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Jürgen Dorbritz: Demografische Trends

 
       
     
       
     
       
   

Jürgen Dorbritz in seiner eigenen Schreibe

 
     
       
   

Jürgen Dorbritz in den Medien

 
   
  • Neu:
    URICH, Karin (2002): Bei der Entscheidung zwischen Beruf und Familie bleibt der Kinderwunsch häufig auf der Strecke.
    Serie Bevölkerungsentwicklung: Forscher sehen die Politiker in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für Paare mit Nachwuchs künftig weiter zu verbessern,
    in: Mannheimer Morgen v. 21.03.
    • Kommentar:
      URICH stellt Christine und Frank als typisches kinderloses Paar in Deutschland vor.
            
      Die beiden sind DINKs (double income, no kids), Anfang 30, erst kurz in ihrem jetzigen Beruf (er als Lehrer, sie als kaufmännische Angestellte), haben einen langen Bildungsweg hinter sich (zweiter Bildungsweg, Umschulungen usw.) und gerade ein Haus gekauft.
            
      Das Fallbeispiel wird von URICH mit den Motiven und Merkmalen verglichen, die Jürgen DORBRITZ für Kinderlose typisch hält.
            
      URICH beruft sich bei ihrer Datenpräsentation auf die jüngste Studie des Bevölkerungswissenschaftler. So neu können diese jedoch nicht sein, denn die Daten sind nicht entsprechend den BIB-Mitteilungen vom 09.03.2001 nach unten korrigiert.
            
      Die DINKs sind zwar jene, die von Familienrhetorikern gerne als Kinderlose par Excellence präsentiert werden, weil ihr Neidpotenzial besonders hoch ist, aber: "Am häufigsten entscheiden sich die Frauen gegen Kinder, die allein leben und keinen festen Partner haben.
      Eine weitere große Gruppe kinderloser Frauen verfügt über ein geringes Einkommen und sieht deshalb keine Chance, sowohl ein Kind als auch den gewünschten Lebensstandard zu finanzieren."
 
   

Familienbildung in Deutschland Anfang der 90er Jahre (1999).
Demographische Trends, individuelle Einstellungen und sozio-ökonomische Bedingungen. Ergebnisse des deutschen Family and Fertility Survey.
Schriftenreihe des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, Band 30

(Herausgegeben zusammen mit Juliane ROLOFF)
Opladen:
Leske + Budrich

 
   
 
 

Klappentext

"Im Jahre 1992 ist im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes durch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung der Family and Fertility Survey (FFS) in West- und Ostdeutschland in Kombination mit dem Population Policy Acceptance Survey (PPA) erhoben worden.
Im vorliegenden Band ‚Familienbildung in Deutschland Anfang der 90er Jahre Demographische Trends, individuelle Einstellungen und sozio-ökonomische Bedingungen' werden nun die wichtigsten Ergebnisse verschiedener FFS- und PPA-Auswertungsprojekte aus Einzelveröffentlichungen in komprimierter Form vorgestellt. Hauptanliegen dieser Veröffentlichung ist es, Bilder der Familie in Deutschland zu zeichnen und Aussagen zu ihrer Überlebensfähgikeit und damit zu den zukünftigen Fertilitätstrends zu gewinnen. Diese immer wieder aktuelle Problemstellung hatte Anfang der 90er Jahre mit der deutschen Wiedervereinigung und dem damit einhergehenden Wandel der demographischen Situation in Ostdeutschland ein besonderes Gewicht. So wird der Frage nachgegangen, ob sich mit dem Verhaltenswandel auch die Einstellungen zur Familie geändert haben, ob es Anzeichen einer längerfristigen Divergenz in den Verhaltensmustern zwischen West- und Ostdeutschland gibt. Aber auch für Westdeutschland harrten drängende Fragen einer Beantwortung hinsichtlich der Zukunft der Familie.
"

 
 
       
   
  • Rezensionen:

  • fehlen noch
 
   
  • Jürgen Dorbritz in der Debatte:

  • SCHWARZER, Alice (2000): Die gläserne Wand.
    Siege und Niederlagen der Frauen im Kampf gegen die Männerherrschaft,
    in: Spiegel Nr.41 v. 09.10.
    • Kommentar:
      Der Spiegel druckt einen Auszug aus dem neuem Buch von Alice SCHWARZER, in dem die Feministin die demographische Lage aus der Perspektive einer 70er-Jahre-Feministin interpretiert. Man darf so schön antiquierte Sätze lesen wie: "Im krassen Gegensatz zu den schönen bunten Trendstorys in den Medien, die uns so gern von den neuen Hochzeitsbooms und Kinderbooms erzählen, sieht die Wahrheit ganz anders aus, nämlich genau umgekehrt. Jede dritte 35-Jährige (Jahrgang 1965) ist heute kinderlos (im Jahrgang 1945 ist es nur jede achte). Immer mehr Frauen treten also in den Kinderstreik. Und die Männer? Die Männer treten in den Sexstreik!"
            
      Bei Karsten Pöhl (01.03.2000), der das Buch "Familienbildung in Deutschland Anfang der 90er Jahre" der Demographen Juliane ROLOFF & Jürgen DORBRITZ rezensiert hat, liest man dagegen: "Für die 1965 geborenen westdeutschen Frauen wird erwartet, daß ca. 30 Prozent von ihnen kinderlos bleiben".
            
      Und in einer Beschreibung eines DFG-Forschungsprojektes (31.07.2000) "Späte erste Mutterschaft" lesen wir: "Madonna bekam ihr erstes Kind mit 38, Demi Moore mit 36 und Birgit Schrowange bekommt ihrs mit 42! 12 Prozent aller Frauen kommen heute ihr erstes Kind mit über 35 Jahren und die Zahl steigt: Seite Mitte der 80er Jahren hat sich dieser Anteil vervierfacht."
            
      Diese beiden Meldungen relativieren SCHWARZERs Aussage entscheidend. Zum einen wird aus einer Tatsachenaussage eine Prognose, denn die 35jährigen aus SCHWARZERs Jahrgang 1965 sind im Gegensatz zu den 55jährigen die als Vergleichsmassstab herangezogen werden, noch im gebärfähigen Alter. SCHWARZER geht jedoch davon aus, dass die 35jährigen in einen Gebärstreik getreten sind (klingt eher nach 70er Jahre als Kinderstreik, was immer dieses merkwürdige Wort bedeuten soll). In zwanzig Jahren lässt sich entscheiden, in wie weit sich SCHWARZERs Vergleichjahrgänge tatsächlich unterscheiden.
      "Die Männer treten in den Sexstreit!" SCHWARZER sollte weniger EMMA oder SPIEGEL lesen...
  • DRIBBUSCH, Barbara (2001): Viel Job, wenig Liebe.
    Die Leistungsgesellschaft führt zum heimlichen Gebärstreik. Jede dritte 35-Jährige ist kinderlos - die meisten bleiben es,
    in: TAZ v. 02.02.
    • Kommentar:
      "Der Kanadier Jerry Steinberg hatte die Nase voll. All seine Kumpels hatten geheiratet, in seinem Freundeskreis wurde nur noch über Babys geschwafelt. Steinberg gründete 'No Kidding!'."
           Was DRIBBUSCH hier als Beispiel für die Zunahme der Kinderlosen präsentiert, ist eher ein Indiz dafür, dass Kinderlose eine Minorität sind. Der Versuch Kinderlose auszugrenzen, wie es z.B. in der sozialpolitischen Debatte immer sichtbarer wird, führt dazu, dass Kinderlose gezwungen werden, sich zu organisieren.
           Diese "Ghettoisierung" ist nicht die Ursache, sondern die Folge der angeblichen Polarisierungen, die Demografen wie DORBRITZ zwar theoretisch postulieren, aber nicht beweisen können. Der Begriff "Gebärstreik" weist dabei auf die Wurzeln dieser Position (siehe hierzu meinen Kommentar und die weiterführenden Links zu MAYER in der ZEIT v. 01.02.2001).
           Wenn man von einem dramatischen Geburtenrückgang reden kann, dann nicht in Deutschland, sondern im Maghreb. Dagegen verblasst das Gerede vom Aussterben hierzulande (siehe L'Express v. 25.01.2001). Wenn man dort die Geburtenrate wie bei uns hochrechnen würde, dann müsste dort die Bevölkerung lange vor den Deutschen vollkommen ausgestorben sein, aber vielleicht stimmt ja etwas mit den Berechnungen nicht...
  • LAKOTTA, Beate (2001): Nachwuchs in der Warteschleife.
    Erst Karriere, dann Kinder: Ärzte verhelfen zu später Mutterschaft,
    in: Spiegel Nr.29 v. 16.07.
    • Kommentar:
      LAKOTTA rechnet mit den kinderlosen Karrierefrauen ab. Diese Gruppe von Frauen hat statistisch gesehen einen Anteil von nicht einmal 2 % an der Bevölkerung!
            Eine Karrierefrau ohne Kinderwunsch ist defizitär, aber eine Karrierefrau mit spätem Kinderwunsch ist unverantwortlich:
             "'Eine egoistische Einstellung: Die Frauen sehen nicht das Wohl des Kindes, sondern zuerst ihr eigenes! Nicht wenige hätten erst ein, zwei Jahre zuvor eine Abtreibung hinter sich gebracht.
      Klappt es mit dem Baby dann zum strategisch günstigen Zeitpunkt nicht, soll die Medizin die verkorkste Lebensplanung retten."

            
      Die Kritik an der Karrierefrau zielte in den 80er Jahren auf ihre Kinderlosigkeit (siehe hierzu Susan FALUDIs Bestseller "Die Männer schlagen zurück"), seit den 90er Jahren steht die Karrieremutter im Mittelpunkt der Kritik. Sie ist nun nicht mehr nur eine Rabenmutter wegen der Unvereinbarkeit von Berufsarbeit mit Haus- und Erziehungsarbeit, sondern bereits die Karriereplanung gerät nun unter Beschuss. Nicht erst die Nichtaufgabe des Berufs beim Kinderkriegen, sondern das Recht von jungen Frauen auf eine Karriere wird mit diesem neuen Klischeebild - dessen Karriere als gesichert gelten dürfte - grundsätzlich in Frage gestellt.
            
      Erst ein Kind, dann - wenn überhaupt - Karriere. Dies ist auch die Forderung der einflussreichen Demografen Jürgen DORBRITZ und Karl SCHWARZ, die eine Familienpolitik empfehlen, die erstens Kinderlosigkeit zurückdrängt und zweitens junge Paare dazu ermutigt, mit der Geburt der Kinder nicht zu lange zu warten ("Kinderlosigkeit in Deutschland - ein Massenphänomen?", in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, 1996, Heft 3).
            
      Das vom SPIEGEL nun verbreitete neue Klischee der Karrierefrau, die erst abtreibt, sich dann ein Kind wünscht, es nicht bekommen kann und am Schluss todunglücklich ist, zielt genau auf jene Aspekte ab, die von diesen Demographen bevölkerungspolitisch als unerwünscht betrachtet werden.
            
      Bis vor kurzem war die Vollzeitmutter das Leitbild von Journalistinnen wie Karin JÄCKEL. Mit dem Verfassungsgerichtsurteil im Rücken soll dieses Leitbild nun mehrheitsfähig gemacht werden.
            
      Da ist es natürlich ärgerlich, wenn die Reproduktionsmediziner der Karrierefrau in Nöten Abhilfe versprechen: "Das 'Kind in der Warteschleife', so die Vorstellung der Mediziner, könnte eines Tages den Konflikt zwischen Karriereplanung und Kinderwunsch lösen: Eine Frau könnte in jungen Jahren ein Kind auf Eis legen, einen Psten ergattern und anschließend Mutter werden."
            
      Diese Form der weiblichen Selbstbestimmung ist unerwünscht, weswegen am Ende des Artikels eine Frauenbeauftragte zitiert wird, die statt individueller Problemlösung die Einklagung sozialpolitischer Veränderungen fordert.
  • GREENBERG, Susan H. (2001): Kleine Prinzen.
    Die Geburtenraten sinken weltweit, das Familienbild wird vom Einzelkind beherrscht,
    in: Focus Nr.31 v. 30.07.
    • Kommentar:
      Offensichtlich gibt es schwerwiegende Differenzen beim Thema "Einzelkind". Renommierte Demographen wie DORBRITZ und SCHWARZ gehen von einer zunehmenden Polarisierung zwischen Kinderlosen und Mehr-Kind-Familien aus, während GREENBERG einen Trend zur Ein-Kind-Familie belegen möchte.
             Wenn die Geburtenrate bei 1,3 Kindern pro Familie liegt, dann stützt dies auf den ersten Blick die These von GREENBERG. Erst beim zweiten Blick wird deutlich, dass zwischen einer niedrigen Geburtenrate und der Anzahl von Kindern pro Familie kein besonders enger Zusammenhang bestehen muss.
             Auch die Haushaltsstatistik, auf der sowohl die Polarisierungsthese als auch GREENBERGs These beruhen, hilft hier nicht weiter, sondern trägt wesentlich zum "Mythos der Ein-Kind-Familie" (Peter KRAFT) bei. GREENBERG fasst Familien mit einem geschwisterlosen Kind und Familien, deren Haushalt nur ein Kind zugeordnet worden ist, zum Konstrukt "Ein-Kind-Familie" zusammen. Wenn aber ein alleinerziehender Vater mit seinem Kind und eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Kind in einer gemeinsamen Wohnung als Paar leben, dann haben wir es haushaltsstatistisch gesehen mit zwei Ein-Kind-Familien zu tun, obwohl es eher unwahrscheinlich ist, dass beide Kinder wie Einzelkinder leben.
             Jedes erstgeborene Kind ist zudem bis zur Geburt des zweiten Kindes ein Einzelkind. Wenn also eine Aussage richtig ist, dann diejenige, dass es heutzutage immer öfter vorkommt, dass ein Kind zeitweise alleine mit seinen Eltern in einer Wohnung zusammenwohnt, weil entweder das zweite Kind noch nicht geboren ist oder bis auf ein Kind bereits alle anderen Kinder aus dem Elternhaus ausgezogen sind. Ob die Schwester oder der Bruder nun ganz ausgezogen ist, nur unter der Woche nicht bei den Eltern wohnt oder in einer Einliegerwohnung im gleichen Haus wohnt, das ist der Haushaltsstatistik nicht zu entnehmen. Studien, die solche Differenzierungen nicht berücksichtigen, können bei der Untersuchung des Sozialverhaltens von angeblichen "Einzelkindern" zu schweren Fehlschlüssen führen. Welche Auswirkungen die Telekommunikationstechnik auf das Kontaktverhalten von Geschwistern hat, das wird von der überwiegend technikfeindlichen Soziologie erst recht vernachlässigt.
             Auch wenn es keinen allgemeinen Trend zur Ein-Kind-Familie gibt, könnte es durchaus Milieus geben, in denen dieser Familientyp vorherrscht. Möglicherweise gehören die Beschäftigten in den neuen Berufen zu jenem Milieu in dem dieser Typ besonders verbreitet ist. Die Beispiele, die GREENBERG aufführt, würden dafür sprechen. Aber nur Milieustudien könnten darüber Auskunft geben.
  • RUOSS, Christiane (2002): Die Mehrheit wird immer grauer.
    Weil die Gesellschaft zunehmend altert, muss sich vieles ändern, was den Deutschen bisher selbstverständlich war - und das wird weh tun,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.01.
    • Kommentar:
      RUOSS beginnt die Rezension von Herwig BIRGs Buch "Die demographische Zeitenwende" und "Die Alterspyramide steht Kopf" mit dem Standardsatz der Polarisierer: "Inzwischen bleibt ein Drittel der Frauen und Männer in diesem Land lebenslang ohne Nachwuchs, und es werden von Jahr zu Jahr mehr."
            
      RUOSS ist nicht auf dem neuesten Stand, denn die deutschen Demographen müssen ihre Prognosen ständig nach unten korrigieren.
            
      Der deutsche Bevölkerungswissenschaftler Jürgen DORBRITZ muss in den Mitteilungen des Bundesinstitus für Bevölkerungswissenschaften vom 09.03.2001 gestehen, dass "wir für den Geburtsjahrgang 1965 vor einigen Jahren noch Kinderlosenanteile von mehr als 30 % erwartet (haben). Die neueren Schätzungen zeigen, dass sich über späte Erstgeburten die Kinderlosenanteile auf 27 % verringert haben."
            
      Weitere Korrekturen nach unten sind vorprogrammiert. Internationale Demografen wie Ron LESTHAEGHE kritisieren diese deutsche Praxis, bei der das steigende Erstgebäralter nicht ausreichend berücksichtigt wird.
 
     
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 22. März 2002
Update: 22. März 2002
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