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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 14. - 16. Dezember 2017: [14.12.] [15.12.] [16.12.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Mindestens 25 % der Geburten in Deutschland finden statt, ohne dass die Kinderwunschforschung dies vorhersagen könnte

"25 Prozent der Kinder werden (...) ohne gemeinsame Fertilitätsintention ihrer Eltern geboren. Bei manchen Gruppen von Eltern ist der Anteil nicht gemeinsam intendierter Kinder noch deutlich höher, bei niedriger Schulbildung beider Elternteile zum Beispiel gut 35 Prozent (...). Dieser Anteil nicht geplanter und nicht abgestimmter Geburten könnte mit pairfam-Daten sogar noch unterschätzt sein (...).
Man kann annehmen, dass oft andere Dinge für den Eintritt einer Schwangerschaft ausschlaggebend sind, zum Beispiel Sex unter unzureichender Verhütung und das Austragen einer nicht intendierten Schwangerschaft wegen moralischer Skrupel in Bezug auf einen Abbruch. (...).
Man kann die Inkonsistenzen zwischen ermittelten Kinderwunschkonstellationen und nachfolgenden Geburten allerdings auch damit erklären, dass individuelle Kinderwünsche so wenig stabil sind, dass selbst die kurz vor Eintritt der Schwangerschaft erfassten Fertilitätsintentionen (...) nur zum Teil maßgeblich sind. Beide Erklärungen dafür, dass Kinder oft auch entgegen den vorher ermittelten Intentionen ihrer Eltern geboren werden, sind möglich."
(Waltraud Cornelißen, Jasmin Abedieh & Alexandra N. Langmeyer "Wege in die Elternschaft. Kein Kind ohne vorgängigen Kinderwunsch seiner Eltern?" in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2017, S.220f.)

 
       
       
   

16.12.2017

 
       
   
SPIEGEL-Titelgeschichte: Wunsch: Kind.
Wenn die Sehnsucht nach einem Baby zum Drama wird

CLAUß, Anna (2017): Warten aufs Kind.
Familie: Die Zahl der künstlichen Befruchtungen in Deutschland steigt enorm. Doch die Prozedur zermürbt viele Paare - wenn es einfach nicht klappen will mit dem Baby,
in:
Spiegel Nr.51 v. 16.12.

In den Nuller Jahre wurde die gewollt kinderlose Karrierefrau zum Feindbild Nr.1 der Mainstreammedien. Seit der Einführung des Elterngelds im Jahr 2007 sind die Mainstreammedien nun damit beschäftigt, die Kollateralschäden dieser Hetzkampagne abzuarbeiten. Seitdem ist die Debatte vom Problem der gewollten zur ungewollten Kinderlosigkeit umgeschwenkt.

Diese Verschiebung der Debatte hat zum einen mit dem Aufstieg der Reproduktionsmedizin zu einer Boombranche in den Industrieländern und zum anderen mit der Zunahme später Mütter zu tun. Letzteres wird durch das Elterngeld zusätzlich angeheizt.

"Es war ein gutes Jahr für die Reproduktionsmedizin in Deutschland. Vergangenes Wochenende hat der Dachverband Reproduktionsbiologie und -medizin einen neuen Rekord verkündet: Insgesamt 103.981 Kinderwunschbehandlungen gab es im Jahr 2016",

erzählt uns Anna CLAUß. Zur Anzahl der ungewollt Kinderlosen gibt es keine verlässliche Zahlen. Zum einen weil Partnerlose erst gar nicht zum Kreis der Personen zählen, die einen Kinderwunsch haben sollen. Zum anderen weil Kinderlose erst dann feststellen, dass sie ungewollt kinderlos sind, wenn es mit der Schwangerschaft nicht klappt. Eine ganze Heerschar hat in den vergangenen Jahrzehnten Kinderwunschforschung betrieben, nur um festzustellen, dass der Zusammenhang zwischen Kinderwunsch und Kinderkriegen keineswegs so zwingend ist, wie das politisch korrekt sein sollte.

Wenn es ums Kinderkriegen geht, dann wird es sofort hoch emotional. Ungewollt Kinderlose sind neidisch auf Schwangere und können sich darüber aufregen, dass diese "das Kind womöglich auch noch abtreiben lassen", während sie sich unter Rechtfertigungsdruck fühlen. Journalistinnen wie CLAUß helfen noch dabei, die Gräben zu vertiefen, indem sie im Sinne einer nationalkonservativen Bevölkerungspolitik die frühe Mutterschaft zum Ideal erheben, obwohl das Elterngeld die gegenteilige Botschaft verkündet. Auf dem Rücken der Kinderlosen wird in Deutschland - und nicht nur hier - Bevölkerungspolitik betrieben.

"Es fehlte an Vorbildern, an Frauen, die kinderlos sind und nicht sofort als kalte Karrierefrau gelten, weil ihnen der Job angeblich wichtiger als Nachwuchs war. »Weiß man zum Beispiel über Angela Merkel, ob sie sich Kinder gewünscht hat, aber möglicherweise keine bekommen konnte?« fragt Ferber.
In Zeiten, in denen vermeintlich alles machbar ist, sei es unerhört zu sagen, man habe den Kinderwunsch aufgegeben. Man stehe sofort unter Verdacht nicht alles probiert zu haben",

zitiert CLAUß eine Bloggerin zum Thema Kindersehnsucht. In dem ganzen Artikel vermisst man eine selbstkritische Aufarbeitung der Medienberichterstattung. Die späte Mutterschaft gilt in Deutschland als Feindbild, obwohl die Politik dies durch das Elterngeld fördert. Zuletzt wird es dann auch noch moralisch, wenn Claudia WIESEMANN die Verhütungs- bzw. Abtreibungskultur ("Schreckgespenst einer Schwangerschaft in der Teenagerzeit") kritisiert:

"Es wäre gut, wenn wir zu einer Kultur zurückkämen, in der es Frauen auch mit Mitte zwanzig möglich ist, Kinder zu bekommen und trotzdem eine Ausbildung zu machen oder einen Beruf auszuüben."

In diesem Zusammenhang wird dann immer mal wieder das Studieren mit Kind propagiert, obwohl dem das Elterngeld als Prämie für späte Mutterschaft widerspricht. Aufklärung über Fruchtbarkeit, statt über Verhütung ist das bevölkerungspolitische Gebot, dem dieser Artikel folgt. Dabei ist Deutschland mit dem Geburtenanstieg der letzten und der kommenden Jahren bereits völlig überfordert. Nur darüber lesen wir nichts in den Mainstreammedien, die immer noch so tun als würde Deutschland bald aussterben. 

 
       
   

SPIEGEL (2017): Eine Frage des Vertrauens.
Altersvorsorge: Lebensversicherer leiden unter hoch verzinsten Verträgen - und verkaufen sie deshalb an Investoren. Was bedeutet das für die Kunden?
in:
Spiegel Nr.51 v. 16.12.

 
       
   

HOCH, Jenny (2017): Halt mich fest.
Geburtsfotografinnen wie Chiara Doveri verewigen den besonderen Moment, wenn ein Kind zur Welt kommt. Wird die Entbindung dadurch zum Event?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.12.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-BAYERN-Serie: Adventskalender für gute Werke.
Viele Frauen haben ein Leben lang gearbeitet, aber dann reicht die Rente nicht für das Nötigste: 15.000 alte Menschen in München sind deshalb auf staatliche Unterstützung angewiesen. Weil sie Krankheit und Schicksalsschläge schwer belasten

MAIER-ALBANG, Monika (2017): Ersparnisse? Längst aufgebraucht.
Alle Angehörigen von Sonja F. sind gestorben. Geblieben sind die Sorgen ums Geld. Die Verdienstausfälle in den Jahren, in denen sie ihre Angehörigen gepflegt hat, waren groß. Auch Hertha R. reicht die Rente nicht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.12.

WETZEL, Jakob (2017): Sandwich-Generation mit Geldsorgen.
LMU-Professorin Irene Götz über finanzielle Probleme im Alter,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.12.

 
       
   

VOLLMUTH, Hannes (2017): Alles muss raus.
Seit es in der Stadt eine Shoping-Mall gibt, stirbt das Zentrum. Eine Geschichte aus Schweinfurt, die so und anders an vielen Orten in Deutschland spielt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.12.

 
       
   

KOOLHAAS, Rem (2017): Die Provinz ist die Zukunft.
Mehr als die Hälfte der Menschen leben in Städten. Deshalb glauben viele, dass dort unser Leben bestimmt wird. Doch was derzeit auf dem Land geschieht, könnte die Gesellschaften weitaus nachhaltiger verändern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.12.

Der Stararchitekt Rem KOOLHAAS, ein typischer Stadtplaner, entdeckt nun das Dorf. Das Dorf, das er kennt, ist bevölkert von wohlhabenden Städtern wie ihm, die als Ferienhausbesitzer die attraktiven Landgegenden prägen, z.B. im Schweizer Engadin:

"Viele (...) Häuser in dem Dorf sind von Städtern übernommen worden, die sich gemütlich eingerichtet haben, assistiert von Helfern, die in Malaysia, Thailand oder auf den Philippinen angeworben wurden. Viele dieser Häuser, die das Dorf haben wachsen und wachsen lassen, stehen die meiste Zeit leer. Nur zu den Ferienzeiten scheint der Ort zu explodieren."

Man darf bezweifeln, dass Stadtarchitekten wie KOOLHAAS geeignet sind, um die abgehängten Regionen zu retten.

 
       
   

Andreas Reckwitz - Die Gesellschaft der Singularitäten

BARON, Christian (2017): Abgrenzung statt Solidarität.
Wie die weltoffene Mittelklasse die herrschende Wirtschaftsordnung stabilisiert,
in:
Neues Deutschland v. 16.12.

 
       
   

HAVENSTEIN, Bernd (2017): Von Puppen und Toilettenbecken.
Seit über 300 Jahren gibt es den Spielwarenladen Loebner im sächsischen Torgau. In der DDR hat die Familie clever gewirtschaftet, heute boomt der Onlinehandel. Ein Besuch,
in:
Neues Deutschland v. 16.12.

"1989 hatte Torgau rund 22.000 Einwohner. Diese Zahl sank bis 2007 auf 17.800. Nur durch Eingemeindungen konnte die offizielle Zahl danach wieder aufgebessert werden. Dennoch, so Jörg Loebner: »Torgau ist eine tote Stadt.« Um das historische Geschäft zu halten, musste Loebner in den Internethandel einsteigen. Heute entfällt der geringste Umsatzanteil auf das Geschäft am Ladentisch", erklärt uns Bernd HAVENSTEIN zur sächsischen Kleinstadt, die im September in die Schlagzeilen geriet.

 
       
   

Der World Inequality Report 2018 in den Medien

REINECKE, Stefan (2017): "Es geht um politische Entscheidungen".
Arm und Reich driften weltweit immer weiter auseinander. Das zeigt ein Report über Ungleichheit, den rund hundert Forscher gerade vorgelegt haben. In Deutschland geht vor allem unter Jüngeren die Schwer auseinander, sagt der Soziologe Steffen Mau,
in:
TAZ v. 16.12.

Der ostdeutsche Soziologe Steffen MAU, Jahrgang 1968, sieht das Problem der Ungleichheit zwischen den Generationen und nicht innerhalb der Generationen. Dieses Argumentationsmuster der angeblich verlorenen Generationen, das seit den 1970er Jahren in Deutschland kursiert, wird spätestens dann widerlegt, wenn die Jüngeren zu den Älteren zählen. Anfang des Jahrtausends wurde z.B. die Generation Golf der 1965 - 1968 Geborenen von den Medien und Wissenschaftlern zu einer verlorenen Generation stilisiert, 15 Jahre später gehören einige zur privilegierten Erbengeneration, sitzen inzwischen an den Schalthebeln, wo vor 15 Jahren ihre Vorgänger-Generation saß. Die Unterschiede INNERHALB einer Generation sind immer noch größer als ZWISCHEN den Generationen. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Dass die Älteren vermögender als die Jungen sind, das ist nicht etwa die Ausnahme, sondern die Regel, weil Vermögen erst im Laufe des Lebens aufgebaut wird.

 
       
   

Deutschland hat den Geburtenanstieg verschlafen - Die dramatischen Folgen werden erst in den nächsten Jahren sichtbar werden

BECKER, Lisa & Jan GROSSARTH (2017): Flucht in die Privatschule.
Neue Lernmethoden, die schlecht in die Praxis umgesetzt werden, und überforderte Lehrer: Kaum etwas bewegt Eltern mehr als die Schulpolitik. Nicht wenige verabschieden sich aus dem staatlichen System. Eine gute Lösung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.12.

BECKER & GROSSARTH hätten wohl kaum den Pisa-Test bestanden, denn sie wissen nicht einmal, dass Manuela SCHWESIG die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern - und nicht etwa wie sie schreiben - von Schleswig-Holstein ist.

"Gerade hat das Statistische Bundesamt Zahlen veröffentlicht: Danach besuchten im Schuljahr 2016/17 gut 750.000 Schüler eine allgemeinbildende und knapp 240.000 eine berufsbildende private Schule; das war jeder elfte Schüler in Deutschland. 5.836 Ersatzschulen gab es: Ihr Besuch ersetzt den Besuch einer staatlichen Schule",

erklären uns BECKER & GROSSARTH. Die letzte Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 21.11.2017 hieß: 0,6 % mehr Schulanfängerinnen und Schulanfänger 2017 im Vergleich zum Vorjahr. Dazu heißt es:

"Zu Beginn des laufenden Schuljahres 2017/2018 wurden nach vorläufigen Daten in Deutschland 725.100 Kinder eingeschult. Das waren 0,6 % mehr als im Vorjahr. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die Zahl der Einschulungen im Vergleich zum Vorjahr in allen Bundesländern bis auf Baden-Württemberg (– 0,8 %) gestiegen. Die größten prozentualen Anstiege gab es in Thüringen (+ 2,5 %) und in Sachsen-Anhalt (+ 2,2 %)."

Im Schuljahr 2016/17 waren es gemäß dem Statistischen Bundesamt nur 720.733 Schüler an allgemeinbildenden Schulen eingeschult worden, d.h. rund 30.000 Schüler weniger als BECKER & GROSSARTH behaupten. Zur Entwicklung der Privatschulen heißt es:

"Im Schuljahr 2016/17 gab es 5.836 allgemeinbildende und berufliche Privatschulen in Deutschland, das sind 81% mehr als im Schuljahr 1992/93. Es ist ein anhaltender Zuwachs privater Schulen im gesamten betrachteten Zeitraum zu beobachten. Die Anzahl der Privatschulen erhöhte sich sogar dann noch weiter, als die Gesamtzahl aller Schulen aufgrund der drastisch gesunkenen Geburtenzahlen Ende der 90er Jahre verringert wurde. So sank von 2000 bis 2016 die Zahl der Schulen um 18%, die Anzahl der Privatschulen stieg jedoch in demselben Zeitraum um 43%."
(DESTATIS 2017 Fachserie Bildung und Kultur, Private Schulen, S.10)

BECKER & GROSSARTH finden jedoch, dass es noch viel zu wenig Privatschulen in Deutschland gibt und stützen sich dabei auf die Sicht einer FDP nahen Stiftung. Die Verringerung der sozialen Ungleichheit sehen die Autoren nicht als Aufgabe des Bildungssystems, weshalb sie dafür plädieren die Privatschulen stärker zu finanzieren. Den staatlichen Schulen weisen sie die Aufgabe zu, die Qualität der Schulen im Primarbereich zu verbessern, damit Privatschulen bessere Vorbedingungen haben. Weil die staatlichen Schulen nicht leistungsorientiert genug seien, müssen sich Eltern selber behelfen, so ihre Ausgangsargumentation:

"Schon Jahre bevor die Kinder schulpflichtig werden, beschäftigt das Schulthema die Eltern auf den Spielplatzbänken: Dutzende mieten neue Wohnungen im »besseren« Schulbezirk, melden sich illegal um auf die Adresse von Freunden oder Großeltern, stellen Versetzungsanträge oder melden ihre Kinder auf Waldorf- oder anderen Privatschulen an",

beschreiben BECKER & GROSSARTH das, was der neubürgerliche Soziologe Heinz BUDE als Statuspanik bezeichnet hat. Kompensatorische Bildung, d.h. die Verringerung sozialer Ungleichheit wird quasi unmöglich, weil das "bildungsaffine Milieu" dies torpediert. Chancengerechtigkeit ist vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund nichts als eine rhetorische Worthülse von Politikern. die keine Entsprechung in der gegenwärtigen Schulpolitik findet. Dazu gehört auch die Tatsache, dass die Bildungspolitik den Geburtenanstieg verschlafen hat! 

 
       
   

KROHN, Philipp (2017): Ergo bringt mehr Flexibilität in die Lebensversicherung.
Kunden können über Anlageformen entscheiden. Mit neuen Modellen strebt der Konzern höhere Marktanteile an,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.12.

 
       
   

CROYÉ, Melanie (2017): Wenn nichts mehr fruchtet.
Wer eine Kinderwunschbehandlung will, hat es in Deutschland nicht leicht - die Regeln sind streng. Viele suchen Hilfe im Ausland. Das aber birgt Risiken,
in:
Welt v. 16.12.

 
       
   

GRÄBER, Berrit (2017): Ja auf den letzten Drücker.
Unromantisch, aber lukrativ: Wer vor dem Jahresende noch schnell heiratet, darf sich auf ein ordentliches Plus in der Kasse freuen. Diese Tipps sollten Kurzentschlossene beherzigen,
in:
Welt v. 16.12.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2017): Mehr Steuern für die Rente.
Bürger sprechen sich für höheren Zuschuss des Bundes aus. Doch das wird nicht reichen,
in:
Welt v. 16.12.

Dorothea SIEMS schwadroniert immer noch von einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung, die es angeblich in wenigen Jahren geben soll. Das glaubt noch nicht einmal mehr die neoliberale Lobbyorganisation IW Köln:

"Das Jahr 2017 markiert allerdings einen Paradigmenwechsel. Die Bundesregierung rechnet in ihrem aktuellen Demografiebericht (BMI, 2017) nicht mehr mit einem Bevölkerungsrückgang, sondern bis 2035 wird sogar ein leichter Anstieg und langfristig bis 2060 ein konstanter Bevölkerungsstand erwartet. Diese Einschätzung basiert unter anderem auf der stochastischen Bevölkerungsprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (Deschermeier, 2016a). Diese berücksichtigt die Rekordzuwanderung des Jahres 2015 und die sich abzeichnende hohe Nettomigration in den Folgejahren. Bis 2035 steigt der Bevölkerungsstand gemäß dieser Grundlage auf 83,1 Millionen Personen an",

prahlt Philipp DESCHERMEIER in seiner im September publizierten Beitrag Bevölkerungsentwicklung in den deutschen Bundesländern bis 2035, der noch ein Jahr zuvor das genaue Gegenteil von dem erklärte, was er nun sagt.

Fazit: Bevölkerungsvorausberechnungen sind derzeit schneller veraltet als die publiziert werden können. Und was 2035 sein wird, das ist ungewisser denn je. Auch die aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts bleibt hinter der möglichen Geburtenentwicklung in Deutschland zurück.

 
       
   

Julia Encke - Wer ist Michel Houellebecq?

STEPHAN, Felix (2017): Die Methode Michel.
Politische Literatur ist dann am besten, wenn sie von jedem Lager anders missverstanden wird: Julia Encke hat ein Buch über den Provokateur Michel Houellebecq geschrieben,
in:
Welt v. 16.12.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Kein Zusatzgeld für die AHV.
Das Parlament will 2018 Bundesschulden abbauen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 16.12.

FERBER, Michael (2017): Zum Teil massive Kürzungen bei den Umwandlungssätzen.
Pensionskassen reagieren auf die tiefen Zinsen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 16.12.

ADLER, Kathrin (2017): Mehr Depressive dürfen auf IV-Rente hoffen.
Der Anspruch von psychisch Kranken muss künftig im Einzelfall geprüft werden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 16.12.

 
       
   

15.12.2017

 
       
   

HOCHGÜRTEL, Tim (2017): Familiengründung und -erweiterung im Kohortenvergleich,
in: WISTA Nr.6
v. 15.12.

Der Artikel von Tim HOCHGÜRTEL bringt keine Erkenntnisse über moderne Familienformen, da das Vorgehen solche Familienformen vorab ausschließt:

"Eine Familiengründung erfolgt in der Regel aus einer festen Partnerschaft heraus. Daher wird das Führen einer Partnerschaft als notwendige Bedingung der Familiengründung betrachtet. (...). Basierend auf den Erhebungsmerkmalen des Mikrozensus können nur Paare identifiziert werden, die in einem gemeinsamen Haushalt leben. Menschen, die eine Partnerschaft mit einer Person außerhalb des Haushaltes führen, können nicht als Teil eines Paares erkannt werden." (S.64)

Aufgrund der Herangehensweise ist es wenig überraschend, dass HOCHGÜRTEL kaum Veränderungen vorfindet. Lediglich die Zunahme von Alleinerziehenden wird registriert. Ob diese Alleinerziehenden ohne Partner leben, kann mit einem Haushaltskonzept gar nicht erfasst werden. Außerdem werden Eltern, die nicht der Norm entsprechen, von vorneherein ausgeschlossen.

Ein weiteres Problem ist, dass Kinderlosigkeit nicht korrekt erfasst wird, denn dies geschieht erst seit 2008 und auch nur alle 4 Jahre.

"An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass das Komplement des Maximums nicht der Kinderlosenquote entspricht. Aus der Aussage, dass in den Geburtsjahrgängen 1965 bis 1969 ein Maximum von 74,4 % Müttern gemessen wird, kann keine Kinderlosenquote von rund 25 % abgeleitet werden. Neben dem bereits benannten Aspekt, dass Frauen auch im fünften Lebensjahrzehnt noch das erste Mal Mutter werden können, ist zu beachten, dass im Alter des maximalen Anteils der Mütter einer Kohorte erwachsene Kinder das Elternhaus bereits verlassen haben können. Frauen ohne ledige Kinder im Haushalt werden jedoch – wie eingangs beschrieben – nicht als Mütter im Sinne des Mikrozensus gezählt. Daher liegen die Anteile der Kinderlosigkeit nach Kohorten deutlich unter den Komplementen der Maxima" (S.66 f.)

Der Autor hätte sich also besser auf die Ergebnisse des Mikrozensus 2016 beschränken sollen, denn die im Juli veröffentlichten Ergebnisse gehen zu wenig in die Tiefe. Stattdessen werden uns lediglich Banalitäten mitgeteilt, die keinen Erkenntnisfortschritt ergeben. Es ist bedauerlich, dass in einer Zeit, in der das Statistische Bundesamt durch IT-Probleme praktisch lahmgelegt ist, unnötige Kapazitäten mit solchen Artikeln verschwendet werden.

Fazit: Deutschland hat den Geburtenanstieg verschlafen und die Statistik zur Geburtenentwicklung ist gelähmt. Statt dies zu ändern, werden Befunde erhoben, die nichts zur Verbesserung der Datenlage beitragen. Schade!      

 
       
   

Der World Inequality Report 2018 in den Medien

POELCHAU, Simon (2017): Umverteilt wird kaum.
Neue Studie zeigt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich global wächst,
in:
Neues Deutschland v. 15.12.

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Deutschland so ungleich wie 1913.
Forscher rund um Bestseller-Autor Thomas Piketty warnen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich überall auf der Welt größer wird. Das könnte zu politischen und sozialen Katastrophen führen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.12.

SOMMERFELDT, Nando & Holger ZSCHÄPITZ (2017): Lebendige Mittelschicht.
Prominente Ökonomen veröffentlichen den "Bericht zur weltweiten Ungleichheit". Die Ergebnisse für Deutschland überraschen,
in:
Welt v. 15.12.

Die deutschen Interpreten des World Inequality Report 2018 unterscheiden sich darin, welche Gruppen sie in den Vordergrund rücken. Dahinter verbergen sich unterschiedliche Interessenlagen der Zeitungen. Während die meisten Zeitungen die obersten 10 Prozent am Gesamteinkommen in den Vordergrund stellen, zeichnen sich SOMMERFELDT & ZSCHÄPITZ dadurch aus, dass sie im Artikel die obersten 1 Prozent in den Mittelpunkt rücken. Daraus resultieren unterschiedliche Einschätzungen zur Entwicklung der Ungleichheit. Während SOMMERFELDT & ZSCHÄPITZ auf die Verharmlosung abzielen, geht es den anderen um Dramatisierung.

Die deutsche Kurzfassung nennt sich Bericht zur weltweiten Ungleichheit 2018 und enthält 13 Schaubilder, von denen sich die Zeitungen maximal ein Drittel herausgreifen. Die Welt greift auch Schaubilder aus der englischen Langfassung heraus und ändert sie teilweise ab

Übersicht: Die Auswahl der Schaubilder aus der deutschen Kurzfassung und der englischen
Langfassung
  in den Tageszeitungen
  SZ Welt FAZ Handelsblatt FR
E1: Anteil der obersten 10% am Gesamteinkommen weltweit, 2016 (S.5) vorhanden vorhanden fehlt vorhanden vorhanden
E2a: Einkommensanteile der obersten 10% weltweit, 1980–2016: Wachsende Ungleichheit fast überall, aber mit unterschiedlicher Geschwindigkeit (S.6) vorhanden fehlt fehlt fehlt fehlt
E2b: Einkommensanteile der obersten 10% weltweit, 1980–2016: Bewegt sich die globale Ungleichheit auf das Ungleichheitsmaximum zu? (S.7) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
E3: Einkommensanteile des obersten 1% gegenüber den unteren 50% in US A und Westeuropa, 1980–2016: Unterschiedliche Verläufe in der Einkommensungleichheit (S.8) Nur USA fehlt fehlt Nur USA vorhanden
E4: Die Elefantenkurve für Einkommensungleichheit und -wachstum weltweit, 1980–2016 (S.9) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
E5: Steigende Einkommen des obersten 1% weltweit, stagnierende Einkommen der unteren 50%, 1980–2016 (S.10) vorhanden fehlt vorhanden
(verzerrende
Skala)
fehlt fehlt
E6: Zunahme des privaten Kapitals und Rückgang des öffentlichen Kapitals in reichen Ländern, 1970–2016 (S.11) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
E7: Der Niedergang des öffentlichen Kapitals, 1970–2016 (S.12) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
E8: Anteil des reichsten 1% am Privatvermögen weltweit, 1913–2015: Abnahme und Zunahme der Ungleichheit beim Privatvermögen (S.13) fehlt

 

fehlt fehlt fehlt fehlt
E9: Die zusammengedrückte globale Mittelschicht, 1980–2050 (S.14) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
E10: Die Zunahme der globalen Einkommensungleichheit in der Zukunft ist nicht unausweichlich (S.16) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
E11: Ungleichheit hat große Auswirkungen auf die weltweite Armut (S.17) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
Figure 2.61: Top 1% income share in Germany, 1871–2013 (S.104) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
Figure 2.62: Income shares in Germany, 1961–2013 (S.104) fehlt vorhanden
(andere Skala)
fehlt fehlt

 

fehlt
Figure 2.63: Income inequality in Germany, 1983–2013 (S.105) fehlt fehlt fehlt fehlt fehlt
Nicht existent!   vorhanden      

Das in der Welt präsentierte Schaubild Amerikanischer Sonderweg ist nicht dem Report entnommen,
sondern aus mehreren Schaubildern des Reports zusammengebastelt worden. So gibt es z.B. nur ein einziges Schaubild zu Schweden (Figure 2.3.1, S.74), das die oberen 1 Prozent vergleicht, aber nur mit den anderen nordischen Staaten. In der Welt wird dagegen Schweden mit Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA zusammengefasst. Deutschland und Frankreich werden in einem eigenen Schaubild mit Spanien und Italien dargestellt (Figure 2.33, S.73). Die USA und Großbritannien wiederum werden mit anderen Staaten dargestellt (Figure 2.3.1, S.69). Hätte die Welt z.B. auch Russland und Indien in das Schaubild übernommen (Figure 2.3.5, S.75), dann gäbe es keinen amerikanischen Sonderweg!

SCHUBERT, Christian & Patrick BERNAU (2017): Arm und reich nähern sich an.
Trotzdem wachsen die Unterschiede in vielen Ländern - in Deutschland bleibt die Mittelschicht stabil,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.12.

Die FAZ gehört wie die Welt zu den Verharmlosern der sozialen Ungleichheit. SCHUBERT & BERNAU vertreten die Interessen des Besitzbürgertums. Das Feindbild sind die "Freunde der Umverteilung" (BERNAU im Kommentar). Bei der beigefügten Grafik wird die Zeitachse Richtung Gegenwart zusammengestaucht. Der Anstieg des Reichtums der obersten 1 Prozent erscheint damit als langfristiger Prozess, der Mitte der Nuller Jahre einen Gipfel und einen Einbruch erlebte, von dem sich die Reichen nicht mehr richtig erholten. Der Anstieg der Armen erscheint dagegen geringfügig.

RIEDEL, Donata (2017): Kluft zwischen Arm und Reich so groß wie 1913
Neuer Weltreport der Ungleichheit: Seit den 1980er Jahren haben die Reichsten der Welt einen immer größeren Teil des Wohlstands angehäuft. Der ärmere Teil der Bevölkerung bleibt zurück,
in:
Handelsblatt v. 15.12.

KAUFMANN, Stephan (2017): Die große Spaltung.
Die Weltwirtschaft läuft rund - doch von dem Wachstum profitieren vor allem Spitzenverdiener. Eine internationale Studie sieht die zunehmende Privatisierung als Hauptursache,
in:
Frankfurter Rundschau v. 15.12.

 
       
   

KÖPF, Matthias (2017): Zweitwohnung, dritte Instanz.
Bundesverwaltungsgericht entscheidet über die Steuern in Schliersee und Bad Wiessee. Das könnte ein Musterfall werden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.12.

 
       
   

MATZIG, Gerhard (2017): Das Dorf von morgen.
Verrückte Welt: Während arrivierte Stadtplaner die Städte provinzieller machen, erfinden sich Studenten eine neue Urbanität auf dem Land,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.12.

 
       
   

Der Occupational Pensions Stress Test 2017 in den Medien

KROHN, Philipp (2017): Arbeitgeber sollten Risiken der Betriebsrente kennen.
Der zweite Stresstest für Pensionskassen und -fonds zeigt eine Verwundbarkeit durch Marktschwankungen. Die Versicherungsaufsicht sieht nun die Unternehmen in der Pflicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.12.

Philipp KROHN berichtet über einen Stresstest der europäischen Finanzaufsicht. Zur Teilnahme am Stresstest heißt es in dem Report:

"The 2017 IORP stress test includes all countries in the European Economic Area (EEA) with IORP sectors exceeding EUR 500 million in assets. As a consequence, 19 countries (AT, BE, CY, DE, DK, ES, FI, GR, IE, IT, LI, LU, NL, NO, PT, SE, SI, SK and UK) took part in the exercise, while IS participated on a voluntary basis in the DC part of the stress test. National supervisory authorities (NSAs) were requested to aim to achieve a representative sample of IORPs in their country."
(2017, S.3)

An dem Test nahmen also nur Österreich, Belgien, Zypern, Deutschland, Dänemark, Spanien, Finnland, Griechenland, Irland, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Slowenien, Slowakei und Großbritannien teil

 
       
   

FRÜHAUF, Markus (2017): Wenn die eigenen vier Wände zur Last werden.
Das Eigenheim wird vielen Besitzern im Alter zu groß. Die Instandhaltung ist teuer und die Rente gering. Doch wie lässt sich die Immobilie verkaufen?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.12.

 
       
   

ND/DPA (2017): Hochzeitsprämien für Gemeinden.
Thüringen: Rot-Rot-Grün will für Zusammenschlüsse 200 Euro pro Einwohner zahlen,
in:
Neues Deutschland v. 15.12.

 
       
   

HUCHZERMEIER, D. u.a. (2017): Der Aufschwung ebbt 2019 ab.
HRI-Konjunkturprognose: Die nächste Bundesregierung muss sich darauf einstellen, dass sich die goldenen Jahre dem Ende nähern. Die Einnahmen wachsen nicht immer weiter in den Himmel,
in:
Handelsblatt v. 15.12.

Der Schlüsselsatz des Artikels, von dem her sich die Konjunkturprognose erklären lässt, lautet:

"In den wohl bald anstehenden Koalitionsverhandlungen werden die Parteien nicht darum herumkommen, ihre Ausgabenwünsche für die Legislaturperiode zu priorisieren".

Konjunkturprognosen sind selten das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. Ihr Ergebnis zielt auf die Beeinflussung der Politik ab. Treffsicherheit ist dagegen nicht allzu wichtig. Fette Jahre hieß ein Buch des Chefprognostikers Bert RÜRUP, das 2013 erschienen ist. Wider die Schwarzmalerei verhieß der Klappentext. Es stand der Bundestagswahlkampf bevor und es sollte ein Ruck durch Deutschland gehen. Peer STEINBRÜCK sollte Angela MERKEL ablösen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Seitdem versucht RÜRUP die Politik wieder auf rechten Pfad zu bringen. Schlechte Prognosen sind deshalb gute Prognosen.   

 
       
   

14.12.2017

 
       
   

Deutschland hat den Geburtenanstieg verschlafen - Die dramatischen Folgen werden erst in den nächsten Jahren sichtbar werden

LOCKE, Stefan (2017): Menetekel Sachsen.
Michael KRETSCHMER muss schaffen, was kaum zu schaffen ist: den Abstieg der CDU verhindern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.12.

Die niedergehende Sachsen-CDU hat Michael KRETSCHMER, der im September sein Bundestagsmandat gegen einen AfD-Mann verlor, als neuen Ministerpräsidenten durchgesetzt.

"Jahrelang hat es die Union versäumt, für Nachwuchs zu sorgen und Lehrkräfte anständig zu bezahlen. Heute fehlen Tausende Lehrer. Die Verbeamtung, die der neue Kultusminister nun fordert, ist jetzt die letzte Möglichkeit, um auf dem heftig umkämpften Lehrermarkt überhaupt noch mithalten zu können und das sächsische Bildungssystem zu retten",

meint Stefan LOCKE zu einem Problem, das Sachsen mit nahezu allen Bundesländern teilt, denn Deutschland hat den Geburtenanstieg verschlafen. Aktuell gilt die 6. regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für Sachsen, die am 19. April 2016 veröffentlicht wurde. Dazu heißt es in einer Pressemitteilung:

"Die Geburtenrate ist mit 1,57 Kindern pro Frau in Sachsen bundesweit die höchste und damit höher als in der vorangegangenen Berechnung erwartet. Die für die Zukunft angenommene Geburtenrate in Sachsen liegt mit 1,6 (weniger optimistische Variante) und zeitweise 1,7 (optimistische Variante) Kindern pro Frau noch einmal leicht darüber."

Die Annahmen werden in der 6. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung folgendermaßen beschrieben:

"Die Grundannahme in beiden Varianten war ein weiterer Anstieg der Geburtenhäufigkeit ausgehend vom Basisjahr 2014. In der unteren Variante wurden die Annahmen zur Geburtenhäufigkeit aus der 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung übernommen. Diese geht für Sachsen von einem weiteren, wenn auch gedämpften, Anstieg der zusammengefassten Geburtenrate auf knapp 1,6 Kinder je Frau bis zum Jahr 2028 aus. In der oberen Variante wurde ein temporärer Anstieg der Geburtenrate modelliert. Damit soll einer möglichen Veränderung der Geburtenrate auf Grund des höheren Anteils junger Frauen in Folge erhöhter Zuwanderung Rechnung getragen werden. Die Geburtenrate wird für den Zeitraum 2018 bis 2020 auf 1,7 Kinder je Frau gesetzt und sinkt danach bis 2028 wieder auf den vorausberechneten Wert der unteren Variante (1,6 Kinder je Frau)."
(2016, S.6)

Die Entwicklung der Geburten in Sachsen im Vergleich zur Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) ist aus der folgenden Tabelle ersichtlich:

Tabelle: Die Entwicklung der Geburten in Sachsen 2009 - 2015 im Vergleich zur
Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK)
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Gesamtzahl 34.093 35.091 34.423 34.686 34.800 35.935 36.466
1. Kinder 17.462 17.757 17.438 17.226 17.131 17.701 17.810
2. Kinder 11.584 12.188 11.853 12.156 12.274 12.610 12.837
3. Kinder 3.444 3.510 3.522 3.687 3.708 3.862 3.943
4. Kinder 1.002 1.067 1.014 1.011 1.103 1.124 1.205
5. u. w. Kinder 601 569 596 606 584 638 671
Geburtenrate (TFR) 1.437,6 1.492,8 1.475,2 1.484,4
1.518,3*
1.526,7* 1.572,3* 1.588,4*
KMK-Prognose   33.000 32.800 32.600 32.300 32.000 31.700
Differenz   + 2.091 + 1.623 + 2.086 + 2.500 + 3.935 + 4.766
Quelle: 2009: Statistisches Jahrbuch Sachsen 2010; 2010-2012: Statistisches Jahrbuch Sachsen
2010, 2013 und 2014; 2013-2015:
Statistisches Jahrbuch Sachsen 2017; eigene Berechnungen
Anmerkung: * Geburtenrate auf Basis des Zensus 2011

Die aktuelle Vorausberechnung der Kultusministerkonferenz stammt vom Mai 2013 und leitet ihre Zahlen noch aus der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes ab. Die Berechnungen der KMK liegen für Sachsen im Zeitraum von nur 6 Jahren um 17.000 Kindern unter den tatsächlichen Geburtenzahlen. Für das erste Halbjahr 2016 meldet das Statistische Bundesamt 18.289 Geburten. Im Jahr 2015 waren es 16.516 Geburten (2. Halbjahr: 19.950). Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Differenz 2016 erheblich steigen wird (KMK-Prognose: 31.400)

Das Statistische Bundesamt geht in ihrer im März 2017 aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für die 5 ostdeutschen Flächenländern von 102.700 Geburten aus. Aus der nachfolgenden Übersicht ist der Stand der Geburten für die ostdeutschen Flächenländer abzulesen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Prognose übertroffen wird. Derzeit sind 83.097 Geburten gemeldet, wobei für Sachsen das zweite Halbjahr und für Mecklenburg-Vorpommern noch die letzten 4 Monate fehlen.

Tabelle: Die bislang veröffentlichten Geburtenzahlen in den ostdeutschen
Flächenländer für das Jahr 2016 (Stand: 14.12.2017)
Bundesland Geburtenzahl
(vorläufig)
Geburtenzahl
(1. Halbjahr)
Geburtenzahl
(Jan. - Aug.)
Geburtenzahl
(Jan. - Nov.)
Brandenburg       19.199
Mecklenburg-
Vorpommern
    9.042  
Sachsen   18.289    
Sachsen-Anhalt 18.093      
Thüringen 18.474      
Quelle: Zahlenspiegel Mecklenburg-Vorpommern September - Dezember 2017;
eigene Berechnungen

 Fazit: Sachsen ist kein Einzelfall, aber dort war das Spardiktat besonders ausgeprägt. 

 
       
   

Wenn beim Wahrheitscheck die Fakten auf der Strecke bleiben

BIEBER, Friedemann & Ben WALTMANN (2017): Was das Alter mit sich bringt.
Der Wahrheitscheck: Drohen den Deutschen wirklich niedrigere Renten als den Kroaten?
in:
ZEIT Nr.52 v. 14.12.

BIEBER & WALTMANN erzählen uns, dass in den "sozialen Medien" ein Artikel des Münchner Merkur - und insbesondere eine dortige Grafik - falsch gedeutet wurde. Anlass war der OECD-Bericht Pensions at a glance 2017. Ob das der Fall war, lässt sich nicht nachprüfen, weshalb auch die Erklärungen der Autoren nicht nachvollziehbar sind. Dafür können jedoch die Argumente von BIEBER & WALTMANN überprüft werden.

"Schätzungen für eine Muster-Arbeitnehmerin und einen Muster-Arbeitnehmer. Beide wurden 1996 geboren, haben 2016 eine Arbeit aufgenommen und werden ihr ganzes Berufsleben lang jeweils exakt den nationalen Durchschnittslohn verdienen. Sie werden in Rente gehen, sobald das abschlagsfrei möglich ist – in Deutschland also, der heutigen Gesetzeslage entsprechend, nach 45 Berufsjahren im Alter von 65 Jahren. Wie hoch wird nun die Rente ausfallen? Die Studie prognostiziert zunächst, wie viel der Muster-Arbeitnehmer im Jahr 2061 netto verdient. Dann prognostiziert sie die zu erwartende Netto-Rente und setzt beides ins Verhältnis. Heraus kommen die Prozentzahlen."

Bekanntlich müssen bereits 1964 Geborene in Deutschland bis 67 Jahre arbeiten, um abschlagfrei in Rente gehen zu können ("Regelaltersgrenze"). Das hätten die Wahrheitschecker auf der Website der Deutschen Rentenversicherung hier nachlesen können. Ob der Fehler bereits der Grafik zuzuschreiben ist, oder nur den Autoren - lässt sich leider nicht überprüfen.

BIEBER & WALTMANN ist ein Fehler zu Kroatien der Aufhänger für ihre Meinung zum deutschen Alterssicherungssystem, das sie als Drei-Säulen-Modell verteidigen, d.h. das Niveau der gesetzlichen Rente ist für sie relativ unwichtig, denn es wird ja durch betriebliche und private Altersvorsorge ergänzt, wodurch das Alterseinkommen gar nicht so niedrig ist. Diese Ideologie vertritt auch die Bundesregierung in ihren jährlichen Rentenversicherungsberichten. Pech nur für jene, denen eine betriebliche Altersvorsorge verwehrt bleibt bzw. die kein Geld für die private Altersvorsorge übrig haben.

Tatsächlich sind internationale Vergleiche sehr schwierig, weil ja die OECD eigene Interessen bei der Darstellung der Fakten verfolgt. Die OECD will die umlagefinanzierte Rente zur Armenfürsorge degradieren und die Kapitaldeckung zur Pflichtveranstaltung machen. Daraus ergibt sich ihre Darstellung. Prinzipiell folgen BIEBER & WALTMANN dieser neoliberalen Sicht:

"Außerdem unterscheidet sich das angenommene Renteneintrittsalter in der Prognose stark. Die Niederländer haben es per Gesetz an die Lebenserwartung gekoppelt, weshalb die OECD für die Muster-Arbeitnehmer von einem Renteneintritt mit 71 Jahren ausgeht. Für Deutschland nimmt die Prognose einen Rentenbeginn mit 65 an – sechs Jahre früher. Durch ein höheres Renteneintrittsalter aber lassen sich leicht höhere Renten finanzieren, da Menschen länger Beiträge zahlen und kürzer Renten beziehen. Und auch für Deutschland ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Renteneintrittsalter bis 2061 noch steigen wird.
Dennoch ist es plausibel, dass Deutschland im Vergleich mit den anderen OECD-Ländern keinen Spitzenwert erreichen würde. Das liegt am demografischen Wandel: In Deutschland kommen in Zukunft wenige Junge auf viele Alte, zudem ist das Rentensystem stark von der Altersstruktur abhängig. Länder mit vielen Geburten oder einem kapitalbildenden Rentensystem haben es einfacher.

Es ist ja so einfach die Probleme dem demografischen Wandel zuzuschreiben und die Überlegenheit kapitalbildender Rentensysteme zu behaupten. Belegt wird das jedoch nicht. Dumm auch, dass die Alterung in Deutschland keineswegs so dramatisch ist, wie das gerne von Neoliberalen dargestellt wird.  

 
       
   

FREIBERGER, Harald (2017): Lästige Riester-Kunden.
Verbraucherzentralen klagen gegen Kündigungen von Verträgen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.12.

Die Privatbank Donner & Reuschel hat Riester-Sparer gekündigt. Nach der Aachener Bausparkasse ist das bereits der zweite Fall, bei dem der § 313 BGB bemüht wird, um Riester-Sparer loszuwerden. In beiden Fällen hat die Verbraucherzentrale Klage eingereicht, damit nicht noch mehr Finanzdienstleister diesen Weg gehen.

Die Politik setzte unter Rot-Schwarz voll auf die Riester-Rente, obwohl deren Probleme von Jahr zu Jahr größer wurden. Mit hohen Subventionen soll die Kapitaldeckung gerettet werden. Den Finanzdienstleistern sind die Kunden dagegen egal. Ist die Risikoverlagerung auf die Kunden nicht möglich, so wird mit rabiateren Methoden gearbeitet.   

 
       
   

USLAR, Moritz von (2017): Aus gegebenem Anlass.
Zu einem Artikel im "Spiegel" der vergangenen Woche,
in:
ZEIT Nr.52 v. 14.12.

Moritz von USLAR empört sich darüber, dass sein Buch Deutschboden über das brandenburgische Zehdenick von der Buchautorin Manja PRÄKELS ("Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß") als Verharmlosung der Rechten kritisiert wurde. Den Buchtitel von PRÄKELS nennt er nicht und die Rezension der SZ, in die der Spiegel-Artikel ebenfalls einfließt, wird außen vor gelassen. Seine Rückkehr nach Zehdenick im Oktober nach der Bundestagswahl, die unter dem Titel So schlimm is ditt allet jar nich erschien, ist alles andere als erkenntnisbringend.

Was kann sich eine Debütautorin mehr wünschen als von einem renommierten Reporter eine Erwiderung zu bekommen? Der Auflage ihres Buches dürfte dies eher nützen als schaden.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2017): Zwei Bewerber auf einen Ausbildungsplatz.
Beim Lehrstellenangebot in der Uckermark ist von einem angeblichen Fachkräftemangel nichts zu spüren,
in:
Neues Deutschland v. 14.12.

 
       
   

SEIBEL, Andrea (2017): "Merkel fasziniert mich".
Der Soziologe Armin Nassehi erkennt eine gravierende Führungskrise im Land. Politik muss Lösungen bieten und nicht den Eindruck erwecken, sie habe die Kontrolle verloren. Was ist mit der Kanzlerin los?
in:
Welt v. 14.12.

 
       
 

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Zu den News vom 07. - 13. Dezember 2017
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 03. Januar 2018