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News vom 01. - 06. Dezember 2015

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Ambivalenz der Einsamkeit

"Einsamkeit ist - anders als das schlichte Alleinsein - zunächst ein innerer Gefühlszustand, der uns dann überkommt, wenn wir ganz auf uns selbst gestellt sind. Ob dieser Zustand als leidvolle Vereinsamung empfunden wird oder gar als Chance der Reifung und des Unabhängigwerdens von sozialen Normen und Zwängen, ist dabei gar nicht ausgemacht - und hängt vom individuellen Erfahrungshintergrund dessen ab, der da einsam ist."
(Martin Hecht "Zum Glück allein", Psychologie Heute, November 2015)

 
       
       
   

AUTHALER, Theresa (2015): Hauptsache, nicht allein sein.
Immer mehr Menschen stehen im Alter ohne Familie da. Die Angst vor der Einsamkeit verschafft Senioren-WGs großen Zulauf. Auch die Politik hat gemerkt, dass sie sich der neuen Form des Zusammenlebens annehmen muss,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.

"Als alleinstehende Frau ohne Kinder hat sie niemanden in der Nähe, der nach ihr schauen könnte.
Menschen wie Brigitte Gietl sind ein Zeichen unserer individualisierten Welt. Denn die Generation der Babyboomer, die jetzt zwischen Mitte 50 und Mitte 60 ist, lebt anders als die Generationen vor ihr. Ein beachtlicher Teil von ihnen wird im Alter voraussichtlich allein sein. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen in Berlin führt den Deutschen Alterssurvey durch, in dem 1996, 2002 und 2008 Menschen ab 40 befragt wurden. Die Ergebnisse lassen deutliche Tendenzen erkennen: Während 1996 noch mehr als 80 Prozent der 40- bis 54-Jährigen verheiratet waren, waren es 2008 in dieser Altersgruppe nur noch etwa 70 Prozent. Deutlich mehr Menschen als zuvor waren ledig oder lebten getrennt oder geschieden. Zudem haben immer weniger von ihnen Kinder: 2008 war fast jeder Fünfte kinderlos. Die, die Kinder hatten, gaben vermehrt an, dass diese weit weg wohnten.
Die Befragten aus der Umfrage von 2008 entsprechen etwa der Generation der Babyboomer.
»Bei ihnen setzen sich Tendenzen fort, die sich davor schon bemerkbar gemacht haben«, sagt Institutsleiter Clemens Tesch-Römer. »Da die Babyboomer aber so viele sind, wird das die Gesellschaft vor Herausforderungen stellen.« Die amerikanische Forscherin Maria Torroella Carney hat dieses Phänomen kürzlich für die amerikanische Bevölkerung untersucht und ähnliche Entwicklungen festgestellt. Sie kommt zu dem alarmierenden Schluss, dass mit den Babyboomern eine Generation altert, die besonders verletzlich sein wird. Da ihnen das familiäre Netz fehle, könne es sein, dass sie zu »elder orphans«, also zu »älteren Waisen« würden",

berichtet Theresa AUTHALER über die Zielgruppe für Senioren-WGs, wobei dieser Begriff falsch ist, denn im Mittelpunkt der Reportage steht eine Hausgemeinschaft in Nürnberg.

Der Report Altersdaten Familie und Partnerschaft in Alter von Sonja NOWOSSADECK & Heribert ENGSTLER aus dem Jahr 2013 zeigt jedoch, dass der Anteil weiblicher Alleinlebender früher in Westdeutschland höher war als heutzutage. Aussagen über die Entwicklung von Familienständen sind in Bezug auf das Zusammenleben wenig aussagekräftig. Sozialwissenschaftlerinnen wie Andrea LENGERER gehen davon aus, dass zukünftig im Alter mehr Menschen zusammenleben werden und weniger allein. Von daher wäre es wichtiger das Zusammenleben jenseits der Ehe zu unterstützen.

Bei dem medial gehypten Trend zur Senioren-WG handelt es sich eher um eine Marketingkampagne:

"Laut einer Schätzung des Bundesbauministeriums aus dem Jahr 2011 wohnt weniger als ein Prozent der über 65-Jährigen in WGs oder selbstorganisierten Gemeinschaftshäusern",

schreibt AUTHALER. Bei einem solchen Artikel darf Henning SCHERF als Promoter von Senioren-WGs natürlich nicht fehlen.

Das Zusammenleben scheitert vielfach an einer Gesellschaft, die eheorientiert ist und deshalb andere Formen des Zusammenlebens schlicht ignoriert. Der SPD-Politiker Sascha VOGT kämpft deshalb für die rechtliche Anerkennung von Lebensformen jenseits von Haushalt und Ehe.

Es erstaunt, dass unsere Gesellschaft zwar bereits jahrzehntelang über Subsidiarität und Eigenverantwortung schwadroniert, aber unfähig ist die gelebte Realität jenseits von Ehe und Haushalt rechtlich anzuerkennen. Es ist gerade einmal 7 Jahre her, dass endlich Kinder auch jenseits der Ehe statistisch erfasst wurden. Bis dahin ging die amtliche Statistik von der politisch gesetzten Norm aus, dass Kinder nur in Ehen geboren werden sollten. Die Bevölkerung interessierte dies jedoch nicht - schon gar nicht in Ostdeutschland. Die Folge war eine gravierende Fehleinschätzung der tatsächlichen Kinderlosigkeit in Deutschland. 

 
   

BREITKOPF, Laura (2015): Lohnt sich heiraten?
Was sich liebt, das tut sich zusammen. Denn stabile Beziehungen zahlen sich aus. Mit Trauschein noch mehr als ohne,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.

"Fast 55 Prozent der Deutschen über 18 Jahre sind verheiratet, rund 386000 Paare haben im vergangenen Jahr den Bund der Ehe geschlossen. Warum haben sie sich dazu entschieden",

fragt Laura BREITKOPF und verweist erst einmal auf den Lieblingsökonomen der Verteidiger der traditionellen Familie: Gary BECKER, der jedoch gar nicht die Ehe, sondern das Zusammenleben in einem Haushalt als den eigentlichen Vorteil betrachtet:

"Beckers Definition der Ehe kommt (...) ganz ohne Gang zum Standesamt aus. Als verheiratet sieht er schlicht Paare an, die einen gemeinsamen Haushalt bilden."

BREITKOPF verwendet für Haushalte Unverheirateter den altmodischen Begriff "wilde Ehe". Um das Für und Wider des Nutzens der Ehe ökonomisch zu erklären, muss BREITKOPF auf ökonomische Anreize wie z.B. das Ehegattensplitting zurückgreifen, das lediglich die traditionelle Arbeitsteilung verstärkt und somit zum Anstieg der Haushalte  Unverheirateter beiträgt.

Aber offensichtlich sind BREITKOPF die ökonomischen Theorien zur Ehe nicht ausreichend, um ihre Leser von der Ehe zu überzeugen, weswegen sie auf empirische Daten zurückgreift, die angeblich die Vorteile der Ehe belegen sollen:

"Verheiratete Paare geben weniger Geld für Alkohol- und Tabakkonsum aus als solche ohne Trauschein. (...).Verheiratete sind laut Glücksforschern auch insgesamt zufriedener als unverheiratete Paare - und diese sind wiederum glücklicher als Singles."

Familienstände sind nicht in der Lage moderne Lebensformen zu homogenen Gruppen zusammenzufassen, d.h. die Heterogenität des Single-Daseins könnte so groß sein, dass z.B. zwischen zwei Single-Gruppen größere Unterschiede beim Glück und bei der Gesundheit bestehen könnten als zwischen Verheirateten und einer Single-Untergruppe. Darauf verweisen z.B. neuere psychologische Forschungen aus Neuseeland.

Die Ehe ist für gut gebildete, berufstätige Frauen weniger vorteilhaft, weswegen BREITKOPF nur Einkommensvorteile für die Männer erwähnt:

"Außerdem verdienen verheiratete Männer im Schnitt mehr als ihre Kollegen, die in wilder Ehe leben".

Fazit: Nicht für alle Menschen ist die Ehe vorteilhaft, ganz davon abgesehen dass Scheidungen bzw. der Tod des Ehepartners die Vorteile einer Ehe ins Gegenteil wenden können. Deshalb wurde z.B. Reina BECKER zur Gegnerin des von BREITKOPF gelobten Ehegattensplittings

WEIGUNY, Bettina (2015): "Ein Ehevertrag? Im Leben nicht".
Schauspieler Michael Gwisdek über seine zwei glücklichen Ehen, den Kampf ums Geld und die häuslichen Pflichten einer Ehefrau,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.

 
   

PETERSDORFF, Winand von (2015): Die verdammten Immobilien.
Der Sonntagsökonom: Reiche Hausbesitzer schirmen ihre Viertel ab. In Amerika haben sie damit Erfolg,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.12.

 
   
WELT AM SONNTAG-Titelgeschichte: Warum wir so einsam sind.
Die Furcht vor dem Alleinsein ist das dominante Gefühl der Zeit. Bindungsängste und Nomadentum im Job treiben immer mehr Menschen in die Isolation

GASCHKE, Susanne (2015): Zu oft allein.
Weihnachten rückt näher – für alle Einsamen die schrecklichste Zeit des Jahres. Susanne Gaschke nähert sich einem Leiden, das immer mehr Menschen in unserer hochmodernen Gesellschaft kennen. Ein bisschen Hoffnung freilich gibt es,
in: Welt am Sonntag v. 06.12.

Susanne GASCHKE ("Die Emanzipationsfalle") liefert einen 08/15-Artikel ab, der ohne empirische Daten zur Einsamkeit in Deutschland auskommt. Stattdessen werden US-amerikanische Soziologen wie David RIESMAN ("The Lonely Crowd") und Richard SENNETT ("Der flexible Mensch") zitiert. Aus der Entwicklung der Einpersonenhaushalte und der Scheidungsziffern wird kurzerhand auf Einsamkeit geschlossen. Während im aktuellen Psychologie Heute-Heft, Einsamkeit als Mangel an "Einsamkeitsfähigkeit" beschrieben wird, bleibt GASCHKE dem altmodischen Gemeinschafts-Paradigma der Soziologie verhaftet. Sowohl die Psychologisierung  als auch die Gleichsetzung von Einsamkeit mit objektiven Indikatoren blendet die Demographisierung gesellschaftlicher Probleme aus und die damit verbundene Normierung der Sichtweisen auf gesellschaftliche Phänomene.

Warum erscheinen gehäuft Einsamkeits-Artikel vor Weihnachten, obwohl Einsamkeit an keine bestimmte Zeit gebunden ist, sondern an individuelle Situationen? Die Familie gilt insbesondere in Zeiten der Demographiepolitik als Wert, der für alle in Form der Kernfamilie gelebt werden sollte. Tatsächlich ist dies ein enger Familienbegriff, der z.B. Freunde oder andere Wahlfamilien ausschließt. In diesem Sinne wären solche Artikel über Einsamkeit Teil des Problems: Sie erzeugen mithin erst Einsamkeitsgefühle.

 
   

KAUFMANN, Laura (2015): "Unverbindlichkeit ist ein ziemlicher Trend".
Online-Partnerbörsen: Eine Abfuhr per Dating-App ist nicht so blamabel wie im analogen Leben. Bei Tinder entscheidet die Wischrichtung, ob es überhaupt zum Date kommt. Und manchmal ist der Chatpartner nur ein Dienstleister,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.12.

"München ist berühmt für seine Singledichte. Und obwohl somit genügend los sein sollte auf dem Markt, tun sich diese Singles schwer. Laut Statistik sind 54,5 Prozent aller Haushalte Ein-Personen-Haushalte, was zwar alleinlebende Rentner und auch Pärchen in getrennten Wohnungen einschließt, aber einen guten Indikator abgibt. Tendenz: Steigend",

meint Laura KAUFMANN. In München wirtschafteten gemäß Münchener Statistik im Juni 2014 lediglich 436.696 Münchner allein (Hier wird nicht von Alleinlebenden gesprochen, denn dieser Begriff ist irreführend). Das sind nur 30,5 % der Münchener (1,431 Millionen Personen mit Hauptwohnsitz). Es herrscht zudem Frauenüberschuss unter den Alleinwirtschaftenden (ca. 12.000 mehr Frauen als Männer). Bei den 30-39-Jährigen wirtschaften zwar 51.706 Männer allein, aber nur 38.603 Frauen. Dieser Männerüberschuss wird jedoch schnell zum Frauenüberschuss, wenn man die ca. 24.000 Alleinerziehenden dazu nimmt, die es in München gibt (Männer mit Kind sind dagegen eine kleine Minderheit). Bei den 60-Jährigen und Älteren gibt es unter den Alleinwirtschaftenden sogar einen extremen Frauenüberschuss: 82.856 Frauen stehen nur 41.885 Männern gegenüber.

Fazit: Einpersonenhaushalte sind ein schlechter Indikator für Partnerlose/Partnersuchende. Zumindest Alter und Geschlecht sind als Informationen wichtig. Im mittleren Lebensalter müssen auch Alleinerziehende mitberücksichtigt werden und im jüngeren Alter sind auch Nesthocker nicht vernachlässigbar. Hinzu kommt, dass auch in einer Beziehung Lebende dem Partnermarkt zur Verfügung stehen und die sexuelle Orientierung nicht vergessen werden darf.

Journalisten machen es sich also entschieden zu einfach, wenn sie das Problem der Partnersuche auf die Bindungsunlust bzw. -unfähigkeit bzw. die Art der Partnersuche reduzieren. Das Etikett "Single-Hochburg" - allein an der Haushaltsgröße festgemacht - täuscht eine Auswahl vor, die in dieser Form nicht wirklich existiert.

 
   

PRANTL, Heribert (2015): Das Mitmutter-Problem.
Viele Staaten erkennen in lesbischen Ehen zwei Frauen als Eltern an. Das wirkt sich auf deutsches Recht aus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.12.

 
   
JOURNAL FRANKFURT-Titelgeschichte: Hier werden Sie aufgerissen

BRENER, Galia (2015): Die besten Flirt-Locations,
in: Journal Frankfurt v. 04.12.

 
   

STALA BADEN-WÜRTTEMBERG (2015): Neue Bevölkerungsvorausrechnungen: Hohe Zuwanderung schwächt Alterungsprozess der Gesellschaft ab.
Die Zahl der Hochbetagten in Baden‑Württemberg könnte sich dennoch innerhalb von vier Jahrzehnten annähernd verdreifachen,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg v. 03.12.

Nach nur 18 Monaten legt das Statistische Landesamt Baden-Württemberg eine erneute Bevölkerungsvorausberechnung vor.

Im Gegensatz zur letzten Bevölkerungsvorausberechnung, bei der bis 2060 noch mit einer Geburtenrate (TFR) von 1,4 Kindern pro Frau gerechnet wurde, wird nun mit einem Anstieg auf 1,5 Kinder pro Frau gerechnet. Dies liegt immer noch unter der Geburtenrate (CFR) der Anfang der 1970er Jahren geborenen Frauen. Zur Begründung heißt es:

"Die Geburtenrate lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 1,46 Kindern je Frau. 2013 lag diese Kennziffer im Südwesten bei 1,41 und im Jahr 2012 bei 1,39. Damit war die Geburtenrate im vergangenen Jahr so hoch wie seit 1997 nicht mehr. Ursächlich für diesen Anstieg könnte unter anderem die deutlich verbesserte Kinderbetreuung im Land sein. Desweiteren könnten hierfür auch die in letzter Zeit sehr günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einem Höchststand an Erwerbstätigen und einer relativ geringen Arbeitslosenquote im Land eine Rolle spielen. Aufgrund dieser aktuellen Entwicklung wurde für den Vorausrechnungszeitraum ein leichter Anstieg der Geburtenrate auf 1,5 Kinder je Frau unterstellt. Außerdem wurde bei den altersspezifischen Geburtenraten angenommen, dass der seit Jahrzehnten zu beobachtende Trend, dass die Frauen ihre Kinder tendenziell später bekommen, sich in den kommenden 10 Jahren fortsetzen wird."

 
   

BRACHAT-SCHWARZ, Werner (2015): Privathaushalte in Baden-Württemberg: Wie könnte sich ihre Zahl und Zusammensetzung künftig entwickeln?
Ergebnisse einer Modellrechnung bis zum Jahr 2050,
in:
Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Dezember

 
   
PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte: Zum Glück allein.
Warum Sie bei sich selbst gut aufgehoben sind

NUBER, Ursula (2015): Editorial,
in: Psychologie Heute, Dezember

Ursula NUBER setzt Singles mit Alleinlebenden gleich. Bei aller vorgestellter Heterogenität wird jedoch die große Zahl der Paare ohne gemeinsamen Haushalt ignoriert, denn diese moderne, mobile Lebensform passt nicht zum Bild des typischen Alleinlebens, das ein Produkt der 1990er Jahre ist.

Die Zahlen, die NUBER präsentiert stammen vom Sommer 2012, d.h. dem Mikrozensus 2011. Das war nicht der letzte Mikrozensus wie NUBER erzählt, aber es war der Letzte, der die Zahlen zu Alleinlebenden mundgerecht für Journalisten servierte. Die letzten verfügbaren Zahlen stammen vom Mikrozensus 2014. Demnach ist der Anteil der Alleinlebenden fast gleich geblieben: Gab es im Jahr 2011 ca. 19,64 % Alleinlebende, so sind es im Jahr 2014 ca. 19,7 % (Anstieg von 15,898 auf 15,997 Millionen Alleinlebende). Die Zahlen aus dem Jahr 2011 sind jedoch nicht zensuskorrigiert.

Seit Mitte der Nuller Jahre hat im Mainstream der deutschen Gesellschaft ein Paradigmenwechsel in Sachen Alleinsein bzw. Einsamkeit stattgefunden. Darauf deutet das Phänomen "Mangel an Einsamkeitsfähigkeit" hin, das NUBER erwähnt. War in der hysterischen Debatte um die Single-Gesellschaft in den 1980er/1990er Jahren oftmals Einsamkeit auf soziale Isolation reduziert worden, so gilt Einsamkeit neuerdings als selbst verschuldet:

"Situationen des Alleinseins können auch für Menschen, die in festen sozialen Bindungen leben, eine Herausforderung sein, die sie nicht immer gut bewältigen.
Alleinsein zu können ist eine Kompetenz, an der es vielen Menschen mangelt".

Einsamkeit wird zur Ressource bzw. zum Regulationsmechanismus im Zeitalter des Selbstunternehmers.

HECHT, Martin (2015): Zum Glück allein.
Die Bibel hat recht "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei." Einsamkeit ist kein schöner Zustand. Doch oft gerät in Vergessenheit: Alleinzeiten sind Voraussetzung für ein erfülltes Leben. Sie sind Oasen in der Wüste der Dauerverbundenheit,
in:
Psychologie Heute, Dezember

"Sucht man nach einer positiven Begleitung (...), wird man eher bei der Philsophie als bei der Psychologie fündig (...). Letztere sah bislang im Menschen in erster Linie ein Beziehungswesen und stufte einen Mangel an Bindung zu jedem Lebenszeitpunkt als problematisch ein",

merkt NUBER zum Beitrag von Martin HECHT an, der sich der Thematik kulturgeschichtlich nähert:

"Einsamkeit wurde ursprünglich nicht ausschließlich mit einem bedrückenden Zustand in Verbindung gebracht. Das mag daran liegen, dass die Verlusterfahrung von Gemeinschaftsformen noch nicht so virulent erlebt wurde wie in der Gegenwart. Kulturgeschichtlich gerät die Einsamkeit erst mit dem Beginn der Moderne unter Generalverdacht, und zwar in dem Maß, in dem die Bande der traditionellen Gesellschaft zerreißen und den Menschen in Vereinzelung zurücklassen."

Nicht so sehr die Psychologie - wie NUBER behauptet - , sondern die  Soziologie in Verbindung mit der Psychoanalyse hat das Alleinsein bzw. die Einsamkeit unter Generalverdacht gestellt. Der Aufstieg und Niedergang der einseitig wahrgenommenen Individualisierungsthese von Ulrich BECK geht einher mit der Blickverengung auf die soziale Isolation und die negative Sicht auf Einsamkeit. Die große Ausnahme war in dieser Zeit der Beitrag Solitäre Enklaven von Peter GROSS, der die positive Sicht auf das Alleinsein/die Einsamkeit hervorhob. Am Beispiel des Alleinreisens wurde dieser Ansatz hier gewürdigt.

Während Martin HECHT im Jahr 2000 noch dem Verschwinden der Heimat in der Offline-Gesellschaft nachtrauerte, muss nun die Online-Gesellschaft als Ursache mangelnder Einsamkeitsfähigkeit herhalten. Wenn Einsamkeitsfähigkeit jedoch auf eine psychische Kompetenz bzw. Ressource reduziert wird, dann geraten die gesellschaftlichen Verhältnisse einer neoliberalen Gesellschaft der Selbstunternehmer aus dem Blick.  

TRÄGER, Eva-Maria (2015): Ich bin nicht allein, ich habe ja mich.
Alleinsein ist für viele ein Übel, das unbedingt zu meiden ist. Wer den Alleingang scheut, mag sich sicher fühlen - er nimmt sich damit aber auch die Chance auf wertvolle (Selbst-)Erfahrungen,
in:
Psychologie Heute, Dezember

Eva-Maria TRÄGER widmet sich der Frage, warum wir so ungern alleine ausgehen bzw. alleine reisen, obwohl wir uns dadurch wichtige Erfahrungen entgehen lassen. Welche Ängste halten Singles bzw. Partnersuchende von Aktivitäten außer Hause ab (mehr auch hier und hier)? Befürchten wir das negative Urteil der Anderen zu Recht oder leiden wir unter Wahrnehmungsverzerrungen? Verschafft uns das Alleinreisen nicht wichtige neue Erfahrungen? Liegen die Ursachen unseres Unwohlseins in der Kindheit. Können wir das Alleinsein erst genießen, wenn unsere Grundbedürfnisse gestillt sind, wie das z.B. der Psychologe Abraham MASLOW annimmt, oder ist nicht vielmehr entscheidend, ob unser Alleinleben als mehr oder weniger freiwillig erlebt wird?

SIECKMANN, Katharina (2015): Warum Single?
Die Zahl der Menschen, die allein leben, steigt stetig. Nicht immer ist diese Lebensform aus freien Stücken gewählt, wie eine soziologische Studie zeigt,
in:
Psychologie Heute, Dezember

Im Zeichen der Demographisierung gesellschaftlicher Probleme vollzieht sich die Umdeutung des Begriffs "Single" vom Alleinwohnenden zum Partnerlosen. Anhand einer bevölkerungspolitisch motivierten Untersuchung von Jan ECKARD, über die hier bereits im März berichtet wurde, nennt Katharina SIECKMANN 5 Faktoren, die zum Anstieg der Partnerlosigkeit geführt haben sollen: Frauen sind nicht mehr auf einen Ernährer angewiesen, Flexibilitätserfordernisse des Arbeitsmarktes, Partnermarktengpässe, kindliche Scheidungserfahrungen und die Pluralisierung der Lebensformen.

 
   

YANG, Xifan (2015): Revolution der Liebe.
Die Gesellschaft in China verändert sich rasend schnell und damit auch die Spielregeln des Zusammenseins. Die Liebe wird freier. Aber leider auch wahnsinnig kompliziert,
in: Neon,
Dezember

 
   

DILLIG, Annabel (2015): Neues Spiel, neues Glück,
Ausgerechnet im Hightech- und Videospielzeitalter werden so viele Brettspiele erfunden wie nie zuvor. Die erfolgreichsten Entwickler sind jung, hip - und deutsch. Aber was ist das überhaupt: ein gutes Spiel?
in: Neon,
Dezember

Annabel DILLIG berichtet u.a. über "Socialmatch"-Veranstaltungen in Deutschland:

"Der eigentliche Grund für den Boom von Gesellschaftsspielen lässt sich vielleicht ganz leicht am Namen ablesen: Es geht ums Soziale. Womöglich erkennen wir erst im Jahr 2015 - weil wir den ganzen Tag auf Displays glotzen - wie wertvoll es ist, mit Freunden um einen Tisch zu sitzen und zwei Stunden lang nichts anderes zu tun, als zu spielen und zu lachen. Oder, noch besser: mit Fremden, die schnell zu Freunden werden.
Aus genau diesem Gefühl heraus entstand die Idee für das Start-up von Valentin und Patrick: Wie wäre es, ein Spiel zu entwickeln, das Spaß macht und gleichzeitig als Kennenlern-Event funktioniert? Ein Kneipenspiel für Leute, die neu in der Stadt sind, ein Angebot für Single. Valentin und Patrick nannten das Spiel »Socialmatch«.

 
   

BUCHHOLZ, Jenny (2015): "Ich schnüffle gerne Klebstoff".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon, Dezember

 
       
 

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Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Stand: 29. Januar 2016