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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 06. Juli 2017: [01.07.] [02.07.] [03.07.] [04.07.] [05.07.] [06.07.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Lob der Mittelstadt

"Das in den Medien gehegte Schreckensbild einer sich verhärtenden Provinzbastion aus populistischem Ressentiment bedarf ebenso einer Revision wie die unterstellte Aura der jung-dynamischen Metropolen. (...).
Auf die Frage nach dem Ort jener Dynamik, die intellektuelle Erneuerung und die Expansion des Kapitals gleichermassen beflügelt, haben vor allem die deutschsprachigen Kulturen eine altehrwürdige Antwort gegeben. Ihr Kern war das heute unwahrscheinlicher denn je wirkende Motiv von der Provinz als einzigem Ort starken Denkens. Vor allem die thüringischen Kleinstädte Weimar und Jena, aber auch Freiburg, Tübingen und Heidelberg, Marburg, Göttingen und Halle weckten schon um 1800 Bewunderung aufgrund vielfacher Erneuerungsbewegungen, die dort begonnen hatten und weithin Resonanz fanden. (...).
Doch nicht etwa in die Metropolen ist die Energie dieses Geistes gezogen, sondern in eine andere Lage der Provinz. Die zwanzig besten Universitäten unserer Zeit, Harvard, Stanford, Princeton und Yale etwa, Cambridge, Oxford und die ETH, gehören zu Städten, die schon allein aus Quantitätsgründen nicht als globale Metropolen gelten können. Dies trifft vor allem auf das Silicon Valley als jene kompakte Kreativzone zu, deren Erfindungen während der vergangenen drei Jahrzehnte den globalen Alltag grundlegend verändert haben.
Google, Apple, Oracle und die meisten jener Startups, die Weltmarken geworden sind, haben Adressen in Mountain View, Sunnyvale oder Palo Alto, in Gemeinden mit etwa sechzigtausend Einwohnern, welche die fünfzig Kilometer zwischen den kleinen Millionenstädten San Francisco und San Jose ausfüllen."
(Hans-Ulrich Gumbrecht "Suburbia!" in der Neuen Zürcher Zeitung v. 07.07.2017)

 
       
       
   

06.07.2017

 
       
   

CONRAD, Andreas  (2017): Stadt, Land, Kuss.
Heute feiert die Welt den Internationalen Tag des Kusses - die Hauptstadt kann auf eine lange Knutschtradition zurückblicken. Eine Kulturgeschichte von sozialistischen Bruderkuss bis zum Radiosender "Kiss FM",
in:
Tagesspiegel v. 06.07.

 
       
   

THORWARTH, Katja (2017): Deutscher Verkehr.
Die AfD teilt mit, "wir" machten unsere Kinder selber. Es wird auch Zeit, denn unsere eingeborenen Frauen haben lange geschwächelt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 06.07.

Katja THORWARTH tut so, als ob die AfD mit ihrem Gedankengut weit weg wäre vom Medienmainstream. Tatsächlich ist das völlig falsch. Selbst die braun-gelbe FDP hat das "Down Breeding" beklagt und Thilo SARRAZIN hat bekanntlich als SPD-Mitglied die Gebärarmut der deutschstämmigen Akademikerinnen beklagt, um nur die krassesten Fälle aus der Mitte der Gesellschaft zu nennen. Wer das unter den Tisch kehrt, der leugnet die Konvergenz von neuer Mitte und Neuer Rechte seit der Jahrtausendwende! Es ist diese Verlogenheit des Medienmainstreams, der der AfD erst zu ihrem Renommee als wählbare Partei für rechtschaffene Bürger verholfen hat.  

 
       
   

Der DIW-Wochenbericht Einkommen in den Medien

KAUFMANN, Stephan (2017): Das Billionengeschenk.
Ökonomen erwarten deutlich höhere Erbschaften als bislang gedacht. DIW empfiehlt, Steuerreform zu überdenken,
in:
Frankfurter Rundschau v. 06.07.

 
       
   

STAIGER, Martin (2017): Frau Hubers schmale Rente.
Gastwirtschaft: Warum Altersarmut per Definition kein Problem ist,
in:
Frankfurter Rundschau v. 06.07.

 
       
   

SCHÄFERS, Manfred (2017): 63.163 Euro schrumpfen zu 35.881 Euro,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.07.

Manfred SCHÄFERS stellt zwei Berechnungen des Bundes der Versicherten vor: die eine für das Jahr 1997 und die andere für das Jahr 2007. Damit will SCHÄFERS die Probleme der Lebensversicherer belegen, eher aber zeigen die Beispiele auf, wie Lebensversicherer ihre Probleme auf die Versicherten abwälzen dürfen. Der Artikel muss im Zusammenhang mit den Bestrebungen der Versicherungen gesehen werden, sich weitere Entlastungen zu verschaffen.

 
       
   

ZIMMER, Matthias (2017): Die Axt der sozialen Gerechtigkeit.
Der Sozialstaat ist voller Klippen - es gibt zahlreiche Konflikte, die sich nicht einseitig auflösen, sondern nur ausbalancieren lassen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.07.

 
       
   

Das Forderungspapier des VDK zur Bundestagswahl in den Medien

BALCEROWIAK, Rainer (2017): Rente ohne Sorgen.
VdK fordert Sozialpolitik, die niemanden hängen lässt,
in:
Neues Deutschland v. 06.07.

 
       
   

FRITZSCHE, Andreas (2017): Groß Glienicker See verschenkt.
Brandenburg: Das Land übergibt das vor der Privatisierung gerettete Gewässer an die Stadt Potsdam,
in:
Neues Deutschland v. 06.07.

 
       
   

BUTTERWEGGE, Christoph (2017): Armut ist das Letzte.
Bundestag: Die Große Koalition hat den Armutsbericht lange verschleppt und unangenehme Wahrheiten darin getilgt,
in:
Freitag Nr.27 v. 06.07.

"Zunächst war die Debatte für den Tag vor Beginn der Sommerpause angesetzt - und das kurz vor Mitternacht. CDU und CSU (mit Ausnahme der Sozialausschüsse) hätten am liebsten ganz auf eine Aussprache zum Regierungsbericht verzichtet - zum ersten Mal seit 2001. (...). Dann geschah es aber doch bei Tageslicht, zwei Tage vor Beginn der Sommerpause des Parlaments - allerdings vor einem beinahe leeren Plenarsaal. Vielleicht 30 Abgeordnete verloren sich im Reichstag",

berichtet der Armutsforscher Christoph BUTTERWEGGE über die Debatte zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Nichts zeigt besser, wie weit die Entsolidarisierung der Gesellschaft bereits fortgeschritten ist. BUTTERWEGGE sieht die Altersarmut auf dem besten Wege zum Hauptthema des Bundestagswahlkampfes zu werden:

"Dies trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass die Union ohne rentenpolitisches Konzept auftritt."

 
       
   

LABERENZ, Lennart (2017): Lohn und Brot hinter der Wand.
Enklaven: Die 20 reichsten Länder möchten in Afrika Sonderwirtschaftszonen errichten. Nur, wem nutzen die Boomtowns eigentlich?
in:
Freitag Nr.27 v. 06.07.

 
       
   

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Die Wirkung der Einwanderer.
Schweizer Erwerbstätige wurden kaum durch Ausländer verdrängt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.07.

 
       
   

Das IMF-Policy Paper Taking Stock of Monetary and Exchange Rate Regimes in Emerging Europe in den Medien

BENZ, Matthias  (2017): Vom Vorteil einer eigenen Währung.
Das östliche Europa ist ein Labor für unterschiedlichste Geldordnungen - und bietet zahlreiche Einsichten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.07.

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

SCHUBERT, Christian (2017): Auch Macron zögert bei Steuersenkungen.
Déjà-vu in der französischen Fiskalpolitik: Entlastungen sind verschoben - einzelne Abgaben steigen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.07.

"Die Wirtschaft muss (...) auf die ersehnten Erleichterungen noch warten. Dabei lastet auf den Franzosen eine Steuer- und Abgabenquote von 47,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Damit ist Frankreich Europameister vor Belgien.",

erklärt uns Christian SCHUBERT. Im April hat das noch ganz anders geklungen, da galten der FAZ Deutschland nach Belgien als die Länder mit der höchsten Steuer- und Abgabenlast. Frankreich stand dagegen nur auf Platz 4. Neoliberale wählen also immer jene Statistik aus, die zu ihrer Argumentation am besten passt. Das Schaubild zeigt nur eine Auswahl und als Quelle wird nur EU angegeben.

Dabei handelt es sich nicht um die tatsächliche, sondern nur um die geschätzte Steuer- und Abgabenlast, denn für 2017 gibt es keine Angaben. Für Deutschland stammen die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2013. Von daher wird die Last als zu hoch ausgewiesen, weil die Rückzahlungen durch die Finanzämter fehlen. Dieses Verdummungsspiel ist unter Neoliberalen weit verbreitet.

BERG, Anna Lea (2017): "Es bleibt nur die Straße".
Der linke Sozialforscher Bruno Amable über Protest, ein neues Bürgertum und die Zukunft Frankreichs,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.07.

Interview mit dem Schweizer Ökonom Bruno AMABLE, der mit L'illusion du bloc bourgeois nach Meinung von Anna Lea BERG ein Schlüsselwerk zur politischen Situation in Frankreich veröffentlicht hat. Seine These:

"die alten Blöcke - links und rechts - sind zerfallen, aber die europafreundlichen oberen Schichten beider Lager haben sich zu einem neuen, nämlich dem »bürgerlichen Block« zusammen, der allerdings noch keine stabile soziale Basis hat." 

 
       
   

05.07.2017

 
       
   

PFEIFFER, Hermannus (2017): Alte Menschen als Profitquelle.
Für Finanzinvestoren werden Pflegeheime und andere Sozialimmobilien immer interessanter,
in:
Neues Deutschland v. 05.07.

 
       
   

RÜHLE, Alex (2017): Die neuen Riesen.
Kommunal statt national: Die Zukunft gehört den Städten, daher müssen sie auch mehr politische Macht erhalten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.07.

 
       
   

DÖRRIES, Bernd (2017): Reifeprüfung.
Ist Äthiopien das beste Afrika, das man bekommen kann? Es gibt dort moderne Trambahnen als in Köln - aber halt auch ein Regime, das mindestens so autoritär ist wie das in China,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.07.

Von Bernd DÖRRIES erfahren wir nichts über die Lage der normalen Bevölkerung in Äthiopien. Er sorgt sich lediglich um den eigenen Berufsstand. Zu Wort kommt ein Blogger und ein erfolgreicher Unternehmer:

"wir haben noch keine Mittelschicht und keine ausreichend gebildete Bevölkerung, die weiß, wie mit der Demokratie umzugehen ist",

wird der Geschäftsmann zitiert. Äthiopien gilt als afrikanisches Musterland in Sachen Geburtenentwicklung und Wirtschaftswachstum.

"Äthiopien (wurde) als einziges Land in Afrika nie kolonialisiert (...). Ausländer nennt man hier Ferangi: Fremder. Nur die Chinesen (...) gehören (...) irgendwie dazu.
Die Regierung hat vor etwa 15 Jahren damit begonnen, das chinesische Modell nach Afrika zu übertragen. Es gibt Fünfjahres und ein Einparteiensystem, das keinen Widerspruch duldet. (...) Peking exportiert Güter nach Afrika - und seine Ideologie. (...). Fast alle wichtigen Projekte in Äthipien werden mit chinesischer Hilfe gebaut".

Diese Vorherrschaft wollen die westlichen Industriestaaten nun brechen. Und hat DÖRRIES das autoritäre Regime auch kritisiert, so schließt der Artikel mit der Hoffnung, dass sich in Äthiopien dank der im westlichen Ausland studierenden Elite des Landes westliche Werte Einzug halten werden.   

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

STALDER, Helmut (2017): Rentenreform muss durch das Referendum.
Linkes Komitee bringt 70.000 Unterschriften zusammen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.07.

GROENEVELD, Sunni J.  (2017): Die Heimat in 36 Jahren.
NZZ-Thema Vorsorgevermögen und Zukunftsfonds,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.07.

Die NZZ inszeniert einen angeblich generationenübergreifenden Schulterschluss "einer Vertreterin der Jugend und ein(es) Babyboomer", die in Wahrheit beide Unternehmer sind und sich für das neoliberale Projekt eines "Zukunftsfonds Schweiz" einsetzen. Es geht also um eine neoliberale Polemik gegen die Rentenreform, deren Stoßrichtung identisch ist mit denen der NZZ-Redakteure, die bereits seit Monaten mantragleich heruntergebetet wird.

WIENER, Daniel (2017): Auf Kosten der Jüngeren.
NZZ-Thema Vorsorgevermögen und Zukunftsfonds,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.07.

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

KLINGSIECK, Ralf (2017): Macron sucht den Eroberungsgeist.
Französischer Premierminister Edouard Philippe beklagt "unerträglichen Schuldenberg"r,
in:
Neues Deutschland v. 05.07.

Ralf KLINGSIECK berichtet über den Boykott des Auftritts von MACRON in Versailles durch Jean-Luc MÈLENCHON und seine Partei La France Insoumise und die Kommunisten. Von den 577 Abgeordneten der Nationalversammlung und der 348 Senatoren blieben insgesamt rund 50 Eingeladene der Veranstaltung fern.   

 
       
   

04.07.2017

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Immer mehr Ältere arbeiten.
Zwei Millionen Beschäftigte zwischen 60 und 65 Jahren,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.07.

Seit 2014 heulen uns Neoliberale die Ohren voll, dass die Rente ab 63 der Untergang Deutschlands sei und dadurch die Entwicklung der Beschäftigung Älterer ein Desaster sei. Nun zeigen dagegen neue Zahlen des Bundesarbeitsministeriums, dass die Rente ab 63 den Trend zu immer mehr Beschäftigte im Rentenalter nur kurzfristig dämpfen, aber nicht stoppen konnte. Dies liegt auch daran, dass den Renteneintrittsalter auch bei der Rente ab 63 Jahr für Jahr in Richtung Renteneintrittsalter 65 steigt. Zudem kommen nur wenige in den Genuss einer solchen abschlagsfreien Rente.  

 
       
   

Der Verteilungsbericht 2017 des DGB in den Medien

SAUER, Stefan (2017): Nur Wohlhabende profitieren.
DGB über die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.07.

 
       
   

Das Wohnungsbaumonitoring 2016/2017 der Sächsischen Aufbaubank in den Medien

ND/DPA (2017): Leerstand, Notverkäufe und ruinöser Wettbewerb.
Sachsen: Wer in Dresden oder Leipzig eine Wohnung sucht, kann kaum glauben, dass anderswo im Freistaat eine Fülle davon leer steht,
in:
Neues Deutschland v. 04.07.

Die Agenturmeldung zitiert wortwörtlich die ersten beiden Absätze der Rubrik Große regionale Unterschiede beim Wohnungsleerstand (vgl. S.47), was nicht immer kenntlich gemacht ist.

 
       
   

Die Gebietsreform in Thüringen in den Medien

ND/DPA (2017): Eisenach will freiwillig seinen Status aufgeben.
OB Wolf: Gebietsreform in Westthüringen durchziehen,
in:
Neues Deutschland v. 04.07.

Die Oberbürgermeisterin Katja WOLF (Linkspartei) erhofft sich durch die freiwillige Fusion der kreisfreien Stadt Eisenach mit dem Wartburgkreis mehr Zugeständnisse vom Land. 

 
       
   

Der Steuerentlastungswahlkampf in den Medien

DELHAES, Daniel/HILDEBRAND, Jan/SPECHT, Frank (2017): Das Füllhorn für den Wahlkampf.
CDU und CSU haben ihr Wahlprogramm vorgelegt. Es beinhaltet viele Wohltaten. Von einer wirksamen Steuerreform wollen beide Parteien nichts wissen. Merkel und Seehofer verteilen das Geld lieber selbst,
in:
Handelsblatt v. 04.07.

HILDEBRAND, Jan (2017): "Von der linken Tasche in die rechte Tasche".
Clemens Fuest: Viele Wahlversprechen würden die Empfänger selbst bezahlen, kritisiert der Präsident des Ifo-Institut,
in:
Handelsblatt v. 04.07.

Der neoliberale Ifo-Chef kritisiert, dass die Steuerentlastung für Spitzenverdiener und Unternehmer zu gering ausfällt. Die Schlechterverdiener sind ihm dagegen egal.

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

KLINGSIECK, Ralf (2017): Ross und Reiter auf dem Absprung.
Kann sich Frankreichs Sozialistische Partei nach dem Wahldebakel neu erfinden?
in:
Neues Deutschland v. 04.07.

Ralf KLINGSIECK berichtet über die Austritte von Manuel VALSS und Benoit HAMON aus der Sozialistischen Partei. Ersterer, um sich En Marche anzuschließen, letzterer um noch eine linke Bewegung zu gründen. Aufgrund des Verlusts von 251 Mandaten in der Nationalversammlung steht die Partei nicht nur ideologisch, sondern auch finanziell vor großen Problemen.

VEIEL, Axel (2017): Revolution von oben.
Präsident Macron verordnet der französischen Republik royale Würde,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.07.

WIEGEL, Michaela (2017): Im Reich des Sonnenkönigs.
Macron versucht seine Zuhörer im Schloss von Versailles mit seinem Veränderungswillen anzustecken. Den Vorwurf, sich als Monarch zu gerieren, weist er scharf zurück,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.07.

Michaela WIEGEL stützt den Personenkult um MACRON durch eine wohlwollende Interpretation des Auftritts in Versailles.

MAYER, Helmut (2017): Einige Schemen linker Hand.
Frankreich als Beute einer "extremen Mitte", die es mit dem neuen kleinen Napoleon Macron hält? So stellten Pascale Fautrier und Claus Josten unlängst die französischen Verhältnisse nach der Wahl im Nachbarland dar. Eine Replik,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.07.

 
       
   

03.07.2017

 
       
   

EUROSTAT (2017): Mai 2017: Arbeitslosenquote im Euroraum bei 9,3%,
in: Pressemitteilung des statistischen Amt der Europäischen Union v. 03.07.

 
       
   

MÜCK-RAAB, Marion (2017): Gene und Geburtskanal.
Justiz: Kommission legt Abschlussbericht zur Reform des Abstammungsrechts vor. Mehr Rechte für genetische Väter und lesbische Partnerinnen,
in:
TAZ v. 03.07.

 
       
   

PAULITSCH, Lina (2017): "Unbeliebte sterben früher".
Der amerikanische Psychologe Mitch Prinstein darüber, wie sich Beliebtheit in der Jugend auf das spätere Leben auswirken kann,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.07.

Der Psychologe Mitch PRINSTEIN behauptet, dass es zweierlei Arten von Beliebtheit gibt: persönliche und öffentliche Beliebtheit, die dann in einen simplen Gegensatz gebracht werden: Wer öffentlich beliebt ist, der rangiert auf der persönlichen Beliebtheitsskala unten, was die Schlagzeile als "unbeliebt" tituliert. Wechselwirklungen oder Ambivalenzen werden bei dieser Darstellung ausgeblendet. Im Wesentlichen geht es um die übliche Kritik an sozialen Netzwerken, die einen "außengeleiteten Charakter" (RIESMAN) bzw. narzisstischen Typus fördern, statt Beziehungsfähigkeit (andere sagen auch Sozialkapital).  

 
       
   

FROMME, Herbert (2017): Generali kürzt Privatrenten.
Tausende Kunden des Versicherers bekommen weniger Geld,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.07.

 
       
   

Die Studie Vorstandsversorgung im DAX 2016 in den Medien

NEUSCHELER, Tillmann (2017): So viel Pension erhalten die Dax-Chefs,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.07.

Ausführlicher als die FAZ berichtet der Artikel 253 Millionen CEO-DBO auf lbav.de über die Studie.

 
       
   

KÜPPER, Mechthild (2017): Nieder mit dem Bananenlandkreis!.
Der Neuzuschnitt der kreise in Brandenburg ist keine technische Angelegenheit, sondern ein Thema, bei dem die Emotionen in Wallung geraten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.07.

"Brandenburg wächst - um das in seiner Mitte liegende Berlin herum - und schrumpft zugleich - an der Peripherie. Die idyllische Uckermark hatte 1995 noch gut 160.000 Einwohner. 2014 waren es noch 121.000. Die Prognosen deuten darauf hin, wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Mike Bischoff (...) sagte, dass »die Hälfte aller Brandenburger auf gerade mal zehn Prozent der Landesfläche« leben werden. Andere Regionen werden voraussichtlich weniger als 30 Einwohner pro Quadratkilometer zählen können (...). Schon 2011 fand das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: »Sechs der 20 deutschen Kreise mit den stärksten Wanderungsverlusten liegen in Brandenburg. Genauer: an dessen Rand«",

beschreibt Mechthild KÜPPER die Lage in Brandenburg, das mit einer Gebietsreform Besserung verspricht. Sie singt uns außerdem das Lied von der unaufhaltsamen Abwärtsspirale vor:

"Wenn erst einmal die Schule geschlossen ist, weil nicht genug Kinder auf der Welt sind, wenn die Gaststätte schließt, und der letzte Lebensmittelladen, wenn der praktische Arzt in den Ruhestand geht und die Wege immer länger und die Menschen immer älter werden, dann sinkt die Stimmung. Und je gedrückter die Stimmung, desto schwieriger wird des für die aktiven Bürger, ehrenamtlich betriebene neue Strukturen zu etablieren."

Dies ist aber nur die halbe Wahrheit, denn die Politik hilft kräftig mit bei der Abwärtsspirale, indem sie mittels Bund-Länder-Finanzausgleich die Abwärtsspirale zusätzlich befördert:

"Im System des Bund-Länder-Finanzausgleichs führt Bevölkerungsverlust zu Einkommensverlusten, nicht nur für das Land, sondern auch für die Kommunen".

Dies aber müsste nicht sein, wenn in diesem System - wie in machen Ländern der Fall - der demografische Wandel bei den Zuweisungen berücksichtigt würde. Denn nicht der demografische Wandel ist das Problem, sondern die Strukturschwäche mancher Regionen., die durch den Wettbewerbsindividualismus befeuert wird.

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

WÜPPER, Gesche (2017): Eine Zahl setzt Präsident Emmanuel Macron gehörig zu.
Noch immer wächst der Schuldenberg in Frankreich schneller als von der EU erlaubt. Harte Einsparungen stehen an. Widerstand droht,
in:
Welt v. 03.07.

Gesche WÜPPER würde den Franzosen gerne bei den Beamten und Renten kürzen. Dazu bietet der französische Rechnungshof den gewünschten Steilpass, den Neoliberalen gerne anderen überlassen, um ihre Politik als alternativlos deklarieren zu können.

 
       
   

02.07.2017

 
       
   

MAU, Steffen (2017): Der neue Bewertungskult.
Ob auf Reisen, beim Online-Einkauf oder bei der Partnersuche: Jeder bewertet jeden. Das bringt alle auf Trab und zwingt sie, einen guten Eindruck zu machen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.07.

Das Buch Das metrische Wir. Über die Quantifizierung des Sozialen von Steffen MAU hätte spannend sein können, aber es klammert die wirklich wichtigen Fragen allesamt aus oder bleibt an der Oberfläche. So kommt das Kapital Vom Konflikt der Klassen zum Wettbewerb der Individuen, das hätte zentral sein müssen, über Banalitäten nicht hinaus. Die Demografisierung der gesellschaftlichen Probleme bleibt sogar gänzlich außen vor, obwohl dies doch eines der zentralen Punkte einer Quantifizierung des Sozialen ist. Stattdessen konzentriert sich das Buch auf die in den Mainstreammedien beliebte Kritik sozialer Medien und der Beliebtheitrankings, die eher Symptome als Ursache sind. MAU ist selbst Teil des Problems, denn auch wissenschaftliche Publikationen müssen sich auf dem Beliebtheitsmarkt behaupten. Wer nicht die Mainstreammedien und deren Lieblingssujets bedient, der wird ignoriert. Von daher ist dieses Gejammer verlogen.

 
       
   

KÖRTE, Peter & Claudius SEIDL (2017): Er fiel im Kampf gegen sich selbst.
Oskar Roehler hat "Subs" von Thor Kunkel verfilmt. Ein Gespräch über einen Autor, der mit rechten Gedanken flirtet, Ressentiments und Roehlers Roman "Selbstverfickung", der demnächst erscheint,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.07.

 
       
   

01.07.2017

 
       
   

SCHLOEMANN, Johan (2017): Gemeinsame Veranlagung.
Bedroht die "Ehe für alle" eine uralte, ewige Institution? Diese Angst verkennt, welchem dramatischen Wandel sie schon lange ausgesetzt ist,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.07.

Rund eine Woche wurden alle drängenden sozialen Probleme vom Thema Homo-Ehe beiseite geschoben. Nun da der Bundestag die Homo-Ehe, die alles andere als eine Ehe für alle ist, beschlossen hat, kommt noch die Nachlese dazu:

"wer Angst vor Adoptionen durch bürgerlich lebende Homosexuelle hat, die gar nicht massenhaft erfolgen werden, kann sich noch eine weitere Zahl vor Augen führen: Von den bisherigen Ehen in Deutschland sind 7,7 Millionen mit Kindern, aber 9,7 Millionen kinderlos",

will uns Johan SCHLOEMANN weismachen, denn von so vielen kinderlosen Ehen kann nicht die Rede sein, höchstens man benutzt wie SCHLOEMANN den Haushaltsbergriff, um Paaren mit Kindern ihre Kindern wegzurechnen. Würde man alle Kinder hinzurechnen, die bereits zuhause ausgezogen sind und alle Ehen von jungen Paaren, die noch Kinder wollen, dann würden die 9,7 Millionen Ehen, die angeblich kinderlos sind, ganz stark zusammenschrumpfen. In Deutschland gibt es gerade einmal 20 Prozent lebenslang Kinderlose, die meist unverheiratet sind. In einer Publikation des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2012 heißt es, dass gerade einmal 9 Prozent der Ehen des Geburtsjahrgangs 1959 - 1963 im Jahr 2008 kinderlos waren und damit als lebenslang kinderlos gelten können (vgl. Tabelle S.30). Diese Größenordnung dürfte auch für Ehen von Jüngeren gelten, wenn deren reproduktive Phase abgeschlossen ist. Richtig müsste es deshalb heißen, dass in 9,7 Millionen Haushalten von Verheirateten gerade keine Kinder leben.    

 
       
   

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2017): Eine Regel für die Rente.
Wann dürfen Arbeitnehmer in Rente gehen? Reicht das Geld im Alter aus? Fragen wie diese werden im Wahlkampf emotional ausgeschlachtet. Um die Rente wirklich sicher zu machen, braucht es Fakten, statt gefühlter Wahrheiten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.07.

Die Mainstreammedien verkaufen uns Deutungen neuerdings als Wahrheit, als ob nicht jedes Schulkind in der Schule lernen müsste, dass es keine Fakten an sich gibt, sondern immer nur Interpretationen von empirischen Ergebnissen.

Axel BÖRSCH-SUPAN gilt dem neoliberalen Medienmainstream als eine Art Rentenpapst, der uns den reinen Glauben einschenken soll. Dazu stilisiert sich BÖRSCH-SUPAN zum Wahrheits-Checker. Das gelingt am besten, wer sich das Ausmaß der zukünftigen Alterarmut vornimmt. BÖRSCH-SUPAN redet von 5 Prozent, was harmlos erscheint, wenn man sich das Ausmaß nicht quantitativ vor Augen führt, denn bereits heute gibt es über 20 Millionen Rentner. Bliebe die Anzahl nur gleich, dann wären das bereits 1 Million Menschen in Altersarmut. Da aber die Anzahl der Rentner steigt, bedeuten diese 5 Prozent in 25 Jahren eher 2 Millionen Menschen in Altersarmut. Kann man dies so schönreden wie BÖRSCH-SUPAN dies tut?

Der zweite Eckpfeiler der Argumentation lautet: die Demografie ist uns sicher:

"Die demografische Entwicklung bis 2045 beruht (...) weitgehend auf Fakten, an denen sich nichts mehr ändern lässt. (...). Migrantenströme (sind) im Vergleich zum Fehlen eines Drittels der jüngeren Generation klein".

Daran stimmt wenig. Keine einzige Bevölkerungsvorausberechnung, die von den Ökonomen zur Rentenpolitik benutzt wird, berücksichtigt die Geburtenrate angemessen, die inzwischen schon bei 1,5 (TFR) liegt und bei den in den 1970er Jahren Geboren sogar bei 1,6 liegt. Es ist ein Mythos, dass ein Drittel des Nachwuchses fehlt. Denn die sogenannte "Nachwuchslücke" liegt nur bei ca. 20 Prozent, da nicht alle Geborenen auch ins Rentenalter kommen und nur 50 Prozent überhaupt jenes Alter erreichen, die als Lebenserwartung in die Rechnung eingehen. Hinzu kommt, dass durch den Anstieg des Erstgebäralters die Geburtenrate niedriger erscheint als sie tatsächlich ist. Es gibt deshalb Rechenansätze, die diese Verzerrungen herausrechnen, die jedoch in Deutschland erst seit kurzem überhaupt diskutiert wurden, weil das dem neoliberalen Horrordiskurs zuwiderläuft.

Abgesehen davon soll mit dem Demografiefaktor alles verschleiert werden, was die Entwicklung der gesetzlichen Renten unsicher macht, denn die Demografie ist keineswegs der entscheidende Faktor, sondern die wirtschaftliche Entwicklung und die Entwicklung der Rentner im Verhältnis zu den sozialversicherungspflichtigen Beitragszahlern - und dieses Verhältnis ist relativ unabhängig von der Entwicklung des Altenquotienten, d.h. der Entwicklung der Erwerbsfähigen. Davon lesen wir nichts bei BÖRSCH-SUPAN, der lediglich Ablenkungsmanöver zu bieten hat. So wird z.B. die Senkung des Rentenniveaus in ihren Auswirkungen verharmlost:

"Da die Löhne aber im langfristigen Durchschnitt um etwa 1,5 Prozent pro Jahr kaufkraftbereinigt ansteigen, bleibt immer noch ein ganzes Prozent Kaufkraftsteigerung pro Jahr für die Rente übrig",

erzählt uns BÖRSCH-SUPAN. Weder die Inflation noch die Lohnentwicklung ist jedoch eine feststehende Größe, sondern abhängig von zukünftigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Sie kann höher, aber auch geringer ausfallen. Hinzu kommt, dass die Rentner im Vergleich zu den Erwerbstätigen immer weniger in der Tasche haben. 0,5 Prozent im Jahr ergeben in 10 Jahre 5 Prozent und in 20 Jahren sogar 10 Prozent Differenz zwischen Rente- und Lohnentwicklung. Dass dadurch die Teilhabe von Rentnern am gesellschaftlichen Leben immer stärker eingeschränkt ist, ist wohl jedem einleuchtend, sofern er nicht wie BÖRSCH-SUPAN ein Anwalt des Kapitals ist.

Ganz haarsträubend wird es, wenn BÖRSCH-SUPAN die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung rechtfertigt:

"Bisher schlug sich die längere Lebenszeit fast ausschließlich in einer längeren Rentenbezugszeit nieder, und zwar in einer erheblich längeren: Seit 1957 hat sich die Dauer der Rente von neun Jahren auf mittlerweile 20 Jahre mehr als verdoppelt. Sie würde bei einem unveränderten Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2045 um weitere sieben Jahre ansteigen. Stabil ist die umlagefinanzierte Rente aber nur, wenn die Proportionen zwischen Lebensarbeitszeit und Rentenbezugszeit unverändert bleiben."

Daran stimmt nur sehr wenig, denn BÖRSCH-SUPAN blendet bei dieser Betrachtung alles aus, was Einfluss auf die Stabilität der Rentenentwicklung hat: z.B. der Bezugskreis derjenigen, die Renten beziehen. Dieser Personenkreis hat sich seit 1957 stark erweitert, am stärksten durch die Wiedervereinigung mit der Millionen Rentner ohne Beitragszahlung aufgenommen wurden. Auch andere Erweiterungen des Personenkreises, die niemals Beitrag gezahlt haben gehört hierzu. Sowohl Erziehungszeiten als auch Pflegezeiten führen zu Rentenantwartschaften. Wenn es um die Stabilität der Rentenversicherung geht, dann spielen die versicherungsfremden Leistungen eine große Rolle, denn sie verringern die Stabilität, wenn sie den Beitragszahlern aufgebürdet werden - wie das immer öfter der Fall ist. Die Instabilität ist also keine Sache der Demografie, sondern der politischen Entscheidungen.

Der Soziologe Gerhard BÄCKER ist ein entschiedener Gegner des technokratischen und demokratiefeindlichen Konzepts einer Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Sie ist menschenverachtend, weil sie jene 50 Prozent, die früher sterben einer Umverteilung von Arm zu Reich unterwerfen, denn nichts anderes wäre diese Kopplung, wenn sie nicht durch kompensierende Maßnahmen abgefedert würde. Davon ist aber bei BÖRSCH-SUPAN und anderer Verfechter bislang nichts zu lesen gewesen, denn ihnen geht es nur um Kostensenkungen und nicht um Menschenwürde. Diesem gravierendem Problem widmet BÖRSCH-SUPAN nun wenigstens einen sehr kurzen Abschnitt seines Essays:

"Geringverdiener (...) sind durch eine längere Lebensarbeitszeit doppelt von Altersarmut bedroht. Menschen, die im Erwerbsleben wenig verdienen, haben oft auch körperlich anstrengendere Berufe, die ihre Gesundheit belasten. Viele von ihnen werden nicht bis zu einem immer höheren Alter arbeiten können. Daher verlangt eine dynamische Anpassung des Rentenalters an die durchschnittliche Lebenserwartung klare Ausnahmen für diejenigen, deren Erwerbsfähigkeit gesundheitlich gemindert ist. Die derzeitige Erwerbsminderungsrente fällt recht knapp aus."

BÖRSCH-SUPAN sieht also einzig in Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente die Lösung des Problems. Auch BÖRSCH-SUPAN befindet sich also im Wahlkampfmodus, denn bisher spielte das in seinen Beiträgen keine Rolle. Auch dass er die Neudefinition der Standardrente weggelassen hat, die BÄCKER als Rechentrick anprangert, ist wohl dem Wahlkampfmodus geschuldet. Nach den Wahlen oder im Kreise neoliberalen Gesinnungsgenossen kommt das sicher wieder auf die Agenda!         

 
       
   

HERTREITER, Laura (2017): Bauchzeichen.
Die Tennisspielerin Serena Williams zeigt sich auf dem Cover der "Vanity Fair" - schwanger und nackt. Ein Skandal? Wohl kaum. Aber eine jener Inszenierungen, an die man sich erinnern wird,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.07.

25 Jahre nachdem die erste nackte Schwanger das Titelbild einer Zeitschrift zierte, wird immer noch fast jedes Schwangerschafts-Titelbild wie eine Trophäe in den Mainstreammedien herumgereicht. In der angeblich vergreisenden Gesellschaft gilt das unseren Demografiefixierten als Ausweis eines politischen Akts. Meist sind es jedoch späte Mütter, um die sich die Erregung dreht. Wie wäre es also mit einem nackten schwangeren Teenager auf dem Titel. Das würde doch exzellent zu der bevölkerungspolitischen Forderjung nach jüngeren Müttern passen. Das Aufregungspotential könnte dadurch noch gewaltig gesteigert werden! Das wäre doch ein ultimativer Tipp für das AfD-Wahlplaktat. Medienaufmerksamkeit gewiss.

 
       
   

BURFEIND, Sophie (2017): Scherbenhaufen.
Deutschland war die Porzellanhochburg in Europa, nach der Wende zerbrach alles. Ein paar Unternehmen sind jetzt wieder erfolgreich. Wie schaffen sie das? Über eine Welt, die vom Wandel der Gesellschaft erzählt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.07.

"Leere Häuser, leere Straßen, Schaufenster, in denen zwar noch Blümchentassen liegen, an deren Scheiben aber schon diese schwarzen Schilder mit Telefonnummer hängen: »Haus zu verkaufen«. Arzberg in Oberfranken war einmal eine der Porzellanhauptstädte Deutschlands, so wie Deutschland einmal die Porzellanhochburg Europas war. Es waren 260 Hersteller, 29.000 Beschäftigte, nach der Wende brach alles zusammen. In Arzberg gab es einmal vier Porzellanfabriken, drei sind schon abgerissen, die vierte ist bald dran",

schreibt Sophei BURFEIND über den Niedergang der Porzellanindustrie in Oberfranken. Die neue Erzählung heißt nun jedoch, dass die Krise vorbei sei. Dazu präsentiert uns BURFEIND Kahla in Thüringen, das weniger durch sein Porzellanproduktion als durch seine Neonazis Schlagzeilen macht. Weitere Stationen der Reportage sind Reichenbach in Thüringen, sowie Selb  in Oberfranken und Weiden in der Oberpfalz.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2017): Rentner, Geld und die Gerechtigkeit.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos hat die Folgen der SPD-Pläne bis 2040 durchgerechnet. Und warnt vor Ungleichheiten,
in:
Welt v. 01.07.

Auf der Titelseite prangt die Schlagzeile SPD-Rentenplan kostet bis 2040 rund 650 Milliarden Euro. Das hat angeblich die Prognos AG in einem Prognos-Rentencheck exklusiv für die Welt ausgerechnet. Man meint offenbar uns leicht einschüchtern zu können mit angeblich großen Horrorzahlen, die sich schnell ändern, weil die Demografie nicht entscheidend ist. Das lässt sich z.B. an einem Vergleich unterschiedlicher Prognosstudien zeigen, die innerhalb eines einzigen Jahres veröffentlich wurden. Aus der Tabelle sind drei Studien ersichtlich, denn die Welt verschweigt uns die Annahmen der Schätzungen, die erst vor dem Hintergrund der anderen Studien ein umfassendes Bild des Jahres 2040 ergeben:

  Rentenperspektive 2040
(10/2016, Tabelle S.13)
Alterssicherung in Deutschland seit der Jahrtausendwende
(11/2016, Tabelle S.8)
Zukunft der Gesetzlichen Rentenversicherung
(01/2017, Tabelle S.19, 31)
Welt-
Artikel
  2015 2040 2015 2040 2015 2040 2040
BIP (Mrd. Euro) 2.770 3.770          
BIP pro Kopf (Euro 34.300 47.700          
Ausgaben GRV (Mrd. Euro) 275,5 669,4 243,2 450,0 243,2    
Bruttomonatslöhne (Euro) 2.730 6.510          
Rentenbeitragssatz (%) 18,7 24,0 18,7 23,8 18,7 23,0  
Bruttostandardrente (West, Euro/Monat) 1.310 2.740          
Bruttorentenniveau (%) 44,2 38,7          
Nettorentenniveau vor Steuern (%)     48,1 41,9 48,1 42,1 41,9
Bevölkerung (Mio.) 81,3 78,9 81,4 78,9 81,4    
RentnerInnen (Mio)     20,8 26,1      
Erwerbstätige (Mio.) 42,4 38,9     43,2    
sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte (Mio.)
    31,1 28,3 31,1 28,4  
Erwerbslosenquote (%) 5,1 3,5          

Da die Studien unterschiedliche Ziele hatten und unterschiedliche Zeiträume betrachteten, ergeben sich Datenlücken. Andererseits zeigt sich, dass bei den Ausgaben zur GRV für das Jahr 2015 mit Zahlen operiert wurden, die 32,3 Milliarden auseinander liegen. Dies führt im Jahr 2040 zu einer Differenz von 219,4 Milliarden Euro. Abweichungen in den Annahmen wachsen sich also über lange Zeiträume schnell zu gravierenden Fehleinschätzungen aus.

Auch die Zahlen zur Anzahl der Erwerbstätigen weichen für das Jahr 2015 um 0,8 Millionen ab.

Die Mehrausgaben von 650 Mrd. Euro sind minimal, wenn man sie vor dem Hintergrund der Steigerung des BIP bis 2040 um 1 Billion Euro betrachtet. Selbst der Wohlstand (BIP pro Kop) wächst bis 2040 rasant. Die Welt ist so feige, die Zahlen pro Jahr nicht zu nennen, was seriös wäre. Einziger Anhaltspunkt: Es wird jeweils die Differenz zwischen Nettorentenniveau vor Steuern (41,9 %) und dem stabil gehaltenen Rentenniveau von 48 % berechnet. Für das Jahr 2040 wären das 6,1 %. Sollte das Rentenniveau jedoch aufgrund positiverer Entwicklungen höher liegen, dann verringern sich die Ausgaben entsprechend. In der Prognos-Prognose 11/2016 heißt es:

"Bis zum Jahr 2020 wird das Sicherungsniveau auf 48,2 Prozent langsam absinken. Anschließend wird sich diese Dynamik beschleunigen, sodass für das Jahr 2030 mit einem Sicherungsniveau von 44,3 Prozent zu rechnen ist. Auch hier können die für die Jahre 2020 und 2030 gesteckten Mindestsicherungsziele somit voraussichtlich eingehalten werden. Im Jahr 2034 wird das Sicherungsniveau die Mindestgrenze von 43 Prozent schließlich unterschreiten und bis zum Jahr 2040 auf 41,9 Prozent absinken" (2016, S.11)

Die Entwicklung des Nettorentenniveau vor Steuern wird vom Bundesarbeitsministerium im Gesamtkonzept zur Alterssicherung zwischen 2030 und 2040 folgendermaßen beziffert, woraus abgeleitet sich folgende Differenzen zur Stabilisierung bei 48 Prozent ergeben:

  2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040
Nettorentenniveau
vor Steuern in Prozent
(geltendes Recht)
44,5 44,1 43,7 43,3 43,0 42,7 42,4 42,3 42,1 42,0 42,0
Differenz zur Stabilisierung
bei 48 Prozent (%)
3,5 3,9 4,3 4,7 5,0 5,3 5,6 5,7 5,9 6,0 6,0

Die Zahlen der Prognos AG dürften aufgrund der obigen Beschreibung vom November 2016 ähnlich lauten. Die Kosten nach 2030 verlaufen exponentiell zitiert die Welt, was vom Leser ganz anders interpretiert werden dürfte als das, was es tatsächlich bedeutet: nicht etwa eine anfangs langsam, dann aber immer schneller nach oben verlaufende Kurve, sondern umgekehrt eine immer langsamer nach oben verlaufende Kurve. Da die Welt keine Zahlen liefert, entstehen im Kopf des Lesers schnell Horrorvorstellungen - was ja offensichtlich auch beabsichtigt ist.

Fazit: Die Welt liefert wieder eine Glanzstück unseriöser Berichterstattung!  

 
       
   

HÜLSEN, Isabell (2017): Erschöpfte Stadt.
Standorte: Gera war einmal reich. Heute ist Thüringens drittgrößte Stadt pleite. Der Niedergang begann, wie bei vielen ostdeutschen Kommunen, mit der Wende. Andere rappelten sich auf. Gerad gelang das nie. Und das liegt nicht allein am Geld,
in:
Spiegel Nr.27 v. 01.07.

"Gera ist pleite. Vor drei Jahren musste Thüringens drittgrößte Stadt ihre Betriebe - die Stadtwerke mitsamt Nahverkehr und Müllabfuhr - in die Insolvenz schicken. Als erste und einzige Stadt der Republik. (...).
Mit 9,9 Prozent Arbeitslosigkeit ist Gera heute Schlusslicht in Thüringen. Mit der Arbeit gingen die Menschen. Seit 1990 ist die Einwohnerzahl um fast ein Drittel geschrumpft. Wer Arbeit hat, verdient im Schnitt knapp 26.000 Euro im Jahr, brutto. Das ist fast ein Fünftel weniger als im Bundesdurchschnitt.
Ja, Gera ist arm. Aber Geld ist nicht einmal das größte Probleme. Gera ist nicht Duisburg-Marxloh, es brennt hier nicht wie in Dortmunds Nordstadt oder in Berlin-Hellersdorf - Stadtteilen, die in Armut, Drogen und Kriminalität versinken",

beschreibt Isabell HÜLSEN die Situation der Stadt. Wenn eine Stadt beim Wettbewerbsindividualismus versagt, dann wird das gerne auf die Mentalität geschoben.

"Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Der Niedergang bringt den Frust. Aber in Gera scheint auch das Gegenteil zu stimmen. Der Frust bedingt den Niedergang. Das Bewusstsein bestimmt das Sein",

schreibt HÜLSEN das was - wäre Gera ein Dorf - als typische Abwärtsspirale gilt. Aber in Gera leben über 95.000 Einwohner.

"Gera war schon so vieles: Einkaufsstadt, Otto-Dix-Stadt. Doch jedes neue Etikett, das die Stadtoberen ihr anhefteten, brachte Enttäuschung. Nun also Hochschulstadt",

kritisiert HÜLSEN die neueste Idee, der als Alternative die Gesundheitsstadt empfohlen wird. Für eine Hochschulstadt fehle Gera die Tradition, denn Gera sei nur eine Arbeiterstadt.

"Es ist nicht so, dass Gera stirbt, im Gegenteil, die Stadt wächst sogar leicht. Im vergangenen Jahr wurden hier 782 Babys geboren, das sind 76 mehr als im Jahr davor. Über 1.300 Menschen sind in derselben Zeit gestorben. Das Wachstum verdankt Gera auch dem kleinen, aber stetigen Zuwachs von Ausländern. Sie machen inzwischen 4,8 Prozent der Einwohner aus",

heißt es zur demografischen Entwicklung. HÜLSEN greift sich einen Textilbetrieb heraus, um der Bevölkerung ihr "irres Anspruchsdenken" und ihr rechtsextremes Gedankengut vorzuwerfen:

"In Gera leben Flüchtlinge auch aus Afrika. Denen werde das Geld hinterhergeworfen, hetzt die AfD. Aber darüber, dass gut 200 Jobs an Afrika hängen, wird in der Stadt nicht geredet".

Die AfD sitzt jedoch nicht im Stadtrat - wie in so mancher ostdeutschen Gemeinde. Dagegen ist die Linkspartei stark vertreten. Die Oberbürgermeisterin ist dagegen parteilos, konnte jedoch auf die Unterstützung von CDU und FDP zählen.

 
       
   

SAUER, Stefan (2017): Hauptsache, gut versichert?
Analyse: Das Vertriebsgesetz, das Versicherungskunden vor Falschberatung schützen soll, fällt schwach aus. Die Makler haben ganze Lobbyarbeit geleistet,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.07.

Stefan SAUER berichtet nur über Einwände der Grünen gegen das am Donnerstag vom Bundestag verabschiedete Versicherungsvertriebsgesetz, das wie alle anderen schon von den Versicherungslobbyisten verwässerten Gesetze, den Kunden keine wirkliche Verbesserungen bringen werden. Die deutschen Lebensversicherer leben immer noch wie die Made im Speck, denn lautes Jammern hilft immer!

Noch am 31. Mai gab es eine Anhörung im Bundestagsausschuss. Den Stellungnahmen der 9 Verbände und Lobbyisten der Versicherungswirtschaft stand lediglich die Verbraucherzentrale als vom Staat gesponserte Versichertenanwältin gegenüber (alle Stellungnahmen und der Gesetzesentwurf vom März 2017 sind hier dokumentiert). Allein diese Übermacht zeigt die Absurdität, mit der das Kapital den Kunden gegenübertreten kann. Die Änderungen zugunsten der Versicherungswirtschaft wurden von CDU/CSU/SPD durchgesetzt.

 
       
   

FÖRSTER, Andreas (2017): Bürger gegen braune Horden.
Im Juli sollen im thüringischen Themar drei große Konzerte rechter Bands stattfinden. Erwartet werden bis zu 5.000 Neonazis aus ganz Europa. Das wollen sich die Ortsansässigen nicht gefallen lassen - sie planen eine Gegenveranstaltung,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.07.

"Themar liegt in Südthüringen, nicht weit von Hildburghausen und der Landesgrenze zu Bayern. Gut 1200 Jahre alt ist der Ort, der knapp 3.000 Einwohner hat und am Ufer der Werra liegt",

berichtet Andreas FÖRSTER über den Ort, der zur Kulisse einer Provinzposse degradiert wird. Im Zentrum steht die verschworene Gemeinschaft der Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Feldstein, die sich plötzlich mit einem Feind in den eigenen Reihen konfrontiert sieht, der ihren Widerstand zunichte macht:

"Bodo Dressel, der Bürgermeister von Grimmelshausen. Das 300-Seelen-Dorf, dem mit dem »Simplicissimus« ein literarisches Denkmal gesetzt worden ist, gehört zur »Feldstein«-Gemeinschaft. Dressel war noch als CDU-Mitglied in das Bürgermeisteramt seiner Gemeinde gewählt worden, inziwschen gehört er der AfD an und sitzt in deren Kreisvorstand."   

 
       
   

KAUFMANN, Stephan (2017): Die Kinder der Krise.
Die Generation Y, auch Millennials genannt, leidet unter einem hohen Maß an wirtschaftlicher Unsicherheit. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor Altersarmut sowie Krieg und Terror bestimmt ihre Gedankenwelt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.07.

Stephan KAUFMANN (Artikel in der Berliner Zeitung hier) mixt die Situation in Frankreich, USA und Großbritannien zu einem globalen Generationen-Cocktail zusammen:

"Man nennt sie Generation Y oder Millennials - jene, die zwischen 1980 und der Jahrtausendwende geboren wurden. Ihr Arbeitsleben und ihre Finanzen unterscheiden sich deutlich von vorangegangenen Generationen. Ihnen hat der Internationale Währungsfonds (IWF) eine eigene Analyse gewidmet. »Millennials in den entwickelten Industriestaaten begannen ihr Berufsleben während des schlimmsten globalen Abschwungs seit der Großen Depression«, so der IWF. Und sie haben mit einer ganzen Reihe von Risiken zu kämpfen: unsichere Einkommen, unsichere Jobs, unsichere Altersvorsorge. Unsicheres Leben."

Tatsächlich handelt es sich bei der Analyse um den Artikel Playing Catch-up von Lisa DETTLING &  Joanne W. HSU in der Zeitschrift Finance & Development, Ausgabe Juni 2017, die vom IWF herausgegeben wird. Das Themenheft widmet sich den Millennials and the Future of Work. Darin befinden sich auch andere zitierte Autoren wie Nagwa RIAD und Arun SUNDARARAJAN  Die Untersuchung von DETTLING & HSU bezieht sich nicht auf die Generation Y in den Industriestaaten, sondern nur auf die USA. KAUFMANN jedoch suggeriert dagegen, dass die Situation hierzulande gleich sei:

"Im Durchschnitt hat die Generation Y in den entwickelten Ökonomien ein 40 Prozent geringeres Vermögen als die Baby Boomer oder die Generation X zu ihrer Zeit, errechnet der IWF. Ein Grund dafür sei, dass die jungen Menschen heute seltener Immobilien erwerben können als früher. Gleichzeitig kommen auf sie höhere Kosten für Bildung zu, insbesondere in Ländern wie den Vereinigten Staaten. Als Folge »starten Millennials ihr Berufsleben mit wesentlich höheren Schulden als junge Erwachsene früherer Generationen«, stellt der IWF fest. Das verschärft ein weiteres Problem der Jungen: die Sicherung des Alters. »Die Renten-Landschaft hat sich dramatisch geändert, seit die in den Sechzigern Geborenen ihr Berufsleben begannen«, so der Fonds. Die meisten Staaten hätten die Rentenleistungen gekürzt. Folge: drohende Altersarmut."

Dagegen heißt es bei DETTLING & HSU hinsichtlich der USA:

"Millennials, Gen Xers, and baby boomers all experienced the economic turmoil of the Great Recession. But because each cohort was at a different stage, the recession affected each differently. Compared with the two previous generations, millennials had fewer assets and thus lower exposure to financial losses during the crisis (...). And after the Great Recession, millennials and Gen Xers began accumulating wealth again, while baby boomer net worth has stalled. Although millennials have less wealth than their baby boomer parents at the same age, the median millennial’s net worth increased more than 40 percent between 2010 and 2013, and they still have much of their working lives ahead to recover further and continue to accumulate wealth. If millennials do eventually decide to buy homes or put away a nest egg for retirement, they may have the chance to begin when markets are on an upward trajectory, allowing them to reap the gains of future economic growth."

Während KAUFMANN Pessimismus hineinschreibt, sehen DETTLING & HSU dagegen die zukünftigen Chancen. Eine Einordnung von Stefan SELL findet sich hier

 
       
   

POELCHAU, Simon (2017): Mehr Milliardäre, weniger Armut.
Branko Milanovic über die neue globale Mittelschicht, schrumpfende Ungleichheit zwischen Staaten und Migration,
in:
Neues Deutschland v. 01.07.

Die weltweite Einkommensungleichheit (im Gegensatz zur Vermögensungleichheit)  ist gemäß Branko MILANOVIC vor allem aufgrund des Aufstiegs der Mittelschichten in China, Indien, Vietnam, Indonesien und Thailand zurückgegangen. Die Migration aus Afrika wird laut MILANOVIC nicht zurückgehen, weil zum einen ein "riesiges Wohlstandsgefälle" existiert und zum anderen Afrika und Europa "sowohl geografisch als auch kulturell nah beieinander sind". Mit Kultur ist jedoch nur die Sprache gemeint, denn viele Afrikaner sprechen englisch und französisch.  

 
       
   

MARON, Monika (2017): Links bin ich schon lange nicht mehr.
Über Alternativlosigkeit im Jahr der deutschen Bundestagswahl,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.07.

Monika MARON outet sich als islamophobe FDP-Wählerin, die am liebsten Sebastian KURZ wählen würde, weil der Hype um ihn noch nicht vorbei ist.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FORSTER, Christof (2017): Die CVP marschiert nicht in allen Punkten mit der Linken.
Bei der noch offenen Frage, ob auch Frühpensionierte für Rentenverluste entschädigt werden sollen, funktioniert die bürgerliche Allianz,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.07.

SDA (2017): Frauendachverbände für Rentenreform,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.07.

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

GEIGER, Klaus & Michael HÖFLING (2017): Sind die Franzosen wirklich fauler als wir?
Unsere Nachbarn arbeiten wenig, gehen früh in Rente, müssten auch mal Hartz IV einführen. So heißt es in Deutschland oft. Doch was trifft zu, und was ist Klischee? Die Welt hat einige Voruteile überprüft,
in:
Welt v. 01.07.

Neoliberale zertrümmern gerne Vorurteile, die es ohne sie gar nicht gäbe.

"In Frankreich liegt das offizielle Renteneintrittsalter bei 62 Jahren. Wer mehr als 41,5 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, kann schon mit 60 Jahren in Rente gehen. In Deutschland müssen die Menschen drei Jahre länger arbeiten, mit der Einführung der Rente mit 67 steigt die Differenz schrittweise sogar auf fünf Jahren. Ein Unterschied, der sich auch beim tatsächlichen Rentenalter wiederfindet. In Frankreich gingen die Menschen im Jahr 2014 im Schnitt mit 59,4 Jahren (Frauen) und 59,8 Jahren (Männer) in den Ruhestand. In Deutschland liegt der Wert für beide Geschlechter bei 62,7 Jahren und damit gut drei Jahre über dem französischen Wert"

erklären uns GEIGER & HÖFLING. Die höhere Geburtenrate beschreiben sie dagegen als Entlastung, obwohl die Demografie gar nicht entscheidend ist, sondern die Entwicklung des Verhältnisses von Beitragszahlern und Rentenempfängern. Darüber lesen wir - wie auch in Deutschland - bei Neoliberalen nichts. 

 
       
   

BORCHERT, Jürgen (2017): Wer Kinderarmut sät, wird Altersarmut ernten.
Wie die herrschende Rentenpolitik unsere Demokratie aufs Spiel setzt,
in: Blätter für deutsche und internationale Politik,
Juli

Jürgen BORCHERT betrachtet die Rentenversicherung aus dem Blickwinkel der Katholischen Soziallehre, die als Anwalt der Unternehmer dazu neigt, die Arbeitnehmerschaft gegeneinander auszuspielen, um zu verschleiern, dass es um die Verteidigung der Kapitalinteressen geht. Das Rentenversicherungssystem wird deshalb nicht als Gesellschaftsvertrag, sondern nur als Generationenvertrag zu Lasten der Arbeitnehmer diskutiert. Die Ausbeutung der Arbeitskraft bleibt in diesem Rahmen außen vor. Stattdessen wird behauptet, dass die Demografie unser Problem sei und nicht etwa die Schieflage zwischen Kapital und Arbeit. Die Demografie wird von BORCHERT nicht als Gegenwartsproblem, sondern nur als Zukunftsproblem gesehen.

BORCHERT schreckt auch nicht vor Fake-News zurück, wenn er behauptet, dass die lebenslange Kinderlosigkeit heutzutage bei 27 Prozent liege, obwohl jeder nachlesen kann, dass lediglich 20 Prozent der 45-49-Jährigen (Geburtsjahrgang 1963-1967) in Deutschland im Jahr 2012 lebenslang kinderlos waren. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, weil diese nur alle 4 Jahre erhoben werden. Nicht etwa die Kinderlosigkeit, sondern der Rückgang der kinderreichen Familien ist am Geburtenrückgang in Deutschland schuld. Dies hat neuerdings selbst das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung zugeben müssen. Mit der Einengung der Problematik auf die Demografie, vernachlässigt BORCHERT die entscheidenderen Aspekte: die Produktivitätsentwicklung und die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Nicht der Altenquotient ist aussagekräftig, sondern nur der Rentnerquotient, der auch von der Arbeitslosigkeit und der Lohnentwicklung geprägt wird. Das aber leugnet BORCHERT, denn dann müsste die Schieflage von Kapital und Arbeit zur Sprache gebracht werden.   

 
       
   

STEEG, Lena (2017): Wir Zerrissenen.
Unsere Generation? Gibt es gar nicht. Die große Neon-Umfrage zum Leben im Jahr 2017...,
in: Neon,
Juli

 
       
   

HANSEN, Astrid (2017): Ehefrau werden, Feministin bleiben.
Ja, ich will: Oft heißt es, mit dem ersten Kind drohe jungen, emanzipierten Frauen der Rückfall in alte Geschlechterrollen. Unsere Autorin stellt fest: Während der Hochzeitsvorbereitungen ist die Gefahr ähnlich groß,
in: Neon,
Juli

 
       
   

LOYMEYER, Niklas (2017): Eine Geschichte von Liebe und Hindernis.
Jahrelang führt unser Autor Beziehungen mit Frauen, denen Sex schwer fällt. Er trennt sich - und hat jetzt selbst mit Anfang 30 Erektionsprobleme. Ironie des Schicksals oder gar Strafe der Götter?
in: Neon,
Juli

 
       
   

NEON (2017): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon, Juli

 
       
   

FORSCHUNGSJOURNAL SOZIALE BEWEGUNGEN-Schwerpunkt: Die neue Normalität?
Der aufhaltsame Aufstieg des Rechtspopulismus

BERGMANN, Knut/DIERMEIER, Matthias/NIEHUES, Judith (2017): Allzeit fern des Durchschnitts.
Politische Ansichten der AfD-Anhänger,
in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 2,
Juli

LEIF, Thomas (2017): Tabubruch, Provokation, Opferstatus.
Wie die AfD jenseits ihrer "bürgerlichen" Fassade Politik betreibt, offenbar ihr Strategiepier für das Wahljahr 2017,
in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 2,
Juli

WERNER, Alban (2017): Das schwächste Glied der Kette.
Die Welt im Umbruch als Gelegenheit der Rechtspopulisten,
in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 2,
Juli

 
       
   

FREISE, Matthias & Carolin SCHÖNERT (2017): Vorbeugen statt Reparieren?
Soziale Investitionen im europäischen Vergleich,
in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 2,
Juli

FREISE & SCHÖNERT unterscheiden kompensatorische Sozialprogramme (z.B. Renten und sonstige Transferzahlungen) und sozialinvestive Sozialprogramme (z.B. Vereinbarkeitspolitik, frühkindliche Bildung und aktivierende Arbeitsmarktpolitik). Aufgrund der Finanzkrise mussten kompensatorische Sozialprogramme ausgeweitet werden, weshalb sich ihnen der Verdacht aufträgt, dass

"soziale Investitionen häufig nur deshalb aufgelegt werden, um Kürzungen kompensatorischer Leistungen zu kaschieren.

 
       
   

KIESS, Johannes (2017): Aufbegehren in der Abstiegsgesellschaft.
Oliver Nachtweys Buch "Die Abstiegsgesellschaft",
in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 2,
Juli

 
       
   

MÜLLER, Melanie (2017): Der Aufstieg des Front National als Psychogramm.
Didier Eribons Buch "Rückkehr nach Reims",
in: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 2,
Juli

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

MEISTER, Martina (2017): Macrons Geheimwaffe.
Sylvie Goulard ist Frankreichs neue Verteidigungsministerin. Sie nennt Deutschland einen "idealen Partner" - und will ein neues Sicherheitsbündnis für Europa schaffen,
in:
Cicero, Juli

"Sylvie Goulard ist der Joker der Deutschen in der neuen Regierung Frankreichs",

schwärmt Martina MEISTER. Doch das Heft war noch kaum am Kiosk erhältlich, da war der Joker bereits Vergangenheit, denn Sylvie GOULARD fiel dem geplanten Gesetzt zur Moralisierung der Politik zum Opfer und damit der Parteiraison des "Saubermanns" MACRON.

"Perfekt viersprachig verkörpert sie, was man die französische Meritokratie nennt: sozialer Aufstieg einzig und allein aufgrund von Leistung",

schwadroniert MEISTER, obwohl in Frankreich - noch mehr als in Deutschland - Herkunft entscheidender ist als Leistung. Das hat zuletzt eindrucksvoll das Buch Rückkehr nach Reims von Didier ERIBON gezeigt. Unterwerfung ist der Preis des Aufstiegs heißt es dort. Unterwerfung aber ist etwas anderes als lediglich Leistung im Sinne einer Meritokratie.

 
       
   

WeltTrends-Thema: Frankreich im Umbruch

RUß-SATTAR, Sabine (2017): Das Jupiter-Modell.
Wie Emmanuel Macron wurde, was er ist, und was er will,
in:
WeltTrends, Nr.129, Juli

"Seine am Leitstern Chancengleichheit ausgerichtete sozialliberale Orientierung ist in der internationalen Presse oft mit Tony Blairs New Labour und ihrem soziologischen Chefdenker Anthony Giddens in Verbindung gebracht worden. Passender ist jedoch der Verweis auf französische Referenzen wie die um die Zeitschrift Esprit gruppierte Denkschule, die einen dritten Weg propagiert, der auf den christlichen Personalismus gründet. Eine weiteres Beispiel bildet der liberale Flügel der Sozialisten, dem der große Europapolitiker Jacques Delors und der frühere Premier und Mitterrand-Rivale Michel Rocard angehören. Letzterer hatte für die Öffnung der Parti socialiste (PS) zur Mitte geworfen und wird von Marcon, der früher einige Jahre - offenbar ziemlich passives - Mitglied der Partei war, bewundert",

erläutert die Politikwissenschaftlerin Sabine RUß-SATTAR die Wurzeln des Denkens des Ärztesohns Emmanuel MACRON.

KEMPIN, Ronja (2017): Gespaltenes Land, Ende der etablierten Parteien?
Frankreichs politisches System "in Bewegung",
in:
WeltTrends, Nr.129, Juli

"Ende der 1980er Jahre bildete sich eine bipolare Struktur des Parteiensystems heraus. Auf der politischen Linken ging der Niedergang der Kommunisten mit der Dominanz der Parti socialiste einher, auf der gemäßigten Rechten verlor die lockere Parteienföderation UDF zunehmend zugunsten der neobaullistischen RPR an Boden, bevor Teile von ihr in der 2002 gegründeten UMP und Ende Mai 2015 in Les Républicains aufgingen, die seither die dominierende Kraft im rechten Lager war. Diesem Bipolarisierungstrend fiel eine zu Beginn der V. Republik noch existierende autonome politische Mitte zum Opfer: Ihre Bestanteile ordneten sich dem linken oder rechten Lager zu oder verschwanden in der Bedeutungslosigkeit",

skizziert die Politikwissenschaftlerin Ronja KEMPIN die Herausbildung der Links-Rechts-Achse im französischen Parteiensystem. Für KEMPIN sind die Parteien durch das französische Wahlsystem auf die Rolle eines Mehrheitsbeschaffers reduziert worden. MACRON geht es gemäß KEMPIN um einen "Angriff auf den französischen Parlamentarismus", der entweder zu einer Repolitisierung oder einem "Hyper-Präsidentialismus" führen könnte.

UTERWEDDE, Henrik (2017): Frankreichs Wirtschaft.
Reformbedarf und Potenziale,
in:
WeltTrends, Nr.129, Juli

"Das Bild der permanenten Krise trifft (...) nur einen Teil der Wahrheit. Denn Frankreichs Wirtschaft, nach der deutschen die zweitstärkste in der EU, verfügt über eine erstaunliche Reihe von Stärken und Potenzialen. Seine Großunternehmen zählen weltweit zu den führenden Konzernen; in zahlreichen Branchen verfügen sie über starke Positionen (...). Darüber hinaus ist der Standort Frankreich für Unternehmensansiedlungen weiterhin attraktiv und liegt bei Ansiedlungen ausländischer Firmen direkt hinter Großbritannien und Deutschland. Faktoren wie die hervorragende Infrastruktur (Verkehr, Kommunikation, Daseinsvorsorge, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung), der gute Ausbildungsstand, die Qualität der Forschungseinrichtungen oder auch die dynamische Geburtenentwicklung tragen dazu bei",

erklärt uns der Politikwissenschaftler Henrik UTERWEDDE. Danach fährt er aber mit vier strukturellen Problemen fort, die diesem Bild geradezu widersprechen, weshalb entweder das eine oder das andere nicht stimmen kann. So ist z.B. die Infrastruktur ungleich verteilt, denn sonst dürften die Stadt-Land-Unterschiede nicht diese politische Brisanz haben, die sie in Frankreich besitzen. Die dynamische Geburtenentwicklung stellt zudem in Form einer hohen Jugendarbeitslosigkeit politischen Sprengstoff dar. Der neoliberale Blick blendet dies vollständig aus und konzentriert sich stattdessen auf den üblichen Sozialabbau als Lösung.

 
       
   

REHBERG, Peter (2017): Interview mit Didier Eribon,
in: Merkur, Nr.818, Juli

Didier ERIBON spricht über das Dasein als sozialer Aufsteiger und die Bedeutung der Homosexualität und der Herkunft aus dem Arbeitermilieu für sein Denken. ERIBON verteidigt die Minderheitenpolitik gegen jene, die darin nur ein Vehikel des Neoliberalismus sehen wollen:

"Du kämpfst um dein Überleben und jemand sagt dir, das wäre eine Art von Luxus, die dem Neoliberalismus den Weg bereitet hat! Soviel ich weiß, haben Ronald Reagan und Margaret Thatcher nicht gerade die Rechte von Lesben und Schwulen unterstützt. Wenn jemand die feministische Bewegung, die lesbisch-schwule Bewegung oder die antirassistische Bewegung als Trojanisches Pferd des Neoliberalismus bezeichnet, nehme ich ihm das sehr übel. In meinen Augen ist das eine Beleidigung gegenüber Millionen von Menschen, die für ihre Rechte gekämpft haben und immer noch kämpfen."

Aber auch ERIBON muss einsehen, dass Teile der feministischen Bewegung nicht die Sache aller Frauen vertreten, sondern einem Elitenfeminismus frönen, bei dem es nur noch um die Karriere von weiblichen Eliten geht. Dem Konzept der Intersektionalität steht ERIBON kritisch gegenüber, weil es seiner Meinung nach zu sehr vereinseitigt wird. Es ginge stattdessen darum zu zeigen,

"wie einige beherrschte und herabgewürdigte Identitäten mehr beherrscht und herabgewürdigt werden als andere, weil sie sich an der Schnittstelle mehrerer Formen von Herrschaft befinden. Und wir müssen uns (...) auf diese am meisten beherrschten und prekarisierten - oder verletzbaren - Identitäten konzentrieren."

Wessen Anliegen am dringendsten sind, das könnte durchaus für Streit sorgen, denn in welchem Rahmen soll dies geschehen? Wenn ERIBON den Mai 68 als Modell bezeichnet, das dem "linken Populismus" entgegengesetzt werden müsste, dann wird darin auch eine Überhöhung eines kurzen historischen Moments deutlich. Im politischen Alltag können solche Mystifizierungen sehr schnell zu Enttäuschungen führen. Affekte wie die Scham sieht ERIBON nicht als solide Grundlage für eine Politik.

"Hillary Clinton hat aufgrund von einhunderttausend Stimmen in vier deindustrialisierten Regionen verloren. In Großbritannien gibt es genau die gleiche Situation, und wenn man sich die Landkarte in Frankreich anguckt, sind es auch genau dieselben Leute, die für den Front National stimmen",

meint ERIBON, der den Norden Frankreich zum typischen FN-Gebiet erklärt:

"Es sind die, in denen die Kommunistische Partei oder die Sozialistische Partei früher die überragende Mehrheit hatten."

Der Süden Frankreichs passt jedoch nicht in dieses Erklärungsschema, was bei ERIBON ausgeblendet wird. Und der Einwurf von REHBERG ist wohl auch zu einfach, wenn er sagt:

"Es gibt Leute, die gebildet sind, aber nicht wohlhabend, die für Hillary Clinton gestimmt haben, so wie es umgekehrt Wohlhabende gibt, die aber ungebildet sind und die Trump gewählt haben."

Hier hat man es eher mit Ressentiments zu tun, d.h. Gebildeten wird unterstellt, dass sie CLINTON hätten wählen müssen und umgekehrt. TRUMP wäre jedoch niemals ohne die Unterstützung von Gebildeten zum Präsidenten gewählt worden.    

 
       
   

SPOERHASE, Carlos (2017): Politik der Form.
Autosoziobiografie als Gesellschaftsanalyse,
in: Merkur
, Nr.818, Juli

Der Literaturwissenschaftler Carlos SPOERHASE stellt die berechtigte Fragen, warum soziale Aufsteiger wie Didier ERIBON, Edouard LOUIS oder J. D. VANCE im vergangenen Jahr zu Experten in Sachen Unterschicht werden konnten. Er bezeichnet diese Texte als Autosoziobiografien, denn es geht in ihnen - nicht wie in Autobiografien - um

"die extensive Entfaltung einer persönlichen Lebensgeschichte, sondern um die Bestimmung der sozialen Voraussetzungen seiner eigenen (...) Haltung."

Soziale Aufsteiger haben einen gespaltenen Habitus ("habitus clivé), d.h. sie gehören weder ganz zum neuen Milieu, noch gehören sie ganz zu ihrem Herkunftsmilieu. Oder wie es Pierre BOURDIEU zugeschrieben wird:

"Er fühle sich weder der Provinz seiner Herkunft am Fuße der Pyrenäen voll zugehörig noch der radikal anderen Ankunftswelt des Collège de France im akademischen Zentrum Frankreichs."

Dem Ansatz von BOURDIEU stellt SPOERHASE den Ansatz der Philosphin Chantal JACQUET ("Les transclasses ou la non-reproduction") gegenüber:

"Mit den »Klassenüberschreitenden« (Transclasses) möchte sie einen blinden Fleck in der Soziologie Bourdieus ins Auge fassen. Die Transclasses seien keineswegs bloße Ausnahmeerscheinungen, die eine allgemeine Theorie der Reproduktion gesellschaftlicher Strukturen nicht berücksichtigten müsse. Es handele sich vielmehr um äußerst aussagekräftige Anomalien, die als Ausgangspunkt für eine generelle Theorie der Subjektivität dienen könnten. (...). Jacquet (bedient) sich in ihrem philosphisch-soziologischen Essay immer wieder literarischer Texte wie Jack Londons Martin Eden, John Edgar Widemanns Brothers and Keepers, Stendhals Le Rouge et le Noire, Annie Ernau La Place oder eben Eribons Retour à Reims. Vor allem fokussiert Jacquet auf das Genre der literarischen Autosoziobiografie.
Dabei verfährt sie in zwei Schritten: In einem ersten werden die objektiven Voraussetzungen analysiert, die den gesellschaftlichen Übergang von einer »Klasse« in eine andere »Klasse« ermöglichen: Maßgebliche Faktoren, die auch in soziologischen Studien bereits umfassend diskutiert wurden, sind einerseits Vorbilder und Paten in der Familie (also Eltern, Geschwister, Goßeltern) sowie Vorbilder und Mentoren in der Schule (also Lehrer, Mitschüler, Eltern von Mitschülern); andererseits auch institutionelle Strukturen, die den Aufstieg erleichtern wie zum Beispiel Stipendien und andere staatliche Fördermaßnahmen.
Im zweiten Schritt wird die subjektive Realität der Transclases untersucht."

In einem Beitrag auf single-generation.de wurden im März diesen Jahres die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als Voraussetzungen sozialer Aufstiege am Beispiel von Didier ERIBON und Christian BARON aufgezeigt. Die Aufsteigerin JACQUET zeichnet nicht das übliche Bild vom

"glücklichen Hybriden, der Widersprüchliches als belebende Bereicherung zu empfinden vermag. Ein Transclasse ist für sie meist ein Zerrissener, dem die Vereinigung des Inkompatiblen nicht wirklich gelingen kann - auch weil die unaufhebbare Widersprüchlichkeit seines Selbst eine nicht versiegende Quelle der Scham ist."

Für JACQUET ist eine "harmonische Identität" eine Illusion, der besonders soziale Aufsteiger verfallen. JACQUET betont die "Veränderlichkeit, Pluralität und Instabilität" von subjektiven Identitäten. Soziale Aufstiege sind deshalb für sie nicht verallgemeinerbar, sondern singuläre Ereignisse, bei denen nicht nur Liebe, Identifikation und Nachahmung die entscheidende Rolle spielen, sondern auch

"solche des drastischen Liebesverlusts, der Desaffektion, der Desidentifikation und der Antimimesis. Jacquet entwickelt einen konfliktorientierten Bildungsbegriff, der Bildung als eine Kategorie auch der Abstoßung und Aussstoßung, der Ausgrenzung und Abgrenzung zu fassen erlaubt - ein aggressiver, nicht selten auch autoaggressiver Prozess."

Am Beispiel des Buchs Hillbilly Elegie von J. D. VANCE erläutert SPOERHASE die Problematik von Erzählungen sozialer Aufsteiger:

"Seine Erkenntnishaltung ist diejenigen eines Zeugen, der selbst in der weißen Unterschicht des amerikanischen Rust Belt aufgewachsen ist, die entsprechenden sozialen Verhältnisse also am eigenen Leib erfahren hat und diese Erfahrungen mittels seiner Erzählung an eine soziale Gruppe übermittelt, die all das nicht aus eigener Anschauung kennt. Das buch zielt einerseits darauf ab, dass die »Leute verstehen sollen, wie sich Aufwärtsmobilität wirklich anfühlt«. Anderseits möchte der Autor mit seinen empathischen Schilderungen der Lebenswelt seiner Familie das Leid der weißen ruralen Unterschicht des Rust Belt verständlich machen. (...).
Ein (...) etabliertes Erklärungsmodell für die Niederlage der Demokraten bei den Präsidentschaftswahlen lautet (...), dass diese der Ignoranz einer politischen Elite geschuldet sei, die das Leid der weißen Unterschicht im Rust Belt und im Mittleren Westen schlechtweg übersehen habe. Die Geschichte des ehemaligen »Hillbilly« mit Yale-Abschluss erfährt vor diesem Hintergrund eine hohe publizistische Aufmerksamkeit und öffentliche Wertschätzung, weil sie aufgrund ihrer literarischen Form eine Innenperspektive verspricht: sowohl des einzelnen Aufsteigers als auch all jener Abgehängten, die man durch seinen Bericht überhaupt erst verstehen zu können meint."

SPOERHASE macht zu Recht darauf aufmerksam, dass die Erzählung von VANCE eine antipolitische Ideologie transportiert, die einem unpolitischen Voluntarismus in die Hände spielt. SPOERHASE verweist darauf, dass die Rahmenbedingungen der Mentalitätsbildung außer Betracht bleiben:

"Die Erklärung von Trumps Erfolg dürfte sich (...) nicht nur auf ein Verständnis der weißen Unterschicht beschränken, sondern müsste auch die Strategien derjenigen umfassen, die diese für ihre Politik instrumentalisieren."

Die dahinter stehende Ideologie bezeichnet er als "mitfühlende libertäre Politik":

"Veränderungen zum Positiven können sich demnach nur durch ein Verhalten ergeben, das den Durchsetzungswillen des Einzelnen mit Nächstenliebe verbindet. (...). Aus dieser Perspektive steht nicht kollektives Handeln im Zentrum, sondern das Handeln von Einzelnen, die mit Hilfe ihrer persönlichen Netzwerke gesellschaftlich reüssieren können."

Nicht mehr die Politik wird als Möglichkeit der Verbesserung der eigenen Lage betrachtet, sondern nur noch der individuelle Bildungsaufstieg. Vor diesem Hintergrund beschreibt SPOERHASE drei Gründe, warum soziale Aufsteiger zu den Idolen der individualisierten Gesellschaft avancieren:
1) Transclasses sind paradigmatische Intellektuelle (Gegenfigur: der Arrivist)
2) Transclasses werden als Übersetzer benötigt, um der Gesellschaft fremde Teile verständlich zu machen, wobei diese "Authentizität und Emanzipation" verbinden sollen.
3) Eine pessimistische Grundstimmung, die in kollektiver Politik keine Veränderungsmöglichkeit mehr sieht.   

 
       
 

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Bernds@single-dasein.de Stand: 08. November 2017