[ [ News-Hauptseite ] [ Homepage ] [ Impressum und Datenschutzerklärung ]

   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News 19.-21. September 2017
News 14.-18. September 2017
News 09.-13. September 2017
News 06.-08. September 2017
News 01.-05. September 2017
News 25.-31. August 2017
News 22.-24. August 2017
News 12.-21. August 2017
News 09.-11. August 2017
News 05.-08. August 2017
News 01.-04. August 2017
News 26.-31. Juli 2017
News 16.-25. Juli 2017
News 12.-15. Juli 2017
News 07.-11. Juli 2017
News 01.-06. Juli 2017
News 25.-30. Juni 2017
News 20.-24. Juni 2017
News 12.-19. Juni 2017
News 07.-11. Juni 2017
News 01.-06. Juni 2017
News 21.-31. Mai 2017
News 13.-20. Mai 2017
News 07.-12. Mai 2017
News 01.-06. Mai 2017

News 1-4/2017
News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 22. - 24. September 2017: [22.09.] [23.09.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Wie der Aktivierungsdruck in der Alterssicherung aufgrund der Probleme der privaten Altersvorsorge vermehrt zur  gesellschaftlichen Destabilisierung führt

"Die vorherrschenden Diskurse in den Leitmedien und in der politischen Öffentlichkeit verweisen (...) auf Angstmobilisierung. Im Zentrum stand und steht das Narrativ demografischer Lasten sowie die damit verbundene These von der Untragbarkeit erhöhter Soziallasten (auch für die gesetzliche Rentenversicherung) im globalisierten Standortwettbewerb. Der Tenor des Diskurses ging und geht (...) in Richtung Aktivierung: Die Menschen sollen nunmehr eigenständig nach (scheinbar) optimalen Möglichkeiten der Altersversorgung suchen; denjenigen, die nicht am Vorsorgemarkt tätig werden, wird - auch in der Werbung der Finanzbranche - mitgeteilt, dass sie im Ruhestand mit erheblichen Einkommensabstrichen rechnen müssen.
Zumindest teilweise greift das Aktivierungsregime: Mittlerweile sind weit über 16 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen worden, wobei das Vertragsgeschäft seit einiger Zeit stagniert. Insbesondere Angehörige der Mittelschicht haben stark in die kapitalgedeckte Daseinsvorsorge investiert. Gleichzeitig stößt die massive (...) Aufforderung zum Engagement bei der privaten Vorsorge auf Glaubwürdigkeitsprobleme: Fehlende Leistungstransparenz, Bankenkrise und langfristige Zinsflaute vermitteln (...), dass dieses Alternativmodell hochgradig störanfällig ist. (...). Bode und Wilke beschreiben (...) verschiedene Formen der subjektiven Verarbeitung dieser Drucksituation (...).
Eine erste Option scheint hier die Flucht nach vorn: in die explizite Betonung individueller Selbstverantwortung. (...). Es finden sich auch Konstellationen, in denen die Aktivierung folgenlos bleibt (weil auf Vorsorge verzichtet wird). (...).
In anderen Fällen misslingt die Aktivierung »aufgrund vieler Meinungen und Diskussionen und einer (...) Grundunsicherheit (...)«. Man bleibt inaktiv, Angst hat hier eine lähmende Funktion. Besonders interessant ist eine vierte Form der Verarbeitung (...): Hier greift eine spezifische Verknüpfung von internalisiertem Aktivierungsdruck und diffusen Ohnmachtgefühlen."

(Sigrid Betzelt & Ingo Bode "Fatal funktional?" in der Zeitschrift Leviathan, Heft 2, S.209f.)

 
       
       
   

23.09.2017

 
       
   

SIMMANK, Jakob (2017): Die Lüge vom guten Altwerden.
Verweht: Wer heute in Deutschland geboren wird, wird im Schnitt über 80 Jahre alt. Die Leute leben länger und gesünder. Gleichzeitig hatte das Alter noch nie einen so schlechten Ruf. Warum?
in:
TAZ v. 23.09.

 
       
   

Die Demoskopie in der Debatte

GASCHKE, Susanne (2017): Sag mir, wie die Zahlen sind.
Fast täglich liefern Umfrageinstitute neue Wahlumfragen - die auch von Politikern und Journalisten dankbar aufgenommen werden. Aber das Vertrauen in die Demoskopen sinkt,
in:
Welt v. 23.09.

In der Welt will uns die gescheiterte SPD-Politikerin Susanne GASCHKE die Demoskopie erklären. Dabei ist GASCHKE bekannt dafür, dass sie Fakten gemäß ihrer Meinung zurechtbiegt. Bestes Beispiel: Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen. GASCHKE gehörte zu jenen, die überhöhte Kinderlosenzahlen verbreitete - auch dann noch als andere diese längst in Frage stellten. Das führte zur Schizophrenie, dass in der ZEIT GASCHKE das Gegenteil erzählte von dem was der Wissenschaftsjournalist Björn SCHWENTKER auf ZEIT Online schrieb.

WAGNER, Gert G. (2017): Nur bessere statistische Bildung hilft.
Wahlprognosen sind ungenau, können aber das Verhalten der Menschen beeinflussen,
in:
Neues Deutschland v. 23.09.

Während in den anderen Mainstreamzeitungen entweder Journalisten oder Meinungsforscher zu Wort kommen, bemüht sich in der sozialistischen Tageszeitung ein Massenstatistiker um Aufklärung.

"Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass die SPD vor der Union landen wird (...). Und auf welchen Plätzen genau die AfD, die Linkspartei, die FDP und Grünen landen werden, lässt sich aus statistischer Sicht gar nicht sagen",

erklärt uns Gert G. WAGNER, der für bessere schulische Bildung in Sachen Empirie plädiert.

"(E)s gibt eine ganz einfache Methode, die Prognosen zu verbessern, indem man einfach den Durchschnitt der verschiedenen Prognosen, die ständig publiziert werden, bildet",

erläutert WAGNER eine Möglichkeit, um die Prognosefähigkeit zu verbessern. So geht z.B. auch election.de vor. Dort basiert die Wahlkreisprognose u.a. auf dem Mittelwert der drei Meinungsforschungsinstitute im Auftrag der Fernsehsender ARD, ZDF und RTL. So wird die AfD bei 11 % gesehen, was den Mittelwert von FGW (10 %), Forsa (11 %) und Infratest Dimap (12 %) entspricht. Zieht man die letzten Umfragen der 7 Meinungsforschungsinstitute auf wahlrecht.de zu Rate, dann liegt der Mittelwert ebenfalls bei 11 %. Die Spannbreite reicht von 10 - 13 %. Election.de geht von einem Aufwärtstrend bei der AfD aus.

WAGNER weist darauf hin, dass Umfragen die Entscheidungen von Wählern beeinflussen. Das gilt insbesondere für jene, die pragmatisch und informiert wählen, um eine bestimmte Koalitionsoption zu ermöglichen. Dies kann aufgrund der derzeitigen Konstellation ziemlich daneben gehen, zumal wenn Medien mit ihrer Berichterstattung die Interpretationen in bestimmte Richtungen lenken. So ist die Kampagne gegen die AfD, die in den Mainstreammedien betrieben wird, auch indirekt als Votum für Schwarz-Gelb zu verstehen, wenn zugleich gegen die Große Koalition angeschrieben wird.

Fazit: Bei dieser Wahl können Verschiebungen von einem Prozentpunkt über die Koalitionsoptionen entscheiden. Der Wahlkampf mag also inhaltlich öde gewesen sein, hinsichtlich des Ausgangs ist er wesentlich spannender als so mancher Wahlkampf, bei dem die Inhalte im Vordergrund standen.

BANNAS, Günter (2017): Größte unter den Kleinen.
Warum FDP, Grüne, AfD und Linkspartei bei der Wahl um den dritten Platz kämpfe - und welche Bedeutung dieser wirklich hat,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.

In den Mainstreammedien wird die Behauptung aufgestellt, dass es um jeden Preis zu verhindern gilt, dass die AfD die drittstärkste Kraft wird. Da wird ein Klimawandel beschworen oder es werden Gerüchte darüber in die Welt gesetzt, dass die AfD nun den Bundestag terrorisieren könnte. Fakt ist jedoch: Auf Landesebene haben sowohl die CDU als auch die FDP in Landesparlamente bereits Initiativen, die die AfD eingebracht hat, unterstützt. Viele AfD-Parteimitglieder waren vorher in anderen etablierten Parteien tätig - oder in Mainstreammedien präsent (von taz bis faz!). Das wird verharmlost, indem von "Radikalisierung" gesprochen wird.

Fazit: Die kleinen Parteien zu stärken, um die AfD zu verhindern, dient meist nur dazu Schwarz-Gelb doch noch an die Macht zu bringen! Wer Schwarz-Gelb oder Schwarz-Gelb-Grün verhindern will, der kann das bei der derzeitigen Umfragelage sicher nur durch die Wahl der SPD. Gemäß mandatsrechner.de ergeben sich je nach Umfrageinstitut folgende Sitzanteile für Schwarz-Gelb:

Umfrage Notwendige Sitze
für die Mehrheit
Anzahl der Sitze
für Schwarz-Gelb
Anzahl der Sitze
für Schwarz-Gelb-Grün
Allensbach
(19.09.2017)
335 330
(- 5)
385
( + 50)
FGW
(21.09.2017)
335 324
(- 9)
380
( + 45)
GMS
(21.09.2017)
328 317
(-11)
372
( + 44)
Emnid
(22.09.2017)
345 319
(-26)
377
( + 32)
INSA
(22.09.2017)
359 321
(- 38)
381
( + 22)
Forsa
(22.09.2017)
335 321
(- 14)
370
( + 35)
election.de
(22.09.2017)
340 328
(- 12)
382
(+ 42)

Obwohl keines der Meinungsforschungsinstitute derzeit Schwarz-Gelb als Koalitionsoption sieht, liegt das Ergebnis von Allensbach nur knapp unter der notwendigen Mehrheit. Diese könnte die Anhänger von Schwarz-Gelb mobilisieren, um diese Option doch noch möglich zu machen. Auch das Ergebnis der Forschungsgruppe Wahlen (FGW), von GMS und Forsa ist noch Mobilisierungsansporn. Gerade die Gruppe der informierten und taktischen Wähler, die von Meinungsforschern unter der Gruppe der Unentschlossenen zu finden ist, könnte also durchaus Schwarz-Gelb an die Macht bringen, weil "Jamaika" zu viele Risiken birgt.

STEPPAT, Timo (2017): Wie unentschlossen ist der Wähler?
Die Parteien geben für den Endspurt des Wahlkampfes viel Geld aus,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.

Timo STEPPAT spielt die Rolle der Medien herunter, wenn er schreibt:

"Medien (haben einen weit geringeren Einfluss auf die Wahlentscheidung (...). Viel wichtiger war das eigene Umfeld."

Woher hat aber das eigene Umfeld sein Wissen? Wohl aus den Medien!

BEBENFURG, Pitt von (2017): Vorgeschmack auf die Landtagswahl.
Das Ergebnis am Sonntag wird große Auswirkungen auf die Entscheidung in Hessen haben,
in:
Frankfurter Rundschau v. 23.09.

LUFT, Anne-Barbara (2017): Spannender Kampf um dritten Platz.
Ausgang der Bundestagswahl hat mittelfristig grossen Einfluss auf Europas Finanzmarkt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.09.

"Das wahrscheinliche Szenario ist derzeit eine grosse Koalition",

erklärt Anne-Barbara LUFT den Lesern der NZZ, in der die CDU/CSU/FDP-Kaolition bevorzugt wird.. Hervorgehoben wird, dass dann u.a. die Abschaffung der Mietpreisbremse den großen Investoren wie Vonovia Auftrieb geben könnte.

 
       
   

JAEGER, Mona (2017): Kein Generationenkonflikt.
Welche Folgen es hat, dass es immer weniger jüngere und immer mehr ältere Wähler gibt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.

"Befragungen der vergangenen Monate zeigen, dass die wichtigste Konfliktlinie in der Gesellschaft nicht die zwischen alt und jung ist, sondern dass die Bürger andere Bruchstellen sehen: zwischen arm und reich, Ausländern und Deutschen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern. (...). Den großen Generationenkonflikt, bei dem die Jüngeren sich von den Älteren über den Tisch gezogen fühlen und vor dem seit Jahrzehnten gewarnt wird, gibt es in der Wahrnehmung der meisten nicht", erklärt uns Mona JAEGER, die ganz ohne den Begriff "Rentnerdemokratie" auskommt.

 
       
   

HÖLL, Susanne (2017): Edelfisch statt Edelstahl.
Wirtschaftsreport_ Völklingen im Saarland wollte die Krise seiner Schwerindustrie mit einer verrückten Idee überwinden und verschuldete sich dabei stark. Nun versucht ein Schweizer Unternehmer die Zucht der Salzwasserfische zu retten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Großbritannien

RÖTZER, Florian (2017): Viele alte Menschen sind chronisch einsam.
Eine britische Organisation spricht von einer "Einsamkeitsepidemie", die mit der älter werdenden Gesellschaft schnell zunehme,
in:
Telepolis v. 23.09.

"51 Prozent der Menschen über 75 Jahre leben allein",

schreibt Florian RÖTZER. In einer PR-Information der Organisation Campaign to End Loneliness steht dagegen:

"Over half (51%) of all people aged 75 and over live alone (Office for National Statistics 2010. General Lifestyle Survey 2008)"

Die Zahlen, die uns RÖTZER nennt, sind also bereits ein Jahrzehnt alt. In der Veröffentlichung Families and households in the UK: 2016 des Office of National Statistics vom November 2016 ist die Entwicklung der Alleinlebenden in Großbritannien zwischen 1996 und 2016 ersichtlich (vgl. 2016, Schaubild 6, Seite 11):

Es zeigt sich, dass das Alleinleben im Alter von 75 Jahren und älter zwischen 2008 und 2016 nicht zugenommen hat, obwohl doch die Bevölkerung altert. Das hohe Alter ist nicht männlich wie im mittleren Lebensalter, sondern weiblich. Frauen besitzen in der Regel mehr Kontakte als Männer. Zudem ist Einsamkeit nicht identisch mit dem Alleinhaushalten. Heimbewohner, die von Einsamkeit betroffen sind, fallen aus dieser Haushaltsstatistik heraus, was von RÖTZER nicht erwähnt wird, obwohl gerade dort die Einsamkeit verbreiteter sein könnte. Mit der Zunahme von modernen Altenpflegeeinrichtungen (Betreutes Wohnen) verändert sich zudem auch das Alleinhaushalten im Alter. Auch dieser Aspekt kommt in dem Artikel nicht vor.

Nicht die Verbesserung des Lebens im Alter steht im Mittelpunkt, sondern die Kostenersparnis, was von RÖTZER dem neoliberalen Zeitgeist zugeschrieben wird:

"Da es mittlerweile zum Usus gehört, stets auf die ökonomischen Folgen hinzuweisen und mit Kostenersparnissen für Veränderungen zu werben, fehlt dies auch hier nicht. Die Organisation hat eine Studie bei Wissenschaftler der London School of Economics (LSE) in Auftrag gegeben, nach der sich die Investition in die Bekämpfung der Einsamkeit rentieren würde.
Für jedes Pfund, das man in wirksame Maßnahmen zur Reduzierung oder Prävention von Einsamkeit investiert, würden 3 Pfund gespart. Pro Person im Alter von über 65 Jahren, die sehr einsam ist, würden die gesellschaftlichen und medizinischen Kosten in zehn Jahren 6000 Pfund betragen. Die Menschen suchen beispielsweise häufig einen Arzt auf, nur um mit jemanden sprechen zu können. Die Studie untersucht im wesentlichen die ökonomischen Faktoren unterschiedlicher Maßnahmen."

Es sagt mehr über unsere Gesellschaft aus, dass Verbesserungen nur dann durchsetzbar erscheinen, wenn sie mit Kostenersparnissen verbunden sind. Eine solche Ideologie sorgt dafür, dass Verbesserungen, die nicht als Kostenersparnis deklariert werden können, gar nicht erst in Angriff genommen werden.

Fazit: Man tut den älteren Alleinlebenden keinen Gefallen, wenn man mit Schwarz-Weiß-Begriffen wie "Einsamkeitsepidemie" hantiert. Das macht Angst und Angst ist bekanntlich der schlechteste aller Ratgeber! Dann steht am Ende nicht Handeln, sondern Ohnmacht und Apathie.

 
       
   

Wie die Wahlkampfberichterstattung in der deutschsprachigen Presse im Jahr 2017 unser Frankreichbild geprägt hat

TZERMIAS, Nikos (2017): Macron hat einen schweren Stand.
Bei der französischen Senatswahl wird seine Partei die Mehrheit voraussichtlich verpassen - mit Folgen für Verfassungsänderungen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.09.

 
       
   

22.09.2017

 
       
   

ELECTION (2017): Bundestags-Prognose sagt Rekordwert an Überhangmandaten voraus,
in: election.de v. 22.09.

Die Entwicklung der Wahlkreisprognosen sind aus folgender Übersicht ersichtlich:

Partei Handelsblatt election.de
(10.09.17)
eclection.de
(17.09.17)
election.de
(22.09.17)
Union sicher 159 158 138 141
  wahrscheinlich 51 53 62 65
  Vorsprung 38 40 47 45
SPD sicher 5 4 4 2
  wahrscheinlich 15 16 16 15
  Vorsprung 26 23 27 26
Linke sicher 2 2    
  wahrscheinlich 1 1 2 2
  Vorsprung 1 1 2 2
Grüne sicher        
  wahrscheinlich        
  Vorsprung 1 1 1 1

Die Zahl der Wahlkreise, in denen die AfD an zweiter Stelle liegt, hat sich seit dem 17.09. um weitere 6 auf insgesamt 30 Wahlkreise erhöht. Das heißt aber nicht unbedingt, dass sich deren Chancen auf ein Direktmandat erhöht hätten. In keinem einzigen Wahlkreis besitzt sie derzeit einen Vorsprung. In Bayern liegt die AfD in zwei Wahlkreisen chancenlos auf Platz 2. In den 4 Wahlbezirken in Mecklenburg-Vorpommern sind die Wahlchancen in den Wahlkreisen 13 und 16 sehr gering, in den anderen beiden aussichtslos.

In Hessen liegt Martin HOHMANN aufgrund der Aufmerksamkeit, die ihm zuletzt durch die Mainstreammedien zukam, nun vor dem SPD-Kandidaten. Man darf sich also bei der Dämlichkeit unserer neoliberalen Medienlandschaft bedanken, dass es HOHMANN überhaupt so weit gebracht hat! Trotz dieser Dämlichkeit ist HOHMANN chancenlos! Dasselbe gilt für Dresden, wo Jens MAIER von den Mainstreammedien groß heraus gebracht wurde und nun zumindest sehr geringe Chancen besitzt, ein Direktmandat zu erringen.

Folgende Wahlkreise sind bei der AfD neu hinzugekommen:

Bundesland Wahlkreis Erstplatzierter (Partei);
(Chance auf Wahlsieg)
Zweitplatzierter
AfD-Kandidat
(Landeslistenplatz)
Mecklenburg-Vorpommern 013
Ludwigslust-Parchim II – Nordwestmecklenburg II – Landkreis Rostock I
STRENZ, Karin (CDU);
(wahrscheinlicher Sieg)
GRIMM, Christoph
(Platz 6)
 
Sachsen-
Anhalt
072
Halle
BERNSTIEL, Christoph (CDU);
(Vorsprung)
NIETZSCHE, Evelyn
Sachsen 151
Nordsachsen
WENDT, Marian (CDU);
(sicherer Sieg)
SPANGENBERG, Detlev
(Platz 4)
Sachsen 159
Dresden I
LÄMMEL, Gottfried Andreas (CDU);
(wahrscheinlicher Sieg)
MAIER, Jens
(Platz 2)
Hessen 174 Fulda BRAND, Michael (CDU);
(sicherer Sieg)
HOHMANN, Martin
(Platz 6)
Bayern 226 Weilheim DOBRINDT, Alexander
(CDU)
(sicherer Sieg)
SCHWARZ, Edeltraud
(Platz 16)

Innerhalb von zwei Wochen ist der Vorsprung der CDU gegenüber der AfD in Sachsen-Anhalt so rapide geschwunden wie in keinem anderen Bundesland. In den folgenden sechs Wahlkreisen hat sich die Lage zwischen 10.09. und 22.09. für die CDU verschlechtert:

Bundesland Wahlkreis Erstplatzierter (Partei);
(Chance auf Wahlsieg)
Zweitplatzierter
AfD-Kandidat
(Landeslistenplatz)
Sachsen-
Anhalt
068 Harz BREMER, Heike (CDU);
(10.09.: sicherer Sieg;
22.09. wahrscheinlicher Sieg)
BISCHOFF, Frank-Ronald
(Platz 7)
Sachsen-
Anhalt
070 Dessau - Wittenberg MAIER, Sepp (CDU);
(10.09.: sicherer Sieg;
22.09. wahrscheinlicher Sieg)
MROSEK, Andreas
(Platz 4)
Sachsen-
Anhalt
071
Anhalt
VRIES, Kees de (CDU);
(17.09. und 22.09: Vorsprung)
ZIEGLER, Kay-Uwe
(Platz 1)
Sachsen-
Anhalt
072
Halle
BERNSTIEL, Christoph (CDU);
(22.09.: Vorsprung)
NIETZSCHE, Evelyn
Sachsen-
Anhalt
073 Burgenland – Saalekreis STIER, Dieter (CDU);
(10.09.: sicherer Sieg;
22.09.: Vorsprung)
GEWIESE, Uwe
(Platz 5)
Sachsen-
Anhalt
074 Mansfeld SCHWEIGER, Torsten (CDU);
(10.09.: wahrscheinlicher Sieg;
22.09.: Vorsprung)
SCHEIDEMANN, Uwe

Die Mainstreammedien suchen die Schuld am Erfolg der AfD nicht bei sich, sondern bei Social media - also im Netz. Dies ist eine selbstgefällige Behauptung. Der Erfolg fällt in jene Zeit, in der die Mainstreammedien zum einen Themen wie die Rente unterdrückten und zum zweiten die AfD in die Nazi-Ecke stellten. Es ist bezeichnend, dass die AfD insbesondere in Wahlkreisen Chancen auf ein Direktmandat hat, die in der Wahlberichterstattung gar nicht oder nur am Rande auftauchen.      

 
       
   

KONICZ, Tomasz (2017): National und Neoliberal.
Der Extremismus der AfD ist ein Extremismus der Mitte - er entspringt dem neoliberalen Mainstream,
in:
Telepolis v. 22.09.

NOWAK, Peter (2017): Aus Angst vor der AFD die Gesellschaftskritik aufgeben?
Der Aufstieg der Rechten wird als Begründung dafür angegeben, bloß nicht mehr von einer anderen Gesellschaft zu reden,
in:
Telepolis v. 22.09.

Peter NOWAK kritisiert den linksliberalen Mainstream von taz bis Neues Deutschland, der sich von der AfD in die Defensive drängen lässt.

 
       
   

FRÖHLICH, Alexander (2017): Denkzettel für Woidke?
In Brandenburg leigt laut Umfragen die CDU vorn. Rot-Rot könnte für Kreisreform abgestraft werden,
in:
Tagesspiegel v. 22.09.

"Nach verschiedenen Umfragen und Prognosen könnte es für die Union auf mindestens sechs Direktmandate hinauslaufen. Im Wahlkreis 59, (...) könnte die dort traditionell starke Linke das Direktmandat holen - die Prognosen sehen mal die CDU, mal die Linke vorn. Für die SPD besonders wichtig ist der Wahlkreis 60 (...). Dort hatte Frank-Walter Steinmeier 2013 für die SPD das einzige Brandenburger Direktmandat mit knappem Vorsprung geholt. (...).
Für Steinmeier sprang Erardo C. Rautenberg ein. (...). Den Prognosen zufolge wird es ein knappes Rennen. Die amtierende Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) hat die Wahl zur Entscheidung über die von der rot-roten Koalition geplante Kreisreform erklärt (...). Die Linke versucht mit Prominenz gegenzuhalten: Mit der Ex-Piratin und Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg.
Spannend wird es in Frankfurt (Oder) und Oder-Spree. AfD-Spitzenmann Alexander Gauland tritt dort als Direktkandidat an. Der Wahlkreis 63 gilt als AfD-Hochburg, bei der Landtagswahl 2014 errang sie 20 Prozent. Die Umfragen sind nicht eindeutig: Mal sehen sie Linke-Urgestein Thomas Nord vorn, mal Martin Patzelt (CDU). (...).
Auch für Potsdam und das Umland, wo die SPD 2013 erstmals gegen die CDU verlor, wird ein enges Rennen vorhergesagt: zwischen der CDU-Politikerin und Landtagsabgeordneten Saskia Ludwig (...) und Manja Schüle",

berichtet Alexander FRÖHLICH über die Lage in Brandenburg. Seriöse Berichterstattung sieht anders aus: Weder wird das Meinungsforschungsinstitut noch das Erhebungsdatum und auch keine Prozentzahlen. Der Leser kann sich deshalb kein eigenes Bild machen, sondern ist von der Einschätzung des Journalisten abhängig. Unter der Website des Tagesspiegel werden Wahlkreisprognosen auf der Grundlage verschiedener Meinungsforschungsinstitute in Zusammenarbeit mit mandatsrechner.de angeboten. Hier findet man jene Fakten, die dem Print-Leser vorenthalten werden.

 
       
   

SALMEN, Ingo (2017): Ungleiche Rivalinnen.
Wahlserie Bezirk für Bezirk (12): Pau gegen Grütters, Linke gegen CDU. In Marzahn-Hellersdorf duellieren sich zwei Spitzenkandidatinnen. Eine unbekannte Dritte will dazwischenfunken - die AfD fühlt sich im Bezirk besonders stark,
in:
Tagesspiegel v. 22.09.

"Nur hier und in Mitte treten zwei Spitzenkandidatinnen der Landesliste direkt gegeneinander an. Während es im Zentrum Eva Högl von der SPD und Beatrix von Storch von der AfD sind, treffen im Osten die linke Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und die CDU-Landesvorsitzende Monika Grütters aufeinander. Nach einer Prognose von Tagesspiegel und mandatsrechnere.de hat Pau das Direktmandat sicher", erklärt uns Ingo SALMEN zum Berliner Wahlkreis 085 Marzahn-Hellersdorf.

Die folgende Übersicht zeigt die Prognosen von election.de und wahlkreisprognose.de für die Berliner Wahlkreise.

Erstplatzierte/r
Kandidat/in (Partei)
Wahlkreis election.de
(22.09.2017)
wahlkreisprognose.de
(Stand 22.09.2017)
Mittelwert (Fehlertoleranz)
HÖGL, Eva
(SPD)
075 Mitte Vorsprung 24 % (22,5 - 27,5 %)
Zweitplatziert:
HENKEL, Frank (CDU)
19,5 % (18 - 21,5 %)
AfD: 10 % (8,5-11,5 %)
LIEBICH, Stefan (Linke) 076 Pankow Vorsprung 28 % (25,5 - 30 %)
Zweitplatziert:
LUDEWIG, Gottfried
(CDU)
20 % (18 - 23 %)
AfD: 13 % (11,5-15 %)
STEFFEL, Frank (CDU) 077 Reinickendorf sicher 37 % (34,5 - 40 %)
Zweitplatziert:
KARGE, Torsten (SPD)
25.5 % (23 - 27,5 %)
AfD: 14,5 % (13-17 %)
SCHULZ, Swen
(SPD)
078 Spandau-Charlottenburg Nord    
WEGNER, Kai
(CDU)
Vorsprung 33,5 % (32 - 35,5 %)
Zweitplatziert:
SCHULZ, Swen
32,5 % (30 - 35 %)
AfD: 15 % (13-17,5 %)
HEILMANN, Thomas
(CDU)
079 Steglitz-Zehlendorf wahrscheinlich 36,5 % (35 - 39 %)
Zweitplatziert:
FINCKH-KRÄMER, Ute (SPD)
25 % (23 - 27,5 %)
AfD: 12,5 % (10-14,5 %)
GRÖHLER, Klaus-Dieter
CDU)
080 Charlottenburg-Wilmersdorf Vorsprung 31,5 % (30 - 34 %)
Zweitplatziert:
RENNER, Tim (SPD)
27,5 % (25,5 - 31 %)
LUCZAK, Jan-Marco
(CDU)
081 Tempelhof-Schöneberg wahrscheinlich 30 % (28 - 32,5 %)
Zweitplatziert:
RAWERT, Mechthild (SPD)
23 % (21 - 25,5 %)
AfD: 12 % (10-14 %)
SCHWARZER,
Christina (CDU)
082 Neukölln   26,5 % (24,5 - 29 %)
FELGENTREU, Fritz
(SPD)
Vorsprung 27 % (25 - 29,5 %)
AfD: 12,5 % (10,5-14 %)
 
BAYRAM, Canan
(Grüne)
083 Friedrichshain-Kreuzberg, Prenzlauer Berg Ost Vorsprung 26 % (24 - 28 %)
Zweitplatziert:
MEISER, Pascal (Linke)
24 % (22,5 - 25,5 %)
AfD: 7 % (4-8 %)
GYSI, Gregor
(Linke)
084 Treptow-Köpenick wahrscheinlich 42 % (40 - 44 %)
Zweitplatziert:
KORTE, Niels
18,5 % (16 - 20,5 %)
AfD: 17 % (14,5-19 %)
PAU, Petra
(Linke)
085 Marzahn-Hellersdorf Vorsprung 36,5 % (34 - 39 %)
Zweitplatziert:
AURICHT, Jeannette (AfD)
22 % (19,5 - 25 %);
GRÜTTERS, Monika (CDU)
21 % (19 - 23,5 %)
LÖTZSCH, Gesine
(Linke)
086 Lichtenberg wahrscheinlich 38 % (35,5 - 40 %)
Zweitplatziert:
PÄTZOLD, Martin (CDU)
19,5 % (17,5 - 21,5 %
AfD: 17 % (14,5-20 %)

Frühere Prognosen finden sich hier. Bei den Wahlkreisen 078 Spandau-Charlottenburg Nord und 082 Neukölln ist das Rennen noch völlig offen, aber auch bei den Wahlkreisen 080 Charlottenburg-Wilmersdorf und 083 Friedrichshain-Kreuzberg, Prenzlauer Berg Ost steht der Sieger noch nicht fest, da die Ergebnisse der Erst- und Zweitplatzierten noch im Bereich der Fehlertoleranz liegen.

 
       
   

DELHAES, Daniel (2017): Verblühende Landschaften.
Großstädte boomen, ländliche Regionen sterben aus: Deutschland muss dringend Strategien entwickeln, um die Daseinsvorsorge zu sichern, heißt es in einem Bericht, der eigentlich erst nach der Wahl öffentlich werden sollte,
in:
Handelsblatt v. 22.09.

Der Raumordnungsbericht 2017 Daseinsvorsorge sichern sollte gemäß der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage vom Februar bereits im zweiten Quartal erscheinen. Daniel DELHAES stilisiert nun den noch unveröffentlichten Bericht zu einer Sensation, die er keineswegs ist. Dass die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum im Argen liegt, konnte man schon seit Jahren wissen. Der politische Neoliberalismus als marktkonforme Politik hält bekanntlich nichts vom Gegensteuern, sondern verstärkt lediglich die Probleme. Davon liest man jedoch bei DEHLHAES nichts. Es werden keine neuen Fakten und am Ende wird gar vor einer "zweiten Welle demografisch bedingter Anpassungsprozesse" gewarnt. Der Begriff ist typisch für die Demografiepanik in Deutschland, denn er ist nicht mehr als ein Schlagwort, das zum neoliberalen Diskurs passt. Anpassungsprozesse sind ein ständiger Begleiter jeglicher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung. Mehr als eine Leerformel ist das nicht!   

 
       
   

DECKER, Markus (2017): Verzweifelte Entschlossenheit an der Wahlurne.
Es gibt zahlreiche niederschmetternde Gründe, warum die politische Lage in Ostdeutschland auch im 27. Jahr der Einheit anders geblieben ist,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.09.

Das Thema hat die FAZ bereits vor einer Woche in ähnlicher Weis behandelt. Selbst der zitierte Experte ist derselbe: Raj KOLLMORGEN.

"Unbestreitbar ist: So wie die britische Provinz den Ausschlag gab für das Brexit-Votum und der amerikanische Rust-Belt den Ausschlag für Trump, so werden die Ost-Provinzen Heimstatt der AfD. Wer die ländlichen Räume ökonomisch verliert, verliert sie sozial und anschließend politisch",

prophezeit uns Markus DECKER. Man wird bald wissen, inwiefern das stimmt.

"Die Rechtsdrift ist nicht zuletzt ein Phänomen der Jungen. So würden nach einer aktuellen Erhebung 15,4 Prozent der unter 18-Jährigen in Sachsen die AfD wählen. Das ist bundesweit das zweithöchste Ergebnis nach Thüringen, wo es 15,7 Prozent wären. Im Erzgebirge würde die AfD, wenn es nach den unter 18-Jährigen ginge, sogar stärkste Kraft - und die NPD käme über die Fünf-Prozent-Hürde. Bundesweit würden bloß 6,7 Prozent dieser Altersgruppe für die AfD votieren",

erklärt uns DECKER, was wohl heißen soll, dass die AfD in Zukunft noch stärker werden wird.

 
       
   

MÖSKEN, Anne Lena (2017): Wo die reichen Leute wohnen.
Das Verhältnis der Deutschen zum Wohlstand ist kompliziert. Ein Streit in der Babelsberger Villenkolonie in Potsdam zeigt: Wer viel hat, will noch lange nicht teilen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.09.

 
       
   

TOBIAS, Peter (2017): Schulz' letzter Strohhalm.
Der SPD-Kanzlerkandidat hofft auf die vielen noch unentschlossenen Wähler - doch wer sind diese Menschen?
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.09.

Peter TOBIAS glaubt nicht an einen Umschwung in letzter Minute. Die Unentschlossen seien vor allem Nichtwähler (soziale Erwünschtheit der Antwort) bzw. hoch informiert, die pragmatisch wählen. Von daher entscheiden diese Wähler zumindest, zu welchen Koalitionen es kommen kann. SCHULZ wird zwar kaum noch Kanzler werden können und die SPD kann höchstens auf eine Juniorpartnerschaft in der großen Koalition hoffen. Nichtsdestotrotz entscheiden sich die möglichen Koalitionsoptionen (Schwarz-Gelb, Schwarz-Gelb-Grün oder Schwarz-Rot) letztendlich erst am Wahltag. Viele der so genannten Unentschlossenen können durch falsche Einschätzungen die Optionsmöglichkeiten einschränken oder erweitern.

Fazit: Entschieden werden die möglichen Koalitionsoptionen erst am Wahltag! 

GRASS, Julia (2017): Die Probleme der Meinungsforscher.
Demoskopen stoßen auf immer mehr Hindernisse. Blick auf Social Media hilft nur bedingt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.09.

Julia GRASS stellt zwei Prognosen zum Ausgang der Wahl vor:

"Echobox gelang es (...), den Erfolg des französischen Präsidenten Emmanuel Macron vorherzusehen. (...).
Wiederholt sich dieser Mechanismus in Deutschland, könnte die AfD am Sonntag nach Einschätzung des Echobox-Teams drittgrößte Kraft werden und deutlich stärker als die rund zehn Prozent, die ihr derzeit die Meinungsforschungsinstitute vorhersagen - denn sie erhält derzeit die meiste Aufmerksamkeit im Netz."

Da sich das Wahlsystem in Frankreich deutlich vom deutschen Wahlsystem unterscheidet, denn es geht nicht um eine Präsidentschaftswahl, sondern um eine Parlamentswahl. Man wird also sehen müssen, was davon stimmt. Im Grunde liegt das Ergebnis im Rahmen der Prognosen anderer Institute. Auch INTW Statistics will wissen, was die Wahlen bringen werden:

"Derzeit prophezeit diese Methode der AfD zu einer Wahrscheinlichkeit von etwa 54 Prozent, drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden und etwa zehn Prozent der Gesamtstimmen."

Auch dieses Ergebnis liegt im Trend der aktuellen Meinungsumfragen. Joachim FRANK stellt das Mannheimer Modell von Thomas GSCHWEND vom Zentrum für Sozialforschung vor:

"Diesmal werde Angela Merkel das Rennen machen »und mit 88-prozentiger Wahrscheinlichkeit reicht es für Schwarz-Gelb«, sagt Gschwend."

Mit dieser Prognose steht GSCHWEND eher allein da, zumindest was die veröffentlichte Meinung betrifft. Möglicherweise liegt das daran, dass CDU-nahe und FDP-affine Meinungsforschungsinstitute ihre Ergebnisse so gestaltet haben, dass ihre Anhängerschaft dadurch mobilisiert wird. Schließlich vertreten manche die Meinung, dass die FDP 2013 nur rausgeflogen ist, weil die Umfragewerte die FDP im Bundestag sahen.

 
       
   

BUNTENBACH, Annelie (2017): Gesetzliche Rente stärken.
Gastwirtschaft: Wir brauchen nach der Wahl schnell einen Kurswechsel,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.09.

 
       
   

ÖCHSNER, Thomas (2017): Raus aus der Altersarmut.
Rente: Die Solidarrente wird gerade denjenigen, die am meisten gefährdet sind, kaum helfen,
in: Süddeutsch
e Zeitung v. 22.09.

Thomas ÖCHSNER legt nun kurz vor den Wahlen doch noch einen Rentenwahlkampf hin, nachdem die Wähler alles andere als erfreut waren, dass die Parteien einen Anti-Rentenwahlkampf führten. ÖCHSNER ignoriert die Mindestrentenpläne und befasst sich nur mit jenen Konzepten, die zum neoliberalen Aktivierungsparadigma passen - wenngleich sie als untauglich dargestellt werden. Seine neoliberalen Vorstellungen zur Lösung der Altersarmut laufen darauf hinaus, dass die gesetzliche Rente auf ein Fürsorgesystem reduziert wird. Den Lebensstandard soll dagegen die private Altersvorsorge sichern, die dazu "angekurbelt" werden soll.

"Man wird langfristig auch über eine längere Lebensarbeitszeit reden müssen, wenn gleichzeitig die Lage von kranken Frührentnern verbessert wird."

Wenn ÖCHSNER von einer "klugen Form einer Mindestrente" spricht, dann wird dies kaum mehr als die heutige Grundsicherung im Alter sein.

"Die Generation der Babyboomer geht bald in Rente, aber ein neuer Babyboom wird in Deutschland ausbleiben",

meint ÖCHSNER. Man wird sehen, ob das stimmt. Die Statistiker haben jedenfalls erfolgreich alle Zahlen zur Geburtenentwicklung 2016 aus dem Wahlkampf herausgehalten. Davon abgesehen werden die Amtsstatistiker erst dann von einem Babyboom sprechen, wenn es schon alle Spatzen von den Dächern pfeifen. Die Amtsstatistiker waren bekanntlich nicht einmal Anfang der 1960er Jahre in der Lage zu erkennen, dass sie sich mitten im Babyboom befanden. Erst als er bereits zu Ende war wurde er damals bei Bevölkerungsvorausberechnungen in Rechnung gestellt, mit der Folge, dass diese voll daneben lagen. Auch jetzt droht uns das gleiche Schicksal!  

 
       
   

PIPER, Nikolaus (2017): Faktencheck.
Pipers Welt: Noch nie standen Ökonomen so viele Daten und so gute Testmethoden zur Verfügung wie heute. In den Talkshows und im Internet dominieren trotzdem immer noch Anekdoten und unbewiesene Behauptungen über Wirtschaft,
in: Süddeutsch
e Zeitung v. 22.09.

Die Welt des Nikolaus PIPER ist schlicht. Die neue Modereligion heißt "evidenzbasierte Wirtschaftspolitik", eine neumodische Bezeichnung für quantitative Empirie. Nur weil es leistungsfähigere Computer gibt, sollen damit die Probleme dieser Herangehensweise verschwinden, so jedenfalls die schlichte Sicht des Neoliberalen, der Politik durch Expertokratie ersetzen möchte.

PIPER passt nun das Buch Neben uns die Sintflut von Stephan LESSENICH nicht, der mit dem Kampfbegriff Externalisierung arbeitet. PIPER behauptet nun, dass man die Effekte messen könne und damit die Sicht von LESSENICH widerlegen oder bestätigen könne. Aber kein noch so leistungsfähiger Computer kann das leisten, sodass die Anzahl der Effekte, die in Modellen vorkommen, nach neoliberalem Gusto einfach eingeschränkt werden. Schon sind wir damit im Bereich der Ideologie und der so genannten Scientific Community. Es gibt also durchaus gute Gründe, warum die Ökonomie niemals den Rang einer Naturwissenschaft erlangen kann. In den Naturwissenschaften können Modelle sich in der Realität bewähren, während es in den Gesellschaftswissenschaften immer nur um einen Widerstreit unterschiedlicher Argumente geht. Faktenchecker leugnen dagegen diesen Unterschied!

 
       
   

REEH, Martin (2017): "Die AfD wird bleiben".
Links und Rechts: Wir linksliberalen Kosmopoliten sind für den Erfolg de Rechtspopulisten mit verantwortlich, sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel,
in:
TAZ v. 22.09.

Wolfgang MERKEL will die Wählerschaft in Kosmpoliten und Kommunitaristen unterteilen und schmeichelt damit den Kosmpoliten, wenn er sie als die "Gebildeten und Besserverdienenden unserer Gesellschaft" (kurz: Globalisierungsgewinner). Die Kommunitaristen werden dagegen als Globalisierungsverlierer abgewertet. Der Kommunitarismus-Begriff, der seit den 1980er Jahre in den Debatten kursiert, wird damit vom einstmals positiv besetzten Begriff zum negativ konnotierten Ausdruck.

Im Begriff "Kosmopolit" schwingt eine gewisse Überheblichkeit mit, denn dessen Kapital soll global tauschbar sein, während der dumme Kommunitarist an seine Nation gebunden ist wie früher nur der Bauer an die Scholle. Man darf bezweifeln, dass es viele Kosmopoliten gibt, die dem Ideal gerecht werden können. Und es übersieht vor allem jene, die Kosmopoliten sein könnten, aber dies nicht sein wollen.

Die AfD-Wählerschaft will MERKEL als "nationalistische Kommunitaristen" bezeichnet wissen, also in Abgrenzung zu den ursprünglichen Positionen der Kommunitaristen. Auch das kann letztlich nicht verhindern, dass der Begriff damit eine negative Bedeutung erhält.

Die Grünen hält MERKEL für eine "kosmopolitische Partei par excellence". Dies dürfte ein Trugschluss sein, worauf die Soziologin Cornelia KOPPETSCH gestern zu Recht hingewiesen hat. Und auch der Begriff "postmaterialistisch" täuscht darüber hinweg, dass die Wählerschaft der Grünen sehr materialistisch ist. Denn sonst hätten sie mit Steuererhöhungen ja kein Problem, oder?

 
       
   

NEUERER, Dietmar (2017): Leben in eigener Wirklichkeit.
AfD,
in:
Handelsblatt v. 22.09.

"Bein einem Wahlergebnis um die zehn Prozent würden es etwa 70 AfD-Politiker ins Parlament schaffen - darunter Dutzende aus dem rechten Spektrum",

befürchtet Dietmar NEUERER, der jedoch nur 3 Namen nennt. Er berichtet über einen Abend in Steglitz-Zehlendorf, wo Alexander GAULAND sprach.

"Selbst im bürgerlichen Südwesten Berlins mit seinen Villen in Dahlem, Lichterfeld-West und auf Schwanenewerder ist der Ärger über Merkels Regierung groß",

meint NEUERER.

 
       
   

WYPUTTA, Andreas (2017): Ein Mann, ein Wort.
Duisburg: Am Sonntag wählt die Stadt nicht nur den Bundestag, sondern auch ihren Oberbürgermeister,
in:
TAZ v. 22.09.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FERBER, Michael (2017): Rentenreform engt steuerliche Spielräume ein.
Die neuen Alterslimiten für den Bezug von Freizügigkeitsgeldern hätten negative Folgen für Vorsorgende,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.

FERBER, Michael (2017): Kaufe nicht, was du nicht verstehst.
Kommentar: Versteckte Tücken der geplanten Schweizer Rentenreform "Altersvorsorge 2020",
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.

HEHLI, Simon (2017): Von Berset hängt alles ab.
Der Blick auf ein allfälliges Scheitern der AHV-Reform könnte die Departementsverteilung beeinflussen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.

RITTER, Johannes (2017): Die Rentenreform spaltet die Schweiz.
Vor der Abstimmung am Sonntag liegen Befürworter und Gegner fast gleichauf. Die einen halten den Plan für ein Bürokratiemonster, die anderen für ausgewogen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Großbritannien

HOSP, Gerald (2017): Erst die Pensionskassenlösung macht den Weg frei.
Um die britischen Stahlaktivitäten verkaufen zu können, ist Tata Steel eine Verpflichtung eingegangen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.

 
       
   

Wie die Wahlkampfberichterstattung in der deutschsprachigen Presse im Jahr 2017 unser Frankreichbild geprägt hat

KLINGSIECK, Ralf (2017): Macrons Partei fehlt die Kraft zum Sturm des Senats.
Bei den am Sonntag anstehenden Teilwahlen zur zweiten Kammer des französischen Parlaments ist die bürgerliche Rechte im Vorteil,
in:
Neues Deutschland v. 22.09.

"Von den 348 Sitzen des Senats sind am Sonntag 171 für die nächsten sechs Jahre zu besetzen.
Die Senatoren werden nicht direkt gewählt, sondern durch ein Gremium aus Abgeordneten von Kommunal-, Departemental- und Regionalräten. Und dieses stehen mehrheitlich rechts, entsprechend den Kommunal- und Regionalwahlen der letzten Jahre. Die junge Bewegung En marche ist dort bislang überhaupt nicht vertreten",

beschreibt Ralf KLINGSIECK die Lage vor den Wahlen zum Senat am 24. September. Gemäß einer Pressemeldung des Senats vom 8. September werden 170 Senatoren gewählt.

Gemäß KLINGSIECK gehören im Senat derzeit nur 29 Senatoren zur Bewegung von MACRON. Er zitiert den Fraktionsvorsitzenden François PATRIAT, der als Ziel für die Teilwahl eine Erhöhung um 60 Sitze gesetzt hatte. Die Kandidaten kommen

"zu 40 Prozent von den Republikanern, zu 40 Prozent von den Sozialisten und zu 15 Prozent von der Zentrumspartei, ein Kandidat war vorher bei den Grünen",

berichtet KLINGSIECK. Diese Kandidaten sieht er nun von MACRON im Stich gelassen.

WIEGEL, Michaela (2017): Der Euro oder ich.
Florian Philippot will sich nicht lächerlich machen und verlässt den Front National - der Richtungsstreit in der Partei ist vorläufig entschieden,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 22.09.

KLIMM, Leo (2017): Die Rache der Marine Le Pen.
Die Front-National-Chefin drängt ihren Stellvertreter aus der Partei. Doch ein größerer Konflikt steht noch bevor,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

COULMAS, Florian (2017): Versuchsstation des Weltuntergangs.
Japan wird immer älter - und geht uns voran in eine Zukunft der Roboter und der Einsamkeit,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.

Faktenarmer Artikel, der lediglich die üblichen Klischees über Japan verbreitet, die eher der Demografiepanik in den deutschsprachigen Ländern geschuldet ist als dass uns die Lage der Japaner vermittelt wird.

 
       
 

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 19. - 21. September 2017
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
 
  [ Homepage ]
 
   
© 2000-2017
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Stand: 07. November 2017