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Kurzbiographie:
- 1903 in
Frankfurt a/M geboren
- Studium der
Philosophie, Soziologie, Psychologie und
Musikwissenschaft
- 1951
Buch "Minima Moralia"
- 1964 Buch
"Jargon der Eigentlichkeit - Zur
deutschen Ideologie"
- 1966 Buch
"Negative Dialektik"
- 1969 gestorben
- 1969 Buch
"Dialektik der Aufklärung"
(USA bereits 1947)
- ausführliche
Biografie (Suhrkamp)
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Minima
Moralia (1951)
Reflexionen
aus dem beschädigten Leben
Frankfurt:
Suhrkamp
(Reprint der Erstausgabe 2001)
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Stimmen
zu "Minima Moralia"
"Der Soziologe
Heinz Bude schlug vor, die
Frankfurter Theorie als
Bewusstseinsstoff für soziale
Aufsteiger zu lesen; daraus erklärt
sich ihre Erfolgsgeschichte in der
BRD. Das Erstsemester, das ich 1963
war und das die Frankfurter
Universität so gründlich befremdete
und verwirrte wie Adorno die
amerikanische Kulturindustrie, dies
Erstsemester blickte auf keine
großbürgerliche Kindheit und ihre
Versprechungen zurück. Den Nachwuchs
von kleinen Beamten und Angestellten,
der als Erster in der Familie das
Gymnasium absolvierte und die
Universität bezog, lockte kein
Heimweh nach den heroischen Zeiten
der Bourgeoisie. Sie mussten nach
vorn; es führte kein Weg zurück, es
fehlte überhaupt jede Spur davon.
So hätten gerade die akademischen
Kader, die sich von der fassungslosen
Traurigkeit der »Minima Moralia«,
von der schwarzen
Geschichtsphilosophie der Frankfurter
Schule persönlich so tief berühren
ließen, dazu beigetragen, dass die
Bundesrepublik ein eigentümlicher
Präsentismus beherrscht, eine
Obsession durch Gegenwart, die sie so
gründlich von deutsch-völkischen
Traditionen scheidet. "
(Michael Rutschky in
der Welt v. 17.11.2001)
"Der Zufall des
gleichen Erscheinungsjahrs will es,
dass neulich ein Aufsatz von Louis
Menand über Salingers »Fänger im
Roggen« im New Yorker erschienen
ist. Louis Menand ist ein Mann, von
dem im Zweifelsfall fünf Druckseiten
über ein Buch ganze
literaturwissenschaftliche
Regalladungen ersetzen. Sein Stück
über den »Fänger im Roggen«,
scheint mir, ersetzt nicht nur ganze
Regalladungen über Salingers Roman,
sondern zugleich eine oder zwei
andere über die »Minima Moralia«,
die wie der »Fänger« vor fünfzig
Jahren erschienen sind. Nachdem ich
Menands Aufsatz gelesen habe, ist mir
klar geworden, dass es nicht nur an
der eigenartigen und einmaligen
Rezeptionssituation der frühen
Siebzigerjahre liegt, dass der Adorno
der »Minima Moralia« wirklich so
etwas wie der J. D. Salinger der
Philosophie gewesen ist und die
Erzähl- und Kommentarstimme seines
berühmtesten und bestverkauften
Buchs der Holden Caulfield der
Kritischen Theorie."
(Stephan Wackwitz in
der TAZ v. 24.11.2001)
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Das Buch
in der Debatte:
- AUER,
Dirk (2001): Wie Münchhausen denken.
Unhäuslich.
Adornos Minima Moralis sind vor fünfzig
Jahren erschienen,
in:
Freitag Nr.13 v.
23.03.
- SÜDDEUTSCHE
ZEITUNG (2001): Aphorismen nach
Ausschwitz.
Ein Buch, das man
gelesen haben musste - Vor 50 Jahren
erschienen Theodor W. Adornos Minima
Moralia
in: Süddeutsche
Zeitung v. 07.04.
- Inhalt:
Interviews
mit Wolf LEPENIES, Bernd
LEINEWEBER und Günter GRASS
- BÜRGERE,
Peter (20001): Auf der Torfschwelle.
Lektüre im Freien,
abseits vom Trubel der Scheinrevolution,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 07.04.
- SEEL,
Martin (2001): Das Richtige im Falschen,
in:
Die ZEIT
Nr.19 v. 03.05.
- POSCHARDT,
Ulf (2001): Denk mal moralisch.
Vor 50 Jahren
erschienen die Minima Moralia von Theodor
W. Adorno: eine fundamentale
Gesellschafts-Kritik. Was kann sie uns in
Zeiten eines fundamentalen Pragmatismus
noch sagen?
in: Welt am Sonntag
v. 19.08.
- Infos
zu:
Ulf
Poschardt - Theoretiker der
Generation Golf
- KNIPP,
Kersten (2001): Theodor W. Adorno: Minima
Moralia,
in:
Büchermarkt.
Sendung des DeutschlandRadio
v. 06.09.
- RUTSCHKY, Michael
(2001): Fassungslose Traurigkeit.
Bewusstseinsstoff
für soziale Aufsteiger: Vor 50 Jahren
erschien Adornos "Minima
Moralia",
in: Welt
v. 17.11.
- Infos
zu:
Michael
Rutschky - Chronist der
68er-Generation
- Neu:
WACKWITZ,
Stephan (2001): Im Zaubermantel der
Verneinung.
Fünfzig
Jahre "Minima Moralia",
fünfzig Jahre "Fänger im
Roggen": Ein Plädoyer dafür,
Adornos Kulturkritikbuch als Zwilling von
Salingers Roman zu begreifen. Zugleich
ein Rückblick auf die Siebzigerjahre,
als das Ganze noch das Unwahre war
in: TAZ
v. 24.11.
- Kommentar:
WACKWITZ
outet sich als "zu dünner,
tolpatschiger, pickliger und
bebrillter Erstsemester",
der er Anfang der 70er Jahre war.
Heute würde man dies kurz als
"nerdisch" (abgeleitet
von "Nerd")
bezeichnen.
Damals
las WACKWITZ die Bibel der
moralischen Individualisten und
kompensierte damit den Frust,
dass er bei einer
uschiobermeierhaften (Angehörige
der Generation Golf können hier
veronafeldbuschhaften einsetzen)
Kommiliton in nicht ankam.
Damals
las er die "Minima
Moralis" von ADORNO am
Germanistischen Seminar
(Angehörige der Generation Golf
setzen hier das
wirtschaftswissenschaftliche
Institut und "Elementarteilchen"
von Michel HOUELLEBECQ
ein). Für WACKWITZ ist Adorno
der "J. D. Salinger der
Philosophie" und die
Komentarstimme der "Minima
Moralis" der "Holden
Caulfield der Kritischen
Theorie". Er kritisiert
beide als Verführer
unglücklicher Jugendlichee und
ärgert sich, dass er stattdessen
keine Benimmbücher gelesen hat,
in dem ihm beigebracht worden
wäre, wie er diese Angebete
rumgekriegt hätte. Leben statt
Politik ist seine jetzige Devise
und deshalb beneidet er die
Generation Golf:
"Und
wenn ich viele junge Leute des
Jahres 2001 kennen lerne - ihre
unbefangene Zutraulichkeit, ihr
entspannter Umgang mit
gesellschaftlichen Anforderungen,
ihre Freundinnen und oft sogar
schon Ehefrauen -, dann bin ich
einfach neidisch. Nicht nur, weil
ich älter werde und alle
Älteren auf alle Jungen in
gewisser Weise neidisch sind.
Sondern ich bewundere und neide
ihnen ein bisschen eine Jugend
ohne unsere Vorbilder."
Dies
ist zwar besser als die Position
jener, die sich hinter dem
"Narzissmus-Vorwurf"
verschanzen,
aber dann doch zu einfach, wenn
politisches Engagement auf den
Ausdruck pubertären Unglücks
verkürzt wird.
Der
Erfolg von Michel
HOUELLEBECQ
bzw. von Christian
KRACHT
zeigt, dass WACKWITZ die heutige
Jugend durch die rosarote Brille
des Alters sieht.
Wahrscheinlich
gehörte er Ende der 70er Jahre
zu jenen, die Jochen
SCHIMMANGs "Der schöne
Vogel Phönix"
verschlungen haben, denn die
Bilanz ähnelt frappant jener von
SCHIMMANG.
Der
von WACKWITZ genannte "Meister
RUTSCHKY"
hat nicht nur 1984 seine
Leseerfahrung der "Minima
Moralis" niedergeschrieben,
sondern auch in der Welt vom
17.11.2001
seine neueste Bilanz
veröffentlicht.
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SZ-Serie
zum Buch:
- BERNARD,
Andreas (2001): Room Service im Hotel
Abgrund.
Reflexionen aus dem
beschädigten Leben: Vor fünfzig Jahren
erschienen Theodor W. Adornos
"Minima Moralia",
in: Süddeutsche
Zeitung v. 06.08.
- PORNSCHLEGEL,
Clemens (2001): Konstanze,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 06.08.
- NEUMANN,
Gerhard (2001): Zweite Lese,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 10.08.
- STAUN,
Harald (2001): I.Q.,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 13.08.
- VISMANN,
Cornelia (2001): Lämmergeier,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 16.08.
- KAISER,
Joachim (2001): Tisch und Bett,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.08.
- GUMBRECHT,
Hans Ulrich (2001): Sur l'eau,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 21.08.
- GÖTTLER,
Fritz (2001): Intention und Abbild,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 24.08.
- RAULFF,
Ulrich (2001): Aufforderung zum Tanz,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 28.08.
- LENK,
Elisabeth (2001): Ausgrabung,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 31.08.
- REEMTSMA,
Jan Philipp (2001): Der Paragraph,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 03.09.
- GERNHARDT,
Robert (2001): Kalte Herberge,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 05.09.
- ZISCHLER,
Hanns (2001): Paysage,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 08.09.
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©
2000-2001
Bernd Kittlaus |
Bernds@single-dasein.de |
Erstellt:
27. November 2001
Update: 28. November 2001 |
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Zugriffe
seit
dem 04.Juni 2000 |
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