[ [ News-Hauptseite ] [ Homepage ] [ Impressum und Datenschutzerklärung ]

   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News 22.-24. September 2017
News 19.-21. September 2017
News 14.-18. September 2017
News 09.-13. September 2017
News 06.-08. September 2017
News 01.-05. September 2017
News 25.-31. August 2017
News 22.-24. August 2017
News 12.-21. August 2017
News 09.-11. August 2017
News 05.-08. August 2017
News 01.-04. August 2017
News 26.-31. Juli 2017
News 16.-25. Juli 2017
News 12.-15. Juli 2017
News 07.-11. Juli 2017
News 01.-06. Juli 2017
News 25.-30. Juni 2017
News 20.-24. Juni 2017
News 12.-19. Juni 2017
News 07.-11. Juni 2017
News 01.-06. Juni 2017
News 21.-31. Mai 2017
News 13.-20. Mai 2017
News 07.-12. Mai 2017
News 01.-06. Mai 2017

News 1-4/2017
News 2000-2016

 
 
   
Medienberichte über single-dasein.de
 
 
 
   

News vom 25. - 30. September 2017: [25.09.] [26.09.] [27.09.] [28.09.] [29.09.] [30.09.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Wie der Aktivierungsdruck in der Alterssicherung aufgrund der Probleme der privaten Altersvorsorge vermehrt zur  gesellschaftlichen Destabilisierung führt

"Die vorherrschenden Diskurse in den Leitmedien und in der politischen Öffentlichkeit verweisen (...) auf Angstmobilisierung. Im Zentrum stand und steht das Narrativ demografischer Lasten sowie die damit verbundene These von der Untragbarkeit erhöhter Soziallasten (auch für die gesetzliche Rentenversicherung) im globalisierten Standortwettbewerb. Der Tenor des Diskurses ging und geht (...) in Richtung Aktivierung: Die Menschen sollen nunmehr eigenständig nach (scheinbar) optimalen Möglichkeiten der Altersversorgung suchen; denjenigen, die nicht am Vorsorgemarkt tätig werden, wird - auch in der Werbung der Finanzbranche - mitgeteilt, dass sie im Ruhestand mit erheblichen Einkommensabstrichen rechnen müssen.
Zumindest teilweise greift das Aktivierungsregime: Mittlerweile sind weit über 16 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen worden, wobei das Vertragsgeschäft seit einiger Zeit stagniert. Insbesondere Angehörige der Mittelschicht haben stark in die kapitalgedeckte Daseinsvorsorge investiert. Gleichzeitig stößt die massive (...) Aufforderung zum Engagement bei der privaten Vorsorge auf Glaubwürdigkeitsprobleme: Fehlende Leistungstransparenz, Bankenkrise und langfristige Zinsflaute vermitteln (...), dass dieses Alternativmodell hochgradig störanfällig ist. (...). Bode und Wilke beschreiben (...) verschiedene Formen der subjektiven Verarbeitung dieser Drucksituation (...).
Eine erste Option scheint hier die Flucht nach vorn: in die explizite Betonung individueller Selbstverantwortung. (...). Es finden sich auch Konstellationen, in denen die Aktivierung folgenlos bleibt (weil auf Vorsorge verzichtet wird). (...).
In anderen Fällen misslingt die Aktivierung »aufgrund vieler Meinungen und Diskussionen und einer (...) Grundunsicherheit (...)«. Man bleibt inaktiv, Angst hat hier eine lähmende Funktion. Besonders interessant ist eine vierte Form der Verarbeitung (...): Hier greift eine spezifische Verknüpfung von internalisiertem Aktivierungsdruck und diffusen Ohnmachtgefühlen."

(Sigrid Betzelt & Ingo Bode "Fatal funktional?" in der Zeitschrift Leviathan, Heft 2, S.209f.)

 
       
       
   

30.09.2017

 
       
   

LIPPENS, Jan (2017): Kein Sex ist auch keine Lösung.
Sehnsüchte: Seitdem unser Autor über seine verheerenden Dating-Erlebnisse als 60-Jähriger geschrieben hat, teilen viele ihre3 Erfahrungen mit ihm. Einsichten in die Einsamkeit,
in:
TAZ v. 30.09.

 
       
   

RADA, Uwe (2017): Die Rache der Peripherie.
Essay: Die Wahlerfolge der AfD sind kein ostdeutsches Phänomen, sondern ein europäisches,
in:
TAZ v. 30.09.

"Im Bayerischen Wald etwa, dort ,wo der Freistaat an Tschechien grenzt, hat die AfD ebenso großen Erfolg wie auf der anderen Seite der ehemaligen innerdeutschen Grenze, in Sachsen oder Thüringen.
Es sind Regionen, die man gerne als abgehängt bezeichnet, aber noch sind es eher periphere Regionen, nur, dass die Entfernung zu den Zentren, gefühlt zumindest, von Jahr zu Jahr größer wird. Wenn Sparkassen zumachen, Krankenhäuser schließen, das Internet nur ruckelt, dann wird auch dem Letzten klar, dass die Zukunft woanders stattfindet. Die meisten, vor allem die Jungen, die Frauen, die gut Ausgebildeten, sind ohnehin schon weg. Das Lebensgefühl der Peripherie ist das des Verlusts. Das ist in Deggendorf an der Donau nicht anders als in Frankfurt an der Oder",

hält Uwe RADA den "Ossi-Verächtern" und "Ossi-Verstehern" entgegen. Er verweist zudem auf das europäische Ausland, wo Parteien wie die AfD bereits politische Normalität geworden sind:

"In Polen leben (...) die »liberalen Eliten«, in den Großstädten und im Westen des Landes, während die Unterstützer der PiS in den Kleinstädten und östlich der Weichsel in der Mehrheit sind.
Nicht anders ist es in Frankreich, wo der Front National vor allem im Süden und in den ehemaligen Industrieregionen im Nordosten seine Hochburgen hat. Es ist so in Großbritannien, wo das »Remain« vor allem im reichen London zu Hause war. Gleiches gilt für Österreich, für die Slowakei, für Tschechien. Überall ist die »Rache der Peripherie« zu beobachten, die den Eliten in den Zentren per Stimmzettel die Meinung geigt."

Der Begriff "Rache", den nicht nur RADA benutzt, diffamiert zugleich die Sicht der Wähler, denn Emotionalität ist das Gegenteil zum rationalen Wähler als der sich unsere Wählerversteher in den Mainstreamzeitungen ansehen. Anstelle von Rache, könnte man genauso gut von Machtlosigkeit oder Alternativlosigkeit aufgrund des Konsens in den etablierten Parteien sprechen. Ganz bewusst wurden alle Probleme - nicht nur der Peripherie - von den etablierten Parteien außen vor gehalten. SPD und Linkspartei standen als Mitregierende vor dem Problem, dass ihre Thematisierung der sozialen Frage - im krassen Gegensatz zum Regierungshandeln stand. Es ist noch nicht lange her, da verkündeten uns die Mainstreamzeitungen, dass man das Aussterben der Dörfer subventionieren sollte. Reiner KLINGHOLZ und seine Privatinstitut wurde von den Journalisten hofiert und Politiker, die sich dem nicht anschließen wollten, als weltfremd angeprangert. Das war 2011 als nicht das starke Wachstum der Großstädte das Hauptproblem war, sondern das Schrumpfen zum neuen Ideal erhoben wurde. Statt politisch gegenzusteuern, wurde der neoliberale Standortwettbewerb forciert und damit die Kluft weiter verstärkt. Auf die 1,5 Millionen Zuwanderer war Deutschland also mehr als schlecht vorbereitet. Eine Politik, die sich einerseits am Ideal des Schrumpfens orientierte und andererseits ein starkes Bevölkerungswachstum verwalten musste war in dieser Situation hoffnungslos verloren. Nichts davon liest man jedoch in den Mainstreamzeitungen. Stattdessen heißt es bei RADA:

"Dass es in Westdeutschland nicht in dem Maße Regionen ohne Zukunft gibt wie zwischen Elbe und Oder liegt auch an einer Strukturpolitik, die in der alten Bundesrepublik für einen Ausgleich zwischen »starken« und »schwachen« Regionen gesorgt (...) hat."

Von Strukturpolitik zu sprechen ist glatter Hohn, wenn man sich z.B. die Städte- und Regionenrankings über die Zukunftsfähigkeit von Regionen und Städten in den Mainstreamzeitungen anschaut. Dort werden uns die Kennzahlen um die Ohren gehaut, die einerseits "gut" (verfügbares Einkommen, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung) und andererseits "schlecht" (Anteil der Sozialhilfeempfänger, Arbeitslosenquote, Anteil der Alten) sind. Statt die Unterschiede zum Anlass für Forderungen nach einem stärkeren finanziellen Ausgleich zu machen, wird im Gegenteil die Abwärtsspirale geschürt. RADA weist auf die Strukturunterschiede in Ost und West hin:

"Das Sauerland hat eben noch Köln und der Bayerische Wald Nürnberg, Großstädte, mit denen es einen wirtschaftlichen und kulturellen Austausch gibt, der zu den mental maps dazugehört. In der Prignitz oder Ostvorpommern gibt es diese nahen Großstädte nicht."

Statt dies aber als ungelöstes Problem der Regionalpolitik anzusehen, wird das lediglich als Ursache eines Mentalitätsproblems beschrieben:

'Denn neben der Peripherisierung des Raums gibt es auch eine kulturelle Peripherisierung. Ihre Protagonisten sind die, die die Modernisierung der Bundesrepublik nicht mittragen."

Zwischen den Modernisierungseuphorikern in den schicken, gentrifizierten Großstadtvierteln und denjenigen, die als "Modernisierungsverlierer" abgestempelt werden. Die politischen Verhältnisse werden nicht problematisiert, sondern erscheinen als alternativlos, wenn es heißt:

"Der Wahlerfolg der Rechtspopulisten ist also ein gesamtdeutsches und ein europäisches Phänomen, und er hat auch viel, wie es Sozialgeografen sagen würden, mit einer kapitalistischen oder globalisierten Produktion von Raum zu tun."

Dies wird noch deutlicher, wenn RADA Gebietsreformen als "finanzpolitisch notwendig" rechtfertigt:

"In Brandenburg (...) droht die rot-rote Landesregierung demnächst über eine Kreisreform zu stolpern. Finanzpolitisch ist sie notwendig, psychologisch eine Katastrophe."

Dass an dieser Art von politischer Reaktion auf Bevölkerungsentwicklungen etwas grundsätzlich falsch sein könnte, auf diese Idee kommt RADA nicht. Die wahren Kosten der "finanzpolitischen Notwendigkeit" könnten ein Vielfaches dessen erreichen als der Gewinn einer neoliberalen Politik, die Regionen gegeneinander ausspielt. Den demografischen Wandel auf ein Kostenproblem zu reduzieren, statt Gewinner- und Verliererregionen durch die Neugestaltung des Finanzausgleichs zusammenzuschließen und nicht wie bisher noch stärker zu entkoppeln, ist keine Problemlösung, sondern spielt der AfD in die Hände. Gebietsreformen in der bisherigen Form kurieren nur an den Symptomen, statt die Ursachen zu bekämpfen. Das Problem ist dann nicht der Modernisierungsrückstand, sondern die Entsolidarisierung der Modernisierungsgewinner.

Statt blühender Landschaft fordert RADA nun "nur noch" einen "flächendeckenden Ausbau des Internets". Als Vorbild gelten ihm die baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen). Alle drei Staaten kommen nicht einmal auf die Hälfte der Fläche Deutschlands. Dort leben lediglich 6,1 Millionen Einwohner. Das Internet ist jedoch kein Wundermittel als das es gerne hingestellt wird. Die soziale Ungleichheit wird es nicht beseitigen. 

 
       
   

DAUM, Philipp & Viktoria MORASCH (2017): A Woahnsinn.
Niederbayern: Früher waren die CSU und das Land hier eins. Doch seit der Bundestagswahl ist das vorbei. In Deggendorf holte die AfD mit fast 20 Prozent das beste Ergebnis in Westdeutschland. Was ist da passiert?
in:
TAZ v. 30.09.

"In fast allen niederbayerischen Wahlkreisen wurde die AfD zweitstärkste Kraft, weit vor der SPD.
Im Wahlkreis Deggendorf kam die AfD auf 19,2 Prozent, der höchste Wert in Westdeutschland. (...).
Wer vom Deggendrofer Hauptbahnhof nach links geht, sieht einen großen Klotz mit glatter Fassade, eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Gegenüber steht ein Netto-Supermarkt. Im Wahllokal St. Martin, gleich um die Ecke, überholte die AfD die CSU. Sie kam auf 31,5 Prozent der Stimmen, es ist das Wahllokal mit dem höchsten Wert in ganz Bayern",

erklären uns DAUM & MORASCH, deren Bericht bereits die Landtagswahl im Herbst 2018 im Blick hat. Außerdem porträtieren sie die AfD-Direktkandidatin:

"Die 39-jährige Buchhalterin, Mutter von vier Kindern, hat sich die FDP angeschaut und die CSU.
Und die AfD. Zwei Wochen nach dem ersten Stammtisch wurde sie Mitglied. (...).
Auf dem ersten Listenplatz stand die Kandidatin aus Straubing, »Das war eine brutale Niederlage für mich, als ich das erfahren habe«, sagt Ebner-Steiner. »Aber ich habe vier Kinder, und die noch keine«."

Thematisch wurde auf das Thema Zuwanderung gesetzt statt auf soziale Themen:

"Altersarmut - außer der Linken und der AfD hat niemand dieses Thema angesprochen, vielleicht weil das eben auch nicht zampasst: Existenzängste und Bayern."

SCHÄFFER, Albert & Julian STAIB (2017): Wie Flüchtlinge im eigenen Land.
Noch wenige Tage vor der Wahl feierte Horst Seehofer den "perfekten" Wahlkampf seiner Partei. Hatte die CSU den Kontakt zur Wirklichkeit verloren? Ein Besuch in Niederbayern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.09.

Die "Erstaufnahmeeinrichtung" (taz) heißt bei SCHÄFFER & STAIB "Asylunterkunft" und das Wahllokal St. Martin heißt einfach nur "örtliches Wahllokal", doch die Zahlen sind diesselben. Um zu erklären, warum "fast ein Drittel der Bewohner" die AfD wählten, verweisen SCHÄFER & STAIB anders als DAUM & MORASCH in der taz vor allem auf die Russlanddeutschen:

"Gegenüber stehen fünf Wohnblocks, in denen viele Russlanddeutsche leben, so wie überhaupt im Viertel. Die Nachfahren der einst nach Russland ausgewanderten Deutschen hatten bundesweit früh gegen die Einwanderung der Flüchtlinge demonstriert; die AfD hatte sie im Wahlkampf gezielt angesprochen. Vielleicht erklärt das in Teilen hier die hohen Zustimmungsraten für die AfD."

In der taz werden die Russlanddeutschen ebenfalls erwähnt, aber nicht explizit als Grund für den Wahlerfolg der AfD:

"Zu Kriegsende war die Bevölkerung in Deggendorf zu 98 Prozent katholisch. Erst mit dem Zuzug von Schlesiern, Sudentendeutschen und in den Neunzigern Russlanddeutschen kamen Protestanten in die Stadt. (...) Heute umfasst seine Gemeinde (Anm.: des evangelischen Stadtpfarrers Gottfried Rösch) 6.000 Menschen, davon 4.000 Russlanddeutsche. Er hat sich auf die Russlanddeutschen spezialisiert, weil er merkte, dass für sie Angebote fehlten."

Prackenbach wird uns von SCHÄFFER & STAIB als Gemeinde vorgestellt, der "nie Flüchtlinge zugeteilt wurden" und dennoch hohe Zweitstimmenanteile der AfD aufweist:

"Prackenbach liegt im Landkreis Regen, hat 2.700 Einwohner, die in Dutzenden Ortschaften leben. Viele Neubauten stehen dort, daneben schön renovierte Bauernhäuser. Flüchtlinge sind hier keine untergebracht, trotzdem bekam die AfD 26,5 Prozent der Zweitstimmen, die CSU 39,9, die SPD zwölf."

An Prackenbach wird uns dargestellt, dass die soziale Lage kaum ausschlaggebend gewesen wein kann:

"Es ist eine Gegend aus der die Jungen in Scharen abwandern. Und von den Alten bekommen manche nur eine Rente knapp über der Armutsgrenze. (...). Andererseits haben viele Jobs in der boomenden Wirtschaft unten im Flachland gefunden und pendeln dahin. In keiner Region Europas gab es 2016 weniger Erwerbslose als in Niederbayern. Der Regierungsbezirk erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt von 42,09 Milliarden Euro. Das von Sierra Leone, aus dem nun viele der Asylbewerber stammen, liegt bei rund vier Milliarden".

Eine solche akademische Argumentation ist typisch für einen Großteil der Berichterstattung und zeigt die Weltfremdheit unserer Mainstreamjournalisten. Denn welche Aussagekraft hat der Vergleich der Bruttoinlandsprodukte eines Bundeslandes mit einem Staat? Überhaupt keine, denn für die Menschen eines Landes ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf entscheidender, aber noch entscheidender ist, wie dieser Reichtum innerhalb eines Landes verteilt ist. Die Botschaft ist natürlich klar: Die Niederbayern sind undankbar! Das ist ein beliebter Vorwurf, der auch den Ostdeutschen gerne gemacht wird. Dafür wird dann der Vergleichsmaßstab Osteuropa hervorgeholt.

Zuletzt werfen die Autoren der bayerischen CSU Realitätsferne vor.

 
       
   

LASCH, Hendrik (2017): Ohne Zug und Zeitung.
Dorfbewohner fühlen sich vergessen - und zeigen das bei Wahlen,
in:
Neues Deutschland v. 30.09.

"Es gibt dieser Tage viele Versuche, den Wahlerfolg der AfD in Ostdeutschland, in Sachsen und nicht zuletzt in der Oberlausitz zu ergründen - ein Erfolg, zu dem auch Dürrhennersdorf beitrug. Von 824 Wahlberechtigten gaben 528 ihre Stimme ab, davon 238 für die AfD, ein Ergebnis von 45,1 Prozent. (...).
Das Kreuz für die AfD ist dabei auch der - zweifelhafte - Versuch, ein in vielen Dörfern verbreitetes Gefühl zu artikulieren: das, wonach die eigenen Probleme von der Politik nicht mehr wahrgenommen werden.
Exemplarisch wird das deutlich in Berichten aus dem mittelsächsischen
Dorfchemnitz, jenem Ort, in dem die AfD bei der Bundestagswahl sogar 47,4 Prozent einfuhr und mit 414 Stimmen exakt so stark war wie die fünf anderen im Bundestag vertretenen Parteien zusammen",

meint Hendrik LASCH, der den Niedergang der rund 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde Dürrhennersdorf beschreibt.

LASCH, Hendrik (2017): Abgehängt - und auch noch selbst schuld daran.
Wissenschaftler: Neoliberale EU-Politik befördert ungleiche regionale Entwicklung in Europa. Zu den Folgen gehören "Abwanderungskultur" und politischer Rechtsruck,
in:
Neues Deutschland v. 30.09.

Hendrik LASCH berichtet über eine Untersuchung des Leibnitz Institut für Länderkunde, das dieses zusammen mit Kollegen aus 12 anderen Ländern, zur Regionalentwicklung in der EU durchführte. Die Wissenschaftler fordern eine Umkehr bei der Kohäsionspolitik der EU.

 
       
   

FISHMAN, Robert B. (2017): Der Dreck verschwand, die Kreativen kamen.
Unterwegs in Essen, das 2017 den Titel "Grüne Hauptstadt Europas" trägt,
in:
Neues Deutschland v. 30.09.

"In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ließ sich der Industrielle Alfred Krupp in den Wäldern am Ufer der Ruhr einen 8.100 Quadratmeter großen Palast mit 269 Räumen bauen: die Villa Hügel (...). Der Unternehmer entfloh so der dicken Luft im Essener Norden. Zurück blieben seine Arbeiter und die vieler anderer stinkender Industriebetriebe. Sie konnten sich einen Umzug in den Süden nicht leisten.
Dort entstanden grüne Villenviertel mit großzügigen Gründerzeitbauten und bürgerliche Wohngebiete wie Rüttenscheid",

beschreibt Robert B. FISCHMAN die Entstehung der Geografie von Essen. Im Wahlkreis Essen II feierte die AfD mit einem Zweitstimmenergebnis von 15,0 Prozent ihr drittbestes Ergebnis in Nordrhein-Westfalen (nach Gelsenkirchen 17,0 % und Duisburg II 15,4 %).

Im Wahlkreis 119 Essen II sorgten gemäß einer Wahlanalyse der Stadt Essen die Stadtbezirke V (18,6 %) und VI (17,3 %) in Essens Norden für den höchsten Zweitstimmenanteil der AfD. Spitzenreiter waren Vogelheim (22,3 %) und Karnap (21,1 %).

 
       
   

PREUSS, Roland (2017): Integriert und vergessen.
Aussiedler haben bisher vor allem die Union gewählt - nun sind viele zur AfD übergelaufen. Sie sorgen sich um "ihr" Deutschland und fühlen sich in Konkurrenz zu den Flüchtlingen von heute,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.09.

Roland PREUSS knöpft sich die bayerischen und baden-württembergischen AfD-Wahlerfolge vor und bringt sie mit der hohen Zahl von Russlanddeutschen in Verbindung:

"Es war der Kosmos des Augsburger Universitätsviertels, wo in Sichtweite von Hörsälen zahlreiche Wohnblöcke stehen, in denen sehr viele Aussiedler leben. »Klein-Moskau«, wie manche Augsburger sagen. Deutsche, die in Russland, Kasachstan oder Kirgistan, in Polen oder Rumänen geboren sind und meist in den 1980er- und 90er Jahren nach Deutschland kamen. »Die haben alle CSU gewählt«, sagt Korostylev. Bis zum Sonntag. Da hat die AfD hier 22 Prozent geholt und die CSU nur noch 30.
Der junge Jurist Korostylev ist im Ortsvorstand der CSU im Viertel und der Orts- und Kreisgruppenvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die sich als Vertreter der Aussiedler versteht",

erklärt uns PREUS. Im Wahlbezirk 252 Augsburg-Stadt erhielt die AfD 13,8 % der Zweitstimmen. Im Augsburger Universitätsviertel waren es 22,2 Prozent (Spitzenwert: 24,2 % in Oberhausen-Nord).

"Die Aussiedler sind immer noch die größte Zuwanderergruppe in Deutschland, allein unter den Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion sind 2,4 Millionen Wahlberechtigte. Ohne ihren Frust und Ärger dürfte der AfD-Erfolg im Westen nicht zu verstehen sein. Denn im Westen hat sich die große Mehrheit der Russlanddeutschen niedergelassen",

meint PREUSS, der exemplarisch die Stadt Lahr in Baden-Württemberg präsentiert:

"In der Kleinstadt am Rande des Schwarzwalds ist fast jeder vierte Aussiedler, ein Spitzenwert in Baden-Württemberg. Jahrelang gab es Probleme, inzwischen gilt die Integration der Russlanddeutschen alles in allem als Erfolgsgeschichte. Doch in einigen Vierteln hat die AfD die CDU als stärkste Kraft überholt, im einstigen Stammland der Union. Vereinzelt blieb die AfD unter zehn Prozent, in einer Reihe von Wahlbezirken aber erzielt sie mehr als 30, in der Spitze sind des gut 37 Prozent".

Neben Pforzheim wird von PREUSS auch die Universitätsstadt Freiburg als Hochburg genannt:

"Das Muster lässt sich nicht nur in Lahr oder Augsburg feststellen. Ähnliches haben Analysen in anderen Städten ergeben, etwa in Pforzheim oder in Freiburg. Die Uni-Stadt im Südwesten ist so dunkelgrün wie der Schwarzwald, der Oberbürgermeister ein Grüner, die Grünen erreichten hier gut 21 Prozent. Und doch liegt die AfD in zwei Wahlbezirken bei mehr als 17 Prozent. Genau in den Wahlbezirken, in denen mit Abstand die meisten Aussiedler leben. Laut Wahlanalyse war gut jeder vierte AfD-Wähler in der Stadt Aussiedler."

Die AfD-Hochburgen in Freiburg waren die Stadtbezirke Landwasser (17,5 %) und Weingarten (17,2). Im grün-alternativen Stadtbezirk Vauban waren es dagegen 2,4 % (Grüne: 40,6 %; Linkspartei 23,3 %).    

 
       
   

BISKY, Jens (2017): Wostdeutschland.
Der Wahlsieg der AfD ist ein Problem der ganzen Bundsrepublik. Denn die Unterschiede zwischen Ost und West sind nur noch gradueller Natur,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.09.

Hatte sich der "Establishment-Ossi" Jens BISKY schon vor drei Tagen seine ostdeutschen Brüder zur Brust genommen, so tritt er jetzt noch einmal kräftig nach, so dass seine Beschwörung von den "nur" graduellen Unterschieden wenig glaubhaft erscheint, wenn er von "Wohlstandsexplosion" und "komfortablem Elend" in Ostdeutschland redet, um den Ossis die osteuropäischen Staaten vorzuhalten, die keine soziale Hängematte wie die Ostdeutschen hatten. Man muss das wohl als Sonntagsrede zum Tag der Deutschen Einheit lesen, um die Schizophrenie dieses Textes zu verstehen. Und sicher transportiert dieser Text auch die Überanpassung des erfolgreichen Ossis im Westen.  

 
       
   

KÄPPNER, Joachim (2017): Der kühle Blick.
Ist die AfD eine Partei der Nazis? Wer so einfach argumentiert, geht den rechten Scharfmachern in die Falle! Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.09.

 
       
   

RICHTER, Peter (2017): Wahlverwandtschaften.
In den USA wurde Trump gewählt, in Deutschland zieht die AfD in den Bundestag ein. Den Schuldigen am rechten Getöse hatte man da wie dort schnell gefunden: weiß, männlich, Hinterwald. Über Reflexe, Selbstgerechtigkeit und Missverständnisse,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.09.

 
       
   

Wie die Wahlkampfberichterstattung in der deutschsprachigen Presse im Jahr 2017 unser Frankreichbild geprägt hat

HEYER, Julia Amalia (2017): "Was sind schon 12,6 Prozent?"
Frankreich: Florian Philippot, 35, ehemaliger Chefstratege des Front National, über den Wahlerfolg der AfD und seine Entscheidung, die Partei Marine Le Pens zu verlassen,
in:
Spiegel Nr.40 v. 30.09.

 
       
   

29.09.2017

 
       
   

DESTATIS (2017): Ältere Menschen leben mehrheitlich in einer Partnerschaft,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 29.09.

"(I)m Jahr 2016 (lebten) rund 62 % der Menschen ab 65 Jahren in einer Paarbeziehung. Weitere 4,5 % der Älteren wohnten mit anderen Personen, jedoch ohne Partner oder Partnerin im gemeinsamen Haushalt. Der Anteil der allein lebenden unter den älteren Menschen lag bei 33,5 %.
Damit ist in den vergangenen 20 Jahren der Anteil der Menschen ab 65 Jahren, die in einer Partnerschaft leben, deutlich gestiegen: Im Jahr 1996 hatten rund 53,6 % der Menschen ab 65 Jahren gemeinsam mit einem Partner oder Partnerin unter einem Dach gelebt. Rund 38,9 % waren alleinlebend gewesen.
Mit steigendem Alter leben ältere Menschen seltener in einer Partnerschaft. Unter den Menschen ab 80 Jahren lebten 2016 nur noch 42,9 % in einer Paarbeziehung, rund 49,8 % wohnten allein. In einer 20-Jahres-Perspektive zeigt sich aber auch im hohen Alter ein Trend zum gemeinsamen Haushalt mit Partner oder Partnerin: Im Jahr 1996 hatten lediglich 26,3 % dieser Altersgruppe in Partnerschaft gelebt und 59,8 % allein",

berichtet das Statistische Bundesamt. Die Entwicklung steht im Gegensatz zum journalistischen Mainstream und zum Neoliberalismus, der die zunehmende Vereinsamung im Alter und die Kosten des demografischen Wandels aufgrund des Zerfalls der Familien beklagt. Manche reden immer noch von "Single-Gesellschaft", um eine neoliberale Politik durchzusetzen. Nationalkonservative, insbesondere die AfD, setzen auf diese Angst, die von der Individualisieurngsthese um Ulrich BECK seit den 1990er Jahren regelrecht geschürt wurde.

Im Buch Die Single-Lüge aus dem Jahr 2006, das die Essenz dieser Website darstellt, wurde dargelegt, warum die Mainstreamdebatte, die von der Individudalisierungsthese und Neoliberalismus befeuert wurde, zum Erstarken des Nationalkonservatismus (manche sprechen auch von Nationalliberalismus) führt, den seit 2013 die AfD verkörpert. Niemand kann behaupten, dass die Entwicklungen der letzten Jahre nicht vorhersehbar waren.

 
       
   

SIEVERS, Markus (2017): Jamaika und die Rente mit 70.
Die künftige Regierung muss nach Ansicht der führenden deutschen Forschungsinstitute den Bürgern einiges zumuten,
in:
Frankfurter Rundschau v. 29.09.

 
       
   

THELEN, Peter (2017): Ausputzer Rentenkasse.
Die Sozialversicherung wird immer mehr für allgemeinstaatliche Aufgaben zweckentfremdet. Die Institute fordern daher höhere Steuerzuschüsse,
in:
Handelsblatt v. 29.09.

 
       
   

FISCHER, Eva & Donata RIEDEL (2017): Der Rechtsschock.
Report: Leipzig hat sich immer gerühmt, anders zu sein als die anderen Städte im Osten. Die Metropole steht wirtschaftlich gut da und hat eine lebhafte linke Szene. Trotzdem hat die AfD hier deutlich mehr Stimmen als im Bundesschnitt geholt. Warum ist das so?
in:
Handelsblatt v. 29.09.

"Bereits 2013 erfand der Schriftsteller André Herrmann den Begriff »Hypezig«, so groß war der Drang der Hipster gen Osten. (...). Und viele Leipziger sind auch heute noch stolz darauf, dass in ihrer Stadt 1863 die SPD gegründet wurde.
Und auch wirtschaftlich steht die Stadt nicht schlecht da. (...).
Umso überraschender also, dass ausgerechnet dort die AfD 18,3 Prozent holte. In einer Stadt, die so offen, so weltstädtisch sein will.
Es hat sich das andere Leipzig in Erinnerung gerufen, die Menschen, die abseits leben von Jugendstilfassaden und herrschaftlichen Bauten, von Inspiration und Lebensfreude. Sie leben nur ein paar Kilometer weiter westlich, in Grünau, da, wo Plattenbauten verloren in den Himmel ragen und die Sicht versperren wie unüberwindbare Gefängnismauern. (...).
Lausen-Grünau ist einer der ärmsten Stadtteile Leipzigs, die Arbeitslosigkeit ist hoch, und die wenigen, die doch einen Job haben, können schlecht davon leben. (...). 28,4 Prozent der Stimmen hat die Partei hier geholt. Mehr noch als in Sachsen insgesamt, wo die AfD mit 27 Prozent stärkste Partei geworden ist",

beginnen FISCHER & RIEDEL ihren Leipzig-Report. Die 18,3 Prozent gelten für die Stadt und umfasst die Wahlkreise 152 Leipzig I und 153 Leipzig II. In Lausen-Grünau lag der Erststimmenanteil der AfD bei 28,4 Prozent. Der Zweitstimmenanteil lag mit 29,5 % noch höher.

"Viele Menschen in den Plattenbau-Siedlungen von Grünau, Paunsdorf und Schönefeld profitieren nicht vom Aufstieg Leipzigs. Die prächtige Innenstadt spiegelt nicht ihre Alltagswelt wider",

zitieren die Journalistinnen den Politikwissenschaftler Hendrik TRÄGER von der Uni Leipzig. Den Autoren geht es jedoch nicht wirklich um diese Menschen, sondern um den Wirtschaftsstandort Leipzig, den sie durch die AfD bedroht sehen.

 
       
   

BARTSCH, Michael (2017): Verliebt in die Angst.
Reportage: Wirklich regieren solle die AfD nicht, sagen manche. "Aber punkten und mitreden und anderen auf die Finger kloppen." Ein Stimmungsbild nach der Wahl aus Ostsachsen,
in:
TAZ v. 29.09.

 
       
   

HINRICHS, Per (2017): Die Wut im Westen.
Spätestens seit der Bundestagswahl ist klar: Die AfD ist nicht nur ein Ost-Phänomen, sondern eine gesamtdeutsche Protestpartei. In Ingolstadt, Horst Seehofers Heimat, fuhr sie einen ihrer größten bayerischen Erfolge ein. Das hat seine Gründe,
in: Welt
v. 29.09.

"Ingolstadt, 135.000 Einwohner, die malerische Donau, Heimat von Horst Seehofer, ein Audi-Werk und eine Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent.
Hier (...) hat die CSU bei der Bundestagswahl gerade mehr als 13 Prozentpunkte verloren. Auf Platz zwei landete die AfD mit sensationellen 15,2 Prozent der Stimmen, das höchste Ergebnis aller vergleichbaren Städte Bayern. (...).
Eins zumindest scheint klar: In deren neuer Hochburg Ingolstadt verfängt der eingeübte Dreiklang aus Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Diktaturerfahrung nicht mehr",

erklärt uns Per HINRICHS zum Wahlergebnis der AfD in Ingolstadt. Dass sich die AfD als Autopartei darstellte ("Diesel ist super") wird nur kurz erwähnt, aber nicht zum Thema gemacht, anders als die Russlanddeutschen:

"Etwa 42 Prozent der Ingolstädter haben einen Migrationshintergrund, von diesen stammen 15 Prozent aus russlanddeutschen Gebieten und Siebenbürgen. Sie wohnen meist im Norden Ingolstadts, im Piusviertel etwa, einer Siedlung des sozialen Wohnungsbaus der 60er- und 70er-Jahre. Schels hat sich die Daten angesehen und Hinweise gefunden, dass die Spätaussiedler AfD-affin sind. »Es gibt Hinweise darauf, dass in Wahlbezirken mit einem hohen Anteil von Aussiedlern auch besonders häufig AfD gewählt wurde«, sagt er. »Aber für den Beleg der These müsste man noch weitere Untersuchungen oder Befragungen vornehmen.« Das allein erkläre aber noch nicht das 15,2-Prozent-Beben: »Die AfD hat im ganzen Stadtgebiet relativ gut abgeschnitten, die Spitzen aus dem Norden waren nur das Sahnehäubchen.»"

Das letzte Drittel widmet HINRICHS der Flüchlingskrise als Erklärung.

 
       
   

EISENRING, Christoph (2017): "Alte Wunden brechen wieder auf".
Der Dresdner Ökonom Joachim Ragnitz zum starken Abschneiden der AfD in Ostdeutschland,
in: Neu
e Zürcher Zeitung v. 29.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in den Niederlanden

NUSPLIGER, Niklaus (2017): Eltern mal zwei.
Die Niederländer diskutieren über ein Gesetz zur Co-Elternschaft, wonach bis zu vier Erwachsene erziehungsberechtigt sein dürfen,
in: Neu
e Zürcher Zeitung v. 29.09.

 
       
   

28.09.2017

 
       
   

THELEN, Peter (2017): Kommt nun die Rente mit 72?
Im Wahlkampf wurde eine weitere Erhöhung des Rentenalters von den Parteien bewusst nicht angesprochen. Nun fordert der Rentenexperte Gert Wagner, das Thema bei den Koalitionsverhandlungen aufs Tapet zu bringen,
in:
Handelsblatt online v. 28.09.

 
       
   

BUTTERWEGGE, Christoph (2017): Kampf gegen Armut entscheidet die Zukunft.
Gastbeitrag: Die neue Bundesregierung sollte den Solidaritätszuschlag umwidmen, um damit für gleiche Lebensbedingungen sorgen zu können,
in:
Frankfurter Rundschau v. 28.09.

 
       
   

MAJIC, Danijel (2017): Ostdeutsche Verhältnisse im SPD-Stammquartier.
Im Wahlbezirk 39003 erzielte die AfD ihr bestes Ergebnis in Frankfurt. Dabei gilt auch das Viertel um die Pestalozzischule als Hochburg der Sozialdemokratie,
in:
Frankfurter Rundschau v. 28.09.

"Der massive Bau der Pestalozzischule überragt das Quartier nördlich des Erlenbruchs. Eine Trutzburg mit Klinkersteinfassade, höher als das angrenzende Riederwaldstadion und die Sozialbauten entlang der Vatterstraße. Am vergangenen Sonntag befand sich hier das Wahllokal für den Frankfurter Wahlbezirk 39003. 528 Wahlberechtigte waren bei der Bundestagswahl zur Stimmabgabe aufgerufen. 242 machten davon Gebrauch. Eine Wahlbeteiligung von gerade mal 45 Prozent. Und das Ergebnis erinnert mehr an Ostdeutschland als an Ostfrankfurt. Mehr als 19 Prozent für die AfD Knapp 19,4 Prozent der in der Pestalozzischule abgegebenen Stimmen entfielen auf die Rechtspopulisten von der AfD. (...). In ganzen Zahlen ausgedrückt wählten 46 Menschen die AfD",

berichtet Danijel MAJIC. Da stellt sich die Frage, welchen Sinn eine solche reißerische Reportage über einen einzigen Wahlbezirk der 376 Frankfurter Wahlbezirke, die zu den zwei Frankfurter Wahlkreisen 182 Frankfurt I und 183 Frankfurt II gehören, macht (alle Ergebnisse der 376 Wahlkreise finden sich hier). Besonders dann, wenn Angaben zur Sozialstruktur fehlen und auch keine Analyse geliefert wird.

Auf Ebene der Stadtteile erreichte dagegen die AfD in Zeilsheim mit 14,5 Prozent die höchsten Zweitstimmenanteile. Der vorgestellt Wahlbezirk befindet sich stattdessen im Stadtteil Seckbach (AfD: 8,7 %) an der Grenze zu Riederwald (AfD: 13,1 %)

Auf Wahlbezirkebene erreichte die AfD im Wahlbezirk 15402 mit 20,1 % den höchsten Anteil an Zweitstimmen. Der Wahlbezirk gehört zum Gallus. Warum also keine Reportage über diesen Wahlbezirk? Passte das Wählerprofil nicht ins typische AfD-Raster? Interessanterweise wuchs der Schriftsteller Thor KUNKEL in diesem Stadtteil auf, in dem sein Roman Das Schwarzlichtterrarium spielt, und der nicht erst als umstritten gilt, seit er für die AfD Wahlkampf-Plakate entwarf.

Zum Tagesthema AfD-Hochburgen im Rhein-Main-Gebiet gehören auch Artikel über Wiesbaden:

"Ausreißer ist der Stadtteil Klarenthal, wo 20,3 Prozent der Wähler für die Rechtspopulisten votierten."

Auch in der Wetterau wird die AfD als stark betrachtet:

"Besonders gut schnitt die AfD in diesen Gebieten in Wolfersheim (15,4 Prozent), Büdingen (15,4) Reichelsheim (16,2) und Hirzenhain (18,5) ab.Grob ließe sich formulieren: Je ländlicher es wird, desto mehr Prozente ergattern die Rechtspopulisten."  

 
       
   

RUDZIO, Kolja (2017): Wo Fremde fremd sind.
Wie hängen Herkunft, sozialer Status und AfD-Sympathie zusammen? Was die Wahldaten verraten,
in:
Die ZEIT Nr.40 v. 28.09.

Kolja RUDZIO erklärt uns, dass es zwischen AfD-Wählerschaft und ökonomischen Daten keinen engen Zusammenhang gibt:

"Sucht man mathematisch nach Zusammenhängen und nicht nur per Draufschauen, zeigt sich zwischen vielen wirtschaftlichen Daten und dem Kreuzchen für die AfD keine enge Verbindung. ZEIT ONLINE hat knapp 60 verschiedene Merkmale aller Wahlkreise in Deutschland untersucht. Danach ist der statistische Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, Haushaltseinkommen oder dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf der einen Seite und dem Wahlergebnis der AfD auf der anderen Seite eher schwach ausgeprägt."

Offenbar sind Analysen auf Wahlkreisebene nicht aussagekräftig, weil diese in der Regel zu heterogen in der Zusammensetzung der Bevölkerung sind. Dies kann jedoch nicht widerlegen, dass es nicht doch einen engen Zusammenhang gibt - zumindest bei einem Teil der AfD-Anhängerschaft. Wie bei der FAZ wird auch hier Jens SÜDKUM bemüht.

"Auf den ersten Blick spricht einiges dafür, dass das stimmt. So hat die rechte Alternativpartei vor allem in Ostdeutschland viele Wähler für sich gewonnen. Also in dem Landesteil, in dem noch immer besonders viele Menschen arbeitslos sind oder bei der Arbeit wenig verdienen. Und im Westen gehört zu den Hochburgen der AfD ein Ort wie Gelsenkirchen – die Krisenstadt schlechthin. Dort liegt die Arbeitslosenquote höher als in allen anderen Wahlkreisen in ganz Deutschland (14,1 Prozent), und das Netto-Jahreseinkommen pro Einwohner ist niedriger als überall sonst (16.135 Euro). Hier holte die AfD 17 Prozent der Stimmen.
Widerspruchsfrei ist der Zusammenhang aus wirtschaftlicher Misere und AfD-Wahl aber nicht. Der Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund etwa ist durch eine für Westdeutschland relativ hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet (8,2 Prozent) und durch niedrige Einkommen (18.657 Euro), trotzdem kam die AfD dort nur auf 9,1 Prozent. Umgekehrt stimmten im Wahlkreis Erding-Ebersberg mit der deutschlandweit niedrigsten Arbeitslosenquote (2,0 Prozent) und hohem Pro-Kopf-Einkommen (24.309 Euro) immerhin 11,9 Prozent für die AfD",

heißt es bei Kolja RUDZIO. Die Daten von Gelsenkirchen und anderen Wahlkreisen sind identisch mit den Strukturdaten der Wahlkreise, die der Bundeswahlleiter zur Verfügung gestellt hat. Die Daten zu Gelsenkirchen finden sich hier. Man hätte deshalb gerne gewusst welche "60 Merkmale" ZEIT online angeblich ausgewertet hat. Auf der Website findet man diese Daten jedenfalls nicht. Während die Zahlen zur Arbeitslosigkeit vom März 2017 stammen, sind die Daten zum Durchschnittseinkommen z.B. aus dem Jahr 2014. Unlogisch ist auch, dass "Hartz-Land" als Arbeitslosenquote definiert wird und nicht als Anzahl der Sozialleistungsempfänger oder anderen Kennzahlen.

Mittelwerte verdecken zudem die krassen Unterschiede innerhalb von Wahlkreisen. Es könnte genauso gut die Polarisierung mit der AfD-Wahl zusammenhängen. Letztlich können solche Analysen, die eher Scheinanalysen sind, die Motive und die Struktur der AfD-Wählerschaft nicht erhellen, weil sie zum einen nicht kleinteilig genug sind und zum anderen nur Korrelationen, aber keine Ursachenerklärung anbieten können.   

 
       
   

SELL, Stefan (2017): Mit Semantik gegen Rente.
Verteilung: Union und FDP spielen Jung gegen Alt aus, um den Konflikt Reich gegen Arm zu verdecken. Was machen die Grünen?
in:
Freitag Nr.39 v. 28.09.

 
       
   

ROHNSTOCK, Katrin (2017): Vergessene Lebenswerge.
AfD-Erfolg: Plötzlich ist der Stimmenzuwachs einer rechtsradikalen Partei ein Grund, sich mal kurz dem Frust im Osten zuzuwenden,
in:
Freitag Nr.39 v. 28.09.

 
       
   

OSEL, Johann (2017): Katerstimmung.
In Deggendorf holte die AfD das bayernweit beste Ergebnis, dabei schien die CSU gerade in Niederbayern ein Abo auf Wählerstimmen zu haben. Bei der Frage nach dem Warum, kommt immer wieder ein Thema auf: die Flüchtlinge,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 28.09.

"Im Deggendorfer Wahllokal St. Martin überholte die AfD am Sonntag mit 31,5 Prozent die CSU, die nur auf 24,4 Prozent kam, die Rechtspopulisten bekamen im Wahlkreis Deggendorf bayernweit die meisten Stimmen. Der Erfolg der AfD ist auch ein Niederbayern-Erfolg, ähnliche Resultate sind es im Wahlkreis Straubing",

erklärt uns Johann OSEL zum Wahlkreis 227 Deggendorf in Bayern, wo die Flüchtlingsproblematik den Ausschlag gegeben haben soll:

"Die Sorgen von 2015 hätten längst keine Rolle mehr gespielt, seien aber kurzfristig hochgekocht, weil die Flüchtlinge plötzlich Wahlkampfthema waren, nach dem Kanzlerduell; weil Fragen wie Obergrenze und Familiennachzug ungelöst waren; weil das die Erinnerung an 2015 geweckt habe, weil die AfD »Verlustängste schürte«",

zitiert OSEL die Sicht des Landrats von Deggendorf.

 
       
   

RÜRUP, Bert (2017): Eine Frage des Gespürs.
Leidartikel: Deutschlands Sozialkapital ist aufgebraucht,
in:
Handelsblatt v. 28.09.

"Die (...) Distanz zur AfD ist eine Sache, Distanz zu den Millionen ihrer Wähler eine andere. Die nächste Regierung muss sich daher mit dem verständlichen Vorwurf vieler auseinandersetzen, wirtschafts- und sozialpolitisch vergessen worden zu sein. Es reicht nicht zu betonen, dass die Wirtschaft wächst, die Beschäftigung steigt und die Altersarmut weit geringer ist als oft kolportiert", meint Bert RÜRUP, der die AfD zum einen als "Sammelbecken ökonomisch Frustrierter" und zum anderen Teil als nationalistisch begreift. Probleme sieht er in der geringen sozialen Mobilität, der Ensolidarisierung der Eliten, der Tendenz zur Privatschule, der vererbten Langzeitarbeitslosigkeit und dem "verkorksten Erbschaftssteuerkompromiss". 

 
       
   

KROHN, Philipp (2017): Versicherer streiten sich mit Vermittlern.
Bald wird der Gesetzgeber das Gesetz zur Reform der Lebensversicherung überprüfen. In der Branche wächst die Nervosität,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.09.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GMÜR, Heide/SCHÖCHLI, Hansueli/NEUHAUS, Christina (2017): Erste Eckwerte für neue Rentenreform.
Die CVP will spätestens Ende 2019 wieder abstimmen lassen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.09.

NEUHAUS, Christina (2017): Die Widerspenstige und der Zahme.
Gemeinsam gegen die Rentenreform - wie die Juso und die Jungfreisinnigen erfolgreich zusammenspannten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.09.

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Wo Frauen Privilegien haben.
In der AHV findet eine starke Umverteilung nicht nur zischen den Generationen, sondern auch zwischen den Geschlechtern statt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 28.09.

 
       
   

Wie die Wahlkampfberichterstattung in der deutschsprachigen Presse im Jahr 2017 unser Frankreichbild geprägt hat

GEIGER, Klaus (2017): Die weibliche Seite der Rechtsnationalisten.
Wieso gerade Männer zu Parteien wie der AfD tendieren, ist gut erforscht. Ein Blick nach Frankreich aber zeigt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Frauen nachziehen,
in:
Welt v. 28.09.

 
       
   

27.09.2017

 
       
   

FROMME, Herbert (2017): Die Lebensverunsicherer.
Die Munich Re will ihre stillgelegten Lebensversicherer verkaufen. Der einstige Liebling wird immer mehr zur Belastung,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 27.09.

Herbert FROMME berichtet über den geplanten Verkauf von rund 6 Millionen Lebensversicherungsverträgen der Ergo Leben an eine Abwicklungsgesellschaft. Dass deren mieser Ruf in Deutschland nicht zum Problem wird, dafür soll die Bafin sorgen:

"Britische Zeitungen nennen stillgelegte Gesellschaften gerne »Zombie Insurers«, die untoten Versicherer. Diese wandelnden Leichen in Großbritannien haben dem Run-off weltweit einen schlechten Ruf eingebracht: Die Kunden wurden schäbig behandelt, sie wurden gedrängt, ihre Verträge zu miesen Konditionen aufzulösen, und sie mussten teuer für Fehler bezahlen.
In Deutschland soll das ganz anders laufen, sagt jedenfalls die Finanzaufsicht Bafin."

 
       
   

BISKY, Jens (2017): Schweigen und Gebrüll sind Geschwister.
Arme Ossis, sind ja alle so enttäuscht und frustriert. Schluss mit solchen Pseudoerklärungen für den Erfolg der AfD. Wir brauchen genauere Analysen und Begriffe. Hier sind schon mal zwei: Verweigerung und Enthemmung,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 27.09.

Genauso wie Simone SCHMOLLACK gehört Jens BISKY zu den erfolgreichen Ossis, die im Westen Karriere gemacht haben, statt zurück in den Osten zu gehen. BISKY und SCHMOLLACK stehen für die Arroganz der erfolgreichen Ossis, nur dass BISKY - im Gegensatz zu SCHMOLLACK - zumindest das Problem anspricht, das sich dadurch ergibt:

"Eine Analyse müsste auch denen gerecht werden, die seit 1989 ihre Chancen genutzt haben, als Ostdeutsche oder im Osten. Sie unterliegen freilich dem Aufstiegsparadox. Ihr Erfolg entfremdet sie notwendig der Herkunftswelt, sie werden dann als Überangepasste, neuerdings als »Verräter« oder Establishment wahrgenommen. Wenn nicht alles täuscht, sind sie eine große Gruppe, prägen aber nicht die soziale Atmosphäre, bestimmen nicht die Themen und Sitten."

Erfolgreiche Ostdeutsche müssen jedoch auch dahingehend unterschieden werden, ob sie soziale Aufsteiger sind oder ob sie aus einem Elternhaus stammen, das bereits zu DDR-Zeiten zur Elite gehörte.

"Nachdem die ökonomischen Aufholversuche und die Verheißung rascher Angleichung durch Nachbau der Bundesrepublik nicht erfüllt werden konnten, steht ein attraktives liberales Gegenangebot bislang aus. Rentenangleichung und Ähnliches sind dabei nicht entscheidend, (...). es geht um Überbaufragen.
Für die Analyse dürften drei Momente wichtig (...) sein: Verweigerung, Aufstiegsparadox und Gewaltgeschichte",

meint BISKY. Diese Fokussierung aber ist typisch für die Globalisierungsgewinner der oberen Mittelschicht, die im neoliberalen Geiste die Schuld allein bei den Mentalitäten der Globalisierungsverlierer und nicht bei den sozialen Ungleichheiten und den Strukturproblemen sehen wollen.

Wenn BISKY die Rentenangleichung nennt, dann richtet sich seine Argumentation frontal gegen die Sicht von Petra KÖPPING, die die Integration der Nachwendeverlierer zur politischen Herausforderung erklärt hat und mit einem Gerechtigkeitsfonds die Defizite der Ostrentenangleichung - wenn nicht zu beseitigen, so zumindest zu verringern verspricht.

Fazit: BISKYs Position läuft darauf hinaus die Sicht der Globalisierungs- bzw. Wendeverlierer als falsches Bewusstsein zu deklarieren und sie stattdessen in Sippenhaft zu nehmen. Das verkennt die Tatsache, dass die Wählerschaft der AfD keine homogene Gruppe ist, sondern heterogen ist. Ob sich die Wahlergebnisse von West- und Ostdeutschland tatsächlich derart unterscheiden, dass es keine Gemeinsamkeiten gibt, das darf mehr als bezweifelt werden. Im Osten sind vielleicht nur die Faktoren deutlicher hervorgetreten, die der AfD in die Hände spielen.

BRANKOVIC, Maja (2017): AfD-Wähler sorgen sich nicht nur vor Zuwanderung.
In Deutschland neigten Globalisierungsverlierer bislang nicht stärker zum politisch rechten Rand. Eine erste Analyse zeigt: Diesmal war es wohl anders,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.09.

Maja BRANKOVIC gehörte in den letzten Monaten zu jenen, die uns einreden wollten, dass  Abgehängte nicht die AfD wählen würden. Sie verwies dazu auf Untersuchungen des Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor Jens SÜDEKUM u.a.. Nun erklärt sie uns, dass dies nicht mehr stimmt:

"Der Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor (...) hat das vorläufige Wahlergebnis vom Sonntag analysieret und kommt zu einem spannenden ersten Befund. (...). »Die am stärksten von Handel getroffenen Regionen, also das Ruhrgebiet, die Pfalz und Ostbayern, neigten bis dato nicht zu mehr AfD oder zu radikaleren Wahlentscheidungen«, erklärt er. Das jetzige Wahlergebnis zeichnet ein anderes Bild: Überdurchschnittlich hohe Wähleranteile erreicht die AfD dieses Mal zum Beispiel in Gelsenkirchen (17 Prozent), auch in Ostbayern war der Zulauf überdurchschnittlich hoch. »Stark von Schocks getroffene Regionen scheinen sich von der SPD und der Union jetzt doch ein Stück weit abgewendet zu haben und wählen jetzt mehr AfD«, schlussfolgert der Forscher."

SÜDEKUM geht von zwei unterschiedlichen regionalen Erklärungsmustern aus. Das eine betrifft ländliche Regionen in Süd- und Ostdeutschland - was gegen die Sicht von Jens BISKY spricht, wo kulturelle Identitätsfragen entscheidend sind. Das zweite Muster entspricht den Globalisierungsverlierern in den industriell geprägten Regionen. Abgehängt sein bedeute in diesem Sinne nicht Unterschicht, sondern Abstieg aus der Mitte nach unten. Im Gegensatz zu Olaf GERSEMANN, der Erklärungen nur auf Landesebene anbot, richtet sich die Analyse von SÜDEKUM zumindest auf die Wahlkreisebene. Stichhaltige Analysen müssten dagegen auf Gemeinde- bzw. Stadtteilebene ansetzen, weshalb auch diese Analyse nur erste Hinweise gibt. 

 
       
   

Die Gebietsreform in Brandenburg in der Debatte

NEIßE, Wilfried (2017): Es kommt der Tag der Kreisreform - trotz alledem.
Brandenburg: SPD und Linke halten auch nach ihren Verlusten bei der Bundestagswahl an dem Vorhaben fest,
in:
Neues Deutschland v. 27.10.

Obwohl die SPD 5,5 Prozent und die Linkspartei 5,2 Prozent bei der Bundestagswahl in Brandenburg verloren haben, beteuern die Regierungsparteien, dass sie weiter an der Kreisreform festhalten wollen. Lediglich die SPD-Abgeordnete Kerstin KIRCHEIS votierte in der SPD-Fraktion für ein Aussetzen der Kreisreform.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hanusueli (2017): Pensionskassen müssen sich selber helfen.
Was die Vorsorgeeinrichtungen bei einer politischen Blockade der zweiten Säule tun können,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 27.09.

SCHERRER, Lucien (2017): Die Rente mit 67 bleibt ein Schreckgespenst.
Die Angst, ein höheres Rentenalter führe zu höherer Arbeitslosigkeit im Alter, ist weit verbreitet,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 27.09.

 
       
   

26.09.2017

 
       
   

BUDE, Heinz (2017): Nach der Wahl, vor der Zukunft.
In der Republik ist das Ende einer dreißig- bis vierzigjährigen Periode erreicht,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.09.

 
       
   

REINSCH, Melanie (2017): Demoskopie kritisieren Medien und Politik.
Meinungsforscher der großen Institute suchen nach Erklärungen für die Wahlergebnisse,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.09.

 
       
   

LOCKE, Stefan (2017): Das macht uns Angst.
Nirgends ist die AfD so stark wie in Ostsachsen - manche fühlen sich hier von der Politik vergessen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.09.

Das Mantra von FAS/FAZ und CDU/CSU war vor der Wahl, dass es in Deutschland keine Abgehängten gibt. In Ostsachsen hat die Union dafür nun die Quittung erhalten:

"Die AfD ist deutschlandweit drittstärkste Partei geworden, aber in Oppach in der Oberlausitz ist sie aus dem Stand auf Platz 1 geschnellt. 46 Prozent! Fast jeder zweite Einwohner hat hier sein Kreuz bei der AfD gemacht. Auch die umliegenden Kleinstädte und Dörfer verzeichnen fast alle AfD-Ergebnisse jenseits der 40 Prozent, hier und in den beiden Nachwahlkreisen hat die Partei drei Direktmandate geholt.(...).
Chrupalla hat Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer aus dem Bundestag geworfen, er war nicht mal auf der Landesliste abgesichert",

berichtet Stefan LOCKE über das CDU-Desaster im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechische Republik. Oppach liegt im Wahlkreis 157 Görlitz. Im Mittelpunkt steht die Geschichte eines Nachwendeverlierers, der sich mit einer freien Tankstelle selbständig machte und nun als Rentner weiterarbeiten muss, weil er seine Schulden zurückzahlen muss, die ihm sein Selbstunternehmertum bescherte.

BIELICKI, Jan (2017): Überall abwärts.
Im Osten Deutschlands verlor die CDU mehr als zehn Prozentpunkte, in Sachsen gelangte die AfD mit 4207 Stimmen Vorsprung auf Platz eins. Merkel und andere bekannte CDU-Politiker erlebten in ihren Wahlkreisen ein persönliches Fiasko, einige schaffen es nicht mehr ins Parlament,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 26.09.

BECK, Sebastian (2017): Wenn sich Ärger entlädt.
In ihrem Kernland erlebte die CSU ein einzigartiges Desaster. Spitzenkandidat Joachim Herrmann steht ohne Mandat da,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 26.09.

"Mauth, Haidmühle oder Prackenbach - so heißen die Orte, in denen die CSU die Bundestagswahl verloren hat. Es sind allesamt Gemeinden tief im Bayerischen Wald an der Grenze zu Tschechien. (...). In Mauth beispielsweise konnte die AfD 28,11 Prozent der Zweitstimmen für sich verbunden - der höchste Wert in ganz Niederbayern. Im Wahlkreis Deggendorf, zu dem auch Mauth gehört, kam die AfD auf 19,2 Prozent, die CSU hingegen verlor 15,5 Prozentpunkte und liegt damit bei nur noch 40,6 Prozent",

erzählt uns Sebastian BECK zum Wahlkreis 227 Deggendorf, wo die Wahlbeteiligung durch die AfD von 60,4 Prozent (2013) auf 71,7 Prozent anstieg. Über die Zuneigung der Russlanddeutschen zur AfD wurde im Vorfeld der Wahl viel geschrieben - in den letzten Wochen hieß es dann, dass sich die Russlanddeutschen doch nicht so stark zur AfD hingezogen fühlen. BECK kommt dagegen auf ein anderes Ergebnis:

"(I)m oberbayerischen Ingolstadt (...) stürzte die CSU von 55,6 auf 41,7 Prozent ab, die AfD kam auf überdurchschnittliche 15,1 Prozent. Die Gegend um Ingolstadt zählt zu den Regionen mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in ganz Deutschland. Von den positiven Wirtschaftsdaten konnte die CSU aber nicht profitieren. In Ingolstadt sind es offensichtlich die zahlreichen Russlanddeutschen (...) die für nationalistische Töne der AfD besonders empfänglich sind.
Das gleiche Phänomen zeigt sich beispielsweise auch in Waldkraiburg. (...). (I)n den vergangenen Jahrzehnten zogen hier viele Spätaussiedler zu, die es zu Wohlstand gebracht haben. (..) Die AfD erzielte 19,9 Prozent und damit deutlich mehr als in den Nachbargemeinden."

Prominentestes Opfer in Bayern ist der bayerische Innenminister Joachim HERRMANN:

"Er war im Drehbuch der CSU bereits als Nachfolger von Bundesinnenminister Thomas de MAIZIÈRE (CDU) auserkoren (...). Da Hermann keinen eigenen Wahlkreis hat, steht er nun ohne Mandat da. Entsprechend gering sind seine Aussichten, dass er den erhofften Posten in einem neuen Kabinett Merkel bekommt."

GERSEMANN, Olaf (2017): Sind AfD-Wähler gar nicht wirtschaftlich abgehängt?
Bei der Wahl haben die Rechtspopulisten ausgerechnet dort am stärksten zugelegt, wo die Arbeitslosigkeit besonders stark gesunken ist,
in:
Welt v. 26.09.

Der Artikel ist ein Beispiel für unseriöse Wahlberichterstattung. GERSEMANN stellt einen Kausalzusammenhang zwischen der Entwicklung der Arbeitslosenquote auf Bundesländerebene, um damit das Wahlverhalten der AfD-Anhänger in eine simple Aussage zu gießen:

"Je stärker die Arbeitslosigkeit seit der vorigen Wahl in einem Bundesland ausgefallen ist, desto größer ist der Zuwachs des AfD-Zweitstimmenanteils".

Er schließt daraus, dass deshalb Abgehängte nicht die AfD gewählt hätten, weil sie mit ihrer Lage unzufrieden sind. Das Argument,

"dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland kein Ausdruck für wirtschaftliche Erholung ist, sondern Ausdruck für die allmähliche Verrentung der Verlierergeneration der Nachwendezeit",

versucht er mit dem Abschneiden der AfD in Bayern zu widerlegen. Es macht aber offensichtlich keinerlei Sinn den Erfolg der Partei mit Kennzahlen auf der Landesebene in Verbindung zu bringen, wenn die Zahlen zwischen den Regionen gravierend unterschiedlich sind. Die Artikel von Stefan LOCKE und Sebastian BECK zeigen dagegen, dass die Motive und die sozialen Gruppen, die die AfD wählen, sehr unterschiedlich sind.

GERLACH, Thomas (2017): Herr Gewiese und das Volk.
Sachsen-Anhalt: Uwe Gewiese hat schon SPD und mal "ganz links und ganz rechts" gewählt. Jetzt wollte er als Direktkandidat der AfD Anwalt des Volkes werden. Den Einzug in den Bundestag verpasst er knapp - und feiert trotzdem,
in:
TAZ v. 26.09.

"Im Wahlkreis 73 ist Uwe Gewiese Direktkandidat der AfD und seine Chancen stehen gut: Der Süden Sachsen-Anhalts ist nach dem Ende der Bernd-Lucke Ära eine der Keimzellen der völkisch eingenordeten AfD. Bei der Landtagswahl im März 2016 kam die AfD hier auf 30 Prozent",

erklärt uns Thomas GERLACH in einem Artikel, der sich so liest, als ob er auf Halde geschrieben wurde und nun irgendwie noch in der heutigen taz untergebracht werden musste, weil sonst nichts Informativeres mehr da war.

GEWIESE stand nicht auf Platz 7 wie GERLACH schrieb, sondern auf Platz 5. Über die Landesliste ziehen in Sachsen-Anhalt jedoch nur 4 AfD-Bundestagsabgeordnete ein. Kein einziger der 4 AfDler wird von GERLACH vorgestellt, stattdessen haut er uns nur die als "völkisch" etikettierten AfDler um die Ohren. Seriöse Berichterstattung sieht anders aus. Und ganz sicher wird solch ein Artikel nichts dazu beitragen, dass die Mainstreammedien ihre verlorene Glaubwürdigkeit wiedergewinnen. Ein Kasten zum Artikel will informativ sein. Dort heißt es:

"In einzelnen Gemeinden wurde die AfD sogar stärkste Partei, so u.a. in Merseburg, Zeitz, Kretzschau, Eisleben."

Man kann sicher sein, dass demnächst Horden von Journalisten einfallen oder zumindest die Orte nennen, wenn es um Sachsen Anhalt geht.

SCHMOLLACK, Simone (2017): Die späte Rache der Ossis.
Ostdeutschland: Über 20 Prozent der ostdeutschen WählerInnen stimmten für die AfD. Das hat auch mit der Arroganz der Wessis zu tun,
in:
TAZ v. 26.09.

Simone SCHMOLLACK beklagt sich, dass es in Ostdeutschland so wenige Ostdeutsche in Führungspositionen gibt:

"Heute fast 30 Jahre nach dem Ende der DDR, haben die Ostdeutschen ihr Land  (...) nicht wieder. Es ist nach wie vor in Wessihand. Nicht in den verödeten ostdeutschen Dörfern in der Prignitz, im Muldentallandkreis. Dort herrscht ostdeutsche Lethargie vom Feinsten, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Alter.
Aber dort, wo der Osten bestimmt wird, an der Spitze, wird der vom Westen dominiert."

Da fragt man sich höchstens, warum die Ostfrau SCHMOLLACK lieber im Westen Karriere gemacht hat anstatt in den Osten zurückzukehren. Darüber erfahren wir nichts. Und gäbe es im Osten weniger Frustrierte, wenn dort Ostdeutsche vermehrt Karriere machen würden? Würden Karrierefrauen und -männer in die öde, abgehängte Provinz gehen? Der Artikel stellt nur die Kehrseite des Artikels von Thomas GERLACH dar.

RIVUZUMWAMI, Malaika (2017): Die sächsische Union wird abgestraft.
Protestwähler: In Crottendorf hat die AfD stark zugelegt - viele wollten der CDU, die bisher in Sachsen konkurrenzlos war, einen Denkzettel verpassen,
in:
TAZ v. 26.09.

"Im eher beschaulichen Crottendorf, mitten im Erzgebirge gelegen, lag die Wahlbeteiligung bei erstaunlich hohen 80,4 Prozent. (...). Die AfD konnte auch hier stark zulegen, 28,5 Prozent gingen an den Direktkandidaten, der selbst nur einmal im Dorf zu Besuch war (...)",

berichtet Mailaika RIVUZUMWAMI aus Crottendorf, wobei unklar bleibt, warum gerade von dort berichtet wird. Crottendorf liegt im Wahlkreis 164 Erzgebirgskreis. Die Zahlen, die uns die taz präsentiert, findet man jedoch weder unter dem Bundeswahlleiter noch auf election.de, sondern auf der Website sachsen.de. Dort kann man für jede sächsische Gemeinde den Zweitstimmenanteil finden.

Die AfD gewann in den Wahlkreisen 156, 157 und 158 ihre Direktmandate. Die höchsten Zweitstimmeanteile finden sich dort in den Gemeinden Schönbach (157: 46,9 %), Rathmannsdorf (158: 43,9 % ) und Großdubrau (156: 42,4 %). Im Walkreis 161 Mittelsachsen lag der Zweitstimmenanteil der AfD in Dorfchemnitz sogar bei 47,4 %.

STROHSCHNEIDER, Tom (2017): Die sich vernachlässigt fühlen.
Eingebildete Ängste, rechte Alltagskultur, undankbare Wähler: der Osten als politische Problemzone,
in:
Neues Deutschland v. 26.09.

"Angesichts des Abschneidens der AfD wird man jetzt wieder viel über den Osten reden. Die Frage ist, ob eine bestimmte Art dieses Über-den-Osten-Redens nicht auch seinen Teil zu solchen Wahlergebnissen beiträgt. (...).
Typisch war im Wahlkampf, wie das Thema Osten von den meisten Parteien auf den letzten Metern »entdeckt« wurde, was womöglich sogar frustverstärkende wirkte", wirft Tom SCHNEIDER in die Debatte ein.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

STALDER, Helmut (2017): Die Rentenreform scheiterte vor allem auf dem Land.
Die Analyse der Abstimmungsresultate lässt darauf schliessen, dass die Vorlage auch in der Westschweiz auf bürgerlichen Widerstand stiess,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.09.

STALDER, Helmut (2017): Jetzt muss das Rentenalter steigen.
Kommentar zur Abstimmung Rentenreform 2020,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.09.

SCHÖCHLI, Hanusueli (2017): Schlankere AHV-Vorlage bis 2019?
Die drohenden Verluste sorgen für hohen Reformdruck in der Altersvorsorge,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.09.

FORSTER, Christof (2017): Berset will bald alle Akteure treffen.
Der Sozialminister gibt sich nach der Niederlage staatsmännisch - dahinter steckt auch Kalkül,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.09.

 
       
   

Wie die Wahlkampfberichterstattung in der deutschsprachigen Presse im Jahr 2017 unser Frankreichbild geprägt hat

SCHLÜTER, Fabian Erik (2017): Schlappe für Macron.
Präsidentenpartei mit einem Senatssitz weniger,
in:
Neues Deutschland v. 26.09.

BALMER, Rudolf (2017): Widerstandsnest im Oberhaus.
Frankreich: Bei den Wahlen zum Senat legen die Konservativen zu, die Partei von Präsident Macron schneidet schlecht ab. Medien sprechen von einem Debakel,
in:
TAZ v. 26.09.

 
       
   

25.09.2017

 
       
   

BUNDESWAHLLEITER (2017): Bundestagswahl 2017: Vorläufiges Ergebnis,
in: Pressemitteilung des Bundeswahlleiters
v. 25.09.

Im Vorfeld der Wahlen hat die SZ behauptet, dass INSA die Wahlergebnisse der AfD zu hoch einschätze. Tatsächlich ist INSA dem Absturz der Volksparteien und dem Wahlerfolg der AfD von allen Meinungsforschungsinstituten am nächsten gekommen. Die FDP wurde unterschätzt und die Linkspartei überschätzt. Aus dem folgenden Schaubild  

Parteien Vorläufiges amtliches
Endergebnis
(Bundeswahlleiter)
Anzahl
Sitze
INSA
(Stand 22.09.2017)
(wahlrecht.de)
Spannbreite der
 Einschätzungen
der anderen Institute
(wahlrecht.de)
CDU/CSU 33,0 % 240 34 % 35 (Emnid) - 37 %
SPD 20,5 % 153 21 % 20 - 22 %
Grüne 8,9 % 67 8 % 7,5 - 8 %
FDP 10,7 % 80 9 % 9,5 - 11 % (Allensbach)
Linke 9,2 % 69 11 % 8,5 - 10 %
AfD 12,6 % 94 13 % 10 - 12 % (Infratest)
Sonstige 5,0 %   4 % 3,5 - 5 %

In Bayern muss ein CSU-Kandidat ein Direktmandat schaffen, denn über die Landesliste kann kein Kandidat in den Bundestag einziehen. Bei der CDU können nur 9 Kandidaten über die Landesliste einziehen. Bei der SPD können 94 Kandidaten über die Landesliste und bei der AfD 91 Kandidaten in den Bundestag einziehen.

Bei den Wahlkreisprognosen ergaben sich aufgrund der massiven Verluste der CDU und der Unterschätzung der AfD ebenfalls Fehleinschätzungen bei election.de. Die folgende Übersicht zeigt einen Vergleich der Wahlkreisprognosen mit dem vorläufigen Endergebnis:

Partei Handelsblatt
(04.09.17)
election.de
(10.09.17)
eclection.de
(17.09.17)
election.de
(22.09.17)
Vorläufiges
amtliches
Endergebnis
Union sicher 159 158 138 141 251 231
  wahrscheinlich 51 53 62 65
  Vorsprung 38 40 47 45
SPD sicher 5 4 4 2 43 59
  wahrscheinlich 15 16 16 15
  Vorsprung 26 23 27 26
Linke sicher 2 2     4 5
  wahrscheinlich 1 1 2 2
  Vorsprung 1 1 2 2
Grüne sicher         1 1
  wahrscheinlich        
  Vorsprung 1 1 1 1
AfD           0 3

Bei den 3 Direktmandaten der AfD handelt es sich laut election.de um 3 Wahlkreise in Sachsen, die allesamt nicht zu jenen gehörten, die von den Mainstreammedien ins Visier genommen wurden:

Bundesland Wahlkreis Sieger
 
Prognose election.de
(Stand: 22.09.2017)
Sachsen 156
Bautzen I
HILSE, Karsten (AfD)
33,2 %
ERMER, Roland (CDU): sicherer Sieg ,
Absturz um 18,6 %;
Zweitplatziert: AfD
 
Sachsen 157
Görlitz
CHRUPALLA, Tino (AfD)
32,4 %
KRETSCHMER, Michael (CDU): wahrscheinlicher Sieg,
Absturz um 18,2 %;
Zweitplatziert: AfD
Sachsen 158
Sächsische Schweiz - Osterzgebirge
FRAUKE, Petry (AfD)
37, 4 %
BRÄMIG, Klaus (CDU): wahrscheinlicher Sieg,
Absturz um 21,4 %;
Zweitplatziert: AfD

Die Linke gewann dagegen überraschend den Wahlkreis 153 Leipzig II in Sachsen, der für die CDU als wahrscheinlich eingestuft war.

Beispielhaft für die unseriöse Wahlberichterstattung ist die Einschätzung gewesen, dass die AfD in Mannheim oder Pforzheim aufgrund der Landtagswahlergebnisse 2016 Chancen hätten dort ein Direktmandat zu erringen. Gemäß election.de wurde in den beiden Wahlkreisen folgendermaßen gewählt:

Bundesland Wahlkreis Sieger
 
Ergebnis der
AfD
Baden-Württemberg 275
Mannheim
LÖBEL, Nikolas (CDU)
29,3 %
12,5 % hinter SPD (27,9 %) und Grünen (13,1 %)
 
Baden-Württemberg 279
Pforzheim
KRIECHBAUM, Gunther (CDU)
36,4 %
15,8 % hinter SPD (19,0 %)

In etlichen Wahlkreisen in Baden-Württemberg lag das AfD-Ergebnis höher als in Mannheim.

In den folgenden westdeutschen Wahlkreisen kam die AfD  - außer Pforzheim - ebenfalls über 15 % der Stimmen (Quelle: election.de):

Bundesland Wahlkreis Sieger
 
Ergebnis der AfD
Hessen 174
Fulda
CDU: 45,2 % HOHMANN, Martin
17,6 % Platz 3 hinter SPD (20,2 %)
Bayern 227
Deggendorf
CSU: 44,1 % 17,3 % Platz 3 mit nur 0,1 % hinter SPD
NRW 123
Gelsenkirchen
SPD: 38,3 % 16,9 % Platz 3 hinter CDU (25,4 %)
NRW 116
Duisburg II
SPD: 34,8 % 16,5 % Platz 3 hinter CDU (26,5 %)
NRW 119
Essen II
SPD: 37,3 % 15,8 % Platz 3 hinter CDU (26,6 %)
Baden-Württemberg 267
Heilbronn
CDU: 35,3 % 15,6 % Platz 3 hinter SPD (23,2 %)
 
Bayern 230
Rottal-Inn
CSU: 45,0 % 15,0 % Platz 2 hinter CSU
Bayern 231
Straubing
CSU: 47,6 % 15,0 % Platz 3 hinter SPD

In den Berliner Wahlkreisen wurden von election.de nur der Wahlkreis 078 Spandau-
Charlottenburg Nord falsch prognostiziert. Das Ergebnis lag jedoch innerhalb der Fehlertoleranz, sodass das Institut auch hier nicht wirklich falsch lag.

Erstplatzierte/r
Kandidat/in (Partei)
Wahlkreis election.de
(22.09.2017)
wahlkreisprognose.de
(Stand 22.09.2017)
Mittelwert (Fehlertoleranz)
Sieger
HÖGL, Eva
(SPD)
075 Mitte Vorsprung 24 % (22,5 - 27,5 %)
Zweitplatziert:
HENKEL, Frank (CDU)
19,5 % (18 - 21,5 %)
AfD: 10 % (8,5-11,5 %)
SPD
23,5 %
LIEBICH, Stefan (Linke) 076 Pankow Vorsprung 28 % (25,5 - 30 %)
Zweitplatziert:
LUDEWIG, Gottfried
(CDU)
20 % (18 - 23 %)
AfD: 13 % (11,5-15 %)
Linke
28,8 %
STEFFEL, Frank (CDU) 077 Reinickendorf sicher 37 % (34,5 - 40 %)
Zweitplatziert:
KARGE, Torsten (SPD)
25.5 % (23 - 27,5 %)
AfD: 14,5 % (13-17 %)
CDU
36,8 %
SCHULZ, Swen
(SPD)
078 Spandau-
Charlottenburg Nord
    SPD
32,1 %
WEGNER, Kai
(CDU)
Vorsprung 33,5 % (32 - 35,5 %)
Zweitplatziert:
SCHULZ, Swen
32,5 % (30 - 35 %)
AfD: 15 % (13-17,5 %)
 
HEILMANN, Thomas
(CDU)
079 Steglitz-Zehlendorf wahrscheinlich 36,5 % (35 - 39 %)
Zweitplatziert:
FINCKH-KRÄMER, Ute (SPD)
25 % (23 - 27,5 %)
AfD: 12,5 % (10-14,5 %)
CDU
35,4 %
GRÖHLER, Klaus-Dieter
CDU)
080 Charlottenburg-Wilmersdorf Vorsprung 31,5 % (30 - 34 %)
Zweitplatziert:
RENNER, Tim (SPD)
27,5 % (25,5 - 31 %)
CDU
30,2 %
LUCZAK, Jan-Marco
(CDU)
081 Tempelhof-
Schöneberg
wahrscheinlich 30 % (28 - 32,5 %)
Zweitplatziert:
RAWERT, Mechthild (SPD)
23 % (21 - 25,5 %)
AfD: 12 % (10-14 %)
CDU
29,0 %
SCHWARZER,
Christina (CDU)
082 Neukölln   26,5 % (24,5 - 29 %)  
FELGENTREU, Fritz
(SPD)
Vorsprung 27 % (25 - 29,5 %)
AfD: 12,5 % (10,5-14 %)
 
SPD
26,8 %
BAYRAM, Canan
(Grüne)
083 Friedrichshain-Kreuzberg,
Prenzlauer Berg Ost
Vorsprung 26 % (24 - 28 %)
Zweitplatziert:
MEISER, Pascal (Linke)
24 % (22,5 - 25,5 %)
AfD: 7 % (4-8 %)
Grüne
26,3 %
GYSI, Gregor
(Linke)
084 Treptow-
Köpenick
wahrscheinlich 42 % (40 - 44 %)
Zweitplatziert:
KORTE, Niels
18,5 % (16 - 20,5 %)
AfD: 17 % (14,5-19 %)
Linke
39,9 %
PAU, Petra
(Linke)
085 Marzahn-
Hellersdorf
Vorsprung 36,5 % (34 - 39 %)
Zweitplatziert:
AURICHT, Jeannette (AfD)
22 % (19,5 - 25 %);
GRÜTTERS, Monika (CDU)
21 % (19 - 23,5 %)
Linke
34,2 %
LÖTZSCH, Gesine
(Linke)
086 Lichtenberg wahrscheinlich 38 % (35,5 - 40 %)
Zweitplatziert:
PÄTZOLD, Martin (CDU)
19,5 % (17,5 - 21,5 %
AfD: 17 % (14,5-20 %)
Linke
34,7 %

In den nächsten Tagen werden auf dieser Website die einzelnen Wahlkreise unter die Lupe genommen, die von den Mainstreammedien in den Fokus gerückt wurden und mit den Wahlkreisen verglichen, in denen die AfD tatsächlich stark war.

 
       
   

ORDE, Sabine von (2017): Die Fraktion rechtsaußen.
Rechtspopulisten: Die AfD zieht erstmals in den Bundestag ein, die Fraktion wird künftig das neue Machtzentrum der Partei sein. Wer gehört dazu? Und wer hat künftig das Sagen? Eine Antwort,
in:
TAZ v. 25.09.

Typisch für die unsägliche Wahlberichterstattung über die AfD sind die Artikel von Sabine von ORDE. Bei der AfD werden 94 Wahlbewerber in den Bundestag einziehen. ORDE stellt 15 Personen davon vor, wobei nur 2 als gemäßigt bezeichnet werden: Leif-Erik HOLM und die christliche Fundamentalistin Beatrix von STORCH!  

ORDE, Sabine von (2017): Chefin ohne Macht.
AfD: Parteichefin Frauke Petry hat in der Bundestagsfraktion wenig Unterstützer,
in:
TAZ v. 25.09.

Zur defensiven Strategie gehört es, dass die Nationalkonservative Frauke PETRY von der taz hofiert wird. Sie wird als Schlüsselfigur bei der Spaltung bzw. Mäßigung der Partei betrachtet. Es zeigt wie weit der Rechtsruck bereits zur Aufgabe linker Positionen geführt hat, wenn der Nationalkonservatismus nur noch als kleineres Übel erscheint.

 
       
   

MIHM, Andreas/CREUTZBURG, Dietrich/SCHÄFERS, Manfred (2017): Berater: Können Großes von Merkel erwarten.
Angelika Merkel steht vor der vierten und damit wohl letzten Runde als Bundeskanzlerin. Von ihr berufene Ratgeber haben für diese Zeitung schon einmal die wichtigsten der Wirtschaftsthemen der  neuen Wahlperiode benannt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.09.

"Die Rente spielte im Wahlkampf keine große Rolle. Doch spricht einiges dafür, dass sie ein großes Thema wird",

erklären uns MIHM/CREUTZBURG/SCHÄFERS. Bekanntlich verpassten die Wähler den Parteien einen Denkzettel dafür, dass die Rente kein Wahlkampfthema wurde. Als neoliberaler Berater wird Gert G. WAGNER zitiert:

"Er will die Bedingungen für längeres Arbeiten und den Schutz für Erwerbsgeminderte verbessern, um einer späteren Anhebung der Altersgrenze den Schrecken zu nehmen."

Das Rentenniveau und die private Altersvorsorge werden zudem nach dem Willen der Neoliberalen auf der politischen Agenda stehen. Ältere dürfen von einer CDU/CSU/FDP/Grünen-Koalition nicht erwarten, dass ihre Situation verbessert werden wird. Stattdessen dürfte diese Koalition die Legislaturperiode nutzen, um die gesetzliche Rentenversicherung weiter zu schwächen und die Subventionierung der Finanzdienstleister zu verbessern. 

 
       
   

JANISCH, Wolfgang (2017): Grenzenloser Kinderwunsch.
Gerichte haben Probleme im Umgang mit Leihmutterschaft,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 25.09.

 
       
   

RITZER, Uwe (2017): Marseille verkauft sein Lebenswerk.
Der schillernde Hamburger Unternehmer schlägt 46 Altenheime an französische Investoren los. Betroffen sind rund 4000 von knapp 5000 Arbeitsplätzen seines Klinik-Imperiums. Der Deal bringt bis zu eine halbe Milliarde Euro,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 25.09.

 
       
   

HÄRING, Norbert (2017): Publik Relations oder Wissenschaft?
Ethik: Wie Wirtschaftswissenschaftler im Auftrag des Fahrdienstes Uber bezahlte Studien in führende Fachzeitschriften schleusen,
in:
Handelsblatt v. 25.09.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

RITTER, Johannes (2017): Schweizer lehnten Rentenreform ab.
Die Schweizer Politik steht vor einem Scherbenhaufen: Wieder scheitert der Versuch, die Rente zu stabilisieren. Nun droht ein Milliardendefizit,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.09.

SDA/LKZ (2017): Nach Nein zur Rentenreform beginnt Debatte um Plan B.
Linke und Rechte streiten sich um die Deutungshoheit über das Resultat,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 25.09.

 
       
 

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 22. - 24. September 2017
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

Bitte beachten Sie:
single-dasein.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
 
  [ Homepage ]
 
   
© 2000-2017
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Stand: 07. November 2017