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News vom
10. - 14. Februar 2011
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Zitat
des Monats:
Beiläufiges Kennenlernen im Internet
"Paarbildung
im Internet basiert (...) auf zufälligen bzw. beiläufigen
Kontakten und ist von
gezielter Online-Partnersuche über Kontaktbörsen und
Partnervermittlungen abzugrenzen (...).
(...).
Eine neue Form der
Geselligkeit bieten beispielsweise die zahlreichen
Online-Chats, in denen man sich - oft nach Altersgruppen
differenziert - zusammenfindet und zeitgleich per Tastatur
plaudert, scherzt und flirtet. Dieser unbefangene und zunächst
anonyme Austausch, bei dem jede_r unbeobachtet zu Hause sitzt,
wird von den Beteiligten als entspannend erlebt, sofern sie
Chat-Erfahrung mitbringen und schnelles Lesen am Monitor und
Schreiben auf der Tastatur für sie kein Problem darstellen.
Schüchternheit spielt beim Online-Flirt eine weitaus geringere
Rolle als beim Offline-Flirt (...).
(...).
Neben den themenfreien,
geselligen Chaträumen bietet das Netz vielfältige
themengebundene Online-Angebote. So manche Internet-Liebe hat
sich in einem Online-Diskussionsforum (...), einer
Online-Community (...), einer Online-Selbsthilfegruppe (...)
oder einer globalen Online-Spielewelt (...) entwickelt."
(Nicola Döring
"Wie wir
Liebes- und Sexpartner im Internet finden" 2011, S.34f.)
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SCHLEUFE,
Markus (2011): Flirttrainer - Der Liebe professionell auf die
Sprünge helfen.
17 Millionen Singles gibt es in
Deutschland, viele davon wünschen sich eine Partnerschaft. Ein großer
Markt für Flirttrainer. Ihr Joballtag im Beruf der Woche,
in:
ZEIT Online v. 14.02.
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HAUCK,
Mirjam (2011): "Für Liebe zu zahlen ist anrüchig".
Online-Dating
bei Partnerbörsen:
Wer sein Single-Dasein beenden will, geht immer häufiger im Netz auf
Partnersuche. Die Ethnologin Julia Dombrowski hat sich das genauer
angeschaut. Ein Gespräch über romantische Liebe, Effizienz und die
Definition von "gutem Wein",
in:
Sueddeutsche.de v. 14.02.
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BUDE,
Heinz (2011): Die Unverwendbaren.
Wie kann der Wohlfahrtsstaat die
Müden und Gerissenen aushalten?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.02.
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Heinz BUDE, der mit der Generation Berlin zum
Oberlehrer der Berliner Republik avanciert ist, heizt zuerst
kräftig die Ressentiments gegen die Hartz-IV-Empfänger, indem er
sich zum Exegeten des "investiven Wohlfahrtsstaates" aufbläst. Aus
dieser Position verkündet er die schlechte Nachricht:
"Die schlechte Nachricht
bezieht sich auf die Existenz einer unverwendbaren Bevölkerung,
die die Gesprächspartner aus den Jobcentern auf 1,5 bis 1,8
Millionen in Deutschland schätzen."
Diese unverwendbare Bevölkerung
charakterisiert er dann als "die Müden, die Cleveren und die
Gerissenen". Wer clever und gerissen ist, der sitzt bei uns jedoch
traditionell eher im Management, weswegen er zuvor die
ressentimentgeladenen Begriffe vom "Sozialschmarotzertum und
Abzockermentalität" in den Mund genommen hat. Der Leser kann sich
also auswählen, zu welchem Statement er eher neigt. Der Wendepunkt
der Erzählung wird dann durch eine rhetorische Frage eingeleitet:
"Gibt es wirklich keine andere
Möglichkeit, als sich im Ressentiment zu erregen oder in
Resignation abzukühlen?"
Für das Ressentiment stehen als
Vorbilder entweder Peter SLOTERDIJK oder Ulf POSCHARDT zur
Verfügung. Die Resignierten versinnbildlicht BUDE im "schwermütig
veranlagte(n) Junggesellen im mittleren Alter", also Typen wie sie
von Michel Houellebecq hinreichend beschrieben wurden. Aber über
welche Gruppe sprechen wir eigentlich?
"Diese Gruppe, an der sich der
Wohlfahrtsstaat die Zähne ausbeißt, gibt es in Finnland genauso
wie in Belgien, in Frankreich genauso wie in Großbritannien. Und
in Deutschland ist die Anzahl gemessen an der Gesamtzahl der
Erwerbstätigen sogar noch relativ gering."
Wem dieser Hinweis nicht genügt,
dem spendet BUDE Trost mittels der katholischen Soziallehre und
der Schicksalhaftigkeit der Unverwendbarkeit:
"Wenn immer nur gilt, was uns
nach vorne bringt und zum Sieg verhilft, ist vom Schicksal der
Unverwendbarkeit am Ende niemand gefeit."
Wir haben es hier mit der Wende
vom aktivierenden zum respektierenden Sozialstaat zu tun, dessen
Einsatzbereich die "Unverwendbaren" sind. Das muss man wohl als
vorläufiges Friedensangebot zum Auftakt des "Superwahljahrs"
verstehen.
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RABE, Jens-Christian (2011): Keine Angst vor Banalitäten.
Sie wollen ein Buch zur Krise
veröffentlichen? Gerhard Schulze zeigt, wie man die Welle auf dem
Trittbrett reitet,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.02.
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Der Soziologe
Gerhard SCHULZE, das Vorläufermodell von Heinz BUDE in Sachen
Zeitdiagnostik, lässt schon mal einen Blick in die Zukunft von
Heinz BUDE werfen. SCHULZEs Buch
Krisen wird von RABE in Grund und Boden gestampft. Das
Buch steht in der Tradition der 1986 geschrieben
Risikogesellschaft. Dessen positivistische Variante des
Trendsurfers Matthias HORX stand dann im Zeichen von Wishful
Thinking:
Anleitung zum Zukunftsoptimismus.
Wessen
Zeit die 1990er waren, der kann sich noch an den Topos
Erlebnisgesellschaft erinnern, der Anfang der Nuller Jahre als
Spaßgesellschaft x-mal zur Ruhe gesetzt wurde, aber ständig
wieder als Zombie Karriere machte (Peter Pan und seine
Spießergenossen).
Mit
Krisen ist es so eine Sache, die werden nämlich nur von der SZ
und anderer Qualitätszeitungen ausgerufen oder auch nicht. Wer
sich da einmischt, kann eigentlich nur Prügel beziehen, wenn er
nicht zum gerade amtierenden Hofstaat gehört. Über zwei
Zeitungsspalten hinweg langweilt RABE mit einer - von ihm offenbar
für ungeheuer intelligent und humorvoll gehaltenen Rezension. RABE
hätte genauso gut über den Hipster oder sonst ein typisches
RABE-Thema schreiben können. Latein und die Antike, das wissen wir
jetzt, ist nicht sein Ding. Aber dazu wären keine zwei
Zeitschriftenspalten Wald nötig gewesen oder fängt das Sommerloch
bei der SZ jetzt bereits im Februar an?
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PILZ,
Dirk (2011): So geruhsam bleibt es nicht.
Der Philosoph Richard David Precht
über Demokratie und die Gefahr einer Diktatur,
in:
Berliner Zeitung v. 14.02.
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STEINBEIS, Maximilian (2011): Die Fastenpredigt des
Verfassungsrichters,
in: DeutschlandRadio v. 14.02.
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JACOBY, Sybil (2011): Prinzen und Frösche.
Rund jeder vierte Schweizer ist
Single, das sind 1,25 Millionen Frauen und Männer. Gerade am heutigen
Tag wird ihnen der Wunsch nach einem Partner schmerzlich bewusst.
Partnersuche im Internet ist zwar vielversprechend, doch kein Garant
für die grosse Liebe. Singles berichten,
in:
St. Galler Tagblatt Online v. 14.02.
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JIMENEZ, Fanny (2011): Freunde fürs Leben?
Von Liebe zu Freundschaft oder
andersherum zu wechseln, ist nicht einfach - doch es kann gelingen,
in:
Welt am Sonntag v. 13.02.
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KILIAN, Alexandra & Ulrich CLAUSS (2011): Fremdgehen mit
Facebook? Gefällt mir!
In Rosenkriegen spielen soziale
Netzwerke eine immer stärkere Rolle, warnen Anwälte und Detektive,
in:
Welt am Sonntag v. 13.02.
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DOWIDEIT, Anette (2011): Zwischen Brei und Blackberry.
Von A wie "Abendtermine" bis Z wie "Zwei-zu-eins-Regel":
Unsere Wirtschaftsreporterin hat ein Überlebenshandbuch für
berufstätige Mütter geschrieben. Die schönsten Stellen präsentieren
wir Ihnen hier,
in:
Welt am Sonntag v. 13.02.
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VOWINKEL, Heike & Eva SUDHOLT (2011): Wir wollen alles!
Seit Wochen wird über Frauen und
ihre Rolle diskutiert: Sind sie feige? Brauchen sie eine Quote für
Führungsposten? Hier kommen sie selbst zu Wort. Sechs Frauen über
Kinder, Kerle und Karriere,
in:
Welt am Sonntag v. 13.02.
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KÄMMERLINGS, Richard (2011): Das kurze Glück der Gegenwart.
Warum sollen wir eigentlich lesen,
was unsere Schriftsteller heute schreiben? Ein Plädoyer für
Zeitgenossenschaft,
in:
Welt am Sonntag v. 13.02.
Die WamS bringt
einen Vorabdruck des Literaturkritikers Richard KÄMMERLINGS
aus der Einleitung zum Buch
Das kurze Glück der Gegenwart. KÄMMERLINGS ist ein
Generationsgenosse von Volker WEIDERMANN, der mit
Lichtjahre vorgemacht hat, wie man eine erfolgreiche
Literaturgeschichte als
Emphatiker (Hubert WINKELS) schreibt.
Wenn Popliteratur die Identität von Person und Werk fordert,
dann versteht sich der Empathiker nicht als analytischer
Literaturkritiker, sondern als überwältigter Leser. Das liest
sich dann folgendermaßen:
"Michel Houellebecqs
erster Roman
»Ausweitung
der Kampfzone«,
das halbe Buch meiner kurzen Aufzählung, war ein Schock, ein
Schlag vor den Kopf. Als ich das las, war ich fasziniert und
konsterniert zugleich: Wie konnte man so brutal, so
wissenschaftlich kalt und illusionslos über die Jagd nach
Sex, den Konkurrenzkampf in den Nachtklubs, die Gesetze von
Angebot und Nachfrage schreiben? Das ganze sogenannte
Liebesleben als darwinistischer Überlebenskampf, als
Fortsetzung der neoliberalen Ellenbogengesellschaft mit
anderen Mitteln? Das Private erschien plötzlich nicht mehr
als Gegensatz zum Karrierismus und zum Leistungsdenken,
sondern als deren krasseste Form; wer das weiter steigern
wollte, der landete bei dem Yuppie als Serienkiller, wie ihn
Bret Easton Ellis in
»American
Psycho«
(1995) dargestellt hatte. Houellebecqs verzweifelte und
einsame Angestellte waren natürlich sehr Neunziger, und so
konnte nur ein heimlicher Romantiker und verkappter Utopist
schreiben,
der das in Wahrheit furchtbar hasst und eigentlich gern in
den Siebzigern gelebt hätte, wenn die Hippies nicht solche
Loser gewesen wären."
Mehr bietet der Verlag als
Leseprobe (hier
als PDF-Datei zum Download) |
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STOLLORZ, Volker (2011): Meine Gene, deine Gene.
Jeder Mensch trägt in seinem Erbgut
Fehler. Wenn zwei davon in einer Partnerschaft zusammenkommen, können
schwer behinderte Kinder geboren werden. Soll man das testen, noch ehe
sie gezeugt werden?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.02.
KASTILAN, Sonja (2011): Warum testen? Wie viele?
Offene Fragen zur PID in
Deutschland,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.02.
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KLEMM, Jana & Simone RÖDDER (2011): "Wir spielen schon lange
Gott".
Vor fünfzig Jahren kam in
Deutschland die Antibabypille auf den Markt. Heute wäre das nicht mehr
möglich, sagt ihr Erfinder, der Chemiker Carl Djerassi,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.02.
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SPRECKELSEN, Tilman (2011): Mobile Gesellschaft? Ach was.
Ein Atlas zeigt, dass viele deutsche
Familien am liebsten dort geblieben sind, wo sie schon im Mittelalter
waren,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.02.
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AMANN, Melanie (2011): Der Biegsame.
Im Porträt - Bert Rürup: Er war der
einflussreichste Ökonom im Land. Jetzt gibt er den Unternehmer. Und
ist traurig, dass die Deutschen ihn nicht lieben,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.02.
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REICHERT,
Martin (2011): Mund auf, Augen zu.
Kontakt:
Lange Zeit galt er als unsittlich, doch heute ist er fast aus dem
öffentlichen Raum verschwunden: der gute, tiefe Zungenkuss ,
in:
TAZ v. 12.02.
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Kann man ohne Sex gut leben?
Begehren: Wer keinen Sex hat, gilt in einer Gesellschaft voller
Porno-Chic und Stellungstipps schnell als Loser. Dabei fühlen sich
manche auch ganz ohne wohl
GOLDSTEIN,
Martin/DAHLKE, Frank/JAEGGI, Eva/TAPKEN, Sigrid (2011): Ja,
in:
TAZ v. 12.02.
SCHIRPENBACH,
Meik/WICHERS, Renate/FENSCH, Martin/SUNDERMEIER, Katja (2011):
Nein,
in:
TAZ v. 12.02.
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RATH,
Christian (2011): Geschiedene Frauen finanziell gestärkt.
Bundesverfassungsgericht: Neue
Heirat nach Scheidung kann Unterhaltspflicht des Exmannes nicht
verringern. BGH-Urteil kassiert,
in:
TAZ v. 12.02.
PRANTL,
Heribert (2011): Vom Wert der alten und der neuen Ehe.
Unterhalt nach der Scheidung: Das
Bundesverfassungsgericht erklärt die neuere Rechtsprechung der
Familiengerichte für verfassungswidrig,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.02.
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SEIBT,
Gustav (2011): Du bist nicht allein.
Ach was, Grenzen: Über das neue
eiserne Zeitalter in der Pädagogik und eine einfache Wahrheit der
Erziehung,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.02.
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Gustav SEIBT blickt von Schöneberg
aus auf den Prenzlauer Berg und entdeckt dort "Kinderfaschismus":
"In Prenzlauer Berg, dem
mittlerweise kinderreichsten Wohngebiet Mitteleuropas, laufen die
Kleinen ja nicht uniformiert in Dreierreihen über die
Bürgersteige. Ganz im Gegenteil. Hier haben die Kinder das Regime
im öffentlichen Raum übernommen. Die Gastronomie hat sich,
unterstützt von der Anti-Raucher-Gesetzgebung, auf junge Frauen
umgestellt. Wo früher Clubs dröhnten, pochen nun junge Eltern, die
ihre Säuglinge mühsam zum Schlafen bringen, auf die polizeilich
vorgeschriebenen Ruhezeiten, Fahrradfahrer müssen vor den
Buggy-Fronten, die sich über die Gehwege schieben, bitte
unverzüglich bremsen."
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SCHWARZ,
Franziska (2011): Digitale Inventur.
Warum man für seine Netz-Existenz
einen Nachlassverwalter haben sollte,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.02.
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KERMANI,
Navid (2011): "Rom, Blicke" zu Ende gelesen.
Eine Wiederbegegnung mit Rolf Dieter Brinkmann in der Römer Villa
Massimo,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 12.02.
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Was braucht die Familie?
Wie Staat und Gesellschaft ihren wertvollsten Kleinunternehmen
helfen müssen. Und wo sie sich bitte raushalten sollten
NIEJAHR,
Elisabeth (2011): Mit der großen Gießkanne.
Ob Oberschicht oder Unterklasse,
alleinerziehend oder zu zweit, mit Job oder ohne Job: Der deutsche
Sozialstaat hilft fast jeder Familie - und damit keiner richtig,
in:
Die ZEIT Nr.7 v. 10.02.
Elisabeth NIEJAHR beschwört die Komplexität der
Familienleistungen - also das passende Gegenstück zu Jens JESSENs
beschworener Familienkomplexität.
"Die Förderei ist so
unübersichtlich, dass kein seriöser Wissenschaftler berechnen
mag, welche soziale Gruppe wie stark profitiert",
klagt NIEJAHR. Sie verschweigt
aber, dass Transparenz gar nicht gewünscht ist, denn dann hätte
die ZEIT selber ein gravierendes Problem. Sie müsste dann
ihre eigene Klientelpolitik transparent machen, die von der
oberflächlich beschworenen Familienkomplexität nichts wissen will.
Die
mediale Konstruktion der Problembeispiele in dem Beitrag folgt
einer impliziten Klientelpolitik, d.h. der Förderung der
akademischen Doppelkarrierefamilie. Dazu wird u. a. das
mittelschichtorientierte Ehegattensplitting attackiert:
"zwanzig Milliarden kostet
das Ehegattensplitting, das große Steuervorteile für Familien
bietet, in denen nur ein Ehepartner berufstätig ist. Der
maximale Vorteil liegt laut Bundesfinanzministerium bei 15.694
Euro pro Jahr. Ein Drittel der Splitting-Vorteile geht an
kinderlose Ehepaare und an solche, deren Nachwuchs nicht mehr im
Haushalt lebt. »Im Interesse der Kinder müssten wir junge Eltern
stärker fördern als alte, aber das Splitting wirkt eher in die
andere Richtung«, kritisiert der Familiensoziologe Hans
Bertram."
Eng verbunden mit dieser
Subventionierung der Ehe statt der jungen Familie -
unverheiratet oder verheiratet - ist der abgeleitete Anspruch auf
Hinterbliebenenrente, den sich Rentnerpaare erhalten wollen:
"Und
oft reagieren sie darauf, wie Menschen es schon immer getan
haben: Sie richten sich ein und versuchen das Beste
herauszuholen – auf Kosten des Gemeinwohls.
So trägt die
Familienpolitik sogar dazu bei, dass Paare ganz rational
entscheiden, nicht zu heiraten. Heide Wolff ist ein Beispiel
dafür. (...). Wolff und ihr Freund leben in benachbarten
Wohnungen mit kleiner Verbindungstür. Seit zwanzig Jahren sind
sie ein Paar.
(...) Beide
hatten Ehepartner, die gestorben sind, und bekommen deshalb
Hinterbliebenenrenten. Im Fall einer neuen Ehe würden diese
Ansprüche entfallen, und das Paar hätte monatlich viel weniger
Geld."
"Wilde Rentnerehe" nennt
NIEJAHR das, obwohl es dafür einen Begriff gibt, der fast so alt
ist wie die alte Bundesrepublik: Onkelehe. Diese Praxis schien
Ende der 1950er im Sterben zu liegen, wie Regina BOHNE in ihrem
1960 erschienen Buch
Das Geschick der zwei Millionen schreibt:
"In der Tat
war ja die »Onkelehe« bis vor kurzer Zeit ein heftig
diskutiertes Problem im Zusammenhang mit der Rentenregelung. In
den ersten Nachkriegsjahren stand die »Onkelehe« in hoher Blüte;
heute liegt sie weithin im Sterben. Die günstigere Regelung für
die Kriegerwitwe, die eine zweite Ehe schließen möchte (sie
erhält heute den fünffachen Jahresbetrag ihrer Sozialrente
ausbezahlt), dürfte hierfür entscheidend ins Gewicht fallen. Der
nächst wichtige Grund ist immaterieller Art: die
herangewachsenen Kinder mit ihren Problemen schärfen das
Verantwortungsbewußtsein der Mutter.
Das Modell einer »Onkelehe«, wie sie vielfach ausgesehen haben
mag, hat der Dichter Heinrich Böll in seinem Roman
»Haus ohne Hüter« in einer exemplarisch deutlichen Sprache
geschildert." (1960, S.165f.)
Wir erleben also im Zeichen der
Skandalisierung der kinderlosen Ehe die Rückkehr der Onkelehe -
nur mit anderen Vorzeichen. Konnte die Kriegerwitwe/Trümmerfrau
noch auf politisches Verständnis hoffen, so gilt das wilde
Rentnerehepaar nun als Trittbrettfahrer einer verfehlten
Familienpolitik.
Wer
verstärkt Akademikerkinder fördern möchte, dem sind die
bildungsfernen Hartz-IV-Empfänger
natürlich ein Dorn im Auge. Passend dazu wird deshalb der
Missbrauch der sozialstaatlichen Leistungen durch die Auflösung
von Paarhaushalten angeprangert:
"Immer wieder ziehen Paare
auseinander, weil ihnen die Unterstützung angenehmer ist als die
vom Partner".
Die Lösung, die angeblich vor
Missbräuchen schützen soll: eine Grundsicherung für Kinder. Der
Pferdefuß ist aber: das mittelschichtorientierte
Ehegattensplitting und das Kindergeld lässt sich nicht abschaffen,
sondern nur verringern. Der Kampf um die Art des
Splittingverfahrens bleibt weiterhin auf der Agenda. Hinzu
kommt: Grundsicherung ist nicht gleich Grundsicherung:
"Die Oppositionsparteien
wollen die Grundsicherung in verschiedenen Varianten, die
meisten Familienverbände auch".
Mit der Grundsicherung für
Kinder ist also keine wirklich transparente Lösung verbunden,
sondern die Verschleierung der Klientelpolitik geht lediglich neue
Wege. Warum sollte sich das Problem Familienpolitik auch
erledigen, wenn doch der dahinter stehende Interessenkonflikt,
d.h. der Kampf von Eltern gegen Eltern um die Bevorzugung der
eigenen Familienform unverändert bleibt? Leider gibt weder der
Artikel von NIEJAHR noch jener von JESSEN eine Antwort darauf.
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JESSEN,
Jens (2011): Zwischen Liebe und Propaganda.
Politik und Medien bestimmen das
Bild von der Familie mehr als Eltern und Kinder selbst - oft aus
Eigeninteresse,
in:
Die ZEIT Nr.7 v. 10.02.
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Jens JESSEN beschwört die
gesellschaftliche Komplexität der Familie, um diese der
Vereinnahmung durch Politik und Medien gegenüberzustellen. Das
alles hatte nur das eine Ziel, Familienpolitik zu formulieren, wie
die ZEIT sie sich wünscht:
"Der Familie, wie auch immer
sie sich gerade zusammensetzt, so wenig wie finanzielle
Schwierigkeiten wie möglich zu machen ist noch das Beste, was sich
von der Politik fordern lässt."
Für die Konkretisierung dieser
allgemein gehaltenen ZEIT-Familienpolitik ist dagegen
Elisabeth NIEJAHR zuständig.
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MÜNCHHAUSEN,
Anna von (2011): Jeden Monat Kassensturz.
Ein Unternehmensberater untersucht
den Tageslauf der Frankfurter Familie Heckmanns/Neus. Ergebnis: Sie
entscheidet ökonomisch richtig,
in:
Die ZEIT Nr.7 v. 10.02.
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HERRMANN,
Ulrike (2011): Arm, ärmer, Langzeitarbeitsloser.
Kastensystem:
Auch in den untersten sozialen Schichten gibt es eine subtile
Hierarchie. Die Hartz-IV-Verhandlungen haben mal wieder gezeigt, wie
sehr die Politiker dies ausspielen,
in:
TAZ v. 10.02.
"Ganz unten ist nicht ganz unten. Selbst für die sozialen
Verlierer gilt noch eine subtile Hierarchie. Leiharbeiter sind
besser als Hartz-IV-Empfänger, Niedriglöhner besser als Aufstocker
- und arme Kinder laufen außer Konkurrenz",
meint
Ulrike HERRMANN zur parteipolitischen Armuts-Rangfolge in
Deutschland
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HAARHOFF,
Heike (2011): Still, kostendämpfend, weiblich.
Pflege: Der Sozialverband VdK will
pflegende Angehörige finanziell besserstellen. Gesundheitsminister
Rösler: Anrechnung der Pflege- auf die Rentenzeiten "diskutieren",
in:
TAZ v. 10.02.
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DELIUS, Mara (2011): Die Frechheit der Frauen.
Wie die amerikanische Komikerin Tina
Fey die Debatte um Frauen, Kinder und Karriere belebt,
in:
Welt v. 10.02.
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GEBHARDT, Richard (2011): Die Zahlen des Schöpfers.
Thilo Sarrazin und die Statistik,
in:
Jungle World Nr.6 v. 10.02.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 01. -
09. Februar 2011
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