARBIER bezweifelt die These von der kinderfeindlichen Gesellschaft und kritisiert die beschränkte Reichweite des "Generationenvertrags": Partner dieses fiktiven Vertrages müßten dann doch wohl alle Steuerzahler sein und nicht die eher zufällig abgegrenzten Gruppen der Arbeitnehmer oder der Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung."
  • BRÜTT, Christian (2001): Verfassungsschutz für die Familie.
    Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pflegeversicherung will die Erziehungsleistung anerkannt wissen,
    in: Jungle World Nr.16 v. 11.04.
    • Inhalt:
      Der Autor relativiert die Bedeutung der "generativen Leistung":
      "Der gemeinhin ins Spiel gebrachte Wohlstand einer Nation ist nicht bevölkerungspolitisch zu bestimmen. Er hängt vielmehr von der Entwicklung der ökonomischen Kennzahlen, also vom technischen Fortschritt, von der Produktivität, vom Produktionsniveau und nicht zuletzt vom Lohnniveau ab. Wer hier bevölkerungspolitisch argumentiert, verkennt zudem, dass Volkswirtschaften im Sinne von geschlossenen Nationalökonomien nicht erst seit der Globalisierung aufgehört haben zu existieren. "
  • KÖPF, Peter (2001): Geld her oder zeugen.
    Immer mehr Politiker wollen die Deutschen vom Kinderkriegen überzeugen. Die Singles werden zu Hassfiguren. Dabei finanzieren die schon jetzt den Nachwuchs anderer Leute,
    in: TAZ v.19.04.
    • Kommentar:
      Die Argumentation von Peter KÖPF ist zwar gut gemeint, führt aber in eine gefährliche Sackgasse.
            Wenn "Singles" zu Hassfiguren werden, dann liegt das in erster Linie an solchen vorschnellen ökonomischen Kosten-Nutzen-Bilanzen, die den Fokus auf ein Thema lenken, das dem Kern des Problems nicht gerecht wird.
           Statt die Scheinkontroverse "Singles versus Familien" zu forcieren, sollte endlich eine Selbstverständigungsdebatte über die gesellschaftliche Situation in Gang gesetzt werden. Erst danach kann sinnvoll bilanziert werden.
           Der Soziologe Ulrich BECK hat Mitte der 80er Jahre mit den Begriffen "Individualisierung" und "Single-Gesellschaft" wichtige Denkanstösse geliefert, die auf den gesellschaftlichen Wandel aufmerksam gemacht haben. Diese Begriffe sind mittlerweile jedoch zum Denkersatz mutiert und behindern damit eine Neubestimmung des politischen Konsens.
           Die demografische Entwicklung erfordert Lösungen, die einen gemeinsamen Beitrag von Kinderlosen ("Singles") und Eltern ("Familien") voraussetzen, denn viele Ursachen dieser Entwicklung sind keine Folgen willentlichen oder unwillentlichen ("Fehl-")Verhaltens, sondern das Ergebnis technischen Fortschritts und verbesserter Lebensverhältnisse (z.B. höhere Lebenserwartung) oder politischer Handlungen (z.B. unterschiedliche Geburtenraten in den alten und neuen Bundesländern).
           Der Singlebegriff eignet sich zwar ideal zur Polarisierung, verhindert dadurch jedoch Konsenslösungen. Die Haushaltsstatistik des Statistischen Bundesamtes liefert den Stoff für die diversen ideologischen Scheingefechte.
           Der griffige Slogan "Familie ist da, wo Kinder leben" kann sich auf diese Statistik berufen. Dann kann argumentiert werden, dass Haushalte ohne Kinder ("Singles") wesentlich weitverbreiteter sind als Familienhaushalte. Die Zunahme der Single-Haushalte ist dann ein sichtbares Zeichen für die dramatische Zunahme der Kinderlosigkeit.
           Eine solch scheinbar bestechende Logik führt aber zu geradezu paradox anmutenden Fehleinschätzungen hinsichtlich des gesellschaftlichen Ausmasses der Kinderlosigkeit. Nehmen wir z.B. die Gruppe der Unfruchtbaren. Die Fortschritte der Reproduktionsmedizin haben dazu geführt, dass Unfruchtbarkeit kein Schicksal mehr sein muss. Der zunehmende "Gebärdruck" auf Kinderlose macht solche Behandlungen quasi zur Pflicht. Dass Unfruchtbare bereits jetzt schon alles tun, um ihren Kinderwunsch zu realisieren, lässt sich an der rapiden Zunahme von Mehrlingsgeburten ablesen. Paradoxerweise erscheint dieser "Erfolg" der Reproduktionsmedizin in der Lesart der "Single-Gesellschaft" als Zunahme der Kinderlosigkeit. So führt z.B. die Geburt von Drillingen im Vergleich zur Geburt von 3 Einzelkindern im Abstand von 1 – 2 Jahren bei gleicher Verweildauer der Kinder im Elternhaus zu einer durchschnittlich kürzeren Existenz eines Familienhaushaltes, in dem die Drillinge geboren werden. In der Haushaltsstatistik wird dies als Anstieg der Kinderlosen sichtbar, der in dieser Weise nicht gegeben ist.
           Der Rückgriff auf den statistischen Singlebegriff führt zu gravierenden Fehleinschätzungen. So erscheint eine "Gesellschaft der Nesthocker" bei gleicher Kinderzahl familienfreundlicher als eine Gesellschaft der Selbständigen. Eine Gesellschaft der erwerbstätigen Frauen und Männer erscheint bei gleicher Kinderzahl kinderfeindlicher als eine Gesellschaft der Vollzeitmütter.
           Wer den Singlebegriff also unbesehen übernimmt, der sitzt solchen immanenten Verzerrungen auf. Er läuft Gefahr die Tragweite der demografischen Entwicklung zu verkennen.
           Eine Familienförderung, die ihre Handlungsmaximen aus der angeblichen Polarisierung zwischen lebenslang Kinderlosen und Kinderreichen ableitet, ist für die überwältigende Mehrheit der Kinderarmen in der jüngeren Generation kontraproduktiv. Sie könnte vermehrte lebenslange Kinderlosigkeit fördern, weil sie den Noch-Kinderlosen Lasten auferlegt, die den Kinderwunsch bereits im Keim ersticken.
            Wer die Zeitdimensionen "Lebenslauf" und "Generation" nicht berücksichtigt und die verhaltensunabhängigen Aspekte der demografischen Entwicklung übersieht, der trägt nicht zu einem tragbaren Konsens bei. Er forciert stattdessen die Stigmatisierung der "Singles" und verschleppt sinnvolle Lösungen.
  • KNIPPHALS, Dirk (2001): Kampf der Kränkungen.
    Bei der Familiendebatte geht es immer um Geld. Scheinbar. Tatsächlich prallen Ängste aufeinander. Singles fühlen sich als biologische Versager, Familien als Verlierer,
    in: TAZ v.24.04.
    • Kommentar:
      Knipphals zeigt mit seinem Artikel eigentlich nur, dass Singles in dieser Gesellschaft nicht ernst genommen werden. Der Vorschlag, eine Interessenvertretung nach dem Vorbild des ADAC zu gründen, nimmt zwar zur Kenntnis, dass Singles nicht organisiert sind, er zeigt aber andererseits, dass versucht wird, die Interessen von Singles lächerlich zu machen.
            Wer mit Singles Kurzinterviews führen möchte, um deren aufgestaute Wut vorzuführen, statt ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Position sachlich darzustellen, der darf sich eigentlich nicht über eine Debatte wundern, die auf Stammtischniveau geführt wird.
            Wenn Knipphals zugibt, dass über Singles nur im Zusammenhang mit der Kinderlosigkeit geschrieben wird, dann ist das ein erster Schritt der Selbsterkenntnis, der hoffen lässt.
      Tatsache ist, dass es seit Ende der 80er Jahre allgemeiner Usus ist, Singles in sozialpolitischen und -pädagogischen Zusammenhängen zu betrachten. In keiner einzigen meinungsbildenden überregionalen Zeitung in Deutschland finden Singles als heterogene Gruppe eine Plattform. Es wird über sie geschrieben, sie dürfen auch mal ein paar Statements zu vorgegebenen Themen abgeben. Es muss aber alles ins Klischee passen, sonst ist es nicht öffentlichkeitsfähig.

            So lässt sich mit dem Yuppie-Klischee im Nu der Neidaffekt aktivieren. Es ist dann gleichgültig, um was es geht. Der "Swinging Single" ist zur Museumsattraktion geworden, die immer dann hervorgekramt wird, wenn man die Freiwilligkeit des Single-Daseins anzweifeln möchte. Die Karrierefrau mit unerfülltem Kinderwunsch ist die Speerspitze im Kampf um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geworden, weswegen die Karrierefrau ohne Kinderwunsch höchstens bei Cosmopolitain über ihre sexuellen Wünsche plaudern darf und ansonsten als Relikt der 70er Jahre mit den Anfeindungen postfeministischer Frauen rechnen darf.
            Die Wohnsituation ist auch recht einsilbig. Singles wohnen in den allseits beliebten verkehrsberuhigten Zonen der Großstädte und besetzen die Altbauten und Lofts, die ideal für Familien wären.
            Vielleicht ergibt sich die Schieflage der Debatten vor allem daraus, dass die Berichterstatter aus dem selben Milieu stammen wie die Yuppies, über die sie so gern berichten. Statistisch gesehen ist diese Gruppe jedoch nur durch die Lupe der Haushaltsstatistik sichtbar zu machen. Sie ist lautstark, aber bevölkerungsmässig irrelevant.
            Die Single-Haushalte sind nicht der Nabel der Single-Gesellschaft, sondern nur die Spitze des Eisbergs. Der Mikrozensus 2000 hat enthüllt, dass 85 % der Bevölkerung nicht in Einpersonenhaushalten lebt. Dies reicht deshalb nur für Schlagzeilen wie: "Immer mehr Deutsche leben in Single-Haushalten" oder "Einpersonenhaushalte erreichen neues Rekordniveau".
      Wenn in den Medien sachlich über die heterogene Kategorie der Haushalte ohne Kinder berichtet würde, dann ergäbe sich ein ganz anderes Bild. Hinter dem hohen Durchschnittseinkommen würde ein Spaltung in wenige Yuppies und viele Geringverdiener sichtbar werden.
      Wo sind die Berichte über Lebensweisen jenseits der Lofts? Dieses Thema wird heutzutage nur aufgegriffen, wenn man es mit Rechtsextremismus oder Verwahrlosungsprozessen in Verbindung bringen kann.

            In einem Fünftel der Einpersonenhaushalte leben über75Jährige Trümmerfrauen, deren generativer Beitrag weit zurückliegt und deshalb nun als Beitrag zur Kinderlosigkeit zählt. Die Rechtssprechung weist geschiedene Zahlväter vorwiegend den Einpersonenhaushalten zu. Bei partnerlosen allein Erziehenden zählt dagegen das Kind als Kriterium der Zuweisung. Die Kategorien bestimmen also bereits den Blick auf die Menschen.
            Die Nichteheliche Lebensgemeinschaft ist angeblich eine Erfindung der 68er, aber vorher war sie bereits als Onkel-Ehe weitverbreitet. Was statistisch jedoch nicht sichtbar ist, das existiert auch nicht.
      Die Großfamilie - ein Mythos wie der Single - verstellt den Blick darauf, dass schlichter Wohnungsmangel mit sozialem Gutmenschentum verwechselt wird. Die multilokale Mehrgenerationen-Familie wird dagegen als haushaltsübergreifender Generationenzusammenhang zur Veranstaltung von Rabengroßeltern.

            Großelternschaft ist aber kein traditionelles, sondern ein modernes Phänomen aufgrund der steigenden Lebenserwartung. Wenn die Oma ihre Enkel hütete, dann nicht weil sie nicht lieber in Urlaub gefahren wäre, sondern weil diese Option gar nicht existierte.Aber solche Versuche, eine fiktive gute alte Zeit der egoistischen Gegenwartsgesellschaft gegenüberzustellen, zeigen nur die perfiden Mechanismen auf, mit denen subtil das Meinungsklima beeinflusst werden soll.
      Es besteht deshalb die Befürchtung, dass es mit der Erkenntnis, dass es falsch ist, wenn man Singles nur in ihrer gesellschaftlichen Funktion als Kinderlose sieht, nicht sehr weit her ist.
      Singles sollten Knipphals beim Wort nehmen und dafür sorgen,dass es nicht bei reinen Lippenbekenntnissen bleibt.
 
       
   

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© 2000-2001
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 24. April 2001
Update: 24. April 2001
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