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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 22. - 31. August 2017: [25.08.] [26.08.] [27.08.] [28.08.] [29.08.] [30.08.] [31.08.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Wandel der Umverteilungsnorm in der Sozialversicherung

"Die veränderte Balance zwischen Versicherungsprinzip und Solidarprinzip im Bereich der Sozialversicherung, die nur rhetorische Abkehr von der Ehezentrierung bei gleichzeitiger Stärkung der Erwerbsarbeitszentrierung und der Anerkennung von Familienarbeit sowie die Ausdifferenzierung des Fürsorgeprinzips bei gleichzeitiger Priorisierung der Aktivierungslogik kennzeichnen den Wandel der Umverteilungsnormen in der deutschen Sozialpolitik. Der Staat zieht sich aus der kollektiv organisierten Solidarität ein Stück weit zurück: nicht nur durch die Privatisierung von sozialen Risiken (in der Alters- und Pflegevorsorge, der PKV und der Berufsunfähigkeitsversicherung), sondern auch durch die Implementierung des Modells der allgemeinen Erwerbstätigkeit für alle Erwerbsfähigen und das Aktivierungsparadigma. Der Markt gewinnt als Ort der selbstverantworteten Wohlfahrtsproduktion an Bedeutung und damit auch die erwerbsarbeitszentrierte Leistungsgerechtigkeit. Dies ist zum einen ein Paradoxon, da die strukturellen Ausschlüsse vom Erwerbsarbeitsmarkt zunehmen, und hat zum anderen Auswirkungen auf soziale Ungleichheitsstrukturen: Eigenverantwortliches (Vorsorge-)Handeln ist nicht allen in gleicher Weise möglich, wird aber von allen in gleicher Weise eingefordert. Nach dem Bedarfsprinzip solidarisch geschützt werden nur noch die Alten und die Erwerbsunfähigen, und auch das nur auf Grundsicherungsniveau."
(Sigrid Leitner "Leistungs- und Bedarfsgerechtigkeit im Sozialstaat. Umverteilungsnorm im Wandel", in: Brigitte Aulenbacher u.a. (Hrsg.)(2017) Leistung und Gerechtigkeit. Das umstrittene Versprechen des Kapitalismus, Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S.115 )

 
       
       
   

31.08.2017

 
       
   

Der DIW-Wochenbericht Erwerbspersonenpotential in den Medien

BRENKE, Karl & Marius CLEMENS (2017): Steigende Erwerbsbeteiligung wird künftig kaum ausreichen, um den demografischen Wandel in Deutschland zu meistern,
in: DIW-Wochenbericht Nr.35 v. 31.08.

BRENKE & CLEMENS stützen sich bei ihrer Berechnung des Erwerbspersonenpotenzials auf die selbst vom Statistischen Bundesamt als überholt bezeichnete 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung vom April 2017. Diese wurde Anfang dieses Jahres verworfen und durch die Variante 2-A ersetzt, die auch Grundlage einer gestern veröffentlichten Prognos-Studie ist. Selbst diese Variante ist jedoch hinsichtlich der Geburtenentwicklung zu pessimistisch.

Fazit: Die Berechnungen von BRENKE & CLEMENS taugen nur als Altpapier! Es geht hier um die bewusste Überzeichnung der zukünftigen Entwicklung, denn sonst hätten die Autoren zumindest die aktuelle Variante 2-A berücksichtigen müssen.

GREIVE, Martin (2017): Die Millionen-Lücke.
Fachkräftemangel: Laut einer neuen DIW-Studie wird die Zahl der Erwerbstätigen dramatisch sinken. Der einzige Ausweg: mehr Zuwanderung,
in:
Handelsblatt v. 31.08.

Martin GREIVE ist bekannt für seine Vorliebe für Horrorszenarien, die mit der Realität wenig, dafür umso mehr mit politischen Interessen zu tun hat. Wenn nun eine überholte Bevölkerungsvorausberechnung zusätzlich dramatisiert wird wie bei GREIVE, dann wird das nicht besser, sondern ist üble Schwarzmalerei.

GREIVE, Martin (2017): Wacht auf!
Fachkräftemangel: Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, brauch es eine andere Sozialpolitik,
in:
Handelsblatt v. 31.08.

Worum es Martin GREIVE wirklich geht: Diffamierung des Sozialstaats.

"Schaffung eines Renteneintrittsfensters, das an die Stelle des starren Renteneintrittsalters tritt",

fordert GREIVE. Das klingst nach der Klientelpartei FDP, die das Renteneintrittsalter mit saftigen Abschlägen für Normalos auf 70 Jahre anheben möchte. GREIVE verpackt das lediglich in schönfärberische Worte.  

 
       
   

NAHRENDORF, Rainer (2017): Die Älteren entscheiden.
Rentnerdemokratie: Deutschland benötigt mehr praktizierte Solidarität der Generationen,
in:
Handelsblatt v. 31.08.

Es mutet mehr als merkwürdig an, wenn Repräsentanten der Rentnerdemokratie wie Rainer NAHRENDORF (Angehöriger der Altersgruppe 70plus!) sich zum Anwalt der Jüngeren stilisieren, obwohl sie doch ihrer Ansicht nach das Problem darstellen!

Fazit: Entweder der Begriff Rentnerdemokratie gehört in die Mülltonne oder man schweigt besser!

 
       
   

DESTATIS (2017): 374.000 Personen erhielten Ende 2016 Hilfe zum Lebensunterhalt,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 31.08.

 
       
   

PUSCHNER, Sebastian (2017): Unser Dorf soll schneller werden.
Infrastruktur: Im westfälischen Hagen bröseln Brücken, Berlin-Lichtenberg braucht neue Schulen. Wie die Kommunen in Zeiten strenger Schuldenregeln um Investitionen ringen,
in:
Freitag Nr.35 v. 31.08.

"230.000 Einwohner hatte Hagen zu den Hochzeiten der hiesigen Stahlindustrie in den 1970ern, heute sind es etwa 190.000, wobei die Zahl in den vergangenen Jahren wieder um ein paar Tausend gewachsen ist, was auf den Zuzug armer Familien aus Bulgarien und Rumänien zurückgeht und von der Stadt wiederum mehr Investitionen in die soziale Infrastruktur verlangt",

berichtet Sebastian PUSCHNER. Die so genannte Armutszuwanderung war ein Wahlkampfthema bei den Landtagswahlen. In Hagen geht es hier um das Projekt "Soziale Stadt Wehringhausen", wo sich

"die von Armen bewohnten Schrottimmobilien Hagens konzentrieren."

Berlin-Lichtenberg wird dagegen als "familiengerechte Kommune" vorgestellt:

"75.000 Schüler mehr erwartet Berlin in den kommenden acht Jahren, in Lichtenberg, das an die Innenstadtbezirke angrenzt, ist der erartete Zuwachs mit 47 Prozent am höchsten",

erklärt PUSCHNER, der die Ursache in der Verdrängung der Familien aus zentralen Lagen sieht. Gestemmt soll diese Herausforderung durch öffentliche Unternehmen (ÖÖP) statt durch private Unternehmen (ÖPP) werden.

 
       
   

HAAK, Sebastian (2017): Plötzlich Innenminister.
Auf den entlassenen Holger Poppenhäger folgt Georg Maier - das Problem bleibt: die Thüringer Gebietsreform,
in:
Neues Deutschland v. 31.08.

 
       
   

VITZTHUM, Thomas (2017): Dirndltausch.
Welt-Serie In großen Fußstapfen: Katrin Staffler ist eine von nur acht Frauen, die von der CSU für ein Direktmandat aufgestellt wurden. Sie tritt im Wahlkreis der scheidenden Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt an,
in:
Welt v. 31.08.

"Die 35 Jahre alte gebürtige Dachauerin will den Wahlkreis erobern, den 30 Jahre lang Gerda Hasselfeldt innehatte. Das ist eigentlich ein Geschenk, denn ein prominenter Vorgänger eröffnet auch dem Nachfolger beste Chancen für die Direktwahl. Zudem in Bayern. Dort hat die CSU wieder gute Aussichten, alle Wahlkreise direkt zu gewinnen. Hasselfeldt siegte 2013 in ihrem mit 35 Prozentpunkten Vorsprung auf den Bewerber der SPD,"

berichtet Thomas VITZTHUM über den Wahlkreis 215 Fürstenfeldbruck in Bayern und die designierte Erbnachfolgerin Karin STAFFLER. Bereits der Spiegel hatte die fehlende Geschlechtergleichheit beklagt, aber auch hier spiel nicht das Geschlecht, sondern die Herkunft aus dem Akademikermilieu die entscheidende Rolle. Für Bewerber über die Landesliste sieht VITZTHUM kaum Chancen für den Einzug in den Bundestag:

"Denn die Liste dürfte laut Wahlrechtsexperten kaum zum Zuge kommen. Auch in der Landesgruppe rechnet man nur mit ein bis zwei zusätzliche Parlamentariern. An der Spitze der Liste steht mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ein Mann. Erst danach könnte mit Astrid Freudenstein aus Regensburg eine Frau profitieren."

Gemäß Sonderheft Wahlbewerber ist Astrid FREUDENSTEIN jedoch nicht auf Platz 2 der Landesliste (dort steht der Verkehrsminister Alexander DORBRINDT) geführt, sondern auf Platz 26. Platz 3 belegt Dorothea BÄR als erste Frau der Landesliste (vgl. S.195).

Die einzige weitere Direktkandidatin ist die Juristin Daniela LUDWIG im Wahlkreis 222 Rosenheim.    

 
       
   

NASSEHI, Armin (2017): Hautfarbe, Geschlecht, Nation.
Überall Identitäre: Wie links und rechts auf einer Einteilung der Gesellschaft in Menschengruppen bestehen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

PILLER, Tobias (2017): Erstmals Sozialhilfe in Italien.
Für Familien gibt es bis zu 490 Euro im Monat,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.08.

 
       
   

30.08.2017

 
       
   

Wie uns das aktuelle INSM-Gutachten verdummt, indem durch die Wahl des Betrachtungszeitraums (nur bis 2045 statt bis 2083) die Belastungen der jüngeren Generationen tendenziell zu hoch und die Entlastungen tendenziell zu niedrig ausgewiesen werden

EHRENTRAUT, Oliver & Stefan MOOG (2017): Generationengerechte Rente?.
Gewinner und Verlierer aktueller Rentenvorschläge,
in:
insm.de v. 30.08.

Das Prognos-Institut hat die Gewinne und Verluste nur bis zum Jahr 2045 gerechnet, während die Bild-Zeitung die höchsten Verluste bei der Alterssicherung beim Geburtsjahrgang 2015 sieht.

Da die Berechnungen nur bis 2045 gehen, in dem der Geburtsjahrgang 2015 erst 30 Jahre alt ist, bleiben dessen Rentenhöhe und damit die eine Seite der Bilanz unberücksichtigt. Oder anders formuliert: Für die jüngeren Geburtsjahrgänge werden tendenziell nur die Beitragslasten berücksichtigt, während die Rentenleistungen unter den Tisch fallen.

"Als heutige Generation betrachten wir die Geburtsjahrgänge 1915 und früher (heute 100-Jährige und älter) bis 2015 (heute 0-Jährige/Neugeborene). Zur Bestimmung der Netto-Zahllasten in den einzelnen Szenarien werden für jeden Geburtsjahrgang die zukünftig zu leistenden durchschnittlichen Zahlungen an die GRV sowie die im Gegenzug empfangenen durchschnittlichen Leistungen ermittelt" (2017, S.13),

heißt es dazu in der Studie. Der Pferdefuß bei der Sache, offenbart jedoch die Fußnote:

"Die zukünftig noch zu leistenden Zahlungen bzw. noch zu empfangenden Leistungen umfassen für jeden Jahrgang jeweils den gesamten verbleibenden Lebenszyklus. In der Vergangenheit liegende Zahlungen werden bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt" (2017, Fn14 S.13)

Oder anders formuliert: Die Beitragszahlungen der älteren Geburtsjahrgänge werden in der Bilanz einfach wegdefiniert. Eine seriöse Generationenbilanz hätte alle Beitragszahlungen und Leistungen über die gesamten Lebensabschnitte der Geburtsjahrgänge zu betrachten, statt nur jene zwischen 2015 und 2045.

Die Berechnungen enden zudem merkwürdigerweise genau zu jenem Zeitpunkt, wo der Altenquotient nach der Variante 2-A der Bevölkerungsvorausberechnung sinkt, d.h. ein Wendepunkt der Be- und Entlastungen in der Rentenversicherung stattfinden würde.

Anders als die FAZ gestern berichtete, spielt die Lebenserwartung und damit die Rentenbezugsdauer eines Geburtsjahrgangs keinerlei Rolle, weil lediglich der Zeitraum 2015 bis 2045 und nicht die Lebensspannen der Geburtsjahrgänge die Berechnungsgrundlagen sind. 2015 geborene Jungen werden ca. 78 Jahre alt, Mädchen dagegen 83 Jahre.

Fazit: Wären die Gewinn- und Verlustbilanzen von PROGNOS seriös, dann müssten die Berechnungen bis 2083 durchgeführt werden, denn bis dahin kassiert eine durchschnittlich 2015 geborene Frau Rentenleistungen. Stattdessen bleiben die Jahre 2045 bis 2083 in den Berechnungen außen vor. Bevölkerungsvorausberechnungen bis 2083 wären zudem nicht mehr als Kaffeesatzleserei. Die angeblichen Generationenbilanzen sind also nichts als Fake-News!

Die Annahmen der Prognos AG werden in der Studie insgesamt nur rudimentär dargestellt, sodass deren Ausblendungen nur teilweise sichtbar werden. Für den Leser ist es deshalb nicht möglich z.B. die Umlegung der Kosten und Leistungen auf die einzelnen Geburtsjahrgänge nachzuprüfen. Auch das ist nicht wissenschaftlich seriös, sondern die Konsequenz, dass mit den Berechnungen ein Unternehmen beauftragt wurde, das in Marktkonkurrenz zu anderen Privatinstituten steht und deshalb zentrale Annahmen geheim gehalten werden.

Ein Vergleich der Rentenausgaben mit früheren Prognos-Studien zeigt zudem weitere Unplausibilitäten. Für 2015 rechnet die jetzige Studie mit Rentenausgaben von 277,2 Mrd. Euro (vgl. 2017, S.4)). Das liegt um 32 Mrd. Euro über einer Studie vom Januar 2017 und selbst noch fast 2 Mrd. über eine Studie vom Oktober 2016. Auch bei den Status Quo-Szenarien für das Jahr 2040 ergeben sich gravierende Unterschiede: Während bei der jetzigen Studie von 472 Mrd. Euro ausgegangen wird (vgl. 2017, S.8), lagen frühere Berechnungen zwischen 450 Mrd. und 669 Mrd. Euro. Selbst innerhalb der Studie widersprechen sich die Zahlenangaben. So werden einmal 524 Mrd. Euro für das Jahr 2045 angegeben (vgl. 2017, S.4), dann wieder 515 Mrd. Euro (vgl. 2017, S.8). Allein diese Vergleichszahlen zeigen, dass die Berechnung von Gewinnern und Verlierern eine gewisse Willkür der jeweiligen Annahmen unterliegt.  

 
       
   

Die Pressemitteilung Armutsgefährdung in den Bundesländern weiter unterschiedlich des Statistischen Bundesamtes in den Medien

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Flüchtlinge lassen Armutsquoten steigen.
Ohne die Neuankömmlinge würde der Anteil der Bezieher niedriger Einkommen derzeit sinken. Das gilt auch für die gemessene Kinderarmut,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.08.

ECKERT, Daniel (2017): Verschiebung von Ost nach West.
Armutsrisiko steigt nicht in Deutschland. Aber einige Länder, etwa NRW, haben ein Problem,
in:
Welt v. 30.08.

 
       
   

RADOMSKY, Stephan (2017): Zig Hypes.
Leipzig wollte über die Jahre vieles sein - nur bitte nicht egal,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.08.

 
       
   

NEIßE, Wilfried (2017): Volksbegehren gestartet.
Brandenburg: Gegen die Kreisgebietsreform soll über den Gartenzaun hinweg Stimmung gemacht werden,
in:
Neues Deutschland v. 30.08.

 
       
   

ND/DPA (2017): Die fremdbestimmte Kommune.
Stadt Haltern in Nordrhein-Westfalen bedauert Einsetzung einer Sparkommissarin,
in:
Neues Deutschland v. 30.08.

Die Agenturmeldung berichtet über einen Konflikt zwischen Land und der rund 38.000 Einwohner zählenden Gemeinde Haltern am See, der nun in der Einsetzung einer Beauftragten für den Haushalt durch die Bezirksregierung Münster geführt hat:

"Es ist nach Nideggen (2013) und Altena (2014) erst das dritte Mal, dass das Land einen solchen Beauftragten eingesetzt hat."

Haltern am See ist wesentlich größer als Nideggen oder Altena, die als die Stadt mit dem größten Bevölkerungsrückgang in Westdeutschland galt:

"Altena, nahe Hagen gelegen, ist eine schrumpfende Stadt. In ganz Nordrhein-Westfalen verlieren Kommunen seit Jahren in hohem Tempo an Einwohnern, vor allem im Osten des Bundeslandes, im Sauerland, in Lippe, Höxter, der ländlichen Gegend rund um Siegen . Zwischen 2008 und 2030 wird die Bevölkerung in diesen Landstrichen um zehn Prozent kleiner werden, schätzen Fachleute . Altena aber schrumpft schneller. 1970 lebten in der Stadt noch 32.000 Einwohner. Heute sind es 18.000. Hollstein sagt: »Wir sind die am schnellsten schrumpfende Kommune Westdeutschlands«.
Besonders das Ende mehrerer großer Industriebetriebe in den Achtziger Jahren macht der Stadt immer noch zu schaffen. Damals zogen viele junge Einwohner wegen der schlechten Arbeitsmarktchancen weg. Heute hat die Stadt das gleiche Problem wie viele Kommunen der Region: Sie ist zu weit weg und gleichzeitig zu nah dran an den Ballungsgebieten rund um Köln und dem Ruhrgebiet. Zu weit weg, um als »Speckgürtel« von der Anziehungskraft der Großstädte zu profitieren. Zu nah, weil viele junge Leute aus den Kleinstädten in die Metropolen ziehen. Mit der Zahl der Einwohner sinken auch die Steuereinnahmen",

berichtete Lenz JACOBSEN im Mai 2012 auf ZEIT online.   

 
       
   

PFEIFFER, Hermannus (2017): Wenn die Wirtschaftskraft gering ist.
Die Schuldenbremse wird einigen Bundesländern vor allem im Osten ab 2020 ernsthafte Probleme bereiten,
in:
Neues Deutschland v. 30.08.

 
       
   

HOLL, Thomas (2017): Herr Spahn will mehr.
Wenn es um Islam oder Integration geht, findet Jens Spahn deutliche Worte. Er gibt sich als konservaitve Hoffnung. An seinem Aufstieg könnte ihn aber einer hindern - er selbst,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.08.

"Es ist Spahns fünfter und bisher wichtigster Bundestagswahlkampf. Er führt ihn nicht als Kandidat, dem es reicht, von seinen Wählern daheim in Wahlkreis Steinfurt I/Borken mit 50 Prozent plus wieder nach Berlin geschickt zu werden. Span will mehr, als nur Staatssekretär im Finanzministerium zu bleiben. (...). Für viele konservative CDU-Anhänger, die von Angela Merkel nicht mehr zu begeistern sind, aber den Wechsel zur AfD scheuen, präsentiert sich Spahn so auch als personelles Angebot für die Zukunft",

erklärt uns Thomas HOLL zu Jens SPAHN, dem viele die Kanzlerschaft in der Nach-Merkel-Ära zutrauen. Man erinnert sich vielleicht an die frühere Hoffnung der jungen Wildem um den Reaktionär Roland KOCH, dessen Rolle SPAHN übernommen hat.

"Bis zum 24. September wird er 170 Auftritte als Wahlkämpfer hinter sich haben - so viel wie kein anderer CDU-Bundespolitiker",

berichtet HOLL. Man daraus entweder auf die politische Entbehrlichkeit von SPAHN im Politikalltag schließen oder auf ein Problem der Partei, der die nötigen volksnahen Sympathieträger fehlen. Beides spricht nicht für die Zukunftsfähigkeit der Partei.

Als Problem von SPAHN beschreibt HOLL dessen Unsensibilität in Fragen des Lobbyismus. So steht er derzeit in der Kritik, weil er als Finanzstaatssekretär an einem Unternehmen beteiligt ist, das eine Steuererklärungs-Software entwickelt. Das passt dazu, dass SPAHN auch früher schon nicht zimperlich war, denn als Gesundheitspolitiker war er Teilhaber einer Firma, die Lobbyismus in Sachen Pharmaindustrie praktizierte. 

 
       
   

SOLDT, Rüdiger (2017): Weniger historisch und näher an der Basis.
Die Regierung in Stuttgart ordnet ihre Beziehungen zur französischen Grenzregion neu,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.08.

"Institutionell und personell ist durch die Gründung der neuen Region Grand Est (...) einiges in Bewegung gekommen. »Durch die Gebietsreform in Frankreich, die Fusion von Alsace, Champagne-Ardenne und Lorraine zur Region Grand Est hat sich der Charakter der deutsch-französischen Beziehungen in den Grenzregionen verändert: Das politische Zentrum sind nicht nur der Oberrhein und Straßburg«, sagt Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts (DFI) in Ludwigsburg. Die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland müssten ihre Arbeit nun besser koordinieren, weil sie es auf französischer Seite gemeinsam mit der neuen Region zu tun hätten",

schreibt Rüdiger SOLDT über die deutsche Sicht auf die Gebietsreform, die in Frankreich zur Stärkung des Front National beigetragen hat.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2017): "Wir brauchen bald die nächste Reform".
Ernüchterung unter den Kontrahenten im Vorfeld der Abstimmung zur Altersvorsorge 2020,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 30.08.

Werner ENZ berichtet über eine Veranstaltung einer Lobbyorganisation des Finanzkapitalismus, auf der die Politiker Ruth HUMBEL (CVP) und Verena HERZOG (SVP die beiden Positionen zur Rentenreform in der Politik vertraten während Christine EGERSZEGI ("Präsidentin der Eidgenössischen BVG-Kommission") und Martin KAISER ("Arbeitgeberverband") die Lobbyistenpositionen repräsentierten. Neue Argumente finden sich bei ENZ jedoch nicht.  

ENZ, Werner (2017): Umverteilung und löchrige Gesetze.
Kommentar zur Rentenreform 2010,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 30.08.

Werner ENZ macht sich zum Sprachrohr der Reichen, denen die Umverteilung der Alterssicherung ein grundsätzliches Übel ist. Dazu werden auch noch die Ungeborenen und Jüngeren als Geißeln benutzt, um die Anliegen der Reichen durchzusetzen.

Die derzeitige INSM-Kampagne in Deutschland ist ein Lehrbeispiel dafür, wie mit der Wahl des Berechnungszeitraums die Generation der Jüngeren zu Verlierern von Reformen stilisiert werden.

 
       
   

Das Single-Dasein in Schweden

STOCKER, Frank (2017): Schweden boomt und wandelt zugleich am Abgrund.
Die Wirtschaft in dem skandinavischen Land wächst so schnell wie in kaum einem anderen Land. Doch die Gründe dafür bergen auch Risiken. Die Nagelproben könnte schon bald anstehen,
in:
Welt v. 30.08.

 
       
   

29.08.2017

 
       
   

DESTATIS (2017): Armutsgefährdung in den Bundesländern weiter unterschiedlich,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 29.08.

 
       
   

STEFFEN, Johannes (2017): Löhne, Renten und Existenzminimum.
Hintergrund-Daten: Ein komplexes Geflecht,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 29.08.

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Für die Jüngeren wird die Rentenpolitik teuer.
Wer schon Mitte 50 ist, dem stellen die Pläne aller Parteien mehr Geld in Aussicht. Die jüngeren Generationen zahlen drauf,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

Auch die FAZ berichtet vorab über eine INSM-Studie, über die die Bildzeitung bereits gestern berichtete:

"Die Zahlen, welche die Initiative am Montag zunächst über die »Bild«-Zeitung verbreitet hatte, geben jeweils Gesamtbeträge für die verbleibende Lebenszeit von Durchschnittsversicherten an",

erläutert Dietrich CREUTZBURG dazu. Seriös ist das nicht, weil sich die Lebenserwartung und die Einkommensklassen innerhalb eines Geburtsjahrgangs so sehr unterscheiden, dass dadurch Generationenunterschiede überlagert werden. Ein Geringverdiener des Jahrgangs 1953 kann dadurch stärker benachteiligt sein als ein Spitzenverdiener des Jahrgangs 1993. Bei der Mütterrente müssten zudem kinderlose Frauen und Mütter mit ein oder mehr Kindern unterschieden werden.

Fazit: Die Debatte um die Generationengerechtigkeit soll davon ablenken, dass es in jeder Generation Gewinner und Verlierer gibt. Der Durchschnittsversicherte ist in der polarisierten Gesellschaft eine Illusion.

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Unfaire Rentenpolitik.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

Dietrich CREUTZBURG weist auf eine gravierende Schieflage des Prognos-Gutachtens hin: Die Rentenpolitik der nächsten Legislaturperiode wird von der CDU bestimmt werden und deren Rentepolitik bleibt im Dunkeln, d.h. weder die SPD noch die CSU wird ihre Rentenpläne in einer Koalition so durchsetzen können wie sie in den Wahlprogrammen beschrieben wird. Sollte zudem die FDP mitregieren, dann sind die Prognos-Berechnungen sowieso Makulatur.

 
       
   

PETER, Tobias (2017): Königsweg bei der Rente gesucht.
FR-Serie zur Bundestagwahl:
Demografischer Wandel und Lücken in vielen Erwerbsbiografien stellen das Umlagesystem vor große Probleme,
in:
Frankfurter Rundschau v. 29.08.

Tobias PETER erklärt uns zu Kleinkindern, denen man das Umlagesystem mit Analogien aus dem Alltag erklären muss. Analogien aus dem Alltag mögen anschaulich sein, blenden aber gerade das aus, was beim so genannten Generationenvertrag unstimmig ist. Entscheidend ist eben nicht das Kopfverhältnis, sondern gerade Aspekte, die mit der Kopfzahl nichts zu tun haben: technologische Entwicklung, Arbeitsmarktlage, Entwicklung der Einkommensungleichheiten usw. usf. Generationengerechtigkeit ist ein neoliberaler Tunnelblick, der die Verwerfungen innerhalb von Gesellschaften ausblendet. Die Zukunft ist keine simple Fortschreibung der Vergangenheit.

Außerdem hält uns PETER für so dämlich, dass wir nicht wissen, was es mit dem Rentenniveau auf sich hat. Uns wird jedoch nur erklärt, dass wir falsch liegen, aber nicht, was die Entwicklung des Rentenniveaus bedeutet. PETER suggeriert, dass das Rentenniveau keinerlei Bedeutung für unsere gesetzliche Rente hätte. Nichts ist falscher als das, denn es ist ein Indikator, der zeigt wie sich das Verhältnis von Löhnen und Renten in Zukunft auseinander entwickelt bzw. wie es sich in der Vergangenheit bereits auseinander entwickelt hat. Jene Faktoren, die das Rentenniveau bestimmen, sind auch für die Höhe der eigenen Rente entscheidend. Wenn das Rentenniveau sinkt, dann bedeutet dies, dass jeder neue Rentenjahrgang bei gleicher Einkommenshöhe weniger Rente erhält als der Vorgängerjahrgang. Dies ist eine politische Entscheidung und keine notwendige Entwicklung des demografischen Wandel wie das Neoliberale erzählen.

PETER will die Debatte um die gesetzliche Rente auf die Bekämpfung der Altersarmut reduzieren, weshalb er die Auftragsstudie der neoliberalen Privatstiftung Bertelsmann zur drohenden Altersarmut vom Juni zitiert. Wer so argumentiert, der will die gesetzliche Rente zur Fürsorgeeinrichtung herabwürdigen. Die Stärkung der gesetzlichen Rente ist notwendig, weil die private Altersvorsorge ungeeignet ist, die Lücken zu schließen, die die Reformen seit Anfang des Jahrtausends ins Netz der Alterssicherung gerissen haben.

 
       
   

LOOMAN, Volker (2017): Rentenpolicen sind überflüssig wie der Kropf,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

Volker LOOMANs Fallbeispiel ist diesmal ein 35-jähriger Spitzenverdiener, der 30 Jahre lang jeden Monat 500 Euro für die private Altersvorsorge übrig hat.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2017): Argumente zur Kreisreform auf dem Prüfstand.
Brandenburg: SPD-Innenminister Schröter wünscht zum Start des Volksbegehrens eine vorurteilsfreie und nüchterne Betrachtung,
in:
Neues Deutschland v. 29.08.

 
       
   

ILLNER, Marie (2017): Wir haben genügend Daten über die AfD.
Meinungsforscher Nico Siegel über die Aussagekraft von Wahlumfragen und den Einfluss von Fake-News,
in:
Neues Deutschland v. 29.08.

 
       
   

NEFF, Benedict (2017): Wenn ein Mann mit Axt vor der Tür steht.
Der Sozialdemokrat Matthias Ilgen muss um seine Wiederwahl in den Bundestag bangen - und greift zu unkonventionellen Mitteln,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 29.08.

Benedict NEFF berichtet über den SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias ILGEN vom rechten Seeheimer Kreis, der letztes Mal noch über einen Listenplatz in den Bundestag einziehen konnte:

"Man wollte ihn mit dem neunten Listenplatz abspeisen, da entschied er sich für den Alleingang. Im Wahlkreis Nordfriesland-Dithmarschen Nord kämpft er nun um ein Direktmandat",

merkt NEFF an. Der Wahlkreis 002 wurde gemäß Sonderheft Wahlbewerber bei der letzten Bundestagswahl 2013 klar vom CDU-Kandidaten vor der SPD gewonnen.

 
       
   

Das Single-Dasein in Kroatien

ROSER, Thomas (2017): Die schönen Häuser machen nicht satt.
StZ-Serie Leben in Europa (8): Banken vor der Pleite, Staaten vor dem Bankrott: Die Krise, die 2007 begann, hat die EU und das Leben der Menschen verändert. Die Folgen sind noch immer zu spüren. Unsere Serie beleuchtet den Alltag. Heute: Familie Lovric in Kroatien,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 29.08.

"Geteilte Familien, zerrissene Leben: Seit dem Wegfall der Beschränkungen für Arbeitnehmer des EU-Neulings auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Sommer 2015 hat sich Kroatiens neuer Gastarbeiter-Exodus spürbar verstärkt. Besonders hart trifft der Aderlass das ostkroatische Slawonien. Seit dem Kroatienkrieg (1991–1995) ist Kroatiens einst wohlhabende Kornkammer von einer Vorzeige- zur Rückstandsregion mutiert.
(...).
Das Ausmaß des seit dem EU-Beitritt von 2013 beschleunigten Exodus wird von Kroatiens Bevölkerungsstatistiken kaum erfasst, denn nur die wenigsten Auswanderer melden sich ab. Doch allein in einem Jahr hat sich die Zahl der Schüler in dem offiziell noch knapp 32.000 Einwohner zählenden Vukovar um ein Fünftel vermindert. Fast ein Drittel der Wohnungen und Häuser steht mittlerweile zum Verkauf: Die Immobilienpreise in dem sich zur Stadt der Rentner und Frührentner wandelnden Vukovar sind ins Bodenlose gesackt",

beschreibt Thomas ROSER die Situation in dem Nach-Bürgerkriegs-Kroatien und speziell in der Stadt Vukovar.

"Von 2009 bis 2014 wies der Adriastaat sechs Jahre lang in Folge ein Minuswachstum aus. Das angeschlagene Slawonien hatte seit dem Krieg das Krisental ohnehin nie verlassen. Es sind die hohe Arbeitslosigkeit, die schlechten Löhne, aber auch die rüden Sitten auf dem Arbeitsmarkt, die immer mehr Kroaten in die Fremde treiben",

erklärt ROSER die Abwanderung aus Kroatien nach der Finanzkrise 2007.

 
       
   

28.08.2017

 
       
   
BILD-Titelgeschichte

Obwohl die Prognos-Auftragsstudie Generationengerechte Rentenpolitik? Gewinner und Verlierer aktueller Reformvorschläge der neoliberalen Lobbyorganisation INSM erst am Mittwoch vorgestellt wird, hat die Bildzeitung bereits die Ergebnisse präsentiert und die Nachrichtenagentur dts ebenfalls Ergebnisse in Umlauf gebracht.

Die neoliberale Kampagne richtet sich zum einen gegen die Mütterrente der CSU und zum anderen gegen die Stabilisierung des Rentenniveaus der SPD. Dem Leser wird durch solche Vorabinformationen in der Öffentlichkeit die Möglichkeit genommen, die Annahmen zu überprüfen, denn diese sind entscheidend, wenn es um angebliche Gewinner- und Verlierergenerationen geht. Die Mütterrente spaltet z.B. nicht nur Generationen, sondern auch Kinderlose und Eltern, was bei den Vorabinformationen unberücksichtigt bleibt.  

 
       
   

GÖRGEN, Rochus (2017): Kanzlerin im Kampf gegen Kreisreform.
Brandenburg: An diesem Dienstag startet das Volksbegehren gegen die Kreisreform. Die CDU setzt dabei auch auf einen Wahlkampfauftritt von Kanzlerin Angela Merkel in Brandenburg/Havel,
in:
Neues Deutschland v. 28.08.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2017): Kein Supergau.
Brandenburg: Wo AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland direkt antritt und gewiss nicht gewinnen wird,
in:
Neues Deutschland v. 28.08.

"2013 hatte Patzelt den Wahlkreis mit 33,9 Prozent der Erststimmen gewonnen, gefolgt von Thomas Nord mit 28 Prozent und vom damaligen SPD-Kandidaten mit 24,4 Prozent. Die AfD hatte hier damals keinen Direktkandidaten aufgestellt und nur 6,4 Prozent der Zweitstimmen erhalten. Doch die Partei sah sich Ende vergangenen Jahres im Aufwind. Im Zuge der Nominierung von AfD-Frontmann Alexander Gauland zum Direktkandidaten in Frankfurt (Oder) und Oder-Spree entwickelte man einer hier eine derartige Angst vor einem Sieg des Rechtspopulisten, dass die Idee auftauchte Linke und Grüne sollten zugunsten des CDU-Politikers Patzelt auf eigene Direktkandidaten verzichten, um Gauland definitiv zu verhindern.
Eine solche Blockbildung wäre jedoch nach Überzeugung von Thomas Nord absurd gewesen.
(...). Im Moment liegt Patzelt, der früher Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) gewesen ist, sowieso uneinholbar vorn", berichtet Andreas FRITSCHE über den Wahlkreis 63 in Brandenburg.

 
       
   

KLINGSIECK, Ralf (2017): Das Telefon steht nicht mehr still.
Viele in Frankreich lebende Briten wollen angesichts des Brexits französische Staatsbürger werden,
in:
Neues Deutschland v. 28.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

SCHMID, Birgit (2017): Wo bleiben die Kinder?
Italien in der Kinderkrise: In Sizilien kommen inzwischen so wenige Kinder zur Welt wie im übrigen Italien. Dabei prägten die Bambini unser Bild vom Süden. Was passiert mit dem Land, das einst die Kinder liebte? Eine Reportage aus Palermo,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.08.

"»Letztes Jahr brachte eine Sizilianerin durchschnittlich 1,3 Kinder zur Welt«, sagt sie. »Nur dank den Migrantinnen liegt die Fertilitätsrate auf Sizilien total bei 1,4 Kindern. Das ist wenig über dem nationalen Durchschnitt von 1,3 Kindern pro Frau.« Migrantinnen auf Sizilien hätten im Durchschnitt 2 Kinder. Doch auch diese könnten die fehlenden Kinder nicht mehr kompensieren: »Inzwischen sterben bei uns mehr Menschen, als geboren werden.« Sie schiebt ein Blatt Papier über den Tisch, darauf die neusten Erhebungen: In den ersten sechs Monaten des Jahres nahm die Einwohnerzahl von Palermo um fast 3000 Bewohner ab",

zitiert Birgit SCHMID eine Ärztin in einer sizilianischen Geburtsstation. Die im Statistischen Jahrbuch 2017 veröffentlichten Geburtenraten für 2016 sind lediglich Schätzungen (vgl. Tabelle 3.2, S.96). 2015 lag die Geburtenrate in Sizilien bei 1,35, während sie in Palermo bei 1,41 und in Catnia sogar bei 1,45 lag (vgl. ISTAT-Datenbank Popolazione e famiglie).

"Heute trägt der Mezzogiorno, wozu auch die Inseln Sizilien und Sardinien gehören, zur abnehmenden Anzahl Kinder in Italien bei. Sardinien stellt sogar das Rekordtief aller Regionen: Letztes Jahr wurden hier noch 1,07 Kinder pro Frau geboren",

behauptet SCHMID. Aber auch diese Zahlen stammen nicht aus 2016, sondern beziehen sich auf das Jahr 2015. Nachzulesen sind sie im Statistischen Report vom 28.11.2016, Tabelle S.10. Die Zahl 1,07 bezieht sich jedoch nur auf die italienischen Frauen, während die Geburtenrate ausländischer Frauen bei 1,70 lag.

"Die Demografen sind alarmiert. So wie diesen Mai wieder, als der Präsident des nationalen Statistikamts, Giorgio Alleva, für 2016 ein historisches Rekordtief von 474.000 Geburten vorstellte, was im Vergleich zu 2008 über 100.000 weniger sind und 12.000 weniger als noch 2015. Alleva sagte, eine so tiefe Geburtenzahl sei in Italien «seit Mitte des 16. Jahrhunderts nicht mehr registriert worden, als die Bevölkerung ein Fünftel der heutigen betrug». Damit hat Italien nicht nur eine der tiefsten Fertilitätsraten in Europa, sondern auch die tiefste Geburtenrate: Auf 1000 Einwohner kamen letztes Jahr noch 8 Neugeborene bei einem europäischen Durchschnitt von 10. Die Schweiz liegt mit 10,5 Geburten knapp darüber. Bei uns bleibt die Kinderzahl pro Frau seit 1975 stabil und schwankt zwischen 1,5 und 1,6",

erzählt uns SCHMID. Im Mai wurde das Statistische Jahrbuch 2017 vorgestellt. Die Zahlen zu der Geburtenentwicklung 2016 für Italien wurden teilweise bereits im März 2017 veröffentlicht (siehe auch den NZZ-Artikel von Patricia ARNOLD). Die absoluten Geburtenzahlen sind dem Jahrbuch in Tabelle 3.3, S.99 zu entnehmen.

Die rohe Geburtenziffer, die von SCHMID fälschlicherweise als Geburtenrate bezeichnet wird, ist für internationale Vergleiche ungeeignet, weil damit nicht die Fruchtbarkeit gemessen wird, sondern auch die Altersstruktur der Bevölkerung mit einfließt. Sie zeigt deshalb in erster Linie die Entwicklung der Anzahl gebärfähiger Frauen an.

Die Kritik an der Familienpolitik ähnelt jener in den deutschsprachigen Staaten.

"Rund 115 000 Italiener wanderten 2016 aus, dreimal mehr als noch vor sechs Jahren. Wegen der wirtschaftlichen Tieflage verlassen vor allem junge, gut ausgebildete Leute den Mezzogiorno. Es gibt Szenarien, wonach im Jahr 2065 nur noch 29 Prozent der gesamten italienischen Bevölkerung im Süden leben wird",

erläutert SCHMID. In Deutschland flammte diese Debatte bereits Anfang des Jahrtausends auf.

"Eine Frau in Italien ist 31 Jahre alt bei der ersten Geburt, so alt wie nirgendwo in Europa. Wie überall bedeuten besser ausgebildete Frauen auch weniger und spätere Kinder, nur beschleunigt das hier die ungute Entwicklung zusätzlich",

berichtet SCHMID. Gemäß EUROSTAT lag das Erstgebäralter im Jahr 2015 in Italien bei 30,8 Jahren, dicht gefolgt von Spanien (30,7 Jahren) und der Schweiz (30,6 Jahre). In Deutschland (29,5 Jahre) war die Klage über die späte Mutterschaft seit Anfang des Jahrtausends ein Dauerthema.

"Birnenförmig statt wie ein Tannenbaum sieht die Pyramide inzwischen aus, mit der typischen Ausbuchtung in der Mitte und einer breiten Spitze. Das Durchschnittsalter beträgt in Italien 44,9 Jahre. 22,3 Prozent der Einwohner sind sogar über 65",

erklärt uns SCHMID, obwohl mit dem "Tannenbaum" lediglich die Zeit hoher Kindersterblichkeit glorifiziert wird!

"Früher waren die Sizilianer arm und hatten viele Kinder. Heute sind sie arm und bleiben kinderlos. Nur wer reich ist, kann sich noch fortpflanzen. Und so muss die italienische Mamma ihre Liebe nicht mehr durch sechs teilen, sondern sie gehört jetzt ungeteilt einem einzigen. Diesem Kind wird alles geboten, es wird endlos verwöhnt, auf ihm lasten aber auch grosse Erwartungen",

meint SCHMID zum Abschluss des Artikels.

ZOLLINGER, Marc (2017): Im Norden wissen sie, wie das Kindermachen geht.
In keiner anderen Region Italiens kommen so viele Kinder zur Welt wie in Südtirol,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.08.

"Südtirol (trägt) den Übernamen »Culla d'Italia«, die Wiege Italiens. In allen anderen Regionen des Landes sterben mehr Menschen, als Kinder zur Welt kommen. Nur in Südtirol wächst die Bevölkerung, und zwar um 1,4 Prozent. Und dies, weil dort auch tatsächlich viele Kinder gezeugt werden. Nebenbei: Nirgendwo im Lande werden die Menschen älter. Während der Landesdurchschnitt 1,34 Kinder pro Frau beträgt, sind es hier 1,78. Dieser auch europaweit beachtliche Wert verführte das Statistische Amt (Istat) in seinem Bericht zu einem Gedankenspiel: »Könnte man die Fruchtbarkeit der Provinz Bozen auf ganz Italien ausdehnen, so zählten wir zu den Top-Ländern der Europäischen Union, wie Frankreich, Grossbritannien und Schweden»«",

erzählt uns Marc ZOLLINGER. Dagegen heißt es im ASTAT-Info Nr.44 vom 25. August:

"Die Gesamtfruchtbarkeitsziffer (GFZ), welche die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau im gebärfähigen Alter angibt, hat sich in den vergangenen zehn Jahren etwas erholt und liegt im Jahr 2016 bei 1,75 Kindern. Das ist die höchste GFZ auf dem gesamten Staatsgebiet, wo eine Frau im Schnitt nur 1,34 Kinder auf die Welt bringt (Quelle: ISTAT, Schätzung für 2016)." (S.3)

Der Geburtenüberschuss betrug gemäß ASTAT lediglich 162 Geburten. 2015 lag die Geburtenrate der einheimischen Frauen bei 1,62 und diejenige der Ausländerinnen bei 2,42, was im Vergleich zu anderen Landesteilen auch zur hohen Geburtenrate von 1,7 beitrug. ZOLLINGER hebt vor allem die vielen Kinderspielplätzen in der Stadt Bozen hervor. Bozen trägt jedoch am wenigsten zum "Geburtenwunder" in Südtirol bei:

"Während der Bevölkerungszuwachs in fast allen Bezirksgemeinschaften sowohl vom natürlichen Wachstum als auch vom Wanderungssaldo bestimmt wird, weist die Landeshauptstadt ein Geburtendefizit auf. Bozen verzeichnet seit jeher landesweit die geringsten Geburtenraten und die höchsten Sterberaten, was in erster Linie auf die fortschreitende Alterung der Stadtbevölkerung zurückzuführen ist und auch von der Gebärfreudigkeit junger Zuwanderer nicht aufgewogen wird." (S.2f.)     

 
       
   

27.08.2017

 
       
   

OBERHUBER, Nadine (2017): Wenn Wohnen zum Luxus wird.
Die Mieten und Kaufpreise von Wohnungen in den großen Städten steigen wie verrückt. Denn es wird viel zu wenig gebaut. Das müsste nicht so sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.08.

"(Es) passierte, was niemand wirklich vorgesehen hat: Die deutschen Städte wachsen, und zwar ungebremst. Noch im Jahr 2000 überlegten sich viele Städte, wie viele Einwohner sie wohl verlieren würden angesichts der Überalterung und der geringen Geburtenrate. Etliche dachten über Leerstände und sogar Abrisse nach. Dann setzte der Run ein, der von 2010 an fast alle Großstädte massiv wachsen ließ. Hamburg gewann 30.000 Bürger allein von 2011 bis 2013, München 43.000, Berlin sogar 95.000 Einwohner",

erklärt uns  Nadine OBERHUBER zur Wohnungsknappheit in den Großstädten, die vielerorts durch die bevölkerungspolitisch motivierte Hysterie und das neue Leitbild der schrumpfenden Stadt mitverursacht wurde. 

 
       
   

26.08.2017

 
       
   

FLASSBECK, Heiner (2017): Die Liebe der Ökonomen.
Wer verliebt ist, kann nicht unvoreingenommen sein. Ein Kommentar,
in:
Telepolis v. 26.08.

Der Ökonom Heiner FLASSBECK beschäftigt sich mit dem Satz:

"Laien verwechseln häufig die Liebe von Ökonomen zum Markt mit einer Liebe zu einzelnen Marktakteuren. Einem Profi sollte das nicht passieren."

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Wirtschaftsthema: Samstagsessay.
These 1: Ein bisschen mehr Kindergeld für alle nutzt niemandem
These 2: Kinder sind oft schlecht mit Beruf und Karriere vereinbar
These 3: Wer Familien ernsthaft finanziell fördern will, muss das Steuersystem umbauen

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Was Familien brauchen.
Die Parteien machen Eltern und ihren Kindern im Wahlkampf große Besprechen. Doch oft ist das nur teure Symbolpolitik oder bedient Geschlechterrollen von gestern. Dabei gibt es Vorschläge, die wirklich helfen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 26.08.

 
       
   

BRANDSTETTER, Barbara (2017): Wanderer zwischen den Welten.
Die Vermögensfrage: Erwirbt jemand Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung une eine Pension, werden diese in wenigen Fällen miteinander verrechnet. Für Beamte, die nur wenige Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, können sich freiwillige Einzahlungen in den kommenden Jahren rechnen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.08.

 
       
   

DETTMER, Markus (2017): Vermessung der Republik.
Gerechtigkeit: Die soziale Marktwirtschaft verspricht, dass an ihrem wirtschaftlichen Erfolg alle teilhaben können. Eine neue Studie untersucht, ob Deutschland das Versprechen eingelöst hat,
in:
Spiegel Nr.35 v. 26.08.

Nach den Erfolgen der Rechten heißt das neue Modewort der Neoliberalen "inklusives Wachstum". Damit soll die ökonomische Ungleichheit eines Landes beschrieben werden.

"Durch die Gesellschaft geht ein Riss, und er verläuft durch die Mitte",

schreibt Markus DETTMER. Eine Diagnose, die wahrlich wenig überraschend ist. Auf dieser Website wird dieser Riss unterhalb der oberen Mittelschicht (erfolgreiches Akademikermilieu) gesehen. 

 
       
   

AMMAN, Melanie u.a. (2017): Damenabwahl.
Gleichberechtigung: Von wegen Frauenpower: Im nächsten Bundestag wird der Anteil weiblicher Abgeordneter sinken. Immer mehr Politiker fordern eine Änderung des Wahlrechts,
in:
Spiegel Nr.35 v. 26.08.

Der Spiegel frönt heute wieder dem Elitenfeminismus, denn sonst ginge es nicht darum, ob zu wenig Frauen, sondern ob die Nicht-Akademikerinnen in der Politik unterrepräsentiert sind. Wenn Frauen nicht zum Zuge kommen, dann könnte es schlicht daran liegen, dass sie als Nicht-Akademikerinnen im politischen Akademikermilieu chancenlos sind und nicht etwa, wegen Männerbünden auf die Elitenfeministinnen alle Problem schieben.

"Am Ende wird Iris Ripsam 15 Monate im Deutschen Bundestag gesessen haben. Die CDU-Abgeordnete zog im Juni 2016 als Nachrückerin ins Parlament, als ihr Parteifreund Thomas Strobl Innenministerin in Baden-Württemberg wurde. (...). Nach dem Einzug in den Bundestag wollte die 58-Jährige ein Wahlkreisbüro eröffnen. (...).
Doch die CDU in Strobls altem Sprengel Heilbronn winkte ab (...). Hinter ihrem Rücken (wurde)(...). Alexander Throm (gewählt), Partner in einer Anwaltskanzlei mit Landeschef Strobl. Er hatte bei der Landtagswahl sein Mandat verloren (...). Und so dürfte der Wahlkreis 267 im Bundestag wieder von einem Mann vertreten werden - wie seit 1949:
Throm ist damit einer von 35 männlichen Wahlkreiskandidaten in Baden-Württemberg, die mit einiger Sicherheit direkt für die Union in den Bundestag einziehen werden. Frauen wurden in genau 3 Wahlkreisen aufgestellt",

heißt es im Artikel. RIPSAM war jedoch weniger als Frau, sonder aufgrund ihres fehlenden Akademikerabschlusses nicht zum Zuge gekommen. Ihr Konkurrent war Akademiker der alten Garde, während RIPSAM lediglich die Mittlere Reife und eine mittlere Beamtenlaufbahn vorweisen kann.

Der Frauenanteil soll wegen dem Einzug der FDP und AfD von 36,5 auf 32 Prozent sinken. Beides sind jedoch nicht primär Männerparteien, sondern AkademikerInnenparteien.  Auch die SPD ist nicht gerade eine Frauenpartei - genauso wenig wie eine Arbeiterpartei.

"Ein Grund für den niedrigen Frauenanteil unter den Abgeordneten ist, dass Frauen in Union, FDP und AfD oft auf den wenig aussichtsreichen Listenplätzen landen. So taucht etwa in Hamburg die erste Unionsfrau erst auf dem fast chancenlosen Platz fünf auf. In Sachsen-Anhalt folgen auf eine weibliche Nummer eins acht Männer. (...).
Weil die Unionskandidaten so erfolgreich sind, kommen höchstens die vordersten Listenplätze zum Zuge. In CDU-Hochburgen bedeutet eine Direktkandidatur nahezu automatisch den Sprung nach Berlin, wohingegen ein Spitzenplatz auf der Liste häufig wertlos ist. So holte die CSU 2013 in Bayern alle 45 Wahlkreise und die CDU in Baden-Württemberg alle 38.
Eine solche Direktkandidatin ist die Stuttgarterin Karin Maag, Vorsitzende der Unionsgruppe der Frauen im Bundestag",

klagt der Spiegel. MAAG hat im Gegensatz zu RIPSAM ein Jurastudium. Man sollte also besser von Akademiker- statt von Männerseilschaften sprechen!

"Linda Teuteberg. Die 36-jährige FDP-Politikerin hat eigentlich alles, was es für eine politische Karriere braucht. Sie ist Volljuristin und Referentin im Bundesbildungsministerium. (...).
Um die Spitzenkandidatur der FDP Brandenburg zur Bundestagswahl konkurrierte Teuteberg mit dem 64-jährigen Landeschef, einem hauptberuflichen Tankstellen-Lobbyisten. (...).
In der entscheidenden Wahlversammlung (...). gewann (Teuteberg) die Abstimmung",

berichtet der Spiegel. Auch hier zeigt sich also: Ob Mann oder Frau, was man heutzutage in der Politik braucht, ist ein akademischer Abschluss!

"Nach aktuellem Stand wären weniger als ein Viertel ihrer Abgeordneten im neuen Parlament weiblich. Zwar hat auch die FDP inzwischen einige Spitzenfrauen wie Katja Suding in Hamburg und Generalsekretärin Nicola Beer in Hessen, aber auf vielen Landeslisten sieht es düster aus. In Nordrhein-Westfalen, wo Parteichef Lindner die Liste anführt, finden sich auf den ersten 13 Plätzen nur zwei Frauen",

klagt der Spiegel. Katja SUDING ist Kommunikationswissenschaftlerin und arbeitet als PR-Beratin. Nicola BEER ist selbständige Rechtsanwältin. Also wiederum nur Akademikerinnen!

Gemäß Sonderheft Wahlbewerber umfasst die Landesliste der FDP in NRW 53 Kandidaten. Alle Kandidaten treten als Doppelbewerber auch in den 53 Wahlkreisen an. Die Listenplätze 2, 12 und 17 sind von Akademikerinnen belegt.

"Auch die AfD-Fraktion wird eine Männerfraktion. Auf den aussichtsreichen Listenplätzen der Rechten stehen kaum Frauen. In den Medien dominieren Parteichefin Frauke Petry und Spitzenkandidatin Alice Weidel. Doch dahinter wird es dünn. Auf der 24-köpfigen Liste für Nordrhein-Westfalen steht eine einzige Frau, in Baden-Württemberg sind es zwei, in Niedersachsen drei",

erklärt uns der der Spiegel. 31 Frauen umfassen die Landeslisten der AfD. Darunter Platz 1 in Berlin. 13 Frauen sind Doppelbewerberinnen.

Echte Parität findet der Spiegel bei Grünen und der Linkspartei. Die SPD bleibt mit 40 Prozent dahinter zurück.

 
       
   

LAHRTZ, Stephanie (2017): Eine Bühne für Rechtsextreme.
NZZ-Serie zur Wahl: In Bautzen ergeben Bürger mit Zukunftssorgen, Flüchtlinge und Neonazis eine explosive Mischung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.08.

 
       
   

GASCHKE, Susanne (2017): Und wer bist du?
Wahlverhalten ist nicht mehr an Herkunft, Bildung und Einkommen gebunden. Das macht es den Parteien schwer, Menschen für sich zugewinnen. Über die neue Freiheit, die sich die Deutschen nehmen,
in:
Welt v. 26.08.

Susanne GASCHKE bietet die typische Popsoziologie auf, aber keine Empirie des Wahlverhaltens. Die Wahlstrategien verlassen sich deshalb nicht auf den Popsoziologen Gerhard SCHULZE, dessen Typologie aus der veralteten Version des Buchs Die Erlebnisgesellschaft sie ausgiebig darstellt. Man kann sich die ersten vier Fünftel des Artikels getrost sparen.

"Die Wahlkämpfer hierzulande ziehen mit eigenen Erfahrungswerten, zugänglichen soziodemografischen Daten und den Wahlbezirksergebnissen vergangener Jahre in die Quartiere. Sie sprechen auf diese Weise Stammwähler an - was zur Mobilisierung nützlich und nötig sein kann. Unentschlossene oder gar Ablehnende sind damit aber noch nicht überzeugt",

meint GASCHKE, die uns zuruft: Vergesst die Milieus!

 
       
   

BURY, Mathias (2017): Zum Abschalten geht's aufs Stückle.
Bundestagswahl: In unserer Serie stellen wir die zwölf aussichtsreichsten Bewerberinnen und Bewerber in der Landshauptstadt vor. Heute: Johanna Tiarks, die Kandidatin der Linken im Wahlkreis Stuttgart I,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 26.08.

In den beiden Stuttgarter Wahlkreisen 258 und 259 treten 26 Kandidaten an. Bei der Bundestagswahl 2013 gingen beide Wahlkreise an die CDU, die sich jeweils klar gegen die Zweiplatzierten (Cem ÖZDEMIR von den Grünen und den SPD-Kandidaten) durchsetzten.

Die Direktkandidatin der Linkspartei Johanna TIARKS steht also eher auf verlorenem Posten, ist aber noch durch die Landesliste (Platz 11) abgesichert. Bei der letzten Bundestagswahl reichten zum Einzug nur die ersten 5 Plätze bei einem Landesergebnis von 4,2 Prozent und einem Bundesergebnis von 8,6 Prozent. Viel mehr werden es dieses Mal auch nicht werden, d.h. TIARKS ist keine aussichtsreiche Kandidatin der Linkspartei, wie uns BURY glauben machen will! 

 
       
   

Das Single-Dasein in Polen

MATTERN, Jens (2017): Allergisch gegen Einmischung von außen.
StZ-Serie Leben in Europa (7): Banken vor der Pleite, Staaten vor dem Bankrott: Die Krise, die 2007 begann, hat die EU und das Leben der Menschen verändert. Die Folgen sind noch immer zu spüren. Unsere Serie beleuchtet den Alltag. Heute: Familie Zalewski in Polen,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 26.08.

Polen wird uns aus der Sicht einer typischen polnischen, urbanen Akademikerfamilie mit untypischen 3 Kindern (2015: 1,32 Kinder pro Frau) - und damit aus der Perspektive der Globalisierungsgewinner - beschrieben. Soziale Probleme werden daher ausgeblendet. Diese gehören angeblich der Vergangenheit an.

 
       
   

Das Single-Dasein in Afrika

BÜSCHER, Wolfgang (2017): Europas nächste große Flüchtlingskrise entsteht im Südsudan.
Im jüngsten Land der Welt hat der Bürgerkrieg Millionen Menschen vertrieben - mehr sind nur in Syrien und Afghanistan auf der der Flucht,
in:
Welt v. 26.08.

 
       
   

25.08.2017

 
       
   

STEIN, Annett (2017): Lang lebe Oma.
Großmütter waren in der Menschheitsgeschichte enorm wichtig. Forscher untersuchen deshalb die Menopause der Frauen und Schlaflosigkeit im Alter,
in: Welt
v. 25.08.

Annett STEIN berichtet über biologistische Erklärungsmuster zur Langlebigkeit von Frauen jenseits der Menopause. Empirische Daten zur Entwicklung der angeblichen Langlebigkeit von Großmüttern fehlen jedoch, weshalb die Hypothesen eher ideologischen Wunschbildern des Bürgertums entsprechen.

 
       
   

Unsere Zukunft, unsere Rente - Der bevorstehende Kampf um die Stabilisierung des Rentenniveaus. Eine Einordnung seiner Bedeutung in der gegenwärtigen Rentendebatte

BROSIG, Magnus (2017): Mindestsicherung im Alter: Gute Absicht, böse Folgen,
in: arbeitnehmerkammer.de
v. 25.08.

In den neoliberalen Mainstreamzeitungen wird die Debatte um die Stärkung der gesetzlichen Rente, bei der die Stabilisierung des Rentenniveaus im Zentrum steht, seit geraumer Zeit auf die Armutsbekämpfung reduziert. Die Arbeitnehmervertreter haben dem zu lange tatenlos zugesehen oder gar selber ins gleiche Horn geblasen. Seit einiger Zeit zeichnet sich jedoch ein Wandel der Argumentation ab, der überfällig ist. Magnus BROSIG schreibt deshalb zu Recht zu den Folgen dieser einseitigen öffentlichen Debatte:

"Die Debatte über Leistungsziele und Reformbedarfe im deutschen Alterssicherungssystem ist seit einigen Jahren recht einseitig auf Armutsvermeidung fokussiert und lässt das eigentlich zentrale Ziel weitgehend außer Acht, im Ruhestand einen annähernd lebensstandardsichernden Lohnersatz zu gewährleisten. Vielfach wird in diesem Sinne für einen Ausbau der Mindestsicherung im Alter plädiert, der aber insbesondere bei einem weiteren Rückgang des Rentenniveaus fatale Folgen hätte: Mindestleistungen mit bestenfalls geringen Zugangshürden und lohnbezogene gesetzliche Renten würden sich noch stärker aufeinander zubewegen, sodass schließlich selbst jahrzehntelange substanzielle Beitragszahlungen kaum noch lohnenswert wären und faktisch zu einer weiteren Steuer mutieren würden. Ein solches Szenario dürfte allerdings keine allgemeine Akzeptanz finden und wäre wohl Wegbereiter für eine steuerfinanzierte Grundrente auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Eigentlich wohlmeinende Reformvorschläge für einen besseren Schutz vor Altersarmut laufen damit Gefahr, einer Reduktion der sozialstaatlichen Leistungsfähigkeit das Wort zu reden – auf jahrzehntelang bewährte Lebensstandardsicherung würde bloße Armutsvermeidung folgen."

Diese Wende könnte für den jetzigen Rentenwahlkampf jedoch zu spät kommen, denn das neoliberale Mantra, das über Monate aus den Mainstreammedien geschallt ist, lässt sich kaum noch im Endspurt revidieren. Man muss das als fatalen Strategiefehler derjenigen sehen, die eine Stärkung der gesetzlichen Rente verfechtet haben.     

 
       
   

FRANKFURTER RUNDSCHAU-Stadtthema: Arbeiten trotz Rente.
Immer mehr Ruheständler verdienen sich etwas dazu. Weil sie sich fit fühlen und gerne weiterarbeiten wollen. Oder weil das Geld sonst nicht reicht. Die Gewerkschaften gehen nun für höhere Altersrenten auf die Straße

HANACK, Peter (2017): Ohne Mini-Job reicht's nicht.
"Rent a Rentner" klingt originell, aber nicht jeder Alte arbeitet aus Spaß,
in:
Frankfurter Rundschau v. 25.08.

Gewöhnlich wird uns die Altersarmut anhand eines weiblichen Fallbeispiels demonstriert, denn Altersarmut sei weiblich. Peter HANACK wählt nun das männliche Pendant: ein Sozialwissenschaftler mit Langzeitarbeitslosigkeit, Hausmanndasein und Scheidung.  

HANACK, Peter (2017): Von 7 bis 7.
Georg Pelz verkauft auch mit 75 noch Autos,
in:
Frankfurter Rundschau v. 25.08.

HANACK, Peter (2017): "Mehr als Mathematik".
Annelie Buntenbach über die künftige Finanzierung der Renten,
in:
Frankfurter Rundschau v. 25.08.

 
       
   

KALBE, Uwe (2017): Mann in der zweiten Reihe.
Thomas Lutze, ein Mann aus Sachsen, ist Spitzenkandidat der Linken im Saarland,
in:
Neues Deutschland v. 25.08.

Uwe KALBE berichtet über Querelen um die Landesliste der Linkspartei im Saarland und porträtiert den ostdeutschen Spitzenkandidat und Bundestagsabgeordneten Thomas LUTZE, der 2013 als einziger Kandidat über die Landesliste gewählt wurde.

"Bei der letzten Wahl von 2013 wären 12,5 Prozent nötig gewesen, um den zweiten Kandidaten hineinzubringen. Die Partei landete im Saarland bei zehn Prozent. Das wäre jetzt wohl ein Erfolg",

erklärt uns KALBE. Gemäß dem Sonderheft Wahlbewerber kandidieren 7 Kandidaten für die Linkspartei, wobei zwei Kandidatinnen auch in einem Wahlkreis kandidieren (Wahlkreis 296 und 297). 2013 kam nur ein Kandidat der Linkspartei über die Landesliste in den Bundestag. Die 4 saarländischen Wahlkreise gewannen 2013 die CDU (SPD jeweils auf Platz 2).

 
       
   

REICHEL, Reiner (2017): Mix statt Monokultur.
Stadtentwicklung: In den Neubauquartieren wachsen Wohnen, Arbeiten und Einkaufen wieder zusammen,
in:
Handelsblatt v. 25.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Österreich

SIEBENHAAR, Hans-Peter (2017): Tradition mit Zukunft.
HB-Serie Wege aus der Wohnungsnot: 62 Prozent der Bürger in der Donaumetropole Wien leben in staatlich geförderten Wohnungen,
in:
Handelsblatt v. 25.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Großbritannien

ZYLBERSZTAJN, Daniel (2017): Zwischen den Welten.
Reportage: Geriet Nordkensington zuletzt wegen des Hochhausinfernos in die Schlagzeilen, ist das Viertel auch kosmopolitische Keimzelle der britischen Metropole. Londoner unterschiedlichster sozialer Milieus leben hier Tür an Tür,
in:
TAZ v. 25.08.

"Auf der einen Seite die reichen Londoner Bezirke Nordkensington, Chelsea, Südkensington und Teile von Knightsbridge, die hier zusammenlaufen (...). Auf der anderen Seite die Armut, wie sie sich am Sozialbau zeigt",

beschreibt Daniel ZALBERSZTAJN die Polarisierung in jenem politischen Londoner Bezirk, in dem der 24-stöckige Grenfelltower zum Symbol der Polarisierung zwischen Arm und Reich wurde. Was noch vor nicht allzu langer Zeit als multikulturellen Zusammenleben verklärt worden wäre, das wird nun als "kosmopolitischer Schmelztiegel" beschrieben, der das Gebiet in der Vergangenheit war, bevor die Gentrifizierung das Gesicht des Gebiets prägte.

 
       
 

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Zu den News vom 22. - 24. August 2017
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

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Bernds@single-dasein.de Stand: 15. September 2017