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Jonathan Franzen: Der Wandel der amerikanischen Familie

 
       
     
       
     
       
   

Jonathan Franzen in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • FRANZEN, Jonathan (2001): Inauguration Day, Januar 2001.
    Gedanken und literarische Impressionen zur Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush,
    in: Tagesspiegel v. 09.09.
  • FRANZEN, Jonathan (2002): Die Korrekturen. St. Jude,
    in:
    Neue Rundschau, Heft 2, S.110-119
  • FRANZEN, Jonathan (2002): Das Gehirn meines Vaters.
    Eine autobiografische Geschichte, Teil 1
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.06.
  • FRANZEN, Jonathan (2002): Das Gehirn meines Vaters.
    Eine autobiografische Geschichte, Teil 2
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.06.
  • FRANZEN, Jonathan (2002): Vielleicht auch träumen,
    in:
    Literaturen Special Juli/August, S.6-23
 
       
   

Jonathan Franzen: Porträts und Gespräche

 
   
  • deutschsprachiger Raum
    • OBERMAUER, Ralph (2001): Amerika hat das Erwachsensein abgeschafft,
      in:
      Tages-Anzeiger v. 13.11.
    • OBERMAUER, Ralph (2001): Enkel an die Macht!
      Jonathan Franzen wollte nur für Eingeweihte schreiben. Und hat mit "The Corrections" den US-Hit der Saison gelandet. Ein Porträt
      in:
      Tagesspiegel v. 20.11.
      • Kommentar:
        Im Jahre 1991 erschien in Amerika das Buch "Embattled Paradise" der kalifornischen Psychologin Arlene SKOLNICK. Sie beschrieb darin die Familie als "umkämpftes Paradies". Das zentrale Thema war die Romantisierung der 50er-Jahre-Kleinfamilie.
              
        Die von SKOLNICK kritisierte nostalgische Sichtweise hat nun 10 Jahre später mit Jonathan FRANZEN ihren popliterarischen Ausdruck gefunden.
              
        Nachdem Bret Easton ELLIS ebenso wie Michel HOUELLEBECQ die sexuelle Befreiung und ihre Folgen kritisiert haben, führt FRANZEN nun deren Werk fort, indem er zur Rehabilitierung der 50er-Jahre-Familie beiträgt.
              
        Diese Sicht wird nahegelegt, weil er das äusserlich gelungene Leben der Eltern den Lebenskrisen ihrer Kinder gegenüberstellt. In diesem unfairen Vergleich liegt das Geheimnis der romantischen Verklärung.
              
        Auch das Gegenteil ist eben wahr: gescheiterte Leben in den 50ern und erfolgreiche Lebensentwürfe danach! Neue Perspektiven bietet aber beides nicht.
              
        FRANZEN ist auf jeden Fall die konsequente Weiterführung der Themen von ELLIS und HOUELLEBECQ gelungen. Die Familien der Neuen Mitte werden ihn hierzulande ebenso begeistert aufnehmen wie die Amerikaner. Bis zum nächsten Herbst müssen sie jedoch noch auf dieses "Coming home for Christmas" warten.
    • WELLERSHOFF, Marianne (2002): Scheitern - aber mit Happy End.
      Der US-Schriftsteller Jonathan Franzen gilt als Aufsteiger der Saison: In "The Corrections" beschreibt er das geldgierige Amerika und eine ganz normale, unglückliche Provinzfamilie. Doch nicht die Gesellschaftskritik machte den Roman zum Erfolg, sondern seine grotesken Episoden,
      in: Spiegel Nr.4 v. 21.01.
    • DOTZAUER, Gregor (2002): "Ich bin ein bisschen reaktionär".
      Jonathan Franzen ist der amerikanische Romanautor der Saison. Ein Gespräch über Literatur und Erfolg,
      in:
      Tagesspiegel v. 28.01.
    • PIEPGRAS, Ilka (2002): "Was erwarten Sie von mir?".
      Der amerikanische Autor Jonathan Franzen, kürzlich noch völlig unbekannt, hat plötzlich Weltruhm erlangt. Wie findet er sich in seiner neuen Rolle zurecht? Ein Meta-Interview,
      in:
      Die ZEIT Nr.6 v. 31.01.
    • LOVENBERG, Felicitas von (2002): Alles, bloß nicht Tübingen.
      Wanderungen durch Berlin: Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen auf der Suche nach seinen Studentenbuden,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.02.
    • WINKLER, Willi (2002): Sei gepriesen, unglückliche Familie.
      Jonathan Franzen lässt in seinem Erfolgsroman "The Corrections" die Theologie wiederkehren,
      in: Literaturen Nr.3, März
    • FREUND, Wieland (2002): Es gibt keinen Fortschritt.
      Jeffrey Eugenides und der neue Schriftstellersuperstar Jonathan Franzen rekonstruieren den Roman,
      in: Welt v. 02.03.
    • EUGENIDES, Jeffrey (2002): Ein post-postmoderner Schriftsteller.
      Jonathan Franzen zur Einführung,
      in: Neue Rundschau, Heft 2, S.107-109
    • LAPIN, Elena (2002): Was sieht dieser Mann?
      Mehr als die meisten Schriftsteller, wenn sie auf ihre Heimat blicken. Demnächst kommt sein Buch, das die USA erschütterte, auf Deutsch heraus. Ein Bürobesuch bei Jonathan Franzen,
      in: Die ZEIT Nr.24 v. 06.06.
    • LÖFFLER, Sigrid (2002): Shooting Star mit Vorbehalten.
      Der Roman "Die Korrekturen" und der Essay "Vielleicht auch träumen" eröffnen den Zugang zu Amerikas scharfsinnigstem Medien- und Sozialkritiker nach Don DeLillo,
      in: Literaturen Special Juli/August, S.3-5
      • Kommentar:
        LÖFFLER arbeitet am Mythos der literarischen Hochkultur im Gegensatz zum Unterhaltungsfernsehen:
            
        "Franzens Analyse der totalen Macht des Fernsehens auf Kosten der literarischen Kultur wird durch den empörten Wirbel, den sein Widerstand auslöste, auf paradoxe Weise bestätigt. In der öffentlichen Meinung hat das Fernsehen natürlich gesiegt. Aber gerade weil er als Verteidiger der Buchkultur allseits ins Unrecht gesetzt wurde, behielt Franzen Recht. Und gerade weil sein Buch auch dank Fernseh-Publicity ein solcher Erfolg wurde, konnte er sich seinen Rebellenstolz gegen das bildersüchtige Mainstream-Amerika und dessen Meinungs- und Geschmacksdiktatur auch finanziell leisten."
            Im Hinblick auf das Buch macht LÖFFLER einen bedenkenswerten Vorschlag zur Neubestimmung des Generationenverhältnisses:
            "Die drei jungen Lamberts (...) brennen darauf, im eigenen Leben die Fehler der Eltern zu korrigieren, doch ihre Korrekturen erweisen sich nur als neue Fehler oder schlimmer: als die verhassten alten Fehler im neuen Kostüm. Vielleicht lässt sich die gusseiserne bürgerliche Wertekette nicht generationell korrigieren, sondern nur durchbrechen – indem die Eltern den Sinn ihres eigenen Lebens nicht länger als moralische Bringschuld von der nächsten Generation einfordern."
    • BRAND, Jobst-Ulrich (2002): Zurück in die Zukunft.
      Die verkopfte US-Gegenwartskultur findet Jonathan Franzen sterbenslangweilig. Sein Buch "Die Korrekturen" wird als Wiedergeburt des Gesellschaftsromans gefeiert,
      in: Focus Nr.26 v. 24.06.
      • Inhalt:
        FRANZEN verklärt die 50er Jahre:
            
        "Das große Problem unserer Zeit. Uns geht es zu gut. Wer kämpfen muss (...), fragt nicht nach Sinn. Mühsal und Entbehrungen geben dem Leben Sinn. Unsere Eltern haben das noch erlebt, wir nicht mehr.
        FOCUS: Ist Ihr Buch also auch ein Plädoyer für die ältere Generation?
        FRANZEN: Ja (...).
        FOCUS: Die 50er waren aber auch eine sehr unfreie Zeit, geprägt von gesellschaftlichen Konventionen.
        FRANZEN: Aber sie gaben auch Sicherheit. Enid und Alfred wissen, wo ihr Platz ist. Alfred geht zur Arbeit, Enid sorgt für die Familie (...). Die Familie ist ihnen sehr wichtig. Sie bietet allen einen Bezugspunkt. Das Leben war gefestigter damals, auch wenn es in vielerlei Hinsicht ein Leben im Gefängnis war."
    • HÜETLIN, Thomas (2002): "Das Leben ist wie Godzilla".
      Der Schriftsteller Jonathan Franzen über die Herausforderung, einen Gesellschaftsroman zu schreiben,
      in: Spiegel Nr.26 v. 24.06.
      • Kommentar:
        Jonathan FRANZEN ist in den USA erfolgreich als neuer Literaturstar durchgesetzt worden und wird nun mit grossem Marketingaufwand auch in Deutschland bekanntgemacht.
            
        Die Zeitschrift Literaturen hat ihm ein Literaturen Special gewidmet. FRANZEN beschreibt den Wandel der amerikanischen Familie, indem er an die gängigen Stereotypen vom Niedergang der Familie anknüpft und so zur Rehabilitierung der 50er-Jahre-Familie beiträgt.
            
        Auch seine Stilisierung als Literat der Hochkultur passt zu diesem neuen Elitismus, der die begonnene Rückkehr zur Klassengesellschaft konsequent weiterführt.
            
        Bei Amazon.de steht Jonathan FRANZEN z.Z. auf Verkaufsrang 47. Seine Leser kaufen auch Bridget Jones, Nick HORNBY und Michel HOUELLEBECQ. Dies wundert höchstens jene, die FRANZEN für einen Vertreter der Hochkultur halten, obwohl er ein Popliterat ist, der als Anti-Popliterat auftritt.
        FRANZEN ist im SPIEGEL-Gespräch mit Korrekturen an seinem Image beschäftigt:

            
        "Ich wurde porträtiert als ein leidender elitärer Hochkultur-Schreiber, der die Massen verachtet. Dabei habe ich gerade deshalb so viele Jahre für dieses Buch gebraucht, weil ich beides wollte: eine unbestreitbare literarische Leistung und eine Reihe von Charakteren, welche die Gefühle des Publikums ansprechen. Mit anderen Worten - (...) ernst sein und gleichzeitig zugänglich und aufregend."
    • VERNA, Sacha (2002): Alle hatten mich furchtbar gern.
      Jonathan Franzen über seinen Familienroman "Die Korrekturen", das Ende der Ironie und den Mythos der Coolness,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.06.
      • Inhalt:
        FRANZEN spricht u.a. über das Verhältnis von Ökonomie und Familie:
            
        "Natürlich ist eine Lebensform, die auf Gemeinschaft basiert, schlecht mit einem Wirtschaftssystem vereinbar, das auf die Maximierung des Konsums und damit auf den ökonomischen Nutzen der Vereinzelung abzielt. Außerdem trägt die Mobilität des modernen Menschen zur Auflösung familiärer Strukturen bei. Und doch glaube ich nicht an das Ende der Familie. Man verliert über die Jahre vielleicht den Kontakt zu Cousinen oder Großonkeln, aber nach wie vor pflegen die meisten Leute die Beziehung zu Eltern und Geschwistern. Ich halte dieses 'Ende der Familie' eher für eine Redensart."
            
        Nicht fehlen darf natürlich die Kritik an der Konsumgesellschaft:
            
        "Der dominierende Mythos der Gegenwart ist der Mythos der Coolness - ein sehr amerikanischer Mythos, der alle mit denselben Illusionen füttert und letztlich zu einer Art uniformen Coolness führt. Du bist cool, wenn du das richtige Auto fährst, du bist cool, wenn du das richtige Putzmittel benutzt, du bist cool, wenn du das richtige Anlagekonto besitzt. Also sind alle, die das richtige Auto fahren, das richtige Putzmittel benutzen und das richtige Konto besitzen, cool, aber eben höchstens so cool wie ihre Nachbarn, die genau auf denselben Trick hereinfallen. (...). Eine meiner Absichten beim Schreiben von Die Korrekturen war es daher, die coole Konsumschale aufzubrechen, mit der man sich zwangsläufig umgibt, und zur Einsamkeit, zur Scham vorzudringen, die letztlich in jeden von uns steckt."
    • LUEKEN, Verena (2002): Durch Kampf zum Stil.
      Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen über die Gefräßigkeit der Medien und die Korrekturen am eigenen Fernsehbild,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.06.
  • englischsprachiger Raum
 
       
   

Die Korrekturen (2002)
Rowohlt Verlag
(Original: The Corrections, 2001, Farrar, Straus & Giroux)

 
   
 
 

Klappentext

"Nach fast fünfzig Jahren als Ehefrau und Mutter ist Enid Lambert entschlossen, ihr Leben ein wenig zu genießen. Alles könnte so angenehm sein, gemütlich, harmonisch - einfach schön. Doch die Parkinsonsche Krankheit hat ihren Mann Alfred immer fester im Griff, und die drei Kinder haben das traute Familienheim längst verlassen - um ihre eigenen tragikomischen Malaisen zu durchleben. Der älteste, Gary, stellvertretender Direktor einer Bank und Familienvater, steckt in einer Ehekrise und versucht mit aller Macht, seine Depressionen kleinzureden. Der mittlere, Chip, steht am Anfang einer vielversprechenden Karriere als Literaturprofessor, aber Liebestollheit wirft ihn aus der Bahn, und er findet sich in Litauen wieder, als verlängerter Arm eines Internet-Betrügers. Und das jüngste der Lambert-Kinder, die erfolgreiche Meisterköchin Denise, sinkt ins Bett eines verheirateten Mannes und setzt so, in den Augen der Mutter zumindest, Jugend und Zukunft aufs Spiel. In dem Wunsch, es sich endlich einmal so richtig gutgehen zu lassen - und Alfred aus seinem blauen Sessel zu locken, in dem er immer schläft -, verfolgt Enid nun ein hochgestecktes Ziel: Bald nach der Luxus-Kreuzfahrt, zu der sie voller Vorfreude mit Alfred aufbricht, möchte sie die ganze Familie zu einem letzten Weihnachtsfest zu Hause um sich scharen."

Pressestimmen

"interessant zu lesen. Dennoch fehlt etwas Wesentliches: Erkenntnis.
(...). Franzen vermittelt bestenfalls einen auf die WASP-Mittelklasse beschränkten Einblick und hat schlichtweg überhaupt nichts Neues über den Zustand der Welt zu sagen. (...). So bleibt es bei bloss Wohlbekanntem - Materialismus ist nicht schön, Familien sind selten glücklich, und bei aufstrebenden Biotech-Firmen arbeiten nur Schweine. (...).
Es ist eben doch nicht das, wofür Franzen und seine Gemeinde es halten: der Schlüsselroman zum Verständnis der US-Gegenwart. Aber wer in diesem Sommer und Herbst bei literarischen Diskussionen nicht hoffnungslos im Abseits stehen will, kommt an dem Wälzer dennoch nicht vorbei. Glück für den Verlag. Pech für alle anderen."
(Sven Boedecker in der SonntagsZeitung v. 23.06.2002)

"In 'Korrekturen' verbindet er das Private mit dem Sozialen und behandelt entlang der individuellen Schicksale einer Familie aus dem amerikanischen Mittelwesten auch Kultur- und Zeitphänomene: den Internet-Boom, die Börsenspekulation, den Rummel um In-Restaurants, die Geschäftemacherei mit Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson, die Diktatur des Geldes, Depressionen und den Zerfall der Familie."
(Julia Kospach im Profil v. 24.06.2002)  

"Anders als die beißende Familienkritik der 68er-Generation, vermittelt der 1959 geborene Autor neben Beklemmungsgefühlen (...) eine irritierend leuchtende Perspektive von Herkunft und Heimat. Den gegenwartsorientierten, vielfach bindungslosen Individualisten, die, erfolgreich oder nicht, durchs Leben straucheln, gibt er die Abstammungserinnerung an einen alten Mann, der einst mit dem Eisenhammer schwindelfrei die großen Brücken über den Canyons abklopfte und die Schienen über der Prärie versorgte - »Mythen des Heilemachens«, wie es an einer Stelle heißt."
(Harald Jähner in der Berliner Zeitung v. 26.06.2002)

"Das gelegentlich etwas zu penetrant oder zu beliebig eingestreute Leitmotiv des Titelworts verliert im Deutschen unweigerlich an Gewicht: Im Umfeld des Begriffs «corrections» sind zumindest in Amerika auch Strafanstalten und ähnliche Institutionen angesiedelt. Und tatsächlich führen die Lebensentwürfe der drei Geschwister letztlich nicht über komplizierte Exerzitien der Selbstbestrafung hinaus - für die ironischerweise gerade die auf Leistung, Gewinn und sichtbar gelebten Hedonismus ausgerichteten neunziger Jahre ein ideales Spielfeld boten. (...). Neben solch weltläufig gestressten, desorientierten Kindern ist Enid in ihrem Wust biederer Häuslichkeit gewiss ein Auslaufmodell; aber im Gegensatz zu ihnen - und dies trotz der Lebensgemeinschaft mit dem durch die Krankheit nicht leidlicher gewordenen Ehemann - zum Glücklichsein zwar nicht bestimmt, doch wenigstens fähig."
(Angela Schader in der NZZ v. 27.06.2002)

"Die Geschichte Alfreds und Enids bildet zwar Anfang und Ende des großen Bogens, den Franzen spannt, aber dazwischen erfahren wir weiträumig die Biografien der Kinder. Alle drei, ein jedes auf seine Weise, wollten sie dem Regiment des Elternhauses entfliehen, die rigide Tradition ihrer Herkunft durch einen anderen, eigenen Lebensentwurf 'korrigieren' (...), aber letztlich scheitern sie alle drei, und die unbeugsam vitale Enid, Inbild des amerikanischen Muttertiers, behält das letzte Wort."
(Ulrich Greiner in der ZEIT v. 27.06.2002)

"Die Familie (...) ist (...) ein Bedingungsverhältnis, in dem jedes Mitglied seine eigenen Überlebenstechniken entwickeln muss: Denise übererfüllt jede Norm, Chip probiert sich in Flucht und Trotz, und Gary, der Älteste, entwickelt Techniken, die ihn als Erwachsenen stets am Rand der Depression entlangsegeln lassen werden (...).
Gibt es das Subgenre des familienfeindlichen Familienromans? Wenn ja, muss diesem Roman sofort die Position des liebevollsten Buchs zugewiesen werden. Selbst Enid, der Mutter, nun wirklich ein in ihrer Unbewusstheit feinen Aggressions-Regen sprühender Drache, gesteht Franzen rührende - und sehr komische - Szenen zu (...).
Ziemlich genau im Zentrum des sorgfältig gebauten und mit vielen, vielen Querverweisen arbeitenden Romans steht eine Episode aus den Sechzigerjahren, als Alfred, der Vater (und dilettierender Schopenhauer-Leser), noch Furcht erregend und überlebensgroß war. Vorher und nachher wird die Gegenwart ausbuchstabiert. Anhand der Lebensläufe der drei Geschwister geht es dabei vor allem um die subtilen Stufen des Unglücklichseins und die verschiedenen Grade des Scheiterns."
(Dirk Knipphals in der TAZ v. 28.06.2002)

"Franzens Roman (...) zeigt in vielen Facetten, wie unendlich schwer das Erbe der Alten wiegt, und wie relativ wenig unsere wütenden oder vorsichtigen Korrekturen diese Last zu mindern vermögen. "
(Martin Krumbholz in der FR v. 29.06.2002)

 
 
 
       
   
  • Vorstellung des Buches in Deutschland:

    • SEIBT, Gustav (2002): Nervenkunst.
      In Europa gelandet: Jonathan Franzen zu Besuch in Berlin,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 26.01.
 
   
  • Rezensionen:

    • deutschsprachiger Raum:
      • STEINFELD, Thomas (2002): So grausam ist dieses Gesicht.
        Und doch wie weich! - Heute erscheint Jonathan Franzens großer Roman "Die Korrekturen",
        in: Süddeutsche Zeitung v. 24.06.
        • Kommentar:
          Der Gegenmodernisierer STEINFELD, der auch Autoren wie Michel HOUELLEBECQ verehrt, jubelt über FRANZENs Roman, der die Korrekturen der Kinder korrigiert und damit alles beim Alten läst:
              
          "am Ende gibt es, in einer radikalen Abwendung von der Tradition des Familienromans, keine Abrechnung, sondern ein zartes, schwaches, den ultimativen Verfall mit stoischer Weisheit hinnehmendes Vergeben und Verzeihen". Amen.
      • JÄHNER, Harald (2002): Mythen des Heilemachens.
        Jonathan Franzens Familienroman "Die Korrekturen" entwirft die Welt als Besserungsanstalt,
        in: Berliner Zeitung v. 26.06.
      • GREINER, Ulrich (2002): Sex und Geld und etwas Glück.
        Jonathan Franzens Buch "Die Korrekturen" hat alles, was man von einem intelligenten und prallen Roman erwarten darf,
        in:
        Die ZEIT Nr.27 v. 27.06.
        • Inhalt:
          Ulrich GREINER vergleicht FRANZEN mit John UPDIKE und Philip ROTH:
              
          "es fehlt jener Wärmestrom der Menschenliebe, den wir von John Updike kennen, der eine ganz ähnliche Welt beschreibt (...). Es fehlt der Hunger nach Transzendenz und die Verzweiflung über menschliche Niedertracht, wie wir sie von Philip Roth kennen, der wie Franzen in das Innerste der amerikanischen Gesellschaft eindringt, aber tiefer. Roth und Updike: Beide kämpfen in ihren Büchern auch mit sich selber, mit ihren Niederlagen und Hoffnungen, sie sind darin ganz enthalten und aufgegangen. Deshalb bewegen sie uns. Wo Franzen in diesem Buch steckt, ist nicht ganz klar, am ehesten noch in der starken, störrischen Gestalt Alfreds. Ansonsten aber erscheint Franzen als der kalte Schöpfer und schlaue Durchschauer eines Jahrmarkts der Eitelkeiten und einer simplen Gier, die sich auf die beiden Götter der westlichen Welt richtet: auf Sex und Geld."
      • SCHADER, Angela (2002): Leben auf der Strafbank.
        Jonathan Franzens beklemmendes Familienporträt,
        in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.06.
      • KNIPPHALS, Dirk (2002): Die Anmut des Müllheruntertragens.
        Die Familie und wie es gelingt, sie zu überleben: Heute erscheint der Roman "Die Korrekturen" des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Franzen. Mit großem Witz und noch größerer Unerschrockenheit seziert er menschliche Beziehungen,
        in:
        TAZ v. 28.06.
      • DOTZAUER, Gregor (2002): Schrille Nacht, eilige Nacht.
        „Roman über eine schrecklich nervige Die Korrekturen“: Jonathan Franzen hat einen wunderbar komischen Familie geschrieben,
        in:
        Tagesspiegel v. 29.06.
      • KREKELER, Elmar (2002): Herzland ist abgebrannt.
        Amerika sitzt auf einem Sessel im Keller: Jonathan Franzens Roman "Die Korrekturen",
        in: Welt v. 29.06.
      • KRUMBHOLZ, Martin (2002): Immer nur dem Rauch ausweichen.
        Früher, im 20. Jahrhundert: Jonathan Franzens bissig-witziger Familienroman "Die Korrekturen",
        in: Frankfurter Rundschau v. 29.06.
      • SPIEGEL, Hubert (2002): Jeder Satz ein Abenteuer im Wald.
        Warum man Jonathan Franzen genial nennen möchte: "Die Korrekturen" sind ein Juwel im abgetragenen Gewand des Familienromans,
        in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.06.
      • KLEINE, Brigitte (2002): Der Dostojewski des Mittelwestens.
        Amerikas Schriftsteller-Superstar Jonathan Franzen und sein Roman "Die Korrekturen",
        in: Kulturweltspiegel. Sendung vom Westdeutschen Rundfunk am 30.06.
    • englischsprachiger Raum:
 
   
  • Jonathan Franzen und der Roman in der Debatte:

    • deutschsprachiger Raum:
      • LUEKEN, Verena (2001): Der große Roman.
        Aus amerikanischen Zeitschriften: Ist die Literatur gerettet?,
        in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.09.
      • KREYE, Andrian (2001): Ein Ritter ohne Furcht, doch viel getadelt.
        Verdorbene Homecoming-Parade: Jonathan Franzen, Autor des Erfolgromans "The Corrections" liest in New York,
        in: Süddeutsche Zeitung v. 09.11.
      • FREUND, Wieland (2001): Sensation mit Ansage.
        Jonathan Franzen hat mit "The Corrections" die amerikanischen Buddenbrooks geschrieben,
        in: Welt v. 10.11.
      • WEIDERMANN, Volker (2001): Der Weltverbesserer.
        Die Wiederentdeckung des Privaten: Der Schriftsteller Jonathan Franzen führt den amerikanischen Roman aus dem Tal der Abstraktion zu neuer Menschlichkeit,
        in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.11.
      • KÖHLER, Andrea (2001): The Big Book.
        National Book Award für Newcomer,
        in: Neue Zürcher Zeitung v. 16.11.
      • KUNCKEL, Susanne (2002): Familie im Säurebad.
        Er verweigerte sich dem amerikanischen Literaturbetrieb und wurde damit weltberühmt. Jetzt erscheint Jonathan Franzens grandioser Gesellschaftsroman in Deutschland
        in: Welt am Sonntag v. 16.06.
      • BOEDECKER, Sven (2002): Scheinriese.
        Messias, Mythos, Megastar: Kein Autor ist so hip wie Jonathan Franzen. Warum eigentlich?,
        in:
        SonntagsZeitung v. 23.06.
        • Kommentar:
          Nur Lob für Jonathan FRANZEN in Deutschland! BOEDECKER dagegen wagt es, zu fragen, ob das Buch dem Hype tatsächlich standhält. Sein Ergebnis:
              
          "interessant zu lesen. Dennoch fehlt etwas Wesentliches: Erkenntnis.
          (...). Franzen vermittelt bestenfalls einen auf die WASP-Mittelklasse beschränkten Einblick und hat schlichtweg überhaupt nichts Neues über den Zustand der Welt zu sagen. (...). So bleibt es bei bloss Wohlbekanntem - Materialismus ist nicht schön, Familien sind selten glücklich, und bei aufstrebenden Biotech-Firmen arbeiten nur Schweine. (...).
          Es ist eben doch nicht das, wofür Franzen und seine Gemeinde es halten: der Schlüsselroman zum Verständnis der US-Gegenwart. Aber wer in diesem Sommer und Herbst bei literarischen Diskussionen nicht hoffnungslos im Abseits stehen will, kommt an dem Wälzer dennoch nicht vorbei. Glück für den Verlag. Pech für alle anderen."
      • KOSPACH, Julia (2002): Eingriff in die Krise.
        Jonathan Franzen, Shooting-Star der US-Belletristik, beweist mit seinem Familienepos "Die Korrekturen", dass die sozialkritische Literatur nicht am Ende ist.
        in: Profil Nr.26 v. 24.06.
      • FREUND, Wieland (2002): "Ein Läuterungsprozess der Literatur".
        Der Schriftsteller Georg M. Oswald über den Roman zur Zeit: Jonathan Franzens "Die Korrekturen",
        in: Welt v. 01.07.
        • Inhalt:
          Georg M. OSWALD, wie FRANZEN ein Angehöriger der Single-Generation, identifiziert sich mit dem Protagonisten Chip:
                 
          "Er repräsentiert den in der modernen Welt verlorenen Intellektuellen, der noch dazu mit einer Hypothek herumläuft, die für seine Generation typisch ist, nämlich die Hypothek der erfolgreichen, über-mächtigen Eltern, die das Koordinatensystem geschaffen haben, in dem sich die Kinder bewegen. Die Wahrnehmung dieses Phänomens ist in meiner Generation besonders stark. Wir bewegen uns in einer der längsten Friedensperioden der Geschichte. Das führt zu einer erhöhten Sensibilität, was Diskontinuitäten betrifft: Jobunsicherheit, gesellschaftliche Mobilität, fragmentierte Werdegänge. Die Generation der jungen Lamberts in Franzens Roman stellt Fragen, mit denen sich ihre Elterngeneration so gar nicht hat beschäftigen können."
                 
          OSWALD bezeichnet FRANZENs Figuren als Klischees ("flat characters"), denen menschliche Würde verliehen wird.
      • Neu:
        ROTH, Jürgen (2002): Die Milch lau und fad wie das Leben.
        Schwer, sich Hesses ambossartigen Metaphernkonstruktionen zu entziehen, besonders im deutschen Blätterwald,
        in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.
        • Kommentar:
          ROTH ist beleidigtl! Als einziges grosses deutsches Blatt hat der STERN den Roman von Jonathan FRANZEN "Die Korrekturen" verrissen. Aus diesem Grund wütet ROTH gegen Hermann HESSE, dem der STERN eine 5teilige Serie widmet.
                 
          Dabei haben FRANZEN und HESSE einige wichtige inhaltliche Berührungspunkte: beide sind Verächter urbaner Lebensstile und Konsumkritiker, d.h. sie kritisieren jeweils die Spassgesellschaft ihrer Zeit.
    • englischsprachiger Raum:
 
     
   

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Bernds@single-dasein.de Erstellt: 12. November 2001
Stand: 09. Juli 2002
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