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News vom 01. - 13. Januar 2012

 
 
     
 
   

Zitate des Monats:

Generationenbegriff und Generationengerechtigkeit

"Wenn ich von »meiner Generation« spreche, dann ist das natürlich etwas gewagt. Schließlich möchte kein Mensch Teil einer dieser so genannten Generationen sein. Auch ich nicht. Totzukriegen ist der Generationenbegriff dennoch nicht. Im Allgemeinen lieben ihn drei Gruppen: Journalisten, die mit ihm ihre Gesellschaftsberichterstattung ordnen oder Bücher schreiben. Politiker, wenn sie beispielsweise über Haushaltsverschuldung oder Sozialpolitik sprechen. Und dann noch diejenigen, die ihr Einkommen oder ihre Position damit bestreiten, sich für die sogenannte Generationengerechtigkeit einzusetzen."
(aus: Meredith Haaf "Heult doch", 2011, S.221f.)

"Wenn 80 Milliarden Euro an staatlichen Ausgaben gekürzt werden sollen, dann ist das ein Problem für alle (...). Denn die sozialen Kürzungen betreffen sowohl die gegenwärtige als auch die zukünftige Gesellschaft. (...). Investitionen, die heute getätigt werden, zahlen sich dagegen morgen in einer stabileren Gesellschaft mit einer besseren Infrastruktur aus. Wie der Soziologe Christoph Butterwegge schreibt, vererben sich nicht nur Schulden, sondern auch Zinsen.
Die sogenannte Generationengerechtigkeit ist also kein Prinzip, für da es sich zu kämpfen lohnt. (...). Wer seine Allianzen nur entlang von Jahrgangsgrenzen bildet, verkennt eine Grundwahrheit: Wir werden nicht immer die Jungen sein."
(aus: Meredith Haaf "Heult doch", 2011, S.221f.)

 
 
       
   

ERDMANN, Nicola (2012): Mister Right statt Mister Perfect.
Das Leben ist kein Liebesroman: Der makellose Partner ist eine Illusion,
in:
Welt kompakt v. 13.01.

 
   

BAUER, Patrick (2012): Die Hipster, die ich rief.
In Berlin-Neukölln zeigt sich: Auf die Gentrifizierung schimpfen immer die am lautesten, die damit begonnen haben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.01.

Patrick BAUER beschreibt am Beispiel der Kreuzköllner Pioniere Antje BORCHARDT und Matthias MERKLE, die seit 5 Jahren das Lokal "Freies Neukölln" betreiben, den Kreuzköllner Gentrifizierungsprozess:

"Die einst tiefgraue Weserstraße, in der das »Freie Neukölln« vor fünf Jahren die erste angesagte Lokalität war, ist die nächste beste Feiermeile Berlins. Das Stadtmagazin tip fühlte sich schon genötigt den Wandel Neuköllns mit den Achtziger Jahren in New Yorks Lower Eastside  zu vergleichen und sogar die New York Times schwärmt von einer »kreativen Welle«. Vor allem rund um das »Freie Neukölln«, im Norden des Bezirks, wegen der Nähe zum etablierten Kreuzberg »Kreuzkölln« genannt, reihen sich nun Bars, Galerien, Boutiquen und Bioläden aneinander."

Was in den 1980er Jahren in Kreuzberg der Gegensatz von Punks (oder Alternative im Sinne von Hartmut HÄUßERMANN & Walter SIEBEL) und Yuppies (gemäß BAUER eine Gruppe, die angeblich ausgestorben ist) war, das hat sich nun ausdifferenziert zu einem Kampf der Lebensstile, in dem Eltern und "kinderlose" Lebensstile (z.B. Hipster) die Hauptrolle spielen:

"Eltern mit teuren Kinderwägen und die »Hipster«, Menschen mit hoher Affinität zu sämtlichen Spielarten der Popkultur, großen Brillen, engen Hosen und Second-Hand-Parkas. Diese Bevölkerungsgruppen prägen immer dann das Straßenbild, wenn die Aufwertung eines urbanen Gebietes abgeschlossen ist - und sie führen vermutlich den vor ihnen Zugereisten vor Augen, dass sie ersetzbar sind (Hipster) oder dass ihr Lebensstil endlich ist (Eltern)."

So ganz schlüssig ist BAUERs "Gentrifizierungstheorie" jedoch nicht, denn die ebenfalls im Artikel als Problemgruppen beschriebenen "spanischen Horden" und "Easyjet-Touristen" verkörpern keine Akteure des Gentrifizierungsprozesses wie im Viertel lebende Eltern oder Hipster, sondern sind Ausdruck eines Kampfes um die Kiezökonomie.

BORCHARDT & MERKEL werden zudem von BAUER zum typischen Pionierschicksal stilisiert:

"Antje Borchardt und Matthias Merkle konnten sich ihre Fabriketage in der nahe gelegenen Sonnenallee nicht mehr leisten, obwohl das »Freie Neukölln« gut läuft, die Miete sollte um die Hälfte steigen, jetzt lebt das Paar am Potsdamer Platz."

Pioniere, die im Laufe eines Gentrifizierungsprozesses verdrängt werden, sind jedoch nur ein Pioniertypus, neben jenen, die die Seite wechseln (z.B. in den 1980er und 1990er Jahren Hausbesetzer, die zu Hausbesitzern wurden).

Der echte Hipster als Pioniertypus verschwindet aus einem Viertel, sobald ein Szeneviertel wie im Falle von Kreuzkölln zur Touristenattraktion geworden ist. Das ist keine Verdrängung, sondern seinem Status als Trendsetter geschuldet. Hipster, wie sie in den gegenwärtigen Gentrifizierungs-Storys charakterisiert werden, sind keine richtigen Hipster, sondern Projektionsfiguren, die Ausdruck von Interessenkonflikten sind.    

 
   

JELLEN, Reinhard (2012): Die Linke und der Sex.
Barbara Eder über linke Sex-Theorie, den Sex im Neoliberalismus und die Aufwertung der "Arsch-Zone",
in:
Telepolis v. 12.01.

 
   

GROPP, Martin (2012): Lieblose Liebesmakler.
Kampf der Partnervermittlungen: Sieben Millionen deutsche Singles suchen ihr Liebesglück im Internet. Der Wettbewerbsdruck auf die Online-Partnervermittlungen wächst – sie bekriegen sich vor Gericht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.01.

 
   

MÜHL, Melanie (2012): Bundesministerin für Wasnochmal?
Für diese Woche kündigt Kristina Schröder eine programmatische Rede an. Zeit wird’s, denn die belasteten Familien hatten bisher wenig von ihr,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.01.

"Dass Kristina Schröder Familienministerin ist, hindert sie nicht daran, sich, sobald es um Familienpolitik geht, hinter dem Begriff der Wahlfreiheit zu verschanzen, der nichts weiter als ein Euphemismus ist und die Tatsache beschönigt, dass jeder von uns gezwungenermaßen Prioritäten setzt. Die Wahlfreiheit entpuppt sich spätestens dort als leeres Versprechen, wo Krippenplätze fehlen. In Deutschland ist das leider ziemlich häufig der Fall", meint Melanie MÜHL.

 
   

Thilo Sarrazin - Deutschland schafft sich ab

SEIBEL, Andrea & Henryk M. BRODER (2012): "Das ist die Wut der Pharisäer".
Thilo Sarrazin erklärt, wie sein Buch ihn veränderte und warum er der SPD treu bleibt,
in:
Welt v. 10.01.

 
   

A. F. Th. van der Heijden - Tonio

BUCHELI, Roman (2012): Ein Schmerzensbuch.
Der niederländische Schriftsteller A. F. Th. van der Heijden widmet seinem verstorbenen Sohn ein Requiem,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 10.01.

 
   

GERBER, Steffen (2012): Allein, allein.
In Dortmund und Aachen leben viele Singles,
in:
WAZ Online v. 09.01.

 
   

PEITZ, Dirk (2012): Mein Bauch gehört mir.
Hey, Baby: Wie Beyoncé die Familiengründung ins Geschäftsmodell der ewig verfügbaren Pop-Braut einbaut,
in:
Welt am Sonntag v. 08.01.

 
   

SCHAAF, Julia (2012): Das sind Wunden, die man hat.
Wiederholen Scheidungskinder als Erwachsene die Fehler ihrer Eltern? Wissenschaftler sprechen sogar davon, das Scheidungsrisiko sei vererbbar. Betroffene suchen Wege zwischen Beziehungsphobie und Nähe,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.01.

 
   

UIrich Beck & Elisabeth Beck-Gernsheim - Fernliebe

WIDMANN, Arno (2012): Der Orgasmus und Globalisierung.
Fernliebe: Ein Buch über Fernliebe lässt uns mitten in der Gegenwart Geschichte erkennen,
in:
Magazin der Berliner Zeitung v. 03.01.

 
   

DAVID, THomas (2012): Erkenntnis und Erlösung.
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu über seine Bücher, seine Arbeit und die Sehnsucht der Deutschen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 07.01.

 
   

GREIF, Mark (2012): Eine uralte Sehnsucht.
Das politische Ideal hinter den Occupy-Protesten ist die Ordnung einer typischen Kleinstadt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.01.

 
   

POMPL, Moritz (2012): Späte Väter, kranke Kinder?
Nicht nur der Nachwuchs spät gebärender Frauen ist erhöhten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt - auch die Kinder älterer Männer sind bedroht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.01.

 
   

SCHMITZ, Thorsten (2012): Wir werden das Kind schon schaukeln.
Obwohl die Hürden in Deutschland noch immer hoch liegen, entscheiden sich immer mehr schwule Paare für Nachwuchs,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.01.

 
   

BOSBACH, Gerd (2012): Albtraum Demographie.
Die Deutschen sterben aus, die Rente ist nicht sicher. Wie mit der Bevölkerungsstatistik Angst gemacht wird,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.01.

 
   

ROTH, Steffen (2012): Wenn das Kind der Managerin mehr wert ist.
Beim Elterngeld werden sozial schwächere Bevölkerungsschichten bewusst benachteiligt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.01.

 
   

UIrich Beck & Elisabeth Beck-Gernsheim - Fernliebe & Eva Illouz - Warum Liebe wehtut

FESSMANN, Meike (2012): Wo das Innerste zu Markt getragen wird.
Entzauberung oder Verzauberung? Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim und Eva Illouz untersuchen in ihren Büchern "Fernliebe" und "Warum Liebe wehtut" die Zukunft der Liebe,
in:
Tagesspiegel v. 01.01.

 
   
NEON-Titelgeschichte: Willst du Kinder?
Wie
man den richtigen Zeitpunkt findet, um Eltern zu werden

BAUER, Patrick & Meredith HAAF (2012): Jetzt ein Baby?
Den perfekten Zeitpunkt für ein Kind gibt es nicht. Unser Autorenpaar versuchte trotzdem, über ihn nachzudenken. Und dann kam natürlich alles anders,
in: Neon,
Januar

"Ich habe immer zu der Mehrheit der jungen Deutschen gehört, die sich laut »Monitor Familienleben« des Allensbach Instituts eigenen Nachwuchs vorstellen kann: 52 Prozent möchten ganz sicher Kinder, 26 Prozent vielleicht",

schreibt Meredith HAAF unter Rückgriff auf die Umfrage des Jahres 2010, obwohl es bereits eine aktuellere Umfrage aus dem Jahr 2011 gibt.

Ein solch norminalistischer Schreibstil hat sich im Zuge der Bildungsexpansion ausgebreitet, weil er die Akademisierung der Gesellschaft wiederspiegelt.

Normal ist heutzutage identisch mit repräsentativ, d.h. mittelschichtorientiert. In Bevölkerungsumfragen wie dem Monitor Familienleben wird in der Regel das Abweichende (Ausländer und Wohnsitzlose/Heimbewohner) von vornherein ausgeschlossen.

Was heißt aber zur "Mehrheit der jungen Deutschen zu gehören" genau? Die Daten, die Meredith HAAF präsentiert, entstammen der nachfolgenden Tabelle.

Tabelle: Kinderwunsch
Quelle: Monitor Familienleben 2010, S.10 (hier als PDF-Datei)

Junge Deutsche heißt Allensbach-korrekt: 16-50 jährige Kinderlose. Was jedoch erstaunt: Der Begriff "kinderlos" wird in der 69seitigen Broschüre nicht definiert. Der Statistikanhang weist Daten über Geschlecht, Familienstand und Haushaltsgröße aus. Warum nicht den Anteil der Kinderlosen/Eltern?

Heißt das nicht, dass der Anteil Kinderloser/Eltern gar nicht repräsentativ ist? Oder warum würde man das sonst verschweigen? Oder was am wahrscheinlichsten ist: kinderlos heißt in dieser Umfrage nicht ein Kind zu gebären/zu zeugen, sondern lediglich mit einem Kind im Haushalt zu leben. Wenn aber die Umfrage nicht trennscharf nach Kinderlosen/Eltern unterscheidet, was ist diese dann überhaupt wert?

Meredith HAAF hat ihre Story um den Gegensatz von kinderlos /schwanger aufgebaut. Dumm nur, dass die Allensbach-Umfrage und in weiten Teilen auch die Wissenschaft mit einem Kinderlosenbegriff operiert, der viel zu ungenau ist, um den Prozess des Übergangs überhaupt zu erfassen. Was hat z.B. ein Scheidungsvater, dessen Kind bei der Mutter lebt (statistischer Kinderloser) mit einem ledigen, kinderlosen Studenten zu tun? Beruht der Prozess der Entscheidung nicht auf völlig anderen Faktoren?

Und wie stellt sich die Frage für HAAF dar?

"Für Frauen ist es also Zeit für ein Kind, wenn sie in ihrem Job so viel Erfolg haben, dass ihnen die Mutterschaft diesen Job nicht mehr wegnimmt.
Oder natürlich, wenn sie auf ihre Karriere verzichten können."

Aus der Männerperspektive stellt Patrick BAUER die Sachlage dar. Angesichts des Fehlens differenzierter Daten zum Thema Vaterschaft, wird die immer beliebter werdende Pose Avantgarde früher Elternschaft eingenommen:

"65 Prozent der deutschen Frauen zwischen 26 und dreißig Jahren sind kinderlos. Väter sind bei der Geburt ihres Kindes immer älter. Und immer mehr Frauen über vierzig werden Mutter. Tatsächlich, um uns herum: nur Akademikerpaare, die es kurz vor den Wechseljahren noch geschafft hatten. Sie werden bald zu jener Mittelschicht in urbanen Wohlstandsghettos gehören, die Kinder als eine Mischung aus Lifestyle und Religion versteht".

STORZ, Franziska (2012): "Was heißt schon früher?"
Michaela Kreyenfeld, Juniorprofessorin für Demografie an der Universität Rostock, kennt gute Gründe für stetig sinkende Geburtenraten,
in: Neon,
Januar

Michaela KREYENFELD betrachtet das Kinderkriegen aus der Perspektive der Karrieremutter, der es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Die Kinderlosigkeit in Deutschland ist dann vor allem durch neue Kitas und flexiblere Arbeitszeiten zu verringern. Die Grenzen einer solchen Bevölkerungspolitik, die das Phänomen Kinderlosigkeit auf die Vereinbarkeitsfrage reduziert, zeigt dagegen Diana AUTH auf.  

 
   

Pro & Contra: Liebe mit Starthilfe.
Wir helfen dem Schicksal gerne auf die Sprünge. Beim Verkuppeln kann das gelingen - oder gründlich in die Hose gehen. Zwei Autoren, zwei Meinungen

PFEIFER, David (2012): Contra.
Als David Pfeifer Single und glücklich war, versuchten seine Freunde mehrfach, ihn sozusagen ruhigzustellen,
in: Neon,
Januar

"Das Schwierigste am Alleinsein ist, es zu bleiben. Vor einigen Jahren war ich mit der gleichen Überzeugung Single, mit der ich heute verliebt bin",

stellt PFEIFER seiner Kritik am Verkuppeln voran. Warum redet man eigentlich von Beziehungsarbeit und nicht über Biografiearbeit? Der flexible Mensch von heute muss gekonnt seine Überzeugungen wechseln, um sich selber treu zu sein.  

SCHROEDER, Vera (2012): Pro.
Vera Schroeder hat schon oft im Freundeskreis herumgekuppelt. Mit wechselhaften Erfolgen. Aber immer mit viel Liebe,
in: Neon,
Januar

 
   

KALLE, Matthias (2011): Jugendliebe.
Unser Kolumnist hat einen Mann getroffen, der nach vielen Jahren endlich seinen ersten Schwarm erobert hat. Es wäre besser ein Schwarm geblieben,
in: Neon,
Januar

 
   

Eva Illouz - Warum Liebe wehtut

BUIS, Claire (2012): Die Liebe ist ein seltsames Spiel.
Biologie, Psychoanalyse und der Feminismus haben der Liebe schwer zugesetzt, sie regelrecht entzaubert, meint die Soziologin Eva Illouz. Jetzt müsse sie sich gegen das Internet behaupten, das Sex ohne Emotionen und Partner auf Knopfdruck verspricht. Auch in der Liebe wollten wir schließlich immer mehr, bekämen aber immer weniger. Bleibt am Ende also nur die nackte Wahrheit und ein Gefühl der Leere - oder gibt es doch Hoffnung?
in: Psychologie Heute, Januar

 
   

KÖNIG, Hannes (2012): Trautes Heim - Glück allein?
Schöner wohnen boomt. Moderne Wohn- und Einrichtungstrends wie Cocooning, Homing oder das intelligente Haus, das Smart Home, erobern immer mehr deutsche Haushalte. Eine Flut von Büchern, Zeitschriften und Internetblogs versorgt uns mit Anregungen Tipps für ein perfektes Heim. Doch was steckt hinter diesen Trends? Warum spielt das Wohnen gerade jetzt für viele Menschen eine so große Rolle?
in: Psychologie Heute, Januar

Der Rückzug aus der Öffentlichkeit (Politik, Zivilgesellschaft) ins Private, den Modevokabeln wie Cocooning, Homing oder Smart Homes suggerieren, ist so alt wie die Debatte um die 68er-Generation (oder die historische Epoche des Biedermeier).

Statt die Angelegenheit politisch zu fassen wie der Sozialwissenschaftler Albert O. HIRSCHMANN ("Engagement und Enttäuschung") oder lebenszyklisch bzw. demografisch wie Holger RUST, zieht KÖNIG die Psychoanalyse zu Rate, die hier Regression, Sehnsucht nach dem "vorgeburtlichen Paradies der vollkommenen Sorglosigkeit und Rundumbetreuung" bzw. die "Idealisierung der Gebärmutter" am Werke sieht. Da die Gebärmutter so alt wie die Menschheit ist, benötigt die Psychoanalyse jedoch Zusatzannahmen, um historische Trends "erklären" zu können. Dafür eignet sich so ziemlich alles: Zeitalter des Narzissmus, Terrorismus, technologischer Fortschritt, Wirtschaftskrise usw.

Wenn der Deutsche sich in die Öffentlichkeit wagt, gilt er derzeit als Wutbürger. KÖNIG schreibt dazu:

"Im Wohnen können wir unseren brüchigen Selbstwert stabilisieren, an dem in der Öffentlichkeit dauernd gekratzt wird. Und in der speziellen Art und Weise, in der wir unser Heim inszenieren, können wir sogar die gestohlene Individualisierung symbolisch nachholen." 

 
   

TSA (2012): Und am Schluss: das Alter.
Wir gewinnen immer mehr Lebensjahre. Doch sind es auch gesunde Jahre?
in: Psychologie Heute, Januar

TSA stellt eine Studie von Andreas MERGENTHALER, über die bereits in Bevölkerungsforschung Aktuell Nr.5/2011 berichtet wurde. Anhand des Vergleichs der 1911-1926 Geborenen mit den 1917-1932 Geborenen kommt MERGENTHALER zu dem Schluss, dass ältere Menschen trotz steigender Lebenserwartung weder weniger noch mehr gesunde Jahre im Alter genießen können. Es wurden jedoch keine Gesundheitsdaten erhoben, sondern nur das subjektive Empfinden.

Die Frage, ob Menschen, die einen oder zwei Weltkriege überlebt haben, Rückschlüsse auf Menschen, die nur Friedenszeiten kennen, erlauben, bleibt in beiden Beiträgen außen vor. 

 
       
 

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Bernds@single-dasein.de Stand: 23. Januar 2012