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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 26. - 30. Juni 2018: [26.06.] [27.06.] [28.06.] [29.06.] [30.06.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Slacker und kinderlose Karrierefrauen als Infragestellung des herrschenden Arbeitsethos

"Der Typ Slacker inkarniert eine Verweigerungshaltung, die bisher Männern vorbehalten war: der Faulenzer oder Antiheld, der seine Arbeitskraft der Gesellschaft nicht in den vorgezeichneten Bahnen zur Verfügung stellt. Oft als infantil, unsozial und verantwortungslos abgewertet, stellt er mit seinem Verhalten das vorherrschende Arbeitsethos infrage (...). Frauen konnten keine Slacker sein, denn selbst wenn sie sich dem Arbeitsleben entzogen, hatten sie eben noch ihre Arbeit als Mutter. Sie konnten die Familie nicht hinter sich lassen wie der Mann, der dafür auch noch als Abenteurer gefeiert wurde (...) Trat doch mal eine Slackerin in einem Roman oder Film auf, wurde diese Figur tragisch inszeniert (....). Aber langsam wendet sich das Blatt, wie Frauengestalten wie Lena Dunham (...). zeigen.
Vielleicht ist dies ein Angebot für ein neues weibliches Rollenvorbild: (...) die Slackerin, die zu ihren eigenen Bedingungen produktiv werden möchte (...)  und dabei in ein Netzwerk einer Verantwortungsgemeinschaft mit Kinderlosen und Eltern eingebunden sein kann. (...). 
Frauen mit und ohne Kinder werden gegeneinander ausgespielt. Die einen sollen die Mehrfachbelastung stillschweigend ausbaden, die anderen gelten als hedonistische oder verhärmte Sündenböcke. Es ist ein Ablenkungsmanöver, sodass wir nicht Strukturen hinterfragen und verändern, die uns alle unfrei machen. Das ist wohl auch der Grund, warum die kinderlose Frau als ein solches Schreckgespenst dargestellt wird: denn sie hinterfragt die Gleichsetzung von Weiblichkeit und selbstloser Fürsorglichkeit und gefährdet somit den Kleinfamilienkäfig der geschlechtlichen Arbeitsteilung.
"
(Sarah Diehl "Mutterschaft und Fürsorge als Dienst an der Leistungsgesellschaft". In: Felix Klopotek & Peter Scheiffele (Hrsg.)(2016): Zonen der Selbstoptimierung, Berlin: Matthes & Seitz, S.196ff.)

 
       
       
   

30.06.2018

 
       
   

WRUSCH, Paul (2018): "Küssen erledigt man am Anfang der Beziehung".
Sachkunde: Menschen stecken einander gegenseitig die Zunge in den Hals und tauschen Speichel aus - die Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher erklärt, was das eigentlich soll. Und warum es dabei nicht immer nur um Hingabe geht,
in: TAZ v. 30.06.

 
       
   

LIXENFELD, Christoph (2018): Weg mit der Pflegeversicherung.
Zweck einer Sozialversicherung darf es nicht sein, internationalen Investoren traumhafte Renditen zu sichern,
in: TAZ v. 30.06.

"Nach einer (eher konservativen) Schätzung des Statistischen Bundesamts steigt die Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2050 von heute 2,9 auf 4,5 Millionen. Werden davon dann genauso viele stationär versorgt wie heute, bräuchte Deutschland mindestens 5.000 Heime.
Auf diese Zukunft wetten unzählige Investoren. Allein im zweiten Halbjahr 2017 wurden drei große deutsche Altenheimketten von Hedgefonds übernommen. Für eine davon - Alloheim - war es seit 2008 bereits der dritte Eigentümerwechsel.
Lukrativ sind solche Investitionen deshalb, weil sich - der Pflegeversicherung sei Dank - sowohl mit dem Bau als auch mit dem Betrieb von Pflegeheimen viel Geld verdienen lässt. So viel, dass Privatanlegern - auch sie können in Heime investieren - Renditen von bis zu 7 Prozent versprochen werden",

meint Christoph LIXENFELD, der erläutert wie die Pflegeversicherung zur Melkkuh für Investoren und Einfallstor für kriminelle Machenschaften in der ambulanten Pflege wurde. LIXENFELD plädiert für die schwedische bzw. dänische Variante, bei der die Pflegekräfte Angestellte der Kommunen sind und aus Steuergeldern bezahlt werden.

 
       
   

KOCH, Martin (2018): Liebe in Zeiten der Roboter.
Ist Sex mit androiden Maschinen ein "Beziehungsmodell" für die Zukunft?
in: Neues Deutschland v. 30.06.

 
       
   

BRAUNBERGER, Gerald (2018): Das Zittern hat sich gelohnt.
Trotz aller Kursrückgänge hat eine langfristige Anlage in den Dax eine hübsche Rendite gebracht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.06.

Das Deutsche Aktieninstitut hat ein neues Dax-Rendite-Dreieck veröffentlich, mit dem alljährlich die Anlage in Aktien schöngerechnet wird.

"Als vor 30 Jahren, zur Jahresmitte 1988, der Dax an den Start ging, umfasste er einige Unternehmen, die noch heute in ihm enthalten sind (...). Aber eine beachtliche Zahl von Unternehmen, die im Jahre 1988 dem Dax angehörten, existiert heute gar nicht mehr, oder aber ihre Aktien fristen ein Dasein in weniger prominenten Indizes",

berichtet Gerald BRAUNBERGER über die Instabilität der 30 Unternehmen, die angeblich zu der Aktienprominenz gehören.

Das Deutsche Aktieninstituts (DAI) berechnet seine Renditen so, dass zwar auf der einen Seite alle positiven Aspekte (Wertentwicklung und Dividenden) einfließen, aber auf der andere Seite alle Kosten eines realen Anlegers ausgeblendet werden:

"Das sind allerdings Bruttorenditen: In der Praxis wären mit den Käufen und der Verwaltung von Wertpapieren auch Kosten und auf den Wertzuwachs Steuern angefallen",

erklärt BRAUNBERGER zu dieser Schönrechnerei des DAI.      

 
       
   

JUNG, Marcus  (2018): Gericht erlaubt Negativzinsen in Riester-Verträgen.
Nach einem Urteil in Tübingen ist das Zustandekommen der Verzinsung transparent. Für Riester-Sparer soll das zu keinem Nachteil führen - Verbraucherschützer entsetzt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.06.

 
       
   

FRASCH, Timo & Alexander HANEKE  (2018): Rätselhaftes Bayern.
Dem Land geht es gut, und eigentlich müsste der CSU vor der Landtagswahl nicht bange sein. Aber seit der Bundestagswahl sitzt der Partei die AfD gefährlich im Nacken. Auch die jüngsten Poltereien gegen Bundeskanzlerin Merkel helfen nicht. Die Ratlosigkeit ist groß,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.06.

"Neukirchen beim Heiligen Blut (...). Das Leben könnte (...) schön sein in der 4.000-Seelen-Gemeinde. Und doch haben hier bei der Bundestagwahl 26,4 Prozent für die AfD gestimmt. In den Nachbargemeinden Eschelkam und Arrach waren es ähnlich viele. Das Gleiche n Parsdorf und Gotteszell, die nach Süden in Richtung Deggendorf liegen. Nichts deutet derzeit darauf hin, dass die Ergebnisse bei der Landtagswahl im Herbst anders ausfallen werden. Bayernweit liegt die AfD stabil bei 13 Prozent, und das, obwohl die CSU fast alles tut und sehr viel riskiert, selbst den Bruch mit der Union um die Wähler am rechten Rand wieder für sich zu gewinnen",

meinen FRASCH & HANEKE in ihrer Reportage aus Niederbayern. Dabei werden Wahlumfragen zu Rate gezogen, die bereits fast zwei Wochen alt sind und nichts über die Bewertung der gegenwärtigen Selbstzerstörung von CDU/CSU aussagen.

"In der Landtagsgaststätte wartet Franz Pschierer, der Wirtschaftsminister von der CSU. Dass der Bayerische Wald nicht der einzige Ort ist, wo der CSU Konkurrenz von rechts erwachsen ist, zeigt sein Stimmkreis: Kaufbeuren in Bayerisch Schwaben. Auch dort holte die AfD mancherorts mehr als zwanzig Prozent",

berichten FRASCH & HANEKE. Für PSCHIERER handelt es sich bei der AfD-Wählerschaft um "Teile der bürgerlichen Mitte", die sich angeblich nichts mehr vor machen ließen.

"Der größte Albtraum der CSU ist, dass auch ihre Zeit als Volkspartei vorbei ist, dass sie zerrieben wird zwischen Rechtsradikalen und lockeren Bündnissen wie »En marche« in Frankreich, vielleicht sogar verschwinden wird wie die »Democrazia Cristiana« in Italien",

erklären uns FRASCH & HANEKE. Der Untergang der »Democrazia Cristiana« in Italien war jedoch der Korruption geschuldet und nicht irgendwelcher politischen Strategie. Wird der CSU also ihre jahrzehntelange Vetternwirtschaft zum Verhängnis? Die AfD wäre dann nicht Ursache, sondern nur Symptom der CSU-Probleme in Bayern. FRASCH & HANEKE nennen auch die Möglichkeit, dass die AfD möglicherweise nur eine kurze Episode ist wie der Erfolg der Bayernpartei. Aber ihre Argumentation läuft letztlich darauf hinaus, dass sie die AfD-Position übernehmen, wonach es 2015/2016 einen Kontrollverlust gegeben hat.

Am Schluss wird dann die niederbayerische AfD-Landtagskandidatin Katrin EBNER-STEINER präsentiert, die auf einem aussichtsreichen Listenplatz steht und die in Horst SEEHOFER lediglich einen Wahlkämpfer für die AfD-Sache sieht. Damit liegt sie sicher nicht falsch. Die AfD kann sich ganz frech als jene Partei profilieren, die hält, was SEEHOFER nur verspricht!

FRASCH & HANEKE präsentieren uns auch noch Volkesstimme, die selbst Neuwahlen für besser hält als nachzugeben. Die Italiener werden dabei hinsichtlich des Umgangs mit Migranten zu Vorbildern stilisiert.

Fazit: Es ist kaum noch vorstellbar, dass sich die CSU ohne großen Imageschaden aus der Affäre ziehen kann. Die nächsten Landtagswahlen dürften für CDU/CSU zum Fiasko werden, denn die Erwartungshaltungen sind angesichts der gegenwärtigen Schmierenkomödie derart übersteigert, dass die realen politischen Handlungsmöglichkeiten dagegen gegen Null tendieren.   

 
       
   

HAHN, Thomas & Angelika SLAVIK (2018): Ehre sei dem Werk.
Cuxhaven war ein Ort, aus dem sich die Hoffnung verabschiedet hatte. Bis die neue Siemens-Fabrik kam. Jetzt gibt es Jobs, Geld und Perspektiven. Die Stadt kennt nur noch einen Gedanken: Der Heilsbringer muss bleiben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.06.

Der Artikel zeigt, dass kein Argument haarsträubend genug sein kann, Hauptsache es passt zum Zeitgeist:

"Tatsächlich hat der Konzern 200 Millionen Euro in den Standort investiert. Aber das Land ließ für die nötige Infrastruktur 250 Millionen springen. Für die speziellen Anforderungen des Windkraftanlagen-Baus organisierte die Stadt über die Agentur für Arbeit und Jobcenter insgesamt 460 Qualifizierungsmaßnahmen. Und vielleicht kam der Stadt auch entgegen, dass Siemens etwas für sein Image in Deutschland tun wollte. (...).
Groß war jedenfalls die Empörung in Görlitz, als Siemens dort sein Turbinen-Werk schließen wollte",

schreiben HAHN & SLAVIK. Die Entscheidung für das Siemens-Werk Cuxhaven fiel jedoch lange Jahre vor dem Bekanntwerden der jetzigen Schließungen. Bereits 2015 fingen in Cuxhaven die Bauarbeiten an. Es zeigt jedoch, dass in Zeiten von Wahlkämpfen, in denen den etablierten Parteien große Verluste drohen, jede Erfolgsmeldung groß herausgestellt wird, um die Realität zu beschönigen.

"Das ist die erste Fabrik seit 20 Jahren, die Siemens in Deutschland eröffnet. Ein Widerspruch zu den geltenden Regeln kapitalistischer Effizienzrechnung",

tönen  HAHN & SLAVIK. Cuxhaven zeigt eher wie erpressbar Kommunen im neoliberalen Standortwettbewerb geworden sind. Um den Zuschlag zu erhalten bekam Siemens das Werk quasi von der Politik geschenkt. Ganz sicher hat Siemens damit kein Verlustgeschäft gemacht wie die Journalisten suggerieren.

"Cuxhaven mit seinen wenigen Einwohnern (knapp 50.000) auf vielen Quadratkilometern (knapp 162) hat eine neue Ausstrahlung bekommen",

schreiben HAHN & SLAVIK und porträtieren den Cuxhavener Oberbürgermeister Ulrich GETSCH als Held der Arbeit, der die Funktionsweise des Neoliberalismus verinnerlicht hat und deshalb letztlich so erfolgreich war - obgleich seine Erfolgsbilanz in den letzten Jahren mehr als mager war:

"Die Stadt hatte in den Jahrzehnten zuvor viel verloren. Die Fischindustrie war geschrumpft, die Bundeswehr hatte zwei Standorte geschlossen, Leute zogen weg, Läden verwaisten. Und die ersten Versuche des Landes Niedersachsen, Cuxhaven zum Standort der erwachenden Windkraftindustrie auszubauen, hatten zunächst keinen nachhaltigen Erfolg."

 
       
   

BAUM, Carla (2018): "Dann wird die ganze Region der AfD überlassen".
Die Braunkohle spaltet die Lausitz: Bei den einen leben ganze Familien seit Generationen vom Abbau, andere verdanken den Ausstiegsplänen der Regierung die Rettung ihres Dorfes. Wie es in der Region weitergeht, haben beide Gruppen nicht in der Hand,
in: Welt v. 30.06.

Carla BAUM berichtet über den Verein Pro Lausitzer Bergbau, der an der Seite der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) für einen langsameren Ausstieg aus dem Braunkohleabbau kämpft und dabei auch die AfD als Drohpotenzial einsetzt.

"Gegner (...) wischen die Angst vor dem Verlust der Arbeitsplätze mit einem Satz vom Tisch: »Wir haben hier einen enormen Fachkräftemangel (...) Man müsste die Leute nur richtig umschulen«". 

 
       
   

SCHWILDEN, Frédéric (2018): Pervers penibel.
CDU-Politiker Philipp Amthor ist 25 und versteht es, im Bundestag zu polarisieren. Er ist der junge Konservative aus der Zukunft. Ein Abend im Gipsy-Resaurant in Berlintie Braunkohle spaltet die Lausitz: Bei den einen leben ganze Familien seit Generationen vom Abbau, andere verdanken den Ausstiegsplänen der Regierung die Rettung ihres Dorfes. Wie es in der Region weitergeht, haben beide Gruppen nicht in der Hand,
in: Welt v. 30.06.

Den Medien von FAZ bis Welt erscheint der junge CDU-Politiker Philipp AMTHOR als letztes Aufgebot gegen die AfD.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2018): Was der Bundesrat verschweigt.
Die AHV-Vorlage der Regierung verschont die geburtenstarken Jahrgänge zulasten der Jüngeren,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 30.06.

Hansueli SCHÖCHLI beschreibt die geburtenstarken und - schwachen Rentnergenerationen in der Schweiz folgendermaßen:

"Die Babyboomer können allerdings jetzt schon aufatmen: Die meisten von ihnen werden wohl zulasten der Jüngeren verschont bleiben, da eine allgemeine Erhöhung des Rentenalters wohl frühestens ab Mitte der 2030er Jahre greifen würde. Die Zahlen fallen ins Gewicht. Laut Bundesstatistik haben gut 90 000 Personen in der Schweiz den Jahrgang 1953 und erreichen damit heuer das Alter 65. Die Zahl der Neurentner nimmt künftig laufend zu. Eine Spitze bringen die Jahrgänge 1960 bis 1970, die derzeit im Durchschnitt etwa 130 000 Personen stark sind. Von der kommenden Debatte ums Rentenalter eher erfasst werden die Jahrgänge 1971 bis 1980, die derzeit im Mittel 110 000 bis 120 000 Personen stark sind. Deutlich kleiner sind die Jahrgänge der heute 0- bis 20-Jährigen mit je ungefähr 80 000 bis 90 000 Personen. Die Jüngeren werden grosse Teile der zugunsten der Älteren aufgebauten AHV-Hypotheken abtragen müssen."

Der geburtenstärkste Jahrgang der Schweiz war wie in Deutschland der Jahrgang 1964. Damals gab es jedoch nur 112.890 Lebendgeborene in der Schweiz. Wenn SCHÖCHLI also von 130.000 Personen pro Jahrgang spricht, dann hat das nur zum Teil mit dem damaligen Geburtenanstieg zu tun, sondern auch mit der Zuwanderung.

GAFAFER, Tobias (2018): Die Altersvorsorge endlich richtig reformieren.
Kommentar zur Neuauflage der AHV-Reform: Zum ehr als 90 Prozent setzt der Bundesrat auf Mehreinnahmen. Vor diesem Hintergrund ist die Behauptung der SP, die Frauen sollten fast allein für die Vorlage bezahlen, an den Haaren herbeigezogen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 30.06.

 
       
   

29.06.2018

 
       
   

Die Rede des Arbeitgeberlobbyisten Alexander Gunkel in den Medien

SCHWENN, Kerstin (2018): In der Rentenkasse droht ein Milliardenloch.
Die Rentenversicherung rechnet vor: Wenn die Koalition ihre Pläne umsetzt, müssen die Steuerzahler 2025 eine immense Lücke stopfen. Wie reagiert Stolz?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.06.

"Üblicherweise beschränken wir unsere Mittelfristbetrachtung auf einen Zeitraum von fünf Jahren. Damit wäre der Endpunkt der Schätzung das Jahr 2022. Vor dem Hintergrund der im Koalitionsvertrag bis zum Jahr 2025 vorgesehenen doppelten Haltelinie, möchte ich den Blick jedoch etwas weiter in die Zukunft richten – nämlich bis zum Jahr 2025",

erklärt uns Alexander GUNKEL, der für die Arbeitgeber die Interessen bei der Deutschen Rentenversicherung vertritt. In diesem Sinne macht GUNKEL Politik gegen den Rentenentwurf, den Sozialminister Hubertus HEIL vor der Sommerpause vorlegen will.

Die neoliberale Interessenpolitik von GUNKEL wird begierig von der neoliberalen Mainstreampresse von FAZ und SZ aufgegriffen.

Kerstin SCHWENN erklärt uns, dass HEIL den Gesetzesentwurf bereits nächste Woche auf den Weg bringen will. HEIL hat vor der CSU gekuscht, weshalb nun nur kinderreiche Mütter von der geplanten Mütterrente profitieren werden. Die CSU macht damit weitergehende Positionen der Nationalkonservativen in der AfD salonfähig, denn durch die voraussichtliche Falschfinanzierung der Mütterrente, die durch Beiträge statt durch Steuern finanziert werden soll, entspricht das Projekt einer Rente nach Kinderzahl.

SCHWENN geht davon aus, dass es keine Änderung der Rentenformel geben wird, sondern einfach die geltende Regelung von 43 % bis 2020 durch 48 % bis 2025 ersetzt wird.

"Heil will darüber hinaus erreichen, dass konkret Steuermittel eingesetzt werden, wenn dieses Ziel verfehlt wird. Über die Ausgestaltung dieser Garantie streitet er mit dem Finanzminister. Olaf Scholz (SPD) müsste eine politische Zusage geben, denn seine mittelfristige Finanzplanung mit dem Haushalt 2019 reicht nur bis 2022. Den neuen Etat will Scholz am 6. Juli präsentieren."

Dieser Vorschlag macht skeptisch, weil er einen möglichen Regierungswechsel überdauern müsste und bislang der Sozialminister in Kontroversen mit dem Finanzminister immer den Kürzeren zog.

SCHWENN, Kerstin (2018): Rente mit Niveau.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.06.

Kerstin SCHWENN hat eine glänzende Idee, um die Debatten um die Stabilisierung des Rentenniveaus mit einem postdemokratischen Basta zu beenden:

"Die Koalition sollte (...) das Rentenniveau als Dreh- und Angelpunkt ihrer Rentenpolitik einfach aufgeben."

ROSSBACH, Henrike (2018): Die guten Zeiten sind bald vorbei.
Auf die Rentenversicherung kommen gigantische Kosten zu,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.06.

Ob die guten Zeiten bald vorbei sind, ist eine Frage, die nur die Zukunft zeigen kann. Bekanntlich hätten die guten Zeiten spätestens mit dem Rentenpaket 2014 vorbei sein sollen - oder wenn man zurückblickt auf die Jahre 2003-2005, dann müsste der Beitragssatz bereits längst die Schallmauer von 20 Prozent durchbrochen haben und das Rentenniveau sich seit 3 Jahren im freien Fall befinden.

Fazit: Wer Prognosen der Neoliberalen auf den Leim geht, der darf sich nicht wundern, wenn die gesetzliche Rente tatsächlich aufgrund von selbsterfüllenden Prophezeiungen zur Armenfürsorge verkommt. Die Zahlen, die uns GUNKEL heute präsentiert, werden wir deshalb erst 2025 hervorkramen. Dann wird sich zeigen, was davon übrig bleibt! 

 
       
   

FROMME, Herbert (2018): Generali kurz vor dem Verkauf.
Konzern will Lebensversicherer an Investoren abgaben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.06.

Herbert FROMME berichtet darüber, dass die Generali Leben nun von der Abwicklungsplattform Viridium abgewickelt werden soll. Damit soll großmaßstäblichen Run-offs in Deutschland endlich der Weg frei gemacht werden.

"Wegen des starken politischen Gegenwinds wird die Generali wohl bis zu 20 Prozent an Generali Leben behalten, und das mit der Verantwortung gegenüber den Kunden begründen."

Diese Augenwischerei zielt darauf ab, die Genehmigung durch die Bafin zu ermöglichen und weitere politische Einflussnahmen des Gesetzgebers den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Ihre Versicherungsvertreter hat Generali gemäß FROMME bereits abgewickelt. Sie wurden von der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) übernommen, die "in der CDU exzellent verdrahtet ist".

 
       
   

ÖCHSNER, Thomas (2018): Rente aus Stein.
Geld für das eigene Haus bekommen und trotzdem drin wohnen bleiben, das kann sich für alte Menschen lohnen. Doch das Modell der Leibrente birgt auch Risiken. Für wen es infrage kommt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.06.

 
       
   

DPA (2018): Wenn die Altersvorsorge bröckelt.
Sinkende Hauspreise auf dem Land gefährden die Finanzpläne vieler Senioren,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.06.

Die Agenturmeldung war bereits am 20. Juni in der Zeitung Neues Deutschland zu lesen.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

FUMAGALLI, Antonio (2018): Die doppelten Schweizer Meister.
NZZ-Serie Junge Schweiz, alte Schweiz: Keine Gemeinde ist jünger als Leysin, und nirgends gibt es mehr Ausländer - beide Rekorde sind auf den gleichen Grund zurückzuführen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 29.06.

 
       
   

28.06.2018

 
       
   

HERZ/RIEDEL/SCHNELL (2018): Lebensversicherer in Not.
Die niedrigen Zinsen bedrohen das Geschäftsmodell der Assekuranzen. Die Bafin hat nun jeden dritten Anbieter in Deutschland unter verschärfte Aussicht gestellt,
in: Handelsblatt v. 28.06.

Richtig müsste es heißen: Die Kunden der Lebensversicherer in Not, denn das BGH hat gerade festgestellt, dass die Profitinteressen der Lebensversicherer über die Kundeninteressen zu stellen sind. Es ist keine Rede mehr davon, dass die kapitalgedeckte Altersvorsorge von der Bevölkerungsentwicklung unberührt bleibt. Im Gegenteil lautet nun die Devise, dass bei den Lebensversicherern die Interessen der Kunden hinter das Versichertenkollektiv zurückstehen müssen. Im Klartext heißt dies: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist möglicherweise noch anfälliger als die Rentenversicherung. Im Extremfall könnten Kunden leer ausgehen. Davor kann niemand schützen!

HERZ/NEUERER/RIEDEL/SCHNELL (2018): Weckruf des Finanzministers.
Die klassische Lebensversicherung war lange der Gewinnbringer der Branche. Doch inzwischen füllt es vielen Firmen schwer, die alten Versprechungen zu halten. Die Finanzaufsicht beobachtet die Versicherer,
in: Handelsblatt v. 28.06.

Der Artikel wiederholt lediglich das Mantra, das im Handelsblatt bereits vor zwei Wochen zu lesen war. Den Lebensversicherern geht es besser als der Alarmismus es vermuten lässt, heißt der Tenor, der vom Zweitvermarkter PiL vorgegeben wird, dessen Eigeninteresse jedoch skeptisch machen sollte.

HERZ/SCHÄFER/SCHNELL (2018): "Wir stehen besser da als vor zwei Jahren".
Der Präsident des Versicherungsverbandes GDV über die Gefahren für Lebensversicherer, die Provisionen in der Branche und den Verkauf von Altbeständen,
in: Handelsblatt v. 28.06.

Der Lobbyist der Versicherungswirtschaft sieht die Probleme nur bei anderen. Das Förderverfahren bei der Riester-Rente sei zu bürokratisch. Dann wäre es also am besten die Förderung der Lebensversicherer durch unnötige Subventionen - mitsamt der Riester-Rente abzuschaffen. Dies würde dem GDV natürlich erst recht nicht passen.

"Wir haben Vertragsbeziehungen, die 50 oder 60 Jahre laufen. In derartigen Zeitläufen gibt es immer wieder auch erhebliche gesellschaftliche und rechtliche Änderungen",

erklärt uns der Lobbyist, um Run-Offs zu rechtfertigen, mit denen die Lebensversicherer ihre Altlasten günstig entsorgen können. Ob Run-Offs jedoch halten, was versprochen wird, das ist eine ganz andere Sache. Niemand kann garantieren, dass damit nur Zeit geschunden wird, bevor der Bankrott der Branche ganz offensichtlich wird. In Zeiten, in denen Lebensversicherer viele Altverträge verkaufen wollen, haben Run-Offs sicherlich keine Probleme. Was aber, wenn keine Alterverträge mehr aufgekauft werden können und die Bestände schmelzen und damit immer teurer werden? Darauf besitzt die Lebensversicherungsbranche keine Antworten!

 
       
   

Das BGH-Urteil zum Lebensversicherungsreformgesetz in den Medien

MOTTE, Laura de la (2018): Kein Vorteil für Altkunden.
BGH-Urteil,
in: Handelsblatt v. 28.06.

Laura de la MOTTE wiederholt lediglich, was bereits vor zwei Wochen im Handelsblatt dazu gesagt wurde.

SCHNELL, Christian (2018): Allgemeinheit geht vor.
Beim Lieblingsprodukt der deutschen Sparer geht es um mehr als um Einzelinteressen,
in: Handelsblatt v. 28.06.

Die Lebensversicherer stehen angeblich gut da. Dem steht jedoch gegenüber, dass die Kunden die Zeche zahlen. Um die Profite der Lebensversicherer zu sichern, wird von Christian SCHNELL das Allgemeinwohl vorgeschoben. Eine beliebte Ausrede, um die wirklichen Gründe zu vertuschen.

RATH, Christian (2018): Das lang anhaltende Niedrigzinsumfeld ist schuld.
Die Nachricht: Die Regelung zur Beteiligung an Bewertungsreserven ist verfassungsgemäß, sagt der Bundesgerichtshof. Auszahlungen an Versicherte wurden zum Teil deutlich gekürzt,
in: TAZ v. 28.06.

"Der konkrete Fall wurde vom BGH (...) an das Landgericht Düsseldorf zurückverwiesen. Dort muss noch geprüft werden, ob die Lage der Victoria-Versicherung wirklich so schlecht war, das sie den Kundenanteil an den Bewertungsreserven so stark reduzieren musste",

erklärt uns Christian RATH. Muss also in Zukunft jeder einzelne Kunde klagen, um überprüfen zu lassen, inwiefern solche Kürzungen rechtmäßig sind? Wäre es nicht Aufgabe der Bafin oder des Gesetzgebers dafür zu sorgen, dass es klare Bestimmungen dafür gibt? Auch hier zeigt sich, dass es ein Machtungleichgewicht zulasten der Kunden gibt.

JUNG, Marcus & Philipp KROHN (2018): Versicherer müssen Reserven nicht ausschütten.
Die Richter am Bundesgerichtshof erklären Neuregelung von 2014 für verfassungsmäßig. Ausscheidende Kunden erhalten weniger,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.

KROHN, Philipp (2018): Tote Lebensversicherung.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.

Philipp KROHN, der von Garantien nichts hält, sieht angesichts des BGH-Urteils

"Spielraum, um ein totes Geschäftsmodell angemessen zu beerdigen".

Damit werden dann gleichzeitig die vollmundigen Versprechungen zu Grab getragen, um sie gegen andere vollmundige Versprechungen auszutauschen.

"Den Versicherern ist der Vorwurf zu machen, (...) zu hohe Versprechungen gegeben zu haben. (...). Dabei waren in Japan schon Lebensversicherer insolvent gegangen",

meint der Neoliberale KROHN, der die Schuld am Dilemma aber nicht nur bei den Lebensversicherern sieht, sondern beim Bundesverfassungsgericht und dem Gesetzgeber, die dafür sorgten, dass Kunden an "Luftbuchungen" beteiligt werden müssen, was die Branche angeblich in existenzielle Not gebracht habe. In Not gebracht haben sich die Lebensversicherer jedoch schon selber durch ihre Versprechungen, die nicht zu halten waren. Man wollte die gesetzliche Rentenversicherung unbedingt schlecht reden, was gelungen ist, aber die Kosten tragen nun jene, die auf die Versprechungen hereingefallen sind!

MAGENHEIM, Thomas (2018): Versicherer gewinnen vor Gericht.
Urteil: Wer eine Lebensversicherung hat, muss damit rechnen, dass seine Beteiligung an den Bewertungsreserven gekürzt wird,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.06.

MAGENHEIM, Thomas (2018): Ein gutes Urteil.
Kommentar,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.06.

Thomas MAGENHEIM diffamiert die Kundeninteressen als verfrühstücken der Garantieversprechen anderer. Außerdem behauptet er, dass Versicherer nun Kunden genauer erklären müssten, warum ihr Überschuss gekürzt wird. Das ist eine ziemlich optimistische Sicht. Eher ist davon auszugehen, dass jeder Einzelne gezwungen ist zu klagen, um die Angemessenheit von Kürzungen zu erfahren.

PFEIFFER, Hermannus (2018): Weniger Geld von der Assekuranz.
BGH-Urteil: Lebensversicherer dürfen Bewertungsreserven aus Wertpapierdeals behalten,
in: Neues Deutschland v. 28.06.

"Die Regierung wollte sicherstellen, dass auch für Versicherte mit jüngeren Verträgen noch genügend Geld in den Kassen der Versicherten verbleibt. Davon profitieren nach Expertenmeinung auch die Unternehmen, auf Kosten der Versicherten mit älteren Verträgen", erklärt Hermannus PFEIFFER.

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Regierung will Versicherern in der Zinszusatzreserve helfen.
Im Gegenzug sollen Versicherer weiter Kosten senken,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.

Philipp KROHN referiert die Sichtweise der Versicherungswirtschaft, deren Sicht jedoch von niemandem überprüft werden kann, weil die Berechnungen geheim und geschützt sind:

"Das Lebensversicherungsreformgesetz war damals geschaffen worden, nachdem Versicherer beklagt hatten, die bis dahin geltende Ausschüttungsregel zwinge sie, Wertpapiere zu veräußern, die sie benötigten, um die Zinsgarantien gegenüber ihren Kunden zu erfüllen. Nach ihrer Lesart drohten innerhalb eines Jahres rund 3 Milliarden Euro an ausscheidenden Kunden ausgezahlt zu werden, mit denen die finanzielle Stabilität der Unternehmen hätte gestärkt werden können."

Der Bund der Versicherten sieht das dagegen anders: Weil sich die Versicherer verkalkuliert hätten, sollen die Kunden die Zeche zahlen. Im Falle des Klägers machte der Unterschied immerhin 5 % des ausgezahlten Betrages aus. Der Fall zeigt das bestehende Machtgefälle zwischen Versicherten und Lebensversicherern auf.

 
       
   

FROMME, Herbert (2018): Sinnvolle Kostenbremse.
Kommentar zu Lebensversicherungen: Der Provisionsdeckel könnte zum dringend notwendigen Umdenken in der Branche führen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.06.

 
       
   

PENA, Paulo & Harald SCHUMANN (2018): Achtung, Rentenfresser.
Lobbyismus: Der US-Konzern Blackrock will Europas Pensionen privatisieren. Die EU-Kommission macht sich zur willigen Helferin,
in: Freitag Nr.26 v. 28.06.

PENA & SCHUMANN berichten darüber wie der weltgrößte Fondsverwalter Blackrock die EU als Einfallstor benutzt, um die nationalen Altersvorsorgemärkte aufzumischen. Während sich die Lebensversichererbranche in Deutschland noch Abwehrkämpfe um Marktanteile am lukrativen Altersvorsorgemarkt liefert, soll dieser Markt per EU-Politik zugunsten der Fondsverwalter gestaltet werden. Die Neugestaltung trägt den Namen PEPP und ist ein europaweites Altersvorsorgeprodukt - ohne Garantien, aber mit Qualitätssiegel. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde bereits eingebracht.

PENA & SCHUMANN berichten darüber wie im neoliberalen Vorzeigeland Großbritannien seit 2015 der Grundstein für bessere Bedingungen für Blackrock gelegt wurde und die verantwortlichen Politiker sich ihren Einsatz durch lukrative Posten bei Blackrock ließen. Auch in Deutschland war der Wechsel von verantwortlichen Politikern und Politikberater, die die Teilprivatisierung der Altersvorsorge durchsetzten, in die Finanzleistungsbranche eine Selbstverständlichkeit.

Als Kritiker von PEPP werden der EU-Abgeordnete Martin SCHIRDEWAN (Linkspartei) und Margrethe VESTAGER, Chefin der EU-Kartellbehörde, genannt.

Den EU-Altersvorsorgeproduktmarkt, der auf die besserverdienende Mittelschicht abzielt,  beziffern PENA & SCHUMANN auf 2,1 Billionen Euro im Jahr 2030 (derzeit 700 Milliarden Euro). Geringverdiener sehen sie dagegen außen vor. Denen würde nach Meinung der Autoren Reformen nach dem Vorbild von Schweiz oder Österreich helfen:

"Dort sind anders als in Deutschland alle Einkommen beitragspflichtig, auch jene von Selbständigen und Führungskräften. Darum können die Rentenkassen dort auch bei niedrigen Geburtenraten auskömmliche Renten zahlen."

 
       
   

27.06.2018

 
       
   

FROMME, Herbert (2018): Große Koalition hilft Lebensversicherern.
Regierung will Belastungen aus Zinspuffern reduzieren. Gleichzeitig sollen Abschlussprovisionen begrenzt werden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.06.

 
       
   

BEHR, Runa (2018): "Der Osten wird gerade ein zweites Mal entdeckt".
Das Online-Magazin "Krautreporter" plant eine Lokalausgabe in Sachsen. Redakteur Josa Manie-Schlegel erzählt, warum,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.06.

"Ich bin überzeugt, dass durch so ziemlich jedes Thema, das die Bundesrepublik bewegt, immer noch eine Grenze zwischen Ost und West verläuft. Sei es Hartz IV, Renten, Gehälter oder Essgewohnheiten und Popmusik. Diese Grenze würden wir gerne entdecken - oder hinterfragen",

erklärt uns Josa MANIA-SCHLEGEL. Vielleicht läuft jedoch die Grenze zwischen den Klassen und nicht zwischen den verschiedenen Himmelsrichtungen. Dass der Ost-West-Konflikt der drängendste sei, darf stark bezweifelt werden. Als "Bürgerjournalismus" versteht sich Krautreporter, aber Bürger haben da genauso wenig zu sagen wie in allen anderen Medien, in denen Profi-Journalisten das Sagen haben.

 
       
   

LEITHOLD, Iris (2018): Grenzgänger an der Elbe.
Vor 25 Jahren wechselten acht Orte von Mecklenburg nach Niedersachsen, aber eine Brücke fehlt. Gibt Schwerin Geld?
in: Neues Deutschland v. 27.06.

"(Der) Neuhäuser Streifen, der sich am Ostufer der Elbe zwischen Dömitz und Bolzenburg im heutigen Mecklenburg-Vorpommern erstreckt(,...) hatte bis 1948 jahrhundertelang zu Hannover gehört - und dort wollten die Dörfer nach der Wende wieder hin. Ein Staatsvertrag zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern besiegelte am 29. Juni 1993 den Wechsel der acht Gemeinden Dellien, Haar, Kaarßen, Neuhaus/Elbe, Stapel, Sückau, Sumte und Tripkau nach Niedersachsen. Und aus 6.100 Ossis wurden am Tag darauf Wessis.
Es war der einzige Wechsel eines Gebietes aus der ehemaligen DDR in ein Bundesland der alten Bundesrepublik",

berichtet Iris LEITHOLD aus Amt Neuhaus, das zu den schrumpfenden Gemeinden in Deutschland gehört. Im Artikel geht es um das Anliegen des Fördervereins "Brücken bauen", das auf wenig Gegenliebe in Mecklenburg-Vorpommern stößt.

 
       
   

ÖFINGER, Hans-Gerd (2018): Am Schelmengraben wird's gar nicht lustig.
Hessen: In einer Wiesbadener Wohnsiedlung drohen drastische Mietsteigerungen - entgegen aller Versprechungen,
in: Neues Deutschland v. 27.06.

In Hessen steht die Landtagswahl bevor und die Linke kann von derzeit nicht von der Schwäche von Schwarz-Grün profitieren. Hans-Gerd ÖFINGER berichtet darüber, wie die Linkspartei mit Kritik an der Wohnungsmisere z.B. in Wiesbaden punkten will. Das Wohngebiet liegt im Wiesbadener Stadtteil Dotzheim und soll durch die hessische Wohnungsbaugesellschaft GHW aufgewertet werden. Im Verwaltungsrat des Mutterkonzerns sitzen Parteigrößen von CDU und SPD, was der Linkspartei natürlich gerade recht kommt. So kann sie sich wenigstens noch im Westen als Partei der kleinen Leute profilieren, was wie im Osten aufgrund diverser Regierungsbeteiligungen längst nicht mehr ist.   

 
       
   

BARFUSS, Thore & Falk SCHNEIDER (2018): Die wahre Schwäche der SPD.
Sozialdemokraten behaupten nur in wenigen Bundesländern ihre einst führende Position. Ein Blick auf die jüngsten Umfragen,
in: Welt v. 27.06.

BARFUSS & SCHNEIDER legen der SPD mit Wolfgang MERKEL nahe, sich vom Anspruch einer Volkspartei zu verabschieden. Dessen Forderungen nach einem Linksrutsch verkneifen sich die Journalisten jedoch.

Im Spiegel vom Wochenende hat der Politikwissenschaftler Franz WALTER eine SPD beschrieben, die sich von ihrer ehemaligen Wählerschaft fundamental entfremdet hat. Aus der ehemaligen Kümmererpartei sei eine Partei der Büroleiter und neoliberaler "Papageiensprache" geworden. In Norwegen sprechen Kritiker gar von einem "Sozialdemokratischen Staatsadel". WALTER sieht darin ein Einfallstor für die neuen Kümmerer von der AfD. Die Kulturalisierung des Konflikts, der insbesondere von der herrschenden Soziologie ausgerufen wird, betrachtet WALTER als Falle, die dem "libertären Schein" der kosmopolitischen Lifestyle-Linken geschuldet sei. Vielversprechender sind für ihn die

"früheren Kategorien zur Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse - der Begriff der Klasse, des Kapitals, des Konflikts, des sozialen Interesses, der Machtverhältnisse".

Man wird diese Botschaft in der Mitte-SPD kaum hören wollen, weshalb man sie vertreiben wird aus ihrer Wohlfühlecke. 

 
       
   

Das Single-Dasein in Belgien

RÜHLE, Alex (2018): Ihr seid furchtbar, also mehret euch nicht!
SZ-Serie Das Anthropozän (11): Das größte Umweltproblem ist der Mensch. Deshalb fordern die Antinatalisten das Ende der Fortpflanzung. Ein Besuch bei ihrem Vordenker Théophile de Giraud,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.06.

Alex RÜHLE stellt den Belgier Théophile de GIRAUD  als Antinatalisten vor. Das Porträt wimmelt jedoch von Widersprüchen. Da wird einmal erklärt, dass die Menschheit mit der Fortpflanzung aufhören soll, dann wieder wird vom Selbstbestimmungsrecht der Frauen gesprochen, die selber entscheiden sollen, wie viele Kinder sie in die Welt setzen wollen. GIRAUD sieht sich als Gegenstimme zum französischen INED, das pronatalistische Positionen wie alle westlichen Bevölkerungsinstitute vertritt. 

 
       
   

26.06.2018

 
       
   

LUDWIG, Kristina (2018): Eingefrorener Kinderwunsch.
Die Opposition will künstliche Befruchtung höher bezuschussen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.06.

LUDWIG, Kristina (2018): Fortschritt auf Eis.
Kommentar zur Familienplanung: Die Union benutzt moderne Medizin, um ihr Ideal von der Ehe festzuschreiben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.06.

 
       
   

MAYR, Stefan (2018): Hightech frisch vom Schlachthof.
SZ-Serie Gipfelstürmer: Rund um das renommierte Karlsruher Institut für Technologie hat sich ein agiles IT-Netzwerk entwickelt, das die Landeshauptstadt Stuttgart als Start-up-Standort in den Schatten stellt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.06.

 
       
   

GOLLNICK, Ines (2018): Soziale Netzwerker verhindern das Ghetto.
Ein Netz von Freiwilligen macht aus der Hochhaussiedlung Bensberg in Bergisch Gladbach einen Wohnpark mit Vorbildcharakter,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.06.

"Im Wohnpark Bensberg am Bockenberg, etwa vierzig Kilometer von Köln entfernt, leben rund 2.500 Menschen aus vierzig Nationen auf relativ engem Raum. Ein knappes Drittel sind Ausländer, aber der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund liegt viel höher. Die sieben Gebäudekomplexe mit rund 950 Wohnungen (...) entsprechen den wenig geliebten städtebaulichen Vorstellungen der 1970er Jahre, die aber günstigen Wohnraum bereitstellen. (...) Der Wohnpark hat Vorbildcharakter. Das ist vor allem einem umfangreichen Netzwerk vor Ort zu verdanken. Darin kooperieren unter Federführung der Stadt verschiedene soziale Einrichtungen, Schulen, Kitas, Kirchen, Vereine und Einzelpersonen. Alle verfolgen das gleiche Anliegen: Die Lebensqualität der hier lebenden Familien und vor allem der Kinder soll verbessert werden. Ein Leuchtturmprojekt ist die Kontaktstelle im Wohnpark (KiWo), die vielfältige Hilfen anbietet",

berichtet Ines GOLLNICK. Das Leuchtturmprojekt verstellt den Blick darauf, dass solche besonders geförderten Modelle nichts mit der Realität in nicht-geförderten Wohngebieten zu tun haben. Im Integrierten Handlungskonzept der Stadt Bergisch-Gladbach heißt es zum Wohnpark:

"Im Süden des Plangebietes liegt der Wohnpark an der Reghinarstraße. Die Siedlung aus den 1970er Jahren besteht aus Geschosswohnungsbauten mit bis zu 20 Geschossen, überwiegend in Form von Eigentumswohnungen. Gemessen am Alter und verglichen mit ähnlichen Wohnungsbeständen ist der Wohnpark in einem akzeptablen Zustand, die Bindung hoch, die Fluktuation und der Leerstand gering. Der in Bockenberg gelegene Wohnpark Bensberg dient rd. 1.500 Menschen als Wohnraum und ist bei vielen Bewohnern trotz kleinerer Einschränkungen beliebt." (S.35)

Ob dort 2.500 oder nur 1.500 Menschen wohnen und das vorwiegend im Eigentum und nicht in Miete, das macht wohl den großen Unterschied, den uns GOLLNICK in ihrem aufgehübschten Stadtmarketing-Sprech verschweigt. Vor allem wird uns suggeriert, dass es sich aufgrund der sozialen Zusammensetzung um ein Problemviertel handelt. Doch das Gegenteil ist der Fall:

"Da sich Investitionsvorhaben auf hochpreisige Wohnangebote fokussieren (Ausnahme Wohnpark Reginharstraße) mangelt es im Plangebiet an Wohnformen für unterschiedliche Nutzer- und Zielgruppen. Davon sind beispielsweise Angebote an gefördertem und kostengünstigen Wohnraum sowie barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen betroffen. In einigen Bereichen sind die Preise aufgrund einer hohen Nachfrage gestiegen. Fehlende Entwicklungsflächen für Wohnraum verschärfen die Situation zusätzlich. (...). Der große Zuzug erschöpft die Kapazitäten einiger infrastruktureller Einrichtungen. Hiervon sind vor allem die Grundschulen und Kindertagesstätten betroffen, welche nicht ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung stellen können. Darüber hinaus ist die Ausstattung in den Infrastruktureinrichtungen nicht vollumfänglich, Räumlichkeiten zur Essenversorgung sowie zur Nachmittagsbetreuung fehlen."

Das Wohngebiet ist nicht wie für Problemviertel üblich durch Segregation gekennzeichnet, sondern durch Gentrifizierungsprozesse, die die Stadt weiter fördern will.

Fazit: Der Wohnpark Bensberg ist kein Vorbild für den Umgang mit anderen Problemvierteln, sondern ein Beispiel, dass Gentrifizierung auch nicht vor Wohnsiedlungen der 1970er Jahre Halt macht.  

 
       
   

REZMER, Anke & Peter THELEN (2018): Die Angst vor Altersarmut.
Immer mehr Menschen fürchten, im Ruhestand zu verarmen, zeigt eine Umfrage. Statt mehr zu sparen, rufen sie nach dem Staat. Die Versicherer wollen mit besseren Produkten reagieren,
in: Handelsblatt v. 26.06.

"Für wenig sinnvoll halten es die Befragten, selbst mehr fürs Alter zu sparen. Vielmehr fordern sie die Politiker dazu auf, die Renten zu erhöhen. (...) So fordern 70 Prozent der Befragten quer durch alle Altersklassen und nahezu alle Einkommensgruppen vom Staat als wichtigstes Ziel, sich um höhere Renten zu kümmern",

schreiben REZMER & THELEN zu einer repräsentative Umfrage des Lebensversicherers Axa. Die Mehrheit der Befragten schließt zudem keine neuen Altersvorsorge-Produkte ab. Die Ergebnisse sollten eigentlich die Lebensversicherer aufschrecken. Diesen fällt jedoch seit Jahren nichts anderes ein, als dass die Bürger ihre Sparanstrengungen einfach nur verdoppeln - besser verdreifachen - müssten, um jene Privatrente zu erreichen, die ihnen Anfang des Jahrtausends von Rentenkommissionsmitgliedern wie Axel BÖRSCH-SUPAN und Generationengerechtigkeitskriegern wie Bernd RAFFELHÜSCHEN vollmundig versprochen wurden. Dass diese Experten immer noch von der neoliberalen Mainstreampresse wie Päpste hofiert werden, ist der eigentliche Skandal. Auch das Handelsblatt zitiert wieder RAFFELHÜSCHEN und nennt große Summen, die die Stabilisierung des Renteniveaus kosten würde - verschweigt aber die riesigen Zeiträume, in denen diese fiktiven Summen fällig werden könnten - vorausgesetzt die Zukunft würde sich an lineare Vergangenheitsfortschreibungen halten, statt sie nicht darum zu scheren!

Mit Eckart BOMSDORF gibt es jedoch eine Gegenstimme:

"Er hält eine Stabilisierung der Rentenniveaus auf heutigem Niveau bis etwa 2030 für vertretbar. Außerdem plädiert er für eine Rücknahme oder Abschwächung des sogenannten Riester-Faktors."

Warum das nur bis 2030 möglich sein sollte, ist jedoch unklar, zeigt jedoch, dass die Zeiten der Alternativlosigkeit vorbei sind!  

 
       
   

KROHN, Philipp (2018): Versicherungsvermittler bangen um ihr Einkommen.
Die Abschlusskosten in der Lebensversicherung sinken zu langsam. Der Gesetzgeber will nun die Provisionen deckeln. Doch die Zweifel sind groß, ob es etwas bringt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.06.

"Eine Handvoll Interessengruppen profitiert von der Lebensversicherung als Altersvorsorgeprodukt: Kunden und Versicherer, Aktionäre und Vermittler sowie der Staat",

erklärt uns Philipp KROHN. Da fehlt jedoch die ganze Unternehmensberatungsbranche sowie die Verbraucherschutzverbände und die Lobbyverbände der Versicherungswirtschaft. An dem Lebensversicherungsprodukt hängen direkt oder indirekt jede Menge Arbeitsplätze. Nicht zu vergessen die Versicherungsjournalisten!

Angeblich soll die Niedrigzinsphase zuerst vor allem die Kunden und Versicherer sowie Aktionäre getroffen haben. Erst das Lebensversicherungsreformgesetz hätte die Vermittlungsbranche in den Kreis derjenigen miteinbezogen, die sich an den Folgen zu beteiligen hätten, so jedenfalls will es die Legendenbildung der Versicherungsjournalisten. Nur eines dürfte sicher sein: Ohne Kunden wäre die Lebensversicherungsbranche dem Untergang geweiht. KROHN präsentiert einige Stimmen der verschiedensten Vermittlungsakteure.

Als Experte wird uns Matthias BEENKEN vorgestellt, der als "Dortmunder Fachhochschulprofessor" tituliert wird, obwohl er ein Lobbyist der Versicherungswirtschaft ist, der "publizistische und journalistische Dienstleistungen rund um Themen der Versicherungswirtschaft und der Versicherungsvermittlung" anbietet (So die Selbstbeschreibung auf seiner Website) BEENKEN lehrt an dem Kölner Institut für Versicherungswesen, das von der Versicherungswirtschaft gefördert wird.   

 
       
   

WELZBACHER, Christian (2018): Hässlichkeit ist nicht einmal die halbe Wahrheit.
Jeder hat seine Meinung zu Offenbach, doch die meisten liegen mit ihr falsch. Ehrenrettung für eine tolerante, entspannte, fortschrittsverliebte Stadt, die zum Vorbild für Deutschland werden könnte, weil sie mit ihren Problemen zu leben gelernt hat - und die uns eine komplette Feuilleton-Ausgabe wert ist,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.06.

Das FAZ-Feuilleton ist heute zu einer Außenstelle des Offenbacher Stadtmarketings verkommen. Ist das die Zukunft des PR-Qualitätsjournalismus? In Hessen stehen im Herbst Landtagswahlen an und Schwarz-Grün könnte abgewählt werden. Vor einigen Tagen hat die FAZ bereits den Frankfurter Stadtteil Riederwald besucht, wo die AfD zum Schreckgespenst der etablierten Parteien gerät. Nun wird Offenbach als Wohnstandort propagiert, schließlich soll Frankfurt für die EZB-Banker attraktiver werden, was die Angst vor Verdrängung anheizt. Ob diese offensichtlichen Versuche von den Problem ablenken können, die bald das hessische Wohlfühlbürgertum in seiner kosmopolitischen Beschaulichkeit erschüttern könnte? Die bevorstehende Landtagswahl wird das zeigen!

 
       
   

LOCKE, Stefan (2018): Eine Milliarde für die Chipfabrik der Zukunft.
Bosch legt in Dresden den Grundstein für die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.06.

Stefan LOCKE berichtet über einen neuen geplanten Standort für die Chipproduktion in Dresden. Die Standortwahl der Firme wurde aufgrund von in Aussicht gestellten Förderungen durch Bund und EU getroffen:

"Diese (...) wäre wohl ohne Unterstützung vor allem des Bundes sowie einer bisher einzigartigen Ausnahme der Europäischen Union von beihilferechtlichen Begrenzungen kaum so gefallen."

Die CDU lässt sich also ihren Ministerpräsidenten Michael KETSCHMER und die Landtagswahl in Sachsen einiges kosten. Der sächsischen Peripherie dürfte das jedoch wenig helfen, sondern die Kluft zwischen Stadt und Land zusätzlich verschärfen.   

 
       
   

MALZAHN, Claus Christian (2018): Angst vor der Unregierbarkeit.
Im Osten fürchtet man bald schwierige Mehrheitsfindungen. In Thüringen plant Rot-Rot-Grün für den Ernstfall - mit einem hoch umstrittenen Manöver,
in: Welt v. 26.06.

Claus Christian MALZAHN berichtet über den richtigen Wahltermin für die Landtagswahlen im Osten und Haushaltsbeschlüsse, die mögliche geschäftsführende Regierungen das Weiterregieren ermöglichen würden, wenn keine politische Mehrheiten zustande kommen würden. 

 
       
   

STENGER, Kurt (2018): Die Zukunft beginnt in Hohenmölsen.
In den Kohlregionen wird allmählich der Strukturwandel vorbereitet - Bund und Länder sollen Geld beisteuern,
in: Neues Deutschland v. 26.06.

Kurt STENGER rückt nicht die Kohleregionen Lausitz und Niederrhein in den Mittelpunkt des Artikels, sondern den Süden von Sachsen-Anhalt, speziell den Burgenlandkreis, wo rund 8.000 Jobs direkt oder indirekt von der Kohle abhängen. Nach der Wende waren es noch 60.000 Menschen.

 
       
   

Das Single-Dasein in Russland

GASKAROW, Alexej (2018): Prekäre Löhne, prekäre Rente.
Über die radikalen Rentenreformpläne in Russland,
in: Neues Deutschland v. 26.06.

 Alexej GASKAROW sieht aus seiner gewerkschaftlichen Sicht bis 2035 kein demografisches Problem für den russischen Rentenfonds, aber

"derzeit decken die Beiträge nur etwa 60 Prozent des Bedarfs, ein Teil der Kosten wird aus dem Staatshaushalt bezahlt. In Russland gibt es derzeit 43 Millionen Rentner. Nur etwa 35 Millionen davon erhalten Altersrente, der Rest wegen verminderter Erwerbsfähigkeit."

Die Auswirkungen der geplanten Erhöhung des Renteneintrittsalters würde gemäß GASKAROW den Anteil der Rentner um 30 Prozent absenken. Die wahren Probleme sieht GASKAROW bei der wachsenden Schattenwirtschaft und den Folgen der Abschaffung des Inflationsausgleichs bei den Renten:

"2016 hat die Regierung die Indexierung der Rentenzahlungen (den automatischen Inflationsausgleich, Anm. d. Red.) für arbeitende Rentner abgeschafft. Daraufhin haben vier von 13 Millionen ihre Arbeit gekündigt oder arbeiten weiter im Schattensektor. Das trifft unter anderem auf Polizeiangehörige zu, die Rentenansprüche lange vor Erreichen des bislang geltenden Rentenalters geltend machen können. Männer über 60 und Frauen über 55 gehen statistisch betrachtet wesentlich seltener einer Lohnarbeit nach. Mit der Anhebung des Rentenalters wird deshalb gleichzeitig das Defizit an Arbeitsplätzen steigen."

 
       
 

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Zu den News vom 20. - 25. Juni 2018
 

       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
       
 
   

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Bernds@single-dasein.de Stand: 16. Juli 2018