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Bodo Morshäuser: Single in den Zeiten des Punks

 
       
   
  • Kurzbiographie:

    • 1953 in Berlin geboren
    • 1983 Erzählung "Berliner Simulation"
 
       
   

Berliner Simulation (1983)
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
 
 

Klappentext zu "Berliner Simulation"

"Sally, ich habe das alles aufgeschrieben. Die Erzählung spielt im August und September 1981 in Westberlin. Als wir uns eines Nachts kennenlernten, floß Blut. Auf einmal warst du weg. Ohne Anschrift, ohne Nummer. Ich suchte dich, schwirrte durch die Stadt, erster Teil. Ich bin ein Berliner, aber das half mir nicht. Du wurdest zur entfernten Geliebten. Ich traf Freunde und Feinde, nur nicht dich. Nach Wochen wußte ich nicht mehr, ob ich dich suchte oder das Bild, das ich mir von dir gemacht hatte. Ich gab die Suche auf. Bei einem Rockkonzert sah ich dich wieder. Wir umarmten uns, wir wälzten uns auf dem Boden.
Wir trafen uns im Raubtierhaus, wir trafen uns auf dem Europa-Center. Du zogst bei mir im kleinen Zimmer ein, zweiter Teil. Wir waren kaum zu Hause; ich zeigte dir, wo du angekommen warst, und du zeigtest mir, wo ich herkomme. So wurden wir Komplizen. Du warst weder die Entfernte noch die Geliebte, sondern einfach aufs schönste da. Wir tanzten den Big Spender. Berlin drehte sich. Wir trafen Martin aus Zürich, Lora aus Oldenburg, Terry aus New York und die Streetfighter Tele und Bettina. Der Häuserkampf wurde zum Straßenkampf. In der Potsdamer Straße kam ein junger Mann ums Leben. Wir waren da, wir gingen weiter. Ich war der einzige Berliner und erzählte von Berlin. Wir stiegen in Terrys Straßenkreuzer, fuhren durch den Grunewald und über den Q-Damm. In dem Kaufhaus tanzten wir, Sally: Wir sind nicht mehr empört."

Zitate aus "Berliner Simulation"

"Nur einer in diesem Ubahnzug läßt ein Rätsel bestehen. (...) Voller Gefühl sieht er finster drein. Wir haben den gleichen Weg. Er komme aus Süddeutschland, wo er arbeite, zum Wochenende nach Berlin, wo er wohne. Er macht einen militärischen Gruß und sagt: »Diesen hier! Vier Jahre freiwillig. Im Jahr verdiene ich 25 000 Mark. 6000 gebe ich für die Flüge oder Bahnfahrten aus. Am Wochenende muß ich eben zu meiner Frau!« (...)
Der Vermissende ist der Idiot. Das höchste der Gefühle anderer für ihn ist Mitgefühl - was ihn rasend macht."

"Manchmal wünscht Sally sich, daß jemand uns besuchen kommt. Gäste ohne Anmeldung tauchen hier so gut wie nie auf. Das kennt sie nicht. »Ihr macht eure Wohnungen nicht schön für andre. Jeder richtet seine Wohnung nur für sich selber her. Ihr habt keine gastfreundlichen Häuser, obwohl ihr nichts gegen Gäste habt. Ihr seid so viel allein in euren Wohnungen. Was macht ihr nur den ganzen Tag, neben euren großen Telephonen?«"

Stimmen zu "Berliner Simulation"

"Frühjahr 1981 (...) Ein Mythos war geboren, zu dem drei heiße Sommer lang tout Berlin hinpilgerte (...) Es ist die Zeit, von der Bodo Morshäuser in seinem Roman »Berliner Simulation« seinen Helden sagen läßt: »In diesen Tagen Schöneberg zu verlassen, das wäre, wie nach Oldenburg zu fahren«."
(aus: Sighard Neckel "Die Macht der Unterscheidung", 2000, S.148f.)

 
 
 
       
     
       
   
 
     
   
 
   
© 2000-2001
Bernd Kittlaus
[email protected] Erstellt: 18. Februar 2001
Stand: 19. Februar 2001
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