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News vom
13. - 18. September 2011
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Zitat
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Raus aus der Hölle!
"Stellen
wir uns vor, ein Mann begegnet eines Abends einer jungen Frau,
verliebt sich und schwebt wie auf Wolken. Drei Monate später
zieht das frischgebackene Paar zusammen. Das ist der Anfang
vom Ende. Von nun an verengt sich der Horizont des Mannes
rapide. Er vernachlässigt seine Freunde, wird jähzornig,
pedantisch, empfindlich und verändert sich stark. Mit
ausdruckslosem Blick schleppt er sich in Filzpantoffeln vom
Sessel zum Sofa. Er setzt Hüftspeck an, wird blass und
schlaff. Er erträgt kaum noch den eigenen Anblick im Spiegel;
er schämt sich. Er ist nicht mehr Herr über sein Leben, seine
Sexualität und seine Freizeit. Er verdrängt und grollt. Die
Erinnerung an das Leben davor schnürt ihm die Kehle zu. Er
fragt sich, ob er eine neue Brille braucht. Die Haare fallen
ihm aus. Binnen drei Monaten ist er um ein Jahr gealtert."
(aus: Robert Macia & Julien Péluchon
"Endlich
Single!" 2011, S.13)
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Ulrich Beck & Elisabeth Beck-Gernsheim - Fernliebe
BECK, Ulrich & Elisabeth BECK-GERNSHEIM (2011): Liebe im globalen
Zeitalter.
Zwei Nationen, ein Paar: Das ist ein
Wagnis. Aus der Begegnung zweier Welten kann ein Zusammenprall
werden,
in: Welt am Sonntag v. 18.09.
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HENNIG VON LANGE, Alexa (2011): Single-Jagd mit dem Smartphone.
Partnervermittlung, Kontaktanzeigen,
Single-Partys - alles altes Zeug: Alexa Hennig von Lange träumt von
einer App, die potenzielle Partner erkennt,
in: Welt am Sonntag v. 18.09.
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Die Schriftstellerin
Alexa HENNIG VON LANGE verspricht Reichtum für denjenigen,
der eine "Partnerfind-App" erfindet:
"Es gibt nur nicht die App,
die am dringendsten benötigt wird: Ein Menschen-Shazam für
Singles; von denen es in Deutschland 17 Millionen gibt. Der
Grund für diese enorme Anzahl kann nur sein, dass sie sich
gegenseitig im Supermarkt, in Tierarztpraxen, im Café oder in
der S-Bahn nicht als Gruppenzugehörige erkennen.
Wieso also erfindet kein findiger Hobbyprogrammierer das
Menschen-Shazam und verkauft es für - ich sage mal: 2,99 Euro
- an diese 17 Millionen Singles? Mit so einer Erfindung kann
man reich werden."
Mit dem Reichtum wird es
leider nichts! Die Zielgruppe wäre zum einen wesentlich
kleiner und zum anderen ist die Problematik komplexer.
Von den
angeblich 17 Millionen Singles in Deutschland sind die
Wenigsten gut verdienende Karrierefrauen und -männer. Die
Alleinlebenden haben entweder einen Partner (mit dem sie
glücklich sind), gehören nicht der Smartphone-Generation an,
sind gar nicht auf der Suche oder sind Geringverdiener.
Wie komplex die Sache mit
dem so genannten Partnermarkt ist, das zeigen
sozialwissenschaftliche Studien zu dessen Erforschung,
z.B. jene von Johannes STAUDER, der zur regionalen
Ungleichheit auf dem Partnermarkt (Soziale
Welt Heft 1, 2011) forscht.
Der Vorschlag von HENNIG
VON LANGE würde lediglich die Suchkosten reduzieren, alle
anderen Partnermarktprobleme würden weiterhin bestehen
bleiben: Ungleichgewichte hinsichtlich räumlicher (Stadt vs.
Land) und sozialer Partnermarktdichte (Bildungsunterschiede,
die insbesondere bei hoch qualifizierten Frauen eine große
Rolle spielen), Ungleichgewichte des Geschlechts (Frauen- vs.
Männerüberschuss) oder des Alters (Junge vs. Alte). Sogar eine
unterschiedliche Verteilung von Eltern vs. Nichteltern hat
Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von potenziellen Partnern.
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Pflegereform
EUBEL, Cordula & Rainer WORATSCHKA (2011): Was sind uns die Alten
wert?
"Die Pflege ist ein größeres Tabu als
der Tod", sagt ein Kenner. Die Diskussion über die Reform der
Sozialversicherung geht in die entscheidende Runde – Millionen
Menschen warten darauf,
in: Tagesspiegel v. 18.09.
WORATSCHKA, Rainer (2011): Ein Reförmchen, das nichts kostet?
Kommende Woche sollen die Eckpunkte
vorliegen – aber die Koalition ist noch uneins,
in: Tagesspiegel v. 18.09.
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FEDDER, Jan (2011): "Ja, wir waren eindeutig".
Denker: Kurt Scheel war dreißig Jahre
Redakteur und Herausgeber des "Merkur". Nun hört er auf - mit einem
Heft über "Nonkonformismus",
in: TAZ v. 17.09.
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SCHWARTZ, Tobias (2011): "Lady Gaga macht es genauso".
Thomas Meinecke über Feminismus, Pop,
seinen Roman "Lookalikes" und einen windigen Typ namens Thomas
Meinecke,
in: Welt v. 17.09.
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Oskar Roehler - Herkunft
KRAUSE, Tilman (2011): Generation Kaputt.
Der Filmregisseur Oskar Roehler, Kind
der Gruppe 47, zerstört mit seinem Roman "Herkunft" den Mythos von
der ach so anspruchsvollen deutschen Nachkriegsliteratur,
in: Welt v. 17.09.
BEHRENDT, Eva (2011): Albtraumwelt eines Berührten.
Abgrund: Oskar Roehler beschreibt eine
beschädigte Jugend: "Herkunft",
in: TAZ v. 17.09.
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HAARHOFF,
Heike (2011): Ressource Alter.
Pflege: Ob in Japan oder Frankreich,
in einigen Ländern werden betagte Menschen bereits als Bereicherung
wahrgenommen, nicht nur als Problem,
in: TAZ v. 16.09.
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Simon Reynolds - Retromania
WEBER, Julian (2011): "Ich bin im Internet-Poparchiv ertrunken".
Retro: Der britische Autor Simon
Reynolds hat ein Buch über die Vergangenheitsversessenheit von Pop
geschrieben: "Retromania". Ein Gespräch über die Geschwindigkeit der
Popgeschichte, ausbeuterisches Imitieren und Kontrollverluste beim
Herunterladen von Musik,
in: TAZ v. 16.09.
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FREITAG-Wochenthema
BERTH, Felix (2011): Geld oder Leben.
Wer weniger Kriminelle und Arbeitslose
will, muss vor allem Kindern aus Problembezirken gute Kitas bieten.
Den Kleinen hilft das nebenbei auch,
in: Freitag Nr.37 v. 15.09.
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Pflegereform
BRINK, Nana (2011): Spahn: Anreize setzen für private
Pflegevorsorge.
CDU-Politiker lehnt Seehofer-Vorschlag
zur steuerfinanzierten Pflege ab,
in: DeutschlandRadio v. 15.09.
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MANGOLD, Ijoma (2011): Reich, aber sexy.
Die Hauptstadt wird bürgerlich. Und
ihr Bürgermeister Wowereit lächelt dazu. Ein Doppelporträt vor der
Wahl,
in: Die ZEIT Nr.38 v. 15.09.
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Ijoma MANGOLD porträtiert u. a. den Soziologen Heinz BUDE, der
mit der Generation Berlin das herrschende Bild des
neuen Bürgertums und ihrer Interessen entworfen hat und
seitdem die
Vergangenheit im Lichte der gewünschten Zukunft
reinterpretiert:
"Zwischen den herrlichen
Bäumen stehen elegante neue Architektenhäuser. Dahinter ruht
der See. Vorhänge kennt man hier nicht, und so sieht man durch
die Fensterfronten die hohen Bücherregale. Eine Mustersiedlung
der Gentrifizierung. Noch stehen überall die Kräne, aber es
besteht kein Zweifel, dass Schönheitssinn, Selbstpflege und
überhaupt die ästhetische Erziehung des Menschen künftig eine
herausgehobene Rolle spielen werden. Wer hier baut, vertraut
darauf, dass sich die Nachbarschaft insgesamt nach dem eigenen
Bild wandelt.
Hier wohnt Heinz Bude.
Als Soziologe beobachtet er die Veränderungen der
Gesellschaft. Aber anders als bei vielen seiner Kollegen hat
man immer den Eindruck, einen Feldforscher vor sich zu
haben, der die Gesellschaftsdiagnosen, die er anstellt, gern
selbst verkörpert. Drei Jahrzehnte lang lebte Heinz Bude in
Kreuzberg. Jetzt ist er mit seiner Frau und seiner Tochter
nach Weißensee gezogen. »Kreuzberg«, sagt Heinz Bude, »ist
für uns furchtbar geworden, weil es da zu viele gibt, die
nicht wirklich etwas zu tun haben, die im Café sitzen und
Bilder von sich selbst entwerfen.« Berlin sei jetzt im
Umbruch von der experimentellen zur residenziellen Stadt.
Jetzt würden die Claims abgesteckt".
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SCHMOLLACK, Simone (2011): Eine Chance der Emanzipation.
Über die aktuelle Zahl der
Scheidungen,
in: TAZ v. 14.09.
HEIMPEL,
Daniela (2011): Ehen halten länger.
Ehepaare lassen sich immer später
scheiden. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, waren
2010 geschiedene Paare durchschnittlich 14 Jahre und zwei Monate
verheiratet - deutlich länger als noch 1992,
in: Tagesspiegel v. 14.09.
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DESTATIS (2011): Elf von 1 000 Ehen im Jahr 2010 geschieden,
in:
Pressemeldung des Statistischen
Bundesamt Deutschland v. 13.09.
"Dass es den Trend zur
Patchwork-Familie gibt, also zu einer Familie, in der
beispielsweise Kinder mit unterschiedlichen Elternteilen
aufwachsen, ist unbestritten. Das belegen Zahlen, etwa dass
inzwischen in Deutschland jede dritte Ehe wieder geschieden
wird",
schrieb
BARTELS in seiner gestrigen Rezension des Buches Die
Patchwork-Lüge von Melanie Mühl. Stimmt das aber? Es
ist noch nicht lange her, da hat das Statistische Bundesamt
die zusammengefasste Scheidungsziffer tatsächlich so falsch
interpretiert wie BARTELS das immer noch tut.
Bereits im September 2003 hat single-generation.de
die übliche Interpretation der zusammengefassten
Ehescheidungsziffer kritisiert. 1995 fragte der Soziologe Kurt
LÜSCHER:
"Wird jede dritte Ehe
geschieden - wie dies die zusammengefaßte Scheidungsziffer
nahelegt - oder sind es 80 von 10.000 bestehenden Ehen?"
Mittlerweile ist die Zahl
der Ehescheidungen zwar von 8 auf 11 Ehen pro 1000 bestehenden
Ehen gestiegen. Wird deshalb aber jede dritte Ehe geschieden?
Die amtliche Statistik idyllisiert jene historisch kurze
Zeitspanne, in der Ehen lebenslang zu existieren schienen. In
Zeiten, in denen sowohl die Anzahl der Ledigen als auch der
Geschiedenen und Wiederverheirateten ungleich höher ist, macht
diese zusammengefasste Scheidungsziffer schlichtweg keinen
Sinn.
"Von den 2010 geschiedenen
Ehepaaren hatten knapp die Hälfte Kinder unter 18 Jahren",
meldet das Statistische
Bundesamt weiter. Das wäre die Zahl, die für
Patchwork-Verhältnisse relevant wäre, wenn nicht auch
Trennungen, die durch die amtliche Statistik nicht erfasst
werden, dazu gezählt werden müssten.
Nimmt man nur die
Scheidungskinder der letzten 20 Jahre, dann sind dies maximal
ca. 3 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Maximal, weil darin
auch Kinder enthalten sind, die mehrmals von Scheidungen
betroffen wurden. Auch darüber gibt die zusammengefasste
Scheidungsziffer keine Auskunft.
Kompliziert wird die
Sachlage dadurch, dass eine hohe Zahl von Scheidungskindern
gar nicht der gemeinsamen Ehe entstammen, wie die Zahlen der
nachfolgenden Tabelle für die Jahr 1985, 1990 und 2010 zeigen.
Sind das vorehelich geborene Kinder, aus vorangehenden Ehen
mitgebrachte Kinder? Die amtliche Statistik lässt uns hier im
Stich!
| Jahr |
Gesamtzahl betroffener minderjähriger Kinder |
nicht
in der bestehenden Ehe geborene minderjährige Kinder |
In der
bestehenden Ehe geborene minderjährige Kinder |
| 2010 |
145.146 |
53.691 |
91.455 |
| 1990 |
118.340 |
59.527 |
58.813 |
| 1985 |
148.424 |
81.197 |
67.227 |
Heutzutage leben ca. 35
Millionen Menschen im Alter von 0 - 38 Jahren in Deutschland.
Dies wäre die Gesamtzahl der minderjährigen Kinder, die in den
letzten 20 Jahren von Trennungen/Scheidungen hätten betroffen werden
können (bei Vernachlässigung von Zu- und Abwanderungen). Nach
dieser groben Schätzung (bei der das Verhältnis ehelicher zu
nicht-ehelichen Konstellationen nicht berücksichtigt ist) ist
ca. jedes 10. Kind in einer Patchwork-Konstellation herangewachsen.
Die Anzahl der Kinder in nicht-ehelichen
Patchwork-Konstellationen dürfte geringer sein, weil in
nicht-ehelichen Beziehungen weniger Kinder leben.
Auch der Alterssurvey
2008 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. In der Broschüre
Altern im Wandel - Zentrale Ergebnisse des Deutschen
Alterssurveys heißt es:
"Obwohl Partnerschaften
häufiger getrennt werden, sind neu gebildete Familien mit
Kindern aus früheren Paarbeziehungen (»Patchwork«-Familien)
seit 1996 nicht viel häufiger geworden. Insgesamt haben im
Jahr 2008 unter den 40- bis 85-jährigen Eltern etwa neun
Prozent mindestens ein nicht leibliches Kind. Diese Quote gilt
auch für die Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen. Diese
Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Phänomen der »Patchwork«-Familien
in der medialen Öffentlichkeit möglicherweise überschätzt
wird. Diese Familienform ist weder neu noch ist ihre
Verbreitung in den letzten zwölf Jahren häufiger geworden."
(2010, S.37)
Der Begriff "Patchwork-Familie"
wurde erst im Jahr 1990 geprägt. Aber bereits 1985 waren mehr
minderjährige Kinder von Scheidungen betroffen als heutzutage.
Wenn es eine Verschiebung gegeben hat, dann jene, dass
heutzutage mehr Kinder von bestehenden Ehen betroffen sind als
früher. Wertkonservative, denen die bürgerliche Ehe über alles
geht, muss dies ins Mark treffen.
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Zu den News vom 01. -
12. September 2011
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