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Debatte und weiterführende Literatur (teilweise verlinkt)

 
   

Zivilgesellschaft:

 
   

Der Umbau des Sozialstaats in der "Single-Gesellschaft"

 
       
     
       
   
 
 

Zitate zur Debatte

"Was die Verfügbarkeit sozialer Unterstützung betrifft, befinden sich diejenigen Menschen, deren Lebenslauf dem traditionellen Familienzyklus folgt, im Durchschnitt auf der sicheren Seite (...). Dabei hat sich das alleinige Festmachen solcher familialen Lebenszusammenhänge an Haushaltszugehörigkeiten bzw. Haushaltstypen als viel zu enger Maßstab für solche Solidaritäten erwiesen. Insbesondere Eltern und Kinder leben, auch nach dem Auszug der Kinder aus dem Elternhaus, räumlich meist nicht weit voneinander entfernt, halten regelmäßigen und regen Besuchskontakt miteinander und spielen füreinander eine herausragende Rolle als Rückhalt in verschiedenen alltäglichen und Notsituationen.
(...).
Auch die sogenannten neuen und die nichtfamilialen Haushaltsformen lassen sich nicht einheitlich in eine Richtung bewerten, sondern müssen jede für sich betrachtet werden. Die nichtehelichen Lebensgemeinschaften haben sich, sofern die Partner im selben Haushalt zusammenwohnen, als überraschend 'normal' erwiesen (...). Bei den anderen Haushaltsformen spielt das jeweilige Alter der Befragten eine entscheidende Rolle für die Einschätzung strukturell gleicher Haushaltsformen. So haben sich die jüngeren alleinwohnenden Ledigen, anders als es in ihrem "Single"-Image entsprechen würde, als einer der Leistungsträger im Austausch von Unterstützungsleistungen zwischen den Privathaushalten herausgestellt"
(Martin Diewald "Soziale Beziehungen: Verlust oder Liberalisierung?, 1991, S.253f.)

"Die meisten sozialen Rechte sind individuelle Rechte. Nicht Familien können sie in Anspruch nehmen, sondern eben nur Individuen, genauer: erwerbstätige (oder zur Erwerbsarbeit bereite, arbeitslose) Individuen. Die Teilnahme an den materiellen Sicherungen und Wohltaten des Sozialstaates setzt in den allermeisten Fällen Erwerbsbeteiligung voraus. Das bestätigt unter anderem der Streit um die Ausnahmen: Hausarbeitslohn, Hausfrauenrente (...). Der Sozialstaat ist - vielleicht wider Willen - eine Versuchsanordnung zur Konditionierung ichbezogener Lebensweisen. Und man mag das Gemeinwohl mit einer Pflicht-Impfung in die Herzen der Menschen spritzen, diese Litanei der verlorengegangenen Gemeinsamkeit ist doppelzüngig, doppelmoralisch, solange die Mechanik der Individualisierung intakt bleibt und niemand sie wirklich ernsthaft in Frage stellt - dies weder will noch kann.
(...).
Diese Art von Individualisierung bleibt nicht privat, sie wird in einem bestimmten, neuen Sinne politisch"
(Ulrich Beck "Die Erfindung des Politischen", 1993, S.153f.)

"Subpolitik unterscheidet sich von Politik dadurch, daß (a) auch Akteure außerhalb des politischen oder korporatistischen Systems auf der Bühne der Gesellschaftsgestaltung auftreten (...) und (b) dadurch, daß nicht nur soziale und kollektive Akteure, sondern auch Individuen mit jenen und miteinander um die entstehende Gestaltungsmacht des Politischen konkurrieren."
(Ulrich Beck "Die Erfindung des Politischen", 1993, S.162)

"Die säkulare Entwicklung einer Verkleinerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße, insbesondere der kontinuierlichen Zunahme der Einpersonenhaushalte, ist ungebrochen. Zwar erfüllt auch ein Einpersonenhaushalt die Kriterien eines Haushalts, aber das Haushalten erhält einen völlig anderen Charakter, wenn es nicht mehr die Abstimmung und Unterstützung zwischen verschiedenen Personen beinhaltet. An die Stelle des Haushalts treten in einer Gesellschaft der Einpersonenhaushalte die sozialen Netzwerke, wobei es fraglich ist, inwieweit sie die Haushalte ersetzen können."
(Wolfgang Glatzer "Haushalten und Gesellschaft", 1994, S.240)

"Mit der Stagnation der sozialen Bewegungen und inzwischen auch ihrer Institutionen wurde ein Teil der sozialwissenschaftlichen Aufmerksamkeit von den artikulationsstarken und politisch vergleichsweise zielstrebig arbeitenden neuen sozialen Bewegungen wieder abgezogen. Seither wird sie unter dem Stichwort civil society verstärkt auf das breite Spektrum gesellschaftlicher Assoziationen und Organisationen gerichtet, in denen Orte der gesellschaftlichen Politisierung vermutet werden. Dabei geht es je nach Ansatz um einen enger oder weiter abgesteckten Raum an zivilgesellschaftlichen Institutionen, intermediären Einrichtungen bis hin zu Verbänden und Unternehmen. Entscheidend ist, daß sie potentiell in der Lage sind, ihre Strategien der Bearbeitung sozialer Probleme eigenständig zu ändern. Soziale Bewegungen nehmen in den civil society-Konzepten weiterhin einen zentralen Stellenwert ein. Doch nicht nur die Entwicklung in der politischen Öffentlichkeit, sondern auch die vorpolitische Willensbildung, die sich häufig an der Schwelle zur Politisierung bewegt, hat eine schwer einschätzbare Dynamik der gesellschaftlichen Veränderung entfaltet (...). So stehen die Begriffe 'Subpolitisierung' und 'zivilgesellschaftliche Assoziationen' für alles, was einen informellen oder institutionellen Spielraum für Diskurse und Selbstreflexion bietet. Lebensstile gelten ebenfalls als zivilgesellschaftliche Assoziationen, insbesondere wenn sie als sozial-kohäsive Lebensstilgruppen verstanden werden. Sie befinden sich mehr oder weniger an dem einen Ende des Spektrums zivilgesellschaftlicher Institutionen, zur Seite der privaten Alltagspraxis hin, an dessen anderem Ende die politische Öffentlichkeit und gesellschaftliche Organisationen angesiedelt sind."
(Claudia Ritter "Lebensstile und Politik", 1997, S.10)

"Nicht eine Abnahme staatlicher Souveränität und Planungskapazitäten, sondern eine Verschiebung von formellen zu informellen Formen der Regierung lässt sich beobachten. Diese umfasst die Verlagerung von nationalstaatlich definierten Handlungsmustern auf suprastaatliche Ebenen ebenso wie die Etablierung neuer Formen von »Subpolitik«, die gleichsam »unterhalb« dessen operieren, was traditionellerweise das Politische ausmachte."
(Thomas Lemke, Susanne Krasmann, Ulrich Bröckling "Gouvernementalität, Neoliberalismus und Selbsttechnologie. Eine Einleitung, 2000, S.26)

"Das Faszinosum der Zivilgesellschaft erklärt sich daher, dass dieser Begriff alte Grenzziehungen aufhebt und an die Stelle der Exklusion Inklusion, Aktivierung, neue Identitäten, Verantwortlichkeiten, Macht- und Aufgabenteilung setzt. Wer also von Zivilgesellschaft in einem politisch gehaltvollen Sinne spricht, meint damit (...) eine Reformidee, die die gesamte Gesellschaft, also auch Politik, Staat, Verwaltung, Wohlfahrtsverbände, Interessenorganisationen, politische Parteien etc. einschließt. Meine Idee der bezahlten, freiwilligen, selbstorganisierten Bürgerarbeit ist in diesem Sinne als inklusives Konzept gedacht, das gerade auch die vermeintlich Nicht-Aktivierbaren aktivieren will, also den Mittelschicht-Bias des bürgerschaftlichen Engagements überwinden will.
Darauf zielt das Schlüsselkriterium der Bezahlung, weil nur dann diejenigen, die herausgefallen sind, oder herauszufallen drohen, überhaupt eine Chance haben, an den Aktivitäten der Zivilgesellschaft teilzunehmen. Darauf zielt das Merkmal der Mobilität zwischen den verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Gesellschaft (Bürgerarbeit, Hausarbeit, Erwerbsarbeit). Denn nur wenn die Barrieren abgebaut werden, die einen Wechsel zwischen diesen Tätigkeitsbereichen erschweren oder ausschließen, kann Bürgerarbeit zur Qualifizierungschance, zum Sprungbrett zurück in die Erwerbsarbeit werden.
(...)
Zivilgesellschaft ist also gerade kein Kostensenkungsprogramm, nicht die größte denkbare Rationalisierungsmaßnahme im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft. Der Neoliberalismus missbraucht die Lobpreisung der »Zivilgesellschaft«, um Kosten und Probleme auf den so genannten „selbstverantwortlichen Bürger“ abzuwälzen, der dadurch zum »Müllschlucker« systemischer Widersprüche gemacht wird.
Die Zivilgesellschaft ist mehr als eine Mittelschichtsveranstaltung. Sie muss für diejenigen geöffnet werden, die von den Gewerkschaften nicht erreicht werden – die Modernisierungsverlierer, die sich oft gar nicht mehr als Bürger begreifen. Die Ersetzung des Begriffs »Bürgerarbeit« durch den Begriff »bürgerschaftliches Engagement« signalisiert dagegen einen Rückzug: Bürgerarbeit meint schöpferischer Ungehorsam. »Bürgerschaftliches Engagement« dagegen ist Zivilgesellschaft light."

(Ulrich Beck in der Süddeutschen Zeitung vom 23.06.2001)

Die Zivilgesellschaft als Problemlösemaschine jenseits von Markt und Staat?
Ein Beitrag zur Politik der Lebensstile

Zivilgesellschaft ist ein Modebegriff, der im Spannungsfeld gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse angesiedelt ist. Je nach Interessenlage ergibt sich die Notwendigkeit dessen, was nur unscharf als Zivilgesellschaft umrissen wird, aus dem Wandel der Haushaltsstruktur, dem Markt- oder dem Staatsversagen.
      Andererseits konkurrieren Haushalte, Zivilgesellschaft, Markt und Staat gleichsam um die Herstellung der jeweils erforderlichen "Dienstleistungen". Der Konflikt entzündet sich in erster Linie an der Bezahlbarkeit bzw. an der Bezahlung dieser Dienstleistungen.
      Die Debatte um die Zivilgesellschaft ist durch jeweils spezifische Einseitigkeiten gekennzeichnet, so dass kaum jemals der ganze Komplex sichtbar wird. Deshalb soll hier zuerst auf die Grundelemente des Gesellschaftsverständnisses eingegangen werden, das der Zivilgesellschaft erst zu ihrer zentralen Bedeutung verhilft.

Die Haushalte und der Wandel der Lebensformen

Seit den 80er Jahren werden die Modernisierungsfolgen kontrovers diskutiert. Die Befürworter der Modernisierung betonen die Befreiung aus den alten Zwangsgemeinschaften ("liberated communities"), während die kommunitaristischen Kritiker den ersatzlosen Verlust traditioneller Gemeinschaften beklagen ("community lost").
      Der Trend zu kleiner werdenden Haushalten - GLATZER (1994) spricht gar von einer "Gesellschaft der Einpersonenhaushalte" - wird üblicherweise als Reduzierung der Leistungsfähigkeit der Haushalte interpretiert. Haushalte werden in dieser Sichtweise nicht nur als Konsumenten, sondern in zunehmenden Masse auch als Produzenten gesehen. Diese Ökonomisierung des Sozialen ist verbunden mit ökonomistisch verkürzten Begrifflichkeiten. Man spricht salopp von Familien, meint damit aber nur Familienhaushalte. Haushaltsübergreifende Sozialzusammenhänge bleiben dadurch ausgeblendet. Legitimiert wird dies durch die Annahme, dass diese Sozialzusammenhänge ("soziale Netzwerke") per se weniger leistungsfähig sind als Haushalte. Die netzwerkorientierte Sozialforschung tritt diesem Vorurteil mit empirischen Belegen entgegen (z.B. Martin DIEWALD) und konnte zeigen, dass diese vereinfachende Sicht nicht haltbar ist.
      Die Technisierung der Haushalte hat den Trend zu kleineren Haushalten ermöglicht, weswegen die Haushaltstechnisierung gleichfalls skeptisch beurteilt wird. Techniksoziologische Untersuchungen, die sich mit diesem Thema beschäftigen sind einerseits rar und müssen andererseits mit den disziplintypischen Vorurteilen kämpfen.

Der Markt: Marktversagen oder sind wir auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft?

Die Zielgruppe des profitorientierten Marktes par excellence ist der Yuppie. Yuppies leben angeblich vorzugsweise in Einpersonenhaushalten und bezahlen für Dienstleistungen jeden Preis. Der Einpersonenhaushalt wird damit zum Konsumentenhaushalt degradiert. Statt zu kochen, wird im Restaurant gegessen. Wenn zuhause gegessen wird, dann liefern Bringdienste das Essen an. Der Yuppie residiert im intelligenten Haus der "Gated Community", wo er sich auf den Doorman verlassen kann. Ist der Yuppie alt und krank, dann lässt er sich von Pflegediensten umsorgen. Was also nach Vorstellung der Konservativen die Familie früher im Rahmen des Haushalts geleistet hat, das delegiert der Yuppie an die Dienstleistungsgesellschaft. Die unterstellte Yuppisierung der Gesellschaft wäre gleichbedeutend mit einer Blüte der Dienstleistungskultur. Nach dieser optimistischen Sichtweise wäre die Zivilgesellschaft überflüssig, weil sie in der Dienstleistungsgesellschaft aufgehen würde.
      Marktskeptiker wie Helmut DUBIEL (2001) deuten dies zur Gefährdung der Zivilgesellschaft um, denn "als Nebenfolge der Durchdringung einer Gesellschaft durch Marktbeziehungen" wird der soziale Zusammenhang zerstört. Als pathologische Symptome nennt er moralische Indifferenz, soziale Kälte und politische Apathie. Nach dieser Lesart wäre die Antwort auf eine alles umfassende Dienstleistungsgesellschaft, die sich DUBIEL nur als korrupte Gesellschaft vorstellen kann, ein zivilgesellschaftlicher Widerstand.
      Wahrscheinlicher als diese Form des Marktversagens ist dagegen die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft. Nicht jeder wird den Preis der Dienstleistungen aus eigener Tasche bezahlen können. Gerade jene, die im Dienstleistungssektor arbeiten ("McJobs"), werden oftmals selbst nicht zu den Nutzniessern dieser Dienstleistungsgesellschaft gehören (siehe hierzu Simone ODIERNA).

Staatsversagen und Umbau des Sozialstaats

Die Kritiker des Sozialstaats behaupten die Überlastung des Staates aufgrund der Anspruchsinflation der Sozialstaatsbürger. Ob dies nun als Problematik des Trittbrettfahrens oder als sozialstaatserzeugte Individualisierung (Ulrich BECK) dargestellt wird, ist dabei sekundär. Der Staat muss entlastet werden und das Problem (der Bürger als "konsumierender" Rechteinhaber) ist zugleich Teil der Lösung (der Bürger als "wohlfahrtproduzierender" Pflichteinhaber). Die Rettung des Sozialstaats wird damit der Zivilgesellschaft anvertraut.
      Die Verfechter des Sozialstaats (z.B. Martin KOHLI) verweisen dagegen darauf, dass die sozialstaatlichen Leistungen in erster Linie zur Stärkung des Familialismus beitragen. Würden die haushaltsübergreifenden Transferzahlungen mitberücksichtigt - so deren These - dann würde sich ein ganz anderes Bild ergeben.

Die zivilgesellschaftliche Lösung

Was wird nun unter der Zivilgesellschaft verstanden? Die Zivilgesellschaft ist eine Art intermediäres Netzwerk jenseits von Haushalt, Markt und Staat. Darunter fallen z.B. die Nachbarschaftshilfe, Bürgerinitiativen, Selbsthilfegruppen, Vereine, Tauschringe usw.
      Traditionell geht es um die Stärkung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Mit dem Konzept der Bürgerarbeit (z.B. Ulrich BECK) rücken jedoch Ehrenamt und Erwerbsarbeit näher zusammen.
      Inwieweit intermediäre Institutionen die Aufgaben von Haushalt, Markt oder Staat übernehmen können und sollen, darüber wird gestritten.

Eine Kritik der gegenwärtigen Debatte

Die Debatte um die Zivilgesellschaft und den Umbau des Sozialstaats steht erst am Beginn. Die Kontroverse "Familien versus Singles" wird dabei eine zentrale Konfliktlinie sein. Auf jeden Fall wird die Ökonomisierung des Sozialen durch diese Debatte weiter vorangetrieben werden.
       Wenn zur Zeit die Familien als gesellschaftliche Leistungsträger zur Sprache gebracht werden, dann ist dies die Folge eines verkürzten Familienbegriffs, der Familie auf den Familienhaushalt reduziert. Haushaltsübergreifende und generationenübergreifende Sozialzusammenhänge und die damit verbundenen persönlichen und sozialstaatlichen Transferleistungen bleiben damit ausgeblendet. Solange dies der Fall ist, wird ein verzerrtes Bild der Gesellschaft gezeichnet.
       Was als Vereinzelung oder Individualisierung erscheint, ist in Wirklichkeit ein komplexes Geflecht aus multilokalen Mehrgenerationen-Familien.
      Die Modernisierungsverlierer sind jene, die mit ihrem Haushalt nicht Teil eines solchen übergreifenden Haushaltsverbundes sind und dies auch nicht durch soziale Netzwerke oder den Einkauf von Dienstleistungen kompensieren können.
      Eine Sozialforschung, die diese Wirklichkeit zu erfassen sucht, existiert bislang nur rudimentär. Sie wäre jedoch notwendig, um adäquate Lösungen für die gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemlagen zu finden.
      Die Kontroverse "Familien versus Singles" verdeckt den intergenerationellen Zusammenhalt zwischen Familien und Singles im Rahmen der multilokalen Mehrgenerationen-Familie. Die Spaltung der Gesellschaft verläuft nicht zwischen Familien und Singles, sondern zwischen den Modernisierungsgewinnern und -verlierern - unabhängig von der jeweiligen konkreten Haushaltsform. Ein zivilgesellschaftliches Konzept, das dies nicht berücksichtigt, muss zwangsläufig scheitern.

 
 
 
       
   

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weiterführende Literatur

 
   
  • Die Debatte um die Zivilgesellschaft:

    • BRUNKHORST, Hauke (2001): Volk ist out, Staat ist sexy.
      Schluss mit lustig, Rechten und Gemeinsinn. Der Kanzler beschwört die geistig-moralische Führerschaft und wälzt den Sozialstaat auf die Zivilgesellschaft ab. Auch das zeitgeistige Feuilleton findet vordemokratische Regierungslehren ziemlich interessant. Zur geistigen Verfassung der "Generation Berlin",
      in: TAZ v. 24.07.
    • BLINKERT, Baldo (2000): Maßstab ist die individuelle Kosten-Nutzen-Bilanz.
      Über die Bereitschaft von Angehörigen, kranke Menschen zu Hause selbst zu pflegen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 15.12.
      • Inhalt:
        Der Freiburger Soziologe BLINKERT hat die Einstellungen der 40 - 60jährigen zur häuslichen Pflege untersucht. Als Ergebnis der Studie fand der Soziologe milieuabhängige Einstellungen zur Selbst- bzw. Fremdpflege von Angehörigen. Entlang von Bildung, Einkommen (strukturelles Kapital) und Lebensentwürfen (symbolisches Kapital) ergeben sich unterschiedliche Einstellungen.
             
        Modernisierungsverlierer (niedriges strukturelles Kapital und traditionale Lebensentwürfe) präferieren die Selbstpflege, während die Modernisierungsgewinner (hohes strukturelles Kapital und moderne Lebensentwürfe) die Fremdpflege bevorzugen. Daraus zieht BLINKERT den Schluss, dass aufgrund der Zunahme von Milieus mit modernen Lebensentwürfen die Prämissen der Pflegeversicherung, die von einer Zunahme der Pflegegeldbezieher statt einer Inanspruchnahme von professionellen Pflegekräften ausgeht, infrage gestellt werden.
    • MÜNKLER, Herfried (2001): Selbstbindung und Selbstverpflichtung.
      Gemeinwohl, Bürgerschaft und Republik - eine Ortsbestimmung in zivilgesellschaftlicher Absicht,
      in: Frankfurter Rundschau v. 16.01.
      • Inhalt:
        MÜNKLER skizziert die Gemeinwohldebatte aus der Perspektive eines republikanischen Kommunitarismus. Mangelnde Steuerungsfähigkeit und Ressourcenmangel des Staates erfordern die "Privatisierung herkömmlicher Staatsaufgaben", sprich: Engagement von Bürgern in zivilgesellschaftlichen Institutionen. Gemeinwohlorientierung wird als Konsensprodukt verstanden. Die Gemeinwohlfindung soll in politikpartizipativen Verfahren stattfinden. Der Gegenstand sind Selbstverflichtungen, statt Maximierung von Ansprüchen.
        • Kommentar:
          MÜNKLERs Vorstellungen zielen auf eine Art "Konzertierte Aktion der Gesellschaft" ab, die man als Politik der Lebensstile bezeichnet. Idealerweise müsste Familienpolitik ausgehandelt werden, indem sich Vertreter der unterschiedlichen Lebensstile auf einen Konsens einigen.
               
          Der britische Soziologe Nikolas ROSE hat diese Form der Wiedererlangung von Steuerungsfähigkeit des Staates als "Regieren durch Community" bezeichnet. Er sieht dies jedoch wesentlich kritischer als MÜNKLER.
               
          Auch Claudia RITTER beurteilt die Erfolgsaussichten einer solchen Einbindung skeptisch (Buch "Lebenstile und Politik: Zvilisierung - Politisierung - Vergleichgültigung" aus dem Jahre 1997). Ihr geht es darum Menschen zu "befähigen, auch unter Bedingungen einer rückläufigen Prosperitätsentwicklung und härter werdender Verteilungskämpfe das Leben und die Beziehungen zwischen den Lebensstilgruppen zivil zu gestalten". Im Gegensatz zu MÜNKLER geht sie davon aus, dass eine Politik der Lebensstile keine Entlastung, sondern eine Belastung des Staates zur Folge hat.
    • PRIDDAT, Birger P. (2001): Politik im Cyberspace.
      Zu den Chancen der Zivilgesellschaft im Zeitalter der digitalen Kommunikation - ein Entwurf,
      in: Frankfurter Rundschau v. 30.01.
    • RIEHL-HEYSE, Herbert (2001): Der Kitt, den eine Gesellschaft braucht.
      Neue Ehre für das Ehrenamt - oder: Warum wir uns selbst um uns kümmern müssen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 24.02.
    • FELIXBERGER, Peter (2001): Die neuen Sozialarbeiter.
      Gesellschaftliche Verantwortung ist für Unternehmen hierzulande oft ein Fremdwort, in den USA hingegen längst Alltag,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 24.02.
      • Kommentar:
        Sowohl RIEHL-HEYSE als auch FELIXBERGER idealisieren die amerikanischen Verhältnisse. Sie verweisen auf das dort weiter verbreitete soziale Engagement der Bürger. In den USA liest sich das jedoch völlig anders. Die Kommunitaristen (siehe PUTNAMs "Bowling alone") und ihre Klage über den "Niedergang des sozialen Kapitals" ähnelt doch sehr der hier vertretenen Jammeriade...
    • EVERS, Adalbert (2001): Damit der Einsatz auch Wertschätzung erfährt.
      Zwischenbericht aus der Enquetekommission des Bundestages "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements".
      Die enorme Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für den Bestand und die Zukunft einer Gesellschaft sind unbestritten. Deshalb hat der Bundestag auch eine Enquetekommission installiert. Adalbert Evers gibt einen Einblick in die Arbeit der Kommission. Der Autor ist Mitglied der Enquete "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" und Professor für Politikwissenschaften in Gießen. Wir dokumentieren seinen Zwischenbericht der Kommissionsarbeit im Wortlaut. Er ist entnommen Heft 4/2000 des Forschungsjournals Neue Soziale Bewegungen, Verlagsgesellschaft Lucius & Lucius, Stuttgart.
      in: Frankfurter Rundschau v. 15.03.
    • SCHRÖDER, Gerhard (2001): Im Schatten des Gesetzes.
      Diesseits des Staates: Das "soziale Kapital",
      in: Süddeutsche Zeitung v. 04.04.
    • BECK, Ulrich (2001): Zivilgesellschaft light?
      Die Gefahr wächst, dass die Reformidee verwässert wird - oder gar zu einer Parole des Neoliberalismus verkommt,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 23.06.
    • DUBIEL, Helmut (2001): Warum ist das Anrufen der Zivilgesellschaft so beliebt?
      Über die bewussten und unbewussten Unbestimmtheiten eines modernen Begriffs,
      in: Frankfurter Rundschau v. 23.06.
    • KNA/WAZ (2001): Es geht auch ohne Familie.
      Die Ich-Gesellschaft als Ausdruck von Einsamkeit und Isolation? Der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp widerspricht dieser Betrachtung und warnt vor "gesellschaftsdiagnostischen Schnellschüssen",
      in: WAZ Wochenende v. 13.07.
      • Inhalt:
        Der Sozialpsychologe Heiner KEUPP widerspricht der These vom Niedergang des Sozialkapitals. Jüngere haben eine neue Form des sozialen Engagements entwickelt: "Menschen in ähnlicher Lebenslage kümmerten sich verstärkt umeinander.
        Das Gute: Die Hilfe erfolge freiwillig und weniger aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus, das durch traditionelle Gemeinschaftsbindungen entstehe. Die neuen Beziehungen beschreibt Keupp als zwangloser, vielseitiger und beweglicher. Und: Sie seien weniger von einem 'moralisch aufgeladenen Helferpathos' geprägt".
    • BOWLES, Samuel & Herbert GINTIS (2001): Die Gemeinschaft als Regelmechnismus.
      Das "soziale Kapital" zwischen Markt und Staat. Psychologische Grundlagen der Ökonomie IX,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 14.07.
      • Kommentar:
        Die beiden amerikanischen Autoren definieren «Sozialkapital» als "Vertrauen, die Sorge um die, welche einem nahestehen, sowie die Bereitschaft, die gemeinschaftlichen Regeln einzuhalten und jene zu bestrafen, die es nicht tun". Diese Sichtweise stützt sich auf den traditionellen Gemeinschaftsbegriff, der von Autoren wie Robert D. PUTNAM ("Bowling alone") popularisiert worden ist.
              Sozialpsychologen wie Heiner KEUPP (siehe WAZ Wochenende vom 13.07.2001) gehen dagegen davon aus, dass in modernen Gesellschaften auch moderne Gemeinschaftsformen enstehen, die anderen Regeln folgen.
    • WALTER, Franz (2001): Die Bürgergesellschaft - ein süße Utopie.
      Über die großen Erzählungen und die zu hohen Erwartungen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 14.07.
      • Inhalt:
        Franz WALTER geht der Frage nach, ob die Zivilgesellschaft die Parteien, die in eine Legitimationskrise geraten sind, ersetzen kann. Er unterscheidet zwischen einer "Partizipationsgeneration, die im Laufe der 90er Jahre Kinder bekommen hat, im Beruf hart gefordert wurde und deshalb seit Beginn der "Berliner Republik" eine Auszeit genommen hat. Nachgerückt sind nach Meinung von WALTER die hedonistischen Materialisten, mit denen einen Bürgergesellschaft nicht zu machen ist.
        • Kommentar:
          WALTER sieht den Niedergang des Sozialkapitals aufgrund des Aufstiegs eines neuen Typus, den die Werteforscher als hedonistischen Materialisten, kurz: 'Hedomat', bezeichnen. Der kümmert sich nicht um die öffentlichen Angelegenheiten; er hält nichts von Mitwirkung, Teilhabe, sozialem Engagement. Er ist konsumorientiert, will das schnelle Geld verdienen und schnell wieder ausgeben. Er ist natürlich jung und sehr modern, ziemlich zeitgeistig, ein veritabler Zukunftstypus. Für Politik interessiert er sich nicht. Nur wenn es schlecht läuft, für ihn, sozial und ökonomisch, beginnt er zu maulen und zu motzen. Mit ihm, dem 'Hedomat', wird es schwierig, eine Bürgergesellschaft zu begründen."
                WALTERs Sicht unterscheidet sich damit fundamental von der Sicht des Sozialpsychologen Heiner KEUPP (siehe WAZ Wochenende vom 13.07.2001), der eine Modernisierung der Einbindung behauptet: tradtionale Gemeinschaftsformen werden durch selbstgewählte Gemeinschaften ersetzt.
    • JOAS, Hans (2001): Die drei Dilemmata des Gemeinsinns.
      Zwischen Milieubildung und expressivem Individualismus: Über Bedingungen der Möglichkeit bürgerlichen Engagements in Deutschland,
      in: Frankfurter Rundschau v. 17.07.
      • Inhalt:
        Der Sozialphilosoph JOAS setzt sich mit zwei Einwänden gegen die Zivilgesellschaft - er bevorzugt den Begriff Bürgergesellschaft - auseinander.
              
        Zum einen wendet er sich gegen den Verdacht, dass damit der Abbau des Sozialstaats betrieben wird. Beim Dilemma Gemeinsinn versus soziale Ungleichheit geht es nach JOAS stattdessen um die Anpassung des Sozialstaats an veränderte weltwirtschaftliche, demographische und wiedervereinigungsbedingte Rahmenbedingungen.
              
        Zum anderen wendet er sich gegen die These vom Verfall der Werte, Gemeinschaften und des Gemeinsinns wie er z.B. von Franz WALTER (siehe FR vom 14.07.2001) unsterstellt wird. Als Schlüsselwörter nennt er Begriffe wie "Ellenbogengesellschaft" und "Erlebnisgesellschaft" (Gerhard SCHULZE). Beim Dilemma Gemeinsinn versus kulturelle Ungleichheit geht es um die Tradierung von Werten.
              
        JOAS vergleicht die US-amerikanische Debatte, in der es seit den 80er Jahren um die Ansprüche eines "radikalen Individualismus" geht mit den deutschen Verhältnissen. Der Individualismus tritt in den USA in zwei Formen auf: einmal am Nutzen orientiert, zum anderen als Selbstverwirklichung.
              
        Während in den USA Republikanismus und die biblische Tradition fest verankert sind und als Gegenkräfte zum Individualismus auftreten, spielt nach JOAS der Individualismus in Deutschland traditionell eine geringe Rolle. Erst seit den 60er Jahren gibt es die neuen Milieus "selbstverwirklichungsorientierter Individualisten", in denen die Partei der Grünen verankert ist. Der nutzenorientierte Individualismus ist dagegen weniger ausgeprägt. Hier muss nach JOAS zudem zwischen lebensweltlicher Milieubindung nach Art der Yuppies, deren Wertsystem von Karrierismus und demonstrativen Luxus-Konsum geprägt ist, und einem politischen "Westerwelle-Milieu" unterschieden werden.
              
        Werte müssen jedoch nach JOAS nicht unbedingt durch Milieus tradiert werden, sondern wichtiger sind Beteiligungsmöglichkeiten, Vorbilder und Erfahrungskonstellationen. Von einer Krise des Gemeinsinns möchte JOAS deshalb nicht sprechen, auch wenn sich die traditionellen Milieus weitgehend aufgelöst haben.
              
        Das dritte Dilemma Gemeinsinn versus politische Ungleichheit bezieht sich auf die Struktur der zu verwirklichenden Bürgergesellschaft. Im Mittelpunkt steht hier die Frage der demokratischen Kontrolle von Institutionen der Zivilgesellschaft.
              
        Aus dem Gesagten ergibt sich für JOAS, "dass Gemeinsinn nicht einfach per se als positiv zu werten ist, sondern nur zu etwas Gutem wird, wenn seine Ausdrucksformen sich in der Prüfung durch die drei Dilemmata der sozialen, kulturellen und politischen Ungleichheit bewähren. Die Stärkung der Bürgergesellschaft ist kein Zaubermittel für die Lösung aller Probleme; aber in der heutigen Konstellation und gerade angesichts der weitgehenden Auflösung der für Deutschland traditionell charakteristischen Milieus scheinen viele Probleme in der Tat ohne die Stärkung der Bürgergesellschaft unlösbar. "
    • HOFFMANN, Günter (2001): Nicht für Euro oder D-Mark, sondern für Talente und Blüten...
      Regionale Tauschsysteme in den Modernen Industriestaaten,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.07.
    • SPETH, Rudolf (2001): Allein gelassen in der Masse Mensch.
      Traditionelles soziales Engagement geht zurück - neue Formen von Hilfe bilden sich heraus,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.
      • Kommentar:
        SPETH rezensiert eine internationale Studie, in der die Thesen des US-amerikanischen Kommunitaristen Robert D. PUTNAM zum Niedergang des Sozialkapitals empirisch überprüft worden sind. Nach SPETH kann vom Niedergang keine Rede sein, sondern dem Verlust der alten Gemeinschaften steht ein Gewinn an neuen Formen der bürgerlichen Selbsthilfe gegenüber.
    • BRAUN, Sebastian (2001): Kooperation und Korruption.
      Produktive Beziehungen: Das "soziale Kapital" als individuelle und als kollektive Ressource
      in: Frankfurter Rundschau v. 31.07.
      • Inhalt:
        BRAUN konfrontiert den Sozialkapitalbegriff von Robert D. PUTNAM mit dem Kapitalbegriff des französischen Soziologen BOURDIEU, um die Idealisierung des Sozialkapitals durch die kommunitaristische Perspektive deutlich zu machen. Die zivilgesellschaftliche Debatte blendet nach BRAUN sowohl den Aspekt der Reproduktion sozialer Ungleichheit aus, als auch die negativen Effekte von Netzwerken, die mit Begriffen wie "Seilschaften", "Vetternwirtschaft" oder "Vitamin B" umschrieben werden können.
    • NOLTE, Paul (2001): Klingeln Sie bei Ihrem Nachbarn!
      Die Rückkehr der Gesellschaft: Wie bürgerschaftliches Engagement und soziale Gerechtigkeit zusammengedacht werden können,
      in: Literaturen Nr.9, September
      • Inhalt:
        Sammelrezension zur zivilgesellschaftlichen Debatte. "Ironie ist out, Gemeinsinn ist in" behauptet NOLTE und skizziert die Kontroverse um den Umbau des Sozialstaats, in der es um soziale Ungleichheit und bürgerschaftliches Engagement geht.
             Jedediah PURDY hat mit "For Common Things. Irony, Trust, and Commitment in America Today (1999) die "neue Ernsthaftigkeit" eingeklagt, um den von Robert D. PUTNAM diagnostizierten Niedergang des Sozialkapitals zu stoppen.
             In Europa trifft PUTNAMs Diagnose auf starke Vorbehalte, die im Buch "Gesellschaft und Gemeinsinn" empirisch untermauert werden.
             Anthony GIDDENS widmet sich in "Die Frage der sozialen Ungleichheit" der Generationengerechtigkeit und den Teilhabemöglichkeiten an der Zivilgesellschaft. NOLTE hebt dabei den Rückzug der selbtgefälligen Oberschicht besonders hervor.
             Nancy FRASERs "Die halbierte Gerechtigkeit" diagnostiziert eine Spaltung zwischen kultureller und sozialer Linke. Dieser Diagnose folgt NOLTE gerne. Die "spätromantischen Utopien eines harmonischen Zusammenlebens in selbst organisierter Freiwilligkeit" überzeugen ihn dagegen nicht recht:
             "Da sollen kinderlose Erwachsene und 'Menschen ohne verwandtschaftliche Verpflichtungen' in lokal organisierten Einrichtungen Eltern bei der Betreuungsarbeit unterstützen - auf dieses freiwillige Engagement der Singles und 'DINKs' (Double Income No Kids), Hedonisten und Workaholics werden berufstätige Eltern wohl lange warten können."
 
   
  • sonstige zitierte Literatur:

    • ODIERNA, Simone (2000): Die heimliche Rückkehr der Dienstmädchen. Bezahlte Arbeit im privaten Haushalt, Opladen: Leske + Budrich
    • JAUKEN, Georg (2001): "Noch nicht alt und doch schon Rentner".
      Soziologe Martin Kohli sprach im HWK-Vortragssaal über spezifische Merkmale der "dritten Lebensphase."
      in: Weser Kurier v. 31.05.
      • Kommentar:
        Der Berliner Soziologe KOHLI hat mit seinem "Alters-Survey" die neue Lebensphase "Alter" erforscht. Sein Blick gilt dem haushaltsübergreifenden "Zusammenhalt zwischen den Generationen" wie er im gelebten Modell der Multilokalen Mehrgenerationen-Familie zum Ausdruck kommt: "Eine 'geografische Isolation' ist den Erhebungsergebnissen zufolge selten, und die Unterstützungsleistungen sind erheblich. So leben von den 70- bis 85-Jährigen 90 Prozent in höchstens zwei Stunden Entfernung zu einem der Kinder, zwei Drittel in der gleichen Stadt, knapp die Hälfte in der Nachbarschaft und 27 Prozent sogar im gleichen Haus. Ein Viertel aller 70- bis 85-Jährigen unterstützt Kinder und Enkelkinder in erheblichem Maße finanziell, besonders in speziellen Bedarfslagen. Der Durchschnitt lag im Jahr vor der Befragung bei immerhin 7000 Mark. 'Die Älteren sind die Nettozahler im Generationenaustausch', folgerte Kohli. Das Geld dazu stamme zu fast 100 Prozent aus den Renten- und Pensionssystemen. Der Wohlfahrtsstaat verdränge die familiären Leistungen daher nicht, sondern ermögliche sie erst. Eine Kürzung der Renten würde diese Leistungsströme innerhalb der Familien gefährden, warnte Kohli". In der gegenwärtigen Kontroverse "Familien versus Singles" wird dieser Aspekt vollkommen verdrängt.
 
     
   
  • Literatur zum Thema:

    • BECK, Ulrich (1993): Die Erfindung des Politischen, Frankfurt: Suhrkamp
    • BELLAH, Roberts/MADSEN, Richard/SULLIVAN, William M./SWIDLER, Ann/TIPTON, Steven M. (1985): Habits of the Heart. Individualism and Commitment in American Life, Berkeley: University of California Press
    • BRÖCKLING, Ulrich/KRASMANN, Susanne/LEMKE, Thomas (Hg.)(2000): Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen,
      Frankfurt: Suhrkamp
    • DIEWALD, Martin (1991): Soziale Beziehungen: Verlust oder Liberalisierung? Soziale Unterstützung in informellen Netzwerken, Berlin: Edition Sigma
    • DIEWALD, Martin (1993): Netzwerkorientierungen und Exklusivität der Paarbeziehung. Unterschiede zwischen Ehen, nichtehelichen Lebensgemeinschaften und Paarbeziehungen mit getrennten Haushalten, in: Zeitschrift für Soziologie, 22, 4, S. 279-297
    • GLATZER (1994): Haushalten und Gesellschaft, in: Richarz, I. (Hg.) Haushalten in Geschichte und Gegenwart. Beiträge eines internationalen Symposiums an der Universität Münster, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, S. 237-246
    • KEUPP, Heiner (1987): Soziale Netzwerke. Eine Metapher des gesellschaftlichen Umbruchs?, in: Keupp, H./Röhrle, B. (Hg.) Soziale Netzwerke, Frankfurt/New York: Campus, S. 11-53
    • RITTER, Claudia (1997): Lebensstile und Politik: Zivilisierung - Politisierung - Vergleichgültigung, Opladen: Leske + Budrich
    • ROSE, Nikolas (2000): Tod des Sozialen? Eine Neubestimmung der Grenzen des Regierens, in: BRÖCKLING, Ulrich/KRASMANN, Susanne/LEMKE, Thomas (Hg.) Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen,
      Frankfurt: Suhrkamp, S.72-109
 
   

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