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Die New Economy, ihre Folgen
für die Sozialintegration und das neue Menschenbild vom
flexiblen "Yettie"
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- GLOTZ, Peter
(1999): Die beschleunigte Gesellschaft
Kulturkampf
im digitalen Kapitalismus, München: Kindler
Verlag
- HANK, Rainer
(2000): Das Ende der Gleichheit
oder
warum der Kapitalismus mehr Wettbewerb braucht,
Frankfurt a/M: Fischer
- HEUSER, Uwe
Jean (2000): Das Unbehagen im Kapitalismus
Die
neue Wirtschaft und ihre Folgen, Berlin: Berlin
Verlag
- RIFKIN,
Jeremy (2000): Access. Das Verschwinden des
Eigentums.
Warum
wir weniger besitzen und mehr ausgeben werden,
Campus-Verlag
- SENNETT,
Richard (1998): Der flexible Mensch.
Die
Kultur des neuen Kapitalismus, Berlin Verlag
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Rainer
HANK liefert mit seinem Buch "Das Ende der
Gleichheit oder Warum der Kapitalismus mehr
Wettbewerb braucht" zur gängigen Praxis,
die Ideologie nach. Der "Manchester-Kapitalismus"
- bislang Inbegriff von
Proletarisierungsprozessen - wird in seiner
Umwertung des Begriffs zum Heilsbringer für die
"New Economy". HANK fordert einen Paradigmenwechsel
von der kommunistischen Ergebnisgleichheit
("materieller Wohlstand für alle") zur
sozial gerechten Chancengleichheit
("materieller Wohlstand für
Leistungsträger"). Dem amerikanische
Beschäftigungswunder (weil ein Mensch mehr als
einen Job zum Überleben benötigt) gilt es
nachzueifern.
Das Buch
wurde in den Wirtschaftsredaktionen der großen
überregionalen Zeitungen begeistert aufgenommen.
Dagmar DECKSTEIN (SZ v. 09.06.2000)
erhofft sich endlich die Rehabilitation des
"segensreichen
Manchester-Kapitalismus". Mit ihrer Analyse,
dass dieses Buch noch keine offene Türen
einrennt, bleibt sie dagegen hinter der Realität
zurück. Robert MISIK drückt es unverblümter
aus: "Text und Titel passen zum
Zeitgeist" (Tagesspiegel v.
04.05.2000). Mark TERKESSIDIS zeichnet die Erfolgsgeschichte
der neoliberalen Formel vom "Ende
der Gleichheit" innerhalb der
Sozialdemokratie nach (Tagesspiegel v.
22.05.2000). Maximilian CARTELLIERI von Ciao.com
bemüht sich schon gar nicht mehr um
Rechtfertigung seiner neoliberalen Forderungen.
Sie ergeben sich für ihn aus dem Naturgesetz der
digitalen Revolution (Tagesspiegel v.
18.05.2000).
Die "Beschleunigte
Gesellschaft" - so das Buch von
Peter GLOTZ - macht die Kontroverse um den
Neoliberalismus obsolet. GLOTZ fängt dort an, wo
HANK aufhört: nach der Durchsetzung des
Manchester-Kapitalismus. Er beschreibt die Folgen
des Siegeszuges: den Kulturkampf zwischen
Beschleunigern und Entschleunigern.
GLOTZ geht es in erster Linie nicht um die Ausgegrenzten,
die sogenannten Modernisierungsverlierer, sondern
um die Elite der Entschleuniger
("Down-Shifter"), jene also, die
freiwillig aussteigen aus dem Turbokapitalismus
und sich zu Wortführern der Ausgegrenzten
machen. Gäbe es diese Elite nicht, GLOTZ wären
die Modernisierungsverlierer gleichgültig, denn
ihnen traut er keine Gegenmassnahmen zu, die der
"Schönen neuen Welt" gefährlich
werden könnten.
Ein
angenehmer Nebeneffekt des
Manchester-Kapitalismus ist der Schub, den die Familienwerte
in einer solchen Gesellschaft erhalten.
Mit der Marktgesellschaft werden die Singles
gleich mit entsorgt. Die aufgeregte
Debatte um die Single-Gesellschaft ist
in der Perspektive von GLOTZ als Wiedererstarken
des Familialismus zu interpretieren. Der
Erfolg des französischen Romanciers Michel
HOUELLEBECQ ist ein Indiz für die Richtigkeit
dieser Annahme.
Auch Richard
SENNETT geht es nicht um die Ausgegrenzten,
sondern um die Auswirkungen der
Arbeitsorganisation im Turbokapitalismus
auf die Identität der Arbeitnehmer.
Flexibilität, Mobilität und Teamfähigkeit sind
die Zauberworte der Neuen Wirtschaft. Welche
Zumutungen diese Anforderungen für das
Selbstbild und die Handlungsfähigkeit der
Subjekte darstellen, das beschreibt SENNETT an
Fallbeispielen. Die Epoche des
Industriezeitalters mit Fliessbandroutine und
heimeligem Büro erscheint im Kontrast dazu wie
eine familiäre Kuschelecke. Der digitale
Kapitalismus schürt geradezu ein Bedürfnis
nach Stabilität, das in der
Privatsphäre der Kleinfamilie gesucht wird.
Diese letzte Bastion vor dem Markt, wie die
Kleinfamilie von HOUELLEBECQ bezeichnet wird,
steht auch für SENNETT im Widerspruch zur
Arbeitswelt. Der flexible "Yettie"
ist der Inbegriff des
turbokapitalistischen Höchstleisters.
Er verkörpert den flexiblen Menschen im Sinne
von SENNETT par Excellence, weswegen er in allen
journalistischen Berichten aus der neuen
Arbeitswelt folgerichtig als Single präsentiert
wird. Im Umkehrschluss wird der Single zum
Modernisierungsgewinner - ein Fehlschluss, dem
sich im gegenwärtigen Zeitgeist keiner widmen
mag.
Jeremy RIFKIN
setzt dem Turbo noch einen drauf und widmet sich
dem Hyperkapitalismus. Nicht die
Arbeitsorganisation steht im Mittelpunkt seiner
Prognosen, sondern der Wandel von der
Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft,
deren Basisinstitution nicht mehr das Eigentum,
sondern der Zugang
("Access") ist. Die Konfliktlinie im
Hyperkapitalismus verläuft zwischen den Usern
und den Nicht-Usern. Der Mensch ist für RIFKIN
in erster Linie Konsument von Dienstleistungen.
Der Wohlstand im Digitalen Kapitalismus drückt
sich im Anschluss an Infrastruktur und
Nutzungsmöglichkeiten von Waren aus.
Entschleuniger bzw. freiwillige Aussteiger
existieren für RIFKIN nicht. Jeder will
Teilnehmer sein.
Die Kehrseite
ist die Tyrannei der Wahl, der
sich Uwe Jean HEUSER widmet. Wahl heisst negativ
gewendet auch Zwang zur Entscheidung. Für HEUSER
ist die Überforderung des Menschen
angesichts rasch zunehmender
Entscheidungssituationen das zentrale Merkmal der
"New Economy". Konsequenterweise
müsste der Mensch als Schwachstelle aus dem
Arbeitsprozess entfernt werden. Robotiker und
KI-Forscher arbeiten bereits an der
Problemlösung. Damit wäre der Widerspruch
zwischen Markt und Familie elegant
abgeschafft. Warum ist HOUELLEBECQ nicht auf
diese simple Lösung gekommen? |
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weiterführende
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Literatur zu
Rainer HANK:
- HANK
persönlich:
- HANK,
Rainer (2000): Amerika ist das
Modell,
in: Gewerkschaftliche
Monatshefte,
New Economy oder alter
Frühkapitalismus, 8-9
- Rezensionen zu
HANK:
- Debatte im
Tagesspiegel:
- DETTLING,
Warnfried (2000): Unvermeidlicher
Neoliberalismus?
Der überkommene Sozialstaat
sitzt in der Falle, aber auch der
Markt wird es nicht richten,
in: Tagesspiegel
v. 02.05.
- MISIK,
Robert (2000): Wohlstand für
alle.
Die Neoliberalen fordern mehr
Ungleichheit - und produzieren so
mehr Ungerechtigkeit,
in: Tagesspiegel
v. 04.05.
- TÖNNIES,
Sibylle (2000): Was ist liberal?
Der Markt wird's schon richten
ist im Grunde eine antiliberale
Haltung,
in: Tagesspiegel
v. 11.05.
- CARTELLIERI,
Maximilian (2000):
Globalisierung.
Es ist völlig gleichgültig, was
die Deutschen wollen - die
Revolution kommt so oder so,
in: Tagesspiegel
v. 18.05.
- ENGLER,
Wolfgang (2000): Ungleichheit zu
verkaufen.
Alle Menschen sollen Amerikaner
werden - aber wozu?,
in: Tagesspiegel
v. 20.05.
- TERKESSIDIS,
Mark (2000): Deutschland AG ohne
Interessenkonflikte?
Und wenn es schief geht, dann war
eben noch nicht genug
Neoliberalismus,
in: Tagesspiegel
v. 22.05.
- SALLY,
Razeen (2000): Freiheit für die
Globalisierung!
Wer vom Zusammenwachsen der
Weltökonomie profitiert, hängt
allein von der nationalen Politik
ab,
in: Tagesspiegel
v. 06.06.
- MANOW,
Philip (2000): Mehr Schweden für
Deutschland.
Gleichheit und Wachstum
schließen sich nicht aus. Doch
dann muss die Sicherheit leiden,
in: Tagesspiegel
v. 13.06.
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Literatur zu Uwe
Jean HEUSER:
- HEUSER
persönlich:
- HEUSER,
Uwe Jean (2000): Das Unbehagen an
der Freiheit,
in: Die ZEIT
Nr.10
- Vorabdruck, Auszug aus dem Buch
- HEUSER,
Uwee (2000): Abenteuer Arbeit,
in: Gewerkschaftliche
Monatshefte,
New Economy oder alter
Frühkapitalismus, 8-9
- HEUSER im
Gespräch:
- Rezensionen zu
HEUSER:
- FELIXBERGER,
Peter (2000): Ein Vertreter des
alten Vorwurfskartells,
in: Süddeutsche
Zeitung v.
26.04.
- DRIBBUSCH,
Barbara (2000): Auf unser Wohl!
Uwe Jean Heuser betrachtet den
"Widerspruch zwischen Markt
und Mensch" und lobt
Gemeinwohlinitiativen,
in: TAZ
v. 06.06.
- GILLIES,
Peter (2000): Vom abscheulich
nützlichen Kapitalismus,
in: Welt
v. 29.07.
- UNVERZAGT,
Gerlinde (2000): Der Markt ist
gekommen.
Der Mensch - monetär nur noch
bedingt zeitgemäß,
in: Psychologie
Heute,
August
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Sonstige Literatur
zum Thema:
- SCHMUNDT,
Hilmar (2000): Winthrop 2.0. Zur
Wiedergeburt der Askese aus dem Geist des
Turbokapitalismus,
in: Die Neue
Rundschau, Heft 4
- DAHRENDORF,
Ralf (2000): Die globale Klasse und die
neue Ungleichheit,
in: Merkur,
Heft 11, November
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weiterführende
Links:
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©
2000-2002
Bernd Kittlaus |
Bernds@single-dasein.de |
Erstellt:
30.August.2000
Stand: 09. März 2002 |
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Zugriffe
seit
dem 03.Juni 2000 |
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