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Jerome D. Salinger: Ein jugendlicher Single im New York der 50er Jahre

 
       
   
  • Kurzbiographie:

    • 1919 geboren und in Manhattan aufgewachsen
    • 1951 Roman "The Cather in the Rye" (deutsch: "Der Fänger im Roggen")
 
       
     
       
   

The Catcher in the Rye (1951).
Boston: Litte, Brown and Co.
(deutsch: Der Mann im Roggen, Zürich: Diana, 1954
Der Fänger im Roggen, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1962,
Taschenbuchausgabe bei Rowohlt, 1966; Kiepenheuer & Witsch 2001)

 
   
 
 

Klappentext

"Falls Sie wirklich meine Geschichte hören wollen, so möchten Sie wahrscheinlich vor allem wissen, wo ich geboren wurde und wie ich meine verflixte Kindheit verbrachte und was meine Eltern taten, bevor sie mit mir beschäftigt waren, und was es sonst noch an David Copperfield-Zeug zu erzählen gäbe, aber ich habe keine Lust, das alles zu erzählen. Erstens langweilt mich das alles, und zweitens bekämen meine Eltern pro Nase je zwei Schlaganfälle, wenn ich so persönliche Auskünfte über sie geben würde. Sie sind in der Hinsicht sehr empfindlich, besonders mein Vater. Sie sind sehr nette Leute und so - ich sage nichts gegen sie -, aber höllisch empfindlich. Außerdem will ich nicht meine ganze verfluchte Autobiographie oder etwas Ähnliches schreiben. Ich will nur die verrückten Sachen erzählen, die sich letzte Weihnachten abspielten, bevor ich vollkommen zusammenklappte und hierher gebracht wurde, um mich zu erholen..."

"Der Mann im Roggen" in der deutschen Presse

"Der verständnisvollen 'alten Phoebe' - seiner zehnjährigen Schwester (...) erklärt Holden, was für eine Art Dasein er sich wünscht:

»Aber jedenfalls stelle ich mir immer kleine Kinder vor, die in einem großen Roggenfeld ein Spiel machen. Tausende von kleinen Kindern, und keiner wäre in der Nähe - kein Erwachsener, meine ich - außer mir. Und ich würde am Rand vor einem Abgrund stehen. Ich müßte alle fangen, die über den Rand hinauslaufen wollen - ich meine, wenn sie nicht achtgeben, wohin sie rennen, müßte ich vorspringen und sie festhalten. Das wäre alles, was ich den ganzen Tag lang tun würde. Ich wäre einfach so ein Wächter im Roggen. Ich weiß schon, daß das verrückt ist, aber das ist das einzige, was ich wirklich gern wäre.«

Eine Funktion ähnlicher Art übt Holden schon während seines zweitägigen Abenteuers aus: Er bemüht sich, obszöne Inschriften an den Wänden auszulöschen, weil er verhindern möchte, daß »Poebe und all die anderen kleinen Kinder das sehen und sich fragen, was zum Teufel es bedeutet«."
(Spiegel Nr.8, 1962, S.74)

"Der Fänger im Roggen" in der deutschen Presse

"Geschichte in der Sprache eines 16jährigen Großstadt-Teenagers. Aus der Perspektive des vom Schulstress überforderten, hochsensiblen Knaben aus reichem Elternhaus, der so gerne cool auftritt, seine Verletzlichkeit aber nicht verbergen kann."
(Barbara Jentzsch in der Jungle World vom 18.07.2001)

"Bis heute strömen unverdrossen Salinger-Touristen (...) zum Heiligen Salinger, der ihnen mit »The Catcher in the Rye« nicht nur ein einmaliges Buch, sondern obendrein die aus Amerika nicht mehr wegzudenkende, verkehrt herum getragene Baseballmütze bescherte. "
(Barbara Jentzsch in der Jungle World vom 18.07.2001)

 
 
 
       
   
  • Rezensionen:

    • STERN, James (1951): Aw, the World's a Crumby Place,
      in:
      New York Times v. 15.07.
    • BURGER, Nash K. (1951): Books of The Times,
      in:
      New York Times v. 16.07.
 
   
  • Das Buch in der Debatte:

    • Deutschsprachiger Raum:
      • SPIEGEL (1962): Mann im Wald,
        in:
        Spiegel Nr.8
      • APPLETON, Tom (2001): Der Fänger in Pension.
        "Der Fänger im Roggen" wird 50 Jahre alt,
        in: Telepolis v. 16.07.
      • HELLING, Reinhard (2001): Reißt euch das Ding unter den Nagel!
        Happy Birthday, Holden. Heute vor fünfzig Jahren erschien J. D. Salingers Roman "Der Fänger im Roggen",
        in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.07.
      • JENTZSCH, Barbara (2001): Die Verlogenheit der Eltern.
        Vor fünfzig Jahren erschien J.D. Salingers "Cather in the Rye",
        in: Jungle World Nr.30 v. 18.07.
      • ZIEGLER, Ulf Erdmann (2001): Mittel gegen Ossenburger.
        Literaturszenen (5): "Der Fänger im Roggen" für immer,
        in: Frankfurter Rundschau v. 21.07.
      • WACKWITZ, Stephan (2001): Im Zaubermantel der Verneinung.
        Fünfzig Jahre "Minima Moralia", fünfzig Jahre "Fänger im Roggen": Ein Plädoyer dafür, Adornos Kulturkritikbuch als Zwilling von Salingers Roman zu begreifen. Zugleich ein Rückblick auf die Siebzigerjahre, als das Ganze noch das Unwahre war
        in: TAZ v. 24.11.
        • Kommentar:
          WACKWITZ outet sich als "zu dünner, tolpatschiger, pickliger und bebrillter Erstsemester", der er Anfang der 70er Jahre war. Heute würde man dies kurz als "nerdisch" (abgeleitet von "Nerd") bezeichnen.
                
          Damals las WACKWITZ die Bibel der moralischen Individualisten und kompensierte damit den Frust, dass er bei einer uschiobermeierhaften (Angehörige der Generation Golf können hier veronafeldbuschhaften einsetzen) Kommiliton in nicht ankam.
                
          Damals las er die "Minima Moralia" von ADORNO am Germanistischen Seminar (Angehörige der Generation Golf setzen hier das wirtschaftswissenschaftliche Institut und "Elementarteilchen" von Michel HOUELLEBECQ ein). Für WACKWITZ ist Adorno der "J. D. Salinger der Philosophie" und die Komentarstimme der "Minima Moralia" der "Holden Caulfield der Kritischen Theorie". Er kritisiert beide als Verführer unglücklicher Jugendlichee und ärgert sich, dass er stattdessen keine Benimmbücher gelesen hat, in dem ihm beigebracht worden wäre, wie er diese Angebete rumgekriegt hätte. Leben statt Politik ist seine jetzige Devise und deshalb beneidet er die Generation Golf:
                
          "Und wenn ich viele junge Leute des Jahres 2001 kennen lerne - ihre unbefangene Zutraulichkeit, ihr entspannter Umgang mit gesellschaftlichen Anforderungen, ihre Freundinnen und oft sogar schon Ehefrauen -, dann bin ich einfach neidisch. Nicht nur, weil ich älter werde und alle Älteren auf alle Jungen in gewisser Weise neidisch sind. Sondern ich bewundere und neide ihnen ein bisschen eine Jugend ohne unsere Vorbilder."
                
          Dies ist zwar besser als die Position jener, die sich hinter dem "Narzissmus-Vorwurf" verschanzen, aber dann doch zu einfach, wenn politisches Engagement auf den Ausdruck pubertären Unglücks verkürzt wird.
                
          Der Erfolg von Michel HOUELLEBECQ bzw. von Christian KRACHT zeigt, dass WACKWITZ die heutige Jugend durch die rosarote Brille des Alters sieht.
                
          Wahrscheinlich gehörte er Ende der 70er Jahre zu jenen, die Jochen SCHIMMANGs "Der schöne Vogel Phönix" verschlungen haben, denn die Bilanz ähnelt frappant jener von SCHIMMANG.
                
          Der von WACKWITZ genannte "Meister RUTSCHKY" hat nicht nur 1984 seine Leseerfahrung der "Minima Moralia" niedergeschrieben, sondern auch in der Welt vom 17.11.2001 seine neueste Bilanz veröffentlicht.
      • Neu:
        DECKERT, Marc (2002): "Der Fänger im Roggen" - Das Leben ist kein Kinderkarussell.
        J. D. Salingers Held Holden Caulfield fand im Central Park für einen Moment das Glück. Es ist immer noch da,
        in: Jetzt, Nr.13 v. 25.03.
    • Englischsprachiger Raum:
      • ROMANO, John (1979): Salinger Was Playing Our Song,
        in:
        New York Times v. 03.06.
      • BRATMAN, Fred (1979): Holden, 50, Still Catches,
        in:
        New York Times v. 21.12.
      • MENAND, Louis (2001): Holden at fifty.
        "The Catcher in the Rye" and what it spawned,
        in: The New Yorker v. 01.10.
 
   

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Bernd Kittlaus
Bernds@single-dasein.de Erstellt: 20. Juli 2001
Stand: 14. April 2002
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