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Untersuchungen
über getrennt wohnende Paare ("Living apart
together") haben immer noch Seltenheitswert.
Getrennt wohnende Paare werden üblicherweise den
Single-Haushalten zugeordnet und deshalb wird
ihre Lebenssituation auch häufiger mit
derjenigen von Partnerlosen verglichen. Die
Paarforschung hat sich stattdessen vorwiegend mit
den "nichtehelichen
Lebensgemeinschaften" beschäftigt. Eine
solche Lebensgemeinschaft setzt im
Begriffsverständnis - das primär von
juristischen Traditionen geprägt ist - einen
gemeinsamen Haushalt voraus. Erst in den 90er
Jahren deutet sich hier ein Wandel in der
Paarforschung an.
Von daher ist
die vorliegende sozialpsychologische Untersuchung
zu begrüssen. Es wird der Frage nachgegangen, ob
sich zusammen und getrennt wohnende Paare
bezüglich der grundlegenden Beziehungsmerkmale
Konflikt, Liebe, Altruismus, Investment und
Sicherheit unterscheiden. Insgesamt wurden 125
ledige, verheiratete oder geschiedene Personen im
Alter von 20 bis 40 Jahren befragt. Ungefähr 2/3
der Befragten wohnte mit dem Partner zusammen. Da
die Wohnsituation mit dem Alter, der
Partnerschaftsdauer, dem Familienstand und dem
Vorhandensein von Kindern korrelierte, wurden
für den Vergleich nur die 74 ledigen,
kinderlosen Paare betrachtet.
Entgegen der
in der Forschung gängigen Vermutung, dass ein
gemeinsamer Haushalt mehr Konfliktpotential
als ein getrennter Haushalt schafft, konnte dies
im Erleben der Paare nicht nachgewiesen werden.
Inwieweit hier Prozesse der Dissonanzreduktion
bei zusammenlebenden Paaren eine Rolle spielen,
bleibt jedoch offen.
Signifikante
Unterschiede ergaben sich dagegen bei der Zufriedenheit
mit der partnerschaftlichen Liebe und Sexualität.
Getrennt wohnende Paare erleben ihre Liebe als
erfüllter. Die Autoren gehen davon aus, dass die
Art und Weise, wie zusammen wohnende Paare ihre
Zeit miteinander verbringen, den Unterschied
erklären. Während bei zusammen wohnenden Paaren
der passiv geteilte Alltag dominiert, verbringen
getrennt wohnende Paare primär ihre aktiv
gestaltete Freizeit zusammen.
Die
Ergebnisse hinsichtlich der Altruismus-Dimension
weisen darauf hin, dass die sozialpolitische
Debatte über soziale Unterstützung
differenzierter geführt werden muß. In der
Untersuchung konnten keine signifikanten
Unterschiede im partnerbezogenen Altruismus
festgestellt werden. Von einer größeren
Unverbindlichkeit der Beziehungen getrennt
wohnender Paare kann deshalb nicht ausgegangen
werden. Die Unterschiede in den unterschiedlichen
Unterstützungserwartungen gegenüber dem Partner
sind vor allem auf die Erreichbarkeit des
Partners zurückzuführen. Hilfeleistungen
müssen danach unterschieden werden, ob und in
welchem Umfang sie räumliche Nähe erfordern.
Während sich
bezüglich der Sicherheit von Beziehungen
keine Unterschiede fanden, unterscheiden sich
getrennt und zusammen wohnende Paare signifikant
in ihrem Investment. Hier geht
es darum, wieviel bisher materiell und emotional
in die Beziehung investiert wurde, ob Pläne für
die Zukunft bestehen und wieviel Einfluß der
Partner ausübt.
Die Autoren
leiten aus dem höheren erlebten Investment der
zusammen wohnenden Paare die Annahme ab, dass
Paare, die zusammen wohnen, stabilere Beziehungen
haben und sich weniger leicht trennen als Paare,
die getrennt wohnen. Die durchschnittlich höhere
Beziehungsdauer von
zusammenwohnenden Paaren in der Stichprobe
scheint diese Annahme zu bestätigen. Angesichts
des Forschungsdefizits auf diesem Gebiet ist
diese pauschale Hypothese wenig sinnvoll. Es
wurde weder die Freiwilligkeit der
räumlichen Distanz, noch die Stellung
im Paarbildungszyklus berücksichtigt.
Nach Untersuchungen des Deutschen Jugendinstituts
ist das Getrenntwohnen oft der erste Schritt zum
gemeinsamen Haushalt. Berufliche Zwänge können
jedoch auch in späteren Phasen zur Auflösung
von Wohngemeinschaften bei weiterbestehender
Partnerschaft führen. Aussagen über die Dauer
von Partnerschaften erfordern
Längsschnittuntersuchungen, die die
Beziehungsform "Living apart together"
berücksichtigen. Haushaltsansätze führen bei
haushaltsübergreifenden Paarformen nicht weiter.
Entsprechende Daten über längere Zeiträume
fehlen jedoch weiterhin. |
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