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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 19. - 30. September 2011

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Raus aus der Hölle!

"Stellen wir uns vor, ein Mann begegnet eines Abends einer jungen Frau, verliebt sich und schwebt wie auf Wolken. Drei Monate später zieht das frischgebackene Paar zusammen. Das ist der Anfang vom Ende. Von nun an verengt sich der Horizont des Mannes rapide. Er vernachlässigt seine Freunde, wird jähzornig, pedantisch, empfindlich und verändert sich stark. Mit ausdruckslosem Blick schleppt er sich in Filzpantoffeln vom Sessel zum Sofa. Er setzt Hüftspeck an, wird blass und schlaff. Er erträgt kaum noch den eigenen Anblick im Spiegel; er schämt sich. Er ist nicht mehr Herr über sein Leben, seine Sexualität und seine Freizeit. Er verdrängt und grollt. Die Erinnerung an das Leben davor schnürt ihm die Kehle zu. Er fragt sich, ob er eine neue Brille braucht. Die Haare fallen ihm aus. Binnen drei Monaten ist er um ein Jahr gealtert."
(aus: Robert Macia & Julien Péluchon "Endlich Single!" 2011, S.13)

 
 
       
   

BUDE, Heinz (2011): Du musst dein Leben ändern.
Aber wie? So könnte das Neue in der Politik aussehen,
in:
Die ZEIT Nr.40 v. 29.09.

Der Soziologe Heinz BUDE sieht in der Ökologie, der sozialen Ungleichheit und Europa die politischen Herausforderungen. BUDE betont die sozialen Spaltungen, zwischen jenen, die sich wie die Lohas einen ökologischen Lebensstil leisten können, und jenen, die als Geringverdiener und Prekariat ökonomischen Zwängen unterliegen:

"Wer prekär lebt, hat wenig Verständnis für eine Verteuerung seiner Wohnung, deren Miete am Ende mehr als die Hälfte seines Einkommens frisst. Diese Linie geht weiter, wenn es um Slow Food und Smart Travelling geht. Das Beängstigende an dieser Beobachtung besteht in der Erkenntnis, dass wir uns womöglich auf dem Weg von einem Jahrhundert der sozialen Integration in ein Jahrhundert der sozialen Desintegration befinden. Die USA geben dafür insofern den Takt vor, als sich die Anzeichen mehren, dass die amerikanische Gesellschaft dabei ist, ihre Mitte zu verlieren."

Reaktionen auf den drohenden Verlust der Mitte in Deutschland wurden auf single-generation.de unter dem Motto Die netten Jahre sind vorbei in 3 Beiträgen vorgestellt (Teil 1, Teil 2 und Teil 3).

 
   

FREITAG-Wochenthema: Nr. 7.000.000.000.
Die Menschheit wächst immer schneller. Wann wird der Globus für uns zu eng?

ZINKANT, Kathrin (2011): In eurer Hand.
Zukunft: Bringt die wachsende Zahl von Menschen auf Erden nur Hunger und Krieg? Die Antwort gibt nicht das Schicksal,
in: Freitag Nr.39 v. 29.09.

PUSCHNER, Sebastian (2011): "Viele Länder sind uns demografisch auf den Fersen."
Im Gespräch: Die deutsche Angst vor dem Aussterben hat Tradition, sagt der Demografieforscher Ralf Ulrich. Zuwanderung allein kann das Problem nicht mehr lösen,
in: Freitag Nr.39 v. 29.09.

Drei Wellen der Beschäftigung mit dem Geburtenrückgang sieht der Bevölkerungswissenschaftler Ralf E. ULRICH in den letzten 100 Jahren. Single-generation.de hat im Jahr 2008 Drei Wellen der Generation Kinderlos in hundert Jahren beschrieben.

Bereits am 5. September hat single-dasein.de Dementis zur Trendwende bezüglich der Geburtenrate erwartet. Nun kommt ein Dementi von ULRICH, das nur scheinbar stichhaltig ist:

"»Deutsche Frauen bekommen wieder mehr Kinder«, berichteten die Medien Anfang des Monats.
ULRICH: Da wurden Forschungsergebnisse offenbar missverstanden. Frauen in Deutschland bekommen Kinder heute biografisch später als vor zehn oder 30 Jahren. Man kann die Kinderzahl so kalkulieren, dass der Effekt dieser Verschiebung herausgerechnet wird und kommt dann auf 1,6 Kinder pro Frau, statt der vom Statistischen Bundesamt ausgewiesenen 1,4. Aber der Vergleich der beiden Zahlen liefert keine Aussage über einen Anstieg."

Tatsächlich gibt es zwei klassische Methoden, die Geburtenrate zu ermitteln: zum einen die durchschnittliche Kinderzahl (TFR) aller gebärfähigen Frauen zu einem bestimmten Zeitpunkt oder die Geburtenrate eines oder mehrerer Geburtsjahrgänge (CFR). Beide Methoden werden zur Ermittlung eines Anstiegs/Rückgangs der Geburtenrate genutzt.

Fakt ist: Die endgültige Kinderzahl für den westdeutschen Geburtsjahrgang 1962 liegt bei 1,56 (KREYENFELD 2011). Dieser Geburtsjahrgang liegt also bereits definitiv über der hypothetischen TFR von 1,4. Das kann nicht einmal Herr ULRICH bestreiten. Der westdeutsche Jahrgang 1961 erreichte noch eine endgültige Kinderzahl von 1,6, d.h. die Kinderzahl pro gebärfähiger Frau hat vom Geburtsjahrgang 1962 auf 1961 um 0,04 abgenommen. 

Bald lässt sich auch für den prominenten Geburtsjahrgang 1965 die endgültige Kinderzahl pro Frau ermitteln. Sie wird mit Sicherheit über 1,5 liegen. Nach CFT-Berechnungen von Olga PÖTZSCH liegen seit dem Jahr 2008 alle in den 1960er Jahren geborenen west- und ostdeutschen Frauenjahrgänge über dem Wert von 1,4, obwohl sie das Ende der Gebärfähigkeit noch nicht erreicht haben (CPOS Heft 1/2010, S.183). Aber darum geht es bei der obigen Frage nach dem Anstieg gar nicht!

Worum geht es aber dann? ULRICHs Aussage, dass der Vergleich der beiden Zahlen 1,4 und 1,6 keine Aussage über einen Anstieg liefert, ist eine Finte. Das hat ja das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in dem obigen Zusammenhang gar nicht behauptet. Das Argument des MPIDR ist nämlich zweiteilig:

Es wird erstens behauptet, dass die Zahlen der zusammengefassten Geburtenziffer (TFR) das tatsächliche Geburtenniveau unterschätzt. Dies ist zumindest . Das hat aber nichts mit der behaupteten Trendwende beim Kinderkriegen zu tun, wie ULRICH suggeriert.

Der Anstieg wird vom MPIDR dagegen - zweitens - aus dem Vergleich jüngerer und älterer Geburtsjahrgänge gewonnen, wie das nachfolgende Schaubild beweist, das der Pressemeldung vom 2. September entnommen ist.   

Bis zum Geburtsjahrgang 1961 handelt es sich um die Berechnung der endgültigen Kinderzahl (CFR). Für die Geburtsjahrgänge nach 1961, die ihre endgültige Kinderzahl noch nicht erreicht haben, wird die Geburtenrate nach einer "tempobereinigten Geburtenziffer" ermittelt. Dies ist eine  Berechnungsmethode die realitätsnähere Ergebnisse verspricht. 1998 brachten John BONGAARTS & Griffith FEENEY den so genannten Tempo-Ansatz in die demografische Debatte ein. Das aktuelle Heft der Comparative Population Studies, das vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung herausgegeben wird, widmet sich diesem Ansatz. In Deutschland führte das bevölkerungspolitische Datendesaster dazu, dass dieser Ansatz nicht angewandt werden konnte. Erst seit 2009 werden auch in Deutschland die notwendigen Daten erhoben. Vorher verhinderte dies die normative, eheorientierte  amtliche Statistik.

Der Statistiker Gerd BOSBACH spricht in seinem Buch Lügen mit Zahlen in diesem Zusammenhang auch von politischen Zahlen.

Wenn jemand wie ULRICH auf eine Frage antwortet, die gar nicht gestellt wurde, dann verbergen sich dahinter politische Strategien und Interessen, die verschleiert werden sollen.

Warum wird der Tempo-Ansatz in Deutschland erst jetzt angewandt, obwohl er international bereits seit über 10 Jahren diskutiert und erprobt wird?

Für Deutschland gilt: Der Tempo-Ansatz hätte vorher dazu geführt, dass europäische "Musterländer" in der demografischen Debatte nicht als Vorbild hätten fungieren können, weil deren angeblicher Babyboom teilweise oder ganz auf einem veränderten Gebäralter bzw. Geburtenabstand beruhen.

Nun aber könnte die bislang verwendete zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) dagegen einen Babyboom vorgaukeln, den es nicht gibt. In dem programmatischen Aufsatz Wie Politik durch falsche Interpretationen der konventionellen Perioden-TFR in die Irre geführt wird: Sollten wir aufhören, diesen Indikator zu publizieren? von Tomas SOBOTKA & Wolfgang LUTZ heißt es:

"»Tempo-orientierte politische Maßnahmen« mit dem Ziel der Stimulation eines früheren Geburtentimings, um die Anzahl der Geburten zu steigern, ohne dass sich dies zwangsläufig auf die realisierte Fertilität auswirkt, stellen hingegen ein legitimes und potenziell nützliches Ziel dar (...). Diese politischen Maßnahmen stellen in der Tat einen Ausnahmefall dar, in dem die TFR ein nützlicher Indikator hinsichtlich ihrer Auswirkungen sein könnte" (2010, S.685f.)

Oder anders ausgedrückt: Die TFR diente bislang dazu den notwendigen Druck aufzubauen, um familienpolitische Reformen wie höherer Pflegebeitrag für Kinderlose, Elterngeld usw. als alternativlos erscheinen zu lassen.

Nun aber könnte die TFR auch in Deutschland zunehmend kontraproduktiv werden:

"Seit dem Ende der 1990er Jahre haben viele europäische Länder einen deutlichen Anstieg der konventionellen Perioden-TFR verzeichnet. (...) Dies wurde allgemein als erfreuliches Zeichen für den dringend notwendigen Umschwung des bisherigen,  langanhaltenden Trends sinkender periodenspezifischer Geburtenziffern interpretiert, der dafür gesorgt hatte, dass die TFR in vielen europäischen Ländern auf ein »Rekordtief« von 1,3 oder weniger gefallen war (Kohler et al. 2002). Einige Regierungen haben diesen Trend voller Stolz auf ihre politischen Maßnahmen zurückgeführt und eine der führenden deutschen Zeitungen, Die Zeit, kommentierte einen minimalen Anstieg der Anzahl der Geburten im Jahr 2007 mit dem freudigen Ausruf »Politik funktioniert!« (Gaschke 2009). Eine alternative Erklärung liefert jedoch einen anderen Blick auf den kürzlichen Anstieg der Perioden-TFR. Es ist möglich, dass der jüngste Anstieg dieser Maßzahl in europäischen Ländern zu einem großen Teil einer Verlangsamung oder der Beendigung des Aufschiebens von Geburten zuzuschreiben ist (Goldstein et al. 2009, Bongaarts/Sobotka 2010)."

Der Tempo-Ansatz wird nun also benötigt den politischen Druck weiter aufrecht halten zu können, um weitere bevölkerungspolitische Reformen in Deutschland durchzusetzen zu können. Durch zu viele  Babyboom-Medienberichte könnten nämlich weiteren geplanten Reformen mehr Widerstand entgegengesetzt werden.

Wie steht es nun aber um die behauptete Trendwende? Das MPIDR verwendete den Tempo-Ansatz zur Vorausberechnung, d.h. der Anstieg könnte also tatsächlich einen Anstieg des Geburtenniveaus in den jüngeren Geburtsjahrgängen bedeuten. Aber einzig die endgültige Kinderzahl pro Frau (CFR) kann das letztendlich wirklich belegen. Politik braucht jedoch heute und nicht erst morgen Zahlen, um Handeln zu rechtfertigen. Der Tempo-Ansatz verspricht zumindest  realitätsnähere Ergebnisse. Der Geburtsjahrgang 1975 wird im Jahr 2025 das Ende der Gebärfähigkeit erreichen (so wie es gegenwärtig definiert wird!). Die Politik wird sich ihre Erfolge früher zurechnen wollen, woraus sich der Bedarf an politischen Zahlen ergibt.

Man sollte die Demografen an ihren eigenen Prognosen messen, was zum Abschluss getan wird.

Im Jahr 2008 hat sich single-generation.de den Mythen und Fakten des Geburtenrückgangs gewidmet. Damals wurden auch die Fehleinschätzungen zur Geburtenentwicklung in Ostdeutschland betrachtet. Ralf ULRICH & Rainer MÜNZ haben im Heft 4/1993-94 der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft für Ostdeutschland eine Prognose bis zum Jahr 2010 errechnet, die in der nachfolgenden Tabelle mit der tatsächlichen Entwicklung verglichen wird.

Jahr tatsächliche Entwicklung TFR (Ost) Vorausschätzung
(Variante 1-3)
1990 1,52  
1991 0,98  
1992 0,83  
1993 0,77  
1994 0,77  
1995 0,84  
1996 0,95  
1997 1,04  
1998 1,09  
1999 1,15  
2000 1,21 unter 0,95 (V 1)
0,95 (V 3)
1,1 (V2)
2010 1,46 1,35 (V 1) -1,4 (V 2)

Es zeigt sich, dass das Szenario der Angleichung mit Geburtenausfall von Ostdeutschland übertroffen wurde. Der Osten hat die Angleichung 2007 erreicht und liegt seitdem bei der TFR über dem Westniveau ( Geburtenraten 2001-2009 siehe hier).

Betrachtet man die Geburtenraten der west- und ostdeutschen Geburtsjahrgänge (CFT), dann hatten die ostdeutschen Geburtsjahrgänge sogar schon 2005 höhere Geburtenraten, wie die Tabelle 1 von KONIETZKA & KREYENFELD (2007, S.4) zeigt.

Im Fall Ostdeutschland hat der Indikator TFR gewaltig in die Irre geführt.  

BRÜGGEMANN, Axel (2011): Najims Leben.
Zeitreise: 2011 als sieben Milliardster Mensch der Erde geboren, erlebt ein Junge aus Lagos, wie die Welt auf den Kopf gestellt wird. Ein Projektion,
in: Freitag Nr.39 v. 29.09.

 
   

Oskar Roehler - Herkunft

HENSEL, Jana (2011): Filme interessieren mich nicht.
Oskar Roehler über sein Romandebüt "Herkunft", seine schreckliche Kindheit und die Frage, warum er der beste Regisseur seiner Generation ist,
in: Freitag Nr.39 v. 29.09.

 
   

Lebensqualität in einer Gesellschaft der Langlebigen. Eine neue Sicht auf den Wohlfahrtsstaat und seine möglichen Weiterentwicklungen

SCHMOLLACK, Simone (2011): Abgeblitzt bei der Kommission.
Enquete: Die Soziologin Jutta Allmendinger sprach vor der Wachstumskommission. Aber deren Mitglieder verstanden sie nicht: Heizen Frauen das Wachstum etwa an?
in: TAZ v. 28.09.

 
   

KURZ, Peter (2011): Internet-Dating.
Die Glücksformel gibt es nicht,
in: Westdeutsche Zeitung Online v. 27.09.

Immer mehr Menschen suchen den Partner im Netz titelt die WZ. Es wird suggeriert, dass es eine aktuelle Umfrage dazu gäbe. Die dazugehörende Pressemeldung der Bitkom stammt jedoch bereits vom 5. Juni diesen Jahres. Sind Single-Themen also Lückenfüller?

 
   

JENNER, Gero (2011): Ökonomie, Technik und menschliches Glück.
Ein Versuch über Sex und Kultur,
in: Telepolis v. 27.09.

Gero JENNER behauptet einen Trend zur Single-Gesellschaft:

"Es ist durchaus absehbar, dass es bald eine Gesellschaft geben wird, die ganz ohne Ehe und Familie auskommen wird, eine Gesellschaft, die nur noch aus Singles besteht, die ihre Triebe in mehr oder weniger flüchtigen Begegnungen hetero- oder homosexueller Art befriedigen werden. Für die menschliche Fortpflanzung sind diese Begegnungen entweder ganz folgenlos oder sie führen auch dann nur selten zu bleibenden Bindungen, wenn Frauen sich davon Kinder erhoffen."

JENNER beruft sich insbesondere auf Michel HOUELLEBECQs  Elementarteilchen.

Soziologen sehen dagegen eher einen Trend weg von der Single-Gesellschaft: Statt als Pioniere einer modernen Gesellschaft gelten Singles nunmehr als Projektionsfiguren für uneingestandene Ängste und Sehnsüchte in der paar- und familienorientierten Gesellschaft.

 
   

HEß, Ralf (2011): Selbständigkeit: keine Entscheidung für das große Geld, sondern gegen Hartz IV.
Wenn die Politik der Entwicklung hinterherhinkt: Gewerkschaften für Selbstständige, neue Arbeitsbiografien und Sozialversicherungssysteme,
in: Telepolis v. 27.09.

 
   

SEIBEL, Andrea (2011): Vom Knistern der Macht.
Was ist erotisches Kapital? Ein Gespräch mit der Soziologin Catherine Hakim,
in: Welt v. 27.09.

 
   

PHI (2011): Partnervermittlerin: "Der schöne Zufall ist allzu selten".
Schlafen Sie bei offenem Fenster? Das ist eine von 74 Fragen, die es im Persönlichkeitstest der Online-Partneragentur Parship auszufüllen gibt. Sie sucht mithilfe von ausgeklügelten Algorithmen danach potentielle Partner aus,
in: Badische Zeitung v. 26.09.

 
   

GOETTLE, Gabriele (2011): Guter Schnitt.
Anmerkungen zur Organtransplantation,
in: TAZ v. 26.09.

 
   

SCHMOLLACK, Simone (2011): Schlichte Antwort auf die K-Frage.
Nicole Huber nimmt den "Familienfundamentalismus", wie sie es nennt, kritisch unter die Lupe und rechnet vor, was Kinderlose in die Staats- und Sozialkassen einzahlen müssen. Leider wartet sie auch mit Pauschalurteilen und Stammtischparolen auf,
in: DeutschlandRadio v. 25.09.

"Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland so wenig Kinder zur Welt wie in keinem anderen Land der EU",

schreibt Simone SCHMOLLACK, weil ihr nicht passt, dass 2010 die Geburtenrate so hoch wie lange nicht war und das Rostocker Max-Planck-Institut für demographische Forschung Anfang des Monats gar beim Geburtenverhalten jüngerer Frauen eine Trendwende erkannt haben will.

SCHMOLLACK rezensiert nicht das Buch, sondern propagiert lediglich ihre familienpolitische Linie, z.B. die Abschaffung des Ehegattensplittings. In dem Buch Kinderfrei von Nicole HUBER geht es um die  freiwillige Kinderlosigkeit, während es SCHMOLLACK um die ungewollte Kinderlosigkeit geht:

"Laut Statistischem Bundesamt waren 2009 rund 39 Prozent aller Frauen zwischen 31 und 35 Jahren kinderlos. Allerdings wollen nur 8 Prozent von ihnen kinderlos bleiben, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach herausfand."

Die Zahlen suggerieren, dass in Deutschland die ungewollte  Kinderlosigkeit bei 31 % liegt. Warum nimmt SCHMOLLACK nicht die Zahlen der 40 - 44Jährigen? Gerade Akademikerinnen sind in Deutschland vielfach Spätgebärende. Wäre dann die Angelegenheit nicht skandalös genug?

Man könnte die Rezension von SCHMOLLACK in einem einzigen Satz zusammenfassen: Die Probleme freiwillig Kinderloser interessieren mich nicht!

 
   

Nina Pauer - Wir haben keine Angst & Meredith Haaf - heult doch

ELSING, Sarah (2011): Mein Leben ist mehr als ein Luxusproblem.
Alles sei möglich, bekommen sie immer wieder zu hören. Zwei junge Autorinnen untersuchen die Unentschlossenheit ihrer Generation und fordern: mehr Haltung,
in: Welt am Sonntag v. 25.09.

 
   

SIEMS, Dorothea & Miriam HOLLSTEIN (2011): Die Ministerin antwortet Eva Herman.
Kristina Schröder über ihre geplante Frauenquote und junge Mütter, für die Kind und Karriere kein Widerspruch mehr ist,
in: Welt am Sonntag v. 25.09.

 
   
ZEITMAGAZIN-Thema: Anleitung zum Vatersein

KALLE, Matthias (2011): Väter Super, Papa!
Männer wollen heute gute Väter sein – warum nehmen sie sich dann nicht Zeit für ihre Kinder?
in: ZEITmagazin Nr.39 v. 22.09.

 
   

Melanie Mühl - Die Patchwork-Lüge

MÜHLBAUER, Peter (2011): Wenn Mütter und Väter wie Banken handeln.
Melanie Mühl über ihr Buch "Die Patchwork-Lüge",
in: Telepolis v. 21.09.

 
   

SENOCAK, Zafer (2011): Arrangierte Liebe,
in: Berliner Zeitung v. 20.09.

 
   

Oskar Roehler - Herkunft

MEYER, Frank (2011): "Ich habe das Buch ja nicht geschrieben, um mich an meinen Eltern zu rächen".
Oskar Roehler über seinen autobiografischen Roman "Herkunft",
in: DeutschlandRadio v. 20.09.

 
   

Pflegereform: Schwarz-Gelb handlungsunfähig

HAARHOFF, Heike (2011): Pflegelhafte Koalitionäre.
Pflege: Der FDP-Bundesgesundheitsminister verschiebt die Reform erneut und auf unbestimmte Zeit. Grund ist schwarz-gelbes Zerwürfnis über Finanzierungskonzept,
in: TAZ v. 20.09.

HAARHOFF, Heike (2011): Bahrs beschränkter Horizont.
Über das politische Versagen bei der Pflegereform,
in: TAZ v. 20.09.

WORATSCHKA, Rainer (2011): Die Rechnung geht noch nicht auf.
FDP-Gesundheitsminister Bahr verschiebt die Pflegereform – und streitet mit der Union über die Gründe,
in: Tagesspiegel v. 20.09.

SZENT-IVANYI, Timot (2011): Jeder gegen jeden.
Koalition hat sich über die Pflegereform zerstritten,
in: Berliner Zeitung v. 20.09.

 
   

SUNDERMEIER, Jörg (2011): Der Reiz des Maximalen.
Erben: Sind die Piraten die neuen Grünen? Die Parallelen sind augenfällig, ebenso die Tatsache, dass man zu den Guten gehört, solange die anderen so schlecht erscheinen,
in: TAZ v. 20.09.

Der Einzug der Piratenpartei ins Berliner Abgeordnetenhaus führt zu den gleichen Reaktionen wie in den Anfangsjahren der Grünen, nur dass nun die Grünen selber das Maß der Dinge sind. Jörg SUNDERMEIER betont deshalb das Nerd-Image der Partei:

"das postfeministische Profil, mit dem die Piratenpartei sich schmückt, dem präfeministischen Profil der CSU der siebziger Jahre ziemlich ähnelt. Der Nerd ist nicht eben für seine politisch korrekte Haltung bekannt - im Gegenteil, das Konzept, das zuallererst die Gleichberechtigung aller Menschen zum Ziel hat, ist vielen Piraten nichts anderes als fiese Zensur. Ihr Motto: mein Porno gehört mir."

Dummerweise sind die Grünen längst selber eine Partei der Postfeministinnen. Dafür steht insbesondere Katrin GÖRING-ECKARDT. Die Folge: junge, selbstbewusste, kinderlose Karrierefrauen inszenieren sich neuerdings auch in Deutschland als Kinderfreie, was wiederum neubürgerlichen Familienfundamentalisten entgegenkommt.

Der Wahlforscher Matthias JUNG liefert im Tagesspiegel eine wenig überzeugende Analyse ab:

"Wo liegen Unterschiede zu den Anfängen der Grünen vor mehr als dreißig Jahren?
Es gibt ein paar Gemeinsamkeiten. Auch bei den Piraten dominieren junge, besser gebildete Männer. Vergleichbar ist auch die urbane Struktur im alternativen Milieu. Aber die Grünen hatten von Beginn an eine gefestigtere ideologische und politische Position und deckten mit der Ökologie einen breiteren politischen Bereich ab als die Piraten es jetzt tun. Mit ihrem Sammelsurium von allgemeinen politischen Positionen und der sehr starken Fokussierung auf das Web erreichen sie die Breite der Gesellschaft grundsätzlich nicht."

Das Ökologiethema erreichte in den Anfangszeiten der Grünen auch nicht die "Breite der Gesellschaft". Und was heißt eigentlich "Breite der Gesellschaft" angesichts heutiger Wahlbeteiligungen?

"Schräge Typen, keine Frauen, seltsame Forderungen", resümiert Johannes SCHNEIDER im Tagesspiegel. Harald JÄHNER sieht in der Piratenpartei dagegen die Kinder von Marx und Microsoft:

"Es ist die einzige Partei, die auf das Faszinosum des Internets eine andere politische Antwort hat als Misstrauen und Kontrollbedürfnis. Ihr Erfolg rührt daher, dass sie die euphorischen Gesellschaftserfahrungen, die viele mit dem Internet machen, in ein, wenn auch diffuses, politisches Programm überführen."

Damit ist das Problem, das die etablierten Medien und die Politik mit dem Internet haben, umrissen. Solange die etablierten Medien und die Politik in Sachen Internet lediglich eine Politik der Besitzstandwahrung verfolgen, wird die Piratenpartei weiter Zulauf erhalten.

 
   

ALVARES DE SOUZA SOUARES, Philipp (2011): Männer entdecken ihre Vaterrolle.
Engagement für Gleichstellung in Fragen der elterlichen Sorge,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 20.09.

 
   

Pflegereform

ELGER, Katrin (2011): Das Demenz-Dilemma.
Wer einen Alzheimerfall in der Familie hat, ist weitgehend auf sich allein gestellt. Gesundheitsminister Daniel Bahr will zwar noch im September seine Pflegereform vorstellen. Dass sich für die Betroffenen spürbar etwas verbessert, ist jedoch unwahrscheinlich,
in: Spiegel Nr.38 v. 19.09.

HAARHOFF, Heike (2011): "Die Idee ist ein Zukunftsfünfer".
Pflegereform: Demente dürfen mit zwei Milliarden Euro mehr rechnen, sagt CDU-Politiker Jens Spahn - dank steigender Beiträge und fünf Euro monatlich mehr pro Beitragszahler,
in: TAZ v. 19.09.

HAARHOFF, Heike (2011): Auf Kosten der Versicherten.
Übersetzungshilfe: Das Finanzierungskonzept der CDU zur Pflege belastet einseitig die Arbeitnehmer,
in: TAZ v. 19.09.

 
   

Oskar Roehler - Herkunft

DIEZ, Georg & Thomas HÜETLIN (2011): "Da hilft auch keine Therapie".
Der Filmemacher Oskar Roehler, 52, über seinen Roman "Herkunft", in dem er eine verwahrloste Kindheit in der Nachkriegs-BRD beschreibt, den Narzissmus seiner 68er-Eltern und seine Existenz als Außenseiter,
in: Spiegel Nr.38 v. 19.09.

 
       
 

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Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Stand: 07. Oktober 2011