"Das
völlig überarbeitete Handbuch
liefert in zwei Bänden eine
grundlegende und umfassende
Darstellung der aktuellen Arbeits-
und Lebensverhältnisse in der
Bundesrepublik und der
sozialpolitischen Maßnahmen und
Leistungen in den Bereichen
Sozialpolitik und ökonomischer
Prozeß, Einkommen, Beschäftigung,
Qualifikation, Gesundheit, Kinder und
Familie, Alter sowie soziale Dienste.
Grundlagen der Darstellung sind
jeweils die sozialen Probleme und
Gefährdungsbereiche. Darauf
aufbauend werden für jeden Bereich
die Grundprinzipien, Leistungen,
Institutionen und Auswirkungen der
Sozialpolitik dargestellt und
bewertet. Dabei steht nicht allein
die Sozialversicherung im
Mittelpunkt. Auch Tarifpolitik,
Arbeitsschutz, Arbeitsmarktpolitik,
berufliche Aus- und Weiterbildung,
Steuerpolitik und kommunale
Sozialpolitik werden behandelt. In
jedem Kapitel werden die aktuellen
sozialpolitischen Diskussionen und
Konflikte sowie die grundlegenden
Mängel und Fehlentwicklungen
analysiert. Darüber hinaus stellen
die Autoren Ansätze einer
alternativen Sozialpolitik vor. "
Zitate
aus Kapitel VII: Familie und Kinder,
Band 2
"die
Aussage, die hohe und wachsende Zahl
von Einpersonenhaushalten sowie von
kinderlosen Zweipersonenhaushalten
signalisiere, dass die Lebensform
Kernfamilie in eine gesellschaftliche
Minderheitenposition geraten sei, ist
zu relativieren. Denn sie gilt nur
für die Stichtags- bzw.
Querschnittsbetrachtung. Verfolgt man
die Lebensform der Menschen im
Verlauf der gesamten
Lebensbiographie, zeigt sich, dass
der Anteil der Kinderlosen sehr viel
geringer ist. Viele Jüngere werden
noch Kinder bekommen, viele Ältere
haben Kinder gehabt. Infolge der
Verringerung der durchschnittlichen
Kinderzahl pro Paar verkürzt sich
die Phase der Kernfamilie auf einen
begrenzten Zeitraum. Und angesichts
der gleichzeitigen Verlängerung der
Lebenserwartung dehnt sich die Phase
des Zusammenlebens ohne Kinder
(nachelterliche Gefährtenschaft)
deutlich aus. Diese Nachkinderphase
ist oftmals gleichzeitig die
'Pflegephase' für die
Großelterngeneration."
(Band 2, S.158f.)
"Zu
verteilungspolitischen Fehlschlüssen
kommt es (...), wenn die
Wirtschaftsleistungen der jetzigen
Kinder- und späteren
Erwerbstätigengeneration den Eltern
zugerechnet werden. (...) Kinder sind
(...). kein 'Deckungskapital' für
die Zukunft, durch die Geburt und
Betreuung von Kindern leisten die
Eltern keinen 'generativen Beitrag'.
Zwar gilt, dass das Sozialprodukt in
der nächsten Periode durch Menschen
erwirtschaftet werden muss. Aber die
Leistungsfähigkeit der
Volkswirtschaft, der materielle
Reichtum der Gesellschaft und damit
die Finanzierbarkeit der
öffentlichen Aufgaben auch in der
Zukunft hängen weder allein noch
hauptsächlich von der Zahl der
nachwachsenden Bevölkerung ab,
sondern vorrangig von ökonomischen
Größen, ausdrückbar in den
Kennziffern 'technischer Fortschritt
und Produktivitätsentwicklung',
'Realkapitalbildung', 'Produktions-
und Einkommensniveau'. Die sozial-
und verteilungspolitische Frage
lautet deshalb allein, wie in der
aktuellen Phase Lohneinbußen und die
finanziellen Belastungen der Eltern
infolge der Kindererziehung durch den
Familienlastenausgleich ausgeglichen
werden, welche
Sozialversicherungsansprüche auch
denjenigen zuerkannt werden, die
wegen der Kindererziehung ein nur
niedriges oder kein Erwerbseinkommen
hatten, und wer, ebenfalls in der
aktuellen Periode, die
Finanzierungslasten für diese
Ausgleichsleistungen trägt."
(Band 2, S.170f.)
"Ein
ausschließlich an den
Durchschnittseinkommen festgemachter
horizontaler Vergleich der
Einkommensposition von
Familienhaushalten und
Nicht-Familienhaushalten kann zu
ungenauen, verteilungspolitisch
womöglich irreführenden Ergebnissen
führen, wenn übersehen wird, dass
hinter den Durchschnittswerten
Einkommensschichtungen stehen. So
finden sich in Paarhaushalten mit
Kindern im Ganzen gut, ja sogar sehr
gut versorgte Familien mit einem
Pro-Kopf-Einkommen, das von vielen
Alleinstehenden oder kinderlosen
Paarhaushalten deutlich übertrifft.
(...). Der ausgeprägte Markt für
kinder- und jugendorientierte
Produkte und Dienste (Kleidung,
Medien, Freizeit) ist ein Ausdruck
für die wachsende Kaufkraft dieser
Zielgruppe"
(Band 2, S. 176)