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David Riesman: Die einsame Masse

 
       
     
       
     
       
   

Nachrufe zum Tod von David Riesman

 
   
  • Neu:
    HORSTER, Detlef (2002): Verhaltenslehrer.
    Autor der Massen: Zum Tod des Soziologen David Riesman,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.05.
  • KAUBE, Jürgen (2002): Wir Radarmännchen.
    Zum Tod des amerikanischen Soziologen David Riesman,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.05.
    • Inhalt:
      "Wollte man seine literarische Wirkung bilanzieren", schreibt KAUBE, "so müßte man (...) gerechtigkeitshalber alle Verkaufszahlen von Büchern über die postindustrielle Gesellschaft, die Erlebnisgesellschaft und die diversen Generationenbrüche seit 1945 in Anteilen Riesman zurechnen. Denn viel Neues ist seitdem über jenen Mentalitätswandel zur 'other-directed-person' nicht mitgeteilt worden, nur viel Buntes."
 
       
   

die einsame Masse (1958)
Eine Untersuchung der Wandlungen des amerikanischen Charakters.
Mit einer Einführung von Helmut Schelsky
(zusammen mit Nathan GLAZER und Reuel DENNEY)
Reinbek: Rowohlt

 
   
 
 

Der Zusammenhang zwischen Bevölkerungsweise und Verhaltenslenkung

Aus der Einleitung von Helmut Schelsky:

"Aus den (...) sozialpsychologischen Definitionen des »Charakters« greift sich RIESMAN ein Bruchstück oder einen Aspekt heraus: die soziale Verhaltensdetermination, die zu einer Verhaltensgleichheit der Zeitgenossen führt, »die Art und Weise, wie die Gesellschaft einen gewissen Grad von Verhaltenskonformität der ihr zugehörigen Individiduen garantiert« (S.22). Diese sozialbedingte Verhaltenskonformität nennt er für seine Zwecke »Charakter« und findet nun an Hand der europäisch-amerikanischen Gesellschaftsentwicklung drei Typen solcher »Charaktere« oder sozialer Verhaltenskonstanten: Eine »traditions-geleitete« Gesellschaft lenkt die Einzelindividuen durch (...)soziale Werte, die durch ihre institutionelle Veräußerlichung in Sitte, Brauchtum, Zeremoniell usw. auf den einzelnen in lange gleichbleibenden Situationen einwirken; die »innen-geleitete« Gesellschaft bestimmt die Individuen durch persönliche, verinnerlichte Werthaltungen (...); in einer »außen-geleiteten« Gesellschaft wird die Anerkennung der »anderen«, das Sich-Richten nach der öffentlichen Meinung und ihren »Signalen«, d.h. den Informationen der Massenpublizistik, nach Kollegen, Alters- und Standesgenossen usw. zum entscheidenden Maßstab (...).
RIESMAN verknüpft diese Typologie des Verhaltens nun soziologisch-historisch mit der Bevölkerungsgeschichte und den Bevölkerungsgesetzlichkeiten, weil er darin mit Recht eine der vitalsten Grundlagen des sozialen Geschehens erblickt. Die traditions-geleitete Verhaltensweise scheint ihm zu der Epoche des hohen Bevölkerungsumsatzes, d.h. der hohen Geburts-, aber auch Sterberate vorindustrieller Gesellschaftsformen zu gehören. Die erste Epoche der Industrialisierung wiederum wird in Europa und Amerika getragen von einer geschichtlich einmaligen Bevölkerungsvermehrung oder Bevölkerungswelle, die aus dem Absinken der Sterbefälle bei bleichbleibender Geburtenhöhe resultiert; ihr ist der »innen-geleitete« Verhaltenstyp zuzuordnen. Mit der Konsolidierung des industriellen Gesellschaftssystems - in Europa-Amerika etwa in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts - setzt nun auch jene Beschränkung der Geburtenzahlen ein, die als Anpassung an die moderne Gesellschaftsstruktur, z.B. an deren gesunkene Sterblichkeitsrate, anzusehen ist und zu einer neuen Konstantheit, ja, sogar zu einer gewissen Schrumpfung führt; mit diesem Vorgang scheint für RIESMAN die Geburt des »außen-geleiteten« Menschentyps verbunden zu sein." (S.9f)

Riesman über den außen-geleiteten Menschen

"Es wäre nun wirklich sehr erstaunlich, wenn Veränderungen in den Grundbedingungen der Fortpflanzung, Lebenshaltung und Lebenserwartungen den Charakter unbeeinflußt ließen. Eine Veränderung der Versorgungslage und der Nachfrage nach Arbeitskräften wird zur Folge haben, daß sich der Lebensraum der Bevölkerung, die Größe der Märkte, die Rolle der Kinder, die Gefühle für Vitalität und Senilität in der Gesellschaft und viele andere, nicht ohne weiteres faßbare Faktoren ebenfalls ändern. So geht meine These in der Tat dahin, daß jedem dieser drei Stadien der Bevölkerungskurve eine Gesellschaft entspricht, die jeweils eine bestimmte Art von Verhaltenskonformität erzwingt und einen bestimmten sozialen Charakter formt, und zwar jeweils auf ganz verschiedene, aber durchaus erkennbare Art und Weise." (RIESMAN, S.24f)

"Die in der Phase der »beginnenden Bevölkerungsschrumpfung« befindliche Gesellschaft (...) formt in ihren typischen Vertretern eine Verhaltenskonformität, die durch die Tendenz, für die Erwartungen und Wünsche anderer empfänglich zu sein, gesichert wird. Diese Menschen werde ich mit »außen-geleitet« bezeichnen, die Gesellschaft, in der sie leben, beruht auf »Außen-Lenkung«." (RIESMAN, S.25)

"Der von mir als außen-geleitet bezeichnete Charaktertyp tritt erst seit kurzem in dem gehobenen Mittelstand unserer Städte in Erscheinung, wobei er in den Großstädten deutlicher als in den Kleinstädten zu bemerken ist (...).
Man sagt diesem Amerikaner nach, er sei oberflächlicher, freigebiger, verhaltensunsicherer und weit mehr von der Anerkennung anderer abhängig als der Europäer." (RIESMAN, S.35)

"Will man unsere sozialen Charaktertypen den verschiedenen sozialen Schichten zuordnen, kann man sagen, daß die Innen-Lenkung den Charaktertypus des »alten« Mittelstandes darstellt - es sind der Bankier, der Händler, der kleine Unternehmer, der Ingenieur usw. -, während die Außen-Lenkung zum typischen Charaktermerkmal des »neuen« Mittelstandes wird - personifiziert durch den Bürokraten, den kaufmännischen Angestellten usw." (RIESMAN S.36)

Stimmen zum Buch

"when The Lonely Crowd appeared in 1953 as one of the first quality paperbacks issued by Doubleday Anchor Books, it became a best-seller. It has sold 1.4 million copies, more than any book of sociology before or since. It put Riesman on the cover of Time magazine and inserted »the lonely crowd« (a term invented by the publishers, which does not appear in the book) into the language. That phrase lived long enough to get into a 1967 Bob Dylan lyric."
(Robert Fulford in The National Post vom 03.07.2001)

 
 
 
       
     
   
  • Die Charaktertypen in der Debatte:

 
       
   

The Lonely Crowd (2001, abridged and revised edition)
A Study of the Changing American Character
(zusammen mit Nathan GLAZER und Reuel DENNEY)
Yale University Press

 
   
 
 

Klappentext

"The Lonely Crowd is considered by many to be the most influential book of the twentieth century. Its now-classic analysis of the “new middle class” in terms of inner-directed and other-directed social character opened exciting new dimensions in our understanding of the psychological, political, and economic problems that confront the individual in contemporary American society. The 1969 abridged and revised edition of the book is now reissued with a new foreword by Todd Gitlin that explains why the book is still relevant to our own era."

 
 
 
       
   
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© 2000-2002
Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 08. März 2002
Stand: 13. Mai 2002
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