Für REUSCHENBACH ist der demographische Alarmismus eine Lizenz für Forderungen derjenigen, die im Bereich der medizinischen Versorgung tätig sind, während das Problem der Pflegenden nicht im gleichen Maße wahrgenommen werde. REUSCHENBACH plädiert deshalb für eine Pflegekammer eine Aufwertung der Pflegeberufe. Den Anstieg der Pflegenden sieht REUSCHENBACH weniger dramatisch:

"Das statistische Bundesamt rechnet mit 2,91 Millionen Pflegebedürftigen im Jahre 2020 und 3,36 Millionen im Jahr 2030. Dies bedeutet: pro Jahr 45 000 Pflegebedürftige mehr. Man könnte aber auch von einem anderen Szenario ausgehen - etwa, dass die älteren Menschen künftig gesünder bleiben als bislang. Dann kommen wir zwischen 2020 und 2030 nur noch auf 27 000 Pflegebedürftige mehr pro Jahr.
Was macht Sie so optimistisch?
Reuschenbach: Dafür spricht die Auswertung der Statistiken. Die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, ist in den Jahren 2000 bis 2008 signifikant rückläufig gewesen. Bei den Männern ist sie um acht Prozent gesunken, bei den Frauen gar um 25 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, heute als 75-Jähriger pflegebedürftig zu werden, ist heute viel geringer als noch vor Jahren."