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Klappentext
"Singles sind eine
in der Öffentlichkeit und den Medien
viel beachtete, wissenschaftlich
bisher aber kaum näher untersuchte
Gruppe. Sind Singles anders als
andere, und wenn ja, worin
unterscheiden sie sich? Der Band
analysiert, inwieweit sich Singles
von Paaren in bezug auf Bindung und
Liebe, in der Einstellung u.a. zu Ehe
und Familie, ihren Ansprüchen bei
der Partnerwahl und ihrer sexuellen
Aktivität tatsächlich
unterscheiden. Es zeigt sich, daß
die pauschale Herausstellung der
Singles, die scheinbar so anders
sind, nicht gerechtfertig ist, die
einfache Gegenüberstellung von
Singles und Paaren zu kurz greift.
Das Buch richtet sich an alle, die an
fundierten Befunden über die
vermeintlich so neue und
außergewöhnliche Lebensform
»Singles« interessiert sind. "
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Beate
Küpper: Porträts und Gespräche
- DEUTSCHLANDRADIO
(2001): Single: Voraussetzung für die
Karriere?
Telefoninterview
mit Dr. Beate Küpper über ihre
Dissertation "Singles" an der
Ruhr Universität Bochum,
in: Campus
& Karriere. Sendung des
DeutschlandRadio v.
11.10.
- Kommentar:
"16
Prozent der Bevölkerung sind
Singles, das heißt Partnerlose
im mittleren Erwachsenenalter,"
wird im Beitrag behauptet.
Dies ist zwar die Grössenordnung
der Einpersonenhaushalte in
Deutschland, aber weder sind Alleinlebende
identisch mit Partnerlosen,
noch führen in erster Linie
berufstätige Partnerlose einen
Einpersonenhaushalt, sondern
alleinlebende Witwen.
- Neu:
KLAUS,
Birgit (2001): Lust oder Frust mit dem
Single-Dasein?
in:
SWR1 LIVE. Sendung
des Südwestrundfunk
v. 20.11.
- Kommentar:
Moderatorin
KLAUS war auf der Suche nach dem
Mythos Single. Gibt es ihn
überhaupt, den "Swinging
Singles"? Wahrscheinlich war
er jedoch gerade auf der Pirsch,
denn die Sendung lief erst ab 22
Uhr.
Interessanter
war da schon das Gespräch mit
Beate KÜPPER, die letztes Jahr
eine Dissertation zum Thema
"Sind Singles anders als die
anderen? Ein Vergleich von
Singles und Paaren" an der
Bochumer Ruhr-Universität
vorgelegt hat.
Die 370seitige
Studie ist als PDF-Datei
downloadbar (fast 1
MB).
Die
Studie zeichnet sich durch ihren
sozialpsychologischen Zugang aus.
Im Gegensatz zu den üblichen
sozialstaatlich oder
frauenpolitisch motivierten
Single-Studien, die den
Einpersonenhaushalt in den
Mittelpunkt stellen, ist für
diese Arbeit eine
Beziehungsdefinition
kennzeichnend: Singles werden als
"Personen im
beziehungsfähigen Alter ohne
feste Partnerschaft" (S.16)
definiert. Obwohl viel über
Partnerlose geredet wird, besteht
ein eklatantes Empirie-Defizit.
Plausible Vorurteile ersetzen die
Forschung in diesem Bereich.
Dieses
Defizit wird besonders deutlich,
wenn KÜPPER die zahlenmässige
Verbreitung der Partnerlosigkeit
in Deutschland zu bestimmen
versucht. Dies scheitert
kläglich! Ihr Fazit:
"Alles
in allem schwankt die Zahl der
geschätzten Singles von ca. 3 %
bis 30 % je nach gewählter
Definition und Bezugsgröße.
Genaueres kann leider aufgrund
fehlender Datengrundlage zu
diesem Zeitpunkt nicht über die
Häufigkeit von Singles im hier
definierten Sinne als Partnerlose
im mittleren Erwachsenenalter
gesagt werden. Zu vermuten ist
auf jeden Fall, daß die Angaben
der amtlichen Statistik über
Alleinstehende und Alleinwohnende
die Zahl der partnerlosen Singles
überschätzt."(S.27f).
KÜPPER
hätte die Daten des
Familiensurvey selber
entsprechend ihrer Definition
auswerten müssen, um exaktere
Angaben machen zu können.
Stattdessen hat sie nur die
vorhandenen Daten zitiert, ohne
sie übersichtlich zu
strukturieren oder das Problem
anhand eines Schaubildes plakativ
sichtbar zu machen. Dies wäre
eine Herausforderung für das
Buch, das nächstes Jahr
erscheinen soll. Die Daten
beziehen sich zudem auf die
Situation Mitte der 90er Jahre.
Da die quantitative Bestimmung
nicht unbedingt im Zentrum der
Arbeit stand und auch so mancher
Soziologe an einer exakteren
Bestimmung scheitern würde, da die
Sozialstatistik sich nicht für
Partnerlose interessiert,
ist dieses Manko hinzunehmen.
Partnerlose haben keine Lobby,
sondern sind in erster Linie die
Zielgruppe von Geschäftemachern.
Das Geschäft mit der Einsamkeit
gehört zu den profitabelsten
Wirtschaftsbereichen unserer
"Paargesellschaft".
Studien,
die den Beziehungsaspekt in den
Vordergrund rücken, sind sehr
selten. Noch seltener sind
Studien, die sich kritisch mit
der vorherrschenden Sicht
auseinandersetzen. Deshalb ist
diese Studie umso wichtiger.
Es
wird auf die
"Symbol-Funktion" der
Single im Rahmen der
Mediendebatte und ihren
apokalytischen Visionen vom
Untergang der Familie oder der
atomisierten Gesellschaft
eingegangen. Der Single wird von
KÜPPER als Gegenentwurf zur
Normalfamilie thematisiert.
Der
Standardsatz "Es gibt immer
mehr Singles" wird kritisch
hinterfragt, denn diese so
leichtfertig in den
verschiedensten Kontexten
verwendete Phrase - die
gebetsmühlenartig von diversen
Kritikern oder gierigen
Profiteuren verbreitet wird, muss
keineswegs richtig sein.
Ganz
offensichtlich wird das Defizit
der Forschung, wenn es um eine
Sozialgeschichte der
Partnerlosigkeit geht. Nicht die
Erforschung abweichenden
Verhaltens, sondern die
Herausarbeitung der jeweiligen
historischen Normen, d.h. das
Normale, steht im Zentrum der
historischen Familienforschung.
Die Pluralität der Lebensformen
ist der historische Normalfall.
Die Debatten legen Zeugnis vom
Kampf um die Definition der
Normalfamilie ab, nicht jedoch
über die Lebensverhältnisse
derjenigen, die jenseits dieser
Konventionen leben mussten.
"Insgesamt
scheint es eine durch die
systematische Ausblendung
bestimmter Gesellschaftsschichten
bei der Geschichtsschreibung
bedingte, verbreitete
Simplifizierung zu sein, die
Vergangenheit als homogene
Einheit zu behandeln, in der alle
Menschen die weitgehend, strikt
festgelegte Lebensform der Ehe
und Familie tatsächlich über
viele Jahrhunderte hinweg
lebten", resümiert deshalb
KÜPPER.
Heutzutage
ist der Single als Gegenentwurf
zum Normalen eine
"Projektionsfläche für
alles (...), was an utopischen
oder apokalyptischen
Zukunftsentwürfen von Freiheit,
Gleichheit und Selbstbestimmung
des Individuums in einer
gerechten Welt inklusive
feministischer Befreiungsideale
und Sinnsuche 'umherspukt'.
(S.60).
Eine solche Sichtweise hebt sich
wohltuend vom
Zeitgeistgeschnatter ab, das die
Mediendebatten und oftmals leider
auch die wissenschaftliche
Forschung selber beherrscht.
Wichtig
ist auch die Erwähnung der
Mediendebatte. KÜPPER schreibt
dazu, dass sich die Singles nur
schwer dem medial vermittelten
Bild entziehen könnten.
Das
sozialstaatlich und
bevölkerungspolitisch motivierte
Feindbild
"Single"
zwingt Singles ein Fremdbild auf.
Sie müssen sich selbst ablehnen,
resignierend den Rückzug
antreten oder offensiv ein
positives Stereotyp dagegen
setzen. Diese Funktion hatte der
"Swinging Single" in
den 60er Jahren. Für die
gegenwärtige Situation fehlt ein
solches Gegenbild zur
dominierenden Debatte.
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