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News vom
07. - 26. August 2011
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Zitat
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Raus aus der Hölle!
"Stellen
wir uns vor, ein Mann begegnet eines Abends einer jungen Frau,
verliebt sich und schwebt wie auf Wolken. Drei Monate später
zieht das frischgebackene Paar zusammen. Das ist der Anfang
vom Ende. Von nun an verengt sich der Horizont des Mannes
rapide. Er vernachlässigt seine Freunde, wird jähzornig,
pedantisch, empfindlich und verändert sich stark. Mit
ausdruckslosem Blick schleppt er sich in Filzpantoffeln vom
Sessel zum Sofa. Er setzt Hüftspeck an, wird blass und
schlaff. Er erträgt kaum noch den eigenen Anblick im Spiegel;
er schämt sich. Er ist nicht mehr Herr über sein Leben, seine
Sexualität und seine Freizeit. Er verdrängt und grollt. Die
Erinnerung an das Leben davor schnürt ihm die Kehle zu. Er
fragt sich, ob er eine neue Brille braucht. Die Haare fallen
ihm aus. Binnen drei Monaten ist er um ein Jahr gealtert."
(aus: Robert Macia & Julien Péluchon
"Endlich
Single!" 2011, S.13)
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Melanie Mühl - Die Patchwork-Lüge
SCHLOEMANN, Johan (2011): Liebe statt Ökonomie.
Über den Zustand der Patchwork-Familien,
in: Süddeutsche Zeitung v.
26.08.
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Das Buch Die
Patchwork-Lüge steht in der Tradition von Joachim BESSINGs
Pamphlet
Rettet die Familie! aus dem Jahre 2004. Die
Problematik der modernen Familienverhältnisse haben aber
bereits Ulrich BECK & Elisabeth BECK-GERNSHEIM in ihrem
Bestseller
Das ganz normale Chaos der Liebe (1990) populär
gemacht. Ulrich BECK schrieb darin noch umständlich über
"Fortsetzungsfamilien" bzw. "nacheheliche Elternschaft". Der
Begriff "Patchwork-Familie" ersetzte aber noch im gleichen
Jahr den Begriff "Stieffamilie", der angesichts moderner
Familienverhältnisse den Phänomenen nachehelicher
Elternschaften nicht mehr gerecht wurde. Seitdem wird das
Thema kontrovers diskutiert. Im Zuge der Debatte um die neue
Bürgerlichkeit dient diese Kontroverse auch der Abgrenzung
gegen unten und oben. Es geht nicht mehr um soziale Probleme,
sondern um Moral. Verantwortung ist der zentrale Begriff, der
seit einigen Jahren gegen die angebliche Überforderung durch
Wahlfreiheit (Individualisierung) ins Felde geführt wird. Da
wird das
"Zeitalter unendlicher Freiheit" beschworen, während die
Phänomene der Zwangsindividualisierung vernachlässigt werden.
Selber schuld! ist das Verdikt der psychologisierenden
Zuschreibung, das jeden trifft, der gegen den Kanon der
neubürgerlichen Religion rebelliert. Aber das Unbehagen am
Individualisierungsterror der Berliner Republik wächst - wie
nicht nur das Buch
Echtleben von Katja KULLMANN zeigt.
Der Kampf der Lebensstile
wird im Zeitalter der Wohlstandskonflikte neu definiert: Wenn
die Familie neubürgerlich als Leistungsträger verstanden wird,
dann kommen alle Familienverhältnisse auf den Prüfstand, die
weniger leistungsfähig erscheinen. Dazu gehören
Alleinerziehende genauso wie Patchworkfamilien, denn die
amtliche Statistik trennt nicht (immer) zwischen beiden
Familienformen. Und es ist ganz und gar kein Zufall, dass
dieses Jahr ein Buch über Alleinerziehende erschienen ist, das
Alleinerziehen rehabilitieren möchte und deshalb wie Melanie
MÜHL die "Patchwork-Show" kritisiert:
"Wo von Alleinerziehenden
die Rede ist, fällt schnell das Wort »Patchworkfamilie«".
(...). Der Begriff der Stieffamilie, wie es früher hieß, ließ
weniger Raum für Illusionen. (...).
Die Patchworkfamilie
hingegen wischt jede genaue Betrachtung ihrer
Machtverhältnisse mit einem Hauch von lässigem Zeitgeist weg.
Cool, wie da zwei moderne, aufgeschlossene Erwachsene die
Vergangenheit hinter sich lassen und wieder zur echten Familie
werden, in der alles Platz hat, nur (...) keine Probleme!"
(Christina Bylow
"Familienstand: Alleinerziehend", 2011, S.61f.)
Warum diese Abgrenzung?
Patchwork-Familien gelten - zumindest bei
Wiederverheiratung - als vollständige Familien, während
Alleinerziehende gemäß BYLOW von den Lesern des angesagten
Familienmagazins Nido meist gar nicht als Familien
angesehen werden.
In dem Maße, in dem die
Mittelklasse Schauplatz von vermehrten Abstiegskämpfen wird,
in dem Maße wird auch der Kulturkampf um die einzig richtige
Lebensform zunehmen. Flankiert wird dieser Kulturkampf nicht
zuletzt durch die Neujustierung des Sozialstaats, die im
vollen Gange ist.
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JUNGLE
WORLD-Thema:
Bambini statt Bambule.
Wenn Linke zu Eltern werden |
EISMANN, Sonja (2011): Fuckermothers in the house.
Während in den siebziger Jahren Feministinnen Kinderläden gründeten,
ist Mutterschaft in feministischen und queeren Debatten heute kein
großes Thema mehr. Das sollte sich ändern,
in: Jungle World Nr.34 v. 25.08.
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BUDE, Heinz (2011): No future war gestern.
Jugendproteste: Weltweit gehen die Jungen auf die Straße. Aber
erleben wir eine neue 68er-Bewegung?
in: Die ZEIT Nr.35 v. 25.08.
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WEGENER, Felix (2011): Es liegt an ihm.
Kinderwunsch: Die Geschichte eines Mannes jenseits der dreißig, der
ein Kind zeugen wollte und es nicht konnte,
in: ZEITmagazin Nr.35 v. 25.08.
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Douglas Coupland - Generation X
PFAFF, Jan (2011): Out of Office.
Portrait: Douglas Coupland erfand die "Generation X" und eroberte
so die Herzen des Kreativ-Prekariats. In seinem neuen Buch traut
sich der Medienjunkie in die Vorhölle namens Büro,
in: Freitag Nr.34 v. 25.08.
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SCHULLER, Moritz (2011): Die geplünderte Mitte.
Die Mittelschicht ist der dramatische Verlierer der vergangenen
Jahre,
in: DeutschlandRadio v. 24.08.
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BLASS, Katharina (2011): Jung, athletisch, Single, sucht...
Es klingt nach einem Schlaraffenland für Singles. Auf 2000 deutschen
Internetplattformen tummeln sich im Monat sieben Millionen
flirtwillige Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben. Vom ersten
Treffen jedoch sind viele frustriert,
in: Kölner Stadt-Anzeiger
v. 23.08.
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Douglas Coupland - Generation X
MAJICA, Marin (2011): Wir sind süchtig nach Vernetzung.
Douglas Coupland, Erfinder der "Generation X", über Gehirntraining
und die Auflösung des Zeitgefühls,
in: Berliner Zeitung v. 23.08.
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HAARHOFF, Heike (2011): "Das ist allenfalls gut gemeint".
Finanzierung: Hohe Verwaltungskosten, aber keine Verbesserung der
Pflege - Bert Rürup, Ex-Wirtschaftsweiser, hält nichts von den
Plänen des FDP-Gesundheitsministers Bahr,
in: taz v. 23.08.
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Simon Reynolds - Retromania
PILARCZYK, Hannah (2011): "Musik ist die entscheidende Kunstform".
Sixties-Soul, Seventies-Rock, Eighties-Disco: Pop schaut nur noch
rückwärts. Der Musik-Vordenker Simon Reynolds hat jetzt ein Buch
über diese "Retromania" verfasst. Im Interview spricht der Kritiker
über unsere Sehnsucht nach dem Gestern - und den Fluch von Internet
und iPod,
in: Spiegel Online v. 22.08.
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BECKERT,
Jens & Wolfgang STREECK (2011): Die nächste Stufe der Krise.
Welche Möglichkeiten hat die Politik noch, des Finanzsystems Herr zu
werden? Die Lösung der Schuldenkrise ist eine Verteilungsfrage: Wer
bezahlt, was längst ausgegeben wurde?
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 20.08.
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KAUBE, Jürgen (2011): Generation Facebook?
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 20.08.
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BEITZER, Hannah (2011): Neuer Platz für Oma.
Rund 14 Prozent der deutschen Pflegeheime sind von der Insolvenz
bedroht. Für die Bewohner heißt das schlimmstenfalls: umziehen,
in: Süddeutsche Zeitung v.
20.08.
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STEINBERGER, Petra (2011): Das kann böse enden.
Kinder werden überbehütet, Versicherungen verkaufen sich prächtig -
und rohe Eier? Sind irre gefährlich. Offenbar kennt der
Sicherheitswahn keine Grenzen. Doch wohin führt die Risikoscheu
einer überalterten Gesellschaft? In die Angst-Kultur,
in: Süddeutsche Zeitung v.
20.08.
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Wie wäre es eigentlich,
wenn man überbehütete, ängstliche Journalisten abschaffen
würde? Man hätte endlich Ruhe vor dem Gejammer. In der SZ
ist das Gejammer über den Jugendwahn übergangslos vom Gejammer
über die angeblich überalterte Gesellschaft abgelöst worden.
Dumm nur: Die Ursachenzuschreibung hat sich zwar geändert die
Problembeschreibung nicht. Bereits in den 1990er Jahren, als
unsere Eliten über den grassierenden Jugendwahn klagten, war
die Vollkaskomentalität das Problem der Stunde, bei
Petra STEINBERGER - ach wie originell - leben wir immer
noch in der "Vollkasko-Ära".
Wir leben in einer
risikoscheuen Angstkultur? Man würde sich vor allem
wagemutigere Journalisten wünschen, die statt lediglich eine
Etikette gegen die andere auszutauschen, ernsthafte Analyse
betreiben würden. Aber kann man das erwarten, in einer Zeit,
in der die Angst in den Redaktionsstuben umgeht?
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ECONOMIST-Titelgeschichte:
Asia's lonely hearts |
ECONOMIST (2011): Asia's lonely hearts.
The decline of Asian marriage: Women are rejecting marriage in Asia.
The social implications are serious,
in: Economist v. 20.08.
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BREKER, Gerd (2011): Elterngeld ist "eine gute Maßnahme".
AWO-Mitarbeiterin über den Zusammenhang zwischen Kindersegen und
staatlicher Unterstützung,
in: DeutschlandRadio v. 19.08.
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KOW, Anna (2011): Die Lösung heißt Ehe.
Die Kinder von
Alleinerziehenden wachsen besonders häufig in Armut auf. Das geht
aus einem Bericht des Statistischen Bundesamts hervor. Doch die
Verantwortung für die sozialen Verhältnisse wird den Eltern
zugeschoben,
in: Jungle World Nr.33 v. 18.08.
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RUDZIO, Kolja (2011): Gerecht war gestern.
Soziale Kluft in
Deutschland: Mehr Arme und mehr Millionäre. In Deutschland wächst
die Ungleichheit – ist der Trend noch zu stoppen?
in: Die ZEIT Nr.34 v. 18.08.
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DESTATIS (2011):
Durchschnittliche Kinderzahl je Frau steigt 2010 auf 1,39,
in: Pressemeldung des
Statistischen Bundesamt Deutschland v.
18.08.
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Hysterie herrscht in
Deutschland immer dann, wenn neue Meldungen zu den Geburten
vorliegen. Erst
vor 2 Wochen hat das Statistische Bundesamt eine
Pressekonferenz veranstaltet, um wenig aussagekräftige
Zahlen vorzulegen. Jetzt also die zusammengefasste
Geburtenziffer, deren Aussagekraft im Grunde nur im
Zusammenhang mit dem durchschnittlichen Gebäralter betrachtet
werden darf, denn steigende bzw. fallende Gebäralter verzerren
das Gesamtbild.
Die
Welt Online behauptet fälschlicherweise, dass
Deutschland Schlusslicht bei den Geburtenzahlen sei. Die
taz sieht das genauso. Jedoch wird nicht die
Geburtenrate 2010 verglichen, sondern die
rohen Geburtenziffern des Jahres 2009. In diese Ziffern
fließen jedoch auch die Frauen ein, die gar nicht gebärfähig
sind. Axel WERMELSKIRCHEN schreibt dagegen
auf faz.net: "In Europa liegt Deutschland (...) auf
den hinteren Rängen."
Die Hysterie um die
Geburtenzahlen hat in erster Linie mit dem Streit um die
richtige Familienpolitik zu tun. So warnt z.B.
die FR angesichts des positiven Trends, die "Hände
in den Schoß zu legen".
Welchen Einfluss hat das
Elterngeld oder der Ausbau der Kinderbetreuung auf die
Geburtenentwicklung? Aus den Zahlen wird gerne das
herausgelesen, was zur eigenen Meinung passt.
In der SZ behauptet z.B. Corinna NOHN, dass das
Elterngeld nicht wirkt. Kathrin SPOERR behauptet in der
Welt Online genau das Gegenteil.
Was aber, wenn die
Geburtenentwicklung nicht Ausdruck eines einheitlichen Trends
ist, sondern die Konsequenz gegenläufiger Entwicklungen?
Jürgen DORBRITZ vom Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung hebt
im Tagesspiegel einzig auf unterschiedliche Trends
in Ost- und Westdeutschland ab, als ob in den beiden
Landesteilen die Interessenlage homogen wäre. Allein die
Tatsache, dass seit Jahren die Geburtenzahlen in den citynahen
Wohngebieten der Großstädte zunehmen, deutet darauf hin, dass
berufstätige Mütter zunehmend mehr Kinder bekommen. Die
allgemeine Geburtenrate ist auch wenig aussagekräftig, wenn es
um bestimmte Milieus geht.
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Zu den News vom 07. -
17. August 2011
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