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- HÖHN, Charlotte &
Jürgen DOBRITZ (1995): Zwischen
Individualisierung und Institutionalisierung -
Familiendemographische Trends im vereinten
Deutschland, in: Nauck,
B./Onnen-Isemann; C. (Hg.) Familie im Brennpunkt
von Wissenschaft und Forschung: Rosemarie
Nave-Herz zum 60. Geburtstag gewidmet,
Neuwied/Berlin: Luchterhand, S. 149-176
- DORBRITZ,
Jürgen & Karl SCHWARZ (1996):
Kinderlosigkeit in Deutschland - ein
Massenphänomen?
Analysen zu
Erscheinungsformen und Ursachen,
in: Zeitschrift
für Bevölkerungswissenschaft,
Heft 3, S.231-261
- DORBRITZ,
Jürgen (2000): Eheschließungen Lediger -
methodische Probleme, Trends und saisonale
Muster,
in: BIB-Mitteilungen,
Nr.1 v. 08.03., S.17-20
- DORBRITZ, Jürgen (2001):
Familienbildungsverläufe der Generationen.
1950
und 1965 im Vergleich,
in: BIB-Mitteilungen,
Nr.1 v. 09.03., S.10-14
- Kommentar:
Der deutsche
Bevölkerungswissenschaftler Jürgen
DORBRITZ muss zugeben, dass "wir
für den Geburtsjahrgang 1965 vor einigen
Jahren noch Kinderlosenanteile von mehr
als 30 % erwartet (haben). Die neueren
Schätzungen zeigen, dass sich über
späte Erstgeburten die
Kinderlosenanteile auf 27 % verringert
haben."
Der Bevölkerungsstatistiker
Ron LESTHAEGHE kritisiert
diese Praxis deutscher
Bevölkerungswissenschaftler.
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- Neu:
URICH,
Karin (2002): Bei der Entscheidung zwischen Beruf
und Familie bleibt der Kinderwunsch häufig auf
der Strecke.
Serie
Bevölkerungsentwicklung: Forscher sehen die
Politiker in der Pflicht, die Rahmenbedingungen
für Paare mit Nachwuchs künftig weiter zu
verbessern,
in: Mannheimer
Morgen v. 21.03.
- Kommentar:
URICH stellt
Christine und Frank als typisches
kinderloses Paar in Deutschland vor.
Die beiden
sind DINKs (double income, no kids),
Anfang 30, erst kurz in ihrem jetzigen
Beruf (er als Lehrer, sie als
kaufmännische Angestellte), haben einen
langen Bildungsweg hinter sich (zweiter
Bildungsweg, Umschulungen usw.) und
gerade ein Haus gekauft.
Das
Fallbeispiel wird von URICH mit den
Motiven und Merkmalen verglichen, die
Jürgen DORBRITZ für Kinderlose typisch
hält.
URICH
beruft sich bei ihrer Datenpräsentation
auf die jüngste Studie des
Bevölkerungswissenschaftler. So neu
können diese jedoch nicht sein, denn die
Daten sind nicht entsprechend den BIB-Mitteilungen vom
09.03.2001 nach unten
korrigiert.
Die DINKs
sind zwar jene, die von
Familienrhetorikern gerne als Kinderlose
par Excellence präsentiert werden, weil
ihr Neidpotenzial besonders
hoch ist, aber: "Am häufigsten
entscheiden sich die Frauen gegen Kinder,
die allein leben und keinen festen
Partner haben.
Eine weitere große Gruppe kinderloser
Frauen verfügt über ein geringes
Einkommen und sieht deshalb keine Chance,
sowohl ein Kind als auch den gewünschten
Lebensstandard zu finanzieren."
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Jürgen
Dorbritz in der Debatte:
- SCHWARZER,
Alice (2000): Die gläserne Wand.
Siege
und Niederlagen der Frauen im Kampf gegen
die Männerherrschaft,
in: Spiegel
Nr.41 v. 09.10.
- Kommentar:
Der Spiegel
druckt einen Auszug aus dem neuem
Buch von Alice
SCHWARZER,
in dem die Feministin die
demographische Lage aus der
Perspektive einer
70er-Jahre-Feministin
interpretiert. Man darf so schön
antiquierte Sätze lesen wie:
"Im krassen Gegensatz zu den
schönen bunten Trendstorys in
den Medien, die uns so gern von
den neuen Hochzeitsbooms und
Kinderbooms erzählen, sieht die
Wahrheit ganz anders aus,
nämlich genau umgekehrt. Jede
dritte 35-Jährige (Jahrgang
1965) ist heute kinderlos (im
Jahrgang 1945 ist es nur jede
achte). Immer mehr Frauen treten
also in den Kinderstreik. Und die
Männer? Die Männer treten in
den Sexstreik!"
Bei
Karsten
Pöhl
(01.03.2000), der das Buch
"Familienbildung in
Deutschland Anfang der 90er
Jahre" der Demographen
Juliane ROLOFF & Jürgen
DORBRITZ rezensiert hat, liest
man dagegen: "Für die 1965
geborenen westdeutschen Frauen
wird erwartet, daß ca. 30
Prozent von ihnen kinderlos
bleiben".
Und
in einer Beschreibung
eines DFG-Forschungsprojektes
(31.07.2000) "Späte erste
Mutterschaft" lesen wir:
"Madonna bekam ihr erstes
Kind mit 38, Demi Moore mit 36
und Birgit Schrowange bekommt
ihrs mit 42! 12 Prozent aller
Frauen kommen heute ihr erstes
Kind mit über 35 Jahren und die
Zahl steigt: Seite Mitte der 80er
Jahren hat sich dieser Anteil
vervierfacht."
Diese
beiden Meldungen relativieren
SCHWARZERs Aussage entscheidend.
Zum einen wird aus einer
Tatsachenaussage eine Prognose,
denn die 35jährigen aus
SCHWARZERs Jahrgang 1965 sind im
Gegensatz zu den 55jährigen die
als Vergleichsmassstab
herangezogen werden, noch im
gebärfähigen Alter. SCHWARZER
geht jedoch davon aus, dass die
35jährigen in einen Gebärstreik
getreten sind (klingt eher nach
70er Jahre als Kinderstreik, was
immer dieses merkwürdige Wort
bedeuten soll). In zwanzig Jahren
lässt sich entscheiden, in wie
weit sich SCHWARZERs
Vergleichjahrgänge tatsächlich
unterscheiden.
"Die Männer treten in den
Sexstreit!" SCHWARZER sollte
weniger EMMA oder SPIEGEL
lesen...
- DRIBBUSCH,
Barbara (2001): Viel Job, wenig Liebe.
Die
Leistungsgesellschaft führt zum
heimlichen Gebärstreik. Jede dritte
35-Jährige ist kinderlos - die meisten
bleiben es,
in:
TAZ v. 02.02.
- Kommentar:
"Der
Kanadier Jerry Steinberg hatte
die Nase voll. All seine Kumpels
hatten geheiratet, in seinem
Freundeskreis wurde nur noch
über Babys geschwafelt.
Steinberg gründete 'No
Kidding!'."
Was
DRIBBUSCH hier als Beispiel für
die Zunahme der Kinderlosen
präsentiert, ist eher ein Indiz
dafür, dass Kinderlose eine
Minorität sind. Der Versuch
Kinderlose auszugrenzen, wie es
z.B. in der sozialpolitischen
Debatte immer sichtbarer wird,
führt dazu, dass Kinderlose
gezwungen werden, sich zu
organisieren.
Diese
"Ghettoisierung" ist
nicht die Ursache, sondern die
Folge der angeblichen
Polarisierungen, die Demografen
wie DORBRITZ zwar theoretisch
postulieren, aber nicht beweisen
können. Der Begriff
"Gebärstreik" weist
dabei auf die Wurzeln dieser
Position (siehe
hierzu meinen Kommentar und die
weiterführenden Links zu MAYER
in der ZEIT v. 01.02.2001).
Wenn
man von einem dramatischen
Geburtenrückgang reden kann,
dann nicht in Deutschland,
sondern im Maghreb. Dagegen
verblasst das Gerede vom
Aussterben hierzulande (siehe
L'Express v. 25.01.2001).
Wenn man dort die Geburtenrate
wie bei uns hochrechnen würde,
dann müsste dort die
Bevölkerung lange vor den
Deutschen vollkommen ausgestorben
sein, aber vielleicht stimmt ja
etwas mit den Berechnungen
nicht...
- LAKOTTA,
Beate (2001): Nachwuchs in der
Warteschleife.
Erst Karriere,
dann Kinder: Ärzte verhelfen zu später
Mutterschaft,
in: Spiegel
Nr.29 v. 16.07.
- Kommentar:
LAKOTTA
rechnet mit den kinderlosen
Karrierefrauen ab. Diese Gruppe
von Frauen hat statistisch
gesehen einen Anteil von nicht
einmal 2 % an der Bevölkerung!
Eine
Karrierefrau ohne Kinderwunsch
ist defizitär, aber eine
Karrierefrau mit spätem
Kinderwunsch ist
unverantwortlich:
"'Eine egoistische
Einstellung: Die Frauen sehen
nicht das Wohl des Kindes,
sondern zuerst ihr eigenes! Nicht
wenige hätten erst ein, zwei
Jahre zuvor eine Abtreibung
hinter sich gebracht.
Klappt es mit dem Baby dann zum
strategisch günstigen Zeitpunkt
nicht, soll die Medizin die
verkorkste Lebensplanung
retten."
Die Kritik an der Karrierefrau
zielte in den 80er Jahren auf
ihre Kinderlosigkeit (siehe
hierzu Susan
FALUDIs Bestseller "Die
Männer schlagen zurück"),
seit den 90er Jahren steht die
Karrieremutter im Mittelpunkt der
Kritik. Sie ist nun nicht mehr
nur eine Rabenmutter wegen der
Unvereinbarkeit von Berufsarbeit
mit Haus- und Erziehungsarbeit,
sondern bereits die
Karriereplanung gerät nun unter
Beschuss. Nicht erst die
Nichtaufgabe des Berufs beim
Kinderkriegen, sondern das Recht
von jungen Frauen auf eine
Karriere wird mit diesem neuen
Klischeebild - dessen Karriere
als gesichert gelten dürfte -
grundsätzlich in Frage gestellt.
Erst ein Kind, dann - wenn
überhaupt - Karriere. Dies ist
auch die Forderung der
einflussreichen Demografen
Jürgen DORBRITZ und Karl
SCHWARZ,
die eine Familienpolitik
empfehlen, die erstens
Kinderlosigkeit zurückdrängt
und zweitens junge Paare dazu
ermutigt, mit der Geburt der
Kinder nicht zu lange zu warten
("Kinderlosigkeit in
Deutschland - ein
Massenphänomen?", in:
Zeitschrift für
Bevölkerungswissenschaft, 1996,
Heft 3).
Das vom SPIEGEL nun verbreitete
neue Klischee der Karrierefrau,
die erst abtreibt, sich dann ein
Kind wünscht, es nicht bekommen
kann und am Schluss
todunglücklich ist, zielt genau
auf jene Aspekte ab, die von
diesen Demographen
bevölkerungspolitisch als
unerwünscht betrachtet werden.
Bis vor kurzem war die
Vollzeitmutter das Leitbild von
Journalistinnen wie Karin
JÄCKEL.
Mit dem Verfassungsgerichtsurteil
im Rücken soll dieses Leitbild
nun mehrheitsfähig gemacht
werden.
Da
ist es natürlich ärgerlich,
wenn die Reproduktionsmediziner
der Karrierefrau in Nöten
Abhilfe versprechen: "Das
'Kind in der Warteschleife', so
die Vorstellung der Mediziner,
könnte eines Tages den Konflikt
zwischen Karriereplanung und
Kinderwunsch lösen: Eine Frau
könnte in jungen Jahren ein Kind
auf Eis legen, einen Psten
ergattern und anschließend
Mutter werden."
Diese
Form der weiblichen
Selbstbestimmung ist
unerwünscht, weswegen am Ende
des Artikels eine
Frauenbeauftragte zitiert wird,
die statt individueller
Problemlösung die Einklagung
sozialpolitischer Veränderungen
fordert.
- GREENBERG,
Susan H. (2001): Kleine Prinzen.
Die Geburtenraten
sinken weltweit, das Familienbild wird
vom Einzelkind beherrscht,
in: Focus
Nr.31 v. 30.07.
- Kommentar:
Offensichtlich
gibt es schwerwiegende
Differenzen beim Thema
"Einzelkind".
Renommierte Demographen wie
DORBRITZ und SCHWARZ
gehen von einer zunehmenden Polarisierung
zwischen Kinderlosen und
Mehr-Kind-Familien
aus, während GREENBERG einen
Trend zur Ein-Kind-Familie
belegen möchte.
Wenn
die Geburtenrate bei 1,3 Kindern
pro Familie liegt, dann stützt
dies auf den ersten Blick die
These von GREENBERG. Erst beim
zweiten Blick wird deutlich, dass
zwischen einer niedrigen
Geburtenrate und der Anzahl von
Kindern pro Familie kein
besonders enger Zusammenhang
bestehen muss.
Auch
die Haushaltsstatistik, auf der
sowohl die Polarisierungsthese
als auch GREENBERGs These
beruhen, hilft hier nicht weiter,
sondern trägt wesentlich zum "Mythos
der Ein-Kind-Familie" (Peter
KRAFT)
bei. GREENBERG fasst Familien mit
einem geschwisterlosen Kind und
Familien, deren Haushalt nur ein
Kind zugeordnet worden ist, zum
Konstrukt
"Ein-Kind-Familie"
zusammen. Wenn aber ein
alleinerziehender Vater mit
seinem Kind und eine
alleinerziehende Mutter mit ihrem
Kind in einer gemeinsamen Wohnung
als Paar leben, dann haben wir es
haushaltsstatistisch gesehen mit
zwei Ein-Kind-Familien zu tun,
obwohl es eher unwahrscheinlich
ist, dass beide Kinder wie
Einzelkinder leben.
Jedes
erstgeborene Kind ist zudem bis
zur Geburt des zweiten Kindes ein
Einzelkind. Wenn also eine
Aussage richtig ist, dann
diejenige, dass es heutzutage
immer öfter vorkommt, dass ein
Kind zeitweise alleine mit seinen
Eltern in einer Wohnung
zusammenwohnt, weil entweder das
zweite Kind noch nicht geboren
ist oder bis auf ein Kind bereits
alle anderen Kinder aus dem
Elternhaus ausgezogen sind. Ob
die Schwester oder der Bruder nun
ganz ausgezogen ist, nur unter
der Woche nicht bei den Eltern
wohnt oder in einer
Einliegerwohnung im gleichen Haus
wohnt, das ist der
Haushaltsstatistik nicht zu
entnehmen. Studien, die solche
Differenzierungen nicht
berücksichtigen, können bei der
Untersuchung des Sozialverhaltens
von angeblichen
"Einzelkindern" zu
schweren Fehlschlüssen führen.
Welche Auswirkungen die
Telekommunikationstechnik auf das
Kontaktverhalten von Geschwistern
hat, das wird von der
überwiegend technikfeindlichen
Soziologie erst recht
vernachlässigt.
Auch
wenn es keinen allgemeinen Trend
zur Ein-Kind-Familie gibt,
könnte es durchaus Milieus
geben, in denen dieser
Familientyp vorherrscht.
Möglicherweise gehören die
Beschäftigten in den neuen
Berufen zu jenem Milieu in dem
dieser Typ besonders verbreitet
ist. Die Beispiele, die GREENBERG
aufführt, würden dafür
sprechen. Aber nur Milieustudien
könnten darüber Auskunft geben.
- RUOSS,
Christiane (2002): Die Mehrheit wird
immer grauer.
Weil die
Gesellschaft zunehmend altert, muss sich
vieles ändern, was den Deutschen bisher
selbstverständlich war - und das wird
weh tun,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 07.01.
- Kommentar:
RUOSS
beginnt die Rezension von Herwig
BIRGs Buch "Die
demographische Zeitenwende"
und "Die
Alterspyramide steht Kopf"
mit dem Standardsatz der
Polarisierer: "Inzwischen
bleibt ein Drittel der Frauen und
Männer in diesem Land lebenslang
ohne Nachwuchs, und es werden von
Jahr zu Jahr mehr."
RUOSS ist nicht auf dem neuesten
Stand, denn die deutschen
Demographen müssen ihre
Prognosen ständig nach unten
korrigieren.
Der deutsche
Bevölkerungswissenschaftler
Jürgen DORBRITZ muss in den
Mitteilungen des Bundesinstitus
für Bevölkerungswissenschaften
vom 09.03.2001 gestehen, dass
"wir für den
Geburtsjahrgang 1965 vor einigen
Jahren noch Kinderlosenanteile
von mehr als 30 % erwartet
(haben). Die neueren Schätzungen
zeigen, dass sich über späte
Erstgeburten die
Kinderlosenanteile auf 27 %
verringert haben."
Weitere Korrekturen nach unten
sind vorprogrammiert.
Internationale Demografen wie Ron
LESTHAEGHE
kritisieren diese deutsche
Praxis, bei der das steigende
Erstgebäralter nicht ausreichend
berücksichtigt wird.
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