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Das
BRIGITTE-Dossier Mütter gegen Mütter widmet
sich dem Mütterkrieg aus der Perspektive
der berufstätigen Mutter.
Ziel ist es,
die gegensätzlichen Mütterinteressen im Vorfeld
des anstehenden Familienwahlkampfes zu bündeln,
um die Kontroverse Familien contra
Singles forcieren zu können.
Vollzeitmütter und Halbtagsmütter sollen sich
deshalb mit den Interessen der Karrieremütter
solidarisieren.
Im Artikel
von Birgit SCHÖNBERGER werden die "fiesen
Methoden der Mütterpolizei" angeprangert.
Bereits Anfang der 80er Jahre hat die Soziologin
Elisabeth BECK-GERNSHEIM die hohen
Ansprüche von Müttern als eine der
Ursachen der steigenden Kinderlosigkeit zum Thema
gemacht.
SCHÖNBERGER
beschreibt aus dieser Perspektive den Konkurrenzkampf
zwischen werdenden Müttern. Die Autorin
kritisiert das Gebären als Hochleistungssport
und fragt, ob nicht gerade jene Frauen,
deren berufliche Karrieren gescheitert sind,
dies auf dem Gebiet der Mutterschaft kompensieren
müssen. Auch die späten Mütter,
die "nach langen Single-Jahren kurz vor der
Memopause" doch noch ein Kind bekommen
möchten, sind anfällig für den Hochleistungssport
Gebären.
SCHÖNBERGER
kritisiert einerseits die Kritiksucht der anderen
Mütter, die sich "ratgeberkonform"
verhalten, aber andererseits kann sie sich mit
einem eigenen Ratschlag auch nicht zurückhalten:
"Du bist das Problem. Entspann dich, dann
entspannt sich auch dein Kind". Die daraus
resultierende Konsequenz: "Das ist der
Anfang vom Ende der Mütterpolizei".
Und man
könnte hinzufügen: Das liegt genau im
gegenwärtigen Wellnesstrend mit seiner
entsprechenden Ratgeberliteratur.
Im zweiten
Artikel fordert Silke PFERSDORF "Mamas,
vereinigt euch!". Sie hat die Kompromissformel
gefunden, hinter der die Mütterfront gemeinsam
marschieren soll:
"Das
Kind braucht seine Mutter - aber welche nur?
Das 24-Stunden-Modell oder die
Von-sechs-bis-acht-Uhr-spiele-ich-mit-dir-Variante?
Beides taugt, sagen die Experten: Hauptsache,
der Nachwuchs ist liebevoll versorgt, von wem
auch immer. Au pair, Krippe und Tagesmutter
richten keinen Schaden an, und sozialer,
friedfertiger oder netter wird man in
Ganztagsobhut der eigenen Mutter
erwießenermaßen auch nicht".
Danach
kommen die üblichen Argumente, mit denen
PFERSDORF für die Vereinbarkeit von
Beruf und Familie wirbt. Der Hauptfeind
der Mutter ist nicht die andere Mutter, sondern
die Gesellschaft:
"Mit
klaren Werten und Normen kann die
Gesellschaft derzeit nicht dienen, die
Theorien zum Durchschlafen, Grenzensetzen und
Loslassen des Nachwuchs erschlagen sich
gegenseitig, und stapelweise Ratgeber
erdrücken das mütterliche Gewissen".
Mit diesem
Problem, das so alt ist wie die Mediengesellschaft,
werden sich wohl auch die nächsten
Müttergenerationen abfinden müssen. Die
Alternative wäre Gleichschaltung!
Nichtsdestotrotz
weiss PFERSDORF genau, wo das Paradies
der berufstätigen Mutter liegt: in Frankreich.
Barbara VINKEN, die Hamburger Karrieremutter, hat
der "deutschen Mutter" in ihrem Buch
die Leviten gelesen und gleichfalls auf
Frankreich verwiesen.
Aber wenn man
dem Soziologen Jean -Claude KAUFMANN glauben
darf, dann gibt es dort genauso Kämpfe um die
"Schmutzige Wäsche" und die
Singlefrau wartet vergeblich auf den
Märchenprinzen. Der französische Journalist
GUILLEBAUD prangert die "Tyrannei der
Lust" an und Michel HOUELLEBECQ hat in
Frankreich die "Rabenmutter"
salonfähig gemacht. Möglicherweise ist also in
Frankreich das Paradies der berufstätigen Mutter
- trotz momentan höherer Geburtenrate - massiv
am Verschwinden.
Im dritten
Artikel beklagt sich eine Mutter über die antiautoritären
Erziehungsmethoden ihrer Tochter.
"Grenzen setzen" lautet der
unüberhörbare Zeitgeist, der von der "Generation
Golf" diktiert wird.
Im
darauffolgenden Beitrag protokolliert Nicola
RICCI das Leid einer Stiefmutter, der die
leibliche Mutter ständig in die Quere kommt.
Zum Abschluss
werden zwei Mütter interviewt, die auf den
ersten Blick gegensätzlicher nicht sein
könnten: Einerseits eine Bäuerin auf dem Dorf
und andererseits eine grossstädtische
Architektin. Grossfamilie hier und allein
Erziehende dort.
Die
Gemeinsamkeiten überwiegen jedoch: beide sind
Ende 30, beide leben jenseits der
Ein-Kind-Familie, beide leben nicht die
traditionelle Form der Kernfamilie und beide sind
keine typischen Vertreterinnen ihres
Berufsstandes. Die Bäuerin hat eine Ausbildung
als Bankkauffrau durchlaufen und betreibt mit dem
Reiten ein Hobby, das dem bäuerlichen Landleben
widerspricht. Die Architektin wohnt dagegen im
vornehmen Hamburger "Single"-Stadtteil
Eppendorf. Dort vermutet man kaum die
medientypischen allein Erziehenden, die
sozialhilfeabhängig am Rande des
Existenzminimums leben.
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