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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 22. - 24. August 2017: [22.08.] [23.08.] [24.08.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Wandel der Umverteilungsnorm in der Sozialversicherung

"Die veränderte Balance zwischen Versicherungsprinzip und Solidarprinzip im Bereich der Sozialversicherung, die nur rhetorische Abkehr von der Ehezentrierung bei gleichzeitiger Stärkung der Erwerbsarbeitszentrierung und der Anerkennung von Familienarbeit sowie die Ausdifferenzierung des Fürsorgeprinzips bei gleichzeitiger Priorisierung der Aktivierungslogik kennzeichnen den Wandel der Umverteilungsnormen in der deutschen Sozialpolitik. Der Staat zieht sich aus der kollektiv organisierten Solidarität ein Stück weit zurück: nicht nur durch die Privatisierung von sozialen Risiken (in der Alters- und Pflegevorsorge, der PKV und der Berufsunfähigkeitsversicherung), sondern auch durch die Implementierung des Modells der allgemeinen Erwerbstätigkeit für alle Erwerbsfähigen und das Aktivierungsparadigma. Der Markt gewinnt als Ort der selbstverantworteten Wohlfahrtsproduktion an Bedeutung und damit auch die erwerbsarbeitszentrierte Leistungsgerechtigkeit. Dies ist zum einen ein Paradoxon, da die strukturellen Ausschlüsse vom Erwerbsarbeitsmarkt zunehmen, und hat zum anderen Auswirkungen auf soziale Ungleichheitsstrukturen: Eigenverantwortliches (Vorsorge-)Handeln ist nicht allen in gleicher Weise möglich, wird aber von allen in gleicher Weise eingefordert. Nach dem Bedarfsprinzip solidarisch geschützt werden nur noch die Alten und die Erwerbsunfähigen, und auch das nur auf Grundsicherungsniveau."
(Sigrid Leitner "Leistungs- und Bedarfsgerechtigkeit im Sozialstaat. Umverteilungsnorm im Wandel", in: Brigitte Aulenbacher u.a. (Hrsg.)(2017) Leistung und Gerechtigkeit. Das umstrittene Versprechen des Kapitalismus, Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S.115 )

 
       
       
   

24.08.2017

 
       
   

KRAMPITZ, Karsten (2017): Andere Wende.
Essay: Die DDR-Geschichte wird noch immer so erzählt, dass sich neun von zehn Menschen nicht darin wiederfinden. Wie lebten sie? Eine Erinnerung,
in: Freitag Nr.34
v. 24.08.

 
       
   

SCHACK, Ramon (2017): "Wo liegt denn Lichtenhagen?"
Rostock, 25 Jahre später - Ein Stimmungsbild,
in:
Telepolis v. 24.08.

Öder Gedenktag-Journalismus beherrscht dieser Tage die Mainstreamzeitungen, wenn es um Rostock-Lichtenhagen geht. Nichts zeigt jedoch die fehlende Aufarbeitung mehr, als die selbstentlarvende Reportage von Ramon SCHACK. Lässt man die Ideologie beiseite, dann wird nur eines deutlich: ein Nebeneinanderher von zwei Parallelwelten, in der die unüberwindbare Spaltung dieser Republik sichtbar wird:

"Plattenbauten, bisweilen aufwendig saniert, neben Einfamilienhäusern. Eigentlich eine anständige Wohngegend, auf dem ersten Blick, vielleicht mit einem Touch zum Spießbürgerlichen, kommt es dem Besucher in den Sinn. Nach einem sozialen Brennpunkt schaut es auf jeden Fall hier nicht aus. (...). Heute scheinen die meisten Anwohner von Lichtenhagen im Rentenalter. Über die damaligen Ereignisse möchte man nicht mehr sprechen.
(...).
Die Kröpeliner-Tor-Vorstadt, kurz (KTV), scheint Lichtjahre von Lichtenhagen entfernt. Dabei sind beide Stadtteile nur wenige Kilometer voneinander gelegen. Wenn Lichtenhagen die Vergangenheit der Hansestadt repräsentiert, dann ist KTV die Zukunft.
Nirgendwo ist Rostock jünger, bunter, akademischer, als hier. Die Straßenbahn schlängelt sich durch die von Altbauten geprägten Straßenzüge. Bioläden und asiatische Restaurants neben levantinischen Kleinhändlern. Dazwischen junge Menschen mit Dreadlocks, Studenten an Caféhaustischen. Die Atmosphäre erinnert ein wenig an das Schanzenviertel in Hamburg oder an Kreuzkölln in Berlin. (...).
Die Skandinavistikstudentin sitzt zusammen mit ihrem Kommilitonen Tom aus Hamburg. »Rostock ist für mich wie ein kleines Hamburg!«, findet der junge Mann. »Nur die Entfernungen sind nicht so groß!«
Auf die Ereignisse von Lichtenhagen 1992 angesprochen, die sich dieser Tage jähren, schauen die beiden Jungakademiker ihren Gesprächspartner verständnislos an.
»1992??«, fragen sie, als handele es sich um ein vorsinflutliches Datum. Und dann weiter: »Wo liegt denn Lichtenhagen?«

 
       
   

NAHLES, Andrea (2017): "Vollbeschäftigung fällt nicht vom Himmel".
Die Arbeitsministerin über neue soziale Wohltaten, den Einlull-Wahlkampf der CDU und ihren Streit ums Geld mit dem Finanzminister,
in: Handelsblatt
v. 24.08.

Andrea NAHLES erklärt im Interview, dass es mit der SPD keinen Koalitionsvertrag geben wird, ohne eine Stabilisierung des Rentenniveaus. Auch wird es keine Erhöhung des Renteneintrittsalters geben. Man wird NAHLES beim Wort nehmen, falls die SPD an der Regierung bleibt. Das gilt sowieso nur für die nächste Legislaturperiode - danach muss sich die SPD nicht mehr gebunden fühlen!

 
       
   

BLANK, Florian (2017): Das Rentenniveau in der Diskussion,
in: Policy Brief
WSI Nr.13 v. 24.08.

"Die Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus ist kein Instrument zur Bekämpfung von Altersarmut. Dennoch wird Altersarmut durch solch eine Maßnahme reduziert und bildet damit die Grundlage einer zielgenauen Unterstützung von Risikogruppen" (S.2),

heißt es bei Florian BLANK vom WSI der Hans-Böckler-Stiftung. Arbeitgebernahe Lobbyisten unterstellen dagegen den Gewerkschaften, dass diese allein mit der Stabilisierung des Rentenniveaus die Altersarmut bekämpfen wollen. Stattdessen zielt die Maßnahme auf etwas anderes ab:

"Eine Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus ist dringend geboten, um für alle Einkommensgruppen die Lohnersatzfunktion der Renten und damit die Legitimität der Rentenversicherung sicherzustellen." (S.2)

Angesichts der desolaten Lage der kapitalgedeckten Altersvorsorge, die ihre Aufgabe aufgrund des herrschenden Finanzkapitalismus nicht erfüllen kann, ist die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung die einzige sinnvolle Alternative für Schlechterverdienende, die sich eine Auslieferung an die Kapitalmärkte nicht leisten können.

 
       
   

NEUES DEUTSCHLAND-Politikthema: Bundestagswahl.
Das Rentenniveau sinkt, das Renteneintrittsalter steigt, durch Niedriglöhne und Teilzeit droht vielen Menschen Altersarmut. Trotz der vielfältigen Probleme spielt das Thema im Bundstagswahlkampf nur bei einem kleinen Teil der Parteien überhaupt eine Rolle

LASCH, Hendrik (2017): Niedriglohn verdirbt die Rente.
Der DGB Sachsen-Anhalt warnt in einer Studie vor gravierender Altersarmut,
in:
Neues Deutschland v. 24.08.

BUNZENTHAL, Roland (2017): Linke Parteien für Bürgerversicherung.
SPD, Grüne und Linke wollen die gesetzliche Rente mit Steuermitteln stärken. CDU und FDP hingegen könnten in einer gemeinsamen Koalition das Eintrittsalter erhöhen,
in:
Neues Deutschland v. 24.08.

"Die Union könnte den Plan verfolgen, mit der Reputation von Experten im Rücken rechtzeitig vor der übernächsten Wahl im Jahr 2021 den Wählern die Rente mit 70 aufzudrücken",

erklärt uns Roland BUNZENTHAL zur CDU/CSU. Die neoliberale Klientelpartei FDP muss dagegen keine Rücksichten nehmen, und plädiert für die Rente ab 60, die jedoch einen großen Haken hat:

"Bedingung soll sein, dass die Rente trotz fälliger Abschläge von 3,t Prozent pro vorgezogenem Ruhestandsjahr immer noch über dem Grundsicherungsniveau liegt. Ist das jedoch nicht der Falle, müssten Erwerbstätige bis 70 arbeiten."

Das ist eine unverhohlene Umverteilung von Arm zu Reich! Die nationalliberale AfD setzt auf Mütterrente - oder anders ausgedrückt: Rente nach Kinderzahl!    

 
       
   

SUSTR, Nicolas (2017): Dreikampf im Szenekiez.
Die Grünen müssen in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg nicht erste Wahl bleiben,
in:
Neues Deutschland v. 24.08.

Nicolas SUSTR stellt die Direktkandidaten des Berliner Bundestagswahlkreis 83 vor, die das Erbe des ausscheidenden Grünen-Politikers Hans-Christian STRÖBELE beerben wollen:

"Cansel Kiziltepe, Canan Bayram und Pascal Meiser sind die Direktkandidaten von SPD, Grünen und Linken für den Bundestagswahlkreis 83 Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost, besser bekannt als Ströbele-Wahlkreis. Viermal seit 2002 gewann Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele hier das Direktmandat. (...) Ohne den Charismatiker scheint das Renen (...) offen. Bei den Zweitstimmen führte die Linkspartei bei der Bundestagswahl 2013 bereits mit 25,1 Prozent vor SPD (24 Prozent) und Grünen (20,8 Prozent)."

Die Grünen-Kandidatin BAYRAN wird von STRÖBELE unterstützt und grenzt sich gegen Schwarz-Grün ab.

"(I)hr Einzug in den Bundestag ist nicht über die Landesliste abgesichert. Als Abgeordnetenhausmitglied hätte sie aber weiterhin ein politisches Mandat",

berichtet SUSTR. Der Wahlkreis ist heterogen, sodass die Wählerschaft im Gebiet unterschiedliche Parteipräferenzen auszeichnet. SUSTR sieht das Rennen als offen an:

"Eine aktuelle Auswertung von »Wahlkreisprognose.de« sagt: 26,5 Prozent der Wähler würden mit der Erststimme für Bayram stimmen, 24 Prozent für Meiser. Kiziltepe käme auf 21,5 Prozent. Ein bisschen Aufmischen könnte alles der Comedian Serdan Somuncu. Der Direktkandidat der satirischen Partei käme angeblich auf sechs Prozent."

Das Sonderheft Wahlbewerber gibt für den Berliner Wahlbezirk 083 18 Kandidaten an. Pascal MEISER und KIZILTEPE sind jeweils noch durch die Landesliste abgesichert (MEISER: Platz 4; KIZILTEPE: Platz 3). Bei der Bundestagswahl 2013 hat bei der Linkspartei Platz 6 gereicht. Bei der SPD ist KIZILTEPE noch komfortabler abgesichert, wenn es im Wahlkreis nicht klappt.  

 
       
   

GENTRUP, Anna (2017): Knapp bei Kasse.
Können Versicherte ihre Beiträge nicht bezahlen, sollten sie nicht überstürzt handeln,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.08.

Was passiert, wenn jemand sich eine private Altersvorsorge nicht mehr leisten kann, weil ein finanzieller Engpass besteht? Die neoliberale Strategie ist klar: Zuerst alle anderen Optionen ausschöpfen, bevor auf die Altersvorsorge zugegriffen werden soll. Die Lebensversicherer seien kulant und helfen aus der Patsche verspricht Anna GENTRUP. Die Hilfe ist jedoch teuer, denn Lebensversicherer sind keine Samariter, sondern ziehen auch aus den Notlagen ihre Profite.

Wer kündigt steht im deutschen Recht auf verlorenen Posten, denn das schützt nicht die Verbraucher, sondern die Lebensversicherer. Die Alternative sind Zweitverwerter, die Policen zurückkaufen. Diese kalkulieren so, dass minimale Anreize gegenüber der Kündigung bestehen, sie dennoch noch gute Profite machen.

Fazit: Wer sich die private Altersvorsorge wegen finanzieller Probleme nicht leisten kann, wird doppelt abgezockt. Die Finanzdienstleister stehen immer auf der Gewinnerseite! 

 
       
   

FROMME, Herbert (2017): Generali? Aachen Münchener? Oder beides?.
Der italienische Versicherer Generali ringt um seinen künftigen Auftritt im wichtigen deutschen Markt. Die Marke Aachen Münchener steht auf dem Prüfstand. Der verschachtelte Konzern will seine Struktur bereinigen. Offen ist, unter welcher Flagge er dann segeln wird,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.08.

 
       
   

LEUBECHER, Marcel (2017): So rasant wird Deutschland zur Migrationsgesellschaft.
Der Mikrozensus zeigt das Wachstum der Bevölkerung mit ausländischen Wurzeln. Die Zahl der sogenannten Herkunftsdeutschen sinkt hingegen seit Jahren,
in:
Welt v. 24.08.

Marcel LEUBECHER bedient in der Welt den rechten Rand der besorgten Leserschaft. Was von Neurechten als autochthone Bevölkerung bezeichnet wird, das heißt bei LEUBECHER eingedeutscht "herkunftsdeutsche Bevölkerung" als Gegenteil zur "Bevölkerung mit ausländischen Wurzeln".

"In Frankfurt am Main liegt der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund laut einer Studie schon heute bei 51 Prozent, bei den Kindern unter 15 Jahren sind es 69 Prozent",

verkündet uns LEUBECHER. In der FAZ Online vom 26.06.2017 heißt es dagegen:

"Wie viele genau ausländische Wurzeln haben, hängt von der Definition und der Datengrundlage ab. Laut Melderegister lag der Anteil zuletzt bei 51,2 Prozent und damit erstmals über der 50-Prozent-Marke, wie Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) am Montag sagte. Geht es nach dem Mikrozensus liegt der Anteil nur bei 44,7 Prozent."

Eine genaue Definition kann es allein schon deswegen nicht geben, weil es dazu keine Datengrundlage gibt, die lange genug zurückreicht. So mancher, der sich als heute noch als Einheimischer fühlt, könnte schnell auf der anderen Seite stehen! Definitionen sind eine Frage der Herrschaft und können sich von heute auf morgen ändern! 

 
       
   

AGARWALA, Anant (2017): Die Welt ist ein Dorf.
Jung und Alte, Eingewanderte und Eingesessene - mitten auf einem Acker in Niedersachsen wollen sie gemeinsam die Nachbarschaft der Zukunft errichten und stoßen dabei auf Hindernisse. Ist die Utopie stark genug, um wahr zu werden?
in:
Die ZEIT Nr.35 v. 24.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

LILL, Felix (2017): Häng bloß nicht zu Hause rum.
In kaum einem wohlhabenden Land arbeiten so viele Senioren wie in Japan. Geld und Ethos spielen eine Rolle - und die Ehefrau,
in:
Die ZEIT Nr.35 v. 24.08.

Über kaum ein Land gehen die Meinungen derart weit auseinander wie über Japan. Den einen ist Japan Warnung, den anderen Musterland. Und nicht selten ändert sich die Perspektive in Konjunkturzyklen der Berichterstattung zum demografischen Wandel. Felix LILL verkauft uns heute Japan als neoliberales Musterland:

"Der durchschnittliche japanische Arbeitnehmer geht mit 69 Jahren in den Ruhestand, neun Jahre nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters. Damit ist Japan völlig untypisch in de reichen Welt, wo sich über die vergangenen Jahrzehnte eher das Prinzip der Frühverrentung durchgesetzt hat. In Deutschland verabschieden sich die Menschen im Schnitt mit 63 Jahren aus dem Berufsleben, also rund zwei Jahre vor dem offiziellen, schrittweise steigenden Rentenalter. In Österreich macht man sogar drei Jahre eher Schluss. Auch in den USA arbeiten die meisten Menschen nicht länger als für den Bezug der Rente nötig.
Man könnte Japan sogar das Musterland für »lebenslanges Lernen« nennen - jenen Lebensstil, den all die internationalen Institutionen von EU über Unesco bis OECD seit Jahrzehnten predigen. Denn (...) das entlastet die Rentenkassen. Insbesondere in Japan ist das wichtig. Mittlerweile ist dort gut ein Viertel der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Bis 2050 wird der Anteil voraussichtlich bei 40 Prozent liegen. 65.000 Menschen im Land sind sogar 100 Jahre oder älter. Damit ist Japan das Land mit der ältesten Bevölkerung weltweit. (...).
Durch die niedrige Geburtenrate und die sehr geringe Immigration ist die Arbeitsbevölkerung seit Ende der 1990er Jahre von ihrem Höchststand, 67 Millionen, schon um zwei Millionen geschrumpft. Wenn sich die heutigen Trends fortsetzen, werden es 2030 nur noch 56 Millionen sein",

schildert LILL die Situation in Japan. Der Leser wird mit Zahlen gefüttert, die wenig aussagekräftig sind. Dies gilt für alle Artikel in den Mainstreamzeitungen, die zu Japan in den letzten Jahrzehnten erschienen sind. Sie beschränken sich auf Suggestionen, die sich aus der deutschen Debatte um den demografischen Wandel ergeben. Über das Alterssicherungssystem in Japan wird dagegen nur insoweit berichtet wie es dem neoliberalen Zeitgeist hierzulande in die schönfärberische Argumentation passt.

LILL beschreibt Japan als "Land des gesunden Alterns", das nicht zufällig identisch ist mit den Vorstellungen unserer neoliberalen Eliten zu den fitten "Alten":

"Getrost kann man Japan das Land des gesunden Alterns nennen: Die Senioren von heute helfen ihren Kindern als Babysitter, organisieren sich in Nachbarschaftsverbänden und gewinnen Seniorenweltmeisterschaften in der Leichathletik. (...).
Von 34 Millionen Rentnern haben 12, 6 Millionen einen Job."

Warum das Renteneintrittsalter so niedrig liegt, das erschließt sich aus der folgenden Passage:

"Betriebe (sind) froh, wenn sie die teuersten mit sechzig erst mal verabschieden dürfen. Wer dann erneut eingestellt werden will, muss deutlich schlechtere Konditionen akzeptieren."

Solange also genügend Rentner - ob freiwillig wie der Artikel suggeriert oder gezwungen - als Rentner weiterarbeiten, ist eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalter gar nicht notwendig. Das niedrige Renteneintrittsalter ist in dieser Sicht also durchaus funktional!

Aber in Japan hat sich die Arbeitskultur, die LILL beschreibt längst geändert, sodass die verklärte Sicht von LILL zukünftig keinen Bestand mehr haben wird. LILL beschreibt also ein Auslaufmodell als ob es eine Vision für die Zukunft wäre.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

NZZ (2017): Guter Kompromiss oder ungerechte Verschlimmbesserung?
Die Nationalrätinnen Ruth Humbel (cvp.) und Regine Sauter (fdp.) streiten über die Rentenreform
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 24.08.

Die Wirtschaftsredaktion ist strikt gegen die Rentenreform, weshalb die Schlagzeile lediglich eine rhetorische Frage ist. Ruth HUMBEL (CVP) befürwortet die Rentenreform, Regine SAUTER (FDP) gehört zu den Gegnern der Rentenreform.

 
       
   

23.08.2017

 
       
   

STATISTISCHES LANDESAMT BW (2017): Aussicht auf Trendwende der Schülerzahlen verfestigt sich.
Statistisches Landesamt veröffentlicht aktualisierte Vorausrechnung zur Entwicklung der Schüler- und Schulabgängerzahlen bis 2025,
in: Pressemitteilung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg v. 23.08.

 
       
   

Michael Hartmann - Die globale Wirtschaftselite

PFEIFFER, Hermannus (2017): Zuhause ist es doch am schönsten.
Globalisierung? Für sich will die Wirtschaftselite davon nichts wissen,
in:
Neues Deutschland v. 23.08.

 
       
   

SCHWARZER, Jessica (2017): Misstrauen ist eine gute Sache.
HB-Serie 10 Jahre Finanzkrise: Die Finanzkrise hat nicht nur das globale Wirtschaftssystem ins Wanken gebracht. Das große Beben an den Märkten brachte auch erschütternde Fälle von Falschberatung und Ahnungslosigkeit ans Licht,
in:
Handelsblatt v. 23.08.

Jessica SCHWARZER stellt uns die "Lehman-Oma" als "Prototyp des geprellten, weil falsch beratenen Anlegers" vor. Der Artikel ist nicht wirklich weiterführend, weil das Grundproblem ausgeklammert bleibt: Die vorgeschlagenen Schutzmechanismen (Beratungsprotokolle, Produktinformationsblätter und diversifizierte, bedarfsgerechte Portfolios) täuschen allesamt darüber hinweg, dass man sich die private Altersvorsorge erst einmal leisten können muss. Die private Altersvorsorge ist nicht in der Lage die Lücke zu schließen, die durch die Rentenreformen gerissen wurde. Lebensstandardsicherung kann diese Form der Altersvorsorge nicht leisten, weil die Kapitalmarktrisiken bestehen. Nur wer sich Verluste leisten kann, kann durch Streuung bzw. Diversifizierung allzu hohe Verluste vermeiden, nicht jedoch Geringverdiener, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen. 

SCHWARZER, Jessica (2017): "Die »Lehman-Oma« kann es wieder geben.
HB-Serie 10 Jahre Finanzkrise: Niels Nauhauser: Der Verbraucherschützer über geprellte Anleger, schlechte Beratung und falsche Anreize,
in:
Handelsblatt v. 23.08.

 
       
   

PICHLER, Roland (2017): Die große Unbekannte: das Rentenniveau.
StZ-Serie zur Wahl: Wie soll das Land künftig aussehen? Heute: Mit welcher Rente können wir rechnen?
in:
Stuttgarter Zeitung v. 23.08.

Roland PICHLER vertritt die stramm neoliberale Linie, d.h. die gesetzliche Rente ist zu schwächen und stattdessen soll die private Altersvorsorge (genannt wird nur die Riester-Rente) die Lücke füllen. Dazu wird uns die neoliberale Sicht auf das Rentenniveau vermittelt.

 
       
   

KAISER, Tobias (2017): Milliarden für unnötige Investitionen.
Wie viel Kommunen für Straßen oder Schulen ausgeben, hängt von der Kassenlage ab. Die Bevölkerungsentwicklung spielt keine Rolle,
in:
Welt v. 23.08.

Tobias KAISER berichtet über eine unveröffentlichte Studie des IWH, die bemängelt, dass kommunale Investitionen zu wenig an Bevölkerungsvorausberechnungen ausgerichtet sind.

"(E)ine Straße, die heute gebaut wird, hält 20 Jahre lang. Selbst wenn deren Bau heute nötig scheint, kann es sein, dass in der Gegend in zehn Jahren niemand mehr wohnt, und unter dieser Voraussetzung ist die Straße völliger Irrsinn",

wird der Studienautor Reint GROPP zitiert. Dass sich die Entleerung eines Gebiets innerhalb von nur 10 Jahren vollzieht ist eher unrealistisch, realistischer ist dagegen, dass die Bevölkerungsvorausberechnungen daneben liegen oder von Politikern ignoriert werden, weil sie der Politik widersprechen. So wurde der jetzige Geburtenanstieg in Deutschland, der sich bereits vor langer Zeit ankündigte, so lange ignoriert, dass nun im Grundschulbereich - und nicht nur dort - Kapazitätsprobleme entstanden sind.   

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Arbeitnehmer verlieren Abstiegsangst.
Wahlkampfdebatten über Armut und Ungleichheit zeichnen ein düsteres Bild der sozialen Lage. Doch immer mehr Menschen sehen das anders. Abstiegsängste sind auf dem Rückzug,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

Im Kampf um die Definitionsmacht über die Stimmungslage in Deutschland hat Dietrich CREUTZBURG bereits vor fast zwei Wochen das Aufstiegsglück entdeckt. Je näher der Wahltermin rückt, desto mehr muss die Stimmungslage gut sein, denn dies nützt Schwarz-Gelb. Vor allem FDP-Wähler haben eine rosa Brille auf, denn schließlich gehören sie zu den Spitzenverdienern unter den Wählern. Man sollte in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass Journalisten schnell zum Wutbürger werden können, sollte ihr eigener Arbeitsplatz wie Anfang des Jahrtausends bedroht sein. Damals durften fast täglich Edelfedern das Motto verbreiten, dass die Stimmung besser sei als die Lage. Die Generation Golf wurde ruckzuck zur verlorenen Generation stilisiert und ehrenwerte Gentlemen riefen die Bürger auf die Barrikaden. Heute dagegen sitzt die verlorene Generation an den Schalthebeln der Mediengesellschaft und verordnet uns pünktlich zur Bundestagswahl das Aufstiegsglück.

Fazit: Nichts ist so trügerisch wie die medial inszenierte Stimmungslage in Deutschland!  

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2017): Weniger Vorsorge für Pensionäre.
In Wahljahren legen die Länder weniger in Fonds zurück,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

Kerstin SCHWENN berichtet im Artikel zum Überblick über die Beamten-Pensionsfonds der Länder zwar über eine "signifikante Korrelation" zwischen Haushaltsdefiziten und Zuführungen an die Pensionsfonds (und zwar auf niedrigem Niveau!), aber nicht über solche signifikante Zusammenhänge in Verbindung mit Wahlterminen. Hier spricht sie lediglich von "negativen Zusammenhängen", d.h. es geht hier im Grunde um reine Vermutungen, aber nicht um wissenschaftlich belegte Zusammenhänge.

Fazit: Der Gag mit den Wahljahren ist der Ökonomie der Aufmerksamkeit geschuldet! Wer würde sonst einen solchen Artikel auch lesen?

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2017): Gutverdiener kommen bei der SPD nicht gut weg.
Wirtschaftsrat: Steuererhöhungen nicht nötig angesichts Steuermehreinnahmen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

Kerstin SCHWENN präsentiert den FAZ-Lesern die Handelsblatt-Titelgeschichte vom Vortag.

 
       
   

KÖCHER, Renate (2017): Unschlüssige Wähler.
Warum viele Bürger die Bundestagswahl für schon entschieden halten - und warum das nicht der Fall ist,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

Der Super-Gau wäre, wenn die Wähler der Meinung sind, die Wahl wäre gelaufen und auf ihre Stimme käme es nicht mehr an, weshalb der Artikel Wählermobilisierung betreibt. Schwarz-Gelb wird vorne gesehen, wird jedoch bedroht gesehen durch die Optionen Große Koalition bzw. Jamaika.

 
       
   

Die Publikation Sonderheft Wahlbewerber des Bundeswahlleiters in den Medien

BRAUN, Stefan (2017): Botschaft aus dem Süden.
Die CSU schickt prozentual die wenigsten weiblichen Kandidaten in die Bundestagswahl,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.08.

Die Grafik zum Artikel sagt etwas anderes als die Schlagzeile. Wieso, das wird erst im Text klar:

"Bad Kissingen, die kleine, stolze, einst vom Kurbetrieb ziemlich reich gewordene Stadt, west bei der Bundestagswahl am 24. September eine Besonderheit auf (...). Sie hat mit weitem Abstand die größte Zahl weiblicher Kandidaten. Sieben von zehn der Direktkandidaten sind dort Frauen - ein stolzer Schnitt gemessen am Rest in Deutschland",

erläutert uns Stefan BRAUN. In Bad Kissingen hat Angela MERKEL einen Wahlkampfauftritt, während Martin SCHULZ den Ort meidet. Damit wird auch klar, warum die Schlagzeile mit der Grafik nicht übereinstimmt, denn BRAUN hat sich lediglich die Direktkandidaten herausgegriffen und ignoriert die Landeslisten, die wiederum durch die Grafik wiedergegeben wird. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Broschüre offenbart dagegen, dass der Frauenanteil wesentlich geringer ist als die SZ uns weismachen möchte.

Die folgende Übersicht zeigt dagegen den Frauenanteil aller Wahlbewerber bei der Bundestagswahl 2017 (vgl. Sonderheft Wahlbewerber, Tabelle 1.4, S.16f., AfD: eigene Berechnung):

  Anzahl aller Bewerber Anzahl Frauen Frauen mit Doppelbewerbung Frauen nur über Wahlkreis
abgesichert
Frauen nur über Landesliste abgesichert
Insgesamt 4.828 1.400 489 151 760
Wahlkreisbewerber
(inkl. Doppelbewerber)
2.559 640      
Kandidaten der Landeslisten
(inkl. Doppelbewerber)
3.943 1.249      
CDU 477 172 53 3 116
SPD 479 195 112 1 82
FDP 367 79 55 3 21
Grüne 360 169 97 28 44
Linke 355 127 69 28 30
CSU 90 20 8 keine 12
AfD ? 47 13 16 18

BRAUN verdummt uns also grandios, denn die meisten Frauen sind entweder doppelt abgesichert (SPD, FDP, Grüne, Linke) oder über die Landeslisten (CDU/CSU, AfD) aufgestellt. Frauen, die allein über den Wahlkreis abgesichert sind, sind eine Ausnahme. Die CSU traut sich das überhaupt nicht. Die Linkspartei ist hier Spitzenreiter noch vor den Grünen, die zwar genauso viele Frauen nur über den Wahlkreis abgesichert haben, jedoch bei mehr Bewerbern, wodurch der Prozentanteil bei den Linken etwas höher ist (Grüne: 7,8 %; Linke: 7,9 %).

Die FDP liegt mit einem Frauenanteil von 21,5 % noch hinter der CSU (22 %), was BRAUN uns verschweigt!

 
       
   

STEINFELD, Thomas (2017): Residieren im Derivat.
Der Umgang mit Wohneigentum hat sich geändert. Die Immobilie ist heute vor allem eines,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.08.

Thomas STEINFELD blickt ins neoliberalisierte Schweden, weil dort Internetverzeichnisse Auskunft darüber geben, wie potenziell zahlungskräftig ein Konsument ist:

"Dort gibt es Firmen, die (...) allerhand (...) Informationen über den Besitzer hinzufügen (...). Vor allem (...), ob man Eigentümer der Wohnung oder des Hauses ist, in dem man lebt - und es steht dort der Preis, den man gegenwärtig für dieses Eigentum erzielen könnte, wenn man es denn feilbieten wollte."

STEINFELD sieht darin einen Ausdruck des herrschenden Finanzkapitalismus oder kurz: der Finanzialisierung.

"Wenn die Summe der Immobilienkredite um zehn Prozent wächst, steigen die Immobilienpreise, wie der Internationale Währungsfonds jüngst ausgerechnet hat, um sechzehn Prozent - worauf dann die Kredite weiter wachsen, und so geht es fort.
In einem jüngst erschienenen Buch mit dem Titel »Rethinking the Economics of Land and Housing« (London 2017) erklären britische Wirtschaftswissenschaftler um den Ökonomen Josh Ryan-Collins, in welchem Maße der Immobiliensektor (...) die maßgebliche Kraft im gesamten Finanzgewerbe wurde",

erklärt uns STEINFELD. Das Buch gilt Neoliberalen als neue Bibel, wenn es um die Durchsetzung der Bodenwertsteuer geht. Darüber schweigt STEINFELD jedoch, stattdessen verkündet er uns die schöne neue Welt des unproduktiven Finanzkapitalismus:

"wer eine Wohnung besitzt, ist wohlhabend, wer nicht, wird es nicht mehr werden."

Die Entkopplung von Finanzkapitalismus und Realwirtschaft führt zum Kult um die Blase:

"In der Furcht vor der »Blase« äußert sich die Ahnung, dass sich die Verhältnisse von allen realen Bestimmungen emanzipiert haben."

Fast wöchentlich kann man in den Mainstreamzeitungen neue Enthüllungen zur Blasenbildung auf dem deutschen Wohnungsmarkt lesen. Es geht dann meist darum, dass eine Blase in Deutschland nicht entstehen könne, weil die Wirtschaftswissenschaftler angeblich wissen, wann es gefährlich wird.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

EICHENBERGER, Reiner & Ann Barbara BAUER (2017): So gelingt eine bessere Rentenreform.
Ein Vorschlag zur Beblockierung der Debatte um ein höheres Rentenalter,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.08.

Der neoliberale Wirtschaftsteil schickt heute Gesinnungsbrüder, Finanzwissenschaftler der Universität Freiburg, an die Rentenfront. Es geht um die Herzensangelegenheit der Neoliberalen: Die Ausbeutung der Arbeitnehmer möglichst bis zum Tod. Allein schon Begriffe wie "Überalterung" zeigen die Normativität der Debatte. Es geht um die Diffamierung des demografischen Wandels um des Profit willens.

Der Mensch ist in der behavioristischen Theorie der neoliberalen Ökonomen ein Tier, das auf Reize (ökonomisch: Anreize) in einer gesteuerten Weise reagiert. Was im Elfenbeinturm der Ökonomie funktioniert, das scheitert in der Realität, weil die Nebenfolgen nicht bedacht werden. Der Begriff "Anreiz" sollte man mit "Zwang" übersetzen, denn das trifft das, was letztlich erreicht werden soll, genauer.

Wenn es im neoliberalen Neusprech darum geht die Weiterarbeit zu fördern, dann heißt das letztlich: die Rentnerarmut zu fördern. Niemand soll es sich zukünftig noch leisten können, früh in die Rente zu wechseln. Behavioristen, nichts anderes sind unsere neoliberalen Ökonomen, kennen dazu nur zwei Mittel: Belohnung und Bestrafung. Falsche Reaktionen sollen mittels Bestrafung unterdrückt werden, richtige Reaktionen durch Belohnung verstärkt werden. In der Ökonomie der Finanzwissenschaften ist das Steuersystem das Instrument, das richtige Reaktionen belohnen soll und falsche bestrafen. Der Artikel beschreibt das nur auf elaborierte Weise, was sich natürlich schöner liest, aber nichtsdestotrotz nichts anderes ist als hier in drastischen Worten beschrieben wird.

 
       
   

22.08.2017

 
       
   

HERGERT, Stefani (2017): Städte von Welt.
Grafik des Tages: Deutschlands Metropolen wachsen rasant - vor allem, weil sie für Menschen ohne deutschen Pass attraktiver werden. In der bayerischen Landeshauptstadt haben schon fast drei von zehn Menschen nicht oder nicht nur die deutsche Staatsbürgerschaft. In den größten deutschen Städten werden seit ein paar Jahren aber auch wieder viel mehr Kinder geboren,
in:
Handelsblatt v. 22.08.

Stefani HERGERT kennt nur 6 deutsche Metropolen, die aus der folgenden Übersicht ersichtlich sind:

Metropolen Einwohner
(2010)
Einwohner
(2016)
Geburtenanstieg
(2010 - 2015)
Geburtenanstieg
(2010 - 2016)
Berlin 3,39 Mio. 3,67 Mio. + 13,9 % (5) (4)  
Hamburg 1,79 Mio. 1,86 Mio. + 13,8 % (6) (5)  
München 1,35 Mio. 1,54 Mio. + 20,4 %  (1)
(siehe Text)
+ 26,0 % (1)
Köln 1,03 Mio. 1,08 Mio. + 17,1 % (2)
(siehe Text)
+ 22,0 % (2)
Frankfurt a/M 656.427 729.624 + 16,8 % (3)
(siehe Text)
+ 21,5 % (3)
Düsseldorf 600.068 635.704 + 10,0 % (6)
(siehe Text)
+ 15,7 % (4)

Die Übersicht zeigt, dass die Zahlen nicht alle auf dem aktuellen Stand sind, weshalb sich die Frage ergibt, warum nicht das Jahr 2015 gewählt wurde? Dann wäre jedoch nicht Düsseldorf, sondern Stuttgart die sechste Stadt gewesen. Für Stuttgart liegen jedoch noch keine Zahlen für 2016 vor.

Auch was den Geburtenanstieg angeht, ist auf den ersten Blick sichtbar, dass die Zahlen nicht vergleichbar sind. Seriöser wäre es deshalb gewesen alle Geburtenzahlen für das Jahr 2015 auszuweisen. In München gab es 2016 einen Zuwachs um 5,6 %, d.h. bis 2015 hätte es einen Anstieg von 20,4 % gegeben. In Köln wurden 2010 nur 9.682 Kinder geboren, während es 2015 11.810 Kinder waren, was einem Anstieg um 17,1 % entspricht. In Frankfurt a/M stieg die Zahl der Lebendgeborenen von 2010 (7.300; vgl. Statistisches Jahrbuch 2016, S.41) bis 2015 (8.526) um 16,8 %. In Düsseldorf stieg die Zahl der Lebendgeborenen (vgl. Statistischen Daten Düsseldorf 2016, S.43) von 2010 (5.950) bis 2015 (6.545) nur um 10 %. 2016 waren es 6.886 Lebendgeborene.

Fazit: Durch die Grafik des Tages wird die Geburtenentwicklung verfälscht, denn Düsseldorf lag 2015 auf Platz 6, während es beim Handelsblatt so scheint, dass Düsseldorf bei der Geburtenentwicklung vor Berlin und Schlusslicht Hamburg liegt. Berlin hat vor kurzem für das 1. Halbjahr 2016 eine Steigerung der Geburten um 8,8 Prozent gemeldet. Von daher wird das Ergebnis von Düsseldorf sicher übertroffen.   

 
       
   

SCHNELL, Christian (2017): "Nicht mehr erste Wahl".
Der Vorstand der Allianz Leben über sinkendes Interesse an klassischen Lebensversicherungen, Vorteile der Riester-Rente und alternative Anlagen,
in:
Handelsblatt v. 22.08.

Christian SCHNELL hofiert einen Allianz-Vorstand, dem er brav die Stichworte für seine PR liefert.

 
       
   

GREIVE, Martin (2017): CDU und SPD trennen 10.000 Euro.
HB-Titelthema Steuer-Wahlkampf: Eine Berechnung des Ifo Instituts zeigt: Zumindest in der Steuerpolitik gibt es gewaltige Unterschiede,
in:
Handelsblatt v. 22.08.

Martin GREIVE verdummt uns wieder, indem er nicht klar macht, dass es um das zu versteuernde Einkommen statt um das Bruttoeinkommen geht. Die Funktion des Artikels erschließt sich aus einem Satz kurz vor Schluss:

"Vielleicht kommt im Wahlkampf-Schlusspurt doch noch Fahrt in den Steuer-Wahlkampf. In den vorangegangenen Wahlkämpfen hatte die Steuerpolitik eine zentrale Rolle gespiel".

GREIVE geht es darum den Steuerentlastungswahlkampf als Herzensangelegenheit der Neoliberalen zu schüren. Seriöse Berichterstattung sieht anders aus!  

 
       
   

Der IW-Report Three Risks for the German Residential Property Market in den Medien

FABRICIUS, Michael (2017): Studie: Wackeliger Häusermarkt auf dem Lande.
In ländlichen Regionen wird zu viel gebaut, bemängelt das IW. In den Städten dagegen häufen sich die teuren Mikroapartments,
in:
Welt v. 22.08.

Michael FABRICIUS betätigt sich als Durchlauferhitzer für die Lobbyorganisation der Wirtschaft, die ihre Herzensangelegenheit nochmals ins Gespräch bringen möchte, diesmal mit einer englischsprachigen Abhandlung, die nicht über die Juni-Daten hinausgeht.

CREUTZBURG, Dietrich & Maja BRANKOVIC (2017): Investoren bauen am Bedarf vorbei.
Der Bauboom verfehlt die Bedürfnisse der Familien - sie werden aufs Land abgedrängt. Das birgt Preisrisiken und lässt die Pendlerströme wachsen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

Die Family-Gentrifier sind das implizite Familienleitbild von CREUTZBURG & BRANKOVIC, also Doppelkarrierefamilien, die aufgrund der Vereinbarkeit von Beruf und Familie die innenstadtnahen Wohngebiete bevorzugen und dadurch die ungeliebten 3 AAA (Arme, Alte und Arbeitslose) verdrängt haben. Eigenheime sollen nur noch im Speckgürtel der Großstädte errichtet werden, so die planwirtschaftliche Forderung der Marktradikalen! Mikroappartements, denen die Feuilletons der Mainstreamzeitungen seit der Flüchtlingskrise gehuldigt haben, werden nun als Stadtplage beschrieben:

"Wohnungen, die für Familien zu klein und für Studenten zu teuer sind. (...).
Statt in Kleinwohnungen zu ziehen, suchten sich Studenten umso häufiger Wohngemeinschaften und konkurrierten dann auf dem Immobilienmarkt auch noch mit den Familien um größere Wohnungen."

Ironie dieser Darstellung: Wohngemeinschaften galten bislang in den Mainstreammedien als sozial im Gegensatz zu den Single-Haushalten. Auf dieser Website wurde dieses Problem jedoch bereits von Anfang an beschrieben. Diese Konkurrenz ist also keineswegs neu!

 
       
   

ARAB, Adrian (2017): Anatomie des Wahlkampfs.
Merkel und Schulz touren durch die Republik, begegnen sich aber selten. Die Auswahl der Orte, die von den Kandidaten besucht werden, folgt einer Strategie,
in:
Welt v. 22.08.

"Ihre Wahlstrategen sind bei der Planung dem gleichen Grundgedanken gefolgt: Sie konzentrieren sich auf Orte, an denen die beiden Spitzenkandidaten auf möglichst viele ihrer Stammwähler treffen",

erklärt uns Adrian ARAB die Strategie der Mobilisierung der eigenen Wählerschaft.

"Eine SPD-Hochburg dürfte niemals fallen, wenn die CDU-Kandidatin sie meidet",

wird uns außerdem erklärt. Umgekehrt sollte das ebenfalls stimmen.

Aus der folgenden Übersicht sind die Orte der Wahlkampfauftritte ersichtlich. In 11 Städten treten beide Kandidaten auf, wobei nur eine einzige Stadt in Ostdeutschland liegt (alle Städte im Westen sind Großstädte):

Orte, in denen Angela Merkel auftritt Orte, in denen Martin Schulz auftritt
Annaberg-Buchholz
(Sachsen; ca. 20.000 Einw.)
Aachen
(Nordrhein-Westfalen; Großstadt)
Apolda (Thüringen; ca. 22.000 Einw.) Abensberg (Bayern; ca. 13.000 Einw.)
Augsburg (Bayern; Großstadt)  
Bad Fallingbostel
(Niedersachsen; ca. 11.000 Einw.
Bamberg (Bayern; ca. 73.000 Einw.)
Bad Kissingen (Bayern; ca. 21.000 Einw.) Berlin (Berlin; Metropole)
Bayreuth (Bayern; ca. 72.000 Einw.) Bielefeld
(Nordrhein-Westfalen; Großstadt)
Bergisch-Gladbach
(Nordrhein-Westfalen; Großstadt)
Bochum
(Nordrhein-Westfalen; Großstadt)
Binz
(Mecklenburg-Vorpommern; ca. 5.000 Einw.)
Böblingen
(Baden-Württemberg; ca. 48.000 Einw.)
Bitterfeld-Wolfen
(Sachsen-Anhalt; ca. 40.000 Einw.)
 
Brandenburg/Havel
(Brandenburg; ca. 71.000 Einw.)
 

Braunschweig (Niedersachsen; Großstadt)

Bremen (Bremen; Metropole)

Cloppenburg
(Niedersachsen; ca. 33.000 Einw.)
 
Cuxhaven (Niedersachsen; ca. 48.000 Einw.)  
Dillingen a. Donau (Bayern, ca. 18.000 Einw.) Darmstadt (Hessen; Großstadt)
Dortmund (Nordrhein-Westfalen; Metropole)  
Erlangen (Bayern; Großstadt) Emden (Niedersachsen; ca. 50.000 Einw.)
  Erfurt (Thüringen; Großstadt)
  Essen (Nordrhein-Westfalen; Metropole)
Finsterwalde (Brandenburg; ca. 16.000 Einw.) Frankfurt a/M (Hessen; Metropole)
Fulda (Hessen; ca. 67.000 Einw.) Freiburg (Baden-Württemberg; Großstadt)
Gelnhausen (Hessen, ca. 22.000 Einw.) Gelsenkirchen
(Nordrhein-Westfalen; Großstadt)
Gießen (Hessen, ca. 84.000 Einw.) Göttingen (Niedersachsen; Großstadt)

Hamburg (Hamburg; Metropole)

  Hannover (Niedersachsen; Metropole)

Heidelberg (Baden-Württemberg; Großstadt)

Heilbronn (Baden-Württemberg; Großstadt)  
Heppenheim (Hessen; ca. 25.000 Einw.)  
Herford (Nordrhein-Westfalen; ca. 66.000 Einw.)  
Kappeln (Schleswig-Holstein; ca. 8.700 Einw.) Karlsruhe (Baden-Württemberg; Großstadt)
Koblenz (Rheinland-Pfalz; Großstadt) Kassel (Hessen; Großstadt)
  Kiel (Schleswig-Holstein; Großstadt)
  Köln (Nordrhein-Westfalen; Metropole)
Lingen/Ems (Niedersachsen; ca. 53.000 Einw.) Leipzig (Sachsen; Metropole)

Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz; Großstadt)

  Lübeck (Schleswig-Holstein; Großstadt)
  Magdeburg (Sachsen-Anhalt; Großstadt)

Mainz (Rheinland-Pfalz; Großstadt)

  Marburg (Hessen; ca. 73.000 Einw.)

München (Bayern; Metropole)

Münster (Nordrhein-Westfalen; Großstadt)

Neuss (Nordrhein-Westfalen; Großstadt)  
Neustadt a/W (Rheinland-Pfalz; ca. 53.000 Einw.)  

Nürnberg (Bayern; Metropole)

Passau (Bayern; ca. 50.000 Einw.) Peine (Niedersachsen; ca. 49.000 Einw.)
  Potsdam (Brandenburg; Großstadt)
Quedlinburg (Sachsen-Anhalt; ca. 24.000 Einw.)  

Regensburg (Bayern; Großstadt)

Reutlingen (Baden-Württemberg; Großstadt)  
Rosenheim (Bayern; ca. 61.000 Einw.)  
Sankt Peter-Ording
(Schleswig-Holstein; ca. 4.000 Einw.)
Saarlouis (Saarland; ca. 34.000 Einw.)
  Salzgitter (Niedersachsen; Großstadt)

Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern; ca. 97.000 Einw.)

Siegen (Nordrhein-Westfalen; Großstadt)  
Torgau (Sachsen; ca. 20.000 Einw.)  

Trier (Rheinland-Pfalz; Großstadt)

Ulm (Baden-Württemberg; Großstadt) Unna
(Nordrhein-Westfalen; ca. 59.000 Einw.)
Vacha (Thüringen; ca. 5.000 Einw.)  
Wismar
(Mecklenburg-Vorpommern; ca. 42.000 Einw.)
Wuppertal
(Nordrhein-Westfalen; Großstadt)
Wunstorf-Steinhude
(Niedersachsen; ca. 41.000 Einw.)
 

Angela Merkel absolviert mehr Wahlkampfauftritte im Osten und bevorzugt kleinere Städte als Martin Schulz.

 
       
   

ND/DPA (2017): Mehr Rentner unter der Grenze.
Gesetzesreform lässt Zahl der Wohngeldbezieher im Nordosten wieder wachsen,
in:
Neues Deutschland v. 22.08.

"Mehr als die Hälfte der Wohngeldempfänger im Land sind Rentner, die zudem häufig allein leben. Viele von ihnen waren wegen der jährlichen Rentenerhöhungen in den Vorjahren über die alte Einkommensgrenze gerutscht. Nach der Änderung des Gesetzes, der ersten seit sieben Jahren, bekommen viele nun aber wieder finanzielle Hilfe", heißt es in der Agenturmeldung zur Situation in Mecklenburg-Vorpommern.

 
       
   

SCHREYER, Ulrich (2017): Stuttgart ist der klare Verlierer der Region.
Firmenstandorte: In der Landeshauptstadt ist das Missverhältnis zwischen Zuzügen und Wegzügen besonders gravierend. Nach Meinung der Industrie- und Handelskammer fragen sich viele Unternehmen, ob sie in der Region noch eine Perspektive haben,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 22.08.

 
       
   

DAHMS, Martin (2017): Die Zeit des Zitterns ist vorbei.
StZ-Serie Leben in Europa (6): Banken vor der Pleite, Staaten vor dem Bankrott: Die Krise, die 2007 begann, hat die EU und das Leben der Menschen verändert. Die Folgen sind noch immer zu spüren. Unsere Serie beleuchtet den Alltag. Heute: Familie Vinas Saiz in Spanien,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 22.08.

Martin DAHMS porträtiert eine Familie mit zwei Kindern, die sich kurz vor der Finanzkrise eine Haus in Quijorna, einer 3.200 Einwohner zählenden Gemeinde im Speckgürtel von Madrid gekauft hat. Im Mittelpunkt steht die Immobilienkrise, die Arbeitslosigkeit und die Bankenrettung.

"Wenn es ganz eng wurde, sprangen Martas Eltern ein und halfen mit ihrer Pension aus, wie in so vielen spanischen Familien",

beschreibt DAHMS den privaten Generationenvertrag als Alternative zur "sozialen Hängematte".

 
       
 

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Bernds@single-dasein.de Stand: 30. August 2017