| |
"Der Bedeutungswandel
von Ehe und Familie ist vor allem auch ein
Wandel in der Lebenszeitstruktur: Wir sehen
uns heute mit einem neuen Modell von
Paarbeziehungen konfrontiert, das in den
Augen mancher Beobachter die traditionelle
Ehe bereits abzulösen begonnen hat: das
temporäre Paar, das Paar auf Zeit (...). In
diesem Modell wird ernst gemacht mit der
Unmöglichkeit, Liebe und Dauerhaftigkeit zu
vereinen. Das Bemühen um Beständigkeit wird
sozusagen über Bord geworfen: Liebe dauert
eben nicht ewig, und wenn sie endet, endet
auch die Beziehung. Es gibt keinen zwingenden
Grund zur Eheschließung mehr. Es genügt,
für die Zeit der Paarbeziehung
zusammenzuleben (...).
Grundlage der Paarbildung beim Liebespaar auf
Zeit ist nicht mehr die lebenszeitliche
Absicherung im Rahmen einer Paarbeziehung
oder Ehe, sondern das momentane
Gemeinschafts- und Glücksgefühl. Eine
Trennung erscheint nicht als Ausdruck des
Scheiterns, sondern ist prinzipiell von
vornherein angelegt, weil die Menschen sich
ändern und weil die Liebe vergeht. Während
früher (aber auch heute noch in vielen
Fällen) 'ewige Treue', also Exklusivität
und Permanenz (lebenslange Monogamie),
selbstverständlich waren, gilt beim Paar auf
Zeit zwar noch der Anspruch auf
Ausschließlichkeit, aber jener auf
Dauerhaftigkeit ist aufgegeben: 'Treue auf
Widerruf', Treue auf Zeit. Die
lebensgeschichtliche Existenz als Paar tritt
stärker hinter die individuellen Biographien
zurück. Der Lebenslauf stellt sich dar als
wechselnde Abfolge von Phasen des
Alleinlebens/Alleinseins (Single) und der
paarweisen Existenz.
(...)
Doch es gibt wenig Anzeichen dafür, daß
dieses Modell der 'seriellen Monogamie' auch
im ländlichen und im Arbeiter-Milieu (oder
im Harmonie-, Unterhaltungs-, Integrations-
oder Niveaumilieu) normbildende Kraft
gewinnen und zu einem festen Bestandteil des
'Lebensentwurfs' werden könnte. Im
Alternativmilieu, und zum Teil auch bei den
Akademikern, wo diese Tendenzen am
deutlichsten in Erscheinung treten, ist eine
trennung (oder eine Scheidung) zwar kaum
weniger schmerzhaft als anderswo. Doch wird
sie hier weniger als Zeichen einer
gescheiterten Entwicklung interpretiert,
sondern eher als notwendige Konsequenz einer
prinzipiell unvermeidlichen inneren
Auflösung einer Liebesbeziehung."
(aus: Günter Burkart
"Lebensphasen - Liebesphasen",
1997, S.251f.)
SCHNEIDERs Buch "Die Liebe
kommt, die Liebe geht" propagiert die serielle
Monogamie als Beziehungsform, die unserer
Gegenwartsgesellschaft am angemessensten ist.
Die serielle
Monogamie ermöglicht nach SCHNEIDER den Spagat
zweier anscheinend unvereinbarer Ansprüche des
modernen Menschen an ein gutes Leben: zum einen
stillt sie die "Sehnsucht nach Zweisamkeit,
nach der ganz großen Liebe, nach Geborgenheit in
der Beziehung" und zum anderen ermöglicht
sie, dass die modernen Werte Freiheit,
Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung gelebt
werden können.
Unter serieller
Monogamie wird im allgemeinen eine
Beziehungsform verstanden, die Treue in der
Partnerschaft an das Bestehen einer
Liebesbeziehung knüpft. Vergeht die Liebe, dann
wird die Partnerschaft aufgekündigt. Solange
sich die Partner jedoch lieben, werden keine
anderen Partner oder Affären geduldet. Der
gegenwärtige Partner ist sozusagen die ganz
große Liebe auf Widerruf bzw. die Beste aller
Lieben, die gerade zur Verfügung steht.
SCHNEIDER wendet
sich gegen jene Kritiker, die die serielle Monogamie als Katastrophe beklagen und
weiterhin in Beziehungsratgebern "Rezepte
für ewig währende Partnerschaften"
empfehlen. Die Autorin möchte dagegen die
Chancen aufzeigen, die sich aus der sukzessiven
Monogamie ergeben können.
SCHNEIDER sieht diese
Beziehungsform als "zwangsläufige Folge der
gesellschaftlichen Entwicklung und hier liegt das
Hauptproblem des Buches. Die Autorin beruft sich
zum einen auf allgemeine gesellschaftliche
Trends, die zuerst der Soziologe Ullrich BECK
Anfang der 80er Jahre unter dem Schlagwort vom
"neuen Individualisierungsschub"
zusammengefasst hat. SCHNEIDER knüpft jedoch
nicht an dessen kulturpessimistische Sicht an,
sondern an den naiven Optionismus
à la Matthias HORX. Zum anderen übernimmt
SCHNEIDER die kulturpessimistische Sicht der
Bevölkerungswissenschaft und der
Familiensoziologie. Die Autorin propagiert vor
diesem Hintergrund zwei weitverbreitete Mythen:
zum einen die Polarisierung zwischen einem
Familien- und einem Nichtfamiliensektor und zum
anderen den Trend zur Ein-Kind-Familie. Die
Autorin reduziert damit komplexe
Ursachenzusammenhänge auf einen simplen
monokausalen Zusammenhang: der hedonistische
Individualismus führt einerseits zur
Durchsetzung der seriellen Monogamie und
andererseits zum Niedergang der traditionellen
Familie. Diese Sicht untermauert SCHNEIDER
mittels Experten- und Betroffeneninterviews. Als
Experten kommen der Psychologe Michael THIEL, der
Trendforscher Peter WIPPERMANN, der
Familiensoziologe Wassilos FTHENAKIS, der
Philosoph Gerd B. ACHENBACH, der Jurist Joachim
KUDOWEH und der Bevölkerungswissenschaftler Hans
W. JÜRGENS zur Wort.
Der Trendforscher Peter WIPPERMANN aus dem Umkreis des
Zeitgeistforschers Matthias HORX bringt mittels
trendiger Wortbildungen wie
"Convenience-Familie",
"Chillout-Familie",
"Grüntee-Familie" und
"Feudal-Familie" seine Sicht
der individualisierten Familie zum
Ausdruck.
Die Begriffe
"Chillout-Familie" und
"Feudal-Familie" zeigen jedoch, dass es
in der modernen Gesellschaft keine allgemeinen
Trends gibt, sondern dass plurale
Wertvorstellungen miteinander konkurrieren. Den Begriff "Chillout-Familie" verwendet
WIPPERMANN für alleinerziehende Partnerlose,
deren Hedonismus seinen Ausdruck in der
Mutter-Kind-Symbiose findet. MADONNA soll das
Vorbild diesen Typus der Alleinerziehenden sein.
Die
"Feudal-Familie" entspricht dagegen
dem traditionellen Familienmodell. Offensiv
propagiert wurde dieses Modell bis vor kurzem nur
von Journalisten wie Karin JÄCKEL. Nach dem
Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im April
und weiteren Urteilssprüchen, die zur Rehabilitation
der Hausfrau und Vollzeitmutter
beigetragen haben, und der Neuausrichtung der
Familienpolitik bei den Regierungsparteien SPD
und Grüne, kann von einer fehlenden Akzeptanz
dieses Familienmodells der Neuen Mitte keine Rede
mehr sein. Nach WIPPERMANN ist dieser Familientyp
zwar in Zukunft nur von einer elitären
Minderheit zu verwirklichen, "weil sich kaum
ein Mann solch eine Familie allein leisten
könne", nichtsdestotrotz erhält gerade
dadurch dieses Familienmodell seine
Attraktivität in der breiten Bevölkerung. Die Feudal-Familie
kann zum Status-Symbol in einer
Gesellschaft werden, die
traditionelle Kernfamilien als Leistungsträger
wiederentdeckt.
Die
Vereinbarungsfrage von Beruf und Familie ist
oftmals keine Frage der Vereinbarkeit von zwei
Vollzeitberufen mit Familienarbeit wie das gerne
im öffentlichen Diskurs unterstellt wird,
sondern meist ist der eine Partner der
Haupternährer, während der andere für den
Zuverdienst sorgt. In der Regel ist der
Haupternährer immer noch männlich. Wenn man
also nicht mehr ein Alleinernäher- sondern ein Haupternährer-Modell
statt eines Zwei-Verdiener-Modells als
gegenwärtig dominierendes
Familienernährer-Modell unterstellt,
dann kommt man der Familienwirklichkeit in
Deutschland ziemlich nahe.
Während WIPPERMANN die Attraktivität
der Feudal-Familie (siehe hierzu auch LIEBOLD
"Meine Frau managt das ganze Leben zu
Hause...") unterschätzt, so
überschätzt er andererseits solche
Zeitgeist-Phänomene wie die
"Chillout-Familie". Das Problem solcher
Zeitgeistbegriffe ist, dass sie zwar plausibel
klingen, weil sie hervorragend in den Kontext der
Gegenwartsdebatten passen, andererseits aber
empirische Belege für ihre Verbreitung fehlen.
Sicher gibt es solche "Chillout-Mamas",
die sich durch Kinder selbst verwirklichen
möchten. Dazu müssen Mütter aber keine
Alleinerziehenden sein.
Der Begriff
"Alleinerziehende" ist an sich
schon fragwürdig, weil er in erster Linie
politische und juristische, aber keine sozialen
Sachverhalte in den Mittelpunkt rückt. Der
Begriff blendet die Dimension
"Partnerschaft" aus, weshalb er
fälschlicherweise mit Partnerlosigkeit
assoziiert werden kann. Alleinerziehende
Partnerlose sind jedoch nur eine
Teilgruppe. Alleinerziehende können mit Partnern
zusammenwohnen oder auch Distanz- bzw.
Fernbeziehungen unterhalten oder sie können
unfreiwillig partnerlos sein. Die
"Chillout-Familie" ist deshalb vor
allem ein medienwirksames Etikett, dessen
Plausibilität sich zum einen aus der Annahme
eines allgemeinen Trends zum hedonistischen
Individualismus und zum anderen aus der
Ungenügsamkeit der Begrifflichkeit ergibt.
Das dichotome Begriffspaar
"Familien- und Nichtfamiliensektor" ist ein weiteres
Beispiel für die Unzulänglichkeit einer
Begriffsbildung, die Familien auf
Familienhaushalte reduziert und damit die
Familienrealität mit historischen Verhältnissen
zwangsverkoppelt. Wer historische
Vergleiche auf der Basis der Haushaltsstatistik
anstellt, ohne die damit verbundenen historischen
Gegebenheiten mitzureflektieren, der läuft
Gefahr Fehlschlüsse zu produzieren. Die Rede vom
Familiensektor klammert sowohl den historischen
Wandel bei den Wohnverhältnissen als auch den
Wandel der Einkommensverhältnisse aus bzw.
konstruiert daraus ein apokalyptisches Szenario.
Die Wohnungsnot der 50er Jahre erscheint dann
z.B. als familiäres Solidarverhalten, das
heutzutage angeblich nicht mehr existiert. Das
Fehlen von Optionen wird damit als verschwundener
Gemeinsinn fehlinterpretiert.
Sätze wie: "Bei den Dreißig-
bis Vierunddreißigjährigen hat sich der
Familiensektor von 60 Prozent auf 40 Prozent
reduziert. Bei den Fünfunddreißig- bis
Fünfundvierzigjährigen von 70 Prozent auf 30
Prozent" (S.147) sollen das Verschwinden der
Familie belegen. Sie belegen aber vor allem, dass
Journalisten selten begreifen, was sie schreiben.
Das macht bereits die vorangestellte Erklärung
deutlich:
"Zum
Nicht-Familiensektor gehören sowohl Singles
als auch Paare, die unverheiratet
zusammenleben, aber keine Kinder haben
und/oder wollen" (S.147).
SCHNEIDER
legt damit nahe, dass der Nichtfamiliensektor nur
die Kinderlosen beinhaltet. Dies ist jedoch
falsch. Eltern, deren Kinder nicht mehr im
Elternhaushalt leben, gehören ebenfalls zum
Nicht-Familiensektor. Aussagen über die Motive
("keine Kinder wollen") der angeblich
Kinderlosen sind im Begriff gar nicht mitgedacht
bzw. können daraus nicht abgeleitet werden. Das
Begriffspaar ist also nicht in
der Lage Eltern und Kinderlose zu unterscheiden.
Es ist vielmehr ein ideologisches Konstrukt, das
die Zahl der Kinderlosen überschätzt und die
Anzahl der Eltern unterschätzt und somit
bevölkerungspolitischen Interessen der
Dramatisierung des Bevölkerungsrückgangs
entgegenkommt.
In
gleicher Weise argumentiert SCHNEIDER, wenn sie
den Mythos von der Ein-Kind-Familie
propagiert. Die Autorin verallgemeinert
milieuspezifische Verhaltensweisen zu
gesellschaftsweiten Trends:
"paradoxerweise
haben die Gegner des Kinderkriegens und die,
die sich ein Kind wünschen, das gleiche
Motiv: Selbstverwirklichung (...). In einer
Zeit, wo die traditionellen
Geschlechterrollen sich aufgelöst haben, ist
Mutterschaft die letzte Bastion für Frauen,
um ihre Weiblichkeit auszuleben. Kinder
werden einerseits instrumentalisiert, aber
auch idealisiert. Das Neue: Um diese
Bedürfnisse für die Eltern zu befriedigen,
reicht ein Kind. Und so kommen auf jede
Mutter nur noch durchschnittlich 1,3
Kinder." (S.154)
Wenn die
Geburtenrate in Deutschland bei 1,3 Kinder pro
gebärfähiger Frau liegt, dann ist das etwas
völlig anderes als wenn SCHNEIDER schreibt, dass
auf jede Mutter nur noch durchschnittlich 1,3
Kinder kommen. Beides wäre nur identisch, wenn
es in Deutschland keine kinderlosen Frauen im
gebärfähigen Alter gäbe, was bekanntlich nicht
der Fall ist. Diese Konstruktion eines
engen Zusammenhanges zwischen der Höhe der
Geburtenrate und der Anzahl der Kinder pro
Familie ist weit verbreitet (z.B.
GREENBERG "Kleine Prinzen" im FOCUS
Nr.31 vom 31.07.2001)
Sowohl die
Bevölkerungssstatistik als auch die
Haushaltsstatistik sind als Datenbasen
ungeeignet, wenn damit Lebensverhältnisse
beschrieben werden sollen. Sowohl
haushaltsübergreifende Sozialzusammenänge wie
die multilokale-Mehrgenerationen-Familie
als auch die Dauerhaftigkeit von Paar- und
Familienkonstellationen wird in diesen
Statistiken nur unzureichend abgebildet. Dieser
Mißstand ist umso unverständlicher je stärker sozialstaatliche
Regelungen in angeblich private Lebensstile
eingreifen. Weder der Erfolg, noch der
Mißerfolg von staatlichen Massnahmen kann
gemessen werden. Deshalb ist es nicht besonders
erstaunlich, dass in der öffentlichen Debatte
vor allem Spekulationen und Vorurteile
dominieren. Das Buch von SCHNEIDER spiegelt
dieses Problem wider.
Die
Autorin möchte in dem Buch zwar die Chancen
der seriellen Monogamie herausarbeiten,
auf weiter Strecke bleibt SCHNEIDER jedoch der
bevölkerungspolitisch motivierten und
familienpolitisch verengten Debatte verhaftet.
Aus diesem Grunde beherrscht der Grundkonflikt
zwischen Selbstverwirklichung und
Partnerschaft/Familie das Reden über die
serielle Monogamie.
Unverkennbar ist der
pädagogische Impetus, der in dem Buch
als Lösung propagiert wird. Sowohl der Soziologe
FTHENAKIS als auch der
Bevölkerungswissenschaftlicher JÜRGENS sehen in
einer Bildungsoffensive eine Möglichkeit zur
Stabilisierung von Paar- und
Familienarrangements. Den beiden Wissenschaftlern
geht es jedoch in erster Linie um das Wohl
des Kinder, das primär als
Kontinuität elterlicher Partnerschaft definiert
wird. Das Wohl der Partner ist deshalb zu
allererst eine abgeleitete Kategorie aus diesem
kurzschlüssigen Verständnis von Kindeswohl.
Eheführerscheine und Partnerpolitiken sollen in
diesem Sinne für die notwendige Stabilität der
Beziehungen mit Kindern sorgen.
SCHNEIDER formuliert im
letzten Abschnitt das von ihr propagierte Beziehungsideal
folgendermassen:
"Bei
allem geht es vielleicht nicht mehr darum,
den »einzig Richtigen« zu finden (...),
sondern vielmehr darum, gemeinsam eine zu
zwei ausgeprägten Individualisten passende
Partnerschaft aufzubauen. Und das mehrmals im
Leben."
Serielle
Monogamie wird damit von SCHNEIDER gleichgesetzt
mit dem Ideal der
Lebensabschnittspartnerschaft.
Sukzessive Monogamie ist heutzutage jedoch eher
die nichtintendierte Folge der Suche nach dem
»einzig Richtigen«. Partnerschaft endet deshalb
oftmals nicht im beidseitigem Einvernehmen. Auch
der von SCHNEIDER idealisierte
Lebensabschnittspartner dürfte nicht so
"pflegeleicht" bei Trennunge zu
handhaben sein, vielmehr werden unterschiedliche
Entwicklungsgeschwindigkeiten bei den Partnern
dieses Paararrangement noch trennungsanfälliger
machen.
Partnerschaft und Elternschaft können in Konflikt
geraten. Wenn die Liebe vergeht, dann muss die
Partnerschaft aufgekündigt werden, so fordert es
das romantische Liebesideal, dessen
nichtindentierte Konsequenz die serielle
Monogamie vielfach ist. Aus männlicher
Sicht hat der Brite Hanif KUREISHI dieses Thema
in den Mittelpunkt seines Buches "Rastlose
Nähe" gestellt. KUREISHIs Buch ist
eine Provokation für alle, die das Kindeswohl zu
allererst als Kontinuität elterlicher
Partnerschaft definieren. Es zeigt aber
andererseits die Konflikthaftigkeit eines
Trennungsprozesses in seiner gesamten Tragweite.
SCHNEIDER dagegen
propagiert die Abkehr vom romantischen
Liebesideal. Die
Lebensabschnittpartnerschaft ist eine
Partnerschaft auf Zeit, die verlängert werden
kann, wenn beide Partner dies wünschen. Ein
solcher Kontrakt stellt hohe Anforderungen an
beide Partner. Inwieweit sich diese spezielle
Form der seriellen Monogamie in der modernen
Gesellschaft durchsetzen wird, muss sich erst
zeigen.
Konservative wie Susanne GASCHKE
predigen in Anlehnung an LUHMANNs Buch "Liebe
als Passion" stattdessen die Rückkehr
zur Doppelmoralals Lösung, d.h. Sex in
der Ehe soll nicht auf den Partner beschränkt
bleiben müssen, aber auch nicht wie in der
"offenen Zweierbeziehung"
in der Ehe kommuniziert werden müssen. Statt der
rigiden Treuevorstellung, wie sie bei der
seriellen Monogamie tatsächlich gelebt wird,
muss Treue nach GASCHKE nur noch kommunikativ
simuliert werden.
Wer Antwort auf die
im Untertitel gestellte Frage "Warum
lebenslange Zweisamkeit uns nicht glücklich
macht" erwartet, der wird in dem Buch keine
befriedigende Antwort finden. Zu klischeehaft
sind die dargestellten Ursachen in der Tradition
der Individualisierungsthese. Andererseits ist
die Zielgruppe des Buches nicht unbedingt die
breite Bevölkerung, sondern offensichtlich ist
die Neue Mitte anvisiert. Da die
beschriebenen Trends eher für moderne Milieus
gelten, in denen Selbstverwirklichung und
Hedonismus zentrale Werte sind, werden
sich Teile der Zielgruppe im Buch wiederfinden,
während sich der konservative Teil der Neuen
Mitte in seinen Vorurteilen bestätigt fühlen
darf.
SCHNEIDER möchte mit ihrem
Buch auch einen Beitrag zur aktuellen Debatte
leisten. Die Autorin geht davon aus, dass
die verschiedenen Beziehungsformen in der
gesellschaftlichen Anerkennung gleichwertig sind.
Einzig bei der juristischen "Gleichstellung
und Anerkennung von Beziehungsstilen vor allem
mit Kindern außerhalb der christlichen Ehe"
sieht SCHNEIDER Defizite.
Die Vorstellung,
dass heutzutage alle Lebensstile in der
Gesellschaft als gleichwertig anerkannt sind, ist
das Hauptproblem einer Individualisierungsthese,
die einen naiven Optionismus
vertritt. Es gibt jedoch eine Vielzahl von
unterschiedlichen, qualitativen Studien, die
Diskriminierungen nachweisen konnten. Die Kontroverse
"Familien versus Singles"
zeigt zudem deutlich, dass weder Alleinwohnen
oder Partnerlosigkeit, noch das Leben ohne Kinder
im Erwachsenenalter als legitime Lebensweisen
anerkannt sind. Bei den Beziehungsformen sind
Vorbehalte gegen Paare ohne gemeinsame Wohnung
weit verbreitet. Der Beitrag zur aktuellen
politischen Debatte ist gering, da sich in dem
Buch nur der Mainstream der Neuen Mitte
widerfindet. Die Kontroversen werden nicht einmal
in Ansätzen benannt.
Das Phänomen "serielle
Monogamie" wird nicht
in allen Facetten behandelt, sondern auf das
Konzept "Lebenspartnerschaft"
zugespitzt. Bei einem Buch über das
Thema sukzessive Monogamie erwartet man zudem,
dass die Dimension "Partnerschaft" die
zentrale Perspektive bestimmt. Dem ist nicht so.
Das Thema wir - wie in der Soziologie und
Bevölkerungswissenschaft üblich - dem Thema
Elternschaft untergeordnet. Da SCHNEIDER die
gegenwärtige Kontroverse nicht benennt, aber
nichtsdestotrotz pointiert Stellung bezieht, muss
der Leser selbst bereits umfangreiche
Vorkenntnisse besitzen, wenn er diesen Beitrag im
Rahmen der Debatte einordnen möchte.
Vielleicht ist das
Dilemma des Buches auch nur darin begründet,
dass die Autorin ausschließlich die Chancen der
seriellen Monogamie zum Thema macht und damit die
Erwähnunge von Gegenpositionen für unnötig
hält. Wie dem auch sei. Die Konsequenz ist ein
Buch, das die zentralen Kontroversen unbenannt
lässt und Konflikte zwischen den Dimensionen
Partnerschaft und Elternschaft zugunsten
politischer Parteinahme unterschlägt.
Wer sich heutzutage auf das Schlagwort
von der "kinderfeindlichen
Gesellschaft" beruft, der muss dies
nicht mehr belegen, sondern kann sich auf einen
breiten gesellschaftlichen Konsens stützen.
Nichts anderes tut SCHNEIDER. Wenn sie jedoch
argumentiert, dann geht sie leichtfertig mit
statistischen Daten um (siehe meine Anmerkungen
zum "Familiensektor" und zum Trend zur
Ein-Kind-Familie).
Wem ein
oberflächliches Buch zum Einstieg ins Thema
genügt, der mag an dem Buch gefallen finden. Wer
eine aktuelle und fundierte Auseindersetzung mit
dem Thema "serielle Monogamie" sucht,
der dürfte auf dem deutschen Sachbuchmarkt
schwerlich fündig werden.
|
|