[[[[[ News-Hauptseite ] [ Homepage ] [ Impressum und Datenschutzerklärung ]

   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News 25.-31. August 2017
News 22.-24. August 2017
News 12.-21. August 2017
News 09.-11. August 2017
News 05.-08. August 2017
News 01.-04. August 2017
News 26.-31. Juli 2017
News 16.-25. Juli 2017
News 12.-15. Juli 2017
News 07.-11. Juli 2017
News 01.-06. Juli 2017
News 25.-30. Juni 2017
News 20.-24. Juni 2017
News 12.-19. Juni 2017
News 07.-11. Juni 2017
News 01.-06. Juni 2017
News 21.-31. Mai 2017
News 13.-20. Mai 2017
News 07.-12. Mai 2017
News 01.-06. Mai 2017
News 24.-30. April 2017
News 16.-23. April 2017
News 09.-15. April 2017
News 01.-08. April 2017
News 22.-31. März 2017
News 12.-21. März 2017
News 01.-11. März 2017

News 1-2/2017
News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 01. - 05. September 2017: [01.09.] [02.09.] [03.09.] [04.09.] [05.09.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Wie der Aktivierungsdruck in der Alterssicherung aufgrund der Probleme der privaten Altersvorsorge vermehrt zur  gesellschaftlichen Destabilisierung führt

"Die vorherrschenden Diskurse in den Leitmedien und in der politischen Öffentlichkeit verweisen (...) auf Angstmobilisierung. Im Zentrum stand und steht das Narrativ demografischer Lasten sowie die damit verbundene These von der Untragbarkeit erhöhter Soziallasten (auch für die gesetzliche Rentenversicherung) im globalisierten Standortwettbewerb. Der Tenor des Diskurses ging und geht (...) in Richtung Aktivierung: Die Menschen sollen nunmehr eigenständig nach (scheinbar) optimalen Möglichkeiten der Altersversorgung suchen; denjenigen, die nicht am Vorsorgemarkt tätig werden, wird - auch in der Werbung der Finanzbranche - mitgeteilt, dass sie im Ruhestand mit erheblichen Einkommensabstrichen rechnen müssen.
Zumindest teilweise greift das Aktivierungsregime: Mittlerweile sind weit über 16 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen worden, wobei das Vertragsgeschäft seit einiger Zeit stagniert. Insbesondere Angehörige der Mittelschicht haben stark in die kapitalgedeckte Daseinsvorsorge investiert. Gleichzeitig stößt die massive (...) Aufforderung zum Engagement bei der privaten Vorsorge auf Glaubwürdigkeitsprobleme: Fehlende Leistungstransparenz, Bankenkrise und langfristige Zinsflaute vermitteln (...), dass dieses Alternativmodell hochgradig störanfällig ist. (...). Bode und Wilke beschreiben (...) verschiedene Formen der subjektiven Verarbeitung dieser Drucksituation (...).
Eine erste Option scheint hier die Flucht nach vorn: in die explizite Betonung individueller Selbstverantwortung. (...). Es finden sich auch Konstellationen, in denen die Aktivierung folgenlos bleibt (weil auf Vorsorge verzichtet wird). (...).
In anderen Fällen misslingt die Aktivierung »aufgrund vieler Meinungen und Diskussionen und einer (...) Grundunsicherheit (...)«. Man bleibt inaktiv, Angst hat hier eine lähmende Funktion. Besonders interessant ist eine vierte Form der Verarbeitung (...): Hier greift eine spezifische Verknüpfung von internalisiertem Aktivierungsdruck und diffusen Ohnmachtgefühlen."

(Sigrid Betzelt & Ingo Bode "Fatal funktional?" in der Zeitschrift Leviathan, Heft 2, S.209f.)

 
       
       
   

05.09.2017

 
       
   

TREBING, Janina (2017): Altersarmut bekämpfen.
Paritätischer fordert Reform der Alterssicherung,
in: der-paritaetische.de
v. 05.09.

Pressemitteilung zum Positionspapier des Verbandes Mut zur Korrektur: Ein alterssicherungspolitischer Auftrag.

 
       
   

NIEWEL, Gianna (2017): Die inneren Werte.
Niedrige Lebenserwartung, hohe Arbeitslosigkeit, leere Häuser: Pirmasens gilt vielen als das Beispiel für missglückten Strukturwandel. Ein Ortstermin,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.09.

"Pirmasens, Westpfalz, sieben Hügel, viel Wald. Michael Schieler sitzt in seinem Büro im Rathaus. (...). Die Journalisten kommen in seine Stadt wie Kriegsberichterstatter. (...). Und manchmal kommen sie gar nicht erst, es werden genug Meldungen über die Agenturen gejagt, um Pirmasens auch vom Redaktionsbüro aus niederzuschreiben",

schreibt Gianna NIEWEL über die stigmatisierende Medienberichterstattung zu Pirmasens, die sie mittels einigen Berichten belegt: "Pleitestadt Pirmasens" (SZ 05.03.2008), "Pirmasens abgehängt" (FAS 22.05.2016) oder "Früher sterben in Pirmasens" (Spiegel 10.06.2017). Eine Schlagzeile der Springer-Presse ("Keine Mitte nirgends", Welt 17.05.2008) tritt uns dagegen nur als Frage entgegen: "Was passiert mit einer Stadt, der die Mittelschicht wegbricht?". Gianna NIEWEL will dem Selbstbild, das die Stadt für sich entworfen hat, nicht folgen. 

"350 Schuhfabriken hatte die Stadt, 25 000 Menschen, die Leder schnitten und Rahmen vernähten. Die Pirmasenser sagen »Schlabbeflicker«. (...). In der Stadt lebten so viele Millionäre wie sonst nirgendwo in Deutschland. Das alles war, bevor Inder und Pakistaner für weniger Lohn die Sohlen stanzten. Bevor 1997 auch die US-Kaserne schloss, die Soldaten und Offiziere wegzogen und noch einmal Kaufkraft verloren ging. Pirmasens hat heute 42 120 Einwohner. Um in der Schuhfabrik zu arbeiten, brauchten die Jungs und Mädchen keinen Schulabschluss, und als sie arbeitslose Erwachsene waren, holten viele die mittlere Reife nicht nach. Arbeitslosenquote 12,9 Prozent (...).
Allen voran fehlt es an Geld, 350 Millionen Euro Schulden. Aber das fehlt in anderen Gemeinden auch. Gröde in Schleswig-Holstein, St. Wendel im Saarland, Oberhausen, Darmstadt. Alle pleite. Und trotzdem leben da Menschen, arbeiten, halten es aus, dass ihre Heimat nicht überall schön ist. Es sind Gemeinden, die Werbeagenturen beauftragen, die sich Slogans ausdenken",

beschreibt NIEWEL die Entwicklung von Pirmasens anhand typischer Niedergangsindikatoren, bevor die Versuche der Stadt geschildert werden, die Misere zu überwinden - aber sehr optimistisch wirkt das nicht. Mehr als zu einem "Pirmasens ist aushaltbar" reicht es nicht.

"Nach den Journalisten beugten sich die Sozioökonomen über Pirmasens, um den Strukturwandel zu analysieren",

auch hierzu wird nur Negatives berichtet, obwohl einige Forscher ein weniger negatives Bild zeichnen. NIEWELs Ortsbesuch reiht sich ein in eine endlose Reihe an stigmatisierenden Medienberichterstattungen:

"The analysis of national media for the city of Pirmasens showed that negative articles about the city accumulate from about the mid 2000s. The stigma of the so-called »bankrupt city« is a repeated one, referring primarily to private poverty in the city. Pirmasens seems in this way to have become a West German counterpart to the East German crisis cities. (...). The high density of private insolvencies is primarily associated with the downward trend of the city and the lack of a middle class. The »bankrupt city« stigma is at times interpreted as a failure of local politics. Indications of stigmatisation can be reconstructed using numerous press reports. In October 2004 the article »Where Germany is going bankrupt« in the magazine Der Spiegel (Bönisch 2004) emphasises that a national comparison shows that with 269 per 100.000 inhabitants private insolvencies in Pirmasens and Wilhelmshaven are four times as high as the national average",

beschreiben Thomas BÜRK, Manfred KÜHN und Hanna SOMMER in ihrem Aufsatz Stigmatisation of Cities. The Vulnerability of Local Identities den Beginn der stigmatisierenden Medienberichterstattung über Pirmasens. In dem 2013 erschienenen Buch Peripherisierung, Stigmatisierung, Abhängigkeit? herausgegeben von Matthias BERNT & Heike LIEBMANN wird die Entwicklung von 6 Städten, darunter auch Pirmasens anhand unterschiedlicher Aspekte untersucht.

"Während in Sangerhausen weitestgehende Auflösung der wirtschaftlichen Basis und in Eschwege anhaltende Erosion und starke Abhängigkeit von überlokalen Unternehmenszentralen die Gegenwart prägen, ist die Situation in Pirmasens eher durch ein Nebeneinander von Krise, Abwanderung und Transformation bestehender Unternehmen gekennzeichnet.
Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen Städten führt die Peripherisierung deshalb in Pirmasens zu einer stärkeren Kooperation von Wirtschaft, Stadtpolitik und Verwaltung" (S.70),

heißt es in dem Beitrag Governanceprozesse und lokale Strategiebildung von Matthias BERNT, der der Stadtpolitik eine Wandlung von einer "eher reaktiven zu einer pro-aktiven Politik bescheinigt. Manfred KÜHN & Sabine WECK sehen in ihrem Beitrag Interkommunale Kooperation, Konkurrenz und Hierarchie ein Problem durch die Konkurrenz zwischen der Stadt Pirmasens und dem umgebenden Landkreis Südwestpfalz:

"Die ungleiche Verteilung der Einkommen(ssteuer) und (Sozial-)Ausgaben durch anch wie vor anhaltende Stadt-Umland-Wanderungen (bei quantitativ geringeren Reurbanisierungstendenzen) belastet die Kernstadt-Umland-Beziehungen. In peripherisierten Regionen wird dadurch die Lage von hochverschuldeten Kernstädten noch zusätzlich geschwächt und der Handlungsspielraum der Stadtpolitik weiter eingeengt." (S.88)

Solch differenzierende Betrachtungen sucht man in den Medienberichten vergeblich.

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Stirnrunzeln über Merkels Absage an höheres Rentenalter.
Die Kanzlerin schließt im TV-Duell eine "Rente mit 70" aus - und distanziert sich von Finanzminister Schäuble,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.09.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2017): Frieden ist ihr Lieblingswort.
Kerstin Kühn tritt im alten Bundestagswahlkreis von Dagmar Enkelmann für die Linke an,
in:
Neues Deutschland v. 05.09.

"In Umfragen zur Bundestagswahl dümpelte die brandenburgische Linke zuletzt bei 16 Prozent herum. Zum Vergleich: 2013 erzielte die Partei im Bundesland noch 22,4 Prozent, und selbst dies war für die Verhältnisse der Sozialisten schon ein mäßiges Ergebnis. Es ist deshalb fraglich, ob der Landesverband irgendeinen Wahlkreis holen kann. Wenn überhaupt, dann aber vielleicht diesen hier. Denn hier gab es 2013 die meisten Erststimmen für die Linke",

erklärt uns Andreas FRITSCHE zum Wahlkreis 059 Märkisch-Oderland - Barnimm II in Brandenburg. Gemäß Sonderheft Wahlbewerber ging der Wahlkreis 2013 an die CDU, die 1 Prozent mehr Stimmen bekam als die Linke (32,9 Prozent).

 
       
   

TOETZKE, Paul (2017): Herr Rebmann will bleiben.
Mannheim: Einst war die Stadt klare SPD-Hochburg. Doch die AfD wird immer stärker. Haustürwahlkampf mit Sozialdemokraten, die nicht so recht wissen, wie es weitergeht,
in:
TAZ v. 05.09.

Paul TOETZKE will uns weismachen, dass der SPD-Kandidat Stefan REBMANN durch die AfD gefährdet sei. Die AfD gewann jedoch bei der Landtagswahl 2016 nur einen der zwei Mannheimer Wahlkreise. Bei der Bundestagswahl gibt es dagegen nur den Wahlkreis 275 Mannheim, den 2013 der CDU-Kandidat gewonnen hat. Für REBMANN wäre also die CDU die Hauptkonkurrenz und nicht - wie die taz uns erzählt - die AfD. Berechnet man dagegen aus den Ergebnissen der beiden Wahlkreise der Landtagswahl ein Gesamtergebnis, dann lägen die Grünen vorne. Folgende Anteile haben die Parteien SPD, CDU, Grüne und AfD bei der Landtagswahl in Mannheim erhalten (vgl. Statistischer Bericht 2016 Endgültige Ergebnisse):

Wahlkreis CDU SPD Grüne AfD
35 Mannheim I
(Faktor 0,4386)
17,2 % 22,2 % 21,9 % 23,0 %
36 Mannheim II
(Faktor 0,5614)
20,9 % 16,8 % 31,4 % 14,4 %
Mannheim Gesamtergebnis 19,1 % 19,2 % 27,2 % 18,2 %

Gewichtet man die Wahlkreise nach den gültigen Stimmen, dann umfasst Mannheim II 56,14 % und Mannheim I nur 43,86 % der gültigen Stimmen. Daraus wurde dann das Mannheimer Gesamtergebnis der Parteien ermittelt.

Fazit: Der Artikel von TOETZKE ist ideologisch. Mit seriöser Wahlkampfberichterstattung hat das nichts zu tun, denn die AfD ist in Mannheim chancenlos. Konkurrenten der SPD sind entweder die CDU (gemäß Bundestagswahl 2013) oder die Grünen (gemäß Landtagswahl 2016 und Stimmen in Mannheim)

 
       
   

WILTON, Jennifer (2017): Das Verschwinden der Abgehängten.
Monatelang wurde über sie diskutiert: Menschen an de Peripherie des Landes und der Gesellschaft, die dem Populismus Auftrieb geben. Dann wurde es still um sie,
in:
Welt v. 05.09.

Jennifer WILTON skizziert das Auftauchen und den Niedergang der "Abgehängten" in Deutschland:

"Monatelang wurde über sie diskutiert und geschrieben, sie tauchten, vor allem als Wort, fast zwanghaft in Talkshows auf und in Bundestagsreden, in Leitartikeln und Facebook-Kommentaren: die Abgehängten. (...). Sie vermischten sich mit Begriffen wie »Wutbürger« oder »Protestwähler«. Sie schienen Symptom und Warnung.
Aber dann wurde es plötzlich ruhig um die Abgehängten, ungefähr im gleichen Rhythmus, in dem die Prozente für die AfD in den Wahlumfragen sanken."

Mittlerweile geht es nicht mehr um Abgehängte, sondern um abgehängte Regionen:

"Politiker und Redaktionen (beschlossen) dem Phänomen gewissermaßen vor Ort nachzugehen. Verlassene Dörfer, triste Hochhaussiedlungen. Im Osten wie im Westen. Solche, (...) die schon immer Berichte über prekäre Schichten illustrieren mussten. Und Reihenhaussiedlungen, Kleinstädte, sogenannte Brennpunkte in Großstädten."

Um die Abhängten, so meint WILTON, muss man sich nicht kümmern, denn die gehen nicht wählen:

"In der Hochhauswüste (...) ist es tatsächlich so, dass die meisten Stimmen an die AfD gingen bei der letzten Landtagswahl. Tatsächlich sah es eine Weile so aus, als könnte es hier ein Direktkandidat auch bei der Bundestagswahl schaffen.
Aber die allermeisten Stimmen hatte tatsächlich: niemand. Über fünfzig Prozent der Menschen hier betreten das Wahllokal gar nicht erst." 

 
       
   

Das Single-Dasein in Griechenland

STAVRAKIS, George (2017): Aufgeben kommt nicht infrage.
StZ-Serie Leben in Europa (10): Banken vor der Pleite, Staaten vor dem Bankrott: Die Krise, die 2007 begann, hat die EU und das Leben der Menschen verändert. Die Folgen sind noch immer zu spüren. Unsere Serie beleuchtet den Alltag. Heute: Familie Organtzi in Griechenland,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 05.09.

 
       
   

04.09.2017

 
       
   

ZIELCKE, Andreas (2017): Die Halbwertzeit der Illusionen.
Ein Gespräch mit dem Soziologen Claus Offe über soziale Gerechtigkeit, das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem eigenen Leben und die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.09.

 
       
   

HAHN, Thomas (2017): Toll hier.
Natürlich gibt es auch schöne Dinge in Mecklenburg-Vorpommern, zum Beispiel die weite Natur, und keine Anwohner, die bei Festivals stören. Eine Jugend zwischen Langeweile und Bundestagswahl,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.09.

Thomas HAHN beschreibt Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern aus der Sicht eines 17-jährigen Lehrerinnensohns und lässt sich dessen Sicht durch einen Sozialpädagogen und einen Drogenbeauftragten bestätigen.

"Wolgast ist ein 12.000-Einwohner-Städtchen an der Zugbrücke zur Insel Usedom. Es gibt hier viele hübsche Häuser und viel Ruhe. Aber wenn in den letzten Jahren von Wolgast die Rede war, ging es meistens um Verluste. Läden und Kneipen machten zu. Das Finanzamt verschwand. Das Amtsgericht verschwand. Erbittert kämpften die Bürger dafür, dass wenigstens das Krankenhaus blieb. Wolgast wirkt wie eine Art Hotspot des demografischen Wandels. Viele Ältere leben hier, die nach der Wende arbeitslos wurden und ihre Enttäuschung in Beschwerden über Ausländer und die Ohnmacht des kleinen Mannes gießen",

beschreibt HAHN das Bild, das die Mainstreamzeitungen von Wolgast vermittelten, um dann nicht etwa die eigene Rolle kritisch zu reflektieren, sondern die Bewohner für das schlechte Image haftbar zu machen:

"Die Elterngeneration hat noch sehr stark dieses Frustpotenzial. Das überträgt sich auf die nächste Generation. Den Älteren fehlt eine Vision, und die Jungen übernehmen das",

zitiert HAHN den Leiter eines Jugendhauses. Für den Niedergang von Städten und Regionen sind jedoch nicht in erster Linie die Einheimischen verantwortlich, sondern die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die verstärkende Stigmatisierung durch Medienberichte, die dafür sorgen, dass sich Abwärtsspiralen verfestigen  Der Versuch von HAHN das ramponierte Image von Wolgast etwas aufzuhübschen, ist da leider nur gut gemeint!.      

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2017): Entlastung und neue Schikanen.
Was die Rentenreform 2020 den Lebensversicherern und ihren Kunden bringt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.09.

Werner ENZ echauffiert sich darüber, dass die Politik zugunsten der Versicherten Verbesserungen anstrebt, die die Profite der Lebensversicherer beschränken.

"Die Lebensversicherer hoffen, es werde bei der Ausformulierung der Verordnung noch Gegensteuer gegeben, wenn die Vorlage denn durchkommt",

schränkt ENZ hinsichtlich der geplanten Neuregelung der Legal Quote ein. Ärgerlicher findet er die geplante "Umverteilung zwischen Pensionskassen und Lebensversicherern". Dabei geht es im Grunde darum, dass die Risiken bei Unterdeckungen für die Versicherten minimiert werden, was für Lobbyisten des ungezügelten Finanzkapitalismus natürlich ein Ärgernis ist.   

 
       
   

Das Single-Dasein in Liechtenstein

MEIER, Günther (2017): Babyboomer zünden Turbo.
Zukunftsstiftung Liechtenstein ortet Handlungsbedarf für ältere Bevölkerung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.09.

Günther MEIER berichtet über die Broschüre Finanzierung der Alterspflege - Handlungsbedarf und Lösungsansätze einer neoliberalen Lobbyorganisation. Nebenbei geht MEIER auch auf die letzten Reformen im Bereich der Alterssicherung in Liechtenstein ein:

"Vor dem Hintergrund der Massnahmen zur Sanierung des Staatshaushalts setzte die Regierung 2016 durch, dass der Staatsbeitrag nicht mehr anteilsmässig an den jährlichen AHV-Jahresausgaben ausgerichtet, sondern auf 30 Millionen Franken pro Jahr festgelegt wurde. Zur Aufstockung der AHV-Einnahmen erfolgte eine Anhebung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge um 0,15 Prozent auf insgesamt 8,1 Prozent. Seit Jahresbeginn 2017 gilt zudem für die Jahrgänge 1958 und jünger die Erhöhung des Rentenalters von 64 auf 65 Jahre." 

 
       
   

Das Single-Dasein in Frankreich

WÜPPER, Gesche (2017): Macron wagt den Angriff auf die Rente.
Nach dem Arbeitsrecht will der französische Präsident nun weitere Teile des Sozialsystems reformieren,
in:
Welt v. 04.09.

Gesche WÜPPER beschreibt keine anstehenden Reformen des Rentensystems in Frankreich, sondern die Wunschliste Neoliberaler in Zeiten des Bundestagswahlkampfes!

 
       
   

03.09.2017

 
       
   

Das Single-Dasein in Polen

MATTERN, Jens (2017): Lodz - Ausweg aus der Gentrifizierung?
Mit Renovierung und Revitalisierung soll mit sozialem Wohnungsbau die Vielfalt im Stadtzentrum erhalten bleiben,
in:
Telepolis v. 03.09.

 
       
   

02.09.2017

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Wirtschaftsthema: Samstagsessay.
Die gute Nachricht: Vollbeschäftigung ist möglich
Das Problem: Deutschland ist auf die Digitalisierung nicht vorbereitet
Die Aufgabe: Die nächste Bundesregierung muss sich vorrangig um Rente, Bildung und Investitionen kümmern

PIPER, Nikolaus (2017): Uns geht's doch gut.
Deutschland erlebt einen der längsten Wirtschaftsaufschwünge der Nachkriegsgeschichte. Doch entscheidende Strukturprobleme sind ungelöst. Das macht den Wahlkampf öde,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.09.

Die Stimmung ist gut? Dann werden Neoliberale ganz miesepetrig, denn Angstmobilisierung ist erste Pflicht für Neoliberale. Schon gestern rügte die Wirtschaftswoche auf dem Titelblatt die selbstzufriedenen Republik. Nun schlägt Nikolaus PIPER, der neoliberale Einpeitscher der SZ in die gleiche Kerbe. Nichts von dem was PIPER schreibt, ist neu.

Digitalisierung wurde uns schon in den 1980er Jahren als der nächste historische Bruch verkündet. Da war es der PC, der dies verursachen sollte, nun also das Internet, das es auch schon 20 Jahre gibt. Wenn sich PIPER die Geschichte ansehen würde, statt Marktschreier auf den Leim zu gehen, dann würde er nicht so große Töne spucken.

Bildung war bereits 1964 der letzte Schrei. Was daraus geworden ist? Neoliberale wollen uns allen Ernstes glauben machen, dass Beton etwas mit Bildung zu tun hat.

Die geografische Spaltung des Landes? Das ist ebenfalls spätestens seit den 1970er Jahren einen Thema. Seit dem wird uns ständig mal wieder die Zunahme verkündet als ob es eine Sensation wäre, statt das Ergebnis neoliberaler Standortkonkurrenz und einer Politik, die nicht mehr gegensteuert, sondern das Problem verschärft.

"Wachstum bis zur nächsten Bundestagswahl 2021 (...) ist (...) nicht sehr wahrscheinlich. Die deutsche Politik sollte sich also auf den nächsten Abschwung einstellen",

verkündet uns PIPER. Vor 10 Jahren sollten wir uns bekanntlich auf ewigwährendes Schrumpfen der Bevölkerung in Deutschland einstellen. Schrumpfende Städte wurden zum neuen Leitbild erklärt. Der kommunale Leerstand wurde abgerissen, der jetzt dringend gebraucht würde. Statt Kommunen durch Medienmacht in die Abwärtsspirale zu zwingen, wäre es nötig gewesen, den Niedergang durch Medienmacht zu verhindern.

"Am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, stimmen die Schweizer über eine Rentenreform ab. In Deutschland jedoch ist während der Amtszeit Angela Merkels nichts zur Lösung des Problems beigetragen worden, im Gegenteil",

erklärt uns PIPER und suggeriert damit, dass seine neoliberalen Gesinnungsgenossen in der Schweiz mit der dortigen Rentenreform zufriedener wären als unsere Neoliberalen hierzulande. Ein Blick in die Neue Zürcher Zeitung, die PIPER gerne zitiert, zeigt das genaue Gegenteil. Überall jammern die Neoliberalen ihren Lesern die Ohren voll, dass es gerade in ihrem eigenen Land besonders schlimm um das Rentensystem steht und es woanders - z.B. Deutschland - wesentlich besser sei. Es genügt nur ein Blick über den Zaun, um das zu erkennen!   

Fazit: Die Medien als Sprachrohre einer neoliberalen Standortpolitik haben die Probleme nicht reduziert, sondern erst vergrößert. Nicht die Rente ist das Problem, sondern die private Altersvorsorge, die die Lücken nicht schließen kann.  

 
       
   

WEISMÜLLER, Laura (2017): Mit Füßen getreten.
Luft und Wasser gehören allen, klar. Aber was ist mit dem Boden? Plädoyer für eine Reform, die alle Wohnungsprobleme lösen kann,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.09.

Laura WEISMÜLLER redet - genauso wie Thomas STEINFELD vor 10 Tagen - um den heißen Brei, denn sie erklärt uns nicht, was die Bodenwertsteuer wirklich bedeutet, sondern behauptet dreist, dass sie alle Wohnungsprobleme lösen würde. Uns wird erzählt, dass diese Steuer die bösen Investoren treffen würde. Das Gegenteil ist der Fall: Die Bodenwertsteuer soll den Bodenbesitz der Kleineigentümer dem Finanzkapitalismus im großen Stil verfügbar machen. Am Ende steht die Monopolisierung des Bodens in den Händen des internationalen Finanzkapitalismus. Was WEISMÜLLER dagegen beschreibt, sind die Träume von Idealisten, die sich vor den Karren des Finanzkapitalismus spannen lassen. Im Handelsblatt wurde dagegen schon vor Monaten Klartext geredet

 
       
   

DEININGER, Roman & Jan SCHWENKENBECHER (2017): Das Leben nach dem Bundestag.
Buch zwei: Im Oktober 2013 löste sich die FDP-Fraktion auf. 93 Abgeordnete mussten überlegen, was sie jetzt machen. Wie ist es ihnen seither ergangen? Und was sagt das über unsere Politik? Von kleinen Bäckern und großen Lobbyisten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.09.

DEININGER & SCHWENKENBECHER haben das Leben der 93 FDP-Mitglieder, die 2013 aus dem Bundestag flogen, recherchiert.

Mit 22 Juristen hat die FD einen Juristenanteil von 23,7 Prozent. Mit den meisten abservierten FDP-Bundestagsabgeordneten muss man kein Mitleid haben. Bäcker und Sanitäter (der den Betrieb der Eltern übernimmt!) sind dort sehr rare Ausnahmen, stattdessen besetzen viele FDP-Ex-Abgeordneten von damals Stellen, die der Klientelpolitik ihrer Partei entsprechen: Sie sitzen beim Steuerzahlerbund (z.B. Rainer BRÜDERLE), bei der parteinahen Friedrich-Naumann-Stiftung (z.B. Wolfgang GERHARDT), direkt bei den Finanzdienstleistern (z.B. Daniel BAHR bei der Allianz) oder als Lobbyistin (z.B. Birigit HOMBURGER; DAI), bei den Arbeitgeberverbänden (z.B. Florian BRETTSCHNEIDER, Rainer BÜDERLE), sind in der Rüstungsindustrie als Lobbyist (z.B. Dirk NIEBEL) oder als Unternehmensberater tätig.

"25 der 93 kandidieren in diesem Jahr wieder. Falls die FDP es zurückschafft ins Parlament, wären 20 von ihnen dank guter Listenplätze wohl mit dabei",

wird uns erklärt. Die folgenden Ex-FDP-Bundestagsabgeordneten  des Jahres 2013, die im Text genannt werden, kandidieren wieder für den Bundestag:

Nr. Name Bewerber über die Landesliste Bewerber über einen Wahlkreis
1 ASCHENBERG-DUGNUS, Christine (57) Platz 3 Schleswig-Holstein
("Gute Chancen")
 
2 BUSCHMANN, Marco (40) Platz 4 NRW
("Sicherer Listenplatz")
 
3 DJIR-SARAI, Bijan Platz 6 NRW
("Sicherer Listenplatz")
 
4 FRICKE, Otto (51) Platz 7 NRW
("Sicherer Listenplatz")
 
5 HÖFERLIN, Manuel (44) Platz 1 Rheinland-Pfalz
("Spitzenkandidat")
 
6 KÖRBER, Sebastian (37) Platz 15 Bayern
("ist auf ein starkes FDP-Ergebnis angewiesen")
 
7 KOBER, Pascal (46) Platz 4 Baden-Württemberg
("sicherer Listenplatz")
 
8 LINK, Michael (54) Platz 3 Baden-Württemberg
("sicherer Listenplatz")
 
9 LUKSIC, Oliver (37) Platz 1 Saarland
('Spitzenkandidat")
 
10 NEUMANN, Martin (61) Platz 2 Brandenburg  
11 REINHOLD, Hagen (39) Platz 1 Mecklenburg-Vorpommern
("beste Comeback-Chancen")
 
12 RUPPERT, Stefan (45) Platz 2 Hessen  
13 SCHÄFFLER, Frank (48) Platz 9 NRW
("aussichtsreich")
 
14 SCHULZ, Jimmy (48) Platz 4 Bayern
("gute Comeback-Chancen")
 
15 SKUDELNY, Judith (41) Platz 2 Baden-Württemberg  
16 SOLMS, Hermann Otto (76) Platz 3 Hessen  
17 THOMAE, Stephan (49) Platz 7 Bayern
("solide Chancen")
 
18 TODTENHAUSEN, Manfred (66) Platz 16 NRW
("könnte reichen")
 
19 TONCAR, Florian (37) Platz 5 Baden-Württemberg
("sicherer Platz")
 
20 VOGEL, Johannes (35) Platz 5 NRW
("sicherer Listenplatz")
 
21 BLUMENTHAL, Sebastian (43)   005 Kiel
("geringe Chancen")
22 DREXLER, Gerhard (53) Platz 31 Bayern
("freiwillig hinten auf der Liste")
 
23 KRESTEL, Holger (61)   081 Berlin-Tempelhof-Schöneberg
("eher maue Chancen")
24 MEINHARDT, Patrick (50)   015 Vorpommern-Rügen, Greifswald I
("Wahlkreis der Kanzlerin")
25 WINTERSTEIN, Claudia   041 Hannover I
("Außenseiterin")
 
       
   

LEHMANN, Anna (2017): Katja und die Jugendbrigade.
Karriere: Katja Kipping verdankte ihren Aufstieg zur Chefin der Linkspartei einem Netzwerk aus den Anfangsjahren. Auf ihrem Weg nach oben hat die Sächsin manche alte Freundschaft enttäuscht,
in:
TAZ v. 02.09.

Anna LEHMANN schildert den Aufstieg von Katja KIPPING innerhalb der sächsischen PDS Ende des letzten Jahrtausends:

"Die jungen Wilden der sächsischen PDS setzen durch, dass vier Kandidaten unter 30 Jahren auf aussichtsreiche Listenplätze kommen - ein Putsch gegen die Alten.
Drei Plätze sind bereits gesetzt. Michael Leutert, Falk Neubert und die Leipziger Studentenaktivistin Heike Werner. Nun wird noch eine Frau gesucht. Neubert schlägt Kipping vor.
(...). Er ist beeindruckt von der Frau mit dem Hippie-Touch, die das alternative Dresden-Neustadt und nicht die barocke Altstadt verkörpert. Kipping und Leutert werden ein Paar. (...).
Bei der Landtagswahl im September 1999 holt die PDS 22 Prozent und wird die mit Abstand stärkste Oppositionspartei. Katja Kipping, Falk Neubert und Heike Werner ziehen in den Landtag ein. Michael Leutert verpasst den Einzug knapp. Er wird später stellvertretender Landsparteivorsitzender der PDS.
Die Landtagsneulinge gründen den Arbeitskreis »Jugend und Zukunft«. Ältere PDS-Kader taufen ihn bald spöttisch Jugendbrigade."

Den Bruch mit der "Jugendbrigade" datiert LEHMANN auf das Jahr 2012 als KIPPGING gegen den ostdeutschen Reformer Dieter BARTSCH kandidiert:

"Kipping ist für den heutigen Fraktionsvorsitzenden Bartsch - mehr noch als Sahra Wagenknecht - die Hauptkonkurrentin. Beide sind Reformer, beide kommen aus dem Osten und konkurrieren in der quotensensiblen Linkspartei um die gleichen Posten."

Zuerst fühlt sich Stefan HARTMANN von KIPPING zurückgesetzt, dann kommt es zum Bruch mit LEUTERT. Mit der Abwendung von der Landespolitik und der Hinwendung zur Bundespolitik, wird das sächsische Netzwerk unwichtiger und neue Verbündete werden gesucht:

"Sie hat sich in den letzten Jahren Verbündete quer über die Lage gesucht. Zu ihren Unterstützern zählen Parteilinke wie die hessische Fraktionschefin Janine Wissler und teile des Reformlagers wie die thüringsche Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow. (...). Bernd Riexinger, ihr Ko-Vorsitzender, der 2012 eigentlich als Kippings Antipode vom linken Flügel aufgestellt wurde. Die beiden (...) sind ein Team geworden." 

 
       
   

MÜLLER, Jürg (2017): Auf diese Ökonomen hört die Schweiz.
Das "Ökonomen-Einfluss-Ranking" der NZZ zeigt, welche Wissenschaftler auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.09.

Aus der folgenden Übersicht sind die einflussreichsten Ökonomen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ersichtlich:

Deutschland
(Punktzahl in
Wissenschaft;
Medien; Politik)
Österreich
(Punktzahl in
Wissenschaft;
Medien; Politik)
Schweiz
(Punktzahl in
Wissenschaft;
Medien; Politik)
FUEST, Clemens
(11/250/250)
FEHR, Ernst
(
500/16/32)
FEHR, Ernst
(
500/47/65)
FEHR, Ernst
(
500/4/7)
BADELT, Christoph
(1/250/115)
EICHENBERGER, Reiner
(8/250/163)
SINN, Hans-Werner
(16/73/243)
KOCHER, Martin
(31/179/122)
BINSWANGER, Matthias
(8/47/250)
FRATZSCHER, Marcel
(47/168/95)
FELDERER, Bernhard
(0/67/250)
FREY, Bruno S.
(
172/81/49)
FREY, Bruno S.
(
172/5/2)
SCHRATZENSTALLER, Margit
(0/83/224)
SCHALTEGGER, Christoph
(7/110/168)
BOFINGER, Peter
(1/40/104)
SCHNEIDER, Friedrich
(62/95/64)
SINN, Hans-Werner
(16/128/114)
FELD, Lars
(26/40/70)
AIGINGER, Karl
(6/139/51)
BÜTLER, Monika
(2/64/190)
HORN, Gustav
(0/28/81)
HABER, Gottfried
(1/32/128)
SOUSA-POZA, Alfonso
(20/0/217)
WÖßMANN, Ludger
(
76/22/11)
SCHULMEISTER, Stephan
(2/12/141)
BRUNETTI, Aymo
(9/35/141)
SCHNABEL, Isabel
(8/64/27)
FUEST, Clemens
(11/143/0)
WELLERSHOFF, Klaus
(0/93/76)

Während in Deutschland die wissenschaftliche Reputation eines Ökonomen hinderlich ist, um in Politik und Medien Gehör zu finden, gilt das in der Schweiz etwas weniger, was daran liegen mag, dass FEHR und FREY an Schweizer Universitäten lehren. 

FAZ (2017): Deutschlands einflussreichste Ökonomen,,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.09.

 
       
   

DEGGERICH, Markus (2017): Alles auf die 63.
Wahlkreise: AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland könnte ganz weit im Osten ein Direktmandat gewinnen - diese Schmach will die CDU unbedingt verhindern,
in:
Spiegel Nr.36 v. 02.09.

"Der Wahlkreis 63 liegt teilweise direkt an der polnischen Grenze, dort leben gerade mal rund 200.000 Wahlberechtigte. Aber für den Ausgang der Bundestagswahl ganz im Osten der Republik interessiert man sich bis hoch ins Kanzleramt. Denn hier will Alexander Gauland von der AfD, Spitzenkandidat seiner Partei, ein Direktmandat für seinen Einzug in den Bundestag holen. (...).
Abgeordnete mit einem Direktmandat stehen in der Hierarchie des Bundestags ein bisschen höher als die anderen, sie können das persönliche Vertrauen der Wähler für sich reklamieren. (...). Ein Direktmandat für die AfD auf Bundesebene würden die Blauen gern als Symbol deuten, dass sie mehr sind als ein Frustphänomen.
(...). Es hat etwas Verzweifeltes, wie die CDU ihre Truppen mobilisiert. Alle wissen um die Bedrohung. Entlang der Grenze zu Polen erzielte die AfD bei der letzten Landtagswahl zum Teil Ergebnisse über 20 Prozent",

erklärt uns Markus DEGGERICH. Es hat etwas Verzweifeltes wie die Mainstreammedien den öden Bundestagswahlkampf mit phantasierten AfD-Frontkämpfen aufzupeppen versuchen. DEGGERICH versucht nun den sicheren CDU-Wahlkreis zum bedrohten Territorium zu stilisieren. Das passt zur Medieninszenierung, in der phantasierte, aber real nicht existente AfD-Erfolgsaussichten zur Mobilisierung der Wählerschaft der Alt-Parteien missbraucht werden. Hinzu kommt, dass die Mainstreammedien mit ihrer Fokussierung auf die Themen Innere Sicherheit und Flüchtlingskrise der AfD geradezu in die Hände spielen. Wenn die AfD zweistellige Ergebnisse erzielt, dann tragen die Mainstreammedien und ihre dämliche Wahlberichterstattung dafür die Hauptschuld!

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

STALDER, Helmut (2017): Eine Sanierung mit Langzeitschäden.
Die Rentenreform 2020 löst das Grundproblem der Altersvorsorge nicht uns verstärkt die Schieflage der AHV zusätzlich. Ein Nein zwingt die Politik, die Vorsorgewerke in einem neuen Anlauf nachhaltig zu stabilisieren,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.09.

Neoliberale wie Helmut STALDER beschwören die Postdemokratie als antidemokratisches Ideal. Politik ist für Neoliberale ein Ärgernis, denn nicht Experten gestalten nach ihrem Gusto, sondern Politiker müssen einen Interessenausgleich zwischen den Bevölkerungsgruppen herbeiführen. Kompromisse sind jedoch niemals nachhaltig, aber Nachhaltigkeit ist der heilige Gral der Ökonomen. Nachhaltigkeit ist jedoch eine Fata Morgana - eine Illusion, die durch lineare Fortschreibungen der Vergangenheit entsteht, aber mit der Zukunft nichts zu tun hat. Generationengerechtigkeit kann es in einer sich ständig verändernden Welt nicht geben - auch wenn Neoliberale das ständig beschwören.

"Das Parlament hat bei der Grossreform (...) an so vielen Schrauben gedreht, dass sich kaum mehr sagen lässt, welche Altersgruppe nun wie profitiert oder verliert",

erklärt uns STALDER, nur um dann die Reform in Bausch und Bogen zu verdammen:

"Ein Nein (...) hält den Handlungsdruck auf Bundesrat und Parlament hoch, rasch Lösungen vorzulegen, die den Auftrag für die nachhaltige Stabilisierung beider Vorsorgewerke wirklich einlösen",

meint STALDER, obwohl die Vergangenheit das Gegenteil gezeigt hat, denn die jetzige Reform ist bereits der fünfte Anlauf die neoliberale Postdemokratie doch noch durchzusetzen und die Demokratie in der Rentenpolitik zu beseitigen.  

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Fehlanreize bei der AHV-Reform.
Die Abstimmungsvorlage zur Altersvorsorge senkt die Einbussen bei der Jahresrente für Frühpensionierte,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.09.

Hansueli SCHÖCHLI will Fehlanreize erkennen, die jedoch nicht einmal von neoliberalen Studien belegbar sind. Stattdessen lässt sich die Politik durch die Gestaltung einer Ausführungsverordnung ein Hintertürchen offen.

KONRAD, Hanspeter (2017): Ja zum Rentenkompromiss.
Gastkommentar,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Asien

RIST, Manfred (2017): Kleine Räder in der Wachstumsmaschinerie.
In Südostasien stellt eine wachsende Zahl von Migranten sicher, dass der wirtschaftliche Schwung nicht nachlässt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.09.

"(I)m Unterschied zur Migration übers Mittelmeer finden die meisten Emigranten, die ihr Glück in höher entwickelten Volkswirtschaften wie Singapur, Brunei, Malaysia und Thailand suchen, dort auch Arbeit. Ohne die auf über 10 Mio. geschätzten Arbeitsmigranten aus dem Asean-Raum, die offiziell, ausserhalb oder am Rande der Legalität in südostasiatischen Nachbarstaaten beschäftigt werden, würde die Dynamik in den meisten dieser Länder erlahmen. Je höher der Entwicklungsstand eines Landes, umso weniger Einheimische nehmen handwerkliche Jobs an. Und je ärmer ein Land, umso mehr sind die Familien dort und die Volkswirtschaft als Ganzes auf die Überweisungen der Gastarbeiter angewiesen. Im Fall der Philippinen, des Top-Exporteurs von Arbeitskräften inner- und ausserhalb der Asean, erreichten diese Rimessen im Jahr 2016 einen Höchststand von 27 Mrd. $. Das sind jährlich 270 $ pro Einwohner, also fast ein Zehntel des BIP pro Kopf, das mit 2924 $ ausgewiesen wird",

erklärt uns Manfred RIST zum Migrationsgeschehen in Südostasien. Ursachen sind für RIST das Wohlstandsgefälle, die Bildungsunterschiede und nicht zuletzt die Demografie:

"In Singapur, Hongkong, Korea und selbst Thailand macht sich die Überalterung der Gesellschaft immer stärker bemerkbar. Entsprechend fehlt es dort an jungen Händen. In Burma, Bangladesh, Sri Lanka, auf den Philippinen, in Indonesien, Kambodscha und neuerdings in Osttimor treten jetzt dagegen Millionen Junge ins erwerbsfähige Alter.
Das Wachstum dieser Volkswirtschaften ist wohl eindrücklich und erreicht (wie in Burma und Kambodscha) bis zu 8%, auf den Philippinen und in Indonesien 5 bis 6%. Doch oft ist dieses zu wenig beschäftigungswirksam; und die Zunahme reicht nicht aus, um den demografischen Buckel zu bewältigen. Hinzu kommt ein Faktor, der leicht übersehen wird: In Asien herrscht insgesamt ein gewichtiger Überschuss an Männern: nämlich von rund 100 Mio., vor allem in Indien, Bangladesh und China. Auch das führt zu Migrationsbewegungen."

Die enorme Zunahme der Migration datiert RIST auf die letzten 15 Jahre. Damals trat die Erholung vom "Schock der Asienkrise" in den so genannten "Tigerstaaten" ein.

 
       
   

Das Single-Dasein in Luxemburg

HETZEL, Helmut (2017): Reich - auch dank vieler Migranten.
StZ-Serie Leben in Europa (9): Banken vor der Pleite, Staaten vor dem Bankrott: Die Krise, die 2007 begann, hat die EU und das Leben der Menschen verändert. Die Folgen sind noch immer zu spüren. Unsere Serie beleuchtet den Alltag. Heute: Familie Heynen in Luxemburg,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 02.09.

Helmut HETZEL beschreibt das Herzogtum Luxemburg zusammen mit der Niederlande und Belgien ("Benelux-Union") als europäische Keimzelle der EU.

"Vom Industriestandort, wo vor allem Stahl produziert wurde, was auch heute noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, mauserte sich das Ende 2016 knapp 583.000 Einwohner zählende Großherzogtum zu einem der führenden Finanzplätze in Europa. (...).
Luxemburg ist heute das reichste Land in der EU. Luxemburger verdienen jährlich im Schnitt mehr als 65.000 Euro und liegen damit nur knapp hinter der Schweiz",

erzählt uns HETZEL zum Steuerparadies Luxemburg. Besonders hervorgehoben wird, dass das kleine Herzogtum mit Gaston THORN, Jacques SANTER und Jean-Claude JUNCKER bislang die meisten  EU-Kommissionspräsidenten gestellt hat. Einen wichtigen Erfolgsfaktor sieht HETZEL in den Migranten und den Grenzarbeitern aus Frankreich, Belgien und Deutschland:

"Fast die Hälfte der Bevölkerung besteht aus ausländischen Mitbürgern. Das Wirtschaftswachstum wäre ohne die Migranten in der jetzigen Form nicht möglich gewesen,"

zitiert er den Vater der 5köpfigen Vorzeigefamilie aus Luxemburg.

 
       
   

01.09.2017

 
       
   

Der Fortschrittsbericht 2017 in der Debatte

ESSLINGER, Detlef (2017): Das Nebenbei-Problem.
Fachkräftemangel,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.09.

Für Detlef ESSLINGER ist Panikmache in Sachen Fachkräftemangel das oberste Gebot. Er folgt damit dem Panikmacher Martin GREIVE. Dagegen wiegelt Christoph EISENRING ab, denn nach Prognos-Berechnungen ist die Fachkräftelücke aufgrund neuer demografischer Bevölkerungsvorausberechnungen in nur zwei Jahren von 3,5 auf 3,0 Millionen abgeschmolzen. Wie gestern bereits auf dieser Website berichtet, hat das DIW statt mit neuen mit alten Zahlen gerechnet, die denjenigen von Prognos vor zwei Jahren entsprechen!

EISENRING, Christoph (2017): Panik wegen Fachkräftemangel ist unangebracht.
Deutschland könnten 2030 drei Millionen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen - so weit muss es aber nicht kommen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.09.

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Diagnose: ungerecht.
Die soziale Frage: Kindern aus bildungsfernen Schichten würde ganz simpel mehr Geld helfen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.09.

Mehr Netto vom Brutto ist das Allheilmittel von Alexander HAGELÜKEN. Nur Geringverdiener haben davon am wenigsten. Um die geht es HAGELÜKEN auch gar nicht, sondern um seinesgleichen: das Akademikermilieu!

 
       
   

SCHMITZ, Thorsten (2017): Vergiss Utopia.
Wer ins Französische Viertel in Tübingen zieht, trifft eine Entscheidung. Autos sind hier verpönt. Man fährt Rad, geht zu Fuß, die Straße gehört den Menschen. Sieht so die Zukunft aus? Oder parkt man einfach nur ein bisschen weiter weg?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.09.

"Das Französische Viertel (...), in dem 2.500 Menschen wohnen und 400 arbeiten, sollen Autos eine Neben-, am besten aber gar keine Rolle mehr spielen. Bis 1991 waren französische Soldaten hier stationiert, daher der Name. Heute leben sehr gut verdienende Akademiker und Beamte in 140-Quadratmeterwohnungen. Sie alle haben einen gemeinsamen Feind: das Auto.
(...). Nirgendwo sonst in Deutschland bekommen die Grünen mehr Stimmen, bei der jüngsten Landtagswahl 60 Prozent. Die CDU kam hier gerade mal auf sechs Prozent",

berichtet Thorsten SCHMITZ über das Viertel, das ansonsten schlecht weg kommt. Was den einen die Nazis sind, das sind für die anderen die Ökos, wobei SCHMITZ vor allem die Kluft zwischen dem hehren Ideal und der miesen Realität beschreibt. Bedenkt man, dass in Tübingen rund 87.000 Menschen leben, dann ist das Viertel geradezu bedeutungslos!

 
       
   

LASCH, Hendrik (2017): Nahverkehr im Ehrenamt.
Bürgerbus erhält in der Lommatzscher Pflege Mobilität trotz demografischen Wandels,
in:
Neues Deutschland v. 01.09.

"Wuhnitz (war) ein Ort voller Leben. In dem kleinen Dorf in der Lommatzscher Pflege, nicht weit von Meißen oberhalb des Elbtals gelegen, gab es Krippe und Kindergarten, ein Gemeindeamt, den Konsum. Das ist lange her. Die Verwaltung sitzt inzwischen in Lommatzsch, die Kinder müssen etliche Kilometer weit in die Kita gefahren werden, und der Konsum ist auch schon seit beinahe einem Vierteljahrhundert zu.
(...) Wissenschaftler von der TU Dresden (...), die vor ein paar Jahren die »Folgen des demografischen Wandels für die Infrastruktur« in der Gegend untersuchten (...)(, hätten) die Lommatzscher Pflege als »peripherstrukturschwacher Raum« beschrieben, sagt Anita Maaß, die Bürgermeisterin von Lommatzsch. (...).
Nach Dresden oder nach Leipzig dauert es eine Stunde. Und viele der 5.000 Bürger wohnen auch nicht in Lommatzsch selbst, sondern in einem seiner 38 Ortsteile, die über 66 Quadratkilometer verstreut (...) liegen. (...). Zwischen den weiten Äckern liegen winzige Orte, die Pitschütz, Prositz oder Löbschütz heißen und in denen teils kaum ein Dutzend Menschen lebt",

beschreibt Hendrik LASCH die Gegend, in dem vor 9 Jahren die Idee vom Bürgerbus aufkam, der nun an einem oder zweit Tagen pro Woche durch die Dörfer fährt. Wuhnitz ist mittlerweile einer der 38 Ortsteile von Lommatzsch. 

 
       
   

HONNINGFORT, Bernhard (2017): Die Quadratur der Kreise in Thüringen.
Die geplante Gebietsreform ist ein vertracktes Dauerärgernis. Der neue Innenminister ist nicht zu beneiden,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.09.

 
       
   

FRIGELJ, Kristian (2017): Spurwechsel.
Welt-Serie In großen Fußstapfen: CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach verlässt den Bundestag. In seinem Wahlkreis tritt Hermann-Josef Tebroke als Direktkandidat an. Er will sich ohne den prominenten Parteifreund profilieren,
in:
Welt v. 01.09.

"Der Wahlkreis ist unter Christdemokraten begehrt, weil er als schwarze Hochburg gilt. Seit dem zweiten Weltkrieg haben sich hier stets CDU-Bewerber durchgesetzt - mit einer Ausnahme 1972, als (...) der SPD-Kandidat vorne lag. Im Kreisgebiet, das an Köln angrenzt, herrscht eine unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit von 6,1 Prozent. Das Gebiet zählt zu den finanzstärksten Regionen in Nordrhein-Westfalen; bei landesweiten Einkommensstatistiken rangieren die Kreiskommunen weit oben",

beschreibt Kristian FRIGELJ den Wahlkreis 100 Rheinisch-Bergischer Kreis, in dem der Noch-CDU-Landrat Josef TEBROKE den Prominenten CDUler Wolfgang BOSBACH beerben möchte, der seit 1994 den Wahlkreis gewann. Mitbewerber ist diesmal der FDP-Chef Christian LINDNER, der nicht tief fallen kann, weil er zusätzlich durch Platz 1 der Landesliste abgesichert ist.

 
       
   

SCHWARZ, Konstantin (2017): Seit 27 Jahren sind die Frauen an der Macht.
Bundestagswahl: Im Wahlkreis Stuttgart II trifft die etablierte Kandidatin Karin Maag auf viele Neulinge. Die CDU-Frau hat 2009 die Vorherrschaft der SPD gebrochen und 2013 ihren Vorsprung ausgebaut,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 01.09.

Konstantin SCHWARZ beschreibt den Wahlkreis 259 Stuttgart II als industriell geprägten Norden sowie Botnang und roten Osten, in dem seit 1990 zuerst Erika REINHARDT (CDU), dann dreimal Ute KUMPF (SPD) und die letzten beide Male Karin MAAG (CDU) das Direktmandat gewannen. Während SCHWARZ für die Grünen- und FDP-Kandidaten keine Chancen auf einen Einzug in den Bundestag sieht, stehen die Chancen für Bernd RIEXINGER (Linke) und Lothar MAIER (AfD) gut, über die Landeslisten (Platz 1 bzw. 2) den Einzug zu schaffen.

"Maier (73) soll der AfD in Baden-Württemberg helfen, der erfolgreichste westdeutsche Landesverband zu werden. 15 Prozent sind angepeilt. Maier könnte ein zweistelliges Ergebnis erreichen",

meint SCHWARZ, der MAAG, die nicht über die Landesliste abgesichert ist, als sichere Siegerin sieht.  

 
       
   

THELEN, Peter (2017): Geld verdienen mit der Rente.
Altersvorsorge,
in:
Handelsblatt v. 01.09.

Der Artikel ist eine stark gekürzte Version des Online-Artikels von Peter THELEN.

 
       
   

HERZ, Carsten (2017): Die neue Unübersichtlichkeit.
Versicherer: Die klassische Lebensversicherung läuft aus. Neue, variable Produkte sollen sie beerben. Nicht jeder Kunde behält dabei den Überblick,
in:
Handelsblatt v. 01.09.

Die klassischen Lebensversicherungen bescheren den Versicherern zu wenig Profit, weswegen viele nur noch teuere Produkte ohne Garantiezins anbieten. Dem Kunden soll die für die Lebensversicherungswirtschaft lukrativeren Produkte als "renditeträchtiger" vermittelt werden. Verbraucherschützer raten dagegen gleich zu günstigeren Indexfonds.  

 
       
   

WIRTSCHAFTSWOCHE-Titelgeschichte: Die selbstzufriedene Republik.
Macht der wirtschaftliche Erfolg uns Deutsche zu satt für die Zukunft? Ein Report über die fünf größten Gefahren für den Wohlstand

BOOK, Simon/FISCHER, Konrad/HAERDER, Max/SCHMELZER, Thomas/SCHNAAS, Dieter (2017): Im Märklin-Land.
Standortfrage: Deutschland geht es maximal gut, daher gibt es minimal zu tun. Was aber, wenn in die sedierte Republik doch noch einmal die Realität einzieht? Report aus einer wohlstandsbetäubten Nation,
in:
Wirtschaftswoche Nr.36 v. 01.09.

Das Lamento ist nicht neu: Bereits im April 2014 hieß eine Titelgeschichte von Mitautor Dieter SCHNAAS Das bedrohte Idyll: Der Tenor der Nörgelei: "Die Wirtschaft brummt, die Stimmung ist prima, und die Politik feiert sich selbst: Nie zuvor hatten in Deutschland so viele Menschen so große Lebenschancen wie heute. Doch ist unsere Wohlfühl-Gesellschaft tatsächlich ein nachthaltiges Modell?" Die jetzige Geschichte würde man beim Film als schlechtes Remake bezeichnen.

 
       
   

LOSSE, Bert (2017): Die mediale Karriere der Ungleichheit.
Wissenschaft: Das Thema Ungleichheit taucht in den deutschen Medien immer häufiger auf - und beeinflusst die Wahrnehmung der Bürger,
in:
Wirtschaftswoche Nr.36 v. 01.09.

Wie es aus den Mainstreammedien herausschallt, kommt es bei anschließenden Umfragen wieder vom Bürger zurück, so die wenig überraschende Erkenntnis der neoliberalen Lobbyorganisation IW Köln. In der Umfrageforschung nennt sich das auch soziale Erwünschtheit! Die Lobbyisten wollen das jedoch lieber als "verzerrte Wahrnehmung" verstanden wissen.

Man könnte auch schlussfolgern, dass Umfragen lediglich einen stark beschränkten Wert besitzen. So haben in den Nullerjahren z.B. nationalkonservative Bevölkerungsforscher aus dem Rückgang des Kinderwunsches in Umfragen fälschlicherweise auf eine weit verbreitete Kultur der Kinderlosigkeit geschlossen. Tatsachlich haben die Befragten nur das wiedergegeben, was damals Debattentenor im Medienmainstream war. Sobald jedoch die Debatte um die Kinderlosigkeit abflaute, stieg der Kinderwunsch in den Umfragen wieder an. Dabei hatte sich am Verhalten der Deutschen überhaupt nichts geändert!

Die IW-Lobbyisten ziehen - so stellt es zumindest LOSSE dar - aus ihrer Korrelationsstudie ihnen genehme Kausalschlüsse. Das ist zwar weit verbreitet, aber nicht seriös - und schon gar nicht wissenschaftlich! 

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FERBER, Michael (2017): Neue Vorsorge für Gutverdienende.
Bundesrat regelt Anlagestrategien in beruflicher Vorsorge - Kritik aus der Branche,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.09.

Michael FERBER berichtet über geplante Regeln für 1e-Pläne, die sich an Versicherte richten, die mehr als 126.900 Franken verdienen.

 
       
   

Das Single-Dasein in Finnland

HERMANN, Rudolf (2017): Die Stadt, die den Arbeiter abschafft.
Finnlands historische Industrie-Hochburg Tampere auf dem Weg zur "Smart City",
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.09.

 
       
   

David Goodhart - The Road to Somewhere

VOGEL, Toby (2017): Wenn die alten Rezepte versagen.
David Goodhart glaubt, ein Mittel gegen den Aufstieg der Populisten gefunden zu haben,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.09.

 
       
   

Édouard Louis - Im Herzen der Gewalt

RÜHLE, Alex (2017): Die zweite Person im eigenen Körper.
Édouard Louis erzählt von einer Vergewaltigung, einem Mordversuch. Sein autobiografischer Roman "Im Herzen der Gewalt" ist ein großes Buch über die Macht der Sprache, das Unsichtbare zu zeigen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Frankreich

KUCHENBECKER, Tanja (2017): Macrons Schicksalsprojekt.
Hohe Erwartungen, große Gegenwehr: Der französische Präsident hat seine Arbeitsmarktreform vorgestellt,
in:
Handelsblatt v. 01.09.

KUCHENBECKER, Tanja (2017): Experiment Mietspiegel.
HB-Serie Wege aus der Wohnungsnot: Das Nachbarland Frankreich versucht, steigende Wohnungskosten mit ähnlichen Mitteln wie Deutschland zu bremsen. In Paris gelingt dies - wenn auch auf hohem Niveau. Und der befürchtete Einbruch der Neubauanträge blieb aus,
in:
Handelsblatt v. 01.09.

FINKENZELLER, Karin (2017): Er ist nicht allein.
Emmanuel Macron: Der Reformer verliert an Zustimmung. Doch das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Junge Unternehmer haben das alte Denken längst abgeschafft,
in:
Wirtschaftswoche Nr.36 v. 01.09.

"(I)n Frankreich ist längst eine Revolution im Gange - und moderne Unternehmer könnten zu den wichtigsten Reformhelfern für den jungen Präsidenten werden. Flachere Hierarchien, Eigeninitiative, der Mut zum Risiko und auch zu Irrtum und Umkehr treten quer durch viele Branchen an die Stelle einer Tradition der Besitzstandswahrung. Was vielen Franzosen früher als Garant sozialer Sicherheit schien, wird heute als Gefahr für die Zukunftsfähigkeit empfunden",

meint Karin FINKENZELLER. Dieser Sound war hierzulande auch in den Nuller Jahren zu hören - als Begleitmusik zur Agenda 2010. Floskeln aus der New Economy-Ecke und die Anrufung der neuen Bürgerlichkeit, mit der endlich die Bonner Arbeitnehmerbeschaulichkeit über Bord geworfen werden sollte, gehören seitdem zum Neusprech in Deutschland. Nun soll also das gleiche Neusprech Frankreich auf Trab bringen. Wird also demnächst eine Titelgeschichte zu Frankreich über die dortige selbstzufriedene Republik erscheinen?  

SCHUBERT, Christian (2017): Frankreichs Personalchefin.
Muriel Pénicaud verantwortet mit dem Umbau des Arbeitsrechts die erste große Reform von Emmanuel Macron. Sie fühlt sich dabei in ihrem Element,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.09.

 
       
   

WEBER-KLÜVER, Katrin (2017): Ein Lehrstück aus der tiefsten Provinz.
Zu DDR-Zeiten war Torgelow eine graue Kleinstadt in Vorpommern, nach der Wende suchten vor allem viele junge Menschen das Weite. Inzwischen gibt es erstmals Zuversicht. Wie kann das sein?
in: Cicero,
September

"Bis heute hat Torgelow mit dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen auch ein Drittel seiner Bevölkerung eingebüßt. Von 14.000 im Jahr 1989 ist die Zahl auf 9.500 Einwohner gesunken, ohne Eingemeindungen wären es noch weniger.
(...).
Der Nachwendeniedergang setzte sich fort (...) bis auch die Region Uecker-Randow in den bundesweiten Trend einfädelte, der seit 2005 rückläufige Arbeitslosenzahlen aufweist. In Torgelow ging die Zahl zwischen 2007 und 2016 kontinuierlich von 1.189 auf 677 Menschen zurück.
Im Sommer 2017 liegt die Arbeitslosenquote bei gut 10 Prozent, viel im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, im Vergleich zu den trostlosen Jahren fast gefühlte Vollbeschäftigung. Doch die Jahrzehnte der Abwanderungen haben (...) zu »Verwerfungen« geführt, die die Stadt prägen. Es sind ja nicht die gegangen, die mutlos waren, in Torgelow gibt es nun offene Stellen, für die es an qualifizierten Kräften fehlt, und Ausbildungsplätze, die schwer vermittelbar sind",

beschreibt Katrin WEBER-KLÜVER die Lage in Torgelow, wobei sie die Perspektive dreier engagierter Bürger in den Mittelpunkt ihrer Reportage stellt: den Bürgermeister Ralf GOTTSCHALK (Bürgerbündnis), der das Amt seit der Wende geerbt hat, einen Unternehmer und die "gute Fee", die sich Dörpkieker nennt, der Volkssolidarität. In Torgelow und Vorpommern gelten die Polen als Chance:

"Vorpommern (soll) wieder (...) Teil des Speckgürtels von Stettin (werden). Die polnische Grenzstadt ist nur gut 50 Kilometer entfernt.
Die Region wächst bereits zusammen, allein schon weil Polen, auch wenn sie weiterhin in Stettin arbeiten, ins günstigere Vorpommern ziehen."

Neben den Polen setzt die Region auf die Heimatverbundenen und Großstädter, die sich hier noch den "Traum vom bezahlbaren Wochenendhäuschen" erfüllen können. Torgelow wird zu einer Art Dorf der Gallier stilisiert, wenn es heißt:

"Patrick Dahlemann (...) ist im September 2016 als Direktkandidat de SPD in den Schweriner Landtag eingezogen. Um seinen, den Torgelower Wahlkreis herum hat die AfD alles abgeräumt."

Die Niedriglohnstrategie der 1990er wird als Fehlentscheidung beschreiben, denn

"Lohndumping ist schlecht fürs Selbstwertgefühl und schlecht für die Kaufkraft. (...). Nach wie vor sind viele Jobs schlecht bezahlt, und die Kaufkraft in Torgelow gehört mit 75 Prozent des Bundesdurchschnitts zu den niedrigsten überhaupt."

Und nicht zuletzt wird die "Überalterung" angesprochen:

"(D)ie Indikatoren des Alterns (sind) nicht zu übersehen: die Dichte an Apotheken, die Büros karitativer Verbände, Sanitätsfachhandel in bester Lage. Pflegeeinrichtungen wie Pflegeberufe sind ein florierender Wirtschaftszweig." 

 
       
   

GRAU, Alexander (2017): Theorie und Praxis.
Der Soziologe Stephan Lessenich hat eine Partei gegründet, um in der Politik neue linke Akzente zu setzen. Über deren Erfolgsaussichten macht er sich keine Illusionen,
in: Cicero,
September

 
       
   

BLANK, Florian (2017): Und sie bewegt sich doch.
Anmerkungen zur aktuellen rentenpolitischen Debatte,
in: WSI-Mitteilungen Nr.6,
September

Florian BLANK sieht im Rentenniveau eine zentrale Stellschraube der Rentenpolitik:

"Eine Veränderung des Rentenniveaus betrifft alle Renten, Altersrenten und Erwerbsminderungsrenten, ebenso wie die Ansprüche der Beitragszahler. (...).
Die Verschiebung des Debattenfokus auf das Rentenniveau ist von größter Bedeutung. (...). Es würde (...) eine zentrale Entscheidung rückgängig gemacht werden, nämlich die Abkopplung der Renten von der Lohnentwicklung."

Dabei ist das Verhältnis der Rentenniveauentwicklung zu Rentenentwicklung und zur Lohnentwicklung durchaus komplex:

"Ein steigendes Rentenniveau muss (...) nicht unter allen Umständen steigende Renten abbilden. So ergibt sich bspw. auch bei sinkendem Durchschnittsentgelt und zugleich stabilen Renten ein steigendes Rentenniveau. Das war im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise der Fall. (...). Da es um das Verhältnis der Nettorenten zu den Nettolöhnen geht, kann eine Anhebung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung oder zur Rentenversicherung zu einem steigenden Niveau beitragen - ohne dass die Niveausteigerung gleichzeitig in eine Steigerung der Renten zu übersetzen ist. Und wenn höhere Renten zu höheren Beiträgen führen, wird das Niveau sogar aufgrund von Entwicklungen in Zähler und Nenner positiv beeinflusst."

 
       
   

LANGENBERG, Britta (2017): Innere Werte.
Die Lebensversicherer müssen neuerdings ihre Krisenfestigkeit beweisen - und detailliert Zahlen offenlegen. Eine Studie benennt solvente Anbieter und solche, die nachsitzen müssen,
in: Capital,
September

 
       
   

WOLFFHEIM, Franziska (2017): "Meine Eltern haben sieben Jahre auf mich gewartet".
Die Schriftstellerin Annette Mingels erfuhr als Zwölfjährige, dass sie ein Adoptivkind ist. Was deas in ihre auslöste und warum sie das Thema in ihrem aktuellen Roman Was alles war aufgegriffen hat, erzählt sie im Gespräch,
in: Psychologie Heute,
September

 
       
   

USTORF, Anne-Ev (2017): Generation Y. Jung und unbeschwert?
Die Jahre zwischen 20 und 30 gelten als die schönsten im Leben. Tatsächlich erleben viele junge Menschen diese Zeit aber als extrem anstrengend: Gerade bei jungen Erwachsenen nehmen psychische Erkrankungen derzeit überproportional zu. Was sind die Gründe?
in: Psychologie Heute,
September

 
       
 

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 25. - 31. August 2017
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
 
  [ Homepage ]
 
   
© 2000-2017
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Stand: 15. September 2017