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Konrad Adam: Feindbild Single

 
       
     
       
   

Konrad Adam in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • ADAM, Konrad (2001): Weiblicher Paternalismus.
    Die SPD kommt von der Vorstellung nicht los, die Frauen zu ihrem Glück zwingen zu sollen,
    in: Welt v. 18.01.
  • ADAM, Konrad (2001): Die Flucht der Jungen aus dem Land der grauen Köpfe.
    Mit der staatlich subventionierte Rücksichtslosigkeit gegen Familien und Kinder muss Schluss sein,
    in: Welt v.19.04
  • ADAM, Konrad (2001): Mehr für mehr Kinder.
    Nicht der Mangel an Finanzkapital, sondern das ausbleibende Humankapital könnte das Wirtschaftswachstum zum Stillstand bringen,
    in: Welt v. 27.06.
    • Kommentar:
      ADAM fordert eine "geburtenfreundliche Politik", nicht weil ihm Kinder am Herzen liegen, sondern weil Kinder als "Humankapital" notwendig für zukünftiges Wirtschaftswachstum sind. Die Kinderzahl muss gross genug sein, damit die Wirtschaft eine sinnvolle Auswahl treffen kann!
            "Dies nämlich hat noch niemand gewagt: den Nachweis zu führen, dass sich der Stolz des Landes, seine Wirtschaftskraft, auch mit anhaltend niedrigen Geburtenraten verteidigen lasse."
            Möglicherweise muss ADAM seine Ansichten bald revidieren, denn die Gentechniker und Reproduktionsmediziner könnten ADAM beim Wort nehmen und den Beweis antreten wollen, dass die geforderte Bestenauslese auch vorgeburtlich erfolgen könnte. Ökonomisch gesehen ist die vorgeburtliche Auslese kostengünstiger, schliesslich fällt der "Ausschuss" dann nicht lebenslang der Gemeinschaft der Besten zur Last.
            Beide Argumentationslogiken unterscheiden sich nicht voneinander, sie reduzieren Kinder auf ihre ökonomische Funktion. Dies mag gut für eine effektive Volkswirtschaft sein, aber wer möchte in solch einer Gesellschaft leben?
  • ADAM, Konrad (2001): Die neue Familien-SPD.
    Partei wagt es wieder, von der "Kernfamilie" zu sprechen,
    in: Welt v. 30.06.
    • Inhalt:
      ADAM begrüsst die Abkehr von einer Familienpolitik, die sich an den Alleinerziehenden orientiert.
  • ADAM, Konrad (2001): Rettung für ein sterbendes Volk.
    Nur mit deutlichen Steuervorteilen für Familien lässt sich Bevölkerungspolitik machen,
    in: Welt v. 05.07.
    • Kommentar:
      "Mindestens ein Drittel aller Ehen bleibt lebenslang kinderlos, profitiert aber trotzdem von dem stattlichen Begünstigungsvolumen des Ehegattensplittings, das sich nach Schätzungen auf eine zweistellige Milliardensumme im Jahr beläuft."
            Üblicherweise wird behauptet, dass ein Drittel aller Frauen heutzutage lebenslang kinderlos bleiben würde - Belege dafür müssen die jeweiligen Autoren jedoch schuldig bleiben. ADAMS spricht nun gar von einem Drittel aller Ehen, die lebenslang kinderlos bleiben würden.
            Mit der Zunahme von Scheidungen und Wiederheiraten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine "Kurzehe" kinderlos bleibt. Im Regelfall gilt jedoch immer noch, dass eine Ehe geschlossen wird, wenn ein Kind bereits vorhanden ist oder unterwegs ist. Wenn z.B. ein Mann drei Mal heiratet, dann kann eine Ehe kinderlos geblieben sein, und seine beiden Kinder stammen aus der zweiten und dritten Ehe. Für diesen Mann gilt dann, dass ein Drittel seiner Ehen lebenslang kinderlos geblieben ist. Das ist aber keine Argumentation, die der Sache angemessen ist. Vergleiche sind nur sinnvoll, wenn Daten vorgelegt werden, aus denen ersichtlich ist, wieviel Personen - obwohl sie mindestens einmal im Leben verheiratet waren - lebenslang kinderlos bleiben. Solche Daten existieren jedoch vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden nicht.
            Der Begriff "Kinderloser" ist ziemlich dehnbar. Oftmals sind nicht die lebenslang Kinderlosen gemeint, sondern alle jene, die aktuell nicht mit Kindern zusammen leben. Damit kann das Ausmass der Kinderlosigkeit dramatisiert werden. ADAMs Behauptung beinhaltet zudem eine implizite Prognose, wenn er schreibt, dass die Ehen kinderlos bleiben werden. Er bezieht sich damit auch auf Ehen, die zur Zeit noch andauern und in denen noch Kinder geboren werden können.
            ADAM geht es also nicht um Fakten, sondern er spielt Prophet. Es gibt in Deutschland eine Science-Fiction-Serie im Schundheftchenformat, die sich als grösste Weltraumserie der Welt preist (siehe SZ vom 15.06.2001). Perry Rhodan muss darin jedes Mal das ganze Universum retten, ADAM backt etwas kleinere Brötchen - er möchte NUR die Deutschen vor dem Aussterben bewahren. Unter diesem Anspruch geht es heutzutage in der Familienrhetorik scheinbar nicht mehr!
            "Raumschiff Enterprise" prägt gemäß SCHIRRMACHER von der FAZ das Weltbild der naturwissenschaftlichen Elite, das Weltbild der Familienrhetoriker wird dagegen von "Perry Rhodan" geprägt. Je grösser die beschworene Gefahr, desto weniger muss auf lästige demokratische Regeln Rücksicht genommen werden...
  • ADAM, Konrad (2001): Freiheit statt Emanzipation.
    Die SPD und die jungen Mütter,
    in: Welt v. 09.07.
    • Kommentar:
      ADAM schürt mit einem verengten Familienbegriff den Neid, indem er Familien und Generationen gegeneinander ausspielt.
  • ADAM, Konrad (2001): Genieße jetzt und lass die andern zahlen.
    Im modernen Sozialstaat ist Solidarität nur noch eine Ausrede. Die Familie mit Kindern landet am Rand der Gesellschaft
    in: Welt am Sonntag v. 26.08.
  • ADAM, Konrad (2002): Auswanderungsland Deutschland.
    Den Talentierten, den Ehrgeizigen und den Leistungsträgern hat der Sozialstaat deutscher Prägung nur noch wenig zu bieten,
    in: Welt v. 08.02.
    • Kommentar:
      Der 68er Konrad ADAM schürrt den Generationenkonflikt, indem er das Systemvertrauen zu erschüttern versucht. Sein Vokabular ist identisch mit der neoliberalen / individualisierungstheoretischen Sozialstaatskritik à la Generationsgenosse Ulrich BECK.
            
      Den Begriff "Spassgesellschaft" hat er - in dem von mir beschriebenen Sinne - auf den Konflikt Familien contra Singles zugespitzt.
            
      Folgt man seiner Argumentation und nicht seinen Ressentiments, dann gehört er selbst weder zu den Talentierten, noch zu den Leistungsträgern (die wandern nämlich aus!). Aber er ernährt sich von den Ressentiments gewisser Eliten, die sich von der "Gleichmacherei" gehandicapt fühlen.
            
      Der Soziologe Sighard NECKEL hat dieses antidemokratische Ressentiment von Eliten ausgiebig beschrieben. Was HOUELLEBECQ für die Modernisierungsverlierer ist, das ist ADAM sozusagen für die Modernisierungsgewinner.
  • ADAM, Konrad (2002): Wie man die Kindheit kollektiviert.
    Die Grünen wollen die Frauen von ihren Babys emanzipieren und nennen das Familienpolitik,
    in: Welt v. 15.05.
    • Inhalt:
      Konrad ADAM entlarvt die "Kinderpolitik" der Grünen als Politik für Frauen und als Angriff auf das Kindeswohl, das er durch die Einrichtung von Krippenplätzen bedroht sieht:
           
      "Das Hirn ist in den ersten Jahren wie ein dünn gesponnenes Netz, das der Aktivierung bedarf, um eng und fest zu werden. Was in dieser Zeit nicht belebt wird, verkümmert und stirbt ab, irreversibel.
      Wollten sie wirklich Politik für Kinder machen, hätten die Vorkämpfer der Ganztagsbetreuung 'von null bis 14' auf solche Erkenntnisse zu antworten. Sie müssten fragen, was gut ist für die Kinder, und dann erst ihre Wahlprogramme schmieden. Aber das tun sie nicht - wahrscheinlich, weil sie es nicht können. Ihr Glaube, dass Sozialarbeiter die Eltern in ihrer Rolle als geborene Anwälte der Kinder ersetzen oder gar übertreffen könnten, ist durch nichts gestützt, weder durch die Erfahrung noch durch die Verfassung, durch die Wissenschaft schon gar nicht."
 
       
   

Für Kinder haften die Eltern (1996)
Die Familie als Opfer der Wohlstandsgesellschaft
Berlin: Quadriga

 
   
 
 

Klappentext

"Die Familie hat in der Gesellschaft keine Chance. Der Staat mit seinen Institutionen steht ihr gleichgültig gegenüber und sorgt dafür, daß Familien mit Kindern finanziell ausgebeutet werden: Obwohl die Kinder später einmal die Altersversorgung auch der Kinderlosen garantieren sollen, werden die Anstrengungen der Erziehung und die dadurch verbundenen Kosten gesellschaftlich nicht anerkannt."

 
 
 
       
   
  • Konrad Adam in der Debatte:

    • HABERMANN, Gerd (2002): "Ökonomie des Neides" im Wohlfahrtsstaat.
      Zermürbende Wirkung auf die unternehmerische Elite,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 02.03.
      • Kommentar:
        HABERMANN ist ein Vertreter des apologetischen Liberalismus, sozusagen jener Typus des Liberalen, den der Sozialrichter Jürgen BORCHERT im Blick hat, wenn er die Ausbeutung der Familie beklagt.
              
        HABERMANN verteidigt den Yuppie gegen den gefrässigen Sozialstaat. Seine simple Neidökonomie behauptet, dass die Marktgesellschaft produktiven Neid (Konkurrenz) und der Sozialstaat destruktiven Neid erzeugt. Seine Neidrhetorik ist identisch mit jener von Konrad ADAM, nur dass ADAM die Familie als Beute des Staates thematisiert, während HABERMANN den Yuppie als Beute des Staates sieht.
              
        Während Adam SMITH noch im Egoismus das edelste Motiv des Menschen sah, heisst dies neudeutsch bei HABERMANN Selbstverwirklichung.
              
        HABERMANN und BORCHERT sind Gegenspieler, deren Argumentationen jeweils den anderen als Feindbild benötigen. Heisst BORCHERTs Schlachtruf "Die Kosten der Familie werden privatisiert", so ist HABERMANN's Replik: "die Kosten der Familie werden sozialisiert". Beide können ihre Positionen jedoch nur behaupten und nicht belegen.
              
        Die Prämissen von HABERMANNs Neidökonomik hat der Chronist der Neidgesellschaft Sighard NECKEL in seinem KURSBUCH-Artikel "Deutschlands gelbe Galle" ausführlich beschrieben und auf die dahinterstehenden interessenpolitischen Motive zurückgeführt.
              
        Eine grundlegende Kritik des apologetischen Liberalismus ist bei Jens BECKERT nachzulesen (KURSBUCH 135 "Die Erbengesellschaft" vom März 1999). Dort zeigt BECKERT die Dilemmata liberalen Denkens und deren jeweils einseitigen Lösungen auf, die er als apologetischer, konfiskatorischer und gemeinschaftlicher Liberalismus bezeichnet.
              
        Aber auch die Position von BORCHERT hat ihre blinden Flecken. SCHUMACHER (SZ vom 01.03.2002) bringt eines der Probleme der Kontroverse auf den Punkt:
              
        "Gerne bezichtigen Eltern Singles und Paare ohne Nachwuchs, auf ihre Kosten der Spaßgesellschaft zu frönen. Die Kinderlosen wiederum beklagen ihre exorbitante Steuer- und Abgabenlast und sehen die Nachkommen fremder Leute als Ursache beträchtlichen Konsumverzichts. Jeder vermag ihm genehme Zahlen zu präsentieren, womit das Übel beginnt: Selbst Wirtschaftsweise, Ministerialbeamte oder Sozialpolitiker vermögen nicht präzise zu beziffern, wie viel Geld der Staat unter dem Strich für die Familien ausgibt. Das System ist total intransparent".
              
        Die Intransparenz ist zum Teil aber die Folge der Begriffspolitik, die Familienrhetoriker wie BORCHERT betreiben. Die Umdefinition von Eltern in Kinderlose, die von der amtlichen Haushaltsstatistik unterstützt wird, vergrössert die an sich schon bestehende Intransparenz der Transferleistungen.
    • GÖRING-ECKARDT, Katrin (2002): Eltern wollen Wahlfreiheit.
      Die Gesellschaft muss allerdings dafür sorgen, dass Mütter und Väter ihre Kinder so erziehen, wie sie es für richtig halten, wie sie es können, wie es ihnen möglich ist
      in: Welt v. 03.06.
 
   

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© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 05. März 2002
Update: 19. Juni 2002
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