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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 12. - 15. Juli 2017: [12.07.] [13.07.] [14.07.] [15.07.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Lob der Mittelstadt

"Das in den Medien gehegte Schreckensbild einer sich verhärtenden Provinzbastion aus populistischem Ressentiment bedarf ebenso einer Revision wie die unterstellte Aura der jung-dynamischen Metropolen. (...).
Auf die Frage nach dem Ort jener Dynamik, die intellektuelle Erneuerung und die Expansion des Kapitals gleichermassen beflügelt, haben vor allem die deutschsprachigen Kulturen eine altehrwürdige Antwort gegeben. Ihr Kern war das heute unwahrscheinlicher denn je wirkende Motiv von der Provinz als einzigem Ort starken Denkens. Vor allem die thüringischen Kleinstädte Weimar und Jena, aber auch Freiburg, Tübingen und Heidelberg, Marburg, Göttingen und Halle weckten schon um 1800 Bewunderung aufgrund vielfacher Erneuerungsbewegungen, die dort begonnen hatten und weithin Resonanz fanden. (...).
Doch nicht etwa in die Metropolen ist die Energie dieses Geistes gezogen, sondern in eine andere Lage der Provinz. Die zwanzig besten Universitäten unserer Zeit, Harvard, Stanford, Princeton und Yale etwa, Cambridge, Oxford und die ETH, gehören zu Städten, die schon allein aus Quantitätsgründen nicht als globale Metropolen gelten können. Dies trifft vor allem auf das Silicon Valley als jene kompakte Kreativzone zu, deren Erfindungen während der vergangenen drei Jahrzehnte den globalen Alltag grundlegend verändert haben.
Google, Apple, Oracle und die meisten jener Startups, die Weltmarken geworden sind, haben Adressen in Mountain View, Sunnyvale oder Palo Alto, in Gemeinden mit etwa sechzigtausend Einwohnern, welche die fünfzig Kilometer zwischen den kleinen Millionenstädten San Francisco und San Jose ausfüllen."
(Hans-Ulrich Gumbrecht "Suburbia!" in der Neuen Zürcher Zeitung v. 07.07.2017)

 
       
       
   

15.07.2017

 
       
   

HÖHNE, Valerie & Peter WENSIERSKI (2017): "Geordnete Lebensführung".
Konservative: Fromme Christen und rechte Wähler bilden eine Allianz. Nach der Flüchtlingskrise soll der Widerstand gegen Abtreibungen und gleichgeschlechtliche Ehen die AfD beflügeln,
in:
Spiegel Nr.29 v. 15.07.

"In den vergangenen Wochen und Monaten sah es so aus, als verlören Rechtspopulisten in Deutschland an Bedeutung. Die Umfragwerte der AfD gingen zurück, die montäglichen Demonstrationen von Pegida in Dresden fanden kaum noch Aufmerksamkeit. Als der Bundestag dann Ende Juni die Ehe für alle beschloss, schien ein breiter liberaler Konsens in der Gesellschaft deutlich zu werden.
Wenig beachtet haben unterdessen fromme Christen und konservative, von den Unionsparteien frustierte Wähler ihre Allianz verstärkt",

berichten HÖHNE & WENSIERKSI, die die Akteure dieser nationalkonservativen Fraktion vorstellen.  

 
       
   

FLEISCHHAUER, Jan (2017): Die neue Harmlosigkeit.
Essay: Der moderne Feminismus will nicht mehr die Welt ändern, sondern nur noch das Wohlbefinden heben. Schade eigentlich,
in:
Spiegel Nr.29 v. 15.07.

"Ich bin am Pfingstmontag wieder Vater geworden. Nach drei Söhnen halte ich zum ersten Mal eine Tochter im Amt",

verkündet uns Jan FLEISCHHAUER, als ob er sich bei der AfD bewerben möchte. Fehlt jedoch noch mindestens ein Kind, um dort Karriere machen zu können.

 
       
   

NIEMANN, Julia (2017): Heimat, die ich meine.
Dem Dorf Glaubitz in Sachsen laufen die Frauen davon. Die Männer mögen Zoten und Pegida. Aber nach ein paar Bier erzählen sie, warum sie immer noch da sind,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.07.

"Glaubitz ist einer der männlichsten Orte Deutschlands. Seit Jahren laufen dem sächsischen Dorf die Frauen davon, weil sie lieber in den Städten wohnen wollen, im Westen oder einfach anderswo. Die Gemeinde hat den höchsten Männerüberschuss Sachsens, hier leben dreimal so viele Männer zwischen 18 und 35 wie Frauen. (...).
Auch wenn sich der Überhang zu einem kleinen Teil daraus ergibt, dass es bei Glaubitz ein Gefängnis gibt, dessen Insassen teilweise zur Glaubitzer Bevölkerung gezählt werden, kommen in Glaubitz auf 34,8 junge Frauen immer noch 100 gleichaltrige Männer - zu viele",

berichtet Julia NIEMANN über die rund 2.100 Einwohner zählende sächsische Gemeinde Glaubitz im Landkreis Meißen.

"Vor knapp zehn Jahren konstatierte eine Studie des Berlin Instituts für Bevölkerungsentwicklung, dass in manchen strukturschwachen und ländlichen Gegenden Ostdeutschlands bis zu 25 Prozent der jungen Frauen fehlten. Diese Frauendefizite seien europaweit einzigartig, selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands, die traditionell unter der Landflucht junger Frauen litten, würden an ostdeutsche Werte nicht heranreichen. Auch heute noch zieht es vor allem junge, gebildete Frauen stadtwärts, während die Männer zurückbleiben",

zitiert NIEMANN aus der Studie Not am Mann. Diese beschäftigte sich jedoch nur exemplarisch mit dem Problem Männerüberschuss anhand der sächsischen Stadt Ebersbach im Landkreis Löbau-Zittau und der brandenburgischen Gemeinde Herzberg im Landkreis Elbe-Elster. Das Statistische Landesamt in Sachsen präsentiert auf der Website Zensus-Zahlen vom Mai 2011 zur Geschlechterproportion. Dort heißt es zu den sächsischen Gemeinden:

"Von den 432 Gemeinden wiesen 279 einen Frauenüberschuss und 153 einen Männerüberschuss aus. In den Gemeinden Rathmannsdorf, Bad Brambach sowie in der Stadt Aue betrug der Anteil 88 Männer je 100 Frauen. Den größten Männerüberschuss wiesen die Gemeinden Glaubitz (124 Männer je 100 Frauen), Ralbitz-Rosenthal (114 Männer je 100 Frauen) und Deutschneudorf (113 Männer je 100 Frauen) auf. (...).
Zum 9. Mai 2011 wiesen 153 der 432 sächsischen Gemeinden mehr Männer je 100 Frauen auf, während in 279 Gemeinden ein Frauenüberschuss festgestellt wurde. Die Betrachtung der Altersgruppe der 18 bis unter 30-Jährigen zeigt dagegen, dass nur 17 Gemeinden einen Frauenüberschuss aufwiesen. In allen anderen sächsischen Gemeinden überwiegen die Männer in dieser Altersgruppe.
Die Kreisfreien Städte sind davon tendenziell weniger betroffen. Bei ihnen liegt der Anteil junger Männer in der Altersgruppe zwischen 90 Männern je 100 Frauen in Leipzig und 108 Männern je 100 Frauen in Dresden.
Am stärksten von dieser Entwicklung betroffen ist der Osten Sachsens mit den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Dort weisen mehr Gemeinden einen hohen Männerüberschuss auf. Den höchsten Anteil hat dabei die Gemeinde Puschwitz mit 216 Männern je 100 Frauen. Den geringsten Anteil weist die die Gemeinde Ottendorf-Okrilla mit 84 Männern je 100 Frauen auf.
Den höchsten Männerüberschuss für ganz Sachsen wies die Gemeinde Glaubitz mit einer Geschlechterproportion von 282 Männern je 100 Frauen im Alter von 18 bis unter 30 Jahren auf. So lebten zum Zensusstichtag in Glaubitz 82 Frauen und 231 Männer, die zwischen 18 und 30 Jahren alt waren.
Bei den Landkreisen hat Mittelsachsen mit 125 Männern je 100 Frauen den größten Überschuss an jungen Männern." (Seitenabruf: 15.07.2017)

Die Schwierigkeit eine Partnerin zu finden wird zwar angesprochen, aber Fakten werden dazu nicht geliefert, sondern lediglich subjektive Einschätzungen.

"Auch viele ältere Glaubitzer leben schon seit Jahren alleine, manche verbringen ihre Tage noch in ihrem alten Kinderzimmer, bevor sie sich am Abend betrinken. Dass hier die Sehnsucht nach hergebrachten Rollenbildern und vergangenen Zeiten besonders groß ist, erstaunt nicht",

erzählt NIEMANN, nur um dann auf die Pegida-Demonstrationen in Dresden, zu den ein paar Glaubitzer Männer fahren. Besonders engagiert scheint der AfD-Anhang jedoch in Glaubitz nicht zu sein, denn die AfD ist dort im Gemeinderat nicht vertreten.

Bebildert ist die Reportage mit Bildern aus dem Bildband Was tun von Gesche Jäger. 

 
       
   

RIEDEL, Katja & Sebastian PITTELKOW (2017):"Mistbeet der AfD".
In der liberalen Hayek-Gesellschaft sind prominente AfD-Politiker Mitglieder. Sie nutzen den Einfluss der Stiftung. Dürfen sie das? Manche sagen: nein,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.07.

RIEDEL & PITTELKOW klären darüber auf wie die AfD die neoliberale Hayek-Gesellschaft dominiert, die mit Gerd HABERMANN eine Schlüsselfigur besitzt, die den Geldhahn der Gesellschaft auf- und zudrehen kann. HABERMANN ist ein Sympathisant der nationalkonservativen AfD, die mit der Spitzenkandidatin Alice WEIDEL, der Europaabgeordneten und Kandidatin beim Bundestagswahlkampf Beatrix von STORCH und dem Kandidaten Peter BOEHRINGER in dem neoliberalen Interessenverband vertreten ist.

Bereits vor zwei Jahren hat Karen HORN in der FAZ die Unterwanderung der Neoliberalen durch die Nationalkonservativen beklagt:

"Mit der Frage, wie rechts Hyekianer sein dürfen, rang die Gesellschaft bereits vor zwei Jahren, als die damalige Vorsitzende Karen Horn einen Machtkampf mit Habermann verlor und öffentlich beklagte, der Klub mache rechte Positionen salonfähig. Als Horn ging, nahm sie mehr als 50 Mitglieder mit. FDP-Chef Christian Lindner, war darunter der ehemalige EZB-Chefökonom Otmar Issing und der Wirtschaftsweise Lars Feld. Trotzdem blieben reichlich Prominente übrig."

Daneben werden noch Verbindungen zwischen der Zeitschrift eigentümlich frei und der nationalkonservativen Fraktion in der neoliberalen Lobbyorganisation aufgezeigt. Der Artikel zeigt also ganz konkret wie bei der AfD Neoliberalismus und Nationalkonservatismus eine symbiotische Verbindung eingegangen sind. 

 
       
   

KAUFMANN, Stephan (2017): Das Leistungsmärchen.
Im Wahlkampf wird wieder das Mantra von der Leistungsgesellschaft beschworen. Wer viel leistet, soll auch ein gutes Leben haben, heißt es. Doch dabei übersehen die Politiker eine Kleinigkeit,
in:
Frankfurter Rundschau v. 15.07.

Stephan KAUFMANN erklärt, warum die Leistungsgesellschaft nur ein Mythos ist. Wer dem neoliberalen Gerede von der Leistung, die sich lohnen soll, auf den Leim geht, lässt außer acht, dass nicht die individuelle Leistung, sondern der Erfolg des Unternehmens am Markt, die Stärke der Gewerkschaften und die Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes die individuelle Lohnentwicklung bestimmen. Was bei diesen makroökonomischen Faktoren noch fehlt, sind die interindividuellen Unterschiede bei der Selbstvermarktungsfähigkeit.    

 
       
   

SCHÄFERS, Manfred (2017): Weniger Bürger befinden sich in der Insolvenz,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.07.

Manfred SCHÄFERS berichtet über eine Pressemeldung vom Vortag zu Personen in der Wohlverhaltensphase der Restschuldbefreiung. Während die Altersgruppen meist in 10-Jahresgruppen unterteilt sind, werden die Älteren zu den 61-Jährigen und Älteren zusammengefasst, sodass in dieser Gruppe die Entwicklung der Verschuldungssituation bei den Rentnern nicht angemessen dargestellt wird.

 
       
   

PLATTHAUS, Andreas (2017): Diese Moderne ist gar nicht modern.
Theresia Enzensberger erzählt in ihrem Debütroman "Blaupause" von Anspruch und Wirklichkeit des Bauhauses,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.07.

Andreas PLATTHAUS ist die "Emanzipationsgeschichte einer begabten Frau" zu unmodern. Er vermisst die Homosexuellen-Story, die im neoliberalen Diversity-Roman nicht fehlen darf. Doch der Diversity-Roman in seiner neoliberalen Biedermeiervariente ist gestrig. Stattdessen kündigt sich mit Rückkehr nach Reims der Roman der neuen Klassengesellschaft an, der Michel HOUELLEBECQs Ausweitung der Kampfzone zeitgemäß aktualisiert. Denn während der neoliberale Roman das Single-Dasein immer noch im prosperierenden Akademikermilieu verortet, wird der Roman der neuen Klassengesellschaft die Figurenkonstellation umdrehen müssen: Das Single-Dasein ist dann das Gegenteil zum erfolgreichen Family-Gentrifier. Die sozilogische Blaupause hat Cornelia KOPPETSCH mit Die Wiederkehr der Konformität geschrieben. Doch der deutsche Literaturbetrieb ist in seiner biedermeierlichen Behäbigkeit weit davon entfernt, einen zeitgemäßen Roman hervorzubringen. Stattdessen gilt den neokonservativen Edelfedern als Verwalter der Literatur Stil und Form mehr als die Auseinandersetzung mit einer pervertierten Moderne auf der Höhe der Zeit. Und auch die soziale Vererbung, die sich im Literaturbetrieb immer mehr breit macht, ist keineswegs hilfreich bei einer Trendwende hin zu einer Literatur, die mehr sein will als Klassikerpflege.

 
       
   

PASSIG, Kathrin & Ira STRÜBEL (2017): Im Umgang mit Rentnern.
Kolumne: Seitenblick,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 15.07.

"Nicht jeder möchte sich jetzt sozial engagieren, ein Silver-Surfer-Startup ins Leben rufen oder zweimal wöchentlich zur Rentnergymnastik gehen",

meinen PASSIG & STRÜBEL in jener Zeitung, deren Wirtschaftsteil die Rentner alle über den neoliberalen Kamm scheren möchte.

 
       
   

RÜTTI, Nicole (2017): Generation Silber soll dem Arbeitsmarkt nicht verloren gehen.
Für die stärkere Einbindung älterer Arbeitskräfte gibt es interessante Modelle,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 15.07.

Wie in Deutschland, sehen auch Neoliberale in der Schweiz die Älteren als günstige Arbeitskräfte. Großbanken wie die UBS impfen Journalisten in Medienveranstaltungen, damit sie wissen, was sie zu schreiben haben. RÜTTI berichtet nun darüber, mit welchen Maßnahmen Ältere besser ausgebeutet werden können:

"Die Lösung des Problems wird oft mit dem schönen Begriff »Regenbogen-Karriere« umschrieben. Konkret heisst dies: schrittweiser Abbau von Anforderungen, Lohn und Führungsverantwortung für ältere Arbeitnehmer."

Von diesem Regenbogen bleibt in der Praxis meist nur der Abbau von Lohn übrig so wie in Deutschland vom Fordern und Fördern, letzteres unter dem Tisch fällt. Noch perfider ist es, wenn sozusagen unverhohlen der Lohnabbau in Verbindung mit Weiterbildung betrieben wird:

"Anstelle von Bonuszahlungen oder Lohnerhöhungen würden Unternehmen älteren Arbeitnehmern vermehrt Weiterbildung offerieren".

Oder anders formuliert: Ältere Arbeitnehmer sollen ihre Weiterbildung selber finanzieren. Wer nicht gezwungen ist weiterzuarbeiten, weil das Geld fehlt, der dürfte mit solch durchsichtigen Maßnahmen kaum zu ködern sein.

 
       
   

GAUS, Bettina (2017): Die Gekränkten.
Treue: Donald Trump ist aggressiv, sprunghaft, verletzend. In Umfragen hat er schlechte Werte. Aber viele US-Amerikaner halten weiter zu ihm. Was sind das für Leute? Unsere Autorin hat sie besucht,
in:
TAZ v. 15.07.

Im Kampf der Gekränkten auf beiden Seiten stirbt die Wahrheit zuerst. Bettina GAUS will nicht wirklich über die Situation in den USA berichten, sondern es geht um Europa zuerst - im Grunde also: Deutschland zuerst! Die meisten Gesprächspartner sind gleichaltrige Akademiker oder Parteikader.

"Wählerinnen und Wähler von Trump (gehören) entweder zur bildungsfernen, abgehängten Schicht der Gesellschaft (...) oder (sind) ausschließlich daran interessiert (...), sich persönlich zu bereichern. Dass diese Vorstellung falsch ist, liegt auf der Hand. Es ist eine einfache Rechenaufgabe - mit diesen Gruppen allein lassen sich keine Präsidentschaftswahlen gewinnen",

meint Bettina GAUS, die der Meinung ist, dass die Gepflogenheiten der Geschäftsmänner in der Politik unangebracht sind. Das lässt sie sich von einem Harvard-Absolventen gerne bestätigen, was in der linken taz ein Fauxpas gewesen wäre, aber in der Establishment-taz inzwischen wie in den anderen Mainstreammedien durchaus üblich: Die Eliten sind das Maß der Dinge, der Rest ist blöd. Es ist diese Arroganz, die die einstige Linke den meisten Menschen entfremdet hat. Und einer der Gründe, warum Demokraten und Sozialdemokraten immer mehr ins Abseits geraten, obwohl die Alternativen noch übler sind. Wenn Demokratie bedeutet, dass es nur noch eine Wahl zwischen Pest und Cholera gibt, dann steht die Demokratie bereits auf tönernen Füßen und Alleinherrscher wie ERDOGAN und MACRON können ihr den Todesstoß versetzen. Der Hype um charismatische Führerpersönlichkeiten in den Mainstreammedien ist ein allerletztes Warnsignal!  

 
       
   

14.07.2017

 
       
   

MEYER, Jörg (2017): Arbeitsplatzabbau mit Steuergeld.
Vier Standorte des Feinkostherstellers Homann werden geschlossen, 1500 Jobs vernichtet. 800 neue Stellen sollen in Sachsen entstehen,
in:
Neues Deutschland v. 14.07.

Neoliberaler Standortwettbewerb heißt nicht, dass freier Markt herrscht, sondern dass die Politik mittels Subventionen die Standortkonkurrenz verschärft. Die Folge: Weitere Senkung des Lohnniveaus mit Hilfe von Steuermitteln, denn Unternehmen siedeln sich dort an, wo die Arbeitskraft möglichst billig ist und die Politik mitspielt. Der wilde Osten Deutschlands reißt insofern den noch prosperierenden Westen mit in den neoliberalen Abwärtsstrudel.

 
       
   

HOYER, Niklas (2017): Rentner als Rebellen.
Rente: Die Betriebsrente ist eine Kostenfalle. Millionen Rentner müssen Krankenkassenbeitrag auf die Ausschüttungen zahlen. Dagegen wächst jetzt Protest,
in:
Wirtschaftswoche Nr.29 v. 14.07.

Wenn sich Neoliberale wie Niklas HOYER für die Rente engagieren, dann sicherlich nicht für die gesetzliche Rente, sondern für die Profite der Finanzdienstleister, d.h. die betriebliche bzw. private Altersvorsorge.

Da wird der Protest gut situierter Rentner schon mal zur "Initiative gegen Altersarmut" stilisiert. Doch wer eine Direktversicherung abschließen kann, der gehört nicht zu jenen, die von Altersarmut betroffen sind, sondern im Gegenteil eher zu den Spitzenverdienern wie der ehemalige Vorstand einer Schifffahrtsgesellschaft, den uns HOYER als Betroffenen vorstellt. Es geht auch nicht etwa um neu abgeschlossene Verträge, d.h. Jüngere zu deren Anwälte sich Neoliberale gerne aufspielen, sondern um Rentner die noch in den Genuss hoher Renten gekommen sind, während bekanntlich das Rentenniveau seit über einem Jahrzehnt im Sinkflug ist und nicht etwa aufgrund des demografischen Wandels, sondern wegen politischer Gründe: um die Arbeitnehmer der kapitalgedeckten Altersvorsorge in die Arme zu treiben. Denn nicht das Wohl der Rentner, sondern das Wohl der Finanzdienstleister steht hinter diesem Sozialabbau.     

 
       
   

RULAND, Franz (2017): Alles offen.
Aussenansicht: Die Parteien führen zwar einen Rentenwahlkampf, haben aber keine langfristigen Rezepte,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.07.

Franz RULANDs Artikel erschöpft sich im üblichen neoliberalen Mantra. Neues? Fehlanzeige! Dazu wird wie üblich Kaffeesatzleserei betrieben.

 
       
   

MAJEWSKI, Ina (2017): Keine höhere Auszahlung an Versicherte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.07.

Die deutschen Lebensversicherer leben wie die Made im Speck, denn besitzen eine starke Lobby:

"Seit der Reform des Lebensversicherungsgesetzes ist eine Kappung der Ausschüttungen zulasten der Kunden möglich",

erklärt Ina MAJEWSKI. Seit der Krise des Finanzkapitalismus wälzt die Versicherungswirtschaft ihre Lasten auf die Versicherten ab. Die Mainstreammedien applaudieren dazu kräftig. der Verbraucherschutz ist hierzulande ein Hohn: Die Verbraucherzentralen hängen am Staatstropf und bescheiden sich deshalb. Wie stark die Lobby ist, zeigt sich daran, dass nur sehr selten und sehr spärlich über die Kämpfe hinter den verschlossenen Türen berichtet wird.

Die Verhinderung von Transparenz bei gleichzeitiger Beschwörung derselben ist ein Merkmal für die Macht der Lebensversicherer zu Lasten der Verbraucher.

"Ohne Kürzung bestünde die konkrete Gefahr, dass einige Lebensversicherer ihre zugesagten Garantiezinsen nicht mehr hätten erwirtschaften können",

heißt es in der Begründung, als ob Gerichte dies beurteilen könnten. Fakt ist, dass die Bafin erst vor kurzem allen Lebensversicherungen ein gutes Zeugnis ausgestellt hatten. Vor diesem Hintergrund ist das Urteil also völlig unverständlich.         

 
       
   

RICKENS, Christian (2017): Der Fluch der kreativen Klasse.
Städte sollten vor allem hochproduktive Bewohner anlocken, um erfolgreich zu sein: Mit dieser These schuf Richard Florida eine neue Blaupause für Wirtschaftsförderer in aller Welt. In seinem neuen Buch reflektiert er über die Schattenseiten dieser Politik,
in:
Handelsblatt v. 14.07.

Christian RICKENS stellt das Buch The New Urban Crises von Richard FLORIDA vor. Statt jedoch die Schattenseiten zu beleuchten, wird in zwei Dritteln der Rezension Selbstbeweihräucherung betrieben.

"Wenn man Floridas Thesen folgt, sollten sich städtische Wirtschaftsförderer nicht mehr primär darum bemühen, mit billigen Gewerbegrundstücken neue Industriebetriebe anzulocken. Sie sollten sich lieber um eine lebendig Kulturszene kümmern, um gut ausgebaute Radwege und U-Bahnnetze und lebenswerte Innenstädte",

fasst RICKENS das neoliberale Credo zusammen, dem vor allem in deutschen Metropolen wie z.B. Hamburg (Elbphilharmonie) mit zweifelhaftem Erfolg nachgeeifert wurde. Die so genannte kreative Klasse ist ein Synonym für das Akademikermilieu und deren Interessen als Vereinbarkeit von Beruf und Familie bezeichnet werden. Die Doppelkarriere-Familien sind dadurch als Family-Gentrifier zu den herausragenden Akteuren auf dem städtischen Immobilienmarkt geworden. Ihr Dienstleistungsproletariat dagegen gehört zu den Globalisierungsverlierern. Vereinbarkeit von Beruf und Familie können sie sich genauso wenig leisten wie kurze Wege zum Arbeitsplatz in den Townhouses der Großstädte.

RICKENS jedoch will keinerlei Zusammenhang mit der Gentrifizierung der Arbeiterviertel und dem Wegbrechen von "sozial intakten und zugleich bezahlbaren Viertel für Durchschnittsverdiener sehen. Wobei mit Durchschnittsverdiener eher die Masse der Niedriglöhner gemeint ist. Während in den USA diese Spaltung schon deutlich zu Tage tritt, wird sie hierzulande immer noch schöngefärbt.

Am Schluss darf ein Plädoyer für eine Bodenwertsteuer nicht fehlen, die so nicht genannt wird, sondern nur umschrieben. Die Bodenwertsteuer soll jene schröpfen, die sich nicht wehren können und dient dazu den Investoren höhere Renditen zu verschaffen. Die Lösung FLORIDAs ist also eine weitere Verschärfung der gesellschaftlichen Spaltung zu Gunsten des Finanzkapitalismus. Natürlich steht das nicht so geschrieben, sondern die Interessen der Reichen werden uns als Anreize verkauft:

"Zugleich schaffe die Steuer Anreize Grundstücke möglichst dicht zu bebauen und so Wohnraum zu schaffen."

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

JANDL, Paul (2017): Provinz ist, wo ich nicht bin.
Das Verhältnis zwischen den Zentren und der Peripherie ist angespannt wie schon lange nicht mehr, aber wer ist schuld daran?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 14.07.

"Selbst die Soziologen sind davon ausgegangen, dass die Digitalisierung die Zentren und die Peripherien näher zusammenrücken wird. Aber nichts davon. Die Gräben zwischen den Städten und dem flachen Land sind gefährlich tief geworden, und es gibt politische Kräfte, die wohl auch künftig Schaufel bei Fuss stehen.
In den ländlichen Gebieten im Norden und Süden Frankreichs hat der Populismus von Marine Le Pen sich ein Aufmarschgebiet gesichert. Donald Trump hat seine Wähler in den strukturschwachen, nichturbanen Gliedstaaten geholt. Wäre über den Brexit allein in London abgestimmt worden, dann wäre England weiterhin Mitglied der EU",

beschreibt Paul JANDL die Ausgangssituation all jener unzähligen Artikel, die sich mit den Wahlerfolgen so genannter populistischen Parteien in den westlichen Industrieländern beschäftigen. JANDL behauptet im Gegensatz zu Mark SCHIERITZ in der gestrigen ZEIT, dass sich die Angelegenheit in allen Ländern gleich darstellt: in der Niederlausitz genauso wie in North Carolina.

"Die Arbeiterstadt Hénin-Beaumont im Norden Frankreichs ist prototypische Provinz (...). Die Rechte ist hier zu einem Harmoniemilieu mit einfachen Antworten geworden. Da passt es, dass auch die Meinungsforschung ihre Ratlosigkeit hinter eher schlichten Mutmassungen verbirgt.
Jérôme Fourquet vom französischen Institut Ifop hat kürzlich verkündet, was politisch passiert, wenn die Provinz immer weiter an den Rand gedrängt wird. Seine Zahlen: Schliesst ein Restaurant auf dem Land, dann bringt das dem Front national 2,1 Prozentpunkte bei den Wahlen, bei einem Lebensmittelgeschäft sind es 2,5 Prozentpunkte. Verschwindet die Post, kann sich die Rechte sogar über 3,5 Prozentpunkte freuen. Das ist vielleicht weniger Empirie, als es schon wieder Arbeit am Mythos ist."

Hénin-Beaumont zeigt vielmehr wie die Rechten einen korrupten sozialistischen Bürgermeister beerbt haben - mit Provinz hat das nichts zu tun. Und diese Stadt ist kein Einzelfall. Das korrupte politische Establishment war auch in anderen französischen Städten dafür verantwortlich, dass sie in die Hände der Rechtspopulisten fielen. Mit Spießertum hat das nichts zu tun!

Das Zitat, das Jérôme Fourquet zugeschrieben wird, ist eine Verkürzung der Studie L’influence de l’isolement et de l’absence de services et commerces de proximité sur le vote FN en milieu rural vom März 2016. Die Studie bezog sich auf die Europawahlen im Jahr 2014 und gilt nur für Orte mit weniger als 1.000 Einwohner, weshalb die Ergebnisse auch nur in diesem Rahmen Sinn machen, während sie in der deutschsprachigen Berichterstattung (z.B. FR 20.04.17) verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen wurden.

Fazit: Unsere Medien schaffen sich ihre Mythen selber!

 
       
   

Das Single-Dasein in Portugal

FISCHER, Thomas (2017): Sehnsucht nach den verlorenen Kindern.
Portugal bietet nach der starken Abwanderung während der Krise heute wieder Chancen, oft aber einen wenig attraktiven Verdienst,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 14.07.

"Jüngere und ältere Portugiesen mit und ohne berufliche Qualifikationen haben das krisengeplagte Land in den letzten Jahren scharenweise verlassen, vor allem zwischen 2011 und 2014, als Portugal das harte Hilfsprogramm der internationalen Troika umsetzte. Krankenpfleger und Ingenieurinnen zogen ebenso fort wie Ärztinnen, Architekten und Bauarbeiter. Ohne diesen Exodus wäre die Arbeitslosenquote, die Anfang 2013 einen Höchstwert von 17,5% erreichte, wohl noch stärker gestiegen. Nun ist diese Quote auf knapp unter 10% gefallen, womit sie für portugiesische Verhältnisse aber noch relativ hoch ist. Zu verdanken ist der Rückgang nicht etwa der Resignation und Emigration von Leuten ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt, sondern in erster Linie der Schaffung von Jobs",

berichtet Thomas FISCHER aus Portugal, wo angeblich händeringend Arbeitskräfte gesucht werden. Wäre dies der Fall, dann müsste sich dies in der Lohnentwicklung wiederspiegeln, was nicht der Fall ist.

FISCHER, Thomas (2017): Die demografische Zeitbombe,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 14.07.

"Infolge von langfristigem sozialem Wandel, Wirtschaftskrise und Emigration wächst in Portugal ein demografisches Defizit. In den letzten sieben Jahren ist die Bevölkerung des Landes um 264 000 auf 10,3 Mio. Einwohner geschrumpft, schätzte kürzlich das Nationale Statistikinstitut. Erstens, so hob das Institut hervor, sei die Zahl der Sterbefälle viel höher als die tendenziell rückläufige Zahl der Geburten, obwohl diese nach einem abrupten Rückgang in den Troika-Jahren wieder leicht gestiegen sei. Zweitens sei auch die Migrationsbilanz negativ",

beschreibt Thomas FISCHER die Bevölkerungsentwicklung in Portugal, die mit der üblichen Kaffeesatzleserei bis zum Jahr 2060 kurzgeschlossen wird.

 
       
   

Das Single-Dasein in den USA

WINKLER, Peter (2017): Lieber die Armen als die Alten opfern.
Die Konzentration auf Medicaid im Streit über die amerikanische Gesundheitsreform hat rein politische Gründe,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 14.07.

Peter WINKLER berichtet über den Streit um die Gesundheitsreform in den USA. Dazu geht er bis zum ursprünglichen Plan von Obamacare zurück. Neben Familien mit Kindern sollten auch kinderlose Erwachsene bis zu einer gewissen Einkommensschwelle Zugang bekommen. Dies wurde ausgehebelt, indem das Gesetz nicht in allen 50 Gliedstaaten durchgesetzt werden konnte. 19 Bundesstaaten mit republikanischer Regierung weigerten sich.

Was in der deutschen Anti-TRUMP-Debatte unter den Tisch fiel: TRUMP stellte sich in der Frage der Gesundheitsreform gegen seine Parteigenossen:

"Mit Blick auf diese Bevölkerungsgruppen, die für seinen Wahlsieg eine entscheidende Rolle spielen würden, versprach Donald Trump im Wahlkampf, als Präsident die Sozialversicherung, die Krankenversicherung für Alte (Medicare) und – explizit – auch Medicaid nicht anzurühren. Er werde stattdessen für ein solides Wirtschaftswachstum sorgen, Verschwendung und Betrug eindämmen und so das Problem der finanziellen Nachhaltigkeit lösen.
Dieses Versprechen war Trumps bestes Verkaufsargument zur Abgrenzung von seinen republikanischen Konkurrenten. Es war auch einer der Gründe, warum die Konservativen sich erst dann hinter Trump stellen mochten, als niemand anderes im republikanischen Ring noch auf den Beinen war. Sie trauten dem New Yorker nicht – schliesslich war die Reform der Sozialwerke, die zusammen fast zwei Drittel des amerikanischen Budgets an sich binden, seit langem ein Lieblingsprojekt der konservativen Bewegung."

Im letzten Drittel kehrt dann Peter WINKLER zur neoliberalen Verdummung zurück, indem er nämlich Arme und Alte gegeneinander ausspielt und zwar indem er die Alten allesamt der "Oberschicht und oberen Mittelschicht" zuschlägt, um die Krankenversicherung für Alte zu diffamieren. Die Schnittmenge der armen Rentner wird bei WINKLER ausgeblendet..      

 
       
   

13.07.2017

 
       
   

Die Broschüre Demographische Rendite adé in den Medien

AMENDT, Jürgen (2017): Das Problem mit den Vorhersagen.
Studie prognostiziert starken Anstieg der Schülerzahlen und deutlich höheren Lehrerbedarf als bislang erwartet,
in:
Neues Deutschland v. 13.07.

Jürgen AMENDT kritisiert die Praxis der Schulpolitik, die bei höheren Schülerzahlen einfach die Klassengrößen erhöht und bei rückgehenden Schülerzahlen Schulen abreißt und die Lehrer reduziert statt in die Qualität der Bildung zu investieren:

"Nach 1990 wurden beispielsweise in Berlin Schulen aufgrund sinkender Anmeldezahlen geschlossen. Das allein wäre kein Problem, hätte man nicht zeitgliech die Gebäude abgerissen und Lehrerstellen abgebaut. Wären sowohl die Gebäude in Form einer Zwischennutzung erhalten geblieben und der Rückgang der Schülerzahlen dazu genutzt worden, die Klassenstärken zu reduzieren, gäbe es heute genug Schulen und genug Lehrerinnen und Lehrer."

HEUZEROTH, Thomas (2017): Schüler, Schüler, Schüler.
Bildungsexperten haben sich verschätzt. In wenigen Jahren drängen eine Million mehr Kinder in die Schulen als gedacht. Die Institutionen sind überfordert,
in:
Welt v. 13.07.

"Bislang geht die Kultusministerkonferenz (KMK) von 7,2 Millionen Schülern für das Jahr 2025 aus. (...) Tatsächlich werden (...) 8,3 Millionen Kinder und Jugendliche an die Schulen drängen. (...).
Tatsächlich beruht die offizielle Schülerprognose der Kultusministerkonferenz von 2013 noch auf Zahlen aus dem Jahr 2012. Seitdem sind fünf Mal in Folge die Geburtenzahlen angestiegen. In der Studie wurden die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (2015) mit noch aktuelleren Zahlen des Babynahrung-Herstellers Milupa für ihre Berechnungen genutzt. Das Unternehmen verfügt über Geburtenzahlen aller deutschen Geburtsstationen der Krankenhäuser des Jahres 2016",

erklärt uns Thomas HEUZEROTH. Zu der Milupa-Geburtenliste 2016 heißt es in der Studie:

"Die Milupa Nutricia GmbH veröffentlicht seit 1999 jährlich die Milupa Geburtenliste (Milupa 2017). Diese Liste erfasst alle Geburten in deutschen Kliniken. Die Ergebnisse dieser Erfassung liegen daher grundsätzlich unter den endgültigen Geburtenzahlen, da Hausgeburten und Geburten in Geburtshäusern nicht einbezogen werden. So wurden in der Milupa Geburtenliste für 2014 insgesamt 693.400 Geburten gemeldet. Das waren 97 Prozent der tatsächlich für 2014 für Deutschland berichteten 714.927 Geburten. Für 2015 meldet die Geburtenliste 717.020 Geburten; das entspricht 97,2 Prozent der für 2015 insgesamt in Deutschland gezählten 737.575 Geburten. Tatsächlich liegen also die Werte der Geburtenliste unterhalb, gleichwohl aber dicht bei den tatsächlichen Geburtenzahlen. Ein weiterer Vergleich der Daten der Geburtenliste mit den tatsächlich berichteten Geburten belegt, dass diese Liste belastbare Daten für die Abschätzung der Gesamtzahl der Geburten in Deutschland liefert: Von 2014 nach 2015 ergibt sich aus den Milupa Geburtenlisten dieser beiden Jahre ein Geburtenanstieg auf 103,4 Prozent (717.020 gegenüber 693.400). Bei den für Deutschland insgesamt für diese beiden Jahre gemeldeten Geburtenzahlen findet sich ein Anstieg auf 103,2 Prozent (737.575 gegenüber 714.927)." (2017, S.29)

Die Autoren der Studie gehen deshalb von folgenden Geburtenzahlen aus:

"Für die Schätzung der Geburtenzahlen wird davon ausgegangen, dass die Geburtenzahlen in Deutschland im Jahr 2016 um 5,9 Prozent (nach Korrektur des in der Milupa Geburtenliste berichteten prozentualen Anstiegs um 0,2 Prozentpunkte) höher lagen als 2015 und damit von 737.575 (2015) auf 781.092 (2016) angestiegen sind. In dieser prozentualen Steigerung ist die vom Statistischen Bundesamt in seiner Vorausschätzung erwartete Geburtensteigerung von 1,3 Prozent enthalten. Somit ergibt sich für die hier vorgelegte eigene Vorausberechnung eine höhere Annahme der Geburtenentwicklung zwischen 2015 und 2016 gegenüber der Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes von 4,5 Prozent." (2017, S.30)

Ein Vergleich der tatsächlichen Geburtenzahlen mit der Variante 2 und 2A der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (BVB) vom April 2015 bzw. März 2017 ergibt folgendes Bild:

Tabelle: Vergleich der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen
des Statistischen Bundesamtes mit der tatsächlichen Geburtenentwicklung
Jahr BVB 2015
(Variante 2)
BVB 2017
(Variante 2a)
tatsächliche
Geburtenzahl
Bertelsmann-
Schätzung
Differenz
zu BVB 2015
2014 685.000   714. 927   ca. 31.000
2015 691.000 745.000 737.575   ca. 46.500
2016 697.000 754.000   781.092 ca. 84.000
 

SAUER, Stefan (2017): In den Schulen wird es eng.
Studie der Bertelsmann-Stiftung sagt bis 2030 dramatischen Zuwachs der Schülerzahlen voraus,
in:
Frankfurter Rundschau v. 13.07.

"Grundlage der neuen Berechnungen ist zum einen der unverhoffte Geburtenanstieg in den letzten Jahren. 2014 und 2015 kamen zusammengenommen gut 1,45 Millionen Babys in Deutschland zur Welt. Das waren fast 80.000 mehr als vom Statistischen Bundesamt 2013 angenommen. Für 2016 geht die Studie von einem nochmaligen Anstieg auf 781.000 Geburten aus. Die Bevölkerungsvorausberechnung von 2013 hatte konstant etwa 710.000 Geburten pro Jahr angenommen",

erzählt uns der Märchenonkel der FR. Weder ist das Veröffentlichungsdatum richtig, noch stimmt es, dass die Geburtenzahl als konstant angenommen wurde, sondern lediglich die Geburtenrate. Denn nach der Bevölkerungsvorausberechnung wäre die Geburtenzahl bis 2020 auf 706.000 angestiegen, um danach kontinuierlich zurückzugehen (2030: 639.000; 2040: 581.000; 2050: 553.000).

GILLMANN, Barbara (2017): Mehr Schüler, mehr Kosten.
Bildung: 2025 wird es weitaus mehr Schüler geben als bisher gedacht. Diese Fehlkalkulation wird den Staat Milliarden kosten,
in:
Handelsblatt v. 13.07.

MUNZINGER, Paul (2017): Pädagogik der Massen.
Forscher prognostizieren einen "Schüler-Boom" in ungeahntem Ausmaß - mit Folgen für die Schulen: Deutschland gehen die Lehrer aus. Die Bundesländer wehren sich gegen den Vorwurf, unvorbereitet zu sein,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.07.

Paul MUNZINGER stellt die Reaktionen der Bildungsministerien in den Vordergrund, um abzuwiegeln. Außerdem wird der Anstieg der Schülerzahlen verharmlost, indem auf das baldige Ende des Booms hingewiesen wird:

"Denn der aktuelle Trend, auch das geht aus der Studie hervor, kann sich schon bald wieder umkehren: Von 2027 an, erwarten die Forscher, wird die Zahl der Grundschüler wieder fallen."

Das aber stimmt nur, wenn sich der Geburtenanstieg nicht weiter fortsetzt und gilt auch nur für die Grundschulen, während die Schülerzahlen der Sekundarstufen I und II erst später ihren Höhepunkt erreichen (vgl. 2017, Abbildung 6 S.20).

 
       
   

Der IAB-Kurzbericht Nr.16/2017 und die Pressemeldung des Statistischen Bundesamts in den Medien

KAISER, Tobias (2017): Deutsche Rentner wollen nicht nur auf dem Sofa sitzen.
Anteil der arbeitenden Senioren ist stark gestiegen. Die Firmen tun viel, um erfahrende Mitarbeiter zu halten,
in:
Welt v. 13.07.

ASTHEIMER, Sven (2017): Jeder neunte Rentner geht weiter arbeiten.
Immer mehr Ältere entscheiden sich ohne materiellen Zwang für eine längere Erwerbstätigkeit,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

HAENES, Florian (2017): Fast eine Million Rentner in Arbeit.
Erwerbstätigkeit oft Haupteinnahmequelle,
in:
Neues Deutschland v. 13.07.

Während die Neoliberalen von Welt und FAZ die freiwillige Weiterarbeit im Rentenalter hervorheben, zitiert Florian HAENES VdK-Präsidentin Ulrike MASCHER und den rentenpolitischen Sprecher der Linkspartei Matthias BIRKWALD, die den Zwang zum Weiterarbeiten betonen.

ÖCHSNER, Thomas (2017): Rentner sucht Job.
In Deutschland arbeiten doppelt so viele Ältere wie noch vor zehn Jahren. Viele brauchen zusätzliche Einkünfte, andere wollen Sinnvolles tun. Aber die Zahlen zeigen noch mehr,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.07.

Thomas ÖCHSNER beruft sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die mehr arbeitende Rentner ausweist als das Statistische Bundesamt:

"In Wirklichkeit dürfte für deutlich mehr Menschen im Alter von 65 Jahren noch nicht Schluss sein. Die Zahlen der Behörde, die auf der größten deutschen Haushaltsstichprobe (Mikrozensus) beruhen, sind vermutlich untertrieben. Darauf deuten die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des europäischen Statistikamtes Eurostat hin.
Nach Angaben der Arbeitsagentur hatten Ende 2016 allein etwa 800.000 zwischen 65 und 74 Jahren einen Minijob. Hinzu kommen etwa 240.000 mit einer normalen sozialabgabenpflichtigen Arbeit und sowie 350.000 Selbständige, jeweils in dieser Altersklasse. Das wären dann schon knapp 1,4 Millionen Arbeitende zwischen 65 und 74 Jahren, und bei allen drei Gruppen wurden es in den vergangenen fünf Jahren deutlich mehr."

Da stellt sich jedoch die Frage, ob die jeweiligen Erfassungskonzepte jeweils auch nur die Erwerbsarbeit im Rentenalter erfassen. Die journalistischen Vorführungen stehen offenbar unter dem Motto, wer die meisten arbeitenden Rentner aufbieten kann, um die neoliberale Ideologie zu untermauern. Zur Sozialstruktur der Rentnerarbeit bietet ÖCHSNER eine DZA-Studie und die Position des VdK auf:

"Einerseits zeigt eine von der Bundesregierung vorgelegte Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen, dass vor allem höher gebildete, männliche und westdeutsche Senioren arbeiten - eine Gruppe, bei der Altersarmut eher weniger verbreitet ist. Andererseits steigt die Zahl der Alten, deren Rente nicht reicht. Immer mehr sind deshalb auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen. Auch ist die Zahl derjenigen stark gewachsen, die mit mindestens 70 Jahren noch verschuldet sind. Darauf weist Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, hin."

 
       
   

Wie Generationenbilanzen ein falsches Bild von den politischen Handlungsspielräumen liefern

SIEMS, Dorothea (2017): Sieben Billionen Euro Schulden.
Generationenbilanz: Staat verspricht immer mehr Leistungen, trifft aber wenig Vorsorge,
in:
Welt v. 13.07.

Dorothea SIEMS hofiert den Beamten Bernd RAFFELHÜSCHEN, der seine Schäfchen im Trockenen hat. Im Auftrag der neoliberalen Anwälte der Reichen hat er eine Generationenbilanz erstellt, um deren Besitzstände zu verteidigen.

Generationenbilanzen wurden in den USA erfunden, kamen dort aber bald ins Gerede, weil deren Protagonisten sich selber bereicherten. In Deutschland hält man Generationenbilanzen dagegen immer noch für eine gute Sache, obwohl sie mit Generationengerechtigkeit nichts am Hut haben. In Generationenbilanzen wird keineswegs eine Gesamtschau geliefert, sondern das Wesentliche ausgeblendet. Die Absurdität zeigt sich z.B. darin, dass das Wirtschaftswachstum zu einem Anstieg der angeblichen Nachhaltigkeitslücke führt:

"Da die Generationenbilanz rein buchhalterisch die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben verrechnet, vergrößern Entlastungen die berechnete Nachhaltigkeitslücke. Eine Steuersenkung um 15 Milliarden Euro vergrößerte die Gesamtschuld von 224 auf 245 Prozent des BIP. Ähnlich groß wäre der Effekt, wenn man (...) die staatlichen Investitionen von jetzt 2,1 Prozent des BIP auf 2,5 Prozent erhöhte. (...). Beides habe positive Wachstumseffekte zur Folge, die sich allerdings in einer Generationenbilanz abbilden ließen",

erläutert uns SIEMS. Generationenbilanzen sind als lediglich Instrumente, um einen weiteren Sozialabbau zu rechtfertigen, sind aber nicht dazu gedacht ein realistisches Bild über zukünftige Handlungsspielräume zu entwerfen, denn dazu müssten auch die Vermögenswerte des Staates und die Produktivitätsfortschritte einfließen. Bilanzen, die wesentliche Aspekte des gesellschaftlichen Kapitals außer Acht lassen, sind Versuche, die eigenen Interessen zu verschleiern.

SCHÄFERS, Manfred (2017): SPD-Rente käme teuer.
Fachleute sehen Fehlbedarf von 1,6 Billionen Euro,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

Manfred SCHÄFERS hebt hervor, dass im vergangenen Jahr die Nachhaltigkeitslücke im Vergleich zum Jahr 2015 zurückgegangen ist, was Dorothea SIEMS unerwähnt ließ:

"Dieses Jahr kommen die Forscher auf eine leichte Verbesserung der Generationenlücke im Vergleich zu 2016. Die Summe aus expliziten und impliziten Schulden ist auf 224 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken (Vorjahr: 231 Prozent)."

Da Generationenbilanzen je nach Erhebungszeitraum stark differieren können, ist die Aussagekraft zudem sehr stark von den gegenwärtigen Bedingungen abhängig. Das deutet darauf hin, dass sie die Zukunft nur als naive Fortschreibung der Gegenwart betreiben. Sie sind deshalb genauso wie Langfristvorausberechnungen nur Kaffeesatzleserei.

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2017): Rentner-Wahlkampf.
Kommentar: Ein höheres Rentenniveau hilft den Armutsbedrohten in keiner Weise,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

Weil es keine Neuigkeiten an der Rentenwahlkampffront gibt, wiederholt Kerstin SCHWENN Altbekanntes mantrahaft.

 
       
   

MAJEWSKI, Ina (2017): Generali wegen Sofortrente vor Gericht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

 
       
   

VAILLANT, Kristina (2017): Eine ignorierte Generation.
Soziale Gerechtigkeit: Das deutsche Rentensystem ist ungerecht - vor allem für alleinstehende Frauen. Was könnte eine Rentenreform ihnen bringen?
in:
TAZ v. 13.07.

Wie Kristina VAILLANT mit falschen Zahlen operiert, ist hier nachzulesen.

 
       
   

SELL, Stefan (2017): Nix gelernt, aber viel geerbt.
Meritokratie: In Deutschland gibt es mehr Jobs, aber zu billigeren Löhnen als in den meisten EU-Ländern. Wer erbt, den kratzt das nicht,
in:
Freitag Nr.28 v. 13.07.

Stefan SELL klärt über den Niedriglohnsektor und den Leistungsmythos auf. Seine Antwort auf den CDU-Generalsektretär Peter TAUBER:

"Das Kaputtsparen der öffentlichen Infrastruktur, die unterbezahlten sozialen Dienstleistungen, die mickrigen Renten selbst von Normalverdienern treffen vor allem die Arbeitnehmer, die was Ordentliches glernt haben und trotzdem nicht aus dem Hamsterrad herauskommen." 

 
       
   

OLTERMANN, Philip (2017): Verlorene Linke.
Begegnung: In der Bühnenfassung von Didier Eribons "Rückkehr nach Reims" zeigt Nina Hoss ihre politische Seite und fragt: Warum wählen Kommunisten die extreme Rechte?
in:
Freitag Nr.28 v. 13.07.

Philip OLTERMANN führt den Erfolg von Rückkehr nach Reims auf den "damals drohenden Altraums einer rechtsextremen französischen Präsidentin" zurück. Das jedoch glaubten höchstens diejenigen, die nichts über Frankreich wussten. Der Wert des Buches liegt dagegen darin, dass es Auskunft gibt über eine vergangene Epoche, in der die homosexuelle Szene für Intellektuelle wie Didier ERIBON Aufstiegsmöglichkeiten bot, die das Gesellschaftssystem ansonsten nicht bot. In diesem Sinne ist es ein historisches Dokument. Und es ist eine persönliche Beichte, denn für ERIBON war es leichter sich als Homosexueller zu outen als zuzugeben ein Arbeiterkind zu sein. In diesem Sinne zeigt es wie die Scham gesellschaftlich Zustände festigt.   

 
       
   

SCHIERITZ, Mark (2017): Mein Haus, mein Auto, meine Provinz.
Fühlen sich die Menschen abseits der Metropolen wirklich abgehängt? Mark Schieritz besucht nach langer Zeit wieder einmal seine Heimat - und ist überrascht,
in:
Die ZEIT Nr.29 v. 13.07.

Mark SCHIERITZ reiht sich ein in die Vielzahl von Journalisten, die Rückkehr nach Reims ins Deutsche übertragen, aber damit grandios scheitern. Wolfsfeld im Speckgürtel der bayerischen Großstädte Regensburg und Nürnberg/Erlangen hat nichts mit dem gemeinsam, was Didier ERIBON als die deindustrialisierten Gebiete in Frankreich beschreibt, in denen die Arbeiterschaft den Front National wählt. Nicht jeder, der in sein Heimatdorf zurückkehrt, hat etwas Wichtiges zu schreiben. SCHIERITZ reiht sich in den Kreis derjenigen ein, die behaupten, dass in Deutschland alles anders sei als in Frankreich oder den USA. Christian BARON ist dagegen nach Kaiserslautern zurückgekehrt, eine abgehängte Region, die den Niedergang der dortigen Industrie nicht wett machen konnte. Es hätte auch Pirmasens sein können. In Deutschland erlebten etliche Regionen einen ersatzlosen Niedergang der Industrie, aber davon will SCHIERITZ nichts wissen. Er beruft sich auf eines Studie von Wolfgang STEINLE, die ein Loblied auf die deutsche Provinz singt:

"Auf den ersten Plätzen in der Gesamtwertung finden sich nicht die Metropolen, sondern Orte wie Ebersberg, Heilbronn oder Tuttlingen. Der Ort mit der höchsten Lebenserwartung in Deutschland ist der Bodenseekreis. Im Schnitt wird man dort 80,66 Jahre alt - und lebt damit mehr als zwei Jahre länger als in Berlin. Die Gegend mit der größten Industriedichte ist der hessische Lahn-Dill-Kreis. (...).
Meine Heimat hat es beim Faktor Beschäftigungsquote in die Top Ten geschafft. Die Arbeitslosigkeit beträgt 2,9 Prozent",

prahlt SCHIERITZ. Das Ranking fand im Auftrag des Münchner Focus statt. SCHIERITZ wäre besser nach Dessau-Roßlau gefahren, das Schlusslicht im Focus-Ranking. Dort hätte er eher erfahren können, was es heißt in einer abgehängten Region zu leben. So aber kommt SCHIERITZ zum Schluss:

"Vielleicht ist es so, dass nicht Didier Eribon etwas übersehen hat, sondern dass sich die Zustände in der deutschen Provinz einfach nicht mit denen im deindustrialisierten Norden Frankreichs oder im Rust-Belt der USA vergleichen lassen."

 
       
   

Die Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich in den Medien

SCHUBERT, Christian (2017): Wo Frankreich sparen könnte.
Paris durchkämmt die Ausgaben. Rentner haben höhere Einkommen als die arbeitende Bevölkerung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

Christian SCHUBERT spielt Sparkommissar und sagt den Franzosen, wo sie sparen sollten:

"Frankreich gibt besonders viel Geld für das Soziale aus. Mit fast 32 Prozent des BIP war es 2016 mehr als in jedem anderen Staat der OECD. Seit 1980 hat sich dieser Anteil um mehr als die Hälfte erhöht. Unter den Sozialausgaben ist wiederum der erste Posten das staatliche Rentensystem. Mit gut 14,2 Prozent am BIP ist es eines der teuersten in der OECD, die nur jenen Durchschnitt von 8,4 Prozent aufweist. Denn die französische Altersvorsorge zahlt nicht nur vergleichsweise hohe Renten, die Franzoschen gehen auch früh in Ruhestand und haben eine lange Lebenserwartung. Das führt zu einer absurden Lage: In Frankreich haben die Rentner im Durchschnitt höhere Einkommen als die Gesamtbevölkerung.
Nach den jüngsten Zahlen der OECD kamen die über 65-Jährigen auf Gesamteinkommen von 103 Prozent des Durchschnitts. In Deutschland beträgt der Wert nur 88 Prozent. Einkünfte aus privaten Ersparnissen wie Immobilien und Lebensversicherungen finden sich zwar auch in dieser Kennziffer, doch der Löwenanteil stammt in Frankreich aus dem staatlichen Umlageverfahren. Volkswirtschaftlich ist das problematisch, denn die Pensionäre erzielen keine Arbeitseinkommen."

Die Kritik am französischen Rentensystem kommt also ganz ohne Hinweis auf die Demografie aus, was nichts anderes bedeutet, dass für Neoliberale die Demografie nichts als ein Scheinargument ist, das andere Interessen verschleiert. Denn während uns Deutschen der Geburtenrückgang vorgehalten wird, ist das aufgrund der nahe an der Bestandserhaltung liegenden Geburtenrate in Frankreich kein schlagkräftiges Argument.

"Immerhin korrigiert die Erhöhung der Sozialsteuer CSG für Rentner. Doch mit der Erhöhung des Rentenalters von heute 62 Jahren wäre mehr möglich",

jammert SCHUBERT sein neoliberales Lamento. Während Neoliberale Vielfalt (neudeutsch: Diversity) in anderen Bereichen durchaus loben, sind sie beim Sozialen auf Gleichschaltung bedacht.  

RANDOW, Gero von (2017): Heute ein König.
Emmanuel Macron will Frankreich reformieren und die Deutschen einholen. Überschätzt er sich?
in:
Die ZEIT Nr.29 v. 13.07.

Gero von RANDOW liefert einen grauenhaft geschwätzigen Artikel auf einer ganzen Zeitungsseite, den man gerne auf das Maß einer kurzen Agenturmeldung gekürzt sehen würde. Am Ende ist der Leser nicht schlauer als am Anfang. 

 
       
   

12.07.2017

 
       
   

DESTATIS (2017): 11 % der 65- bis 74-Jährigen sind erwerbstätig,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 12.07.

"Für rund 37 % der Erwerbstätigen zwischen 65 und 74 Jahren war die ausgeübte Tätigkeit die vorwiegende Quelle des Lebensunterhalts. Damit gab es 2016 in Deutschland 346.000 Personen, die im Rentenalter überwiegend vom eigenen Arbeitseinkommen lebten. Für die Mehrheit der Erwerbstätigen zwischen 65 und 74 Jahren war dieses Einkommen aber ein Zuverdienst, sie lebten in erster Linie von ihrer Rente (58 %). Jeweils 3 % lebten überwiegend entweder von Einkünften ihrer Angehörigen oder von sonstigen Einkünften wie etwa Einkommen aus Vermietung oder Verpachtung",

meldet das Statistische Bundesamt zur Erwerbstätigkeit im Rentenalter, wobei bereits eine Erwerbsarbeitszeit von nur einer Stunde pro Woche in diese Statistik einfließt.

 
       
   

THISSEN, Stefan (2017): Lohnspreizung schlägt auf Rente durch.
Ungleiche Entwicklung in Verdienstgruppen zeigt sich auch in der Rentenschichtung,
in:
ihre-vorsorge.de v. 12.07.

 
       
   

single-dasein.de exklusiv: Warum es verlogen ist, wenn jetzt plötzlich der Geburtenanstieg als Problem entdeckt wird, obwohl das schon seit Jahren zu erkennen gewesen wäre

BERTELSMANNSTIFTUNG (2017): Schüler-Boom: Zehntausende zusätzliche Lehrer und Klassenräume notwendig,
in: Pressemitteilung der Bertelsmannstiftung v. 12.07.

Am 26. Juli wird das Statistische Bundesamt eine Pressekonferenz zu Kinderlosigkeit, Geburten und Familien veranstalten, denn nur alle 4 Jahren werden mit dem Mikrozensus brauchbare Daten über die Entwicklung der Geburten in Deutschland veröffentlicht - ganz sicher nicht zufällig vor den Bundestagswahlen. Und ist es ein Zufall, dass die Ankündigung just dann kommt, als die Bertelsmannstiftung die Broschüre Demographische Rendite adé präsentiert. Geplant war bislang, dass Zahlen zur Geburtenentwicklung 2016 erst im Herbst veröffentlicht werden. Hat also das Statistische Bundesamt die Veröffentlichung vorgezogen, weil die Bertelsmannstiftung mit ihrer Broschüre Druck ausübt?

Auf dieser Website wird schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass die Geburtenentwicklung in Deutschland in den Bevölkerungsvorausberechnungen nicht angemessen berücksichtigt wird. Wenn jetzt die Bertelsmannstiftung plötzlich behauptet nun gäbe es dringenden Handlungsbedarf wegen steigender Schülerzahlen, dann ist das nichts als neoliberale Verlogenheit. Das Problem war schon seit Jahren erkennbar und nicht erst jetzt. In der Studie der neoliberalen Bertelsmannstiftung heißt es:

"Im Jahr 2015 legte das Statistische Bundesamt die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung »Bevölkerung Deutschlands bis 2060« (Statistisches Bundesamt 2015) vor. Diese Vorausberechnung, die sich auf die Basisdaten zum 31. Dezember 2013 stützt, enthält insgesamt acht unterschiedliche Varianten, zwei davon stellten die Autoren in den Mittelpunkt der Präsentation. Beide Varianten nahmen für den gesamten Prognosezeitraum konstant bleibende zusammengefasste Geburtenziffern an. (...).
Ein Vergleich mit den Prognosewerten der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zeigt, dass die Vorausberechnung den Wanderungssaldo für 2014 um etwa 50.000 und den für 2015 um mehr als 600.000 unterschätzt. Gleichfalls unterschätzte diese Vorausberechnung die Geburtenzahlen: Für 2014 und 2015 wurden 685.000 bzw. 691.000 Geburten erwartet. Tatsächlich wurden für diese Jahre 715.000 bzw. 738.000 gezählt (vgl. Tabelle A3).
Angesichts dieser Abweichungen der tatsächlichen Entwicklung von den Prognosewerten hat das Statistische Bundesamt im Frühjahr 2017 im Rahmen der Vorbereitung seiner Studie zur Entwicklung der Privathaushalte bis 2035 eine Aktualisierung der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausschätzung erarbeitet und vorgelegt (Statistisches Bundesamt 2017c). Diese Aktualisierung (Variante 2-A der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung) stützt sich auf die Basisdaten zum 31. Dezember 2015 und arbeitet mit Wanderungssalden, die von 750.000 im Jahr 2016 auf 250.000 im Jahr 2020 und auf 200.000 für die Jahre ab 2021 zurückgehen (...).
Des Weiteren arbeitet die aktualisierte Prognose des Statistischen Bundesamtes mit den für 2015 ermittelten altersspezifischen Geburtenziffern, die angeben, wie viele lebendgeborene Kinder jeweils 1.000 Frauen der einzelnen Altersjahrgänge im Jahr 2015 bekommen haben. Die daraus abgeleiteten zusammengefassten Geburtenziffern werden in der Vorausschätzung des Statistischen Bundesamtes über den gesamten Prognosezeitraum konstant gehalten.
Aber auch die so aktualisierte Bevölkerungsvorausberechnung unterschätzt unserer Auffassung nach hinsichtlich der angenommenen Geburtenzahlen die tatsächliche Entwicklung des Jahres 2016. Für dieses erste Prognosejahr erwartet diese Vorausberechnung 747.000 Geburten und – in Folge der Zuwanderung auch in diesem Altersjahrgang – insgesamt 754.000 unter Einjährige. Amtliche Daten zur Geburtenzahl des Jahres 2016 liegen noch nicht vor und werden wohl frühestens zum Ende des Jahres 2017 mitgeteilt werden. Das Statistische Bundesamt (2017b) gibt daher nur eine erwartete Bandbreite an: Es schätzt, dass die Geburtenzahl 2016 zwischen 730.000 und 770.000 liegen wird. Wir gehen – wie der folgende Abschnitt zeigt – davon aus, dass es 2016 in etwa 781.000 Geburten gab und dass die Altersgruppe der unter Einjährigen noch durch etwa 7.000 zugewanderte Kinder dieser Altersgruppe verstärkt wurde." (2017, S.12f.)

Bereits Anfang Februar erschien der Demografiebericht der Bundesregierung, der von den Mainstreammedien - bis auf die FAZ - völlig ignoriert wurde und der von einem Anstieg der Geburtenrate auf 1,6 Kinder pro Frau ausging. Auch das war damals schon längst bekannt, aber in den Mainstreammedien für die gute Nachrichten schlechte Nachrichten sind, wurde das nur selten erwähnt.

Dass Neoliberale bislang keinerlei Interesse an der Publizierung des veränderten Geburtenverhaltens hatten, zeigt insbesondere der Artikel von Olaf GERSEMANN in der Welt von Anfang März.

Doch der demografische Wandel hat ganz andere Auswirkungen, die einer Demoagogisierung mittels Horrorszenarien zuwiderlaufen wie sie Neoliberale betreiben. Es hat deshalb so lange gedauert bis dieser Widerspruch nun auch das neoliberale Lager mit der Bertelsmannstiftung erreicht hat, weil es bislang bequem war zu leugnen, dass die Geburtenentwicklung positiver verläuft als behauptet. Die Kollateralschäden dieser Vogel-Strauß-Politik werden nun sichtbar und es dürfte nicht lange dauern bis gefragt werden wird, warum man dies nicht früher erkannt hatte.    

 
       
   

GREIVE, Martin (2017): Schäubles Steuercheck.
Das Bundesfinanzministerium hat die SPD-Steuerpläne durchgerechnet - und kommt zu überraschenden Ergebnissen,
in:
Handelsblatt v. 12.07.

Martin GREIVE spielt sich zum Enthüllungsjournalisten auf, obwohl er rein gar nichts enthüllt. Das CDU-geführte Finanzministerium hat dem Handelsblatt Wahlkampfmunition zugespielt, die von GREIVE wie üblich gezielt zur Verdummung eingesetzt wird:

"Der Großteil der Entlastungen kommt durch den geplanten Abbau des Solidaritätszuschlages für Gering- und Durchschnittsverdiener zu Stande. Allein dadurch müssen die Deutschen künftig 7,9 Milliarden Euro weniger Steuern im Jahr zahlen",

erzählt uns GREIVE, denn das steht im krassen Gegensatz zu einem anderen Satz:

"durch die SPD-Pläne für die Abschaffung des Solis werden Gutverdiener weniger belastet als es sich viele Linke in der SPD wünschen dürften."

Während also die Entlastung für den einzelnen Schlechterverdiener (Geringverdiener zahlen gar keinen Soli!) minimal ist, werden Gutverdiener besonders stark entlastet.

Dreister wird GREIVE nur noch, wenn er behauptet, dass von der Erhöhung der Grenze beim Spitzensteuersatz die Durchschnittsverdiener profitieren würden. Diesen Blödsinn hat das IMK bereits vor Wochen entlarvt. Bei diesem Verdummungsspiel wird der Unterschied zwischen Bruttomonatslohn und zu versteuernden Einkommen ignoriert, was auch durch die Meldung des Statistischen Bundesamtes von Ende Juni offensichtlich wird.

Wenn selbst die neoliberale Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln zu den Soli-Plänen der SPD applaudiert, dann ist Skepsis erst recht angebracht.

Fazit: Martin GREIVE hält uns für ausgesprochen dumm und da es ihm nicht um Aufklärung, sondern um die Interessen der Besserverdiener geht, ist ihm auch gar nicht daran gelegen, die diversen Fallstricke offen zu legen, die sein Artikel enthält. Schließlich weiß er ganz genau, dass die Leser sowieso glauben, dass sie mit weniger Steuern besser bedient wären. Und die Besserverdiener bekommen sogar ein gutes Gefühl mitgeliefert, wenn sie lesen, dass die Geringverdiener profitieren.

 
       
   

MÜLLER, Benedikt (2017): Alt, reich und kinderlos.
Wer kann sich in Deutschland noch ein Eigenheim leisten? Für Familien wird ein Kauf immer schwieriger, zeigt eine neue Studie. Unter Wohlhabenden ohne Nachwuchs dagegen geht der Trend zur Zweit- und Drittimmobilie,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.07.

Benedikt MÜLLER liefert keinerlei Fakten, die nachprüfbar sind, sondern benutzt unbestimmte Mengenbegriffe, um Ressentiments zu schüren. Wer stattdessen das Accentro-Gutachten Wohnkostenreport von Michael VOIGTLÄNDER und Björn SEIPELT zur Hand nimmt, der muss feststellen, dass es von MÜLLER verfälscht wiedergegeben wird. So heißt es bei MÜLLER:

"Ein durchschnittlicher Erstkäufer ist hierzulande 48 Jahre alt - ein hohes Alter im internationalen Vergleich".

Dagegen steht in dem Gutachten auch, dass das Durchschnittsalter niedriger ist als noch 2013:

"Etwas zurückgegangen ist hingegen das mittlere Alter des Haushaltsvorstands, es liegt nun bei 48 Jahren (2013: 50 Jahre)." (2017, S.14)

Heutzutage können sich also sogar Jüngere als noch vor 3 Jahren Wohneigentum leisten, was im internationalen Vergleich unzureichend erscheinen mag. Aber MÜLLER suggeriert in seinem Artikel, dass es vorher besser war. Und auch dass Kinder die Bildung von Wohneigentum verhindern ist eine Falschdarstellung:

"die durchschnittliche Anzahl der Kinder bei den Ersterwerbern (ist) fast doppelt so hoch wie in den Haushalten, die über die Jahre 2012 bis 2015 ihren Wohnungsstatus nicht änderten. Kinder scheinen demnach die Wohneigentumsbildung positiv zu beeinflussen." (2017, S.15)

Das Gutachten kann die Familiensituation gar nicht angemessen darstellen, weil lediglich das Jahr 2015 betrachtet wird, aber nicht etwa die Familienbildung berücksichtigt wird, was eine Längsschnittbetrachtung erfordern würde. Dies wäre mit dem SOEP ebenfalls möglich, ist den Auftraggebern jedoch offensichtlich zu teuer.

Fazit: MÜLLER verfälscht zum einen die Studienergebnisse und zum anderen werden die Defizite der Erhebungsform nicht angemessen dargestellt, sondern im Gegenteil Ressentiments geschürt, die auf Spekulationen beruhen.

 
       
   

MOHR, Daniel (2017): 2,2 Billionen Euro sind eine Verlockung für die Banken.
Die meisten Deutschen lassen ihr Geld zinslos herumliegen. Fonds und Banken versuchen mit neuen Produkten die ängstlichen deutschen Sparer aus der Reserve zu locken,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.07.

Wenn es um Profite geht, verstehen Journalisten genauso wenig Spaß wie bei Gewalt, denn MOHR bezeichnet die Deutschen als "renitent", nur weil sie den Finanzdienstleistern ihr Geld nicht einfach in den Rachen werfen wollen. MOHR erklärt uns die Strategie von BlackRock, der mit dem Ex-CDU-Abgeordneten und Möchtegern-Mopedrocker Friedrich MERZ einen Lobbyisten angeheuert hat, um Deutschland zu erobern. Schaut man in die USA, dann gehört BlackRock genauso wie TRUMP zu den Akteuren des Finanzkapitalismus, die dafür verantwortlich sein werden, wenn die nächste Finanzkrise die Welt ins Chaos stürzt.

 
       
   

ECKERT, Daniel & Holger ZSCHÄPITZ (2017): Um Deutschland steht es schlechter als gedacht.
In wichtigen Wettbewerbsrankings fällt die heimische Wirtschaft zurück. Schlimmer noch: Ein neuer Indikator zeigt, dass ein tieferer Abstieg droht,
in:
Welt v. 12.07.

Verdummung ist die erste Journalistenpflicht bei der Welt. Der vorgestellte Indikator ist lediglich ein Zeichen dafür, dass in Deutschland wieder einmal nur die "Aktienkultur" bejammert wird. Dies wird dann erst am Schluss deutlich, denn Deutschland ist keineswegs auf die Börsen so angewiesen wie andere Länder, die sich den Kapitalmärkten vollständig ausgeliefert haben,

"weil der vergleichsweise große und starke Mittelstand sich oft auch gut über lokale Sparkassen und Volksbanken finanzieren kann".

Der beste Indikator für die Wirtschaftskraft Deutschlands wäre ein Jammerindex. So lange die Wirtschaft jammert ist alles in Ordnung! 

 
       
   

BELLANI, Daniela/ESPING-ANDERSEN, Gøsta/NEDOLUZHKO, Lesia (2017): Never partneres: A multilvevel analysis of lifelong singlehood,
in: Demographic Research v. 12.07.

Der Titel der Studie betreibt Etikettenschwindel, denn es geht nicht etwa um lebenslange Partnerlosigkeit, sondern lediglich um Einpersonenhaushalte, d.h. Paare ohne gemeinsamen Haushalt werden zu den Partnerlosen in einen Topf geworfen. Zudem geht es nicht um lebenslanges Wohnen im Single-Haushalt, sondern auch 40-Jährige gelten der Studie als lebenslang Partnerlose, denn es wurden 40-55-Jährige befragt.

Die Studie interessiert sich auch nicht für die Singles, sondern ist politisch motiviert. Das Single-Dasein soll die Konsequenz verfehlter Geschlechterpolitik sein.

ESPING-ANDERSEN teilen die Länder in mehrere Gruppen ein, die sich durch unterschiedlich hohe Anteile von "Singles" auszeichnen:

"A descriptive overview suggests a degree of country clustering (...). In one cluster we find the Mediterranean countries (Italy, Portugal, Spain, and Greece), with high rates of male and female singlehood. This is also the case for the Anglo-Saxon countries (especially Ireland), and Slovakia, Croatia, and Bulgaria. In contrast, the Nordic countries (Denmark, Sweden, Norway, and Iceland – but not Finland) and some Eastern European countries (Romania and Hungary) exhibit low rates for both men and women. Here, on average, the rate of lifelong singlehood for men is between 3.2% and 5.5% and for women between 1.5% and 2.7%. This group is followed by the majority of the continental European countries (Germany, France, Switzerland, Belgium, and Luxembourg), with medium levels – the male rate is between about 6% and 7% and the female rate between 3% and 4%. Yet another group, which includes Lithuania, Latvia, and Slovenia, is characterized by a gender mismatch of singlehood (high for women, low for men)."

Ganz erstaunlich ist, dass die Auswirkungen des Arbeitsmarktes auf die Form der Partnerschaft keinerlei Rolle spielt, obwohl die beruflich bedingte Fernbeziehung nicht nur in Deutschland weit verbreitet ist.

Fazit: Die Studie reiht sich ein in die Vielzahl jener Studien, die lediglich akademischen, aber keinen gesellschaftlichen Nutzwert haben. Sie bleibt hinter den Multilokalitätsstudien zurück, die dem neoliberalen Arbeitsregime mit seinen verheerenden Folgen auf die Partnerschaften in Europa angemessener ist. Gøsta ESPING-ANDERSEN ist der Nachfolger von Anthony GIDDENS als Guru der Sozialdemokratie. Das neue Dienstleistungsproletariat ist die Konsequenz seiner Philosophie für die Family-Gentrifier. In diesem Sinne ist er ein Verfechter des Elitenfeminismus. 

 
       
   

REUSCHER, Constanze (2017): "Unser Europa, nicht nur das von Merkel".
Luigi Di Maio könnte Premier in Rom werden, denn seine Fünf-Sterne-Bewegung liebt in Umfragen vorne. Er warnt, in Italien drohe eine Flüchtlingskrise wie 2015 in Deutschland,
in:
Welt v. 12.07.

 
       
 

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Zu den News vom 07. - 11. Juli 2017
 

   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 19. Juli 2017