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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 15. - 21. November 2010

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Kinder sind für Hochgebildete kein generelles Karrierehindernis

"Promovierte Frauen verzeichnen nach der Geburt von Kindern nur selten längere Erwerbsunterbrechungen und kehren rasch an den Arbeitsplatz zurück. Ein indirekt negativer Einfluss des Vorhandenseins von Kindern ergibt sich dadurch, dass längere Abwesenheiten vom Arbeitsmarkt und die bei Müttern häufige Teilzeitarbeit Karrierenachteile darstellen. Ein davon unabhängiger eigenständiger negativer Effekt von Kindern auf den beruflichen Erfolg promovierter Frauen ist allerdings nicht erkennbar. Zum Befragungszeitpunkt sind Mütter und Frauen ohne Kinder gleich häufig in Führungspositionen vertreten. Bei promovierten Männern wirkt sich das Vorhandensein von Kindern auf die berufliche Karriere positiv aus: Promovierte Väter generieren ein höheres Einkommen und steigen schneller in Führungspositionen auf. Von Kindern pauschal als Karrierehindernis bei Hochgebildeten zu sprechen, erscheint auf Basis dieser Ergebnisse als nicht gerechtfertigt."
(Frank Schubert & Sonja Engelage "Sind Kinder ein Karrierehindernis für Hochgebildete?", Zeitschrift für Soziologie, Heft 5, Oktober)

 
 
 
Ab sofort finden Sie auf der Website www.single-luege.de einen monatlichen Rückblick auf das Single-Dasein im Spiegel der Medien. Auf einer Seite übersichtlich zusammengefasst und verlinkt.

Den aktuellen Rückblick August 2010 finden Sie hier.

 
       
     
     
   
  • BERNAU, Patrick (2010): Inder sind billiger als Kinder.
    Zuwanderer sind ein gutes Geschäft: Ihre Ausbildung haben andere bezahlt, ihre Arbeitskraft bringt Steuern und Wachstum. So günstig macht es der eigene Nachwuchs nicht. Eine provokante Bilanz,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

 
   
  • STAUN, Harald (2010): Wir Eltern von Prenzlauer Berg.
    War es wirklich nur ein neuer Spielplatz, der am vergangenen Wochenende eröffnet wurde? Und wenn ja: für wen?
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

    • Anmerkungen:
      Für Prenzlauer Berg-Eltern wie Harald STAUN, einem Angehörigen der Lifestyle-Clique Generation Golf sind Kinderspielplätze die neuen Galerien oder Clubs. Es geht dort nicht um die Kinder, sondern um die Eltern. Sehen und gesehen werden! STAUN findet sich dabei besonders cool, denn im Gegensatz zu seiner Nachbarschaft, liest der Medienredakteur NIDO nur zum Lästern, denn das ist die "Fachzeitschrift für orientierungslose Wohlstandseltern".

                  Im individualisierten Milieu ist Distinktion an die Stelle von Analysen getreten. Im Fall STAUN läuft die Abgrenzung des eigenen Lebensentwurfs über Nachbarschaft und Passanten. Das Mittel ist Bescheidwissertum, wie es in den Hochzeiten der Spex noch funktioniert hat. Dumm nur, dass dies im Internetzeitalter keinen Gewinn mehr bringt:
                  "Und zweifellos hätte man, hätte man auf der anderen Seite des Zaunes gestanden, auch mit dem Finger auf die seltsame Versammlung gezeigt, wie es immer wieder die belustigten Passanten taten, die zu alt oder zu jung oder einfach zu kinderlos waren, um daran teilzunehmen. Uns (...) war schon klar, was die da draußen sahen: Sie sahen (...) die Bionade-Eltern vom Prenzlauer Berg, die Bugaboo-Fahrer vom Bötzowviertel, die Witzfiguren aus einem Alexander-Osang-Roman oder aus dem Geo-Artikel über die Hufelandstraße, den wir natürlich auch alle gelesen hatten. Wir wussten, was sie sahen (...).
      Wir alle kannten das irritierende Gefühl sehr gut, mit dem Abziehbild des eigenen Lebensentwurfs konfrontiert zu werden, aber nicht jeden Tag ist es so schwer zu ignorieren. Sogar der Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow kam, guckte und zeigte, das machte die Sache nicht unbedingt leichter".

                  Eines ist klar, so wird das nichts mit mehr Kindern in Deutschland. Vielleicht wäre besser Christiane RÖSINGER vorbeigekommen und hätte gesungen: "Du hast dir deinen Reim und dein Bild gemacht/Dann kommt die Wirklichkeit und sagt: Falsch gedacht!!"

 
   
  • Kristina Schröder contra Alice Schwarzer

    • HARDER, Lydia (2010): Alice und der wunde Punkt.
      Kristina Schröder hat ihn, ganz einfach, getroffen. Und darum wurde Alice Schwarzer persönlich,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

      • Anmerkungen:
        Lydia HARDER kramt nochmals in den 1970er Jahren herum, also in jenen Lila Latzhosen-Zeiten, die weder die einstigen Verfechter noch ihre ehemaligen Gegner verarbeitet haben. In dieser Schlacht gab es offenbar nur Verwundete. HARDER zitiert Claudia PINL, die sich als Urlesbe gegen die Bewegungslesben abgrenzt, Bascha MIKA und Lisa ORTGIES. Fazit: Nichts Neues.

    • KLOEPFER, Inge (2010): Alter Feminismus gegen Neuen Feminismus.
      Frauen haben heute alle Karrierechancen, sagt Kristina Schröder, 33 Jahre. Das lassen die Männer nicht zu, sagt Alice Schwarzer, 67 Jahre. In Deutschland streiten Frauen aus zwei Generationen über den Feminismus,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

      • Anmerkungen:
        Bei Inge KLOEPFER gibt es ein Patt: 3 Frauen stehen für die "Generation Schwarzer" (Alice SCHWARZER, Margarete MITSCHERLICH und Daniela WEBER-REY) und 3 Frauen für die "Generation Schröder" (Kristina SCHRÖDER, Ulrike GANTENBERG und Katrin POLESCHNER)

 
   
  • Moritz von Uslar - Deutschboden

    • WEIDERMANN, Volker (2010): Wir Leute aus Hardrockhausen.
      Moritz von Uslar hat ein Buch über Zehdenick und seine Bewohner geschrieben. Wie sie das finden, hat er bei seiner Lesung erfahren,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

    • BOLLWAHN, Barbara (2010): Furchterregende Wirklichkeit.
      Fremde: Über die ostdeutsche Kleinstadt Zehdenick schrieb Moritz von Uslar sein Buch "Deutschboden". Nicht alle Zehdenicker waren begeistert. Nun las der Autor vor Ort,
      in: TAZ v. 22.11.

    • MEINHOF, Renate (2010): Hallo, ihr Arschjeigen.
      Drei Monate lang hat Moritz von Uslar im Osten gelebt, dann hat er über die "Prolls" geschrieben. Als er jetzt zurückkam, haben die Zehdenicker gelacht - über das Buch und sich selbst,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 22.11.
 
     
   
  • NÜRNBERGER, Christian (2010): Wir müssen reden, Alice.
    Frauenquote, Schwarzer vs. Schröder ... und die Feminismus-Debatte nimmt kein Ende. Dabei ist doch viel interessanter, warum zwar ständig die Geschlechterrollen erschüttert werden, nicht aber die Machtverhältnisse,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.11.
    • Anmerkungen:
      Das Skript nach denen die Geschlechterfragen-Problematik ständig aufs Neue verhandelt wird, stammt in seiner Urform aus dem Buch Risikogesellschaft von Ulrich BECK und funktioniert nach dem altbewährten Dreisatz These - Antithese - Dritter Weg.

                  Diese Geschichten nehmen immer ihren Anfang bei den Radikalfeministinnen, deren Ziel die Vermännlichung der Frau war und dessen Ergebnis nach BECK die "vollmobile Single-Gesellschaft" gewesen wäre.
                  Dieses Szenario hat sich mittlerweile überholt und wird höchstens noch von ewiggestrigen Außenseitern reproduziert. An seine Stelle ist mittlerweile die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die damit verbundene Gefahr der vollmobilen Alleinerziehenden-Gesellschaft bzw. die Einstundenfamilie (Iris RADISCH) getreten.
                  Die Antipoden sind die Verfechter der re-feudalisierten Hausfrauenfamilie. Bekannteste Vertreter dieser Fraktion sind mittlerweile Frank Minimum SCHIRRMACHER und Eva Prinzip HERMAN. In dieses vielfach variierte Schema passt auch der Artikel von Christian NÜRNBERGER, der inzwischen seinen Doppelnamen abgelegt hat, schließlich muss man im individualisierten Milieu immer auf der Höhe der Zeit sein.
                  NÜRNBERGER stilisiert sich zum Veteranen des zwangsbekehrten Nach-Studentenbewegten, die zu spät für die 68er-Bewegung kamen und deshalb zum einen im roten Jahrzehnt landeten und zum anderen mit den frühen Feministinnen aneinander gerieten:
                  "Ich war frisch verliebt in eine Schöne und wollte Romantik, Rotwein, Kerzen, das ganz normale, heiratsanzeigenübliche Mann-Frau-Programm. Die Schöne aber wollte diskutieren. (...). Viele Leidensgenossen meiner Generation machten diese abtörnende Erfahrung."
                  NÜRNBERGER reiht sich mit seiner Veteranengeschichte aus dem Geschlechterkampf ein in die Reinhard MOHR-Jörg LAU-Rainer PARIS u.a. Generation der 78er, deren Parallelgesellschaft das Tod des Märchenprinzen-Biotop war, dem die Ernüchterung des Ganz entspannt im Supermarkt-Biotops folgte: Weder Chauvi noch Softi, sondern Tugend der Orientierungslosigkeit. Während die einen früher oder später beim Antifeminismus landeten, wurde NÜRNBERGER mangels Alternativen zum männlichen Feministen:
                  "Die Ironie der Geschichte aber ist: Während wir Männer mit unserer Weltrevolution jämmerlich scheiterten, zogen die Frauen ihr Ding konsequent durch und haben uns gezeigt, wie man eine Revolution macht."
                  Als Dank darf er seitdem als neuer Vorzeigemann in der SZ und sonstigen Vereinbarkeitspostillen den letzten Schrei dieser wendigen Position verkünden. Mittlerweile ist das eine neoliberalismuskritische  Schutzzonen-Vereinbarkeitsposition, die auch der 7. Familienbericht vertritt.
                  Diese Position wendet sich gegen Alice SCHWARZER mangels symbolkräftigerer Alternativen, meint aber ihre neoliberale F-Klasse-Fortsetzung:
                  "Für Feministinnen scheint es erreicht zu sein, wenn die Hälfte aller Politiker-, Aufsichtsrats- und Vorstandsposten weiblich besetzt sind.
                  Das aber heißt: Die Sklavin will nicht frei werden, sondern Sklavenaufseherin."
                  Der neue Feminismus gilt nicht umsonst als konform mit dem neoliberalen Wirtschaftsmodell:
                  "immer mehr brave, bestens an den Markt angepasste Streberinnen (konkurrieren) mit den anderen Strebern darum (...), ihren Herrinnen und Herren die höchste Rendite abzuliefern."
                  Michel HOUELLEBECQ und die Familie als letztes Bollwerk gegen den Kapitalismus lassen grüßen.
 
   
  • ZYLKA, Regine (2010): Die neuen Mütter Courage,
    in: Berliner Zeitung v. 20.11.
    • Inhalt:
      "
      Anstatt wie Ursula von der Leyen den Eindruck zu vermitteln, "Kinder und Karriere" sei allein eine Frage des Willens oder der Infrastruktur, sollten gerade Politikerinnen zugeben, wie weit solche Vorzeigemodelle von der Lebenswirklichkeit entfernt sind. Je mehr die Mütter an der Spitze dieses Landes so tun, als hätten sie keine Probleme, desto weniger werden junge Paare sich von ihnen vertreten fühlen.
                  Dass es anders geht, hat dieser Tage Andrea Nahles bewiesen. Die Generalsekretärin der SPD, im achten Monat schwanger, hat in beispielloser Offenheit über ihre Sorgen gesprochen und damit viel Resonanz ausgelöst",
      meint Regine ZYLKA. Ansonsten gibt es zum Tagesthema Protokolle zu  Partnerschaft, Betreuung, Wiedereinstieg und Finanzen.
 
     
   
  • Kristina Schröder contra Alice Schwarzer

    • HEIM, Manuela (2010): "Enormes Lebensrisiko".
      Feminismus: Die ehemalige Chefredakteurin der "Emma", Lisa Ortgies, über Feminismus, Partnerschaft - und die verfehlte Politik von CDU-Familienministerin Kristina Schröder,
      in: TAZ v. 18.11.
    • KÜMMEL, Anja (2010): Noch mehr Bio.
      Die Familienministerin erklärt uns, warum Jungs lieber Fußball und Mädchen lieber Ponys und Schmetterlinge mögen,
      in: Jungle World Nr.46 v. 18.11.
    • NIEJAHR, Elisabeth (2010): Reden, nicht Handeln.
      Ministerin ohne Mission: Kristina Schröder (CDU) verbindet forsche Interviews mit einer braven Politik,
      in: Die ZEIT Nr.47 v. 18.11.
 
     
   
  • SCHMITZ, Thorsten (2010): Geschlossene Gesellschaft.
    Immer mehr Reichtum, immer mehr Armut: Die ersten Deutschen mit Geld setzen deshalb jetzt auf Selbsteinzäunung. In den bewachten Wohnanlagen fühlen die Leute sich sicher - wenn nur die doofen Nachbarn nicht wären. Und der Neid,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 18.11.
 
     
     
   
VORGÄNGE-Thema: Wie wir arbeiten werden
  • MANSKE, Alexandra & Norman LUDWIG (2010): Bildung als Statusgarant?
    Über die lose Verbindung zwischen Qualifikation und Status bei Hochqualifizierten,
    in: Vorgänge Nr.191, Heft 3
  • VOß, G. Günter (2010): Auf dem Weg zu einer neuen Verelendung?
    Psychosoziale Folgen der Entgrenzung und Subjektivierung der Arbeit,
    in: Vorgänge Nr.191, Heft 3
 
     
   
  • 2009: 14.000 Geburten mehr als noch im Mai 2010 erwartet

    • PETROPULOS, Kostas (2010): Der Kinderschwund macht sprachlos.
      Demografie: Die Statistik zur Geburtenrate kam vier Monate später als sonst. Und die Familienministerin schweigt über das Thema. Die Politik kapituliert vor der Demografie,
      in: ZEIT Online v. 17.11.
      • Anmerkungen:
        Der nationalkonservative Bevölkerungslobbyist Kostas PETROPULOS verbreitet - wie bereits im Mai - Halbwahrheiten. Die Geburtenrate sackte nicht ab auf den Stand des Jahres 1999, sondern ist höher als im Jahr 2006, also vor Einführung des Elterngeldes, wie man beim Statistischen Bundesamt nachlesen kann.

                    Erfolg oder Misserfolg des Elterngeldes lässt sich auch nicht am gesamtgesellschaftlichen Geburtentrend ablesen, sondern nur am Anstieg der Geburten von Akademikerinnen. Aufgrund der normativen deutschen Bevölkerungsstatistik, die derzeit nur alle 4 Jahre die Geburtenfolge richtig erfasst, gibt es derzeit keine Möglichkeit den Erfolg der qualitativen Bevölkerungspolitik genau festzustellen. Zu welchen gravierenden Fehleinschätzungen die normative Statistik in der Vergangenheit führte, konnte man zuletzt in der FAZ lesen.
 
   
  • WOLF, Naomi (2010): Und plötzlich ist sie eine Heilige.
    Mutter mit Kind, das gilt in den USA heute als hip - vor allem, wenn kein Vater dabei ist. Das Image der alleinerziehenden Frau hat sich gründlich gewandelt,
    in: WELT v. 17.11.
    • Anmerkungen:
      Naomi WOLF erzählt nochmals die Story vom Wertewandel im Hinblick auf alleinerziehende Mütter. Dabei geht es nicht immer um Fakten, sondern eher um Ideologien.

                  WOLF beginnt mit dem verlorenen Wahlkampf der Republikaner gegen Bill CLINTON im Jahr 1992. Aber es wird nicht auf die Gesetzgebung CLINTONS eingegangen, sondern auf die Ideologie der Verlierer, also z.B. auf Dan QUAYLEs Kreuzzug gegen alleinerziehende Mütter. Dazu merkt WOLF an:
                  "Die Botschaft dahinter: Selbstsüchtige, egozentrische Feministinnen (wenn es sich um wohlhabende weiße Frauen handelte) oder unfähige Sozialschmarotzerinnen (im Falle farbiger Frauen mit wenig Geld) stellten ihre eigenen Interessen über die ihrer Kinder. Eine soziologische Studie porträtierte alleinerziehende Mütter als die Urheberinnen von vorwiegend afroamerikanisch geprägter Kriminalität, des Analphabetismus und Drogenmissbrauchs in den Innenstädten."
                  Vor diesem Hintergrund zeichnet WOLF dann den folgenden Wertewandel:
                  "Wie sich die Zeiten geändert haben. So, wie man damals alleinstehende Mütter in irrationaler Weise geißelte, werden sie heute ebenso irrational zu Heiligen stilisiert. In Europa gibt es zwar mehr Alleinerzieherinnen als in den USA, aber typischerweise hat man dort gar nicht so sehr das Bedürfnis, auf die eine oder andere Weise ein moralisches Urteil über sie zu fällen. In der amerikanischen Popkultur dagegen hat sich die alleinstehende Mutter vom egoistischen Yuppie oder der mit Drogen voll gepumpten Schlampe zu einer Frau entwickelt, die lustiger ist als ihre verheirateten Kolleginnen, ein bisschen heldenhafter und gewiss weniger altbacken."
                  Zum einen gilt WOLFs Blick auf Europa ganz gewiss nicht mehr für Deutschland seit zuerst Gunnar HEINSOHN und danach Thilo SARRAZIN wie zuvor schon die US-Amerikaner im CLINTON-Amerika die alleinerziehende Sozialhilfeempfängerin als Sozialschmarotzerin entdeckt haben und die Bundesregierung inzwischen das Elterngeld für diese Gruppe gestrichen hat.
                  Das Bild der alleinerziehenden Mutter ist seitdem bei uns genauso wie in den USA zwei geteilt: zum einen in die Heldinnen der alleinerziehenden Karrieremütter und zum anderen in die unwürdigen alleinerziehenden Sozialhilfemütter.
                  Die Popkultur wie sie von Naomi WOLF beschrieben wird ist im Grunde keine Popkultur, sondern eine Prominentenkultur, die vor allem aus Hollywood-Schauspielerinnen besteht und das Thema der Boulevardmedien ist.
                  Des Weiteren findet man bei WOLF eine Umdeutung der Heiratsengpass-Story von Susan FALUDI ("Backlash"). Man könnte fälschlicherweise meinen, der Newsweek-Titel auf den sich WOLF bezieht, wäre erst in den 1990er Jahren erschienen, aber er erschien bereits 1986:
                  "Die Glorifizierung alleinstehender Mütter steht für einen kollektiven Frust der amerikanischen Frauen - und jener Frauen, die in den Mainstream-Medien Entscheidungen treffen. In den 90er-Jahren zeichnete man ein erniedrigendes Bild dieser Frauen (...).
      (...).
      Dann aber wurde die Frauen stark genug, um sich gemeinsam gegen den hohen sozialen Wert eines Heiratsantrags zu stellen. Zunehmend erkannten Frauen, dass sie arbeiten und gleichzeitig eine Familie haben könnten - und dass dies sogar durchaus klappen könnte."

                  Während Susan FALUDI den Heiratsengpass für alleinlebende und kinderlose Karrierefrauen zurückwies, geht es WOLF dagegen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hierin zeigt sich der in den 1990er Jahren vollzogene Wertewandel hin zu Familienwerten und der Unterschied zwischen Gleichheitsfeministinnen wie FALUDI und Differenz- bzw. Postfeministinnen wie WOLF. Im Übrigen widerrief Newsweek erst im Jahr 2006 die Heiratsengpass-Story.
 
   
  • LUFT, Stefan (2010): Einwanderung ohne Steuerung.
    Viele Versäumnisse in den vergangenen Jahrzehnten haben dazu beigetragen, dass die Integration von Ausländern in Deutschland oft nicht gelingt. Nach der Anwerbung von "Gastarbeitern" ist der Staat nicht in der Lage gewesen, den Zuzug von Familienangehörigen oder die Aufnahme von Asylbewerbern zu begrenzen. Noch schwerer ist es, Menschen zurückzuschicken, die sich nicht legal im Land aufhalten,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.11.
 
   
  • BRÖNSTRUP, Carsten (2010): Kampf der Studien.
    Deutschland hat genug Fachkräfte, haben Ökonomen des DIW herausgefunden. Doch ihre Erkenntnisse veröffentlicht dürfen nicht erscheinen. Institutschef Klaus Zimmermann legte sein Veto ein,
    in: Tagesspiegel v. 17.11.

 
     
     
     
     
   
  • KREYE, Andrian (2010): Und ewig lockt der Elefant.
    Der Kulturkampf kommt der Politik gelegen, um Themen anzusprechen, an denen sie nichts ändern kann,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.

 
     
   
Aus Politik und Zeitgeschichte-Thema: Anerkennung, Teilhabe, Integration
  • FOROUTAN, Naika (2010): Neue Deutsche, Postmigranten und Bindungs-Identitäten. Wer gehört zum neuen Deutschland?
    in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.46-47 v. 15.11.

    • Inhalt:
      "Deutschland ist nach der »Sarrazin-Debatte« ein gespaltenes Land. Aber die Trennlinie verläuft nur oberflächlich zwischen »den Muslimen« und »dem Rest« und nur temporär zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und jenen ohne. Die Trennlinie verläuft zwischen den »alten« und den »neuen« Deutschen und ihrer jeweiligen Vision von der Zukunft ihres Landes. Es sind zwei unterschiedliche Vorstellungen von Deutschland, die hier aufeinanderprallen. Das neue Deutschland wird sich in der Zukunft nicht mehr durch Herkunft, Genetik und Abstammungsstrukturen definieren können – dies erlaubt schon der demografische Wandel nicht mehr. Es wird sich trotzdem nicht abschaffen – es wird nur ethnisch und kulturell vielfältiger sein. Und Deutschsein gilt dann als Chiffre für die Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Land", meint FOROUTAN.

 
     
     
   
  • KREUZMAIR, Elias (2010): Avantgarde und Ausverkauf.
    Gentrification: Der südöstlich des Münchner Zentrums gelegene Stadtteil Giesing ist zum Zankapfel der Debatte über die Stadterneuerung geworden,
    in: TAZ v. 15.11.

    • Inhalt:
      "In Giesing wiederholt sich, was Hamburg mit dem Schanzenviertel bereits erlebt hat und Berlin mit Prenzlauer Berg. Auch in München ist das Phänomen der Gentrifizierung aber kein neues. In den Achtziger Jahren war es Haidhausen, in den Neunzigern war es das Glockenbachviertel, das vom In-Viertel zum Ort für Szenetouristen wurde. Die citynahen Stadtteile Schwabing und Maxvorstadt erfahren schon seit den sechziger Jahren immer wieder Wellen der »Aufwertung«, auch im Moment hängen vielerorts Banner von Immobilienfirmen, die Luxusapartments in bester Lage versprechen, sobald das Gerüst hinter dem Banner abgebaut ist. Jetzt also Giesing", meint KREUZMAIR.

 
   
  • HOFMANN, Niklas (2010): Gemeinsam einsam.
    Seit der Filmkritiker Roger Ebert an Kehlkopfkrebs erkrankte, kann er nicht mehr im Fernsehen auftreten. In seinem Blog macht er sich Gedanken über das Alleinsein im Internet,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.11.

 
     
   
  • Das Single-Dasein in Japan

    • WAGNER, Wieland (2010): "Dann geht Nippon unter".
      Das Wunderland der siebziger und achtziger Jahre verzweifelt an seiner Dauerkrise. Jobs werden abgebaut, Renten gekürzt, Firmen wandern ab. Auch der Zusammenhalt der Generationen löst sich auf,
      in: Spiegel Nr.46 v. 15.11.

      • Anmerkungen:
        Beim SPIEGEL gibt es eine wundersame Vermehrung der über Hundertjährigen in Japan. WAGNER schreibt:

                    "Nach einer eiligen Überprüfung fand die Regierung heraus, dass im ganzen Inselreich mehr als 234 000 über Hundertjährige verschollen und vermutlich längst verstorben sind."
                    Noch im August meldete Spiegel Online und auch andere Zeitungen dagegen:
                    "Japan ist bekannt für seine extrem hohe Lebenserwartung. Im vergangenen September gab es im ganzen Land rund 40.000 Menschen, die mehr als hundert Jahre alt waren."
                    Davon wurden gerade einmal rund 200 Menschen vermisst. Wie bitte können eigentlich 234.000 über Hundertjährige verschollen sein, wenn es im ganzen Land gerade einmal 40.000 über Hundertjährige gibt? Die hohe Zahl wurde offenbar von der Agentur APA verbreitet. So liest man bereits im September von über 230.000 vermissten Menschen.
                    Der Spiegel berichtete 1986, dass in Japan 1963 erst 153 über Hundertjährige lebten und sich diese Zahl bis 1986 auf 1851 erhöhte. In der FAZ kann man bei Petra KOLONKO nachlesen wie rasant die Anzahl in den letzten Jahren gestiegen ist:
                    "Die Zahl der Über-Hundertjährigen ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen. Im Jahr 2003 waren es nur 20.000, 2007 waren es 30.000, und 2009 wurden schon 40.399 Hochbetagte gezählt. Die staatliche Rentenkasse scheint diesen Zahlen nun nicht mehr zu trauen – und hat eine Untersuchung in Auftrag geben."
                    Die 234.000 über Hundertjährigen, die jetzt in den Melderegistern gefunden sein sollen würden eigentlich diese jemals in Japan gelebten über Hundertjährigen übersteigen. Der Zahl von 234.000 kommt man näher, wenn man bei Petra KOLONKO weiterliest:
                    "Vielleicht ist aber auch die Klage über den Verfall der sozialer Bande zu übertrieben, wenn sich als Trend bestätigt, was jetzt an behördlicher Schlamperei aus Osaka bekannt wurde. Dort musste die Stadtverwaltung zugeben, dass 5125 Personen, die jetzt über 125 Jahre alt wären, noch in den Melderegistern geführt werden. Unter ihnen sei ein Mann, der im Jahr 1857 geboren wurde."
                    Rechnet man diese Zahl für die Stadt Osaka auf Japan hoch, dann kommt man auf solche Zahlen. Aber offenbar stammen doch die Daten über die lebenden über Hundertjährigen aus ganz anderen Quellen als die 234.000 Vermissten aus den Melderegistern. Wir hätten es dann mit zwei verschiedenen Sachverhalten zu tun, die in den Artikeln vermengt werden.
                    Was soll also mit der hohen Zahl suggeriert werden? Zumal die Datenlage auch noch mit kriminellen Fallbeispielen vermischt wird. Existieren in Japan so viele über Hundertjährige, weil ihre Angehörigen weiter Rente kassieren möchten und deshalb den Tod verschweigen? Haben sich die Alten nach Unbekannt zurückgezogen? Oder ist die Anzahl der 40.000 aufgrund fehlerhafter statistischer Dokumentation überhöht? Die Berichte über die Hochbetagten in Japan bringen letztendlich wenig Licht in dieses Dunkel.

 
   

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Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Stand: 17. Dezember 2010