Das
Single-Dasein in den USA: Eine Einführung
In den 70er Jahren hofften
Aktivisten der amerikanischen Single-Bewegung,
dass das Single-Dasein zu einer gesellschaftlich
akzeptierten Lebensform von Erwachsenen -
jenseits von Ehe und Elternschaft - werden
könnte. Diese Hoffnungen haben sich seit den
80er Jahren mehr und mehr als Illusion erwiesen.
Seit den 90er Jahren
kann man von einem Kulturkampf um Ehe und
Familie sprechen, der sich infolge der
Ereignisse des 11. September noch verschärft
hat.
Ich werde zuerst auf
die Entstehungsgeschichte der
Single-Bewegung in den USA eingehen. Die
Ausführungen basieren weitgehend auf meiner
unveröffentlichten Magisterarbeit aus dem Jahr
1998. Danach soll kurz die neuere Entwicklung in
den USA skizziert werden.
Zum Schluss wird auf
die Bedeutung der US-Debatte für den
bevorstehenden Familienwahlkampf im Herbst 2002
eingegangen.
Singlesein
in den 50er Jahren
Was bedeutete es in der Zeit nach
dem II. Weltkrieg in den USA unverheiratet zu
sein? Die 50er Jahre gelten allgemein als das "Golden
Age of Marriage" und das
Unverheiratetsein war dementsprechend eine
abweichende Lebensform:
"For either sex, the single
state was regarded almost as a contagious
disease. A young man who remained single for
too long opened himself up to charges of
'emotional immaturity' or 'latent
homosexuality' - phrases that were part of
the basic vocabulary of the 1950s. An
influential book of the period argued that
all bachelors over thirty should receive
psychotherapy and that spinsters should be
legally forbidden to teach schoolchildren on
the grounds of emo-tional incompetence"
(Arlene SKOLNICK 1991, S. 71).
Männliche Unverheiratete wurden als
bachelors ("Junggeselle")
bezeichnet und weibliche Unverheiratete als spinsters
bzw. old maids ("alte
Jungfern"). Diese negativ gefärbten
Begriffe wurden erst in den 60er Jahren durch den
Begriff single abgelöst.
Der Wandel
zur Dienstleistungsgesellschaft und seine Folgen
In den 50er Jahren wurden aber
bereits die Rahmenbedingungen für die
Single-Kultur der 60er Jahre geschaffen. Mit dem Wandel
zur Dienstleistungsgesellschaft, der in
den amerikanischen Metropolen seinen Ursprung
hatte, ging die Zunahme der
Frauenerwerbstätigkeit einher. Barbara
EHRENREICH/Elizabeth HESS/Gloria JACOBS
beschreiben dies folgendermaßen:
"With the growth of
corporate bureaucracies in the fifties, it
was no longer only the daring or exceptional
young woman who headed for the skylines after
college or high school; thousands upon
thousands of women were drawn in by the
expansion of secretarial and clerical office
jobs. In New York's Upper East Side, which
was to become the first singles 'ghetto,' a
real-estate boom in high-rise-apartments and
renovated tenements matched the inmigration
of hopefule secretaries, stewardesses,
editorial assistants, and would-be models and
actresses marking time as receptionists or
waitresses" (EHRENREICH/HESS/JACOBS
1986, S. 54f.).
Während jüngere Unverheiratete in
die Innenstädte der Metropolen zogen, setzte
gleichzeitig die Suburbanisierung durch die
wohlhabenden Mittelklassefamilien ein.
Das
Single-Dasein in den 60er und 70er Jahren
Das Klischee vom swinging Single
ist das Produkt der sexuellen Revolution
in den 60er Jahren. Die Popularisierung in den
Medien erfolgte durch Helen Gurley Brown's
Bestseller Sex and the single girl, der
1962 erschien. Darin propagierte sie die
Vorstellung, dass weibliche Angestellten Affären
haben könnten, ohne ihren Ruf zu verlieren.
Ab Mitte der 60er
Jahre verhalf sie mit dieser Philosophie dem
Frauenmagazin Cosmopolitan zu neuem
Erfolg. Das Cosmo Girl wurde zum
Inbegriff der sexuell aktiven und
bewundernswerten, unverheirateten Frau, die
sowohl im privaten Leben wie auch im Berufsleben
Erfolg hat.
Single-gerechte
Wohnanlagen und Single-Bars als Ausdruck der
neuen Single-Kultur
Mitte der 60er Jahre erregen zwei
sichtbare "Institutionen" des
städtischen Singlelebens die öffentliche
Aufmerksamkeit. Es entstehen neue Wohnanlagen
für Singles am Rande der Großstädte
(z.B. in Los Angeles) und in den Innenstädten
eröffnen Singles Bars, die sich großer
Beliebtheit erfreuen. Diese Einrichtungen können
jedoch zuerst nur die wohlhabenden Singles
nutzen:
"Abundance for the young
unmarrieds in the city has made it possible
to meet other young unmarrieds in new ways.
Apartment houses are being built for them;
clubs are formed for them, but perhaps the
most significant of all the developments is
the use of bars, now often called pubs, which
serve as meeting places where singles can
meet without prejudice (...) These pubs (...)
institutionalize a system of bringing
together like-minded people; they speed the
dating and the trial-and error process, for
they offer this particular group of affluent
young people a wide variety of partners to
choose from, and they can choose quickly,
independently, and frequently"
(SMIGEL/SEIDEN 1969, S. 262).
Die Zunahme
der Geschiedenen und die Folgen
Die Zunahme von Geschiedenen
veränderte die Bedeutung des Single-Daseins als
Übergangsstadium zur Ehe. Die
Single-Wohnanlagen, die ursprünglich für
Studenten oder Berufsanfänger gedacht waren,
werden zu Durchgangsstationen für Geschiedene
jeden Alters, die wieder auf Partnersuche sind.
Das
Aufkommen der Single-Bewegung
Die Neuen Sozialen Bewegungen
stellten in den 70er Jahren die Institution Ehe
entweder ganz in Frage oder strebten zumindest
eine Ehereform an.
Anfang der 70er
Jahre prägte die radikale Frauenbewegung
das Bild der emanzipierten Frau in der
Öffentlichkeit. Die Familiensoziologin Jessie
BERNARD (1972) unterscheidet in ihrem Buch The
future of marriage drei Strömungen der
Frauenbewegung gemäss ihren Vorstellungen
bezüglich der Ehe:
1) Ehegegner ("antimarriage
prophets"),
2) Befürworter des Singledaseins
("prophets for nonmarriage"),
3) Ehereformer ("Achieving personhood in
marriage").
Die Befürworter des
Singlelebens sehen im Unverheiratetsein
eine befriedigendere Lebenssituation. Es
ermöglicht sexuelle Enthaltsamkeit,
Selbständigkeit durch eine berufliche Karriere,
befriedigendere sexuelle Beziehungen oder
Freiräume zur Selbstfindung als unverheiratetes
Paar.
BERNARD bringt den Rückgang
der Heiratsneigung 1970/71
dementsprechend in einen direkten Zusammenhang
mit diesen Vorstellungen zur Ehe. Sie ist der
Ansicht, dass Männer von der Ehe profitieren,
während Frauen darunter leiden bzw. als
Unverheiratete sogar Vorteile haben. Dies zeigt
sich vor allem im statistischen Vergleich von
männlichen und weiblichen Ledigen, die über 30
Jahre alt sind.
Die Feministin
Caroline BIRD bringt dies in ihrem
einflussreichen Artikel Women should stay
single auf den Punkt, wenn sie schreibt,
dass Singlefrauen im mittleren Lebensalter
intelligenter, gebildeter, gesünder und
glücklicher sind als gleichaltrige Männer.
Die
Infragestellung der Mutterrolle
Im Zusammenhang mit den Nachteilen
der Ehe werden auch die Nachteile von Kindern
diskutiert. Die Mutterrolle wird in Frage
gestellt und Kinderlosigkeit als Option gesehen.
So wird 1971 die National Organization of
Non-Parents (NON) gegründet, die sich dies
zur Aufgabe macht.
Unterstützung
erhält eine solche Vorstellung auch durch die
Debatte um die Überbevölkerung
und die Bewegung Zero Population Growth.
Für Margaret MOVIUS
(1976) stellt die freiwillige
Kinderlosigkeit einen
karrierefördernden Faktor dar, der die
ultimative Befreiung der Frau ermöglicht.
Das
Single-Dasein als normaler Lebensstil von
Erwachsenen
Margaret ADAMS sieht vor dem
Hintergrund dieser Debatte bereits die
"Single-Gesellschaft" heraufziehen:
"Should this millennium
dawn, singleness - that is, the living styles
that are not based on long-term, exclusive,
legally formalized heterosexual relationships
- may become the accepted dominant social
pattern" (1976, S. 18).
Auch der Familiensoziologe Peter J.
STEIN, der ein einflussreicher Pionier der
Singleforschung war, zieht die Möglichkeit in
Erwägung, dass das Singledasein ein normaler
Lebensstil Erwachsener werden könnte:
"As singlehood gains
acceptance and wider normative support,
adulthood will no longer be linked with
marriage and parenthood" (1976, S. 107).
Die
Entstehung der Single-Industrie
Es sind jedoch nicht allein die Neuen
sozialen Bewegungen, die als Basis der
"Single-Gesellschaft" angesehen werden,
sondern es ist vor allem die Industrie, die sich
auf die Bedürfnisse von Unverheirateten
einzustellen beginnt.
In einer
Titelgeschichte des Nachrichtenmagazins Newsweek
wird die Single-Infrastruktur beschrieben (vgl.
WATERS 1973). Anfang der 70er Jahre prägen
Single-Wohnanlagen, Single-Clubs, Singles Bars,
der beginnende Psycho-Boom sowie das neu
erscheinende Monatsmagazin Single das
Bild von der Single-Scene und geben
Anlaß zu Spekulationen über die Zukunft der
amerikanischen Gesellschaftsentwicklung. Ein
Soziologe sieht gar die Single-Gesellschaft
heraufziehen:
"One sociologist has gone
so far as to predict that 'eventually,
married people could find them-selves living
in a totally singles-oriented society'"
(WATERS 1973, S. 32).
Im Rückblick erscheinen diese
70er-Jahre-Visionen von der Single-Gesellschaft
übertrieben. FORSYTH & JOHNSON (1995) kommen
Mitte der 90er Jahre nach einer Sichtung der
Literatur über die Ledigen zu dem Ergebnis, dass
es in den USA nur eine sehr begrenzte Diskussion
über das Ledigsein als legitimem und normalem
Lebensstil im Erwachsenenalter gab. Hierzu
zählen sie die Publikationen von Margaret ADAMS
und Peter J. STEIN.
Das
Single-Dasein in den 80er Jahren: Die
Yuppie-Dekade
In den 80er Jahren wird der Begriff Yuppie
zunehmend zu einem Synonym für Single.
Mit dem Begriff sind spezifische Vorstellungen
über den Lebensstil dieser Personen verbunden.
Der Begriff Yuppie
wurde erstmals 1983 von Bob GREEN in einer
Kolumne des Chicago Tribune verwendet.
Es handelte sich um ein Wortspiel, das auf die Metamorphose
der 68er-Generation abzielte und eine
Verbindung vom Hippie über den Yippie
("Youth International Party") zum Yuppie
schuf (vgl. GERINGER 1988).
Im Januar 1984
erschien dann ein Yuppie-Handbuch von Marissa
PIESMAN & Marilee HARTLEY, das schnell zum
Bestseller wurde. Darin wird der Yuppie
folgendermaßen beschrieben:
"Yuppie or Yuppy pl.
Yuppies: (hot, new name for Young Urban
Professional): A person of either sex who
meets the following criteria: 1) resides in
or near one of the
major cities; 2) claims to be between ages of
25 and 45; 3) lives on aspiration of glory,
prestige, recognition, fame, social status,
power, money or any and all com-binations of
the above; 4) anyone who brunches on the
weekend or works out after work. The term
crosses ethnic, sexual, geographic - even
class - boundaries. Aj.: Yuppiesque,
Yuppielike, Yuppish à la Yuppie"
(PIESMAN/HARTLEY 1984 zitiert nach KERLER
1987, S. 11).
Kennzeichnend für diese
Beschreibung ist, dass zwar jung und städtisch
Bestandteil der Definition sind, aber der
berufliche Aspekt - und damit ein Kernbestandteil
des Begriffs - ausgeklammert bleibt und durch
Lebensstilelemente ersetzt wird, die prinzipiell
jeder für sich in Anspruch nehmen kann. In dem
Buch geht es dementsprechend auch weniger um die
Yuppies als soziale Gruppe, sondern darum, wie
man sich auch als normaler Bürger yuppielike
verhalten kann (vgl. Matthias HORX 1991).
Am Ende des Jahres
ist der Begriff so gebräuchlich, dass ihn das
Nachrichtenmagazin Newsweek in einer
Titelgeschichte aufgreift und 1984 zum "Jahr
des Yuppies" ausruft.
Es sind besonders
zwei Aspekte, die in der Yuppie-Story
hervorgehoben werden und die im Zusammenhang mit
der Debatte um das Single-Dasein relevant sind:
zum einen werden Yuppies mit der Aufwertung
innenstadtnaher Stadtgebiete
("Gentrifizierung") in Verbindung
gebracht und zum anderen gelten sie als Inbegriff
des konsumorientierten Erfolgsmenschen. Die
Konsumindustrie sieht in ihnen das Vorbild für
Ledige, die zwar bereits berufstätig sind, aber
noch nicht an Heirat oder Elternschaft denken
(vgl. GELMAN/ WANG 1984, S. 28).
Mit dem Begriff Yuppie
werden also die Vorteile beruflichen Erfolgs
thematisiert. Singles werden als Personen
beschrieben, die in luxuriösen Lofts wohnen, in
Bistros brunchen, das Freizeitangebot der Städte
genießen und ihren Urlaub in der Ferne
verbringen.
Dagegen werden in
den 80er Jahren mit dem Begriff marriage
squeeze ("Heiratsengpass") die
Nachteile des beruflichen Erfolgs beschrieben.
Die
Singlefrau und der Heiratsengpass
Das Phänomen des Heiratsengpasses
ist keine Entdeckung der 80er Jahre. Das Konzept
wurde bereits Ende der 50er Jahre von dem
angesehenen amerikanischen Demographen Paul C.
GLICK benutzt, um die Konsequenzen des
Ungleichgewichts der Geschlechterproportionen auf
dem Heiratsmarkt zu beschreiben:
"This expression referred
to a situation created by the baby boom.
Girls born during the rapid increase in the
birth rate eventually faced a shortage of men
in the usual age range for them to marry.
Those men were born two or three years
earlier than they were, when the birth rates
were lower. This shortage of eligeable men
placed the women in a marriage squeeze. I
speculated that some of the excess women
would never marry, while others would marry
men who were younger or older than men they
would have married if there had been no baby
boom" (Paul C. GLICK 1988, S. 865).
Das Problem des
Frauenüberschusses wurde bereits Anfang
der 70er Jahre zur Erklärung der Zunahme
Unverheirateter herangezogen. Autoren wie
Caroline BIRD sahen darin sogar den
entscheidenden Sachverhalt für eine Neubewertung
des Singledaseins durch junge Frauen:
"The squeeze gave many of
them a year or two of adult mobility to find
themselves. One way or another, a critical
mass of educated young women got a chance to
taste the satisfactions of being single and
on their own and they were encouraged, if
only by sour grapes, to view the joys of
married life more suspiciously than would
have been comfortable for them to do as
brides" (1975, S. 32).
Die Tatsache, daß 30-40jährige
Karrierefrauen in der Mehrzahl unverheiratet
waren, wurde in den 70er Jahren nicht als Problem
aufgefasst, sondern als Ausdruck eines erfüllten
Berufslebens, das mit einem Familienleben
unvereinbar war und deshalb nicht als Mangel
empfunden wurde. Oder es wurde die Überlegenheit
der Karrierefrau ("cream of the crop")
im Vergleich zum ledigen Mann hervorgehoben
("bottom of the barrel").
Anfang der 80er
Jahre fragten dann Christine DOUDNA & Fern
McBRIDE Where are the men for the women at
the top? Thema wurde damit die
heiratswillige Karrierefrau, die keinen passenden
Mann findet.
Die
Harvard-Yale-Heiratsstudie und ihr Einfluss auf
das Selbstverständnis der Singlefrauen
Eine Debatte um dieses Thema wurde
Mitte der 80er Jahre durch die Interpretation der
sog. Harvard-Yale-Heiratsstudie
entfacht, die mit der Veröffentlichung der
Titelgeschichte Too late for Prince Charming
im Nachrichtenmagazin Newsweek ihren
Höhepunkt erreichte.
In dem Artikel wurde
der 40jährigen unverheirateten Karrierefrau
bescheinigt, daß ihre Aussichten noch einen
Ehemann zu finden, geringer seien als von einem
Terroristen erschossen zu werden (vgl. SALHOLZ
1986, S. 55).
Die Diskussion fand
ihren Niederschlag auch in der belletristischen
Literatur (z.B. Elizabeth DUNKEL 1990) und in der
Ratgeberliteratur für Heiratswillige. Ein
Hinweis auf den Zusammenhang zwischen
statistischen Heiratschancen und individuellen
Erfolgsaussichten fehlte lange Zeit in keinem
Ratgeber.
Die
Erfindung des Heiratsengpasses als Backlash für
die feministische Bewegung
Unabhängig vom tatsächlichen
Bestehen eines Heiratsengpasses war die Debatte
für Feministinnen ein offensichtliches Zeichen
dafür, dass die Errungenschaften des Feminismus
rückgängig gemacht werden sollten.
Susan FALUDI sprach
in ihrem Bestseller Backlash.The Undeclared
War Against American Women aus dem Jahre
1991 von der Wiederbelebung des Klischees der
alten Jungfer.
Für die anderen war
die öffentliche Reaktion ein Zeichen dafür,
daß Heiraten immer noch zeitgemäß ist.
Das
Single-Dasein in den 90er Jahren
Anfang der 90er Jahre war die
Familie ein umkämpftes Paradies, so der Titel
eines einflussreichen Buches von Arlene SKOLNICK
über den Kulturkampf um Ehe und Familie.
Die
Entstehung der kommunitaristischen Bewegung
Mitte der 80er Jahre erschien das
einflussreiche Buch Habits of the Heart.
Individualism and Commitment in American Life
der kalifornischen Forschungsgruppe um Robert N.
BELLAH. In dem Buch wird der Niedergang des
Gemeinwesens und insbesondere der traditionellen
Familie beklagt. Die Ursache wurde in der
zunehmenden Individualisierung
gesehen. Der Narzissmus und Hedonismus
der "Baby-Boomer", d.h. der
amerikanischen 68er-Generation wurde für diesen
Niedergang verantwortlich gemacht. Damit begann
der sichtbare Einfluss der kommunitaristischen
Bewegung in den USA.
Der
Kulturkampf um Ehe und Familie
Ende der 80er Jahre veröffentlichte
der Soziologe David POPENOE das Buch Disturbing
the nest: Family Chance and Decline in Modern
Societies. Der Familiensoziologe tritt darin
vehement für die Rückkehr zur
Hausfrauenfamilie der 50er Jahre ein.
Mittlerweile leitet
POPENOE zusammen mit Barbara Dafoe WHITEHEAD das
1997 entstandene National Marriage
Project, das die Ehe als den einzigen
legitimen Rahmen für Partnerschaft und Familie
begreift.
Barbara Dafoe
WHITEHEAD wurde 1993 mit ihrem Atlantic
Monthly-Artikel Dan Quale Was Right
bekannt und veröffentlichte 1997 das Buch The
Divorce Culture, in dem die aktuelle
Scheidungspraxis angeprangert und die Erschwerung
von Scheidungen gefordert wird.
In Reaktion auf
dieses National Marriage Project haben Marshall
MILLER und Dorian SOLOT 1998 das Alternatives
to Marriage Project ins Leben gerufen.
Es tritt für die Rechte der Singles
und den Abbau von Heiratsbarrieren ein.
Ein
Resümee: Was die US-amerikanische Debatte für
Deutschland erwarten lässt
Während in Deutschland das unverheiratete
Zusammenleben weitgehend akzeptiert
wird, war die Ehe ohne Trauschein in den USA nie
so anerkannt wie hierzulande.
Was die Familie
betrifft, so sind auch in Deutschland ähnliche
Bestrebungen vorhanden, die Institution Ehe zu
stärken.
Die Debatte
um die Leistungsfähigkeit von verschiedenen
Familienformen wird in den USA bereits
seit über 10 Jahren geführt. Der Artikel Dan
Quale Was Right aus dem Jahre 1993 ist z.B.
eine scharfe Kritik an Positionen, die Familien
von allein Erziehenden und Patchworkfamilien als
ebenso funktionsfähig ansehen wie die Familie
mit zwei biologischen, verheirateten Eltern.
Der bevorstehende
Familienwahlkampf im Herbst 2002 könnte auch in
Deutschland die Fronten verhärten.
Während jedoch in
den USA der Bevölkerungsrückgang weniger
drastisch ausfällt als in Deutschland, ist
hierzulande mit einer primär bevölkerungspolitisch
legitimierten Debatte um das Single-Dasein
zu rechnen.
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