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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
News 07.-13. Juni 2018
News 01.-06. Juni 2018
News 25.-31. Mai 2018
News 19.-24. Mai 2018
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News 01.-03. März 2018

News 1/2018
News 2000-2017

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 14. - 19. Juni 2018: [14.06.] [15.06.] [16.06.] [17.06.] [18.06.] [19.06.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Slacker und kinderlose Karrierefrauen als Infragestellung des herrschenden Arbeitsethos

"Der Typ Slacker inkarniert eine Verweigerungshaltung, die bisher Männern vorbehalten war: der Faulenzer oder Antiheld, der seine Arbeitskraft der Gesellschaft nicht in den vorgezeichneten Bahnen zur Verfügung stellt. Oft als infantil, unsozial und verantwortungslos abgewertet, stellt er mit seinem Verhalten das vorherrschende Arbeitsethos infrage (...). Frauen konnten keine Slacker sein, denn selbst wenn sie sich dem Arbeitsleben entzogen, hatten sie eben noch ihre Arbeit als Mutter. Sie konnten die Familie nicht hinter sich lassen wie der Mann, der dafür auch noch als Abenteurer gefeiert wurde (...) Trat doch mal eine Slackerin in einem Roman oder Film auf, wurde diese Figur tragisch inszeniert (....). Aber langsam wendet sich das Blatt, wie Frauengestalten wie Lena Dunham (...). zeigen.
Vielleicht ist dies ein Angebot für ein neues weibliches Rollenvorbild: (...) die Slackerin, die zu ihren eigenen Bedingungen produktiv werden möchte (...)  und dabei in ein Netzwerk einer Verantwortungsgemeinschaft mit Kinderlosen und Eltern eingebunden sein kann. (...). 
Frauen mit und ohne Kinder werden gegeneinander ausgespielt. Die einen sollen die Mehrfachbelastung stillschweigend ausbaden, die anderen gelten als hedonistische oder verhärmte Sündenböcke. Es ist ein Ablenkungsmanöver, sodass wir nicht Strukturen hinterfragen und verändern, die uns alle unfrei machen. Das ist wohl auch der Grund, warum die kinderlose Frau als ein solches Schreckgespenst dargestellt wird: denn sie hinterfragt die Gleichsetzung von Weiblichkeit und selbstloser Fürsorglichkeit und gefährdet somit den Kleinfamilienkäfig der geschlechtlichen Arbeitsteilung.
"
(Sarah Diehl "Mutterschaft und Fürsorge als Dienst an der Leistungsgesellschaft". In: Felix Klopotek & Peter Scheiffele (Hrsg.)(2016): Zonen der Selbstoptimierung, Berlin: Matthes & Seitz, S.196ff.)

 
       
       
   

19.06.2018

 
       
   

STOCKER, Frank (2018): In Deutschland leben 1.365.000 Millionäre.
Allein 2017 sind hierzulande 85.000 Menschen neu in den Club der Reichen aufgenommen worden,
in: Welt v. 19.06.

 
       
   

ÖFINGER, Hans Gerd (2018): Ferien - weil die Schule bröckelt.
Hessen: Der Fall Neukirchen hat neue Debatte über den Sanierungsstau im Land ausgelöst,
in: Neues Deutschland v. 19.06.

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Altersvorsorge wird für Arbeitnehmer immer wichtiger.
Hohes Vertrauen in Arbeitgeber. Skepsis gegen Zielrente,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.06.

Philipp KROHN interpretiert Umfrageergebnisse der Unternehmensberatung Willis Towers Watson ("Global Benefits Attitudes") im Interesse der Anbieter im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge.

Arbeitgeber werden (noch) als kompetente Instanz betrachtet, wenn es um die richtige Altersvorsorge geht, während die Finanzdienstleister ein Eigeninteresse unterstellt wird, das mit den Interessen der Arbeitnehmer nicht im Einklang steht. Andererseits sind die Arbeitnehmer gegenüber der Zielrente skeptisch.

KROHN geht es jedoch in erster Linie um Argumente für Arbeitgeber, die für eine Betriebsrente sprechen. Dabei geht es um Betriebsrenten als Rekrutierungs-, Bindungs- und Motivationsinstrument. Da Willis Towers Watson auf diesem Gebiet tätig ist, ist die Umfrage nicht uneigennützig.

 
       
   

LOCKE, Stefan (2018): Zwischen Gefühl und Realität.
Politische Bücher: Innere Sicherheit in Zeiten von Terrorangst und Flüchtlingskrise - das Beispiel Sachsen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.06.

Stefan LOCKE bespricht das Buch Innere Sicherheit in Sachsen, herausgegeben von Alexander Vendell, Gert Pickel und Karolin Dörner. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen gilt die "gefühlte Sicherheit" als erfolgsversprechender Ansatzpunkt der Mitte-Parteien  um Probleme mit Sprengkraft zu verdrängen. Sicherheit wird gerne auf Probleme des Rechtsstaats verengt. Sicherheit ist im Kern jedoch soziale Sicherheit. Wer den Sozialstaat abbaut, beschädigt damit das Sicherheitsgefühl der Bürger. 

 
       
   

BOEHRINGER, Simone (2018): Beliebte eigene vier Wände.
Die Deutschen setzen weniger auf Lebensversicherungen und mehr auf Immobilien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.

Simone BOEHRINGER berichtet über eine Forsa-Umfrage. Im Vergleich zu 2013 hat die Lebensversicherung gegenüber einer Immobilie als Altersvorsorge Vertrauen eingebüsst. Das übersieht jedoch, dass Lebensversicherer nicht nur auf dem Felde der privaten Altersvorsorge, sondern auch bei der betrieblichen Altersvorsorge eine zentrale Rolle spielen.

 
       
   

KUTSCHE, Katharina (2018): Platz in der Breite, Luft nach oben.
SZ-Serie Gipfelstürmer: Hannover zählt gemeinsam mit Oldenburg zu den sechs stärksten Gründerregionen in Deutschland. Es hat gedauert, bis sich die nötigen Strukturen entwickelten - doch nun greift vieles ineinander. Etwa an Innovationsorten wie dem Hafven,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.

 
       
   

SIEVERS, Markus (2018): Zornige Rentner finden Gehör.
Die doppelten Krankenkassenbeiträge für die betriebliche Altersvorsorge könnten fallen,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.06.

Markus SIEVERS verteidigt die rot-grüne Politik, die 2004 zur Doppelverbeitragung führte. Anders als Spiegel oder FAZ bringt SIEVERS die Entgeltumwandlung als Empörungsgrund ins Spiel:

"Viele haben schon auf ihre Ansparleistungen Sozialabgaben abgeführt. Dies war zumindest bis 2002 die Regel. Erst damals führte die Politik die Möglichkeit ein, mit der sogenannten Entgeltumwandlung in der Einzahlphase Sozialabgaben zu sparen. Besonders empört sind alle, die als Arbeitnehmer in jungen Jahren von dieser Vergünstigung nicht profitierten und daher tatsächlich doppelt zahlen."

Eine solche Argumentation ist insofern verquer, weil die Entgeltumwandlung zu den Ursachen zählt, dass die gesetzliche Rentenversicherung geschwächt wird. Weder wird darauf eingegangen, dass es Freibeträge gibt, mit denen sich die Doppelverbeitragung reduziert, noch dass insbesondere gut situierte Rentner, die eine Direktversicherung abgeschlossen haben die Kerntruppe der Lobbyisten in Sachen Doppelverbeitragung stellt.

Fazit: Die Gewerkschaften, die eigentlich die gesetzliche Rente zu stärken vorgeben, gehören in Sachen Betriebsrente zu jenen, die zur Schwächung der gesetzlichen Rente beitragen - auch aus ganz schlichtem Eigeninteresse und nicht zum Wohle aller Arbeitnehmer!    

 
       
   

FERBER, Michael (2018): Weltweite Rentenkrise im Anzug.
Der demografische Wandel und die Niedrigzinsen führen zu grossen Lücken in den Pensionssystemen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.06.

Michael FERBER hat ein Diskussionspapier des WEF wieder herausgekramt, das vor einem Jahr als "Globale Zeitbombe" medial eingespeist und von den neoliberalen Mainstreammedien gerne aufgegriffen wurde. In den Nuller Jahren kündigte Frank SCHIRRMACHER bereits die globale Apokalypse für 2010 an, die dann ausfiel wie so manch andere Horrorvision der Demografiehysteriker. Nun also tritt FERBER in die Fußstapfen dieser Demagogen. Diesen Neoliberalen geht es um die Zerstörung der staatlichen Rentensysteme. Dazu ist jede Apokalypse recht. Nicht etwa die kapitalgedeckte, sondern nur die umlagefinanzierten Pensionssystemen erscheinen in dieser Sicht ein Problem:

"Den politischen Entscheidungsträgern gelingt es nicht, die sozialen Sicherungssysteme wetterfest für die Zukunft zu machen. Wie die Grafik zeigt, ist der Staat für rund drei Viertel der Unterfinanzierung der Rentensysteme weltweit verantwortlich. Martin Janssen, Leiter der Pensionskassenberatung Ecofin und emeritierter Professor an der Universität Zürich, spricht deswegen auch weniger von einer Pensionskrise als von einer politischen Krise bzw. einer Krise des Sozialstaats."

Das Papier des WEF, das FERBER zitiert, bezieht sich weder auf Deutschland, noch auf die Schweiz. Es geht darin lediglich um die Rentensysteme von Australien, Kanada, China, Indien, Japan, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. Dies aber sind meist Länder, in denen nicht die gesetzliche, sondern die private Altersvorsorge im Vordergrund steht.

"Da die Rentensysteme nicht nachhaltig finanziert sind, muss es zu erheblichen Kürzungen kommen – die man freilich ebenfalls als Beitrag zu einer verbesserten Finanzierung der Systeme sehen kann. Die Bank Berenberg geht in ihrer Studie jedenfalls davon aus, dass die durchschnittliche staatliche Pro-Kopf-Rentenzahlung in der EU und in den USA in den kommenden Jahrzehnten um rund 30% sinken dürfte",

erklärt uns FERBER. Diese Entwicklung beruht auf der Annahme, dass sich gegen die neoliberalen Reformen kein wirksamer Widerstand entwickeln kann. Ob das jedoch stimmt, das werden wir erst in zwei, drei Jahrzehnten tatsächlich wissen.  

Natürlich lauten die neoliberalen Lösungen wie üblich: Länger Arbeiten und mehr private Altersvorsorge betreiben. Die Finanzdienstleister bedanken sich für diese finanzielle Bildung durch FERBER!   

 
       
   

HECHT, Patricia (2018): "Das Christentum wird für Politik instrumentalisiert".
Die Juristin Liane Bednarz beschäftigt sich mit rechtem und neurechtem Denken. In ihrem aktuellen Buch "Die Angstprediger" untersucht sie, wo sich Rechte und Christen treffen - und findet überraschend viele Berührungspunkte,
in: TAZ v. 19.06.

"Rechtes Denken (...) ist kulturpessimistisch und bedient sich einer Verfallsrhetorik, die sich auch im christlichen Bereich findet, wo die Gesellschaft als übersexualisiert, verkommen und dekadent wahrgenommen wird",

erklärt uns Juliane BEDNARZ, die offensichtlich die Nuller Jahre in Deutschland verschlafen hat, denn dann wüsste sie, dass die Verfallsrhetorik eine typische neoliberale Sicht auf den Sozialstaat darstellt. Protagonisten wie Meinhard MIEGEL ("Die deformierte Gesellschaft"), die auch vom linksliberalen Mainstream goutiert wurden, spielten die Karte der Verfallsrhetorik aus, um den Sozialstaat zu attackieren. Wer das ausblendet, der verleugnet die Tatsache, dass erst der linksliberale Mainstream die Rechtspopulisten stark gemacht hat. Deswegen muss auch von einem gravierenden Versagen der Linken gesprochen werden, der der irrigen Meinung ist, dass man den Nationalkonservatismus ignorieren kann und lediglich die völkischen Auswüchse bekämpfen sollte. Die Linken werden damit zu Totengräbern einer liberalen Demokratie.  

 
       
   

BERNYS, Ueli (2018): Der Plattenladen, ein Scherbenhaufen.
Die Musikindustrie steckt in der Krise. Zerfällt auch die Pop-Kultur?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.06.

Ueli BERNYS stellt einen Zusammenhang zwischen der Essaysammlung Is This The End? von Georg SESSLEN und Romanen her, die in Zeiten des Niedergangs der Indie-Szene spielen.

"Seesslen hält Pop primär für ein soziales Phänomen. Es geht ihm um das Wir-Gefühl von Subkulturen und Szenen, das sich früher in der Entourage einzelner Acts, Labels und Klubs gebildet hat, um Allianzen zu stiften - zwischen Künstlern, Proudzenten, Konzertveranstaltern, Grafikern, Verkäufern, Kritikern und Publikum. Wenn Acts nun fallengelassen werden und Labels eingehen, lösen sich Bands und Banden auf. Die freischwebenden Kreativen müssen schauen, wie sie alleine über die Runden kommen. Möglicherweise haben sie der Lifestyle und das Do-it-yourself-Prinzip des Punk auf das Prekariat vorbereitet. (...). Was aber wird aus den abgehalfterten Verlierern, die sich nicht mehr getragen fühlen von einer Fan-Kultur? Für Seesslen sind sie prädestiniert dazu, vom Pop abzulassen und den Provokateuren des Populismus auf den Leim zu gehen",

fasst BERNYS die Sicht von SESSLEN zusammen. Doch der Niedergang der mittigen Indie-Szene und insbesondere dem Sterben der Plattenläden zeigt eher, warum solche linken Kleinunternehmer in ihrer Wut auf die jungen Ignoranten zur AfD überlaufen. BERNYS nennt Nick HORNBYs Roman High Fidelity als typischen Roman aus der Zeit Fan-Romantik. Dem stellt er Romane von Michael CHABON ("Telegraph Avenue", 2012), Virginie DESPENTES ("Vernon Subutex", 2015) und Jennifer EGAN ("Der größte Teil der Welt", 2010) aus den Zeiten des Niedergangs der mittigen Popkultur:

"So unbedeutend die Tradition im Pop sein mag - es gibt nichtsdestoweniger eine Art kulturelles Verhängnis. (...) So überschattet die gegenwärtige Krise des Musikbusiness eben nicht nur die heutige Pop-Szene, vielmehr entwertet sie auch die Erinnerung an deren heroische Anfänge. Was früher wichtig war und gut tönte, scheint plötzlich überschätzt. Alte Allianzen halten nicht mehr. Und die Mythen manifestieren sich nur noch in der Parodie.
Was bleibt übrig vom »Wir« der Rock-Szene, der Punk-Bewegung, der ganzen rebellischen Subkultur? Offenbar immer weniger".

Popkultur wird hier als ehemalige linke Kultur zu Grabe getragen, denn inzwischen feiern Rechtsrock und andere Strömungen jenseits der mittigen Indie-Szene Erfolge. Keineswegs ist also die Fan-Kultur im Niedergang begriffen, sondern nur jener Teil der Nach-68er-Generationen, die zuerst in Nischen der Vor-Internet-Kultur ausbreitete, bevor sie nunmehr den neuen Gegebenheiten der Internet-Kultur mehr und mehr zum Opfer fallen. Ausdruck dieses Niedergangs ist z.B. auch das Ende des Musikmagazins Intro.

Die entscheidende Frage ist, kann sich die linke Subkultur erneuern oder konvertieren einstige Mitglieder ins rechte Lager bzw. ergehen sich lieber in Selbstmitleid? Wahrscheinlich wird es alle Reaktionsweisen auf die veränderten Gegebenheiten geben.    

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

SCHÖCHLI, Hansueli (2018): Man darf nun von der Heiratsstrafe sprechen.
Die Korrekturen von Zahlen durch die Steuerverwaltung über die Belastung von Ehepaaren regt zum Nachdenken an,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.06.

Hansueli SCHÖCHLI erweitert das Sprachrepertoire um den Begriff "Faktenirrtümer" angesichts einer Statistikkorrektur durch die Schweizer Steuerverwaltung. Durch Faktenirrtümer werden plötzlich aus falschen Behauptungen korrekte Fakten! Damit dürfte die Debatte um Fake-News um eine neue Facette bereichert werden!

 
       
   

Das Single-Dasein in Russland

STEINER, Christian (2018): Die Russen sollen länger arbeiten.
Um die Staatskassen zu schonen, verfügt die Regierung eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.06.

"Ökonomisch leuchtet die Erhöhung des Rentenalters ein. Arbeiteten 1970 noch 3,7 Menschen »für« einen Pensionierten, sind es heute nur noch 2. Bis ins Jahr 2044 würde sich das Verhältnis gar auf 1zu 1 reduzieren",

meint Christian STEINER. Das leuchtet jedoch nur Neoliberalen ein, denn bei dieser Sicht bleiben die entscheidenden nicht-demografischen Aspekte ausgeblendet: die Entwicklung der Produktivität!

"In den vergangenen Jahren wurde mit Mitteln aus der privaten Vorsorge die staatliche Rentenkasse alimentiert",

behauptet STEINER, ohne dass dies auch belegt wird wie das für seriösen Journalismus selbstverständlich wäre.

Geködert werden sollen Rentner durch eine in Aussicht gestellte Erhöhung er mickrigen Renten:

"In vielen Fällen reicht das Geld nicht aus, um den Lebensunterhalt nach der Pensionierung weiter zu bestreiten. Viele Arbeitnehmer müssen daher auch im vermeintlichen Ruhestand weiter anpacken. Für sie sind Vergünstigen wie beispielsweise das kostenlose Benutzen des öffentlichen Nahverkehrs wichtiger",

erklärt uns STEINER. Bei HERRMANN werden dagegen Zahlen zur Erhöhung genannt:

"(S)tatt 400 bis 500 Rubel Erhöhung in den Vorjahren würde bereits 2019 eine Aufbesserung von monatlich 1.000 Rubeln (rund 14 Euro) möglich. Das wären dann im Jahr immerhin schon 12.000 Rubel mehr".

STEINER interessiert dagegen nur die Gegenfinanzierung der

"grosszügere(n) Rente mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um 2 Prozentpunkte auf 20 %".

Während in der EU ein Inflationsziel von 2 Prozent angestrebt wird, wird von STEINER die russische Inflation vom Mai von 2,4 % als "Tief wie noch nie seit Ende der Sowjetunion" bezeichnet. Die russische Regierung strebt 4 % Inflation an, was die Rentenerhöhung relativiert, da sie durch Kaufkraftverluste sozusagen wieder vernichtet werden würde.  

HERRMANN, Klaus Joachim (2018): Streit um Russlands Renten.
Gesetzentwurf im Parlament und der Kreml hält sich raus. Erste Proteste gegen Anhebung des Eintrittsalters,
in: Neues Deutschland v. 19.06.

"Wladimir Putin (...) wurde von Journalisten an seine Versicherung aus dem Jahre 2005 erinnert, dass es keine Anhebung des Rentenalters im Lande geben werde, solange er Präsident sei",

hebt Klaus Joachim HERRMANN hervor, der in erster Linie über den Widerstand gegen die unpopuläre Reform berichtet. Die Begründungen liefert auch in Russland der weltweit verbreitete Neoliberalismus mit seiner Demografisierung gesellschaftlicher Probleme.

"1928 sei das Pensionsalter bei einer Lebenserwartung von nur 43 Jahren festgelegt worden. Jetzt erreichten die Bürger Russlands 73 Jahre und die Aussichten auf weitere Zuwächse seien gut.",

erklärt HERRMANN. In der NZZ heißt es heute dagegen:

"Die lange vorbereitete Reform soll der erhöhten Lebenserwartung der Bevölkerung Rechnung tragen, denn das Rentenalter wurde letztmals in den 1960er Jahren angepasst. Damals betrug die Lebenserwartung eines Russen um die 40 Jahre. Heute liegt sie bei 67, und sie soll bis 2030 auf 73 Jahre steigen."

Die OECD-Datenbank nennt für Russland eine durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt für beide Geschlechter von 71,3 Jahre (Stand 2015).

Interessant ist ein Aspekt, der aussagekräftiger ist: Während die Lebenserartung bei Geburt für Männer nur 65,9 Jahre beträgt, sind des bei der ferneren Lebenserwartung der 65-jährigen Männer dagegen 78,3 Jahre. Das heißt: Wer die ersten 65 Jahre als Mann überlebt, dessen Chancen stehen gut, weitere 13,3 Jahre zu erleben. Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass viele Männer bereits früher sterben. Während in Russland die Differenz zwischen den beiden Lebenserwartungen bei über 12 Jahren liegt, sind es in Deutschland gerade einmal 8 Jahre. In keinem der beiden Artikel spielt dieser Aspekt eine Rolle. HERRMANN betont dagegen die regionalen und geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Lebenserwartung:

"Zehn Regionen lagen über 75, 20 aber unter 70 Jahren. 2014 hatten nach Angaben des Gesundheitsministeriums Frauen erstmals die Grenze von 77 Jahren überschritten, während Männer gerade einmal 65,6 Jahre erreichten."

Außerdem finden sich Vergleiche zu den ehemaligen Sowjetrepubliken und den dortigen Renteneintrittsaltern, die der russischen Zeitung Rossiskaja Gaseta entnommen wurden:

"So gingen in Moldavia und Aserbaidschan Männer erst mit 68 Jahren in Rente, für 2025 bis 2027 sei dies in den baltischen Staaten vorgesehen. In Armenien erhielten Frauen mit 63 Jahren Rente, Kasachstan folge diesem Beispiel.

Erst ganz zum Schluss werden detailliertere Informationen zum Reformvorhaben geliefert:

"Ab 2029 soll die Anhebung des Rentenalters schrittweise erfolgen und trifft als erste Frauen des Geburtsjahres 1964 und Männer des Jahrgangs 1959. Von 2019 bis 2034 soll der Renteneintritt jährlich um ein Jahr angehoben werden. Von der Reform nicht betroffen wollen Werktätige an besonders gefährlichen oder gesundheitsschädlichen Arbeitsplätzen sein."

In der heutigen NZZ heißt es dagegen, dass das Rentenalter "alle zwei Jahre" um ein Jahr erhöht werden soll. Es ist auch interessant, dass die NZZ ganz andere Ausnahmen von der Erhöhung des Renteneintrittsalters nennt als HERRMANN. Dort heißt es nämlich:

"(Die) Politik (hat sich) nicht getraut, dasselbe Rentenalter für Frauen und Männer einzuführen, und dies obwohl Frauen laut dem russischen Statistikamt zehn Jahre länger leben als Männer. Dies hat laut Beobachtern damit zu tun, dass die Russinnen eine Art Kompensation für das Aufziehen der Kinder erhalten. Dieser Ausgleich ist sogar gesetzlich festgeschrieben, denn der Vorschlag macht eine Ausnahme für Mütter, die mindestens vier Kinder grossgezogen haben. Für sie soll die Erhöhung nicht gelten."

 
       
   

Das Single-Dasein in Afrika

WIEGEL, Michaela (2018): Der Wunsch nach Abenteuer.
Europa muss sich auf massive Einwanderung aus Afrika einstellen, sagt ein amerikanischer Forscher. Daran werde auch Entwicklungshilfe nichts ändern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.06.

Michaela WIEGEL berichtet über das Buch La ruée vers l'Europe von Stephen SMITH, was von WIEGEL reißerisch als "Ansturm auf Europa" übersetzt wird. Dagegen soll der geplante deutsche Titel weniger reißerisch Nach Europa: Das junge Afrika auf dem Weg zum alten Kontinent lauten. Ob es dabei bleibt, und nicht doch die Vermarktung einen reißerischen Titel verlangt, wird der Herbst zeigen. Der Linksliberale wird gemäß WIEGEL gerne von Emmanuel MACRON zitiert, was dafür sorgte, dass es zur Pflichtlektüre für die französischen Eliten wurde.

"Die Stärke des Buches liegt in der Vielzahl präziser demographischer Fakten",

meint WIEGEL, was jedoch nicht nachprüfbar ist. SMITH gehört zu jener Sorte von Bekehrten, die aus ihrer neuen Sicht eine Mission machen:

"Rückblickend habe er als Journalist Korruption, schlechtes Regieren und Vetternwirtschaft als Ursache für den Entwicklungsrückstand überschätzt. »Es ist wirklich die demographische Entwicklung, die Afrika zurückgeworfen hat (...).« (...) Smith sagt, Macron habe recht, wenn er sage, dass die Zukunftsfähigkeit Afrikas nur durch eine resolute Geburtenkontrolle gesichert werden könne."

Ob diese europäischen Interessen jedoch mit den Interessen der afrikanischen Machthaber übereinstimmen, das darf bezweifelt werden. Begriffe wie "Migrationsdruck" aus dem nationalkonservativen Arsenal passen zum technokratischen Verständnis von Bevölkerungsprozessen. Ob diese jedoch empirischen Studien standhalten würden, das wäre zu prüfen. Aber wer macht das schon, wenn Begriffe gerade zum herrschenden Zeitgeist passen?  

 
       
   

18.06.2018

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2018): Hartz IV wird überschätzt.
Das deutsche Jobwunder der vergangenen Jahre hat andere Gründe, rechnet eine neue Studie vor - und nennt Möglichkeiten zur Verbesserung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.06.

Der Artikel von Alexander HAGELÜKEN ist nicht wirklich ein Eingeständnis der Wirkungslosigkeit der Hartz-Reformen, sondern der Versuch kosmetische Korrekturen als grandiose Verbesserungen zu vermarkten. Die Maßnahmen, die gefordert werden - Erhöhung des Mindestlohns und Reduzierung der Sozialabgaben für Geringverdiener haben zudem mit der Hartz-Gesetzgebung im Kern gar nichts zu tun! Einzig die Forderung, dass jene die "länger Beiträge gezahlt haben" länger das höhere Arbeitslosengeld beziehen dürfen" zielt auf Veränderungen bei der Hartz-Gesetzgebung ab. Dies wird jedoch nicht mit irgendwelchen funktionalen Aspekten begründet, sondern mit einem Akzeptanzproblem bei der Bevölkerung.   

 
       
   

LÖHR, Julia (2018): Entlastung für Betriebsrentner würde Milliarden kosten.
Doppelte Krankenkassenbeiträge erhitzen die Gemüter,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.06.

Julia LÖHR berichtet anlässlich des Spiegel-Berichts vom Wochenende über die Lösungsmöglichkeiten bei der Doppelverbeitragung.

"Derzeit sieht das Beitragsrecht eine Freigrenze vor, das bedeutet: Alle mit einer Betriebsrente von 153 Euro und mehr müssen die Beiträge auf die gesamte Betriebsrente zahlen. Der Wechsel von der Freigrenze zum Freibetrag würde die Krankenkasse Schätzungen zufolge rund eine Milliarde Euro kosten",

berichtet LÖHR über einen Vorschlag vom April, der im Spiegel nicht erwähnt wurde. Auf der anderen Seite wird von LÖHR nicht über die Aktivitäten der gut situierten Lobbygruppe berichtet.

 
       
   

PFEIFFER, Hermannus (2018): Wohin mit den Altversicherungen.
Große Versicherer wie Generali wollen ihr Lebensversicherungsgeschäft abstoßen,
in: Neues Deutschland v. 18.06.

Hermannus PFEIFFER berichtet darüber, dass der Betriebsrat von Generali ein Gutachten beauftrag hat, indem die ökonomische Wirtschaftlichkeit eines Run-offs angezweifelt wird.

 
       
   

HEISTERHAGEN, Nils (2018): Die Zeit der Illusionen ist vorbei.
Es gibt eine Erklärung dafür, dass die Parteien der Mitte, insbesondere die SPD, in Schwierigkeiten sind und die AfD sich aufplustern kann. Über die Gründe redet man in der "liberalen Elite" jedoch nicht gern, man malt sich lieber die Welt schön und blendet Probleme aus. Das haben die Bürger gemerkt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.06.

Nils HEISTERHAGEN (SPF) fordert einen Kurswechsel der liberalen Eliten:

"Die Wut auf die liberale Elite in Journalismus und Politik hat Folgen: Brexit, Trump, Front National und eben hierzulande die AfD.
Deutschland hat die erste Welle einer neuen Regression noch glimpflich überstanden. (...) Wenn die etablierten Kräfte und insbesondere die linke Mitte die »liberale Illusion« nicht verstehen und keinen Kurswechsel einschlagen, wird es zu einer zweiten Welle der Regression kommen. Und das wird eine Monsterwelle."

Leider belegt HEISTERHAGEN seine Kritik nur nicht mit journalistischen Schwergewichten, wodurch seine Kritik am Neoliberalismus etwas Verlogenes anhaftet. Nur nicht jenen wehtun, die verhindern könnten, dass seine Kritik überhaupt publiziert wird. HEISTERHAGEN ist Teil des Problems der SPD!

 
       
   

SERRAO, Marc Felix (2018): "Da entsteht etwas Neues und Grosses".
Die deutsche Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht will Linke, Grüne, Parteilose und Arme in einer Sammlungsbewegung mobilisieren,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.06.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2018): Die Jungen vergeben schlechte Noten.
Kommentar: Das Schweizer Vorsorgesystem im Test,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.06.

Werner ENZ berichtet sehr selektiv über eine Umfrage im Auftrag des Schweizerischen Versicherungsverbandes: dem SVV Sicherheitsmonitor 2018. Die Umfrage dient als Munition gegen die Einschränkung der Wahlfreiheit zwischen dem Bezug einer Rente oder eines Sparkapitals in der beruflichen Vorsorge.

Die Umfrage war nicht-repräsentativ im Sinne einer Zufallsstichprobe. Sie wurde nachträglich auf Repräsentativität getrimmt, wobei der Haushaltskontext jedoch vernachlässigt wurde.

 
       
   

17.06.2018

 
       
   

HANK, Rainer (2018): Kontrollverlust.
Deutschland hat zu viel Sozialstaat, aber zu wenig Staat. Das rächt sich gerade,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.06.

Deutschland hat zu viele Neoliberale wie Rainer HANK, das rächt sich! Der Artikel ist ein Lehrbeispiel für die Demagogie Neoliberaler. Um die Verfettung des deutschen Sozialstaats zu belegen, wird uns eine Grafik präsentiert, die suggerieren soll, dass wir seit 1991 einen immensen Anstieg der Sozialausgaben in Deutschland hatten. Wer sich von der Steilheit der Kurve jedoch nicht beeindrucken lässt, der sieht anderes: Innerhalb von 27 Jahren ist der Anteil der Sozialausgaben am BIP lediglich um 4 Prozent gestiegen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum der Sozialausgaben um gerade einmal 0,15 Prozent und dies trotz der Lasten der Wiedervereinigung, der Massenarbeitslosigkeit und der Rentnerheere! Nur stramme Neoliberale können darin eine Verfettung sehen! Dieses geringe Wachstum spiegelt im Gegenteil die radikalen Kürzungen wider, die es bei der Sozialversicherung in den letzten 25 Jahren gab.

Eine Studie soll belegen, dass der verfettete Sozialstaat ruhig weiter abgebaut werden kann, weil die Leistungen des Sozialstaats bei der Bevölkerung die niedrigste Priorität von allen Staatsaufgaben hätten. Dass die gefundene Hierarchie genau den Vorstellungen Neoliberalen über die Aufgaben des Staats entspricht, ist wenig verwunderlich, da es stramme Neoliberale waren, die diese Ergebnisse aufgrund des Studiendesigns herausgeholt haben. Es wurden nämlich beim Sozialstaat nicht die Leistungen zum Maßstab gemacht, sondern nur die Höhe der Sozialausgaben!

Zum verfetteten Sozialstaat gehört für HANK insbesondere der Mindestlohn. Noch Fragen?    

 
       
   

16.06.2018

 
       
   

WIMMER, Christopher (2018): Initiativbewerbung an alle.
Onlinedating verändert das intime Leben, aber tötet nicht die Liebe,
in: Neues Deutschland v. 16.06.

 
       
   

SCHMERGAL, Cornelia & Anne SEITH (2018): Doppelt abkassiert.
Altersvorsorge: Millionen Betriebsrentner fühlen sich vom Staat betrogen, weil sie hohe Sozialabgaben zahlen müssen. Die Koalition sucht nach Lösungen,
in: Spiegel Nr.25 v. 16.06.

"Bislang galt in der Politik die eherne Regel, dass es schlicht nicht zu bezahlen sei, das Gesetz von 2004 rückgängig zu machen. Doch jetzt, da die Krankenkassen Rekordüberschüsse angehäuft haben, gerät die Sache wieder in Bewegung: Die Große Koalition prüft mögliche Erleichterungen für Betriebsrentner",

berichten SCHMERGAL & SEITH. Eine rege Lobbygruppe gut situierter Bürger macht Druck auf die Parteien:

"Mehr als 1.000 der geschätzt sechs Millionen Betroffenen haben sich im »Verein Direktversicherungsgeschädigte« zusammengefunden, der deutschlandweit zu Stammtischen einlädt. Die Senioren (...) drohen im Internet, dafür zu sorgen, dass die CSU bei der Landtagswahl im Oktober »nicht die schönste, sondern die schlimmste Nachr ihres Lebens erlebt«"

Der niedersächsische CDU-Politiker und Sparkassenbetriebswirt Maik BEERMANN hat sich der Sache angenommen.

"Spahn hat an einer teuren Lösung kein Interesse. Würde man rückwirkend die Belastung für alle Betriebsrentner rückgängig machen, wäre dafür voraussichtlich ein Einmalbetrag von rund 40 Milliarden Euro fällig, rechnete Spahn (...) vor.
Günstiger wäre die von der SPD vorgeschlagene Lösung, in Zukunft von Betriebsrentnern nur noch den halben Kassenbeitrag zu verlangen. Das würde jährlich etwa 2,6 Milliarden Euro kosten",

erklären uns SCHMERGAL & SEITH, die das als Umverteilung von unten nach oben beschreiben:

"Die Masse der Beitragszahler müsste mit einer Erhöhung der monatlichen Beitragssätze um 0,2 Prozentpunkte rechnen. Damit würden auch Geringverdiener zur Kasse gebeten, die wohl nie von einer Betriebsrente profitieren würden."

Der Sündenfall geschah unter der neoliberalen rot-grünen Regierung. Damals kamen die Probleme der Sozialversicherungen gerade recht, um den Sozialstaat ohne großen Widerstand abbauen zu können.

Bereits im letzten Juli berichtete die Zeitschrift WirtschaftsWoche im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes über die Doppelverbeitragung und die rege Lobbygruppe der gut situierten Bürger. 

 
       
   

NIMZ, Ulrike (2018): Leipziger Häuserkampf.
Der SPD in Sachsen gehen die Wähler aus. Sie such Bürgernähe an der Haustür - auch in Problemvierteln,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.06.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

STEINFELD, Thomas (2018): Die Untergegangenen.
Zerstört sich Italien gerade selbst? Aus der Perspektive hierzulande sieht das für viele so aus. Doch dort nicht. Nachrichten aus einem Land der Verlierer, die endlich keine mehr sein wollen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.06.

 
       
   

15.06.2018

 
       
   

FREITAG, Lin (2018): Die lustlose Elite.
Titel: Die Liebe in Zeiten des Kapitalismus - ein trauriges Geschäft. Ehrgeiz, Überstunden und Karrierelust gefährden Paarbeziehung und Libido. Dabei ist eine gute Work-Love-Balance wertvoller denn je: Menschen, die regelmäßig Sex haben, sind nicht nur besser drauf, sondern auch leistungsfähiger und verdienen sogar mehr,
in:
WirtschaftsWoche Nr.25 v. 15.06.

 
       
   

FLASSBECK, Heiner (2018): Nachruf auf die Neoliberalisierung.
Staaten haben Unternehmen jahrzehntelang rote Investitionsteppiche ausgerollt - das Ergebnis ist katastrophal. Die Konzerne wissen mit dem vielen Geld nichts anzufangen, ihr gehortetes Kapital bereichert nur die Anteilseigner. Eine Anklage - und eine Einladung zum Widerspruch,
in:
WirtschaftsWoche Nr.25 v. 15.06.

 
       
   

MÜNKLER, Herfried (2018): Die oben sind schuld!
Elitenkritik heisst der neue Volkssport. Wer gewinnt (und wer verliert) dabei?
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 15.06.

Der umstrittene Politikwissenschaftler Herfried MÜNKLER verteidigt die Eliten gegen Populisten links wie rechts. Warum der Begriff "Linkspopulist" bzw. "Rechtspopulist" überhaupt verwendet wird, wenn es links und rechts der Mitte sowieso nur Populisten gibt, wäre zu fragen.

Linke Elitenkritik richte sich gegen die ökonomischen Eliten, während rechte Elitenkritik sich im Eigeninteresse gegen die politischen Eliten richte, so die These von MÜNKLER. Beispielhaft wird für die rechte Kritik das Thema Integration gewählt, während es bei Linken um die Selbstbereicherung von Topmanagern geht.

MÜNKLER formuliert seinen Elitenbegriff folgendermaßen:

"Man kann Eliten als einen deskriptiven Begriff verstehen, mit dem bloss beschrieben wird, wer wie viel Einfluss und welches Vermögen hat. Dieser Elitenbegriff dominiert in den empirischen Sozialwissenschaften, und er liegt den regelmässig veröffentlichten Statistiken zugrunde (...). Elite ist hier identisch mit den Reichsten und Mächtigsten. Eigentlich meinen wir jedoch mehr, wenn wir von Elite sprechen: Wir haben eine herausragende Leistungsfähigkeit, unternehmerischen Elan, ein gesteigertes Verantwortungsbewusstsein und ein besonders Ethos im Auge. Wir verstehen Elite nicht nur im deskriptiven, sondern auch im präskriptiven Sinn, also (...) im Hinblick (...) auf Vorbildliches."

Das herausstechendste Merkmal von Eliten ist also ihre Vorbildfunktion auf den Feldern von Leistung, Tatkraft und Verantwortung. Elitenforscher wie Michael HARTMANN belegen dagegen, dass von einer "Leistungselite" nicht gesprochen werden kann. Vielmehr sind Mechanismen der Selbstrekrutierung vorherrschend, d.h. die Herkunft ist entscheidender als die Leistung.

"Eliten stehen (...) unter ständigem Beobachtungsstress (...) und lancieren deswegen alternative Beobachtungsobjekte, in deren Schatten sie ruhiger agieren können. Die Neugier richtet sich auf (...) die Prominenz. Die Prominenz (...) ist der Tarnschirm der wirklichen Elite",

erklärt uns MÜNKLER, der darin einen Nachteil sieht. Elite käme dann nur noch in den Blick bei Eliteversagen, während die Leistungen nicht genügend gewürdigt würden. Die Lösung scheint einfach:

"Dem lässt sich überzeugend nur entgegenarbeiten, wenn die Tätigkeit von Eliten nicht nur in Situationen des Scheitern, sondern auch in solchen der erfolgreichen Routine sichtbar ist."

Es handelt sich hier lediglich um eine Scheinlösung, denn solche Elitenglorifizierung existiert bereits genügend, wenn man sich durch die Wirtschaftsteile von FAZ/FAS usw. sowie die diversen Wirtschaftsblätter liest. Das Manager-Magazin trägt im Namen bereits das Objekt der Verehrung. Will man solche Lobgesänge auf erfolgreiche Manager also in Zukunft auch in Film und Fernsehen sehen? Es dürfte fraglich sein, dass die anvisierte Zielgruppe diese Heldengeschichten überhaupt würdigen würde. Das entscheidende Problem besteht ja darin, dass Leistung erst sichtbar gemacht werden muss, weil sie im Grunde unsichtbar ist und von der Zuschreibung lebt. Was also als einfache Lösung erscheint, ist es nicht!

Am Schluss wird dann noch einem Systemwettbewerb zwischen Demokratie und Oligarchie das Wort geredet:

"Die nächsten Jahre werden ein Wettstreit um das effektivere, aber auch das von der Bevölkerung besser akzeptierte Modell des Umgangs mit Eliten sein. Dabei wird es vor allem darum gehen, welche politische Ordnung die leistungsfähigeren und weniger korruptionsanfälligen Eliten hervorbringt und wie sie diese kontrolliert. (...) Es braucht (...) Eliten und es wird auch immer Eliten geben. Doch gilt: Jede Elitenkritik hat zuletzt die Elite, die sie verdient."

MÜNKLER steht dabei selber im Wettstreit, nämlich dem der Deutungseliten!     

 
       
   

REICHEL, Reiner (2018): Vom Krankensaal zum Wohnzimmer.
Umnutzung: Immer mehr Kliniken schließen ihre Pforten. Der Strukturwandel ist ein Glücksfall für Deutschlands Großstädte, die dringend Wohnraum brauchen,
in:
Handelsblatt v. 15.06.

 
       
   

14.06.2018

 
       
   

KUNZE, Anne (2018): Glückliche Alte.
Ein internationaler Vergleich zeigt: Je mehr eine Gesellschaft das Alter respektiert, umso besser geht es den Senioren,
in: Die ZEIT Nr.25 v. 14.06.

Anne KUNZE vermarktet eine simple nicht-repräsentative Umfrage auf ZEIT-Online als Recherche. Um diese Umfrage, die so dargestellt wird, als ob es sich um eine quantitativ-repräsentativ empirische Untersuchung handeln würde, aufzuwerten, werden Wissenschaftler zitiert deren Ergebnisse mit den Befunden der Umfrage übereinstimmen.

Das Image von Zeitungen mit pseudowissenschaftlichen Umfragen aufzupolieren, ist wohl kaum geeignet, um Leser zurückzugewinnen. Wenn fehlender Respekt gegenüber den Alten als Problem gesehen wird, dann wäre zuerst einmal zu fragen, welchen Anteil daran die so genannte Qualitätspresse hat. Das Bild vom Alter wird ja entscheidend von politischen Interessen und dem Kampf gegen den Sozialstaat bestimmt.

Die Verbreitung positiver Altersbilder wird uns als Königsweg zum längeren Leben verkündet. Es hat zudem einen tollen Nebeneffekt für die Altersvorsorgebranche:

"Menschen, die positiv über das Alter nachdenken, sorgen überraschenderweise auch finanziell dafür vor."

Am Schluss wird ein Rentner präsentiert, der seinen Ruhestand genießt. Es ist noch gar nicht lange her, da wurde in der ZEIT verkündet, dass der Ruhestand das Leben verkürzt! Aber da standen gerade andere Reform an...   

 
       
   

BAURMANN, Jana Gioia (2018): Sein Leben mit Neon.
Nach 15 Jahren wird das einst so gefeierte Magazin eingestellt. Warum? Zu Besuch bei einem, der mit dem Heft erwachsen wurde,
in: Die ZEIT Nr.25 v. 14.06.

Jana Gigia BAURMANN verschafft der Zeitschrift Neon ein Begräbnis erster Klasse. Nachtrauern muss man dieser Zeitschrift nicht, der ein Gespür für die neue Zeit abhanden gekommen ist. Typisch für das selbstreferentielle Journalistenmilieu wird die Zeitschrift zu einer Art Begleiter durch den Lebenslauf überhöht, der Orientierung gibt. Als Leser wird uns - wenig überraschend - ein kinderloser Journalist präsentiert. Möglicherweise lasen die Zeitschrift vor allem Berufsjugendliche, die etwas mit Medien machen wollten. Die Höhe der Auflage ist jedenfalls nicht größer gewesen als der Anteil der Medienleute in Deutschland!

 
       
   

MATHEZ, Antje (2018): Flüchtige und Verwerter.
FR-Tagestema Lebensversicherungen: Die Versicherungsbranche versucht, ihre Bestände an Lebensversicherungen loszuwerden. In Deutschland geht es um 89 Millionen Policen. Zwei Prozent sind bislang über das Geschäftsmodell des "Run-off" abgewickelt,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.06.

Im Bericht von Antje MATHEZ werden lediglich die Vorteile von Run-Offs erwähnt, was daran liegt, dass lediglich die Lobbyisten der Versicherungsbranche zu Wort kommen. Die Bafin vertritt in erster Linie die Interessen der Branche und verteidigt deswegen die fehlende Regulierung des Verkaufs. Schließlich hat die Bafin ein großes Eigeninteresse daran, dass sie als Instanz die Fäden eines Verkaufs ziehen kann. Die Konsequenzen der Abwicklung zeigen sich erst in langen Zeiträumen, was ja das Wesen der Altersvorsorge ist. Eine Folgenabschätzung über mehrere Jahrzehnte ist kaum zu bewerkstelligen - egal was die Bafin heute sagt!

MATHEZ, Antje (2018): Wie sich Versicherer am Geld der Kunden bedienen.
FR-Tagestema Lebensversicherungen: Unternehmen kommen mit einem Kniff an das Ersparte,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.06.

Antje MATHES berichtet über das Problem der Gewinnabführungsverträge, ohne jedoch den politischen Hintergrund zu erwähnen wie das für seriöse Aufklärung der Fall sein sollte. Stattdessen wird nur eine Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen erwähnt, die das Versagen der jetzigen Praxis aufzeigt:

"Versicherer haben die Möglichkeit, Gewinne aus dem Bestand abzuziehen und ihn anschließend zu verkaufen (...). Motto (...) In guten Zeiten ziehe ich das Geld raus und in schlechten Zeiten erkaufe ich den Bestand an Dritte",

wird der Verbraucherschützer Lars GATSCHKE zitiert. Statt des Evaluierungsberichts zum Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) wird lediglich ein BGH-Prozess erwähnt, dessen Urteil für Ende Juni erwartet wird. Dabei geht es jedoch nur um die Verfassungsmäßigkeit des 2014 in Kraft getretenen LVRG - ein Kampf gegen vergangene politischen Entscheidungen, während die aktuell anstehenden politischen Entscheidungen außen vor bleiben.

HERZ, Carsten & Laura de la MOTTE (2018): Ein Schatz von 132 Milliarden Euro.
Lebensversicherte können in der Niedrigzinsphase nicht auf höhere Auszahlungen von Buchgewinnen hoffen, deutet der BGH an. Doch für Verbraucher lohnt es sich, ihre Verträge rechtzeitig zu prüfen,
in: Handelsblatt v. 14.06.

Im Gegensatz zur heutigen FR liefern HERZ & MOTTE Hintergründe zur Interessenverteilung bei Run-Offs und den Interessenorganisationen, die sich bei der Neuregelung der Überschussbeteiligung gegenüberstehen.

"Analysten und Anleger drängen den Versicherer, sich von dem wenig rentablen Geschäft zu trennen. Bei Betriebsräten und in der Politik werden die Verkaufspläne jedoch mit großer Skepsis verfolgt",

heißt es zu einer möglichen Abwicklung bei der Generali-Lebensversicherung. Die Versicherten werden als Verlierer der "kapitalgebundenen Lebensversicherung" in der privaten Altersvorsorge betrachtet:

"Die nirdrigen Zinsen bringen die Versicherer in Not. (...). Zusammen mit schärferen Eigenkapitalregeln und tendenziell sinkenden Gewinnen führt dies dazu, dass sich die Kunden (...) auf immer geringere Erträge einstellen mussten. Der Gesetzgeber hat der Branche dafür vor vier Jahren auch mit einer Neuregelung der Überschussbeteiligung den Weg geebnet. (...).
Bei Kündigung oder regulärem Ablauf ihres Vertrags bekamen Kunden früher die Hälfte dieser Kursgewinne - eine Regelung, die der Bund der Versicherten (BdV) vor mehr als zehn Jahren vor dem Bundesverfassungsgericht erkämpft hatte. Mit dem Lebensreformgesetz von 2014 wurde die Regelung dann aber wieder aufgeweicht. (...).
Seit 2014 dürfen die Versicherer die Bewertungsreserven darum nur noch in dem Maße ausschütten, wie Garantiezusagen für die restlichen Versicherten sicher sind. Zuvor waren 50 Prozent verpflichtend."

Die europäische Aufsichtsbehörde Eiopa sieht Fusionen als Möglichkeit, um den Bankrott von Lebensversicherern zu verhindern. Zum Schluss wird die Einschätzung eines Geschäftsführers des Zweitverwerters Partner in Life (PiL) zur Gefährdung von Lebensversicherern zitiert. Demnach wären nur einige wenige Lebensversicherer in Gefahr, aber auch nur, wenn das Zinstief weitere 5 Jahre anhalten würde. Zusammen mit der Verbraucherzentrale Bremen will der Zweitverwerter ein Vergleichsportal einrichten, das einen Überblick über die Situation in der Lebensversicherungsbranche ermöglichen soll. PiL hat gewissermaßen ein Eigeninteresse an solch einem Vergleichsportal, denn die Zielgruppe soll ja ihre Policen möglichst an PiL veräußern.

 
       
   

THELEN, Peter (2018): Gefährlicher Trend.
Kommentar zum höheren Pflegebeitrag: Hermann Gröhe erhöhte den Pflegebeitrag drei Mal. Nachfolger Jens Spahn macht munter weiter. Das darf nicht zur Gewohnheit werden,
in: Handelsblatt v. 14.06.

Peter THELEN stellt einen direkten Zusammenhang zwischen öffentlicher Debatte um die Pflege in Deutschland und Ergebnissen einer Umfrage zur hohen Zahlungsbereitschaft der Deutschen her. Dass ein solcher Zusammenhang nur hergestellt wird, wenn er dienlich ist und nicht in anderen Fällen, wo sich gerne auf Umfragewerte positiv bezogen wird, ist einer der Gründe, warum die Medien ein Glaubwürdigkeitsproblem haben!

"Statt 2,2 Prozent im Jahr 2013 müssen Kinderlose ab 2019 3,1 Prozent Pflegebeitrag zahlen. Bei Versicherten mit Kinder sind es 0,25 Prozentpunkte weniger. (...). Laut Spahn sind dabei die Kosten für das im Koalitionsvertrag vereinbarte neue Pflegeprogramm nicht eingerechnet",

berichtet THELEN über die geplante Beitragssatzerhöhung. Ärgerlich an dem Beitrag ist, dass eine Marke von 40 Prozent bei den Abgaben als Höchstgrenze verabsolutiert wird. Dass dieser Wert von der Arbeitgeberlobby in die Debatte eingebracht wird, fällt dabei unter den Tisch. Mit diesem Wert sollen dann Leistungserweiterungen des Sozialstaats diskreditiert werden bzw. Beitragssatzsenkungen in anderen Bereichen gefordert werden. Entscheidend bei der Beurteilung sind jedoch nicht Kosten an sich, sondern Kosten-Nutzen-Relationen. Steigen die Kosten, dann müssen die Nutzen stimmen, ansonsten handelt es sich um eine Scheindebatte, die die dahinter verborgenen Interessen verdecken soll.   

 
       
 

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Zu den News vom 07. - 13. Juni 2018
 

       
   
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Bernds@single-dasein.de Stand: 26. Juni 2018