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Pierre Bourdieu: Suburbanisierung

 
       
     
       
   

Pierre Bourdieu: Porträts und Gespräche

 
     
       
   

Der Einzige und sein Eigenheim (1998)
Schriften zu Politik & Kultur 3
herausgegeben von Margareta Steinrücke
Hamburg: VSA

 
   
 
 

Klappentext

"»Eigener Herd ist Goldes wert« – die eigene Wohnung und das eigene Haus bilden die Erfüllung des bürgerlichen Familienlebens. Pierre Bourdieu und seine Mitarbeiterinnen hinterfragen diese scheinbare Idylle in einer umfassenden Untersuchung. »Die kritische Auseinandersetzung von Bourdieu u.a. mit dem Wohneigentum ... Folgen soll nicht nur all jenen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung zu erwerben, Denkanstöße vermitteln. Sie richtet sich auch ... allem an Stadtplaner, Soziologen, Architekten und Wohnungsbaupolitiker.«"

 
 
 
       
     
   
  • Das Eigenheim in der Debatte:

  • GASCHKE, Susanne (1999): Revolution im Reihenhaus.
    Die Zukunft der Liebe: Ein Plädoyer für die Wiederentdeckung der Doppelmoral,
    in: Die ZEIT v. 11.03.
  • RACK, Jochen (2001): Haus aus Hauch.
    Das Eigenheim als metaphisischer Ort und als Falle,
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.05.
    • Kommentar:
      Mit dem Single-Dasein wird Mobilität/Heimatlosigkeit und mit der Familie wird Sesshaftigkeit/Heimat assoziiert. Das Eigenheim ist dafür das Symbol.
            RACK schreibt dazu: "Das Eigenheim ist ein imaginierter Ort des gelungenen Lebens, eine bürgerliche Utopie: 'Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause', wirbt mit feinem Gespür für die Sorgen ihrer Kunden die Bausparkasse LBS und verspricht mit dem Eigenheim Geborgenheit und Sicherheit in einer immer unübersichtlicher werdenden Kultur: das Heim als Heimat."
            RACK sieht den Ursprung der "Eigenheim-Bewegung" in den 1920er Jahren: "eine Geburt der Inflationskrise, in der man gelernt hatte, dass Geld vergänglich ist, immobile Güter aber beständig sind".
            Aber möglicherweise erweist sich das Eigenheim letztlich als Falle: "Die Sehnsucht des Menschen in seiner 'ungeselligen Geselligkeit' (Kant) vor den Nachbarn und der Geschichte die Tür zuzumachen und in seinem Eigenheim als bürgerlicher Robinson wie auf einer einsamen Insel inmitten der Massenkultur zu leben, schlägt um in zerstörerischen Autismus".
  • BRIEGLEB, Till (2001): Jedem sein Bollwerk.
    Drei Viertel der Deutschen wollen im Grünen wohnen, die Politik bestärkt sie darin. Doch wer ins Eigenheim aufs gelobte Land zieht, beschert der Allgemeinheit gravierende Umweltprobleme,
    in: Die Woche Nr.39 v. 21.09.
    • Inhalt:
      BRIEGLEB stellt der Idealisierung des Eigenheims die Realität gegenüber: "Sowohl anhand von Interviews mit Eigenheimbewohnern als auch durch Statistiken über Zwangsversteigerungen, Ehescheidungen und Untersuchungen über die Verkaufsstrategien von Immobilien-Händlern und Banken konnte Bourdieus Forscherteam zeigen, dass der Traum sich in vielen Fällen in einen einsamen Alptraum verwandelt: Verschuldung, soziale Desintegration und Spießerelend sind offensichtlich der tatsächliche Preis der Stadtflucht."
  • BRIEGLEB, Till & Anno SACK (2001): Zurück in die Stadt!
    Bundesminister Kurt Bodewig will den Eigenheimbau fördern. Hamburgs Stadtentwicklungssenator Willfried Maier will mehr Urbanität. Ein Streitgespräch um die Zukunft des Wohnens,
    in: Die Woche Nr.39 v. 21.09.
  • KUß, Stefan (2001): Wer jetzt kein Haus hat, kauft sich Bauerwartungsland.
    Nach dem Wüstenrot-Tag: Das deutsche Eigenheim und seine beiden Normen, volle Öffnung der Schranktür und Schmaldurchgang des Menschen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.10.
    • Inhalt:
      Bücher zum Thema "Eigenheimbewegung" von Alexander MITSCHERLICHs "Die Unwirtlichkeit der Städte" (1965) bis Pierre BOURDIEUs "Der Einzige und sein Eigenheim" (1998).
  • GASCHKE, Susanne (2001): Familie haben heißt verzichten.
    Naiv ist die Vorstellung, mehr Geld vom Staat brächte automatisch mehr Zufriedenheit,
    in: Die ZEIT Nr.49 v. 29.11.
    • Kommentar:
      Susanne GASCHKE betätigt sich als Theoretikerin einer unverblümt neoliberalen Familienpolitik für die individualisierte Familie der Berliner Republik.
            
      Ihre Zielgruppe sind die Yuppies der "Generation Kombi". GASCHKEs Ansatz setzt die Individualisierungsrhetorik der 90er Jahre ebenso voraus wie den Anti-Single-Gesellschafts-Diskurs der Sozialpolitiker.
             Vor diesem Hintergrund fordert GASCHKE nun einen Paradigmenwechsel:
      Die Familie soll in den Medien nicht mehr defizitär, sondern als positives Leitbild dargestellt werden. Dazu gilt es u.a. die verstaubte Fernsehfamilie "Hesselbach" für die Generation Golf zeitgemäss aufzumotzen.
             Der vollindividualisierte Mensch ist für GASCHKE nicht der Single, sondern der Familienmensch!
      Dieser Erfolgsmensch steht im Gegensatz zur "Benachteiligungsdiskussion" der Sozialstaats-Familienpolitiker im Mittelpunkt von GASCHKEs Individualisierungsthese, die im Einklang mit Helmut SCHELSKYs 50er Jahre-Individualsierungsthese von der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" steht.
            
      Wer als Familie arm ist, der ist selbst schuld! Individuelle, "zurechenbar herbeigeführte Armut" entsteht gemäss GASCHKE durch unterhaltssäumige Väter oder durch "leichtfertig sich trennende Eltern".
            
      GASCHKEs Prototyp ist die gutsituierte Erbengeneration, die nicht erst auf die Zuteilungsreife des Bausparvertrags warten muss, um sich das Eigenheim fürs Kind leisten zu können.
            
      Deshalb ist GASCHKEs Ideal nicht die "Vollkasko-Familie" der Sozialstaats-Familienpolitiker, sondern die neoliberale, individualisierte Familie. Diese biedermeierliche Familie fürchtet nichts mehr als den Staatseingriff, der gleichbedeutend mit zunehmender "Qualitätskontrolle" ist:
            
      "Dürfte eine Familienkasse der Zukunft das »Erziehungsgehalt«, das »Familiengeld« oder wie auch immer der fragliche Transfer schließlich hieße, kürzen, wenn die Eltern ihre Kinder schlagen, fehlernähren, nächtelang Horrorvideos anschauen lassen?"
            
      GASCHKE geht es im besonderen um die Normalisierung der Normalfamilie:
      "Mehr als alles Geld braucht die Familie die anerkannte Überzeugung, dass sie in diesem Land der erstrebenswerte Normalfall ist."

            
      Dies ist gleichbedeutend mit einer Kampfansage an die "Pluralisierung der Lebensformen"
 
   
  • Pierre Bourdieu in der Debatte:

  • BRAUN, Sebastian (2001): Kooperation und Korruption.
    Produktive Beziehungen: Das "soziale Kapital" als individuelle und als kollektive Ressource ,
    in: Frankfurter Rundschau v. 31.07.
  • BRAUN, Sebastian (2001): Putnam und Bourdieu und das soziale Kapital in Deutschland.
    Der rhetorische Kurswert einer sozialwissenschaftlichen Kategorie,
    in: Leviathan H.3., September
  • PUTNAM, Robert D. - Die Krise des Sozialkapitals
 
   

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Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 24. Januar 2002
Update: 24. Januar 2002
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