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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 7. - 14. Oktober 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Fehleinschätzung der wahren Ursachen des Geburtenrückgangs führt dazu, dass der Anstieg der Geburtenrate zu spät und zu gering ausfällt     

"Für eine zukünftige leichte Erhöhung der TFR spricht (...) die Entwicklung der Kohortenfertilität (die endgültige Kinderzahl pro Frauenjahrgang), bei der die Trendwende inzwischen relativ deutlich absehbar ist. (...). Auch die Reformen der Familienpolitik könnten zu einer Reduzierung von Kinderlosigkeit und einem leichten Anstieg der Geburtenrate beitragen. Allerdings wäre für einen Anstieg deutlich über 1,6 auch eine Zunahme kinderreicher Frauen notwendig, da ihr Rückgang der stärkste Treiber des Geburtenrückgangs war".
(Martin Bujard & Kai Dreschmitt "Szenarien der Bevölkerungsentwicklung bis 2060" in: Gesellschaft · Wirtschaft · Politik, Heft 3, S.340)

 
       
       
   

GERNHARDT, Grit (2016): Haus oder Hartz IV.
Urteil: Weil das Eigenheim zu groß ist, bekommt eine Familie keine Sozialleistungen mehr,
in:
Neues Deutschland v. 14.10.

"Mit vier Kindern hatte die Familie in einem Haus mit rund 144 Quadratmetern gewohnt. Als angemessener Wohnraum gelten gewöhnlich 45 bis 50 Quadratmeter für einen Single, für zwei Personen etwa 60 Quadratmeter. Für jede weitere Person sind 15 bis 20 Quadratmeter zusätzlich einzurechnen. Maßgeblich sind allerdings immer die örtlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten. Dasselbe gilt für die Höhe der Wohnkosten.
Im konkreten Fall hatte das Jobcenter das Haus nach dem Auszug des dritten Kindes für unangemessen groß erklärt. Für vier Bewohner eines Eigenheims seien nach dem Zweiten Wohnungsbaugesetz noch 130 Quadratmeter geschützt gewesen, zuletzt für drei Personen aber nur noch 110 Quadratmeter",

berichtet Grit GERNHARDT über eine abgelehnte Klage einer Familie aus dem ostfriesischen Aurich vor dem Bundessozialgericht. Von einem "Zwangsumzug" kann jedoch nicht gesprochen werden. Die Familie könnte z.B. ein oder zwei Zimmer untervermieten. Das Beispiel zeigt, dass die gestiegenen Wohnflächen pro Kopf keineswegs die Folge einer "Single-Gesellschaft" sind, sondern aufgrund der Empty-Nest-Phase - also durch den Auszug der Kinder aus dem Elternhaus - entstehen. Die Familiengesellschaft in Zeiten der Langlebigkeit ist für den überproportionalen Anstieg der Wohnflächen in Deutschland verantwortlich.  

 
       
   

HERZ, Carsten & Christian SCHNELL (2016): Der Reiz der Resterampe.
Für viele Versicherer verlieren die alten Lebens-Policen angesichts der Niedrigzinsen an Attraktivität. Spezialisierte Firmen wittern nun das große Geschäft,
in:
Handelsblatt v. 14.10.

Abwicklungsgesellschaften nennen sich neuerdings "Konsolidierungsplattformen", um ihr negatives Image aufzupolieren. Die Teilprivatisierung der Altersversicherung ist geschafft, nun müssen deren Altlasten - also die vollmundigen Renditeversprechungen der Finanzdienstleister - entsorgt werden. Dabei sollen Abwicklungsgesellschaften wie die Frankfurter Leben helfen. HERZ & SCHNELL berichten über den Stand dieser neuen Geschäftssparte, von denen sich die Abwicklungsgesellschaften Profite versprechen. Sie werben mit Kostenvorteilen durch IT. Großbritannien gilt als Pionierland auf diesem Gebiet, weshalb dort schon Arbeitskämpfe um die betriebliche Altersvorsorge toben. Offenbar ist nicht alles Gold was glänzt.

HERZ & SCHNELL berichten, dass vor einem Jahr der Schweizer Rückversicherer Swiss Re die Abwicklungsgesellschaft Guardian Financial Services aufgekauft hat, die in Großbritannien und Irland tätig ist. Merkwürdigerweise taucht dieses Engagement der Swiss Re im Bereich Lebensversicherungen in der Liste von Georgios KOKOLOGIANNIS gar nicht auf.

Skeptisch sollte machen, dass diese Abwicklungsgesellschaften ihre Namen wie am Fließband ändern. So heißt die Heidelberger Leben nun Viridium Gruppe, nachdem MLP Leben und Skandia Leben geschluckt wurden. Was passiert, wenn nur noch ein Monopolist übrig ist und die Zahl der Altverträge derart geschrumpft ist, dass kein Mengenvorteil mehr besteht? Das Beispiel Protector zeigt das Problem: Diese Auffanggesellschaft der Mannheimer Leben ist mit rund 100.000 Verträgen nicht mehr tragbar geworden und soll nun in der Viridium Gruppe aufgehen.

Verbraucherschützer wie Axel KLEINLEIN sehen das kritisch, werden aber von HERZ & SCHNELL lediglich erwähnt, um dann wieder das Sprachrohr für die Abwicklungsgesellschaften zu spielen. Die Finanzaufsicht Bafin, die der Hochschullehrer Hermann WEINMANN in der Pflicht sieht, ist bisher nicht besonders als Verbraucherschützer aufgefallen.

SCHNELL, Christian (2016): "Das Geschäft war noch nie einfach".
Der Chef der Frankfurter Leben über die Perspektiven seines Geschäfts und warum Spezialanbieter Lebensversicherungen besser verwalten können als die großen Assekuranzen,
in:
Handelsblatt v. 14.10.

 
       
   

WIKTORIN, Anne (2016): Wenn die Preise in den Himmel wachsen.
Häuser und Wohnungen, so scheint es, werden gekauft, egal, was es kostet. Die Sorge nimmt zhu, dass der Markt gefährlich überhitzt,
in:
Handelsblatt v. 14.10.

 
       
   

HERTLE, Matthias (2016): 430 Milliarden Euro für Pensionen in Dax-Konzern.
Kollateralschaden der Niedrigzinspolitik: Die Rückstellungen und die Planvermögen steigen. Auch auf den Mittelstand kommt einiges zu,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.10.

Auf einer Bank sitzen 4 faule, männliche Rentner vor einem See. Die Unterschrift zum Bild lautet: "Unbelastet: Die Rentnerprofitieren von den hohen Zusagen ihrer früheren Arbeitgeber."

Was uns das sagen soll? Die Unternehmen wollen ihre Risiken auf die Arbeitnehmer abwälzen, die angeblich unter hohen Pensionslasten leiden, so jedenfalls sieht es der Unternehmenslobbyist. Matthias HERTLE zitiert Thomas HAGEMANN von Mercer, einem Unternehmen, das im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge tätig ist und als solches Eigeninteressen vertritt.

Uns werden wieder einmal die Ohren vollgejammert, weil die Pensionsrückstellungen der Dax-Konzerne die Eigenkapitalquote drückt. Als Problemfälle werden uns die Commerzbank und die Deutsche Lufthansa vorgestellt.

Die FAZ tritt wiederholt als Anwalt der Dax-Konzere auf, während sie Mittelstandsunternehmen eher weniger interessieren. So wird z.B. von HERTLE darauf verwiesen, dass die Bundesregierung den HGB-Bilanzierern bereits unter die Arme gegriffen habe, während die armen Dax-Konzere "internationalen Gremien" ausgeliefert seien, die kein Verständnis für die Nöte haben.

Als Beispiele für Lösungsstrategien werden uns die BASF-Pensionskasse genannt, die mit mehr Investitionen in Immobilien und Infrastrukturprojekte ihre Rendite erhöhen will. Kleine Pensionskassen werden als problematisch angesehen.

Die Lufthansa gilt als Paradebeispiel für die Abwälzung der Risiken auf ihre Arbeitnehmer:

"Auf die Risiken volatiler Kapitalmärkte reagieren die börsennotierten IFRS-Bilanzierer außerdem, indem sie die aus der Niedrigzinsphase erwachsenen Bilanzrisiken bei der Altersvorsorge an die Arbeitnehmer weiterreichen: In dem Tarifvertrag, den die Lufthansa und die Ufo-Gewerkschaft diesen Sommer ausgehandelt haben, einigten sich die Verhandlungsführer darauf, den Pensionsplan von leistungsorientierten Zusagen (Defined Benefit) auf beitragsorientierte Zusagen (Defined Contribution) umzustellen."

Bei den Piloten soll das ebenfalls versucht werden. Man kann hier bereits sehen, was auch in anderen Bereich geplant ist. Das geplante Sozialpartnermodell der betrieblichen Altersvorsorge soll dafür sorgen, dass Gewerkschaften und BDA zukünftig vermehrt solche Verträge zu Lasten der Arbeitnehmer abschließen können.

Zuletzt kommt HERTLE darauf zu sprechen, dass die mittelständigen Unternehmen ebenfalls ihre Zinslasten verringern wollen.

Fazit: Nachdem 2001 erfolgreich die Teilprivatisierung der Alterssicherung durchgesetzt wurde, sind seitdem die Finanzdienstleister und Arbeitgeber bestrebt ihre damals vollmundigen Versprechungen zu Lasten der Arbeitnehmer zu entsorgen. Auf diesem Weg sind sie mit Hilfe der Bankenkrise ein gutes Stück näher gekommen. Sind erst einmal alle Risiken auf die Arbeitnehmer abgewälzt, wird das schwerlich rückgängig zu machen sein. Den Gewerkschaften, die auf den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge drängen, kommt also eine bedeutende Rolle zu. Werden sie die Arbeitnehmerrechte verteidigen oder lieber zu Gunsten der Stärkung ihrer Macht die Abwälzung der Risiken auf Arbeitnehmer mittragen? Es steht zu befürchten, dass den Gewerkschaften die Stärkung ihrer Macht wichtiger ist.      

 
       
   

KROHN, Philipp (2016): Wildsein - das lernen die Chinesen nie!
Hippies wollten die Welt verändern. Der Anspruch war zu hoch. Punks wollten ihr Ding machen. So  haben sie - ungewollt - die Wirtschaft beflügelt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.10.

Jetzt entdecken auch Hinterwäldler wie Philipp KROHN die Bedeutung des Punk. Längst heißen Zeitschriften z.B. Business-Punk. Auf dieser Website und single-generation.de wurde bereits 2001 behauptet: Die Mediengesellschaft liebt es punkig. Michel HOUELLEBECQ wurde als Pionier der Abstiegsgesellschaft beschrieben. Inzwischen hat es der Begriff "Abstiegsgesellschaft" sogar auf den Buchtitel geschafft. Bereits 2005 wiesen die vom Punk geprägten Joseph HEATH & Andrew POTTER in ihrem Buch Konsumrebellen auf die Bedeutung der Gegenkultur für die Konsumindustrie hin. Wenn nun der Ökonom Ernst MOHR ein Buch Punkökonomie nennt, dann ist das wenig originell und höchstens noch für Hinterwäldler interessant, die die letzten 15 Jahren der Entwicklung des Kulturkapitalismus verpasst haben.

 
       
   

REICH, Anja (2016): "Frauen dürfen sich nicht abspeisen lassen".
Gespräch mit Kristina Vaillant: Sie sind gut ausgebildet und arbeiten ihr Leben lang - trotzdem wird die Rente vieler Frauen, vor allem der Mütter, erschreckend niedrig sein,
in:
Frankfurter Rundschau v. 13.10.

Kristina VAILLANT, Jahrgang 1964, legt nach Die verratene Generation (2014) mit dem Buch Die verratenen Mütter zur Rentenpolitik nach.

"Ich bin 1964 geboren, das ist der geburtenstärkste Jahrgang, und vor ein paar Jahren hörte ich von einer FU-Studie, die sich damit beschäftigt, wie viel Rente Frauen dieser Jahrgänge einmal bekommen werden. Alle waren davon ausgegangen, dass es auskömmliche Renten sein würden, weil die Frauen in der Regel gut ausgebildet sind und viel häufiger berufstätig als die Generation davor, nämlich zu 80 Prozent. Die Studie ergab jedoch, dass 40 Prozent aus den alten Bundesländern und 20 Prozent aus den neuen Bundesländern maximal 600 Euro Rente bekommen werden",

erklärt uns VAILLANT. Diese Studie von Barbara RIEDMÜLLER & Ulrike SCHMALRECK wurde bereits in dem Buch Die verratene Generation zitiert. Dort hieß es:

"Frauen der geburtenstarken Jahrgänge, auf die Welt gekommen in den Jahren zwischen 1958 und 1968 (...). Über sechseinhalb Millionen Frauen sind heute zwischen 45 und 55 Jahre alt. (...) Etwa ein Drittel von ihnen, das sind über zwei Millionen Frauen, werden voraussichtlich eine Rente von maximal 600 Euro bekommen. Wenn diese Frauen in den Jahren zwischen 2023 und 2035 in Rente gehen, kann das ein Alter in Armut bedeuten." (2014, S.59f.)

Die Studie stammt aus dem Jahr 2012, also vor Inkrafttreten des Rentenpakets 2014, mit dem Mütter weiter besser gestellt wurden. Davon profitierten meist nicht-akademische Mütter, die ihre Kinder vor 1992 bekommen haben. Um Akademiker-Mütter wie VAILLANT muss man sich keine Sorgen machen, auch wenn deren gesetzliche Rente niedriger sind, können sie im Gegensatz zu Nichtakademikerinnen auf die kapitalgedeckte Altervorsorge zurückgreifen.

Hinzu kommt, dass VAILLANT gar nicht die Studie selber zitiert, sondern deren Ergebnisse für die Geburtsjahrgänge 1962 bis 1966 einfach auf die Jahrgänge 1958 bis 1962 "hochrechnet" (2014, Fn 37, S.244). Auf welchen Annahmen diese Hochrechnung beruht, wird uns nicht erklärt. Seriös ist das nicht. Möglicherweise wurden also die Auswirkungen der Änderungen bei der Mütterrente gar nicht adäquat berücksichtigt.

Als Feindbild wird uns von VAILLANT die männlichen "Babyboomer aus Westdeutschland" genannt. Darunter kann man sich viele Geburtsjahrgänge vorstellen. Diese sollen angeblich das Soll des Eckrentners übererfüllen können. Belege? Fehlanzeige! Quellenangaben? Was juckt mich mein Geschwätz, ich will sowieso nur jene erreichen, die meiner Sekte angehören, so könnte man dies bezeichnen.

Im internationalen Vergleich pickt sich VAILLANT die Rosinen heraus. Das machen Neoliberale bekanntlich genauso - den nationalen Rentensystemen wird man damit nicht gerecht. Ausgerechnet Großbritannien und Holland werden uns als Vorbilder empfohlen. Man darf bezweifeln dass die dortigen Verhältnisse Frauen im Niedriglohnsektor besser stellen als Deutschland.

VAILLANT beschreibt lediglich die Luxusprobleme ihres privilegierten individualisierten Milieus, mit Altersarmut hat das meist nichts zu tun. Typisch dafür ist die Beschreibung, warum sich diese Frauen nicht organisieren:

"Weil das »Wir« fehlt. Frauenleben können so unterschiedlich sein. Eine hat viele Kinder, die andere nur eins, die nächste trägt ihrem Mann alles hinterher oder hat einen, der ihr viel abnimmt."

Dazu passt auch das Feindbild Gewerkschaft, der erwerbsarbeitszentriertes Denken bei der Rentenpolitik vorgeworfen wird. Letztendlich versteckt sich dahinter die Vorstellung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Davon erhoffen sich vor allem Privilegierte wie VAILLANT Vorteile. Jenseits des Akademikermilieus werden solche Vorstellungen eher als weltfremd angesehen.  

 
       
   

THELEN, Peter (2016): Die Zeit zurückdrehen.
HB-Serie Zukunft der Rente (4): Die Gewerkschaften wünschen sich die "gute alte Rentenversicherung" zurück,
in:
Handelsblatt v. 13.10.

Peter THELEN passt die ganze Richtung der DGB-Gewerkschaften nicht. Er nennt uns zwar die Finanzierungsvorstellungen für die Stabilisierung des Rentenniveaus, nur um sie mit einem Halbsatz vom Tisch zu wischen. Statt einer begründeten Argumentation werden uns von Medien in Umlauf gebrachte Zahlen als "erste amtliche Prognose" verkauft. Wo sind also diese Zahlen? Bislang werden sie uns vorenthalten, sind also nicht überprüfbar.

THELEN spricht von "unlauteren Modellrechnungen" des DGB. Leider ist er auf einem Auge blind, denn die Gegenseite ist genauso unlauter: nämlich bei den Auswirkungen einer Stabilisierung auf die Nettoeinkommen. Diese werden uns von THELEN unkritisch als Grafik präsentiert. Sollten wir nicht kapiert haben, was unser Reaktion darauf zu sein hat, sagt uns das  THELEN noch explizit: Die Zahlen sollen erschrecken - also Stimmungsmache statt Argumentation! Denn nicht nur die Gewerkschaften fordern eine Stabilisierung, sondern auch Christian BÄUMLER ("Chef der CDU-Sozialausschüsse").

Während Kerstin SCHWENN kürzlich in der FAZ noch überzeugt, war, dass es in dieser Legislaturperiode keine Festlegung mehr auf eine Untergrenze beim Rentenniveau geben wird, verkündet uns THELEN nun anderes:

"Nahles weiß, dass sie mit ihren Zahlen der Kampagne hilft. Es kümmert sie wenig. Denn die SPD-Politikerin ist längst entschlossen, wenn eben möglich noch in dieser Legislaturperiode eine neue Haltelinie beim Rentenniveau ins Gesetz zu schreiben. Sie soll an die Stelle der 43 Prozent treten, unter die das Niveau nach geltendem Recht bis 2030 nicht fallen darf. Je mehr bei der Rente jetzt schon geregelt werden kann, um so weniger wird übrigbleiben für einen schmutzigen Rentenwahlkampf 2017, ist ihre Devise."  

 
       
   

STERN (2016): Rentenpläne fallen durch.
So denkt Deutschland,
in:
Stern v. 13.10.

 
       
   

NIEJAHR, Elisabeth (2016): Die Suche nach Konsens.
Ausgerechnet der Populismus könnte zu einer vernünftigen Rentenpolitik führen,
in:
Die ZEIT Nr.43 v. 13.10.

Elisabeth NIEJAHR, Verteidigerin der Agenda 2010, erhofft sich, dass ein Rentenwahlkampf vermieden werden kann. Dazu erzählt sie uns Märchen aus 1001 Rentenreformen. Sie lobt das starke Absenken des Rentenniveaus:

"alle, die nicht erben, nicht privat vorgesorgt haben und nicht länger arbeiten, werden sich bescheiden müssen, und zwar stärker als frühere Generationen von Rentnern",

lautet ihr neoliberales Credo. NIEJAHR hofft, dass die Rechnung aufgeht, und die Gewerkschaften in die Nähe der AfD zu gerückt werden können. Wer sich heutzutage angeblich vernünftigen Reformen widersetzt, dem wird nicht mehr die Alternativlosigkeit entgegengeschleudet. Es genügt heutzutage bereits der Vorwurf den Rechtspopulismus zu stärken.

NIEJAHR hofft auf "möglichst viele gemeinsame Beschlüsse" der Koalition in Sachen Rentenpolitik. Ob das realistisch ist, wird sich in den nächsten Monaten bis Februar zeigen müssen, denn dann geht nichts mehr in dieser Legislaturperiode.

 
       
   

GREFFRATH, Mathias(2016): Rendezvous mit der Welt.
Stephan Lessenich beobachtet die Nebenwirkungen des globalen Kapitalismus, der seinen Müll gern in die Ferne exportiert,
in:
ZEITLiteratur Nr.43 v. 13.10.

 
       
   

LÖFFLER, Juliane (2016): "Weltkrieg gegen die klassische Ehe"? Heiliger Bimbam!
Frauensache,
in:
Freitag Nr.41 v. 13.10.

 
       
   

GMEINER, Jens/LÜHMANN, Michael/MICUS, Matthias (2016): Formel für linke Lagerwahl.
Drei Politologen entwerfen eine Strategie für ein rot-rot-grünes Bündnis auf Bundesebene,
in:
Welt v. 13.10.

 
       
   

FABRICIUS, Michael (2016): Immobilienboom erreicht die ostdeutsche Provinz.
Investoren haben plötzlich Städte wie Freiberg oder Nauen auf dem Radar,
in:
Welt v. 13.10.

Anlässlich des Wohnungsmarktbericht Ostdeutschland 2016 eines Immobilienunternehmens berichtet Michael FABRICIUS unkritisch über deren Sichtweise.

Lediglich 27 ostdeutsche Groß- und Mittelstädte wurden überhaupt betrachtet. Der Begriff "Mittelstadt" wird nicht definiert. Nimmt man die Wikipedia-Definition von 20.000 bis 100.000 Einwohner, dann gab es 2015 in Ostdeutschland neben 9 Großstädten allein 96 Mittelstädte. Der Wohnungsmarktbericht umfasst also lediglich ca. 20 % der Mittelstädte in Ostdeutschland. Das Auswahlkriterium "Interesse" deutet darauf hin, dass die Auswahl nicht repräsentativ für Ostedeutschland ist, sondern die Selektivität der Immobilienfirma widerspiegelt.

Als Investoreninteresse - was wohl mit dem Auswahlkriterium weitgehend identisch ist - werden uns von FABRICIUS folgende vier Faktoren genannt:
1) Starke Erhöhung der Kaufpreise
2) Hohe Renditen
3) Kein Einwohnerrückgang in den letzten Jahren
4) Verbesserung der Arbeitsmarktlage und damit Anstieg der Kaufkraft

 
       
   

Der Artikel Die Wirkung des demografischen Wandels auf die Steuereinnahmen in Deutschland in den Medien

SIEMS, Dorothea (2016): Steuerzahler können die Rente nicht retten.
Alternde Gesellschaft führt ab 2025 zu einem Einbruch der Einnahmen. Gleichzeitig steigt der Bundeszuschuss,
in:
Welt v. 13.10.

Dorothea SIEMS posaunt die PR der Unternehmenslobby hinaus, die die Haushaltsfinanzen schlecht redet, um Forderungen nach einer Stabilisierung des Rentenniveaus abzuwehren. Unter welchen Vorrausetzungen der angebliche "Steuereinbruch" eintritt, das verschweigt uns das Sprachrohr SIEMS.

SCHMIDT, Louisa (2016): Milliarden weniger Steuern.
Einnahmen könnten durch den Demografiewandel wieder sinken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.10.

"Die Summe basiert allerdings auf zahlreichen Annahmen: So rechnen die IW-Experten etwa mit aktuellen Preisen und Löhnen und berücksichtigen auch kein Wachstum der Wirtschaft oder der Produktivität",

kritisiert Louisa SCHMIDT wenigstens einige Punkte der neoliberalen PR. Inzwischen gibt es etliche Wissenschaftler, die die Annahme eines demografisch bedingten Erwerbskräftemangels in Deutschland bezweifeln. Dazu gehören Thomas STRAUBHAAR und zuletzt Hannes WEBER in der FAZ. Sie verweisen auf die Digitalisierung und Roboterisierung der Arbeitswelt. Eine Konstanz des Erwerbsfähigenpotenzials wäre also gar nicht erforderlich. Handlungsspielräume in Sachen Besteuerung werden ebenfalls unberücksichtigt gelassen. 

 
       
   

BRIGITTE-Dossier: Wenn Männer keine Väter werden.
Männer haben es gut: Bei ihnen tickt keine biologische Uhr, sie können immer Kinder bekommen... nein, ganz so einfach ist es nicht. Auch bei Männern sinkt ab Mitte 40 die Wahrscheinlichkeit, noch eine Familie zu gründen. Und sie müssen einen Weg finden, damit umzugehen

CARL, Verena (2016): Zwischen Babyblues und Freiheitsdrang.
Wer die Entscheidung für ein Kind nicht rechtzeitig trifft - aus welchen Gründen auch immer -, für den entscheidet irgendwann das Leben. Und zwar meistens abschlägig. Woran liegt es, wenn Männer kinderlos bleiben, und wie fühlen sie sich damit?
in:
Brigitte Nr.22 v. 12.10.

"Frauen (...) gelten ab Mitte, Ende 30 als angezählt, ein paar Jahre später als tragische Nietenzieher in der Babylotterie oder als Karrierezicken, und ab Mitte 40 macht der Körper irgendwann nicht mehr mit. Egal, ob Schicksal, Biologie oder freiwillige Entscheidung - ganz kalt lässt die K-Frage keine",

erklärt uns Verena CARL, was Frauen heute von der Gesellschaft, d.h. den Mainstreammedien und speziell der Bevölkerungswissenschaft als Deutungsschema angeboten wird.

Schon seit Anfang des Jahrtausends werden Spätgebärende, als die - trotz aller Fortschritte der Reproduktionsmedizin und großer interindividueller Unterschiede hinsichtlich der persönlichen Fruchtbarkeit, immer noch über 34-jährige Frauen gelten, als Problemfall beschrieben. Seit Mitte der Nuller Jahre haben Postfeministinnen, Bevölkerungswissenschaft und Reproduktionsmedizin verstärkt den Mann als kinderlosen Problemfall entdeckt. Nicht nur Verena CARL versucht deshalb das Bild vom bis ins hohe Alter zeugungsfähigen Mann zu demontieren.

Die Kinderlosigkeit des Mannes ist jedoch zu allererst ein sozioökonomisches und kein biologisches Problem, denn der Mann wird - trotz oder gerade wegen der Emanzipation? - immer noch als Familienernährer gesehen, weshalb Männer ohne hohes Einkommen weniger Chancen bei Frauen mit Kinderwunsch haben. Dies mit "Abgehängten" zu verwechseln ist typisches Mittelschichtmedienverzerrung. Das Etikett "Aufschieber" wird dagegen gerne Männern aus dem individualisierten Milieu verpasst.

Als Experten werden uns Martin BUJARD, Christian SCHMITT, Sarah DIEHL ("Die Uhr, die nicht tickt"), Claudia ZERLE-ELSÄßER und Björn SÜFKE ("Männer! Erfindet! Euch! Neu!") präsentiert.

Mehr als die traditionelle entwicklungspsychologische Vorstellung vom Gegensatz zwischen Stagnation und Generativität wird uns nicht geboten. Sinn soll das Hauptproblem von Kinderlosen sein. Wir sollten Trauerarbeit leisten:

"Jede Lebensmöglichkeit, die wir nicht verwirklichen, will betrauert werden."

Wenn das der Fall wäre, dann würden wir vor lauter Trauerarbeit verhungern müssen!

Mittels 5 Porträts werden verschiedene Typen von kinderlosen Männern unterschieden:
- Der Pragmatiker (38 Jahre, Krankenpfleger, feste Partnerschaft)
- Der Trauerarbeiter (52 Jahre, Agenturchef, verheiratet)
- Der Freiheitsliebende (54, Tourismusexperte, frisch verliebt)
- Der Aufschieber (41, Journalist, Single)
- Der Entspannte (50, Jurist, verheiratet) 

CARL, Verena (2016): "Die Passivität ist für Männer das Bitterste".
Gespräch mit Petra Thorn: Das Herz sagt Ja, die Partnerin sagt Ja, der Körper sagt Nein: Wie gehen Männer damit um, wenn sich ein Kinderwunsch aus medizinischen Gründen nicht erfüllt?
in:
Brigitte Nr.22 v. 12.10.

 
       
   

Die Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2017 in den Medien

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Sozialausgaben steigen für Gutverdiener kräftig an.
Neue Bemessungsgrenzen und höherer Pflegebeitrag,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.10.

ÖCHSNER, Thomas (2016): 30 Euro mehr im Monat.
Gutverdiener müssen von 2017 an höhere Sozialabgaben zahlen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.10.

Im Gegensatz zu Dietrich CREUTZBURG, der als Lobbyist der Spitzenverdiener und der Arbeitgeber nur die "kräftige" Steigerung thematisiert, begründet Thomas ÖCHSNER auch die Notwendigkeit der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen:

"Ein Verzicht auf eine Anhebung der Grenzen ist politisch nicht gewünscht. Denn würden diese nicht mit dem Einkommen wachsen, müssten die Arbeitnehmer mit einem geringeren Einkommen sukzessive immer mehr Lasten tragen, während Gut- und Spitzenverdiener aus der Sozialversicherung nach oben herauswachsen."

Besser wäre die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenzen und stattdessen eine Kappung der Rentenhöhe für Spitzenverdiener, denn dann würden die Lasten noch stärker verteilt. Das Versicherungsprinzip wird nämlich längst durch die Zunahme versicherungsfremder Leistungen konterkariert. Dies würde mehr bringen als eine Einbeziehung weiterer Personengruppen in die gesetzliche Rente. Dies würde zudem der großen Ungleichheit in Deutschland entgegenwirken.

ÖCHSNER erläutert auch, dass die stärkere Zunahme in Ostdeutschland auf die Einführung des Mindestlohns zurückzuführen ist, der zu größeren Lohnzuwächsen im Osten geführt hat.

 
       
   

NAHLES, Andrea (2016): Für ein Europa sozialer Mindeststandards.
Fremde Federn,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.10.

 
       
   

KROHN, Philipp (2016): Versicherer sind immer noch nicht vergleichbar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.10.

 
       
   

Gebietsreformen in der Debatte

HAAK, Sebastian (2016): Nur noch halb so viele Landkreise.
Thüringens Innenminister legt Gebietsreform-Plan vor - Änderung nahezu ausgeschlossen,
in:
Neues Deutschland v. 12.10.

Sebastian HAAK berichtet über die Gebietsreform in Thüringen, mit der die 17 Landkreise und 6 kreisfreien Städte auf 8 Landkreise und 2 kreisfreie Städte (Erfurt und Jena) reduziert werden sollen. Weimar und eventuell Gera sollen einen Sonderstatus als kreisangehörige Stadt behalten, während Eisenach und Suhl ihren Status als kreisfreie Stadt ganz verlieren.

"Während von Linken, SPD und Grünen sowie einzelne Kommunalpolitiker es begrüßten, kam sowohl von Vertretern der CDU und der AfD, aber auch aus vielen Landkreisen und kreisfreien Städten deutliche Kritik",

erläutert HAAK die Frontlinien in Sachen Gebietsreform.

 
       
   

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Das gebrochene Versprechen.
Studien: Laut Hans-Böckler-Stiftung verfestigen sich die Einkommenslagen in der Bundesrepublik: Wer reich ist, bleibt es. War arm ist, leider auch. Besonders im Osten,
in:
TAZ v. 11.10.

Barbara DRIBBUSCH berichtet über den WSI-Verteilungsbericht 2016 von Dorothee SPANNAGEL.

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Der Krieg mit Zahlen.
Interpretationen: Arbeitgeber und Gewerkschaften kommen beim Thema Ungleichheit zu ungleichen Schlüssen - alles eine Frage der Datenbasis,
in:
TAZ v. 11.10.

Barbara DRIBBUSCH weist auf die unterschiedliche Datenbasis von Studien zur Ungleichheit hin:

"der Vergleich der Bruttolöhne von Vollzeitbeschäftigten unterschlägt das - oft weibliche - Dienstleistungsprekariat in Teilzeitjobs, die Arbeitslosen und RentnerInnen. Sie kommen als Datenbasis für den IW-Vergleich zwischen Arm und Reich schlicht nicht vor.

DRIBBUSCH kommt zu dem Schluss, das es deshalb eine Frage des politischen Standpunktes sein, ob man Ungleichheit eindämmen will oder nicht.

 
       
   

SAUER, Stefan (2016): Einmal unten, immer unten.
Eine Studie hat die Aufstiegschancen und Abstiegsrisiken in Deutschland untersucht,
in:
Frankfurter Rundschau v. 11.10.

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Ausgaben für Sozialhilfe steigen.
Grundsicherung im Alter und Behindertenfürsorge teurer,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.10.

Dietrich CREUTZBURG argumentiert gerne damit, dass die Grundsicherung im Alter eine geringe Altersarmutsquote aufweist. Jetzt haben wir es plötzlich mit dramatischen Kostensteigerungen auf diesem Gebiet zu tun:

"Der zweitgrößte Posten, der zugleich in jüngster Zeit besonders kräftig wächst, ist die Grundsicherung im Alter: Die Fürsorge für Senioren und Erwerbsgeminderte, deren Rente oder Eigenvorsorge nicht zum Leben reich, erreichte 2015 ein Ausgabenvolumen von 5,9 Milliarden Euro. Das waren 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar 35 Prozent mehr als im Jahr 2011"

CREUTZBURG sieht die Ursachen der Kostensteigerung nicht in einer Zunahme der Altersarmut, sondern allein in der "Alterung der Gesellschaft" und den Leistungskürzungen bei Erwerbsminderungsrente, die Neoliberale vorgenommen haben, um den Sozialstaat zu entlasten! Die Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes, denen er die Zahlen entnommen hat, enthält jedoch gar keine Gründe für die Steigerung. Wir haben es hier also mit einer Spekulation von CREUTZBURG zu tun, die nicht als solche gekennzeichnet ist.  

 
       
   

LOOMAN, Volker (2016): Wer wird denn gleich an die Decke gehen?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.10.

Volker LOOMAN beschäftigt sich heute wieder mit den Luxusproblemen von Spitzenverdienern:

"Sie haben vor langer Zeit - auf jeden Fall vor dem 1. Januar 2005 - eine Direktversicherung abgeschlossen. Die gesetzliche Grundlage dieser betrieblichen Altersvorsorge war Paragraf 40b des Einkommensteuergesetzes (EStG). Nach dieser Vorschrift konnten bis zu 1.752 Euro - in Sonderfällen sogar 2.148 Euro - vom Bruttolohn abgezogen und in eine Lebensversicherung einbezahlt werden. Der »umgewandelte« Bruttolohn wurde mit lediglich 20 Prozent versteuert, was für Spitzenverdiener äußerst lukrativ war."

Direktversicherungen sind nicht nur bei den Versicherungslobbyisten, sondern auch bei Besserverdienenden beliebt, denn sie umgehen sowohl das derzeitige Modell der Sozialpartner als auch das geplante Sozialpartnermodell.    

 
       
   

KOKOLOGIANNIS, Georgios (2016): Risikoreiche Versicherer.
Hohe Dividenden machen Aktien aus der Versicherungsbranche interessant. Anleger sollten aber auf Unternehmen mit geringem Geschäftsanteil bei Lebenspolicen setzen,
in:
Handelsblatt v. 11.10.

Georgios KOKOLOGIANNIS stellt uns eine Liste der 15 Versicherungskonzerne mit der höchsten Börsennotierung vor, die ein Vermögensverwalter zu PR-Zwecken erstellt hat. In Zeiten der Dividendenstrategie wird uns die diesjährige Rendite von Versicherungsaktien als Köder für unsere Profitgier angeboten. Ein hoher Anteil von Lebensversicherungen soll jedoch schlecht sein. Eine solche Aussage bevorzugt von vornherein reine Rückversicherungen. Als Problem von Lebensversicherungen wird uns der Garantiezins von Altverträgen genannt. Warum wird uns also nicht dieser Anteil genannt? Dies würde ein genaueres Bild über die Situation von Lebensversicherungen bieten. Die Rendite der Dividende für 2016 reicht von 2,5 bis 6,2 %, wobei dieser Momentanwert nichts über die Entwicklung der Rendite aussagt, weder für die Vergangenheit und erst Recht nicht für die Zukunft.

 
       
   

Gebietsreformen in der Debatte

RATHKE, Martina (2016): Leuchttürme wurden demontiert.
Studie: Im Nordosten hat die Bildung von Großkreisen vor allem die Bürokratie gestärkt,
in:
Neues Deutschland v. 11.10.

Martina RATHKE berichtet über die Studien des Greifswalder Wirtschaftsgeograf Helmut KLÜTER und des Dresdner Ökonom Felix RÖSEL und deren Kritik an Gebietsreformen wie jene in Mecklenburg-Vorpommern.

 
       
   

KRAMER, Sarah (2016): Liebe auf den ersten Klick.
Millionen Deutsche suchen im Internet einen Partner fürs Leben. Welche Angebot es gibt - und welche Fallstricke,
in:
Tagesspiegel v. 10.10.

 
       
   

WEBER, Hannes (2016): Demographie als Problem - und als Lösung.
Seit mehr als vierzig Jahren ist die Geburtenrate in Deutschland eine der niedrigsten der Welt. da liegt es nahe, die vermeintlich negative Bevölkerungsentwicklung zum Sündenbock für dieses und jenes zu machen: Von der Verödung ländlicher Räume über die Rentenpolitik bis zum Mangel an Fachkräften und zur Notwendigkeit von Einwanderung - für alles muss die Demographie herhalten. Ein großer Irrtum,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.

"Wird ein Satz mit »Angesichts des demographischen Wandels...« eingeleitet, dann scheinen sich genauere Erläuterungen zu erübrigen.
Bei genauerer Hinsicht stecken hinter so manch »demographisiertem« Problem jedoch in erster Linie andere Ursachen",

kritisiert Hannes WEBER die auf dieser Website angeprangerte Demografisierung gesellschaftlicher Probleme. WEBER verspricht uns die Widerlegung von vier demografischen Mythen:

1) Der Geburtenrückgang führt zukünftig zu einem Fachkräftemangel
2) Der Geburtenrückgang ist schuld am Anstieg der Rentner
3) Der Geburtenrückgang führt zur Verödung des ländlichen Raums
4) Einwanderung ist ein Lösung für den demografischen Wandel

Der Fachkräftemangel fällt wegen Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitswelt aus. Für Spanien und Griechenland sei der Geburtenrückgang ein Segen, weil ansonsten die Wirtschaftskrise noch größer wäre. Problematisch sei lediglich, dass "der Staat die jungen Menschen am Markt vorbei ausbildet" - ein Vorwurf der so alt ist wie die Bildungsexpansion.

Der Geburtenrückgang hat gemäß WEBER zum Rückgang der Erwerbsunfähigen geführt. Diese so genannte "demografische Dividende" sei z.B. für den Aufstieg der ostasiatischen Tigerstaaten verantwortlich gewesen und ein damit ein Pluspunkt des Geburtenrückgangs.

"In welchem Maße dieses Plus später durch einen Anstieg bei den Rentnerzahlen wieder zurückgeht und ob es sich sogar ins Negative verkehrt, hängt wesentlich von der Lebenserwartung ab",

erklärt uns WEBER. Nicht die Geburtenraten, sondern der Anstieg der Lebenserwartung sei das Problem. Damit steht WEBER im Widerspruch zur Argumentation von Herwig BIRG und Franz-Xaver KAUFMANN und im Einklang mit FAZ/FAS-Chefinterpret Axel BÖRSCH-SUPAN. Im Widerspruch dazu steht jedoch seine Einschätzung hinsichtlich des Bedrohungspotenzial:

"Die unstrittige Herausforderung des »demographischen Wandels« betrifft das Verhältnis zwischen Rentnern und Erwerbstätigen. Es wird sich in den kommenden Jahren abrupt verändern, sollten die derzeitigen Rahmenbedingungen konstant bleiben. Über mehr Geburten oder Einwanderer den zukünftigen Rentneranteil zu steuern ist nur eingeschränkt erfolgversprechend. Stattdessen wäre beispielsweise denkbar, angesichts der steigenden Lebenserwartung den Renteneintritt flexibler zu gestalten, indem etwa durch Angebote für Teilzeitarbeit nach dem Renteneintrittsalter in Berufsgruppen, wo dies gewünscht und physisch möglich ist, die Produktivität älterer Jahrgänge gesteigert wird.
Bis zum Jahr 2035 scheint es jedenfalls einige Stellschrauben zu geben. Danach wird das Thema ohnehin weniger akut".

Angesichts der dramatischen Prognosen bis 2045 und der Einengung der Lösung auf die Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung sieht WEBER mehr Möglichkeiten dem Problem entgegen zu wirken.

Das Problem des ländlichen Raums wird nicht im demografischen Wandel, sondern in der Bildungsexpansion und im Strukturwandel der Wirtschaft und mangelnder Anbindung an die Ballungsräume gesehen.

"Deutschland hat insgesamt trotz der niedrigen Geburtenrate in den vergangenen Jahrzehnten nicht an Einwohnern verloren, sondern sogar dazugewonnen. Folglich kann das Schrumpfen eines bestimmten Ortes nicht auf den demographischen Wandel zurückgeführt werden, der sich anderswo genauso darbietet. (...) Die (...) regionale Bevölkerungsentwicklungen haben sich von Geburten- und Sterberaten abgekoppelt, die überall mehr oder weniger gleich sind. Sie werden fast vollständig von der Einwanderung von außerhalb und der Mobilität innerhalb der Landesgrenzen bestimmt."

Der Zuwanderung als angeblicher Problemlösung widmet WEBER überdurchschnittlich Platz.

"Die Vereinten Nationen haben schon im Jahr 2000 ausgerechnet, dass Deutschland bis 2050 die unrealistisch hohe Zahl von 183 Millionen Einwanderer benötigte, um den Quotienten aus Rentnern zu Erwerbsfähigen konstant zu halten."

WEBER verschweigt uns jedoch, dass der Altenquotient keine feststehende Größe ist, sondern dessen Größe hängt von der Definition der Erwerbsfähigen und der Alten ab. Dieses Verhältnis wurde in den letzten 50 Jahren sehr unterschiedlich definiert. Wieviel Zuwanderung benötigt wird, ist in erster Linie eine Frage der Definition des Altenquotienten. Selbst in der derzeitigen Debatte differieren die verwendeten Altenquotienten - nicht nur zwischen, sondern auch bei einem und demselben Wissenschaftler. Wenn die Erwerbsarbeit zudem im Rentenalter zunimmt, wie dies seit einigen Jahren der Fall ist, schwindet zunehmend auch die Stichhaltigkeit von Altenquotienten.

Auffällig ist, dass auch jene, die Mythen des demografischen Wandels knacken (z.B. Thomas STRAUBHAAR), meist nur neue Mythen schaffen. Der Politikwissenschaftler Christian RADEMACHER hat 2013 zu Recht beklagt, dass der Begriff "demographischer Wandel" nur selten definiert wird. Auch WEBER macht hier keine Ausnahme, sondern er betont lediglich nur andere Aspekte des demografischen Wandels als andere Debattenteilnehmer und schreibt bestimmte Phänomene anderen Aspekten zu (Wandel des Bildungssystem und Strukturwandel der Wirtschaft).

Bei seinen Ausführungen zu den ambivalenten Folgen des demografischen Wandels beruft sich WEBER auf den Artikel Is low fertility really a problem? Population aging, dependency, and consumption von Ronald LEE & Andrew MASON in der Oktoberausgabe der Zeitschrift Science aus dem Jahr 2014.

"Für Deutschland kommen die Forscher zwar zu dem Ergebnis, dass eine leichte Steuerung der Geburtenrate auf je nach Modell 1,6 bis 2 Kinder pro Frau den Pro-Kopf-Wohlsand erhöht. Zu Alarmismus geben diese Zahlen aber keinen Anlass."

Entscheidend ist bei solchen Überlegungen immer auch, welches Ziel mit welchen Maßnahmen erreicht werden soll. Wer die Bestandserhaltung als Ziel verfolgt, der kommt zu anderen Schlüssen als jemand, der wie Karl Otto HONDRICH die Problemlösungsfähigkeit einer Gesellschaft zum Erfolgsmaßstab macht. WEBER zeigt in dem Artikel zumindest, dass die Demografie keineswegs unser Schicksal ist - wie das von Demografiepolitikern gerne behauptet wird, sondern nicht-demografische Aspekte des Bildungssystems und des Wirtschaftssystems sowie der Infrastruktur sind genauso wichtig, wenn es um die Sicherung des Wohlstandes in Deutschland geht.  

 
       
   

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2016): Der Angstmacherei in der Rente Haltelinien setzen.
Standpunkt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.

Die FAZ wollte Axel BÖRSCH-SUPAN als Nachfolger von Bert RÜRUP als Regierungsberater inthronisieren. Das hat nicht geklappt, aber dafür hat er nun in der FAZ/FAS das Interpretationsmonopol in Sachen Rentenpolitik. Seine Einseitigkeiten sind hinlänglich bekannt und der Artikel bringt nichts Neues zum Thema.

BÖRSCH-SUPAN polemisiert gegen die Stabilisierung des Rentenniveaus. Mit seiner Marketingmasche könnte er gut für die Finanzdienstleister die nächste Werbekampagne inszenieren.

Den Artikel liest man am besten im Zusammenhang mit der Dpa-Meldung, neben die er - gewiss nicht zufällig platziert wurde. Frank BSIRSKE sieht in einer Beitragssteigerung auf 26 Prozent kein Problem, denn diesen Prozentsatz müssten Arbeitnehmer sowieso aufbringen, um ihren Lebensstandard zu halten:

"Wenn sich der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung längerfristig an dem Wert orientiert, der sich heute ohnehin schon für die Arbeitnehmer in der Kombination von gesetzlicher Rente und Riester-Rente bemisst, und die Arbeitgeber sich wieder paritätisch an der Finanzierung beteiligen, ist ein höheres Rentenniveau finanzierbar",

wird aus einem Interview in der Rheinischen Post zitiert.

DPA (2016): Verdi fordert höheren Rentenbeitragssatz,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2016): Keine Zeit für Geschenke.
Das Versprechen, dass der Lebensstandard im Alter gesichert ist, löst sich in Luft auf,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.10.

Alexander HAGELÜKEN will Geschenke für die Finanzdienstleistungsbranche, weshalb er uns mit falschen Versprechungen ködert. Rentenlücke ist eine Wortschöpfung jener, die den Ausbau der Kapitaldeckung - und damit die Subvention der Finanzdienstleistungsbranche - verfechten. Die von Neoliberalen durchgesetzte Senkung des Niveaus der gesetzliche Rente wird uns als alternativlos gepriesen.

'Wer heute aus dem Beruf ausscheidet, lebt noch 20 Jahre. Also fast um die Hälfte länger als Senioren von 1960",

lügt uns HAGELÜKEN an. In Wahrheit leben die einen - nämlich die obere Mittelschicht - wesentlich länger als 20 Jahre, während die anderen - jene unterhalb der Privilegierten - wesentlich kürzer. Wer mit der durchschnittlichen Lebenserwartung argumentiert - oder alternativ dazu mit der Rentenbezugsdauer - der verschweigt uns die krassen Unterschiede bei älteren Menschen in Deutschland.

HAGELÜKEN stilisiert sich zum Anwalt jener

"Arbeitnehmer, die nach 2030 in den Ruhestand gehen - und jene Arbeitnehmer, die da noch arbeiten."

Dies sind nach heutiger Gesetzeslage die Geburtsjahrgänge 1964 und jünger. Für jene fordert HAGELÜKEN zum einen ein Mindestrentenniveau und zum anderen eine nicht näher benannte Obergrenze für die Beiträge. Zum Mindestrenteniveau wird HAGLÜKEN ein wenig konkreter:

"Die bisher vorgeschriebenen 43 Prozent sind eine Orientierung, mehr wäre gut".

Bei den Beiträgen wird HAGELÜKEN zum neoliberalen Dramatisierer:    

"Schon heute bezahlen ein Beschäftigter und sein Arbeitgeber bis zu 1.150 Euro im Monat in die Rentenkasse".

HAGELÜKEN geht es also keineswegs um die Arbeitnehmer, wenn er dessen Anteil von max. 575 Euro im Monat aufs Doppelte aufbläht, um dessen Belastung höher erscheinen zu lassen als sie tatsächlich ist. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt im Westen derzeit bei 6.200 Euro Monatsbrutto. Verschwiegen wird uns, welchen Gegenwert in Form einer sicheren Rente jener angeblich zu stark belastete Beitragszahler erhält. Die Standardrente liegt 2016 bei ca. 1.340 Euro. Wer jedoch zu jenen gehört die ihr mit ihrem Einkommen an der Beitragsbemessungsgrenze liegen, beziehen eine weit höhere Rente und zwar lebenslang. Keine Kapitaldeckung ist in der Lage eine solche Rendite zu erwirtschaften. Nichtsdestotrotz jammert uns HAGELÜKEN die Ohren voll und fordert vier stabilisierende Maßnahmen:

"Zum einen sollte die Regierung die Riester-Rente durch Standardprodukte reparieren (...). Zum zweiten sollte(n) (...) auch Selbständige und Beamte einzahlen, die bisher keinen vergleichbaren Beitrag leisten. Zum dritten (...) länger (...) arbeiten (...) Und viertens (...) die (...) Rente mit 63 und Mütterrente (zurücknehmen)".

Der erste Vorschlag wird die Finanzdienstleistungsbranche freuen. Der zweite Vorschlag ist hinsichtlich der Beamten nicht durchführbar. Der dritte und vierte Vorschlag liegt wieder ganz im Interesse der Unternehmenslobbyisten. Ein Anwalt der Arbeitnehmer ist HAGELÜKEN also nicht, wenn man von den Interessen der oberen Mittelschicht absieht, die er bedient!   

 
       
   

AFP/ND (2016): Koalition will Rente aus Wahlkampf heraushalten.
Bundeskanzlerin Merkel warnt Gewerkschaften vor, mit sozialpolitischen Kampagne ungewollt die AfD zu unterstützen,
in:
Neues Deutschland v. 10.10.

MEYER, Jörg (2016): Die Rente ist unsicher.
Kommentar zum Vorwurf, Gewerkschaften könnten die AfD unterstützen,
in:
Neues Deutschland v. 10.10.

Jörg MEYER ist der Meinung, dass die Koalition die Ostrentenangleichung noch durchpauken wolle und die DGB-Kampagne dies durchkreuzen würde.

 
       
   

HERZ, Carsten & Peter KÖHLER (2016): Unter Zugzwang.
Wegen Minizinsen stehen Versicherer unter gewaltigem Druck. Also erweitern sie die Spielräume ihrer Geldverwalter - und gehen dadurch mehr ins Risiko, wie eine Studie belegt,
in:
Handelsblatt v. 10.10.

Die auf dem Finanzmarkt dominierende Fondsgesellschaft Blackrock hat dem Handelsblatt vorab eine Studie zugespielt, die im Zusammenhang mit den Empfehlungen von Blackrock gesehen werden muss, um die Macht dieses Finanzgiganten besser einordnen zu können. Die Umfrage zu den Einstellungen der Lebensversicherer gegenüber Kapitalmarktstrategien stimmen überein mit dem, was Blackrock für diese Unternehmen als notwendig erachtet. Inwiefern die Befragung überhaupt repräsentativ ist für die Branche ist, das lässt der unkritische Bericht außen vor.

Die Renditegier der Lebensversicherer wird mit der Renditegier der Versicherten begründet. Wenn also das Vorsorgesparen unlukrativ ist, dann würden die Menschen lieber ihr Geld der Konsumindustrie zukommen lassen oder zuhause horten. Das mag sicher das Schreckgespenst der Versicherungsindustrie sein, aber nicht unbedingt der kommenden Generation von Rentnern wie uns die Autoren erklären. Diese könnten stattdessen auf die Stärkung der gesetzlichen Rente setzen, denn diese muss der Profitgier der Finanzbranche keinen Tribut zollen.  

HERZ, Carsten & Peter KÖHLER (2016): "Die Bereitschaft zu mehr Risiko ist klar vorhanden".
Der Blackrock-Versicherungsexperte über Wachstumsprobleme der Branche und neue Investmentstrategien,
in:
Handelsblatt v. 10.10.

 
       
   

SCHIPP, Anke (2016): Mit Mama allein zu Haus.
Es gibt immer mehr Mütter, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten geben, weil sie damit ein besseres Gefühl haben. Schadet das den Kindern? Hausbesuch bei einer Selbstbetreuerin,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.10.

"Wie emotional das Thema Fremdbetreuung diskutiert wird, konnte man schon an der Debatte über das Betreuungsgeld ablesen. Der gesellschaftliche Druck steigt mit dem Ausbau der Krippen (...). 32,7 Prozent der Kinder bis zwei Jahre in Deutschland sind derzeit in einer Betreuung., 92,9 Prozent sind es laut Statistischem Bundesamt bei den Drei- bis Fünfjährigen. Schon statistisch gesehen - mehr noch gesellschaftlich -, gelten Eltern als Außenseiter, wenn Kinder zu Haus bleiben",

erklärt uns Anke SCHIPP, die eine Lanze für Selbstbetreuerinnen bricht - zumindest wenn sie zu Ihresgleichen gehören. Lediglich Unterschichtkinder (also alle jenseits ihres Akademikerinnenmilieus) seien bei der Fremdbetreuung besser aufgehoben.

"Tatsächlich gibt es immer mehr Mütter, die ihre Kinder zu Hause betreuen und sich im Internet auf Portalen wie "kindergartenfrei.org" oder "intuitiveltern.de" organisieren. Sie nennen sich Selbstbetreuerinnen und sehen sich als eine »neue Generation Mütter«, die nicht als Heimchen am Herd verunglimpft werden wollen",

beschreibt SCHIPP diese Mittelschichtmütter, die als "Helikopter-Mutter" oder "Cruling Mom" verschrien sind. Selbstbetreuerinnen sind Anhänger der Bindungstheorie. Ihr Kinder nennen sie "high need"-Kinder, weil sie hohe Ansprüche an ihre Umwelt stellen, die bei der Fremdbetreuung ignoriert werden. 

 
       
   

HOLZER, Boris (2016): Ungleiche Wissenschaft.
Soziale Systeme: Auch Forscher kommen häufig aus bessergestellten Familien. Im Detail aber gibt es Überraschungen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.10.

 
       
   

OBERHUBER, Nadine (2016): Nie mehr pendeln.
Lange Arbeitswege machen krank, verursachen Stau und sind schlecht fürs Klima. Stadtplaner arbeiten schon längst an einer Vermischung von Wohnen und Arbeiten. Doch das Homeoffice macht nicht jeden glücklich,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.10.

 
       
   

PREUß, Susanne (2016): Neues Leben auf dem Killesberg.
Wohnen in Stuttgart: Auf dem Killesberg gibt es weltberühmte Architektur, viel Geld und neuerdings auch Flüchtlinge. Nur auf einen Supermarkt mussten die Bewohner lange warten,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.10.

 
       
   

HARTMANN-WOLFF, Elke (2016): Sind wir alle mit dem falschen Partner zusammen?
Statt uns ständig zu fragen, ob es da draußen jemand Besseren gibt, rät die Psychologie: Mach dich selbst zum Traumpartner, dann kommt das Liebesglück von allein,
in:
Focus Nr.41 v. 08.10.

HARTMANN-WOLFF, Elke (2016): Liebe ich mich, liebst du mich auch.
Das Coach-Paar Eva-Maria und Wolfram Zurhorst weiß aus Erfahrung: Ehekatastrophen bergen die Chance für einen Neuanfang,
in:
Focus Nr.41 v. 08.10.

 
       
   

KLUTE, Hilmar (2016): Kiezgröße.
Wer wissen will, wie schnell sich unsere Gesellschaft verändert, muss nach Prenzlauer Berg. Weil man hier Deutschland mit all seinen Macken und Maschen begreifen kann,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.10.

Nichts ist so beständig wie der Wandel, könnte man Hilmar KLUTEs Credo angesichts des Prenzlauer Berg in Berlin umschreiben:

"In Prenzlauer Berg findet mittlerweile so etwas wie eine Gentrifizierung von der Gentrifizierung statt. Eine Immobilienmaklerin, die Wohnungen im Bötzowviertel nahe dem Volkspark Friedrichshain anbietet, beobachtet seit einer Weile, dass sie kaum noch Kunden bekommt, die nicht mindestens zwei Kinder haben. (...). Als kinderloser Solitär wird man sich hier einfach nicht gut fühlen",

beschreibt KLUTE die derzeitige Speerspitze des sozialen Wandels, die dem Wunschbild der Bevölkerungsforscher entsprungen sein könnte.

 
       
   

MISIK, Robert (2016): Es fehlt eine linke Integrationsfigur, die Arbeiter nicht verachtet.
Durch die Woche,
in:
TAZ v. 08.10.

Der Salonsozialist Robert  MISIK kommt auf die neue Bibel jener kulturellen Linken zu sprechen, die sich vor dem Trümmerhaufen ihrer Identitätspolitik wähnen: Die Rückkehr nach Reims. Ihnen geht es nicht um die Arbeiterschicht, die sie verachten, sondern darum wie sie verlorene Macht zurückerobern können. MISIK stilisiert nun Robert F. KENNEDY zur Idealfigur einer Rückeroberung der Macht. Inhalte? Uninteressant - einzig die Strahlkraft soll zählen:

"Seine Partei wäre Schutzmacht der kleinen Leute und Kraft der Modernisierung zugleich"

Diesen rhetorischen Spagat versucht längst Siegmar GABRIEL, der zwischen dem "Boss der Genossen" und Robin Hood wechselt, je nachdem, ob er vor Wirtschaftsvertretern oder Gewerkschaften und Sozialverbänden spricht. Erfolgreichen Aufsteigern jedoch wird die Verachtung ihrer Herkunft meistens zur zweiten Haut. Sie stinken sozusagen danach, um das einmal drastisch zu sagen. Dieser Geruch lässt sich nicht per Rhetorik aus der Welt schaffen!

 
       
   

BUTTERWEGGE, Christoph (2016): Arm? Selbst schuld.
Essay: Rechtspopulisten geben vor, sich für "die da unten" zu interessieren. Dabei verachten sie Armut,
in:
TAZ v. 08.10.

"Der frühere SPD-Politiker und Bundesbanker Thilo Sarrazin war einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Wegbereiter des Rechtspopulismus à la AfD. Wer erfahren möchte, wie deren Funktionäre über Armut in Deutschland und die am meisten darunter Leidenden denken, sollte Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« lesen",

meint Christoph BUTTERWEGGE. Das wäre wahrlich zu viele Ehre für diesen Abklatsch neoliberaler Sozialstaatskritik. Wegbereiter waren die Mainstreammedien Anfang des Jahrtausends, die mit ihrer Demografisierung gesellschaftlicher Probleme und der damit verbundenen Untergangsrhetorik - weit vor SARRAZIN - eine Politik gegen jene unterhalb der oberen Mittelschicht durchsetzte. Hartz-Gesellschaft und Elterngeld sind lediglich zwei Seiten einer Medaille. Die Agenda 2010 steht nicht nur für die Entstehung der Linkspartei, sondern ist auch Nährboden des Rechtspopulismus, dem die neoliberale Demografisierung gesellschaftlicher Prozesse geradezu in die Hände spielt. Die Linke demontiert sich stattdessen selber durch ihre Spaltung in kulturelle und soziale Linke.

 
       
   

JAHBERG, Heike (2016): "Bei der Betriebsrente gibt es Nachholbedarf".
Allianz-Vorstand Andreas Wimmer über die Reformpläne der Regierung und die Probleme der Geringverdiener,
in:
Tagesspiegel v. 08.10.

Der Tagesspiegel versteht sich als Sprachrohr der Versicherungswirtschaft, weshalb sich hier deren Lobbyisten - ohne Gefahr mit kritischen Fragen konfrontiert zu werden - selbst darstellen dürfen. Andreas WIMMER nutzt dies weidlich aus, um die Profitinteressen des Konzerns als Vorteil von Geringverdienern und Arbeitgebern zu vermarkten. Insbesondere das Finanzministerium kommt diesen Profitinteressen entgegen, während die Sozialministerin ignoriert wird. WIMMER propagiert nämlich die Direktversicherung als einzigen Weg der betrieblichen Altersvorsorge, denn dieser umgeht das Sozialpartnermodell, das die Gewerkschaften und Andrea NAHLES favorisieren. Direktversicherungen versprechen den maximalen Profit für die Versicherungswirtschaft, insbesondere wenn dadurch Produkte verkauft werden können, die Risiken auf die Versicherten abwälzen.

WIMMER klopft sich selber auf die Schulter, wenn er mit einer hohen Überschussbeteiligung für risikoreiche Produkte lockt: "höher rentierliche Produkte" heißen risikoreichere Verträge im Marketingsprech. Hohe Überschussbeteiligungen sagen für sich allein genommen nichts über die Rendite eines Versicherungsprodukts aus.

WIMMER ist sich mit Alexander ERDLAND einig, was die Grobausrichtung auf die Profitinteressen betrifft. Lediglich das Opt-out-Modell spielt bei ihm keine Rolle, weil dieses ja nur für das Sozialpartnermodell gelten soll. WIMMER gehört gemäß Herbert FROMME (SZ v. 05.10.) zu jenen Hardlinern, die Garantien bei Lebens- bzw. Rentenversicherungen  am liebsten so schnell wie möglich loswerden möchten.

 
       
   

BANNAS, Günter (2016): In Zeiten des aufziehenden Wahlkampfs.
Koalition berät über letzte Projekte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.

Günter BANNAS erklärt uns, dass im Koalitionsausschuss am Donnerstag beschlossen wurde, dass Gesetze, die in dieser Legislaturperiode noch beschlossen werden sollen, spätestens im Januar im Parlament eingebracht sein müssen. Zur Rente gibt es nur zwei Punkte: Zum einen soll Andreas NAHLES ihr Rentenkonzept spätestens Anfang November vorlegen und zum anderen soll die Rente aus dem Wahlkampf herausgehalten werden.

Letzteres könnte jedoch nur gelingen, wenn es eine Einigung zum Rentenniveau nach 2030 gäbe, was BANNAS nicht sagt. 

 
       
   

CEH (2016): Lebenserwartung steigt um zehn Jahre in der Welt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.

Bericht über eine Studie der Global Burden of Disease (GBD) unter Leitung von Christopher MURRAY.

"Insgesamt steigerte sich die Lebenserwartung in den Jahren 1980 bis 2015 weltweit (...) von durchschnittlich 62 auf fast 72 Jahre",

schätzt die Studie.

 
       
   

Gebietsreformen in der Debatte

FRITSCHE, Andreas (2016): Der zweitgrößte Landkreis Deutschlands.
In der Niederlausitz sollen 4918 Quadratmeter rund um Cottbus eine einheitliche Verwaltung erhalten,
in:
Neues Deutschland v. 08.10.

Andreas FRITSCHE zeigt innerparteiliche Kontroversen der Linkspartei hinsichtlich der geplanten Gebietsreform in Brandenburg auf und verteidigt ansonsten die von der Landesregierung vorgestellte Variante.

 
       
   

SCHAIBLE, Jonas (2016): Elterngeld ist vor allem Müttersache.
Bei der Betreuung von Kleinkindern gibt es weiter ein hohes Ungleichgewicht zwischen Männer und Frauen,
in:
Tagesspiegel v. 07.10.

 
       
   

STEFFEN, Johannes (2016): Fürsorgebedarf und Rentenniveau.
Akzeptanz der Pflichtversicherung steht auf dem Spiel,
in:
sozialpolitik-portal v. 07.10.

Johannes STEFFEN widerlegt die Sicht von Franz RULAND, wonach sich der Abstand von Rente und Grundsicherung vergrößert:

"Während der durchschnittliche Bruttobedarf älterer Bezieherinnen und Bezieher von Fürsorgeleistungen – nach Bundessozialhilfegesetz, Grundsicherungsgesetz beziehungsweise Kapitel 4 SGB XII – im Zeitraum von 2000 bis 2016 um 45 Prozent gestiegen ist, legte der Zahlbetrag des aktuellen Rentenwerts um lediglich 16,3 Prozent zu. Der Abstand zwischen Fürsorge und Netto-Standardrente (Rente aus 45 Entgeltpunkten nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung) verringerte sich von monatlich 474 Euro auf 391 Euro; lag der Ermittlung der Altersrente im Schnitt der 45 Beitragsjahre nur ein Verdienst von 75 Prozent des Durchschnittsentgelts zugrunde, so sank die Differenz von 216 Euro auf gerade noch 92 Euro. Der Abstand der Rente zur Grundsicherung wird nicht größer, er schrumpft – und das in einem bedenklichen Ausmaß und Tempo. Auch in Zukunft wird diese Entwicklung voraussichtlich anhalten"

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Jung gegen Alt.
Der Streit über die Rente spaltet die Generationen. Das müsste nicht sein. Denn die Diskussion wird auf der Basis gefühlter Ängste geführt,
in:
Frankfurter Allgemeine Woche, Nr.41 v. 07.10.

Dietrich CREUTZBURG erklärt uns, dass die Parteien in der nächsten Legislaturperiode die Rentner mit Wohltaten überhäufen werden und das obwohl von Altersarmut gar keine Rede sein kann. Die Angst vor Altersarmut sei lediglich ein Gefühl, das der Faktenlage widerspreche. Alterarmut setzt CREUTZBURG dabei mit Bezug von Grundsicherung gleich. In der aktuellen ZEIT wird uns dagegen gezeigt, das Altersarmut keineswegs auf jene eingegrenzt werden kann, die Grundsicherung beziehen. 

Zwei Ursachen für unsere Angst vor Altersarmut macht CREUTZBURG aus:
1) Das Versagen der kapitalgedeckten Altersvorsorge
2) Das sinkende Rentenniveau

Dies möchte CREUTZBURG widerlegen und zwar mit Prognosen aus dem jährlichen Rentenversicherungsbericht. Dumm nur, dass der bei 2030 endet. Woher nimmt CREUTZBURG also Zahlen für 2045? Es lässt sich also nicht nachvollziehen, ob seine Zahlen irgendetwas mit dem zu tun haben könnten, was uns 2045 erwartet. Wir müssen also auf die Veröffentlichung des nächsten Rentenversicherungsbericht warten, bevor wir nachprüfen können was Sache ist. Seine Kritik richtet sich gegen die DGB-Rentenkampagne. Neue Argumente finden sich jedoch keine in diesem mageren Artikel.

Zur kapitalgedeckten Altersvorsorge zaubert uns CREUTZBURG wieder seinen Lieblingsökonomen Axel BÖRSCH-SUPAN aus seinem Hut. Wir hätten jedoch gerne auch einmal die Position anderer Experten gelesen. Aufklärung ist das nicht, sondern Stimmungsmache - also etwas was er seinen Gegnern vorwirft aber stattdessen selber praktiziert.

CREUTZBURG würde gerne die private Altersvorsorge, d.h. die Finanzdienstleistungsbranche stärken und kritisiert deshalb, dass nur die betriebliche Altersvorsorge verbessert werden soll.

Zum Schluss kommt er auf die Position des wissenschaftlichen Beirats beim Wirtschaftsministerium zu sprechen. Soloselbständige heißen bei ihm nun "Kleinselbständige":

"Kleinselbständige sollten unter bestimmten Bedingungen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden: die Rente für Erwerbsgeminderte sollte großzügiger werden: und für Langzeitarbeitslose sollte der Staat - wie früher schon einmal - wieder Rentenbeiträge zahlen."

Dass Anfang des Jahrtausends die Teilprivatisierung der Alterssicherung durchgesetzt werden konnte, sieht CREUTZBURG als Erfolg der Neoliberalen an, die uns das Gefühl gegeben haben, dass die gesetzliche Rente kurz vor dem Kollaps stehe. Er droht uns nun, dass sich dies wiederholen könne, wenn sich die Kapitaldeckung erhole und die gesetzliche Rente in Bedrängnis gerate. Ein Grund mehr für ein Stärkung der gesetzlichen Rente!

GEORGI, Oliver (2016): "Den Jungen muss es gutgehen".
Wolfgang Gründinger wurde bekannt mit Büchern wie "Alte-Säcke-Politik" und "Aufstand der Jungen". Im Interview spricht er über die Zukunft des Rentensystems und die Dominanz der Alten in der Politik,
in:
Frankfurter Allgemeine Woche, Nr.41 v. 07.10.

Wolfgang GRÜNDINGER polemisiert gegen Alte und spricht gerne von Jungen. Nur mit Generationengerechtigkeit hat das nichts zu tun, sondern mit dem Gegeneinanderausspielen zweier Altersgruppen. Wer Generationengerechtigkeit fordert, der sollte zuerst Zahlen für diejenige Generation nennen, von denen er spricht. Nichts davon ist hier zu lesen. Einzig bei der Ostrentenanpassung, die er ablehnt, wird GRÜNDINGER konkret, dann ist das Interview aber auch schon zu Ende. 

KROHN, Philipp (2016): Einfach war früher.
Die betriebliche und private Vorsorge sollten die Kürzung der gesetzlichen Rente auffangen. Dann kamen Krise und Niedrigzins. Hat das alles zunichtegemacht? Und gibt es Alternativen?
in:
Frankfurter Allgemeine Woche, Nr.41 v. 07.10.

Philipp KROHN stellt seinem Artikel ein 15 Jahre altes Streitgespräch zweier Volkswirtschaftsstudenten über die richtige Altersvorsorgestrategie voran. Damals lagen beide falsch. Warten wir also lieber 15 Jahre, um zu sehen was aus KROHNs mageren Ausführungen dann geworden ist. Zur angeblichen Lukrativität Riester-Rente wird uns zum wiederholten Male eine fragwürdige Untersuchung des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung vom Frühjahr angepriesen. Sicher ist nur eines: die Profite der Finanzdienstleistungsbranche. Ansonsten werden die Beitragsgarantien als Hindernis höherer Renditen stilisiert. Die Finanzdienstleistungsbranche wird dies freuen. Die Versicherten tragen dann das ganze Risiko allein! Wir haben also die Wahl zwischen Pest und Cholera.

STELTZNER, Holger (2016): Rente gegen Kita.
Kommentar zur Demographie,
in:
Frankfurter Allgemeine Woche, Nr.41 v. 07.10.

Holger STELTZNER gehört zur Jammerelite, die Akademiker zu Opfern der Babyboomer stilisieren. Die gesetzliche Rente sei der Politik ausgeliefert, jammert er:

"Politiker (können) nach Belieben Rente gegen Kita, Pflege gegen Bildung oder Alt gegen Jung ausspielen".

Wäre es also besser uns durch die Finanzdienstleistungsbranche bzw. Versicherungswirtschaft abzocken zu lassen? Politiker müssen sich Wahlen stellen und können abgewählt werden. Aber wer schützt unsere Altersvorsorge vor der Profitgier der Wirtschaft, die ihre Risiken auf Staat und Versicherte abwälzt, und sich gleichzeitig jeden Eingriff in ihre Profitgier verbietet ?    

 
       
   

JANSEN, Jonas (2016): Gutes Geld verdienen.
Sozialunternehmer haben häufig schöne Ideen, aber kein funktionierendes Geschäftsmodell. Das ändert sich gerade - durch mutige Kapitalgeber,
in:
Frankfurter Allgemeine Woche, Nr.41 v. 07.10.

Unternehmen der Gesundheitsbranche werden von Jonas JANSEN mit dem wohlklingenden Namen Sozialunternehmen etikettiert. Das soll offenbar deren Profitinteressen in einem besseren Licht erscheinen lassen. Sozial ist hier gar nichts, denn es geht darum die Profitmöglichkeiten im Gesundheitswesen abzuschöpfen, die z.B. dank Pflegeversicherung sprudeln. Es geht hier nämlich nicht um soziale Dienstleitungen, sondern um technische Lösungen z.B. für Demenzkranke oder Menschen mit Hörschäden. An der Alterung der Gesellschaft wird in Zukunft gut verdient werden - allem Rentengejammer zum Trotz! 

 
       
   

HAERDER, Max & Cordula TUTT (2016): Jedem seine Agenda 2045.
Rente: Die große Koalition streitet über neue Sozialreformen und Konzepte für die Altersvorsorge. Entscheidende Probleme werden mal wieder vertagt,
in:
Wirtschaftswoche, Nr.42 v. 07.10.

HAERDER & TUTT arbeiten weiter am "bösen Mädchen"-Image von Andrea NAHLES. Diesmal berichten sie über den Rentendialog am Dienstag. Die Falschmeldung zur Rentenprognose bis 2045 in der Wirtschaftswoche verschweigen die Autoren. Bis dahin sollte das Rentenniveau auf unter 40 Prozent sinken, jetzt wird daraus "unter 42 Prozent".

Im Mittelpunkt ihres Beitrags steht die Vorfestlegung des Rentenniveaus bis 2045 auf einen möglichst niedrigen Wert. Dazu schreiben sie NAHLES folgende Position zu:

"Nahles hegt Sympathien dafür, die bislang nur bis 2030 fixierten gesetzlichen Limits bis 2045 neu festzuschreiben. Dabei dürfte sie anstreben, mindestens das Niveau von 43 Prozent auf Dauer zu halten - gleichzeitig aber einen höheren Beitragssatz zuzulassen."

Im Ranking der Mainstreammedien um ein möglichst niedriges Rentenniveau bis 2045, läge dieser Wert derzeit in der Mitte zwischen 45 Prozent (ÖCHSNER und DOEMENS) und 40 Prozent (THELEN). Auch Karl DOEMENS spekulierte zuletzt bei NAHLES auf 43 Prozent.

HAERDER & TUTT drohen mit Alexander GUNKEL (BDA), der die Obergrenze des Beitragssatzes bis 2045 bei 22 Prozent ziehen möchte. Die neoliberale Lösung der Autoren lautet: Renteeintrittsalter erhöhen und kapitalgedeckte Altersvorsorge weiter ausbauen. Als einziger Experte wird uns Friedrich BREYER stellvertretend für das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministeriums genannt.  

 
       
   

HOYER, Niklas (2016): Nur die Besten bieten noch gute Rendite.
Lebensversicherung: Im Niedrigzinsumfeld ist Kapitalstärke wichtiger denn je. Die 20. Auflage unseres Ratings zeigt, welche Anbieter damit punkten,
in:
Wirtschaftswoche, Nr.42 v. 07.10.

Niklas HOYER lobt das Wirtschaftswoche-Ranking, das auf Prognosen setzt - die bekanntermaßen keine Stärke von Ökonomen sind. Der Nachteil wird verschwiegen: Nicht Produkte werden bewertet, sondern nur die Unternehmen, deren Produktpalette jedoch gewaltig differiert. Was nützt eine hohe Ausschüttungquote, wenn der konkrete Vertrag durch seine hohen Kosten die Rendite so schrumpfen lässt, dass am Ende nichts davon übrig bleibt?

Fazit: Das Ranking der Wirtschaftswoche betrachtet lediglich einen Teilaspekt, sodass der Versicherte mit den Vor- und Nachteilen konkreter Verträge allein gelassen wird. Durchschnittswerte bei den Kosten vernebeln den Blick auf die Unterschiede - besser wären Extremwertangaben, wodurch die Kostenspanne zwischen Produkten mit niedrigsten/höchsten Kosten eines Versicherers erkennbar würden.   

 
       
   

MORTSIEFER, Henrik (2016): Versicherer gehen auf die Straße.
Die Finanzbranche wirbt mit einem neuen Gutachten für die Vorzüge privater Infrastruktur-Investitionen,
in:
Tagesspiegel v. 07.10.

Was in Zeiten der Globalisierungseuphorie Public-Private-Partnership genannt wurde, wird in Zeiten des Nationalkonservatismus nun wieder mit öffentlich-privater Partnerschaft rückübersetzt. Nicht nur die Bauindustrie auch die Versicherungswirtschaft will ihre Profite dadurch erhöhen. Dazu schlägt die GDV mit ihrem Gutachten Volkswirtschaftlicher Nutzen privater Infrastrukturbeteiligungen in die gleiche Kerbe wie das kürzlich veröffentlichte BMWI-Gutachten.

Den Versicherern geht es nicht etwa um das Wohl der Gesellschaft, sondern das Gutachten zielt zum einen auf die Verringerung von Risiken für die Versicherungswirtschaft, die auf den Staat abgewälzt werden sollen und zum anderen um die Verringerung der Regulierung:

"Mit dem Start des neuen europäischen risikobasierten Aufsichtsregimes Solvency II am 1. Januar 2016 wurden die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen für Infrastrukturinvestments für die Versicherungswirtschaft grundlegend neu gestaltet. Die hierin vorgeschriebene Eigenmittelunterlegung von Infrastrukturinvestitionen ist sehr hoch" (2016, S.35),

lautet eine der vielen Klagen. Nichts davon liest man bei Henrik MORTSIEFER. Aufklärung? Dafür sehen sich Mainstreamzeitungen längst nicht mehr zuständig.

 
       
   

Gebietsreformen in der Debatte

FRITSCHE, Andreas (2016): Über eine Landkarte gebeugt.
Opposition und Oberbürgermeister kritisieren Entwurf für Neuzuschnitt der Landkreise,
in:
Neues Deutschland v. 07.10.

"Brandenburg will (...) von 18 auf neun Landkreise heruntergehen und von vier kreisfreien Städten auf nur noch eine, nämlich Potsdam",

berichtet  Andreas FRITSCHE über die Vorstellungen der Landesregierung zur geplanten Gebietsreform in Brandenburg. Vor allem die CDU wendet sich gegen die Reform von SPD und Linkspartei.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FERBER, Michael (2016): "Renditewunder" gibt es nicht.
Wie sollten Pensionskassen im Negativumfeld anlegen?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 07.10.

Michael FERBER kritisiert eine Auftragsstudie des Schweizer Fonds- und Asset-Mangement-Verbands (Sfama), die Werbung für mehr Private-Equity-Anlagen im Bereich der Pensionskassen macht. Hinter den vollmundig versprochenen hohen Renditen verbergen sich hohe Risiken, bemängelt FERBER. 

 
       
 

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Zu den News vom 01. - 06. Oktober 2016
 

   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 13. November 2016