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Rezension

 
   

STERN-Coverstory:

 
   

Wie Singles heute Partner finden

erschienen in: Stern Nr. 33/1999, S. 30 - 36

 
   
 
  Sommerzeit - Singlezeit. Seit den 70er Jahren ist es zu einem alljährlichen Ritual geworden. Im medialen Sommerloch werden die Singles wiederentdeckt. Die Berliner Tageszeitung DER TAGESSPIEGEL widmet den Singles sogar eine 14tägige Serie.
      Dem STERN sind die Singles eine Coverstory wert. ANDREAS ALBES macht in dem Artikel "Die Schatzsucher" einen neuen Trend aus: "wer allein lebt, hat den neuesten Trend verpennt: Solo ist out, Familie wieder in". Diesen Trend haben Zeitgeist-Magazine wie WIENER und TEMPO jedoch bereits vor einem Jahrzehnt verkündet. In den Massenmedien hatte dagegen die Rede von der "Krise der Familie" Konjunktur.
      Weit verbreitet ist die Zahl von 13 Millionen Singles, die in Deutschland leben. Wenn man Singles jedoch wie im STERN-Artikel als alleinlebende Partnerlose im Alter zwischen 25 und 55 Jahren versteht, dann kommt man auf wesentlich niedrigere Zahlen. ALBES nennt eine Zahl von 4 Millionen Singles. Dabei kann es sich jedoch nur um eine Schätzung handeln, denn exakte statistische Zahlen existieren nicht.
      Geht es um Partnersuchende, dann sind beide Zahlen wenig aussagekräftig. Alleinerziehende ohne Partner werden statistisch nicht zu den Alleinlebenden gezählt, weil sie mit einem Kind zusammenleben. Dieser Familienbias der Statistik verhindert den Blick auf das Paar. Dies trifft auch für Partnersuchende in Mehrpersonenhaushalten zu. Wer noch bei der Familie lebt, der ist kein Single, auch wenn er partnerlos ist und einen Partner sucht. Das Paar kommt erst richtig in den Blick der Statistik, wenn es verheiratet ist, die tatsächlichen Lebensverhältnisse werden deshalb nicht annähernd erfaßt. Wenn die "Branche der professionellen Kuppler wächst und wächst", dann liegt dies nicht unbedingt an den Singles, wie sie gerne in den Medien dargestellt werden, sondern an einer heterogenen Gruppe von Partnersuchenden.
      Die Zahlenangaben im Artikel beziehen sich auch nicht unbedingt auf die oben genannte Gruppe der alleinlebenden Partnerlosen im Alter von 25 und 55 Jahren.
      Wenn Berlin als "Deutschlands Single-Hauptstadt" bezeichnet wird, dann bezieht sich dies auf die Gesamtzahl der Einpersonenhaushalte in Berlin. Wieviele unverheiratet zusammenwohnende Paare in diesen irreführenderweise als "Single-Haushalte" bezeichneten Haushalten leben, weiß niemand so recht. Die größte Gruppe stellen jedoch die alleinlebenden Witwen und diese passen so gar nicht zum Yuppie-Bild, denn Singles sind "Spitzenreiter in der Einkommenshitliste". Passend hierzu kommen im STERN ein Absolvent einer Filmhochschule, ein Anästhesist, ein Grafiker, ein Ex-Model, eine Regisseurin und Cutterin sowie eine BWL-Studentin, die nebenher ein Wirtshaus führt, zu Wort. Partnersuchende gehören jedoch keinesfalls per se zu den Besserverdienenden. Die Einkommensangaben im Artikel sind bei HRADIL (1995) "Die Single-Gesellschaft" nachzulesen und sind im Rahmen des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahre 1991 erhoben worden. Sowohl Partnerlose in Familienhaushalten als auch Alleinerziehende der Altersgruppe 25 - 55 Jahre gehören zu jenen, die finanziell schlechter gestellt sind. Wenn es um den Lebensstandard geht, dann ist nicht das persönliche Bruttoeinkommen entscheidend, sondern das Pro-Kopf-Haushaltseinkommen. Und hier ist ebenfalls bei HRADIL nachzulesen, dass Alleinwohnende "hinter die Spitzenreiter, die verheirateten und unverheirateten Paare ohne Kinder" zurückfallen.
      ALBES schreibt weiter: "wer solo ist, lässt sich lieber Zeit für die Partnersuche. Laut Statistik lebt die Hälfte der Singles sechs Jahre und länger allein." Bei HRADIL (1995) heißt es: "daß von den Singles des Jahres 1991 (...) die Hälfte (47 %) schon mindestens 6 Jahre lang allein lebte" (S. 27). HRADIL spricht hier jedoch nur von Singles im Sinne von Personen, die einen Einpersonenhaushalt führen und nicht von alleinwohnenden Partnerlosen. Auf die Häufigkeit von Alleinwohnenden mit fester Partnerschaft geht HRADIL aufgrund der unzureichenden Datenlage in seinem Buch nur kurz ein. Hier könnten jedoch die Ergebnisse des Familiensurveys, das vom Deutschen Jugendinstitut durchgeführt wurde, weiterhelfen. Die Dauer der Partnerlosigkeit ist nicht unbedingt identisch mit der Dauer des Alleinwohnens. Dies würde voraussetzen, daß Paare sofort zusammenziehen. Manche Partnerschaften existieren jedoch viele Jahre, ohne daß die Partner jemals einen gemeinsamen Haushalt gegründet hätten. Längsschnittuntersuchungen, die über einen längeren Zeitraum auch Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt erfassen, fehlen immer noch. Es gibt erst wenige Untersuchungen, die sich mit diesen Paarformen beschäftigen. Gegenwärtig läuft z.B. ein Forschungsprojekt zur "Beruflichen Mobilität und Lebensform", in dessen Rahmen auch Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt erforscht werden.
      In dem Artikel "Die Gesetze des Glücks" von HORST GÜNTHEROTH werden vor allem die biologischen Aspekte der Partnerwahl beleuchtet. Entscheidendes Kriterium der Partnerwahl ist die Fortpflanzungsfähigkeit der Frau und die Schutz- bzw. Versorgungsfunktion des Mannes. Sozio-kulturelle oder sozialspychologische Aspekte sind nur im Hinblick auf den Vermehrungserfolg von Bedeutung. Da nicht jeder seinen Traummann bzw. seine Traumfrau finden kann, müssen Kompromisse nach dem ökonomischen Marktmodell geschlossen werden. Den eigenen Marktwert kann man auch gleich mittels "Test" ermitteln. Die Motive der Partnerwahl bei Paaren, die sich nicht dem traditionellen Rollenmodell verpflichtet fühlen, bleiben hier jedoch unberücksichtigt. Genauso wenig werden die Motive von gleichgeschlechtlichen Paaren oder Paaren, die kinderlos bleiben wollen, erklärbar. Solche Paarformen erscheinen in dieser Sicht nur als Ausdruck fehlgeschlagener Partnerwahl, oder?
 
 
 
       
   

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© 2000 Bernd Kittlaus Bernds@single-dasein.de Stand: 03. Juni 2000 Counter Zugriffe seit
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