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News vom
10. - 15. Januar 2011
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Zitat
des Monats:
Ein neuer Vertrag
der Generationen?
"Zwei
soziale Gruppen haben das soziale Spektrum postindustrieller
Gesellschaften in letzter Zeit bereichert:
junge Müßiggänger,
die das von ihren Eltern und Großeltern akkumulierte Vermögen
verzehren, ohne noch irgendeiner
»ordentlichen«
Beschäftigung nachzugehen, und Langzeitarbeitslose und
Sozialhilfeempfänger (...). Beide sind »vor der Zeit« Rentiers
- die einen schneiden Coupons, die anderen warten auf die
Wohlfahrtsschecks. Beide Fälle demonstrieren drastisch das
Ende der industriegesellschaftlichen Normalbiographie (...).
Immer noch
suggerieren die gebräuchlichsten statistischen Nomenklaturen,
dass Personen zwischen 15 und 65 im »erwerbsfähigen« Alter
seien (...). Die geschilderten Fälle in den obersten und
unteren Etagen werden in der heutigen Sozialpyramide der
postindustriellen Gesellschaften von
Post-Adoleszenten und
Früh-Pensionären ergänzt, die die Fiktion eines normalen, um
die Erwerbstätigkeit herum gruppierten »Arbeitslebens« Lügen
strafen. (2010, S.352)
"Die älteren Generationen -
in Deutschland die
»Flakhelfer« und die 68er - sollten ihre
Versorgungsansprüche im Blick auf die Zukunft ihrer Enkel und
Kinder weniger egoistisch im Auge behalten, die Jüngeren
sollten, im Blick auf ihr eigenes Alter, der Versuchung
widerstehen, die Alten als lästige Kostgänger abzuschieben."
(2010, S.354)
(Claus LEGGEWIE in
"Ihr kommt nicht mit
bei unseren Änderungen!" 2011, S.344-365)
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STEINBERGER,
Petra (2011): Endstation Jugend.
Die finanziellen Ressourcen werden knapp. Das macht Alte und
Junge zu erbitterten Konkurrenten. Wenn sie den Generationenvertrag
aufkündigen, verspielen die Babyboomer die Zukunft ihrer Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.01.2011
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Petra STEINBERGER, Angehörige der Generation Golf schreibt
anlässlich der ZDF-Dystopie 2030 -
Aufstand der Jungen über die Babyboomer, die sie als
zwischen 1945 und 1967 Geborene beschreibt:
"Der
Generationenvertrag, der die Grundlage des modernen
Wohlfahrtsstaates bildet, wird gerade von jener Generation
gebrochen, die im Jahr 2030 die Mehrheit der Alten stellen wird."
STEINBERGER zählt sich zur
Minderheit der Idealisten, was die unausgesprochene
Selbststilisierung dieser Klage über ihre Generation ist. Ich, die
Idealistin, gegen Euch die Massen, das ist die liebste Pose
unserer Medienklasse.
STEINBERGER
will Anzeichen für diesen Bruch des Generationenvertrags finden.
Da wird der Kampf der bildungsfernen Schichten in den Pariser
Banlieues kurzerhand mit dem Streik der Studenten in
Großbritannien zusammengefasst zur jungen Generation, obwohl beide
Phänomene eher auf den gesellschaftlichen Gegensatz von arm und
reich verweisen.
Ausgerechnet
Frankreich, das mit einer bestandserhaltenden Geburtenrate von 2,1
als unumschränktes Vorbild der Demografen gilt, soll als Beispiel
des Interessengegensatzes von geburtenstarken und -schwachen
Altersgruppen dienen? Das Beispiel zeigt eher, dass den
Generationenkämpfern jedes Mittel Recht ist, um ihren Standpunkt
zu rechtfertigen - auch wenn es noch so absurd ist.
STEINBERGER
konstruiert eine europäische bzw. sogar westliche
Babyboomer-Generation. Tatsächlich unterscheiden sich die
Babyboomer-Generationen in den verschiedenen Nationalstaaten
beträchtlich. Die
deutsche Babyboomer-Generation ist
im Vergleich zu den USA
oder Japan ein Babyboomer-Generatiönchen.
Seriöse Forscher definieren die deutschen Babyboomer als 1959
- 1968 Geborene.
Die
vor 1950 Geborenen waren in Deutschland ähnlich schwach besetzt
wie die Anfang der 1970er Jahre Geborenen. Selbst die Anfang der
1990er Jahre Geborenen erreichten fast noch die Stärke der um 1945
Geborenen (mehr
hier).
Das
so genannte Altersbeben, auf das STEINBERGER und ihr nicht
genanntes Vorbild Frank SCHIRRMACHER abzielt, verläuft in den USA
und Japan ungleich stärker.
Ausgerechnet
der aus der Politik geflüchtete Populist Roland KOCH ist
STEINBERGERs Gewährsmann für die Macht der Alten. Wenn dem so
wäre, warum ist dann KOCH abgetreten? Wohl doch eher, weil er aufs
falsche Pferd gesetzt hat.
Ein
weiterer Gewährsmann ist der 1976 geborene Wissenschaftler Harald
WIKOSZEWSKI, auf den vor allem die in der Krise steckende SPD
setzt. Das Gespenst des Generationenkrieges vernachlässigt
mindestens zwei Aspekte:
1)
Wenn man vom Generationenvertrag spricht, dann ist zwischen
öffentlichem und privatem Generationenvertrag zu unterscheiden.
Vom privaten Generationenvertrag profitiert die junge Generation
als so genannte Erbengeneration. In den nächsten Jahrzehnten
werden hohe Vermögenswerte vererbt, die vor allem den jungen
Eliten zu Gute kommen.
Von
dieser sozialen Ungleichheit wird abgelenkt, um stattdessen einen
Generationenkrieg zu postulieren, der sich um die öffentlichen
Transfers von Jung zu Alt rankt, aber die umgekehrten Transfers
von Alt zu Jung vernachlässigt.
2)
Der nächste blinde Fleck: Das Konstrukt der
Wohlfahrtsgenerationen, das hinter dem Begriff der Babyboomer
steckt, behauptet Gewinner- und Verlierergenerationen. Einer
empirischen Untersuchung halten diese Behauptungen jedoch nicht
stand. In dem Konstrukt wird zudem die vorhandene Infrastruktur
von Verkehr, Telekommunikation, Krankenhäuser usw. vernachlässigt,
also Vermögenswerte, die den Jungen hinterlassen werden. Das
Konstrukt Wohlfahrtsgeneration stützt sich lediglich auf
den engen Bereich der Sozialversicherungen und nicht auf den
Wohlfahrtsstaat im Ganzen.
Die
Politikwissenschaftlerin Christina MAY hat die
Generation als Argument ländervergleichend für den Bereich
der Rentenversicherung untersucht,
der ja Anfang des Jahrtausend hart umkämpft war. Sie kritisiert
insbesondere Wissenschaftler wie
Heinz BUDE, denen sie Eigeninteressen unterstellt, die wenig
mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu tun haben.
Wenn
man den Wohlstandsstaat -
so wie Berthold VOGEL im Buch Wohlstandskonflikte - im
weiteren Sinne betrachtet, dann kommen ganz andere
Gewinnergenerationen in den Blick. Dann steht die Generation
Golf plötzlich gar nicht mehr so schlecht da, sondern es
werden die
Aufstiegschancen sichtbar, die der Umbau vom sorgenden zum
gewährleistenden Staat bietet.
Petra
STEINBERGER betreibt Interessenpolitik für ihre Generation, das
ist ihr gutes Recht. Nur wer einen Generationenkrieg herbei
schreibt, der darf sich nicht wundern, wenn die Konflikte außer
Kontrolle geraten. Wer heute andere an den Pranger stellt, der
könnte morgen schon selbst am Pranger stehen.
In
den jetzt anstehenden Reformen um Gesundheitswesen und
Pflegeversicherung geht es nicht in erster Linie um den
Generationenvertrag, sondern um einen zukunftsträchtigen Markt für
die Anbieter von Dienstleistungen und Produkten. Wer nur vom Bruch
des Generationenvertrages redet, der möchte diesen Aspekt der
Profitinteressen ausklammern.
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BERTH,
Felix (2011): Viel Lärm ums Kind.
Bund und Länder wollen es Anwohnern erschweren, gegen Spielplätze
und Kitas vor Gericht zu ziehen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.01.2011
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HORDYCH,
Harald (2011): Daheim ist daheim.
Wer von der Kleinstadt in die Großstadt geht, hat es geschafft.
Aber was ist eigentlich mit denen, die wieder zurückkehren? Sind sie
Verlierer? Oder heimliche Gewinner?
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.01.2011
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GUTMAIR, Ulrich (2011):
Zu Hause ist es am schönsten.
Endlich! Der
Leser des Bestsellers spricht als Gastautor,
in: TAZ v. 15.01.
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Die Käufer des Buches
Deutschland schafft sich ab von Thilo
SARRAZIN lässt die taz nicht los. Heute schlüpft Ulrich
GUTMAIR in den vermeintlichen Durchschnittsleser Walter. Diesen
gibt es aber gar nicht, denn er ist lediglich ein Kunstgeschöpf,
das aus einer falschen Rezeption einer Studie der Gesellschaft
für Konsumforschung (GfK) entsteht.
Während
die Studie lediglich darüber Auskunft gibt wie sich die Käufer von
Thilo SARRAZIN vom Durchschnitt der deutschen Wohnbevölkerung ab
10 Jahren unterscheiden, wird dagegen bei GUTMAIR ein typischer
Leser von SARRAZIN.
Ein
kleines Rechenbeispiel kann den Denkfehler nicht nur bei der
taz aufzeigen. Nehmen wir an, dass es eine Million Käufer
gäbe, die von der GfK-Studie repräsentativ erfasst worden wären.
Das kommt möglicherweise sogar hin, wenn man die Restexemplare in
den Buchhandlungen und die Verkäufe an Bibliotheken und andere
Institutionen weglässt.
Dann
wären lediglich 360.000 Leser im Alter 60 + (36 %), 430.000 Leser
(43 %) wären im Alter von 30 - 60 Jahren, 170.000 Leser wären
zwischen 20 und 30 Jahren alt und 40.000 (4 %) wären jünger als 20
Jahre. Ulrich GUTMAIERs Walter gehört also zur ersten Gruppe,
während 64 % der Käufer möglicherweise ein vollkommen davon
abweichendes Verhalten aufweisen. Bereits die Lebensführung eines
15jährigen Schülers, eines 25jährigen Berufsanfängers, einer
40jährigen Führungskraft und eines 70jährigen Rentners ist
vollkommen unterschiedlich.
GUTMAIER
hätte zudem lediglich Recht, wenn - jenseits der Lebensführung -
die Denk- und Verhaltensweisen in allen Altersgruppen gleich
wären. Dies ist mehr als unwahrscheinlich. Bereits die
Schulbildung ist in den verschiedenen Altersgruppen
unterschiedlich verteilt.
210.000
Käufer haben nur einen Hautschulabschluss (21 %), 310.000 Käufer
haben Mittlere Reife/Fachschulabschluss (31 %) und 480.000 Käufer
haben das Abitur (48 %). Nach Aussage der GfK sind die
Hauptschüler hauptsächlich in den höheren Altersgruppen zu finden.
Dürfte man in diesem Zusammenhang von "Unterschicht" sprechen,
dann müssten diese unter den Jüngeren zu finden sein.
Die
Walters unter den SARRAZIN-Käufern wären also möglicherweise zur
Hälfte Hauptschüler und zur anderen Hälfte Real-/Fachschüler oder
Abiturienten. Ist es von daher nicht mehr als wahrscheinlich, dass
jene Käufer, die Volks- und Bauerntheater schauen eine ganz andere
Gruppe sind als jene, die z.B. Beiträge aus Wissenschaft und
Technik sehen?
Das
Kunstprodukt des SARRAZIN-Käufer wird erst dann zu einem Wesen aus
Fleisch und Blut, wenn die Antworten zum Lebensstil nach
Altersgruppen und Schulbildung differenziert werden. GUTMAIRs
typischer Leser ist dagegen das Produkt einer Fehlinterpretation.
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Debatte um die Reform des
Ehegattensplittings
SCHMOLLACK, Simone (2011):
Wir arbeiten beide.
Steuern:
Endlich will auch die SPD das Ehegattensplitting reformieren. Bislang
ignoriert das Steuerrecht neue Lebensformen und fördert den
Alleinverdiener,
in: TAZ v. 14.01.
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DLF (2011):
Arrivierte, risikoscheue Biedermeier.
Gespräch mit
der Statistikerin Katharina Schüller,
in: DeutschlandRadio v. 13.01.
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Wer hat das Buch
Deutschland schafft sich ab von Thilo
SARRAZIN gekauft?
Katharina
SCHÜLLER schätzt, dass von der GfK ca. 172 Menschen befragt
wurden, wenn ca. 1,2 Millionen Menschen das Buch gekauft hätten.
Sie geht jedoch davon aus, dass Käufer erst ab 14 Jahren befragt
werden. Es werden aber von der GfK Käufer ab 10
Jahren erfasst. Nach Aussage der GfK auf Nachfrage von
single-dasein.de bilden die Basis über 200 Käufer des Buches.
Die Rheinische Post lag mit ihrer Meldung,
dass 10.000 Käufer von SARRAZINs Buch befragt worden seien,
ziemlich daneben.
SCHÜLLER
kritisiert etliche Punkte der SZ-Interpretation, geht aber
nicht auf die These von SZ und taz ein, inwiefern
die Unterschicht das Buch gekauft haben könnte.
Single-dasein.de
hat berechtigte Einwände gegen diese These. Selbst wenn ein junger
Hauptschüler sich das Buch gekauft hätte - was definitiv sehr
wenige sein würden, dann wäre zudem sehr fraglich, ob er zur
bildungsunwilligen Unterschicht im Sinne von Thilo SARRAZIN
("abgehängtes Prekariat") gehören würde oder nicht eher
aufstiegsorientiert wäre.
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HAUFLER, Daniel (2011):
Die gute Gesellschaft.
Der Soziologe
Heinz Bude über Wutbürger, Biopolitik und neue Formen der Demokratie,
in: Berliner Zeitung v. 13.01.
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Die "Unterschicht"
hat das Buch nicht zu jenen hohen Anteilen gekauft wie die taz
suggeriert!
Exklusivmeldung von single-dasein.de v. 12.01.2011
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Single-dasein.de hat
bereits am Samstag
vermutet, dass die Interpretation bezüglich der so genannten
Unterschicht von Tobias KNIEBE in der SZ falsch sein
könnte. Am Montag titelte die taz dann
noch "Auch die Unterschicht kauft Thilo", weil 21 % der Käufer
einen Hauptschulabschluss haben.
Single-dasein.de
wollte es genau wissen und hat deshalb bei der Gesellschaft für
Konsumforschung nachgefragt und bestätigt bekommen, dass die
hohen Anteile von 21 % Hauptschülern nicht durch die Schüler, Auszubildenden und Berufsanfänger, sondern - wie von single-dasein.de vermutet - durch
die älteren Käufer zustande kommen.
Nachfolgend eine
Zusammenfassung der Kritik von single-dasein.de an den
Artikeln von taz und SZ:
Ob die Unterschicht
Thilo SARRAZIN kauft, kann mit den veröffentlichten Daten zum
hohen Anteil der Hauptschüler in der
SZ vom 8. Januar gar nicht zweifelsfrei belegt werden,
sondern es gibt auch andere Interpretationsmöglichkeiten. Die taz suggeriert, dass
ein Hauptschulabschluss gleichbedeutend mit der Unterschicht sei.
KNIEBE spricht dagegen in der SZ vorsichtiger im
Konjunktiv. Die taz verschärft also sogar noch den
Aussagegehalt.
KNIEBE möchte dem
Elitedünkel entgegentreten und fahndet deshalb verzweifelt nach
einer Gruppe, die dem widerspricht und glaubt sie auch zu finden:
"Hauptschüler (bilden)
eine Ausnahme (...): Sie stellen 21 Prozent der Käufer, das
liegt nur knapp unter ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung.
Einer der wenigen Hinweise darauf, dass »Deutschland schafft
sich ab« auch Leser in jenen Bildungsschichten erreicht haben
könnte, denen das Buch so gar kein Zukunftspotential zusprechen
mag."
Bei der
Schulbildung wird in der veröffentlichten Umfrage nicht nach
Altersgruppen unterteilt (obwohl dies die Daten der GfK hergeben
würden!). Es ist also gar nicht gesagt, dass die Hauptschüler jung
sein müssen. Es könnte sich genauso gut um ältere Menschen
handeln, denn schließlich waren Hauptschulabschlüsse vor der
Bildungsexpansion weit verbreitet und hatten noch einen ganz
anderen Stellenwert. Dafür gibt es weitere Indizien, denn KNIEBE
stellt Widersprüche in den Antworten fest, die ihn ratlos machen,
z.B. bei der Mediennutzung:
"Da zeigt sich der
Sarrazin-Leser an politischen Nachrichten im Fernsehen und an
journalistischer Lektüre überdurchschnittlich interessiert.
(...). Die allerhöchsten Affinitäten im Fernsehen erzielten dann
aber doch (...) »Boulevardstücke, Volks- und Bauern-Theater«."
KNIEBE macht sich lustig
über diesen Zusammenhang, aber nimmt man den hohen Anteil der 60 +
Bevölkerung und die Erlebnismilieutypologie von Gerhard SCHULZE
zur Hand, dann entspricht dies dem bei den Älteren weit
verbreiteten Harmoniemilieu.
Hier macht sich eine
fehlende Differenzierung der Antworten zur Lebensführung entlang
von Altersgruppen bemerkbar. Viele vermeintliche Widersprüche, die
KNIEBE im Käuferprofil entdeckt, sind vermutlich lediglich einer
fehlenden altersspezifischen Antwortdifferenzierung geschuldet. |
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HUBER, Joachim (2011): Rückwärts immer, vorwärts nimmer.
Bloß keine
Zukunft: Dann doch lieber ins Mittelalter: Warum Doku-Fictions wie
"2030 - Aufstand der Jungen" im deutschen Fernsehen einfach nicht
auf die Beine kommen,
in: Tagesspiegel Online v. 12.01.
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Joachim HUBER beklagt sich über die Deutschen, die von der
Ausweglosigkeit der Zukunft nichts wissen wollen:
"Die
ZDF-Filme sehen einen
massiven Verteilungskonflikt der Generationen voraus. Das soll
allen die Augen öffnen, dass die demografische Entwicklung in
Deutschland rasches Handeln verlangt.
Das
ZDF ist einem horriblen Irrtum aufgesessen. Wer den Deutschen eine
katastrophale Zukunft ausmalt, der gilt nicht als respektabler
Visionär.
Die angstbesetzten Deutschen erwarten nichts Gutes, die
Zukunft stört sie immens bei der Gegenwartsbewältigung. Wer ihnen
ihre multiplen Ängste vor Augen bringt, der löst Fluchtgefühle,
Panikattacken aus."
HUBER sieht in der DokuFiction ein adäquates Mittel der
Politikdurchsetzung. Schwarzmalerei als legitime Begleitung von
politischer Gesetzgebung? Angesichts der mageren
Treffsicherheit von Vorausberechnungen, darf doch wohl gefragt
werden, ob es nicht demokratischere Möglichkeiten der
Politikdurchsetzung gibt.
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WEBER, Ina (2011): Düsterer Blick in die Zukunft,
in: Wiener
Zeitung v. 13.01.
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HERTER, Gerwald (2011): Jüngere sind die Gekniffenen.
Generationengerechtigkeit in der Politik. Ein Gespräch mit der
FDP-Politikerin Miriam Gruß,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 11.01.
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GEISEN, Thomas (2011): Ein Netz für das Familienglück.
Eine gute Infrastruktur und der Entschluss zu Kindern bedingen sich
gegenseitig,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 11.01.
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Debatte um die Reform des
Ehegattensplittings
BARENBERG, Jasper (2011): "Sehr viele Menschen werden kein Geld
verlieren".
Finanzpolitische SPD-Sprecherin Nicolette Kressl über die Pläne
ihrer Partei zum Ehegattensplitting,
in: DeutschlandRadio v. 11.01.
BERTH, Felix (2011): Neuer Anlauf.
Auch die SPD diskutiert über die Besteuerung von Familien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.01.
SIRLESCHTOV,
Antje (2011): SPD zweifelt am Splitting für Ehegatten.
Reform im Programm bleibt aber unkonkret,
in: Tagesspiegel v. 11.01.
DUNKEL,
Monika (2011): Sechs Gründe für die Abschaffung des
Ehegattensplittings.
Frauenfeindlich und teuer: Die SPD will dem Steuervorteil für
verheiratete Paare den Garaus machen. Motive dafür gibt es genügend
- Widerstände auch. An vorderster Front für den Erhalt des
Splittings kämpft die bayerische CSU,
in: Financial Times Deutschland Online v. 11.01.
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WICK, Klaudia (2011): Düstere Zeiten.
Anschaulich
inszenierte Trostlosigkeit: Der ZDF-Film „2030 – Aufstand der
Jungen“ spielt das Leben in der Zukunft vor, handwerklich
interessant, aber phasenweise etwas spröde anzusehen,
in: Frankfurter Rundschau v. 11.01.
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Das ZDF bringt den Begleitfilm zu den in diesem Jahr geplanten
Reformen im Gesundheitswesen und in der Pflegeversicherung.
Bereits im Jahr 2007 wurde die Marke "20XX - Aufstand der ..."
etabliert. Wir werden wohl auch in den nächsten Jahren mit der
Berieselung mit Demographie-Thrillern rechnen können. Denn nach
der Reform ist bekanntlich vor der Reform...
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TUTT, Cordula (2011): Wohlstandskinder.
Geburten: Paare in Deutschland schieben ihren Kinderwunsch nicht
länger auf. Eine Trendwende kommt langsam in Sicht,
in: Wirtschaftswoche Nr.1/2 v. 10.01.2011
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ORDE, Sabine am & Thomas STROTHJOHANN (2011): Auch die Unterschicht
kauft Thilo.
Stolz und Vorurteil: "Deutschland schafft sich ab" soll das
hierzulande bestverkaufte Buch seit 1945 sein. Nun gibt es neue
Untersuchungen zum Inhalt und zu den Käufern. Selbst viele
HauptschülerInnen leisten sich einen Sarrazin,
in: TAZ v. 10.01.2011
KAPPERT, Ines (2011): Lest den Feind!
Über die Käufer von Sarrazins Buch,
in: TAZ v. 10.01.2011
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Ines KAPPERT meint, dass man das Buch zwar lesen sollte, aber
nicht unbedingt kaufen muss. Und wer das Buch kauft, der muss noch
lange nicht ein Fan von Thilo SARRAZIN sein,
wie KNIEBE in der SZ suggeriert.
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RP (2011): Wie Sarrazins Leser denken.
Knapp 1,2 Millionen Exemplare hat Thilo Sarrazin von seiner
Streitschrift "Deutschland schafft sich ab" verkauft. Eine Studie
versucht nun herauszufinden, wer die Käufer sind und wie sie leben.
Ergebnis: Überraschend viele Besitzer des Bandes sind Berufsanfänger,
in: TAZ v. 10.01.2011
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Die Rheinische Post lässt die Spekulationen um Käufer aus
der Unterschicht außen vor, merkt aber zur Umfrage folgendes an:
"Die Gesellschaft für
Konsumforschung hat im Auftrag der »Süddeutschen Zeitung« 10 000
repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ausgewählte Käufer des
Buches »Deutschland schafft sich ab« von Thilo Sarrazin befragt."
Dagegen steht in der SZ,
dass das Sample zur Erforschung des Buchmarktes 10.000 Befragte
umfasst. Würde dies stimmen, dann wäre die Basis für die
SARRAZIN-Käufer-Prozentanteile auf alle Fälle niedriger. Es wird
dann jedoch verschwiegen auf wie vielen Käufern die präsentierten
Daten basieren. Auf der Website der Gesellschaft für
Konsumforschung steht zum Buchmarkt-Panel folgendes:
"Basis der Analyse ist das
GfK-Buchmarktpanel der GfK Panel Services Deutschland. Das Panel
besteht aus 20.000 Personen und ist repräsentativ für die deutsche
Bevölkerung mit einem Alter ab zehn Jahren. In der Analyse sind
nur Personen erfasst, die in Privathaushalten leben. Nicht
berücksichtigt sind Menschen, die in öffentlichen Einrichtungen
wie beispielsweise Heimen leben sowie ausländische Mitbürger. Im
GfK-Buchmarktpanel werden nur Buchkäufe von Privatpersonen
erfasst. Nicht berücksichtigt sind Buchkäufe von staatlichen
Institutionen wie Bibliotheken oder Schulen."
Die Aussagen stammen vom März
2010 und passen im Grunde auf keine der beiden obigen Aussagen.
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REINECKE, Stefan (2011): So verachtet wie beschworen - die vertrackte
Mitte.
Sachbuch: Weshalb die Mitte wichtiger ist, als der Marxismus
glaubte, und dennoch nur an sich selbst leidet, erklärt Herfried
Münkler,
in: TAZ v. 10.01.2011
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Stefan REINECKE bespricht das Buch
Mitte und Maß von Herfried MÜNKLER. Er findet darin zwar
gescheite ideengeschichtliche Essays zur Mittelschicht, bemängelt
aber Thesen zur weiteren Entwicklung der Mittelschicht in
Deutschland:
"Seit
1990, schreibt Münkler, sind die »Wohlstandsgewinne ausschließlich
im oberen oder obersten Einkommensbereich eingestrichen worden«.
Damit zerfalle die Mitte, eigentlich Hort der Stabilität, in
Gewinner und Verlierer. Die obere Mittelschicht will den
Sozialstaat nicht mehr finanzieren, die untere leidet unter
Abstiegsängsten.
All
das kommt nur randständig vor. Ist die Auflösung der Mittelschicht
eine nötige Folge des global entfesselten Kapitalismus? Kann man
diesen Trend stoppen? Ein paar präzise Thesen dazu hätten diesem
gescheiten Essay gutgetan."
Was REINECKE bei MÜNKLER
bemängelt, das bietet das
aktuelle Winterthema von single-generation.de. Anhand
der Bücher von Thilo SARRAZIN (Deutschland schafft sich ab),
Frank HERTEL (Knochenarbeit) und Investment Punk von
Gerald HÖRHAN werden
3 Sichtweisen zur Fortentwicklung der Mittelschicht vorgestellt
und anhand wissenschaftlicher Bücher (u. a. Wohlstandskonflikte
von Berthold VOGEL, Dynamiken (in) der gesellschaftlichen Mitte,
herausgegeben von Peter A. BERGER & Nicole BURZAN, Die
Wendegeneration. Lebensverläufe des Jahrgangs 1971 von Karl
Ulrich MAYER & Eva SCHULZE sowie Bürgerlichkeit ohne Bürgertum,
herausgegeben von Heinz BUDE u.a.) und brandaktueller Artikel auf
ihre Stimmigkeit überprüft.
Insbesondere
der Einfluss des Wohlfahrtsstaates und seiner Entwicklungen seit
den 1950er Jahren auf den Umfang und die Zusammensetzung der
Mittelschicht wird aufgezeigt.
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BISKUP, Harald (2011): Im Namen der Ehre.
In der alternden Gesellsch1ft haben vor allem Senioren Zeit - Viele
engagieren sich,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 10.01.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 06. -
09. Januar 2011
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